Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-03-16 · Heft 22 (16.3.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 22 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2652993--19820-2677737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Einzelnummer 0,40 Goldmark Mi£ ^rtmgzionlsHsehc Bläticr" JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15. Meinekeetraße 10. Erscheint jeden Dienst« und Freitag. Bezugspreis bei der Spedition monatlich 1.85 Goldmark, sriertelilhrlieh 5.25 loldmark. .\יי׳ »ro»»hen׳'•«*»■♦« werdee <e d«r WtHm< der •im ein* מ LI*4jr b•- rechnet Nummer 22 Berlin, 16• UI. 1928 tm Anzeigen «־Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H.. Berlin W15, Melnekestr.10 Telephon; Amt Bismarck 7165—70. Aanidanprets: 8 {••p tltNoep»r»U!»»wI• 0J0 G.-.W Stellensuche WJ6׳M. AnseiseMcUali Oi«a«t*< a*d f f H » « met1Biu«j1 4 Uhr Telephon; Bismarck 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich* Postsparktssen-irat Wies, Konto Nr.!56030 Für T8chechosfow»keit ro$Up*rkas§*«arat Frag, Koato Nr. 59410t Für Polen; Pch5t8parka**enanst Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. כ״ד אדר׳ תרס״ח | xxxm. Jahr*. D«, ziowi.wm» ,rstttfct mr d■■ lUdUch« Volk Ule «ciiettuwa •Iw» - rechtlich gasleherlew Helwist»«*• Iw PaHlstlne. ..Batate» Programm.“ Englische Freunde des Zionismus Balfour, Lloyd )George, Macdonald einig Die ״Times" vom 13. März verÖffen|icht die folgende Zuschrift:; , Im folgenden möchte Ich von einer Kforresponden? Kenntnis geben, welche im vorigen Jahris zwischen einer Gruppe von Förderern der?ionistischenßewegung und Dr. Weizrnann, der damals am Zionisterlongreß in Basel teilnahm, stattgefunden hat; I. London, 27. August 1927• Sehr geehrter Herr Dr. Weizrnann! Wir Unterzeichner dieses Briefes nehmen, wie Sie wissen, tiefen Anteil an der zionistische( Bewegung und haben den ernsten Wunsch, daß die auf ErricMung einer Nationalen Heimstätte für Ille Juden in Palästina gerichteten Hoffnungen und Bestrebungen verwirklicht werden. Wir haben auch Gefühle der größten Sympathie und Bewunderung für Sie, auf welchem eine so schwere Last der( Verantwortung ruht Wir begreifen, daß wir nur wenig dazu tun können, diese Last zu erleichtern; dfe Bewegung ist eine jüdische, und wir stehen zwar ihr zur Seite, sind jedoch sozusagen nicht zu ihr g*b3rig. Dennoch halt»! wir uns als Anhänger der Baifour-Deklaration für verpflichtet, in dieser Zeit der Schwierigkeiten llüiiii, uni .dÄph\tffe/l davon Gebrauch ־zu machen für allgezeigt halten mögen» : ״ . ] ,;.• ״ ,• ׳ ׳ _. p•״‘ Wir haben erfahren, daß Pro Pi!8st!na-Ge- Seilschaften in verschiedenen Ländern gekündet wurden und daß die dortigen zionistischen Orgaidsatlonen hierdurch eine gewbse mprallsche Unter- Stützung gefunden haben. Die Öeifeijtlichkeit in Engfand ist wie wir wissen, noch immer «ehr ungenügend und oft sogar falsch über die zionistische Bewegung informiert Es mag sein, daß sich Her, in dem Versuch, gegen diese Unwissenheit anzukämpfen, eine bedeutungsvolle Aufgabe bietet Mer es ist wohl nicht unsere Sache,' zu sagen, auf welche Weise wir Ihnen von Nutzen sein könnten. Der Zweck dieses Briefes ist irfüllt, indem wir Ihnen die Versicherung abgehen, dal wir bereitstehen und, In der Tat auf eine Gelegenheit warten, um Ihnen unter Beachtung der Grenzen, die einigen von uns durch ihre offiziellen Stellungen in diesem Lande auferlegt sind, jeden möglichen Beistand zu leisten. Balfour. J. Ramsey Macdonald. D. Lloyd George. Phflip Snowden. Ethel Snowden. George M. W. Macdonogh. Josiah C. Wedgwood. Wyndham Deedes. Blanche E. C. Dugdale. H. Sidebotham. George Mitchell (Sekretär). II. Basel, 13. September 1927. Sehr geehrter Mr. Mitchell, Ich bin den Unterzeichnern des Briefes, den Sie mir zu übersenden so freundlich waren, tief verbunden für ihre Versicherung der Sympathie und des Wohlwollens und ich bitte Sie, so gut zu sein und ihnen den Ausdruck meiner Dankbarkeit zu übermitteln. Sofort nach der Beendigung des Zionistenkongresses werde ich zu einem kurzen Besuch nach Palästina fahren, aber ich werde gegen Ende des Jahres wieder in London sein und werde dann eine Gelegenheit suchen, um mit den Persönlichkeiten,, die sich so mit unserer Bewegung identifiziert haben, zusammenzukommen und ihnen in meinem eigenen Namen und im Namen meiner Kollegen zu danken iür, jJie , *fc. ip ataem Moment, wo . EriÄiiitilifr ,fit, iifilifeiterÄben.^4 ״ •.. Mit nochmaligem Danke Ihr usw. Ch. Weizrnann. Im Anschluß an diese Korrespondenz ist nunmehr die ״Palestine Mandate Socletv“ gebildet worden, deren Vorsitz Lord Cecil of Che 1 wood übernommen hat Diese Gesellschaft besteht aus einer Anzahl nichtjüdischer britischer Bürger. Ihr Zweck ist, im britischen Reich die Maßnahmen bekannt zu machen, weiche ergriffen werden, um der gemäß dem Palästina-Mandat von 1922 geschaffenen Partnerschaft zwischen dem britischen Reich und der Zionistischen Organisation Wirksamkeit zu verleihen. Hochachtungsvoll George Mitchell (Sekretär der ״Palestipe Mandate Society“). Wenn Hitler gesiegt MUti Daß in bewegten Zeiten selbst das Kulturland Deutschland Schau!'־,*, י ־״*־־'— —׳- י—׳» —»-״—»■־- '־ die Hitler! Die dem Untersuchungsausschuß vertilgenden Akten enthalten eine allerdings noch lückenhafte Daptellung der Schicksale der in der Nacht vom 8. zum 9. Ifovepibsr 1923 verhafteten jüdischen Geiseln, ln der letzt« Session des Aus- Schusses wurde festgestellt, daß dfe aii aie jüdischen Geiseln bezüglichen Akten!Verschwunden seien. Ein Teil dieser Akten kpilnte inzwischen wiederbeschafft werden. Der erste Jude, der dm Nationalsozialisten in die Hände fiel, war der Fabrikbesitzer Dr. Ludwig Wassermann, der einer Einladung ׳des Bayerischen lndustridien-Verbandes zufolge in die Kahr-Versammlung im Bürgerbräukeller gekommen war. Er wurde am Schluß der Versammlung verhaftet, in ein besonderes Zimmer gebracht und darauf aufmerksam gemacht, daß er beim geringsten Fluchtverdacht erschossen werden würde. Später wurde ihm erklärt, daß er am nächsten Tage am Marienplatz gehängt werden wird. Am Vormittag des 9. November wurde auf Befehl dos Hauptmanns Oe., der sich darüber beschwerte, daß nichts geschehe und daß alles so schlapp sei, eine Reihe von Geiseln in ihren Wohnungen unter Gewaltandrohung, zum Teil bei Abfeuern von Schüssen, verhaftet und in den Bürgerbräukeller - geschafft. Die Verhaftungen dienten teils der Befriedigung persönlicher Rachegefühk, teils wurden sie ganz wahllos durengeführt. Im Bürgerbräukeller wurden etwa 25 jüdische Bürger als Geiseln zusammengetrkben. Dabei habe sich namentlich der fnihere Justiuniniier Roth eifrig betätigt, indem er die Geiseln auf Waffen untersuchte. Währenddem hatte der berüchtigte Nürnberger Antisemit, Lehrer Streicher, im Aufträge Hjtters An%achen auf dem Marienpiatz und in anderen Teilen der Stadt!«halten und die Bevölkerung antisemitisch 8ufzuhet?en versieht. Bei ver- «.chiedenen jüdischen Firmen wurden in bMalster Weise Haussuchungen nach Waffen und Devis^ veranstaltet, wobei die verständigte Polizei 6i*h neutral verhielt mit der ■Begründung, «je Biisthe sich nicht in dtetie politischen Sachen. Düs Keiterkorps Wfcde hatte in einem jüdischen Kleidergeschift 76 Breecheshosen und in einem jähriger. Den Geiseln wurde verboten, zu rauchen und zu sprechen. In allen geschilderten Fällen wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die Schuldigen abgelehnt Keiner von ihnen wurde verhaftet Das Gericht lehnte die Beschwerde des Staatsanwalts gegen der Nichteröffnung des Hauptverfahrens mit Bescheid vom $. Oktober 1924 mit der Begründung ab, daß dfe Angeschuldigten nicht das Bewußtsein hatten, unbefugt oder widerrechtlich zu handeln, da sie glaubten, die Regierung tue mit. Die Uqoidierang der Arbelfsloslgkelt ״Haare*“ vom 8.' März schreibt! Wie veilautct, macht die Zionistische Exekutive große Anstrengungen, um 10;0rt den Plan verschiedener Arbeiten zu verwirklichen, der es möglich machen wird, die Arbeitslosenunter- Stützung vollständig einzustellen. Im Zusammenliang damit fand gestern «ine Unterredung zw! eben der Zioni:ti:chen Exekutive und dem High Commis׳loner statt, und es#becteht die Hoffnung, daß bereits in den gädrten Tagen die Angelegenheit porltlv erledigt wird. Herr Sacher, Mitglied der Palästina-Exeku ive, hat sich nach London begeben, um mit Dr. Welzmann noch vor seiner Abreise nach Amerika Rücksprache zu nehmen und den gesamten Arbeitsplan für die nächste Zukunft in seinen Einzelheiten zu besprachen. Die Rothenberg •Konzession ln Transjordanien Jerusalem, 10. Mär*. (J.T.A) Das in Amman erscheinende Amt blatt der Regicrurg Trairjo c*a*!lem teilt mit, daß der Emir Abtellah und sein MH Grat der an den R u t h e n b e r g - K 0 n re r n fern־ hrten Konzesrlon zur Au:- beutiiag der Wasserkräfte des Jordans zugeatimmt haben. ״Palestine Mandate Society״׳ Die Gründung der ״Pa 1 estine Mandate Society“ in England ist ein Ereignis, dem zweifellos noch größere Bedeutung beizumessen ist als den Pro Palästina-Komitees in den verschiedenen europäischen Ländern. Denn England hat in bezug auf das Palästinamandat eine ganz besondere Stellung, und die Organisierung der öffentlichen Meinung in England zu unseren Gunsten kann von unmittelbarem Einfluß auf die Art der Durchführung des Mandates und der Palästina-Ver• waltung sein. Es war ein weit verbreiteter. Irrtum, daß schon bisher ein derartige Komitee in England existiert; es handelt sich dabei ־um eine Verwechslung mit dem parlamentarischen Palästina-Komitee, das vor einiger Zeit gegründet wurde, jedoch einen ganz anderen Charakter hat: Es ist eine Zusammenfassung von Parlamentariern aller Fraktionen, die für die Paiästinafrage besonderes Interesse haben und darüber nähere Informationen zu erhalten wünschen. Die neue ״Palestine Mandate Society“ hingegen ist weder auf Parlamentarier beschränkt, noch hat sie einen allgemein politischen Charakter, sondern sie ist, wie aus der Gründungsanzeige, die wir nebenstehend abdrucken, unzweideutig hervorgeht, eine Gesellschaft von Freunden des Zionismus. Sie besteht aus solchen englischen Persönlichkei.en, die das zionistische Problem begriffen haben und den außerordentlichen Charakter der Auf gäbe des Aufbaus einer jüdisch-nationalen Heimstätte an» erkennen. An der Spitze der Gesellschaft steht Lord Cecil•, der idealistische Politiker, _dpr aus׳ tiefe*־• '1n:4f|...ZH|slÄiÄe1t1»ahife düs VÖllteeSi^ ftfik 1SÄ%: FÄ* •feüiig “Ältal ”•iflrillÄen^ffte’itiven, kommen ist; es ist der Mann, von dem das denkwürdige Wort stammt, daß die Gründung des Völkerbundes und die Schaffung des jüdischen NstiouaJheime* die beiden einzigen großen mora'ischen Resultate des Weltkrieges sind. Die Unterzeichner des Briefes, der < d«n Ausgangspunkt der neuen Gründung bildete, sind die ersten Männer des politischen England. Die Führer aller drei Parteien haben sich angeschlossen: An der Spitze Balfour, der zwar im konservativen Kabinett nur Lordkanzler und nicht Ministerpräsident ist, aber doch durch sein persönliches Ansehen eine völlig exzeptionelle Stellung hat; von den beiden anderen Parteien sind die präsumptiven Ministerpräsidenten unterschrieben Diese solenne Verpflichtung der Führer aller Parteier ist besonders in diesem Augenblick, vor den englischen Wahlen, von größter Wichtigkeit. Die zionistische Oeffentlichkeit wird die Nachricht von der Schaffung dieser Gesellschaft mit großer Genugtuung aufnehmen. Sie ist das geeignete Instrument für eine weitergehende Organisierung und Informierung der öffentlichen Melnung, die in einem sö demokratischen Land wie England ein Faktor von ausschlaggebender Bedeutung Ist. Die Wärme des Briefes an Dr. Weizrnann, der bereits vor einem halben Jahr, also zur Zeit des Tiefpunktes der palästinensischen Krise und zugleich — vielleicht «in zufälliges Zusammentreffen — des Beginns eines deutliehen Umschwungs im Verhalten der Palästina-Regierang, geschrieben ist, beweist, daß diese Männer zu wirklicher tätiger Unterstützung der zionistischen Arbeit bereit sind. Die ״P. M. S.“ bedeutet eine große Ver- Stärkung der politischen Front des Zionismus. Die Veröffentlichung in der ״Times“ ist ein guter Auftakt zur Reise Dr. Weizmanns nach Amerika. Weizmann wird darauf Hinweisen können, daß sich pölitisch unsere Lage sehr verbessert hat; um so notwendiger ist eine Ausnützung dieser Chance durch verstärkte wirtschaftliche Arbeit. Für die ״Palestine Mandate Society“ bietet sich aber auch sonst ein großes Arbeitsfeld. Ganz abgesehen davon, daß von Zeit zu Zeit in gewissen englischen Kreisen und einzelnen Zeitungen immer wieder Rücl»- fälle in die aggressiv-antmonistische Politik zu verzeichnen sind, die eine energische Abwehr nötig machen, gibt es auch eine Reihe positiver Aufgaben, für die gerade ein solches englisches Komitee das richtige Organ wäre. Der Zionismus bedarf bei der Durchfühnng eines ohne Präzedenzfall dastehenden Unterneltmens des Rates und der Hilfe erfahrener Personlichkeiten, besonders solcher, die die Praxis und Prinzipien der eng'ischen Politik kennen und daher wissen, in welcher Weise manche vitale Erfordernisse des Nationalheims in den Rahmen der britischen Politik und Verwaltung eingefügt werden können. Um nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.