Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1928)
- Date
- 1928-02-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nf.15» si.nte» Mm 109 Aus der Berliner Gemeindestube Das durchschaute Spiel de» extreme» Flügels der Liberalen. A«eb der letzten Sitzung der Reprisen tantenversammlung lei Berliner Gemeinde vom 16. d. M. blickte man in der Deffentlichkeit mit einer g»rissen Spannung entgegen. Auf lei Tagesordnung stand rÄen wichtigen Punkten, wie die?rage der Arbeitslosigkeit und die Reform der Beamtenbesol• jung, auch eipe liberale Anfrage wegen des Schreibens der Oemeinde an das Kultusministerium ln Angelegenheit der Besetzung des Sachverständigen an Stelle des verstorbenen lusflxrats LilientbaL Um diesen Brief hatte sich bereits n der liberalen Presse eine ganze Legende gewoben. Nach jer Methode des unversöhnlichen, extremen Flügels der libertlen Partei wurde diese Angelegenheit des Sachverstin- Ilgen beim Kultusministerium ungeheuerlich aufgebauscht Dieser extreme Flügel überschwemmt die Provinzpresse mit Aufsätzen, die ganz im Geiste der ״Jüdiscb-Hberalen Zeitung״ gehalten sind. In diesen Aufsitzen wird unablässig von einer Krise ln der Berliner Jüdischen Gemeinde gesprochen, von einer unerhörten Vergewaltigung der liberalen Minorität in der Repräsentantenversammlung und im Vorstand, von dem schreck-!leben und provoderenden Ton der Vertreter der Majorität, kurz — von dem furchtbaren Sumpf, in dem du«* die Herrschaff der neuen Majorität die Berliner jüdische Gemeinde m versinken droht Dieses Spiel ist ein Resultat kalter Berechtiung und spekuliert auf Uninformiertheit und Leichtgläubigkeit einer mit der wirklichen Sachlage nicht vertrauten Leserschaft Man stellt schlankwegs übertriebene und falsche Behauptungen auf mit der Absicht, die öffentliche Meinung zu verwirren und wenig kritische Oemüter zu beeinflussen. Wie in ähnlichen Fällen, bleibt auch hier etwas haften. So konnte man es erleben, daß eine angesehene jüdische Provinzzeitung, von diesen hunderfach wiederholten schiefen Darstellungen beeinflußt, allen Ernstes an die neue Mehrheit die Mahnung gerichtet hat, die liberale Minderheit in der Berliner jüdischen Gemeindestube glimpflicher zu behandeln. Allerdings brachte diese Zeitung in der letzten Nummer eine Richtigstellung, aber daß es möglich war, der Suggestion einer Entstellungskampagne der liberalen Extremisten zu erliegen, beweist die nicht zu inrterschltzende Gefahr diesft Treibens. Und zwar handelt es sich bei dieser Taktik um ein Spiel mit verteilten Rollen. Die ״Jüdisch-liberale Zeitung“, das Organ der jüdisch-iiberaten Vereinigung, wird in Privätgesprlchen und zuletzt auch In der öffentlichen Sitzung der Repräsentantenversammlung von den Führern der liberalen Fraktion der Berliner Oemeinde desavouiert; trotzdem ist die genannte Zeitung und der Troß ihrer Provinznachbeter dauernd ln da Lage, Materialien und Nachrichten, selbstverständlich vollkommen schief und entstellt, m veröffentlichen, die nur von den liberalen Mandataren im Vorstand and In der Reprisentantenversammlung zur Verfügung gestellt werden konnten. Für jeden mit den Verhältnissen in der Berliner Jüdischen Gemeinde Vertrauten war es Idar, daß die liberadle InterpeUation gegen Dr. Ismar Freund, der als Sachverständiger ha Kultusministerium ausersehen ist, nicht so sehr aus sachliehen Motiven eingebracht ׳wurde,־ als zu dem Zwecke, um 'ipeür weiter das Liedchen von Krise, Vergewaltigung asw. singen zu können. In der Sache selbst mag es Fehler oder Unter-!assungen gegeben haben, die aber an und für sich Im Vergleich zu den bewegenden Fragen Im Berliner jüdischen Ge* meindeleben unwichtig sind. Seinerzeit haben die Liberalen, als sie noch die unumschränkte Mehrheit in der Gemeinde hatten, auch Vorschläge wegen Besetzung von Sachverstin- %en beschlossen, trotz der Existenz des Landesverbandes. Ob da modus procedendi im FaBe Freund richtig war, kann darum nur für die Zionisten, nicht aber für die Liberalen strittig sein, die in dieser Sache nichts als parteiisch sind. Beweis: die liberalen Zwischenrufe, man könnte das Ganze noch verstehen, wenn es sich am einen Zionisten handeln würde. Den Liberalen jedoch, die absolut nicht ln der Lage sind, aus ihren Reihen einen geeigneten Kandidaten zu nennen, geht es also bei der ganzen Frage eigentlich nur um die Fortsetzung einer Taktik; durch welche bewiesen werden soll, daß die von ihnen behauptete Krise tatsächlich existiert Die Rede des liberalen Führers Professor Türk bewegte sich auch vollständig in dieser Bahn. Er versuchte darzutun, daß die nunmehrige Majorität in der Berliner Jüdischen Gemeinde durch Ihr Werkzeug Ismar Freund unablässig bestrebt sei, die libcraten ganz an die Wand zu drücken und ihnen eine loyale Mitarbeit unmöglich zu machen. Am Schluß seiner Ausführongen behauptete er sogar, daß im Gemeindevorstand eine Atmosphäre der Unwahrhaftigkeit herrsche. Diesen Ausführungen traten Direktor Kareski, nachdem vorher Dr. Kollenscher den Tatbestand in ruhiger, klarer Weise dargelegt hatte, sowie Dr. Alfred Klee entgegen. Während Kareski die Argumente der Liberalen ira einzelnen analysierte, ging Dr. Klee auf den Kern der wohklurchdachten liberalen Taktik ein. Er zerpflückte die Motive des liberalen Vorgehens und hielt den Liberalen ihr Doppelspiel vor: auf der einen Seite dauernd von dem Willen zu gemeinsamer Arbeit und zum Frieden sprechen und auf der anderen Seite im Wege der Presse und der Versammlungen von Krise, Vergewaltigung usw. fabeln. Dr. Klees Ausführungen, getragen von Leidenschaff des Herzens, die im wohltuenden Gegensätze zum verärgerten Ton, der in der Galle seinen Sitz hat, der Liberalen stand, verfehlten ihre Wirkung nicht Es wird Aufgabe der Angehörigen der Blockmehrheit sein, nach dem Beispiel Dr. Klees die Situation ln der Oeffentikhkeit klarzulegen und beizutragen, daß das allzu fein gesponnene Gewebe der liberalen Extremisten als das erkannt wird, was es ist: als eine Speku- Iatfon auf die große Partei der Uniformierten und Leichtgläubigen, die für jüdische Dinge nur dann Interesse bekunden, wenn ihre Sensationslust erregt wird, wie es jetzt seit Monaten durch die liberalen Scharfmacher mit Uebertrelbungen, Falsch- Meldungen, Verdrehungen und Verunglimpfungen geschieht Zu Beginn der Sitzung widmete der Vorsitzende, Geheimrai Dr. Julius Stern, dem verstorbenen Führer der Vereinigung für das liberale Judentum, Justizrat Bernhard Breslauer, einen tütempfundenen Nachruf, in der Sitzung erfolgte die Amtseinführung des neuen Vorstandsmitglieds Dr. Ist Kahn, der an Stelle dis verstorbenen Bruno Galewski ln den Vorstand gewählt wurde» Moritz A. Loeb stellte eine Anfrage über Maßnahmen zur besseren Beschäftigung jüdischer Angestellter in Handel und JülülfCHE RÜROiCWtü Gewerbe. Die Jüdische Oemeinde Berlin, sagte er. möge steh mit anderen Organisationen des deutschen Judentums zu* saramentun, um dem stillen, aber um so wirkungsvolleren Boykott gegen jüdische Angestellte, der auch schon auf von Jaden geleitete Geschäfte übergegriffen hat, entgegenzuwirken. Dr. Oskar Cohn führte In der Debatte aas: Die gewiß vor* haadene und nicht scharf genug zu bekämpfende Boykottbewegung spielt eine geringe Rolfe angesichts der allgemeinen jüdischen Arbeitsnot Das ganze Problem der jüdischen Arbeits» losigkeit soll von der Oemeinde auf gerollt werden. Der größtenteil* aus Mitteln der Oemeinde erhaltene Jüdische Arbeitstachweis, der eine große Arbeit tut soll gestärkt werden. Dr, Cohn führte die folgenden Ziffern an: 1026 hatten sich 4578 männliehe und 4560 weibliche Arbeiter und Angestellte als arbeitslos gemeldet; 1936 männlichen und 2398 weiblichen Arbeitern und Angestellten wurden Stellen nachgewiesen. 1927 hatten sielt 4457 männliche und 4952 weibliche Arbeiter und Angestellte gemeldet; 2632 männlichen und 3233 weiblichen Arbeitern wurden Stellen nachgewiesen. Im verflossenen Jahre hat also der jüdische Arbeitsnachweis von 9409 Gemeldeten 5865 in Stellen untergebracht. Es müsse für diese Institution mehr Propaganda unter den jüdischen Arbeitgebern entfaltet werden. Es soll eine Beratung der wichtigeren jüdischen Arbeitgeber mit Fachleuten und Gemeindevertretera abgehalten werden. Die Oemeinderabbiner mögen in ihren Predigten auf die jüdische Arbeitsnat Hinweisen und die Arbeitgeber direkt aufsuchen. Die Gemeinde möge Notstandsarbeiten durchführen und für Darlehenskassen sorgen, um ältere Angestellte, die schwer unterzubringen sind, selbständig zu machen. Der Leiter des Fürsorgeamtes, Eugen Casparj, stellte fest, daß der jüdische Arbeitsnachweis perzentuell mehr leistet als der städtische. Mehr als 60 «/« der sich Meldenden bringt der jüdische Arbeitsnachweis in Stellungen unter., Es könnte viel mehr, namentlich auf dem Gebiete der produktiven Fürsorge, fetan werden, wenn die Mittel vorhanden wären. Er beantrage, feses Arbeitsfeld dem sozialen Ausschuß zu überlassen. Hans Goslar nimmt den Gedanken einer jüdischen Wirtschaftszentrale auf. Der Arbeitsmarkt solle planmäßig bearbeitet werden, um festzustellen, welche Branchen Aussicht bieten und welche nicht. Die vor sich gehende soziale Umschichtung ist zu beobachten und in sichere Bahnen zu leiten. Repräsentant Marcus wies auf die Verdienste des Handwerkerverbandes hin, der seit sechs Jahren den jüdischen Mittelstand in Deutschland organisiert Moses Waldmann führte u. a. aus: Für mich als Ost- Juden und Zionisten ist die Debatte sehr lehrreich, weil sie die jüdische Schicksalsgemeinschaft in alten Ländern dartut Das Problem hat außer der augenfälligen allgemein-jüdischen auch eine spezifisch ostjüdische Seite. Ke jüdischen Arbeitgeber mögen sich dazu aufschwingen, Juden unterschiedlos anzustellen. Die Abwehr soll offen geführt werden. Man fürchte nicht, auszusprechen, was ist; hahaeit es sich doch um Abwehr eines Unrechtes. Wir müssen eine Jüdische öffentliche Meinung schaffen und mit Stolz und Würde unsere Sache vertreten, damit man nachdrücklichen Einfluß auf die jüdischen Arbeitgeber erlangt Der Redner billigte den Vorschlag auf Schaf fung einer Wirtschaftszentrale, deren Wirkungsbereich sich über ganz Deutschland erstrecken und die auch die Berufsumschlchtung in ihren Bereich ziehen soll. Abhilfe, schloß der Redner, wir□ leichter sein, wenn das Judentum von einem neuen lebendigen Geist erfüllt sein und werbend auftreten wird. Rosenthal führte aus, es bestehe eine Schicksalsgemeinschaff zwischen dem deutschen Judentum und dem deutschen Volke. Geht es dem deutschen Volke besser, so , geht es auch י ־•־■׳•״■•־ -יי Es wird beschlossen, die gemachten Anregungen einer «*zielten Kommission zu überweisen, die insbesondere sich mit der Frage der Bildung einer Wirtsenaftszentrak befassen soll. In später Abendstunde ergriff der liberale, Heinrich Stern, das Wort zur Begründung der Anfrage seiner Fraktion, betreffend den Vorschlag eines Sachverständigen für das Kultusministerium. Heinrich Stern schilderte den Tatbestand wie folgt: Nach dem Ableben von fustizrat Ltlienthal wurde die Stelle eines Sachverständigen für jüdische Angelegenheiten im preußischen Kultusministerium frei. Ke Liberalen glauben, daß das Vorsehlagsrecht dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zukommt Ohne eine diesbezügliche Entscheidung des Engeren Rates des Landesverbandes abzuwarten, hat der Gemeindevorstand beschlossen, Dr. Ismar Freund vorzuschiägen. Das ist ein Sondervorgehen, das scharf zu mißbilligen ist Ein Schreiben des Landesverbandes an den Gemeindevorstand, das gegen diesen Beschluß Einspruch erhob, hat Dr. Freund, da Dezernent in dieser ihn selbst betreffenden Sache Ist, eine volle Woche zurfekgehaitea, ohne ihn dem Gemeindevorstand zur Kenntnis z# bringen. Der Brief hätte den Gemeindevorstand vielleicht zu einem anderen Entschluß bestimmt Warum tritt man dem Rat des Landesverbandes mit solcher Nichtachtung entgegen? Gewiß ist die Berliner Gemeinde die Hauptträgerin des Landesverbandes, aber das Beispiel dieser Sonderaktion kann auf andere Gemeinden wirken. Soll der Landesverband von der Gemeinde gesprengt werden? Ich warne vor solchem Vorgehen. Wenn die Gemeinden Sonderaktionen machen, verliert der Landesverband, der ja die Vorstufe zum Reichsverband ist, seinen Sinn. Namens des Oemcindevorstandes stellte Dr. Köllen« scher fest, es bestehe keine feste Regelung, wem das Vorschlagsrecht bezüglich des Sachverständigen zustehe. Der Vorstand hat lange auf eine Entscheidung des Landesverbandes gewartet Gerade die Liberalen waren gegen das Vorschlagsrecht des Landesverbandes. Das Dezernentenkollegium des Landesverbandes beschloß, daß nur eine Persönlichkeit, die mit den Verhältnissen der Gemeinde und des Landesverbandes vertraut ist, in Betracht käme. Dies wurde authentisch so interpretiert, daß der Beschluß auf Dr. Freund gemünzt sei. Aber eine Ausführung des Beschlusses war nicht erfolgt. Endlich mußte steh der Vorstand mit der die jüdische Gesamtheit angehenden Angelegenheit befassen, da sie v o m L a n d e sverband wegen innerer Konflikte nicht er* ledigt werden kann. Der Landesverbandsrat wurde er- Berliner Zionistische Vereinigung Vortragszyklus: ״Das WeItjudent«unM. S. Vortrag: Donnerstag, den *S. Februar, abend» 81/» Uhr Im Sitzungssaal da Gemeindehauses, Rosensir. 3/4 Har Kr. Arnold Barth! ״Die jfidische Orthodoxie in Deutschland“. 4. Vortrag: Donnersfai, da I. Min, abends «V1 Uhr Im Sitzungssaal der Z.V.LD״ Melnekesirabe 10 Herr Alfred Bagers ״Der Sozialismus und die |Qd* Gesellschaft4*. sucht, Freund vorzuschiägen. Ke entscheidende Sitzung des Rates vom 22. Januar brachte kein Ergebnis. Man setzte eine Kommission ein, die drei Persönlichkeiten, unter ihnen Dr. Freund, zur engeren Wahl vorschlug. Da die anderen Herren ablehnten, blieb Dr, Freund als der einzige Kandidat zurück. Der Vorstand stand also vor der Wahl, einen Entschloß zu fassen, oder zu dulden, daß die Angelegenheit ins Unendliehe verschleppt wird. Der Redner nimmt Dr.Freund gegen den Vorwurf, er hätte als Dezernent In eigener Sache den Brief des Landesverbandes zurückgehalten, in Samt/. Der Brief lag vielmehr schon der nächsten Vorstandssitzung vor, die aber aus Mangel an Zeit nicht dazu kam, ihn zu behandeln. Kolieuscher wies auf die Vergangenheit von Dr. Freund hin, der den Landesverband begründete, um auf diesem Wege zur Reichs- Organisation der deutschen Juden zu gelangen, wenn die Liberaten justament die Stelle mit einem Liberalen besetzt wissen wollen, dann degradieren sie den Landesverband zu einer parteiischen Institution. Wir respektieren die Autorität des Landes- Verbandes, aber wir handeln, wo andere zaudern. Namens der Liberalen ergreift das Wort Professor Türk, der die Begründung Kolienschers unglücklich nennt und von einer Gewaltmaßregel seitens Dr. Freunds spricht Der Vorsitzende des Vorstandes hat als der Vorstand den Beschluß, Dr. Freund vorzuschiägen, gefaßt hatte, von der Existenz des Briefes nichts gewußt Nach dem, was vorgefallen, sagte er, kann Dr. Freund nicht Sachverständiger im Kultusministerium werden. Der Redner schloß erregt: Es herrscht eine Atmosphäre der Unwahrhaftigkeit im Vorstand. Solange die Atmosphäre nicht gereinigt ist, wird nicht Friede sein. Ke Worte des Redners riefen große Erregung und Wider- Spruch unter den Mitgliedern der Blockmehrneit hervor» Der Vorsitzende Julius Stern weist den Ausdruck ״Atmosphäre da Unwahrhaftigkeit״ zurück. Namens des Vorstandes weist Kareski ebenfalls diesen Ausdruck zurück und erklärt, da Vorstand befleißige steh möglichster Unparteilichkeit Da springende Punkt bei den Liberalen ist, daß sie einen der ihren im Kultusministerium haben wollen. Auch der Kenntnisreichste, ist er nicht Liberaler, findet keine Gnade Wir haben, schloß Kareski, ein gutes Gewissen. Sehr scharf trat Dr. Klee den Ausführungen des liberalen Redners entgegen. Er bedauere, sagte er, die Rede Professor Türks aufs tiefste. Seit Monaten wird draußen eine kalte, überlegte Hetze gegen uns betrieben. Wenn Sie. Herr Professor Türk, als Führer der Liberalen Partei, von einem Geiste der Unwahrhaftigkeit sprechen, so akzeptieren Sie diese kalt berechnende Hetze, die den Ast, auf dem wir sitzen, za• sägt: den Frieden in der Gemeinde, wir haben Dr. Freund als den einzigen in Betracht Kommenden vorgeschlagen. 1 h r h a b t ja keinen anderen. Freund ist der einzige Kenner des Staatskirchenrechtes unter uns. er ist die leistende Persönlichkeit. Man kann doch nicht behaupten wollen, daß etwa Justizrat Makower, unbeschadet seiner sonstigen Qualitäten, für diesen Posten geeignet sei Und doch Ist er jetzt, offenbar von einer liberalen Stelle, dem Kultusministerium als Sachver* ständiger vorgeschlagen worden. (Zwischenrufe der Liberalen; Auch wir halten Makower nicht für geeignet) Wie kann man von Unwahrhaftigkeit sprechen? Und was soll die Außenwelt von den Verhältnissen in dieser großen Oemeinde denken, wenn sie von solchen Aussprüchen durch die Presse erfährt? Wenn man hier Wahlreden halten will, darf man nicht vergessen, daß in diesem Saale gesprochene Worte Resonanz in da Außenwelt finden. Man kennt unsere Vertreter im Vorstand, man kennt Kareski, Koflenscha, Sandler. Soll auf sie der Ausdruck über Unwahrhaftigkeit gemünzt sein? Da Redner wandte sich als Anhänger djj$Jpnheitigedankens gegen jedes Spielen mit aete"Aa.s|Tlt'ts'gwi':11'kfii,ual «fitaßr'ift ■wmuMBe. diese Sache zu einer Parteiangelegenheit zu stempeln! Spielen Sie nicht mit unserer Geduld! wenn noch einmal das Wort ״Unwahrhaftigkeit״ fällt, dann wird es nicht mehr möglich sein, daß man sich die Hand reicht Dr.Selig sohn (liberal) meint, man solle das Ansehen des Landesverbandes gegenüber den Staatsbehörden ,wahren. Der Redner findet den Anspruch der Liberalen auf einen Sachverständiger berechtigt, nachdem der traditionstreue Gemeindeverband in der Person von Rabbiner Dr. Munk im Kultusmini* sterium bereits vertreten ist Das Schreiben an das Kultusministerium und die darauffolgende Zurückziehung des Briefes seien eine Blamage der Gemeinde. Da nützt kein Beschönigen. Ke Repräsentantenversammlung schritt nunmehr zur Erledigung der neuen Besoldungsordnung für die Beamten der Jüdischen Gemeinde. Ke Vorlage, die die Besoldungsordnung des preußischen Staates zur Grundlage hat, wurde angenommen. Am den Gemeinden Dorsten. Bei den letzten Wahlen in die Reprisententes• Versammlung der Jüdischen Gemeinde Dorsten wurden auf Grund einer Einheitsliste 9 Liberale und 5 Volksparteila gewählt, denen außerdem noch zwei Stellvertreter übalassen wurden. Ke Gemeinde Dorsten hat sich in der letzten Zeit dadurch berühmt gemacht, daß sie den Ostiuden das Wahlrecht in die Gemeinde entziehen wollte. Der Hauptschreier, der ״Ostfeinde'‘, ein Herr Zwillenberg (selbst aus Westprtußen stemmend), wurde bei der Aufstellung der Einheitsliste von seinen Gesinnungsfreunden fallen gelassen. ItmlltUih« t*n4emrgnmunlnng tWi'tt—dbwgs» StaUpet, daa 7. F«. brua» (X T. A.). Dt« Landemraammtaag de» Israelitiadien Religiooagemainacbab Württemberg* für du Jib 1927 hat tm 5. and 6, Februar unter der Leitung flw* Presidenten Jalias»Rotl1sssbUd gelegt. Der Pri*idest das Oberrats» Reghrnogeraf Dr. NSrdiioger, erataUrt* taant da Bericht Ober die TStig-keit duIsreeliUechen Oberrst» mm 1. April 1926 bla Mta 31. Deaember 1927, Er «hildertr die Bemühungen du raUgiüae Leben im Lande auf dem Gebiet« de• Clotteedicaiste* der Seelsorge und dt» Religionsunterrichte, tn fördern. Der neue Lehrplan für de» Religion*• oatemcht in den Volks- und Mittelecbulen L«t veröffentlicht. Der Lehrplan 15t den Unterricht aa den höheren Scholen Eegt cumit dem Koitusinfaleteriun gar *ndgfiltigea Genehmigung ■rar. Der Religionsonterrkbt für die Zöglinge d« labreraerairurs Eßlingen wurde weeea'Jich erweitert, Besondere Varbeterinul« rur Ausbildung von Lallt» In Gemeinden, die keines Vor bet er habe». Word« mit gutem Erfolg eingerichtet. Deo Rebbmern wurde ■nfgegeben, in den Gemeinden die eie tnläülid» der Turaucreiaea bernteben, einen Gemeindeehrad mit geeigneter Vortrigen zu veranstalten. Im April 1926 and 1927 worden Fortbildungskurse ffi! Rabbiner und Lehrer «raßiteltet — Zum theologisch«® Mitglied* de« Obers» ta wurde in gebeimrr Weh! mit aSirtlicben abgegebene» Stimmen Stadtrabbiner 6. Klagern׳ Stuttgart gewibit — Die Beratung des Haushaltplaeea »gab die Annahme dee Ab• traget de• ©beträte«, *0• der Rekhseittkommeaeteuer für diu Kalenderjahr 1926 and ent der dreifachen auf den 1. Januar 1925 veranlagten Vennögeaaateaer ab Landeaumlaga nr Deck trag d«r Bedürfnis#• der ReBgioaigemoiasduft m erbeben, Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek E. V. Ke Hauptversammlung der Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek, E. V., Berlin, findet am Montag, den 27. Februar 1928, abends 73/4 Uhr, in der Wohnung des Schatzmeistere der Gesellschaft, Herrn Bankier Emil M. Dam * mann, Berlin-Grunewald, Wißmannstr, 17, statt Ke Mitglieder der Gesrflschaft werden hierdurch zu der Versammlung eingeladen. Tagesordnung: a) Jahresbericht des Schriftführers; b) Recnnungsbcricht des Schatzm-Hers und Bericht de» Prüfungsausschusses; c) Entlastung des Vorstandes; d) Neuwähl des Vorstandes. Um pünktliches Erscheinen der Mitglieder wird höflichsi gebeten,