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Jüdische Rundschau · 1928-01-17 · Heft 5 (17.1.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 5 (17.1.1928)
Date
1928-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 5, 17.11028 | Dr. Wae (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 13. Januar. Ein furchtbarer Schlag nach dem anderen trifft die zionistische Bewegung. Die Todesernte hat nun auch das polätsche Judentum nicht verschont Einer der ältesten Zionisten Polens, einer der führenden Kämpfer für den Zionsgedanken in Polen, Dr. Noe Dawidsohn, Verschied im Alter von 5t Jahren. Er stand au der Wiege des polnischen Zionismus. Dr. Dawidsohn war ein Urenkel des bekannten Oberrabbiners in Warschau und ein Sohn des langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Oemeinde in Warschau, eines der ersten Chowewe Zion in Polen. Die Familie seiner Mutter — Pines — gab dem jüdischen Volke solche Persönlichkeiten, wie Dawid Ycllin, Jechiel Pines, Lew Jawetz, Von der frühesten Jugend erzogen im Geiste der jüdischen Tradition, in hlngebungsvollster Liebe zum jüdischen Volke, blieb er bk zu seinem letzten Hauch der treueste Diener am zionistischen Aufbauwerke. Eine kämpferische, starke, prinzipienfeste Natur, ungebrochenen Charakter«, gutmütig zugleich und allseits hilfsbereit, schuf Dr. Dawidsohn dfe zionistische Bewegung Polens und begleitete sie von ihren ersten Anfängen vor 30 Jahren bis auf den heutigen Tag. Er gründet als Student die erste Akademikerverbindung an der Warschauer Universität ״Kadimalt“ und bleibt Zeit seines Lebens ein Freund, Berater und Führer der Jugend. Als vor zwei Jahren in Warschau das Erste Jüdische Akademische Heim aufgestellt wurde, wird er dessen Direktor und behielt diesen Posten unter den schwierigsten Bedingungen. Dr. Dawidsohn gründet und redigiert die erste zionistische Zeitschrift in Polen ״Glos Zydovvski“. Dann sehen wir ihn an der Spitze der iminerwachsenden Schar, welche in den Revo* lutionsiahren 1905 und später die Bastilie der Assimilation in der warschauer Jüdischen Oemeinde stürmt, In Helsingfors 1005 als Vizepräsident der zionistischen Tagung für Gegen* wartsarbeit, dann während der brausenden antisemitischen Welle zur Zeit der Duinawahlen in Warschau. Immer unermüdlich, Privatleben und Beruf (Dr. Dawidsohn war ein sehr fähiger Augenarzt) vernachlässigend, Führer und disziplinierter Soldat zugleich. Schon damals schwer leidend, achtet er darauf nicht und schreitet mit der Bewegung wacker vorwärts. Ira Kriege dient er als Militärarzt im Generalsrang, währeud des Kerenski-UtnSturzes weilt er im Kaukasus, wo er der dortigen jüdischen Bevölkerung führend dient. 1922 kehr( Dawidsohn nach Warschau zurück׳, zwar physisch arg hergenommen, aber rüstig und zur weiteren aufopfernden Arbeit bereit. Er war Vorsitzender sämtlicher zionistischer Landes• Tagungen in Polen, Vizepräsident des zionistischen Oberrates und des Zentralkomitees der Allgemeinen Zionisten Polens, Vorsitzender des Palästina-Amtes. Noch vor einigen Wochen empting Dr. Dawidsohn im Namen der polnischen Zionisten Präsident Weizmann an der deutsch-polnischen Grenze und in den letzten Tagen half er kräftigst mit, die Wahlaktion für den polnischen Zionismus günstig zu gestalten. Ein langjähriges Leiden hat ihn auf seinem Posten hinweggerafft, noch bevor er seinen Wunsch, in Palästina sich anznsiedeln, erfüllen konnte. Dr. Dawidsohn war die Verkörperung der zionistischen Opferbercitschaft. ein Muster zionistischer Disziplin und Tatkraft. Das Begräbnis war eine ungeheuere Manifestation des jüdischen Warschau für den Verstorbenen- Den Sarg trugen auf ihren Schultern die Mitkämpfer Dr. Dawidsohns: Grünbaum, Hartglas, Lewite, Podlischewski, Freid u. 3. Samtliehe zionistische Organisationen und Institutionen, die akademische Jugend in überaus großer Zahl gaben ihm das letzte Geleit. Am Friedhöfe sprachen; Oberrahbiner Prof. Schorn Präs. Levite, Grünbaum und Vertreter der Jugend. Tiefes Schluchzet! unterbrach mehrmals die Redner. Sir Alfred Mond Der Londoner Wirtschaftsberichterstatter des ״Berliner Tageblattes“, Günther Stein, veröffentlicht in der Abendausgabe vom Dienstag, den ID. Januar, der ״Handelszeitung des Berliner Tageblattes" unter der Ueberschrift ״Sir Alfred Mond —• ein Repräsentant des neuen England" einen längeren Aufsatz, der eine eingehende Würdigung der Persönlichkeit Sir Alfred Monds und seiner Rolle in der heutigen Wirtschaft Großbritanniens enthält Er schreibt u. a.: ״Sir Alfred Mond, Baronet (Exnünister und Leiter des größten britischen Industriekonzerns, der Imperial Chemical In- «ustrtes Ltd.), ist zweifellos eine der interessantesten Personlirhkeiten der englischen Wirtschaft, .... weil er einer der Voll- Strecker der stillen Wirtschaftsrevolution ist, die sich tn England vollzieht und die dem Lunde Aussicht auf Ueberwindung seiner schweren Entwicklungskrise gibt Sir Alfred Mond ist — so stark betont auch sein Patriotismus und so groß auch sein Bemühen um das Wohl Englands bzw. des britischen Imperiums «ein mag — durchaus unenglisch. Er ist, wie man cs hier nennt, ohne damit eine abfällige Kritik zu äußern, ״kontinental“. Er ist Jude, ja einer der Repräsentanten des politischen Zionismus in England, und sein Vater, der bedeutende Chemiker Dr. Ludwig Mond, der den Baroneititel noch nicht besaß, war in Darmstadt zu Hause. Dr. Ludwig Mond wanderte in jungen Jahren nach England aus und gründete gemeinsam mit einem anderen Deutschen, Brunner, mit minimalen Mitteln die Firma Brunner, Mond & Co., die aus winzigen Anfängen zu dem größten englischen Chemiewerk und schließlich zum ,Mittelpunkt der kürzlich erfolgten Fusion fast al'er bedeutenden cheinisehen Fabriken Englands in der Imperial Chemical Industries Ltd,, einem Unternehmen mit etwa 1200 Miß. Mark Aktienkapital geworden ist...“ Der Verfasser gibt dann eine eingehende Darstellung von Monds wirtschaftspolitischen Anschauungen. Eine neue ״Geiahr“ In der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ vom 6. Jan. schreibt Dr. Siegfried Braun, Köln, in einem Aufsatz “Wege und Abwege“ über eine neue Gefahr, die den deutschen Juden droht. Sie besteht in einer fortschreitenden Veriudüng. Dr. Braun fürchtet, daß unter dem Einfluß dieser Verjudung die deutschen Juden sich weniger mit allgemein-menschliehen Problemen beschäftigen und sich von der deutschen Kultur entfernen werden. Darauf ist nur eines zu entgegnen: es fällt keinem *noch so sehr jüdisch bestimmten Menschen ein, die jüdlsche Jugend von den Quellen allgemeiner menschlicher Erkenntnis fernzuhalten. Genau besehen, besteht die Forderung der jüdisch bestimmten Menschen in der Erziehung darin, daß sie ähnlich, wie es in den vergangenen Jahrhunderten und zu allen Zeiten der Fall war, von der jüdischen Jugend eine Intensivere Beschäftigung mit allen Wissensgebieten verlangen, unter denen das jüdische nicht mehr stiefmütterlich behandelt wird, sondern die für Juden selbstverständliche, hervorragende Stellung einnehmen soll, die ihm gebührt! Die Angst, daß jüdische Menschen auf dem Gebiet der Bildung und des Wissens sieh beschränken lassen, ist nach aller Erfahrung unzutreffend. Das Gegenteil ist der Fall An tausend Beispielen JUEDISCHE RUNDSCHAU Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr.!0. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B.Z.V, Der Berliner Veranstaltungskalendcr wird ausschließlich von der Berliner Zionistischen Vereinigung zu iammenges teilt. Wir bitten alle Vereine und sonstigen Veranstalter, sich mit etwaigen Wünschen nicht an d’e Redaktion, sondern an die Berliner Zionistische Vereinigung zu wenden. Dienstag, den 17. Januar . abends $'׳..׳ Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im Cafd Bohne, Steglitz, Aibrechtstr. 127. Herr Dr Schereschewsky: ״Orthodoxie und Zionismus“. יי Abends SU• Uhr Jüdisch-Nationale Frauenvereinigung, im Sitzungssaal, Meinekestraße 10. Fortsetzung des Palästinakurses unter Leitung von Herrn Dr. Wcltsch. Mittwoch, den 18, Januar abends 84י Uhr Gruppe Süd, ira Deutschen Hof, Luckauer Straße 15. Herr Dr. Martin Rosenblüth: ״Der deutsche Zionismus und seine Gegner“. "עבריה" אספת תברים כללית כיום הרביעי .18.1 כשעה 8H בערב- בבית ד,הד,לד. דווג׳בטר. 2-1 על בדד דייב: דרה, תקנות, בחירת הנהלה וקביעת תמיתני. כל חברינו מממנים לבא. Donnerstag, den 19. Januar abends 8U. Uhr im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10 Vertreterversanunlung der B. Z.V. Tagesordnung: 1. Bericht des Hauptvorstandes; 2. Zionistische Arbeit in Deutschland: a) die innerzionistische und politische Arbeit in Deutschland (Referent: Herr Dr. Martin Rosenblüth); b) Die Arbeit der Fonds (Referent: Herr Karl Glaser); 3. Eventualia. Dienstag, den 24. Januar abends $1׳, Uhr Gruppen West und Charlottenburg, im Sitzungssaal, Mefnekestraße 10. Herr Dr. M. Bileski: ״Klärung der Krise?“ Eine Bilanz der gegenwärtigen zionistischen Situation. könnte man beweisen, daß gerade diejenigen Juden, die in ihrer Jugend eine eminent jüdische Erziehung genossen haben, um so stärker fähig gewesen sind, sich mit den Ergebnissen nichtjüdischer Wissenschaft vertraut zu machen und sie mit Virtuo« sitit zu beherrschen. m. w. Die ״Moazath NascMm״ in Erez* Israel Aus Tel- Awiw wird uns berichtet: Im Dezember wurde in Tel-Awiw nunmehr die endgültige Konstitution der ״Moazath lta-irgunlm sehe! hanaschim iwrioth b’Erez Israel״ (Verband der jüdischen Frauen Organisationen in Erez-Israc!) vollzogen. Die absolute Notwendigkeit einer öffentlichen und verantwortlichen Zentrale für alle Notwendigkeiten, Fragen, Pläne und Arbeiten der Frauenwelt Palästinas ist bisher nicht nur von den Frauen Palästinas, sondern auch zum großen Teil von den Frauenorganisationen aller anderen Länder anerkannt und ihre Schaffung gefordert worden. Die Moazah umfaßt vorläufig etwa 25 Organisationen und Vereine von Frauen, die sich mit den Fragen der Frauenwelt auf erzieherischem, sozialen, politischen und sonstigen wesentlichen Gebieten befassen. Der Vorstand wurde aus agilen Orten und Richtungen gemeinsara zusammengesetzt Der Sitz der Exekutive und des Büros wurde nach Tel-Awiw bestimmt; der Arbeitsausschuß der Exekutive besteht aus Frau S. Asarjahu, Frau Rahel Ostrowskv und Frau Nanny Margulles. Als eine der ersten Aufgaben der Moazah wurde die Schaffung eines Informations-Dienstes für das In- und Ausland beschlossen; die Vorarbeiten sind bereits im Gange. Der Ver* band jüdischer Frauen für Kulturarbeit In Palästina (Sitz Berlin) hat bereits durch Bereitstellung eines Teiles seiner Gelder sein Vertrauen zu der Objektivität der Moazah bekundet. Berliner Zionistische Vereinigung Das Weltjudentum Ein Vortragszyklus I. Das deutsche Judentum: 1) Entwicklungen im deutschen Judentum: Herr Kurt Blumenfeld 2J DerreligiöseLtberalismus:HerrRabb.Dr.MaxWiener 3) Die jüdische Orthodoxie in Deutschland: Herr Dr. Arnold Barth 4) Der Centralverein: Herr Dr. Georg Herlitz 5) Der Sozialismus und die jüdische Gesellschaft: Herr Allred Berger II. Das amerikanische Judentum III. Das russische Judentum IV, Das polnische Judentum V, Das Judentum in den baltischen Ländern (Litauen, Estland, Lettland) VI. Das Judentum der Mittelmeerländer VII, Das palästinensische Judentum Beginn des Zyklus: Mittwoch, den 1. Februar, abends 8'/jUhr, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, Herr Kurt Blumenfeld: ״Entwicklungen im deutschen Judentum“ Zweiter Vortrag: Mittwoch, den 8. Februar, abends 873 Uhr, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, Herr Rabb. Dr. Max Wiener: ״Der religiöse Liberalismus" Eintritt: für den Einzelvortrag Alk. —,50 für den gesamten Vortragszyklus Mk. 3.-־ Seite 3S Die Frauenwelt Palästinas!»trachtet die Moazah als einen bedeutsamen Faktor in ihrer Arbeit und begrüßte Ihre endgültige Konstituierung mit warmer Teilnahme. Aus den zahlreichen Begrüßtingssehreiben sei nur eine besonders warmherzige Kundgebung von Miß Hcnrietta Szold (Mitglied der Zionistischen Exekutive) erwähnt. Me amerikanische Misraehi-Konlerenr, New York, 13. Januar. (J.T. A.) Die in Boston ahgehaltene Jahreskonferenz des amerikanischen Misrachi ging zu Ende, ohne daß es gelang, die Führerschaft®- krtse beizulegen. Es wurden weder ein Präsidium noch rin Verwaltung'skomiiee gewählt; Rabbi Meir Berlin, der Präsident des Wdtmisrachi, wurde gebeten, bis zur Beileguug der Differenzen in Amerika zu verbleiben und die Organisation zu leiten. Die. Leipziger (.eroelndewahlen «mgfUtig Die am 27, November 1927 durchgeführten Wahlen zur Repräsentanten Versammlung der Israelitischen Religionsgemelnde in Leipzig sind vom Wahlprüfungsgericht fn einer am 1t. Januar 1928 getroffenen Entscheidung für ungültig erklärt worden Die Kansfgewerbeschnle ״BezaleT Wir erhalten folgende Zuschrift: Die bekannte Kunstgewerbeschule ״Bezale 1“ hat am 21. Mai des vergangenen Jahres ihr zwanzigjähriges Jubiläum gefeiert. Leider haben sich die Hoffnungen, dfe sich an dieses Fest knüpften, nicht erfüllt, da infolge der Krisis in Palästina und der allgemeinen Einschränkung auch die Unterstützung der Schule durch den Jüdischen Aufbaufonds (Keren Hajessod) wegfiel. Infolgedessen mußte die Schule provisorisch geschlossen werden. Was das für Palästin.1 bedeutet, muß jedem klar werden, der bedenkt, daß dies die einzige Stätte in Palästina war, wo junge Leute mit künstlerischer Begabung die Möglichkeit hatten, diese auszubilden. Hatte doch die Schule in den letzten zwanzig Jahren nicht nur das Land Palästina mit kunstgewerblich geschulten Arbeitern versorgt, sondern auch manche viel versprechende Talente für das Ausland vorbereitet, von denen einige sogar einen bedeutenden künstlerischen Ruf erlangt haben. Bekanntlich ist die Idee des ״Bezalei“, die von dem Letter der Schule, Prof. Boris Schatz, ausgegangen ist, zuerst in Deutschland auf fruchtbaren Boden gefallen. Dort wurde im Jahre 1Q1X> ״Bezalel“ E. V., der Verein zur Verbreltung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern begründet, der sich in kurzer Zeit über ganz Deutschland verbreitete und auch in vielen anderen Ländern, auch in Amerika, Australien, Südafrika und Ostasien Mitglieder zählte. Diesem Verein gelang es in kurzer Zeit, die Kunstgewerbeschule in Jerusalem ins Leben zu rufen, und bis zum Kriegsausbruch hat er die Schule mit den von ihm gesammelten Mitteln aufrecht erhalten können. Der letzte Jahresbericht für das Jahr!913 weist aus an Mitgiiederbeiträgen 25 681 M., an Spenden 16 02t M., an Subventionen 18 155 M., zusammen also ungefähr 90000 M. Der Krieg hat diese Tätigkeit zerstört und nach dem Kriege wagte der Vorstand nicht, in .Anbetracht der zerrütteten wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands, den Verein wieder aufleben zu lassen. Dies war auch nicht nötig, weil von anderer Seite die Mittel zur Aufrechterhaltung der Kunstgewerbeschule bereitgestellt wurden. Sie wurden nämlich in den allgemeinen Unterstützungsplan der Schulen Palästinas aufgenommen und konnte sich dadurch, wenn auch nur mit Mühe und Einschränkung aufrecht erhalten. Da leider diese Unterstützung jetzt weggefallen ist. ist es die Pflicht der vielen Freunde des Instituts, in die Bresche zu treten, und so hat sich auch der Vorstand des deutschen Vereins ״Bezaiel" entschlossen, seine frühere Tätigkeit wieder aufzunehiuen. Der Vorstand hofft, daß seine alten Freunde ihn nicht im Stich lassen werden und daß noch viele neue Freunde hinzukommen. Außer Mitgliedern soll versucht werden, Spender mit größeren Beiträgen zu gewinnen, die dafür dann «auch jährlich einen kunstgewerblichen Gegenstand ln dem ungefähren Werte ihres Beitrages erhalten sollen. Mitglicdcrbeiträge (nicht unter 5 M.) und Spenden (von 20 M. an) sind zu senden an: Bezalel, Berlin W 15, Pariser Straße 10. Postscheckkonto 17 581. Ans der Arbeit der B. Z. V. in einer geschlossenen Sitzung der Funktionäre der B. Z. V. referierte Herr Blumenfeld über zionistischpolitische Arbeit in Deutschland. Es wurde insbesondere unsere Stellungnahme zu den einzelnen jüdischen Verbänden in Deutschland behandelt. Die Gruppe des XU. Bezirks veranstaltete am 3, Januar einen Vortragsabend, auf dem Herr Moses Wald mann über ״Taufe und Mischehe“ sprach. Der außerordentlich starke Besuch der Veranstaltung zeigte, wie bedeutsam diese Fragen auch heute noch für das deutsche Judentum sind. Es gelang, auf diesem Abend eine Reihe von Nichtzionisten tür unsere Arbeit zu interessieren. In der Gruppe Nord sprach am 10, Januar Herr Dr. Nach um Gold mann in einer öffentlichen Versammlung über das Thema ״Wandlungen irrt deutschen Judentum?‘• Der Referent ging davon aus, daß das deutsche Judentum eine außerordentliche Entwicklung im Sinne der Nationalistrang genommen hätte, ohne unsere politischen Formeln übernommen zu haben. Das wesentlichste Erlebnis sei die Anerkennung der internationalen jüdischen Solidarität. Während es steh früher nur an jüdischen Abwehrmaßnahmen beteiligt habe, seien heute die Führer der Assimilation an großen jüdisch-nationalen Aufbauaktionen außerhalb Deutschlands beteiligt, ohne sich der Inkonsequenz ihrer Haltung bewußt zu sein. Der Referent wies auf die außerordentliehen Wandlungen hin, die heute der jüdische Liberalismus genommen habe. In der Parteipolitik wirke sich diese veränderte Stellungnahme naturgemäß noch nicht aus, im Gegenteil hieherrscht die Tendenz, den Gesinnungswandel durch überbetonte Aggressivität vor sich selbst zu verbergen. Unsere Aufgabe׳ sei es 'heute, eine neue jüdische Auseinandersetzung herbeizuführen und den inner jüdischen Kampf nicht nur in der Defensive zu führen. Der Vortrag, zu dem auch ein sehr großes uiehtzlonbtischcs PubiikutrTerschienen war, fand außerordentlichen Beifall. Im Anschluß daran fand die Generalversammlung der Gruppe Nord statt. Der langjährige Vorsitzende, Herr Dr. Loevy legte mit Rücksicht auf Arbeitsüberlastung sein Amt nieder. An seiner Stelle wurde Herr Dr. Gabriel Kn 01 ler zum I. Vorsitzenden gewählt, dem scheidenden Vorsitzenden wurde von den verschiedensten Seiten herzlicher Dank für seine geleistete Arbeit atisgespro.chen. In einer außerordentlich gut besuchten Veranstaltung der Gruppe Ost am 11. Januar referierte Herr Dr. Martin Ros e nbluili über ״Der deutsche Zionismus und seine Gegner“. Herr Dr. Rosenblüth setzte sich ira Verlaufe seiner Aasführungen sehr eingehend mit den Strömungen im deutschen Judentum auseinander.

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