Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1928)
- Date
- 1928-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 0, 31. L1628 JUEtHSGHE RUNDSCHAU Seite 6S Pressesdtaa Berliner Kalender Das ״Berliner Tageblatt“ vom 2S. d M. bringt Im Leitartikel eine Korrespondenz seines Jerusalemer Vertreters Ernst Davis, die die Lieberschrift ״Umschwung in Palästina“ trägt und worin es heißt: ״Die Depression hat in den letzten Wochen nachgelassen und mit ihr der physische Druck, der zwei Jahre lang auf dem lande lastete, ln diesem Lande betrachtet jeder das Wirtschaft׳ liehe nur als Instrument des Politischen, und das Politische ist in erster Linie die Einwanderung. Ein Jahr wird dann als gut beurteilt, wenn die Zahl der Immigranten groß war (groß beißt mindestens 20 COO Seelen), als erträglich, wenn die tlnwaaderang zwar klein, aber ansteigend war, und als schlecht, wenn sie stagnierte oder gar sank. Jeder, der hierher kam, tat es und hält es nur aus, weil er sich als Vortrupp einer großen, friedlichen Armee von Arbeitern, Kapitalisten. Handwerkern und Bauern fühlt ln den letzten beiden Jahren aber ist diese Armee nicht nur zum größten Teil ausgeblieben, sondern viele, die schon hier waren, mußten, von der Krise gedrängt, ihre Posten verlassen. Die einflußreichen deutschen und tschechoslowakischen Zionisten proklamierten gerade ln dieser Periode ihre neue These, die grundsätzlich die Bildung einer jüdischen Mehrheit fn Palästina verwarf und daher ganz konsequent die Einschränkung der Immigratlon verlangte. (Von uns gesperrt — Red. ״J. R") Der Kongreß faßte Beschlüsse, die äußerlich diesen Forderungen entsprachen. Ein paar Führer des Jischuw gaben aber auf aem Kongreß die neue Parole aus: ״Palästina muß sich selbst auf* bauen. Es muß die Ueberwindung der Krise und die Kolonisation selbst ln die Hand nehmen und selbst eine neue Iramigration ermöglichen.“ Damit zeigten sie dem Jischuw einen weg und lösten Energien aus, die nach der langen Lethargie langsam zu wirken beginnen. Die ersehnte große zentrale (leidquelle, aus der befruchtendes Kapital strömen soll, ist zwar auch dadurch nicht bloßgelegt worden. Aber dafür Ist ln den letzten Wochen aus vielen kleinen Quellen Geld in die Wirtschaft hereingeströmt Zum ersten Male hat die Industrie die ersehnten langfristigen Betriebs- und Ve größerungskredi'.e in ansehnlichem Maße erhalten. Wie hoch diese Summen zusammen sind, kann man schwer sagen, aber in Mark ausgedrückt gehen sie sicher in die Mülionen. Eine Million wurde allein durch eine kleine Tei-Awiwer Bank von anonymer Seite zur Verteilung an Klelnuntemchmungen zur Verfügung gestellt. 1,2 Millionen zeichnete eine private amerikanische Gruppe für das Kreditinstitut des Industriellen-Verbandes, e'ne dritte Million erhielt ein Haifaer Großunternehmen von seinen Aktionären neu herein, kleine Einzelsummen wurden von anderen Seiten vergeben. Mehrere Betriebe fanden kapitalkräftige Teilhaber oder Käufer.“ Sodann wird das Anwachsen des Exportes verschiedener Industriezweige geschildert Es ist zu begrüßen, daß gegenüber den übertrieben pessi« mistischen Berichten, die sonst m der allgemeinen Presse gelangen, hier auf die gute Entwicklung eines Teiles der palästinensisch-jüdischen Industrie h'ngewiesen wird. Interessant ist auch die Feststellung des Stirnmunesutnschwungs, der infolge der neuen Perspektiven einer Arbeitserweiterung im Lande allmählich Platz greift Ebenso interessant ist aber auch die groteske Entstellung, mit der hier von einem Revisionisten die Anschauung der ״deutsehen und tschechoslowakischen Zionisten“ dargestellt wird, worunter wohl hauptsächlich die Haltung der ״Jüdischen Rundschau“ gemeint Ist. Der unbefangene Leser des ״B. T.“, der doch die Finessen der innerzionistischen Meinungskämofe n’cht kennt, muß den Eindruck bekommen, daß die ״deutschen Zionisten“ die Bildung einer jüdischen Majorität in Palästina verhindern wollen und aus diesem Grunde die Einschränkung der Einwanderung befürworten. Wir waren und sind freilich der Meinung, daß nach einer Zeit übermäßiger Einwanderung, die zahlreiche Arbeitslose im Lande hinterlassen hat, eine Ein- Schränkung der mittellosen Einwanderung erfolgen muß, um diese neuen Einwanderer nicht dem Elend preiszugeben, ein Chaos im Lande zu vermeiden und um zu verhindern, daß das letzte für produktiven Aufbau bestimmte Keren Hajessod-Geld für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben werden muß. Wir glauben so״ar, daß eine kopflose tinwanderungsöolitik das sicherste Mittel wäre, die Bildung einer jüdischen Mehrheit, ja überhaupt einer größeren und lebensfähigeren jüdischen Gemeinschaft im Lande zu verhindern. Wir sind dafür emgetreten, daß die zionistische Leitung die Gestaltung der Verhältnisse verantwortlich in die Hand nimmt, statt unter dem Banne politischer Parolen untätig zuzusehen, wie die Lage unhaltbar wird und dadurch auch unser politisches Ziel schädigt Ob es «i’ässig ist, daß ein zionistheier Korrespondent efn:r n'cht jüdischen Tageszeitung in dieser Weise innirzionlstisehe Mel• tiungsverrchiedenheiten darstellt das zu beurteilen überlassen wir der zionistischen Welt und der revisionistischen Partei Der gesteigerte Palästina-Export nach Syrien Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkouto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z.V. Der Berliner Veranstaltangskalender wird ausschließlich von der Berliner Zionistischen Vereinigung zusammengestcllt. Wir bitten alle Vereine und sonstigen Veranstalter, sich mit etwaigen Wünschen nicht an de Redaktion, sondern an die Berliner Zionistische Vereinigung zu wenden. Dienstag, den 7. Januar abends 8'/* Uhr Gruppe Nord, int Sitzungssaal des Gemeindehauses, Rosenstr. 2/i, Frau Gerda Ariosorof{: ״Palästinensische Wirklichkeit“. Dienstag, den 31. Januar nachm. V!5 Uhr JOd.-Nat. Frauenverrinigung, Frauengruppe West Zusammenkunft bei Frau Blumenfeld, Brandenburgischectr.46. Mittwoch, den 1. Februar abends S'/t Uhr Berliner Zionistische Vereinigung im Gartensaal des Logenhauses, KJelststr. 10. Vortragszyklus: ״Das Weltjudentum“. 1. Vortrag: Herr Kurt Blumenfeld: ״Entwicklungen im deutschen Judentum.“ Abends 8V* Uhr Gruppe Ost, in den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4. Herr Kar! Glaser: ״Die Krise des Assimilationsjudentums‘‘. ""עבריה בערב בבייזהקהלה bh אספה פומבית ביום הרביעי.2 .! בשעה וומשטר. 2-4. על המרצח נודיע באשפ-ד. אורחים חורים. Donnerstag, den 2. Februar nachm. 4 Uhr Jüd.-Nat Frauenvereinigung, Frauengruppe Lichtsrfelds-uahlem, bei Frau Dr. Ooldschmldt, Lkhterfelde, Drgkestr, 40. Bibelkurs unter Leitung von Frau Boschwitz. Mittwoch, den 8. Februar abends 8י/? Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststr. 10. Vortra״szykIus: ״Das Weltjudentum“. 2. Vortrag: Herr Rabb. Dr. Max Wiener: ״Der religiöse Liberalismus“. Die Joden in Alghanistan Die Weltreise des Königs Amanullah von Afghanistan hat auch das Interesse für die in diesem mittelasiatischen Lande lebenden Juden geweckt. In Afghanistan leben rund 5030 Juden. Sie wqhnten früher alle in Heirath, jetzt findet man jüdische Gruppen in Kframhr, Mefmotta, Möuarf-Chevlf, Anchef und in anderen kleineren Städten, in ihrem Aeußeren sind die Juden Afghanistans von der übrigen Landesbevölkerung nicht zu unterscheiden; meist beschäftigen sie sich mit Handel. Man findet mehrere junge Juden, die ihre Ausbildung in Europa genossen haben. Die Juden Afghanistans stammen von jqnen Marranen ab, die vor etwa 90 Jahren Persien verlassen haben, um ihrem jüdischen Glauben weiter leben zu können. In Kabul leben noch 30 jüdische Familien, die von den alten einst vertriebenen Juden Afghanistans aostammen. Einige von ihnen sind sehr reich, man nennt sie die ״alten Kabuler Familien“. Das afghanische Volk selbst hält sich für einen Abkömmling des jüdischen Stammes Ben- J a m i 11, die Afghanen nennen sich auch Benjaraeniten. Einer der Führer der Juden Afghanistans, der bekannte Philanthrop Aga Moussa Ariiauf, ist wie viele afghanische Juden ein warmer Anhänger des Zionismus. Eingesandt Rabbiner Schnettes j Leipzig, den 26. Januar 1928. Der amtliche französische Bericht über das syrische Mandatsgebiet weist bei der Besprechung des Handels Syriens während des 3. Quartals 1927 auf das Sprunghafte Ansteigen der Lieferungen Palästinas hin, die von 1,6 Millionen Piaster im ersten auf 5,3 Millionen im zweiten und 8 Millionen Piaster im dritten Vierteljahr emporschneflten. Die Steigerung hat ihre Ursache darin, daß die palästinensischen Produkte in Syrien Zollfreiheit genießen, ebenso wie die syrischen in Palästina, und daher der hohe Wertzoll von 25 «,0 auf die Waren aller anderen Länder wie ein Schutzzoll zu ihren Gunsten wirkt Der ax.t* liehe französische Bericht hebt die nach wie vor anhaltend starke syrische Einfuhr von Haifa-Zement hervor, der sich in einer dauernden Bevorzugung vor.anderen Marken erfreue und besonders in Damaskus fortgesetzt lebhaft gesucht werde. Deutscher Zement, der lange Zelt ln Palästina eine so führende Rolle spielte, und auch heute noch nicht ganz vom dortigen Markte verdrängt wurde, konnte in Syrien nur in ganz geringen Quant täten abgesetzt werden, weil der Preis ein zu hoher war. Die Zementpreise in Beirut im 3. Quartal waren (In türkischen Goldpiastern) Haifaer Zement 263—270, italienischer 270-275, belgischer 275-260, französlschcr 290—300 und deutscher 300—310. Die Marktberichte weisen ferner darauf hin, daß im 3. Quartal 1927 zum ersten Male eine Lieferung Konfitüren seitens einer Tel-Awiwer Fabrik erfolgte und leicht abgesetzt wurde. (Ziko.) Keine Zulassung von Joden zur Hbhle Madipcia Jerusalem, 25. Januar. (J.T.A.) Der Oberste Rat der Mosfemiten tei't der Palastinens'rchen Te'egraphen-Agentur mit, daß die Nachricht, der Oberste Rat hätte den Zutritt von Nichtmoslemiten zur Höhle Machpela in Hebron, wo sich nach der biblischen Tradition die Grabmä'er der Erzväter Abraham, Isaak und Jaakob und der Erzmütter Sarah, Lea und Rebekka befinden, gestattet, nicht zutrifft. Der Oberste Rat hat nie einen solchen Beschluß gefaßt und eine solche Mit* teilung nicht ausgegeben. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin. Sicher haben Sk längst die Nachricht, daß wieder einer unserer Großen und Besten, Rabbiner S. Schmelkes, Przemysf, von uns gegangen ist. (Von uns bereits mitgeteilt. — Red.) Viele Jahre habe ich in seinem Hause gelebt und Gelegen• heit gehabt, vieles aus dem reichen Leben dieses Mannes mitzuerleben. Zur Würdigung dieses, für unsere Nationalbewegung in Galizien■ so hochverdienten Mannes stelle ich Ihnen einige Details und Charakterzüge zur Verfügung. Schmelkes war einer der ersten orthodoxen Rabbiner in Galizien, die sich öffentlich zum Zionismus bekannten: er hat seine Person ganz in den Dienst der Bewegung gestellt Als die Reichsratswahlen 1907 in Galizien stattfänden, hat er sich der Partei zur Verfügung gestellt, indem er selbst kandidierte, außerdem noch für die anderen Kandidaten der Partei als Agitator von Stadt zu Stadt gefahren, was damals großes Aufsehen erregte. Von der Regierung wurde er deshalb sehr bedrängt. Ich war Zeuge, als der Bezirkshatmtmann ihn besuchte, tim ihn mit allen Mitteln von der Kandidatur abzubringen. (Der Gegenkandidat war der damalige Statthalter Bobrzinski.) Sogar einen Orden hat man ihm geboten für die Preisgabe seiner Ueberzeugung. Ohne zu zögern hat er geantwortet: Wenn ich auch meinen Posten verliere» soll, werde ich meine Partei nicht verraten. Auch seine politischen Gegner haben Ihn sehr verehrt und geachtet Während der schweren Zeit der Belagerung der Festung Przemysl hat sich die Größe und Güte seines Charakters gezeigt Seine Freunde wollten ihn überreden, noch vor der Belagerung die Stadt zu verlassen. Er wollte seine Gemeinde nicht in der höchsten Not verlassen. Was er damals für die jüdische Bevölkerung bedeutete, läßt rieh in einer kurzen Notiz nicht schildern, es ist ihm aber unvergessen in den Annalen der Stadl Die Qualen der Belagerung, der Sohn, den er Im Kriege ver- 10׳׳*n hat, haben seine Gesundheit erschüttert, daß er seit daira'.s lei'en l wer. Ncch vor ein{ en Mcna en hntt: ich das (uück, ihn wicdzrcusahzn. Körperlich gebrochen, aber mit feuriger Begeisterung jedem Vorgang in der Bewegung folgend. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust für uns. . " " רובל על דאכדי* ולא משתבחיי. _ M. Singer. Zeit •Spiegel Aoslandsrientschtiini und Zionismus Der ״Ober schlesische Kurier“ veröffentlicht einen Artikel ״Gefahren des politischen Zionismus für das Auslandsdeutschtum“ mit dem Untertitel ״Ein warnendes Memento gegenüber dem deutschen Pro Palistina-Komiiec". Der Artikel erinnert lebhaft an ähn'iche Erzeugmsse eines jüdischen Autors, von dem wir jüngst die Vermutung ausgesprochen haben, daß er mit dem Fälscher des Artikels von Grünbaum in der Wiener Zeitschrift ״Die WahrhelF identisch ist. Der Artikelschreiber macht es sich zur Aufgäbe, die deutsche Oeffentlichkeit gegen die jüdisch-nationale Mindcrlieitenpolitik im Auslände aufzufietzen. Er ist nicht etwa e n Gegner des Minderheitenschutzes überhaupt, sondern in rincr kuriosen, von keinem normaldenkenden Menschen zu verstehenden, nur bei superpatrio bchen jüdischen Assimilanten vorkommenden Inkonsequenz möchte er die Juden überall im Ausland den Deutschen zugerechnet sehen. Wenn schon aber der assimilatorische Grundsatz Geltung haben soll, warum sollen die Juden sich dann nicht, wie es überall die Assimilanten taten, der herrschenden Nation zurechnen? Die einzige Möglichkeit, einer derartigen politischen Stellung zu entgehen, Ist der Jüdische Nationalismus. Er ist gegen assimilatorische Politik in jeder Form, Juden, die sich als Juden bekennen, brauchen nicht heute Deutsche, morgen Tschechen und übermorgen Polen zu sein. Sie sind in jedem Staate loyale Staatsbürger, aber sie verleugnen nicht ihre Nationalität. Auch der Staat wird zu der Ueberzeugung gelangen müssen, daß diese Ordnung der Dinge die beste ist und wirklich den Tatsachen entspricht, während ein Zwang zur Assimilation nur charakterlose und würdelose Staatsknechte schafft, die keinem Lande Vorteil bringen. Daß der Artikelschreiber gerade die Zionisten einer — assünilatorischen Politik bezi.htigt, Ist wirklich herzerquickend. Die Juden sind die Pioniere des Gedankens des Minderheitenscliutzes in Europa gewesen, sie haben diesem Gedanken bpi der Friedenskonferenz zum Durchbruch verholfen. Das am stärksten betroffene Volk sind neben den Juden die Deutsehen. Die Bedeutung des Minderheitenschutzes wird von deutscher Seite immer mehr erkannt Kürzlich schilderte in der ״Vo&sischen Zeitung“ Freiherr von Rheinbaben eine Reise durch Jugoslawien, wobei er interessante Einzelheiten von seinem Besuch bei den dort lebenden Deutschen erzählte. Diese Menschen fühlen sich ganz und gar als Deutsche und sind doch treue und zuverlässige Bürger ihres Staates. Sie machen konsecuenterweise einen Unterschied zwischen ,.deutsch“ und ״relchsdeutsch“. Dies ist in unserm gemischt nationalen Europa ein ganz natürlicher und wünschenswerter Zustand. Die meisten deutschen Politiker und Publizisten begreifen dies allmählich. Aber das Verständnis beginnt stets zu wanken, wenn es sich um Juden handelt Da zweifelt man an der Verträglichkeit von Staatsbürgerfreue und jüdisch-nationaler Gesinnung. Die Juden haben aber genau so wie jede andere Nationalität ein Recht, die Angelegenheiten ihrer Gemeinschaft zu betreiben, ohne daß sie dadurch ihre Pflicht gegenüber dem Staate verletzen. Trotz jüdischer Denunziationen, für die der erwälin'e Artikel im ״Oberschlesischen Kurier“ wieder ein Musterbeispiel ist, wird sich bei allen gerecht denkenden Menschen auch in Deutschland der Gedanke des jüdischen Anspruchs auf Erfüllung der eigenartigen jüdischen Interessen innerhalb des Staates durchsetzen. Zhnrismns als Makel In verschiedenen•« jüdischen Zeitungen veröffentlicht die Israelitische Religionsgemeinde Bingen a, Rh. eine Anzeige, daß ein R a b b i n e r , libera'er und n:chtzionist!$cher Richtung“ und ein Kantor und seminaristisch gebildeter Lehrer, ״nicht Zionist“, gesucht wird. Es ist interessant, daß die Vorsteher der Gemeinde Bingen als Hauptbedingung für ihre Funktionäre nicht etwa besondere religiöse oder sonstige positive Qua'iiäten fordern, sondern wichtiger als alles scheint ihnen zu sein, daß ihre Gemeinde nicht zionistisch infiziert wird. Also auch bestqualifizierten Bewerbern bleiben die Tore verschlossen, wofern sie zionistischer Gerinnung sind. Diese politische Gesinnung*- Schnüffelei Ist 11m so bemerkenswerter, als es sich zweifellos um Herren handelt, die sonst im politischen Leben für Gleich - bercchtigun g cintreten. In ihrem eigenen Machtbezirk halten sie es anders.... ״Mißbrauch einer Synagoge״ Za dem in unserer vorigen Nummer unter diesem Titel veröffentlichten Bericht über einen charakteristischen Vorfall In Prag schreibt uns unser Gg. M. Sambursky aus Danzig: ״. . . Die Sache hat einen Präzedenzfall in Danzig, wo es seinerzeit von den assimilatorischen Machthabern abgelehnt wurde, für Ach ad *Ha am ln der Svnagoge eine Trauerfeier abzuhalten; dagegen wurde bewilligt, für den Esperanto-Kongreß einen Gottesdienst in Esperantosprache abzuhalten . . . und die Erschienenen mußten, da sie keine Hüte aufhatten, mit Taschentüchern ihre Köpfe bedecken; es sah wie im Fasching aus . . Gegen das SdtSehten Ein Beschluß der Budget-Kommission des Warschauer Stadtrates. Warschau, 26. Januar. (J. T. A.) In der gestrigen Sitzung der Budget-Kommission des Warschauer Stadtrate« brachte der Nationaldemokrat Dr. Zawadski die folgende Resolution ein: ״Der Magistrat wird aufgefordert, ln den sLidtisehen Schlachthäusern nur solche Schlachtungen zu gestatten, wie sie ln der ganzen zivilisierten Welt üblich sind, und die Schichtung nach ritueller jüdischer Vorschrift durch Schächter zu verbieten.“ Das Jüdische Stadtratsmitglied Meisl ergriff sofort das Wort und forderte, daß über diesen Antra״ zur Tagesordnung übergegangen werde, da diese Frage garniehtindie Kompetenz der Budget-Kommission fällt. Der Präsident der Budget-Kommission, der frühere Finanzminister Dr. Michalski, brachte den Antrag Zawadskis dennoch zur Abstimmung: der Antrag wurde mit fast allen christlichen Stimmen — die Linken tmd die Pilsudski- Anhänger inbegriffen — gegen die Stimmen der Juden und einiger weniger Christen angenommen. Die jüdi-chen Stadtratsmitglieder verließen hierauf tm er Protest die Sitzung. J3er Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Herr Farbsfein, hat die Repräsentanten der Gemeinde, die Mitglieder des jüdischen Parlamentsklubs und des Warschauer Stadtrates, die Mitglieder des Warschauer Rabbinates und das Präsidium des Schächter-Vereins zu einer Sitzung eingeladen, in der zu dem Beschluß der Budgetkommission des Warschauer Stadtrates Stel* lung genommen werden soll. Am 9. Februar findet im Hotel Kaiserhof unter dem Vorsitz des Präsidenten Grafen Bernstorff die erste Jahres- Versammlung des deutschen Pro Palästina-Komitees seit dessen Gründung statt Direktor Oscar Wassermann wird über die während seines Palästina-Besuches empfangenen Eindrücke sprechen.