Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-03-02 · Heft 18 (2.3.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 18 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2652989--19786-2677699
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekcstraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldoiark, vierteljährlich 5.25 Goldmark. Ao» »nds»bonn«m«r!U werden in der Wlhrtm» der einzelne Linder b rechnet. Nummer iS | Berlin, 2. III. 1928 Einzelnummer 0,30 Goldmark RUNDSCHAU Anzeigen «V erwaltung Jüdische RucdschaaG.m.b.H.. Berlin WI5, Meinekestr. 10 Telephon! Amt Bismarck 7165—70. Aaxetgenpreisi S J eipsltNonpareillereile 0.50 &-H. Stellengesuche 0,75 G.-M. Aniet gesteh 1091 Di« eite{ and F reite f nechtaiUefi 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oesterreich: Pastspark■uenaat Wim. Konto Nr. IM030 Fflr Tschechoslowakei■ Paataparkasienamt Prag, Konto Nr. 59416■ Fflr Polen: Postsparkaaaansat Wacschaa, Kant» Nr. 190708. RedaktionsschluQ Sonntag und Mittwoch nachmittag. י׳ אדר׳ חרס״ח I XXXIU. Jahrg. Voil* die IchaWuwg «1«» 8HentHcH . rechtlich Halmititt« in Palästina. ״Saitlaa ProgranHn.u Alfred monds zweiter Palästina-Besuch Die Elektrifizierung Palästinas Spezialbericht der ״Jüd. Rundschau״. Intervention bei der Regierung — Rede vor der Presse — Appell an die Weltjudenhelt Jerusalem, 28. Februar. (J.T.A.) Sir Alfred Mond ist aus Anlaß seiner Anwesenheit in Jerusalem an die P al isfina-Regierung wegen einer intensiveren Unterstützung des jüdischen Kolonkationswerks in Palästina herangetreten, ln Unterredungen, die er mit dem Oberkommissar, Feldmarschall Lord Plu mer, und mit dem Chefsekretär der Palästina-Regierung, Colonel Syraes, persönlich gehabt hat, machte er detaillierte Vorschläge, wie das Aufbauwerk von der Regierung am besten zu fördern sei. Mond empfing in Jerusalem die Vertreter der inländischen und ausländischen Presse und sagte ihnen, er habe bei seinem jetzigen Besuch ln Palästina ausgezeichnete Eindrücke empfangen. Er erwarte, daß bei Beginn des Frühjahrs sich die Arbeitslage entscheidend bessern und die Arbeitslosigkeit stark gemindert sein werde. Im allgemeinen sei er über den Grad des Fortschrittes, den er überall im Lande, sogar in Tel-Awiw, wo die meisten Fabrik«! ihr Arbeitsgebiet erweitern, wahrgenommen habe, erstaunt und erfreut Die landwirtschaftliche Lage, fuhr Sir Alfred Mond fort, ist eine gute; ratsam sei die Entwicklung der Geflügelzucht, der Viehzucht und eine erhöhte Benutzung künstlicher Düngemittel. Kein Volk irgendwo in der Welt, sagte er, habe bei so wenig landwirtschaftlicher Erfahrung und ohne daß ihm seitens der Regierung Boden und Kapital zur Verfügung gestellt worden war, so gute Resu!l״te erzielt, wie die jüdischen Landwirte in Palästina. Das Werk der Elektrifizierung habe alle Erwartun gen übertroffen, die Palestine Electric Corporation .mache bewundernswerte Foitschritte. Alle Kraftstationen erhöhten ihre LeUtuaiöi (ü|er.: (Jas : uraprüp^üpbe- *Prc^ramm hinaus. iffrfejllir. «ftt Else»’ b Art 1 i n I' e' f a g d a 4 * rf i'll a.. . Ypcfi kette : festen ׳ Eptschlösse ■ gefaßt' worden sind.־. JPJe. Verwirklichung dieser beiden Projekte: würde eine Ausgabe von 15 Millionen Pfund erfordern. Der Entschluß zu solch hohen Ausgaben setze erschöpfende Prüfung voraus. Sir Alfred. Mond teilte den Vertretern der Presse mit, er bereite eine Kundgebung an die Judenheit der ganzen Welt vor, in der er diese zu einer rtlrkeren Unterctülzung des zukunftsreichen jüdischen Aufbauwerkes in Palästina auffordern werde. Ich werde dies, sagte er, in der Ueberzeugung tun, daß die Sache des Jüdischen Nationalheims die unablässige und intensive Unterstützung der Juden aller Länder verdient. Je eher die finanziellen Mittel zur Verfügung gesteift werden, desto besser und schneller wird das Aufbauwerk Früchte tragen. Die Verhältnisse Palästinas im allgemeinen sind gute, der Bau ruht auf einer gezünden und entwicklungsfähigen Grundlage. Außer den Leitungen des Keren Hajessod und Keren Kajemeth, schloß Sir Alfred Mond, rci cs wesentlich für das Nationalheim, daß auch private Unternehmungen in Landwirtschaft und Industrie immer mehr begründet werden. Ein Grabdenkmal Trompeldors Sir Alfred Mond hat dem in Palästina lebenden jüdischen Bildhauer Melnikow den Auftrag erteilt, ein monumentales Denkmal für das Grab des Chaluz-HefdenTrumpeidor in der Kolonie Tel Chai in ObergaHläa zu schaffen. Die Grabfigur soll einen Löwen darstellen. Kapitän Joseph Trumpeldor hat im März 1920 bei der Verteidigung der jüdischen Kolonie Tel Chai gegen arabische Plünderer im Alter von 36 Jahren sein Leben gelassen. Trumpeldor hat sich schon als russischer Offizier im Kriege gegen Japan besonders ausgezeichnet, er war der einzige Jude in der za'ischen Armee, der es zum Rang eines Off! •iers gebracht hat. ln der Schlacht bei Port Arthur verlor er einen Arm. Nach Kriegsende siedelte er sich als Chaluz in Palästina an, kam im We’t'cricg a'j Flücht'ing nach Alexandria, wo er das zionistische Verteiüigungskorps organi deren half. Er war Colonel Patterson unterstellt, der in seinem Buche über Gallipoli Trumpeldor als den tapfersten Menschen, det ihm je begegnet ist, schildert. —׳ Am Tage der Tragödie von Tel Chai (11.' Adar, vor .genau 8 JdttenK ln!8ij|ä#R aß _: vbY’.drii -Kugeln |etro!fen. wurde. XelieBs|^i|!rMc6.,'VAi^flW^«t»■. kl»p#fe. “.er■ ipeh zwei Stunden.!tag Jrelt«־ und leitete die Verteidigung des angegriffenen Jüdischen Dorfes. Schließlich ׳ mußten die Araber, nachdem sie 5 Tote und 15 Verwundete zurückgelassen haften, den Rückzug antreten. In dem Kampfe wurden auf jüdischer Seite der frühere Soldat Tocker, sowie die Chaluzim Munter und Scharp, ferner die beiden Mädchen Deborah Drichler und Sarab Chisick getötet, die Chaluzim Zuloti, Galubow und Goldberg verwundet Trumpeldor wußte, daß seine Verletzungen tödlich seien, denn als man ihn nach dem siegreichen Kampfe fragte, wie er sich fühle, erwiderte er: ״Es ist gut, für unser Land zu sterben.“ Er wurde von seinen Kameraden nach Kfar Giladi getragen, wo die Sicherheit eine bessere war. Auf dem Wege starb er. Wieder die Tote Heer •Konzession Am 27. Februar stellte Col Hpward-Bury an den Staatssekretär für die Kolonien im Unterhaus die Anfrage, ob er von den Arabern irgendwelche Eingaben erhalten hat, betreffs Erteilung der Tote-Meer-Konze$sion an Novomejski und ob er mit Rücksicht auf die Wirkung, die eine Erteilung der Konzeption auf die englischen Be- Ziehungen mit den Arabern haben müßte, bereit sei, seine Entscheidung abzuändern. Amery antwortete: Ich habe von dem Exekutiv-Komitee des paläs tinenti chen arabischen Kongresses eine Eingabe bekommen, die dafür ecitritt, daß die Ausbeutung der Mineralen des Toten Meeres von der palästinendschen und transjordanischen Regierung direkt anstatt von einem privaten Unternehmer in Angriff genommen wird. Den Antragstellern wurde ml!geteilt, daß infolge des komplizierten technischen Charakters des Unternehmens dieses nicht von der Regierung richtig durchgeführt werden könnte. Ich möchte aber nochmals darauf hinweisen, daß die Kon- Zession nicht an Herrn Novoraejsky gegeben worden ist, wie die Anfrage annimmt, sondern daß Verhandlungen eingeleitet worden sind, um die Bedingungen für eine Ver- Pachtung zur Ausbeutung der Mineralien mit Major Tulloch und Herrn Novomejsky gemeinsam festzusetzen. Col. Howard-Bury: Werden die Anschauungen der Araber berücksichtigt werden, da diese Konzes: ion nicht nur Palästina, sondern auch Trapsjoxdatiien betrifft und die Araber gegen jede prozionisti che Erledigung dieser Angele^cnheit sind? : Amery:. Wir sind ganz und gar darum bemüht, das beete Mittel einer erfolgreichen Ausbeutung des Toten Meeres durch Privatunternehmer zu sichern. — Mr. Miln e: Ist der Minicter überzeugt, daß diese zwei Herren die erforderliche Eignung haben? — Amery: Was die technische Eignung betrifft, so haben wir äußerst zufriedenstellende Berichte. Wir verhandeln jelorh noch, um fectzu;teilen, daß sie auch die anderen geschäftlichen Qualifikationen haben. New York, 28. Februar. (J. T. A.) Frau Sol Rosenbloom, die seinerzeit 510 0D0 Dollar zur Erbsupng t'ecjudal tlsehen Instituts der Hebräischen Universität ge pendet hat, hat neuerdings ICO C00 Dollar der Abteilung für klassische Philologe der Universität zugewenäei Ein Interview mit Weizmann Der Londoner ״Jewish Chronicle“ veröffentlicht ein Interview mit Dr. Weizmann vor dessen Abreise nach Amerika. Welzmann beschreibt dem Berichterstatter zunächst den ungeheuren Eindruck, den die elementare Begeicterung der jüdischen Massen im Orten, insbesondere in Rumänien, auf ihn gemacht hat. ״Ich wünschte, daß die Leute, die so töricht vom Niedergang der: Bewegung sprechen, diese Begeisterung gesehen hätten. Während der ganzen Zeit hörte ich nicht ein Wort von einer Krise in Palästina und nicht den geringsten Zweifel an dem Triumph unserer Sache. Für alle diese Tausenden von Menschen ist es ein Axiom, daß das nationale Leben unseres Volkes in Palästina wiederersteht, und sie sind so wenig beeinflußt von den von unsern Gegnem so übertriebenen vo übergehenden Schwankungen, wie irgendein unsterbliches Kunstwerk in seinem Wert beeinträchtigt wird, wenn sich etwas Staub darauf legt.“ Im weiteren Verlauf seiner Aeußerung verwies Dr. Weizmann auf die Besserung der Lage in Palästina, die einen allmählichen Abbau der Arbeitslosenunterstützung gestattet. Die Industrien zeigen deutliche Zeichen der Aufwärtsbewegung, sie haben während der KrDe wertvolle Erfahrungen gesammelt und ihren Betrieb verbessert ״Ich will offen gestehen,“ sagte Dr. Weizmann, ״daß ich mich viel mehr fürchte vor den Konsequenzen der Hochk o n j u n k t u r, die ich in Palästina voraussehe, als ich mich je vor der Krise fürchtete. In übermäßigem Optimismus liegt eine größere Gefahr als in unberechtigtem Pessimismus.“ Sokolow In Sofia Sofia, 23. Februar, (J.T.A.) Nahum Sokolow wurde bei seiner Ankunft in Sofia׳ am Bahnhof mit großen Ehren empfangen. Abordnungen fast aller Richtungen des bulgarischen Judentums, sowie hohe Beamte des bulgarischen Außenministeriums hatten sich zur Begrüßung eingefunden. Auf dem Wege nach Sofia hielt der Zug kurze Zeit auf dem Budapester Hauptbahnhof. Mehr als 330 Budapester Züxiirten hatten sich zur Begrüßung des Führen eingefunden. j. f. Jerusalem, 23. Februar 1928. Die erste jüdische Niederlassung auf transjprdanlschem Gebiete ist auf dem linken Jordanufer südlich vtj>n der Stelle, da der Jarmuk in den Jordan mündet, errichtet worden. Unmittelbar nördlich von dem transjordanischen Grenzposten erheben sich die provisorischen Anlagen der Rutenbergschen Kraftstation. Die Bedürfnisse der wachsenden wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas zwingen zu einer Aenderung der Jahrtausende unbe* rührten Natur des Landes. Der Lauf des Jordans un^ des Jarmuk werden aus ihren bisherigen Betten abgdenkt werden. Große Staudämme werden sie zwingen, ähre überschüssigen Wasser in ein großes Staureservoir zü ergießen. In den weiteren Plänen Rutenbergs liegt au.ch eine Ablenkung des Jarmuk von seiner bisherigen Einmündung in den Jordan weiter nordwärts, so daß die Wasser des Jarmuk sich direkt in den Tiberiassee ergießen. An der Stelle südlich von der Einmündung des Jarmuk in den Jordan und östlich von der über den Jordan führenden Brücke Djjsr el Mijamijeh war noch vor einem Jahr alles völlig verlassene Gegend, unberührte Natur. Seither erhebt sich dort eine ganz kleine Industrie- Siedlung. An dreihundert jüdische und fünfzig arabische Arbeiter sind mit der Anlegung der Kraftstation beschäftigt Auf dem Hügel über der künftigen Kraft- Station erheben sich fünfzehn Beamtenhäuser und etwas weiter nach Transjordanien hinaus sechsundzwanzig Arbeiterhäuser. Diese Häuser sind in einem neuen, gefälligen Baustil errichtet und zugleich mit allen sanitären und gegen die Hitze schützenden Vorkehrungen gebaut, die es, (Jen Bewohnern ermöglichen sollen,',in;dp,ו§«ו| lieht, die Arbeite!: ln ejnem unverhofft' gnteh-GitKlI*; HeitsanttJänd zu erhalten. Es sind bisher nur 36 Tille, von Malaria vorgekommen —־. weit weniger, als in den benachbarten jüdischen Kolonien. Die jüdischen unge-. lernten Arbeiter verdienen mindestens PT 30 täglich, die Fach! :ute natürlich viel mehr. Davon haben die Arbeiter , PT 12 täglich für ihre Ernährung zu zahlen und PT 20 monatlich für die Wäsche. Die Mahlzeiten sind unvergieichlich reichhaltiger und schmackhafter, als es die Ernährung in den jüdischen Kolonien ist. Die gemeinsame Küche ist nach den modernsten Anforderungen gebaut, der Speisesaal groß und luftig, die Küche mjt Kacheln ausgelegt und stets sauber. Der Kampf gegen die Fliegen wird mit großer Energie durchgeführt Der Speisesaal enthält auch einen durch Wände abtrennbaren Lese- und Sctireibyaum und eine Bühne. Vorläufig leben in dieser Rutenbergsiedlung nur Arbeiter und Beamte ohne Familien, um nicht die Familien Krankheiten auszusetzen. Ein großer Teil der Arbeiter besteht aus, früheren Arbeitslosen aus Tel-Awiw und Haifa, ein Teil der Arbeiter wird von den umliegenden jüdischen Siedlungen gestellt Insbesondere die in der Nähe liegende Kwuza Gescher hat große Vorteile von der Rutenberg- Arbeit in der Weise, daß sie Milch, Eier, Gemüse und andere Produkte ihrer Wirtschaft dorthin liefert und auch Gespanndienste verrichtet Ebenso sind die arabischen Arbeiter, die bei Rutenberg arbeiten, aus den umliegenden transjordanischen Dörfern entnommen. Die arabisehen Arbeiter führen ihre eigene Wirtschaft und wohnen in einem Zeltlager. Die Beziehungen zwischen ihnen, der Leitung des Werkes und den jüdischen Arbeitern sind stets sehr gute. Die Rutenbergschen Arbeiten zur Errichtung der Kraftstation werden in der nächsten Zeit noch 200 Arbeiter aus der Zahl der Arbeitslosen entnehmen können. Damit aber werden sie ihr Maximum erreicht haben.. Nach Beendigung der Arbeiten im Herbst 1929 wird die Rutenbergsche Kraftstation nur eine geringe Anzahl fachlich ausgebildcter Arbeiter, vor allem Elektrotechniker beschäftigen und wird daher für die Beschäftigung von Arbeitslosen und Unqualifizierten nicht mehr in Betracht kommen. Zu diesem Zeitpunkt gedenkt Rutenberg die 26 Arbeiterhäuser und das dazu gehörige Land für eine landwirtschaftliche Siedlung zu verkaufen. Rutenberg verfügt jetzt über 6000 Dunam Boden, wovon dann etwa 3000 frei werden. Die neue landwirtschaftliche Siedlung wird durch die Belieferung mit Wasser und Elektrizität einen natürlichen Vorteil besitzen. Rutenberg wird auch schon in nächster Zeit Dagania, Kineret und andere in der Nähe gelegenen jüdischen Siedhingen mit Elektrizität versorgen. Die Eisenbahn von Haifa nach Zemach durch-‘ schneidet das Arbeitsgebiet der Kraftstation. Es wurde eine eigene Station ״ JordanhaU“ eingerichtet, da beinahe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.