Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1928)
- Date
- 1928-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einxctnammer (i,2S GoMmark Mii Untcrhaltnng5-BettMge! JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, MeinekeatraJe 10. Erscheint!«den Dienstag und Freitag. Bezugspreis hei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark■ Äaala0d&abot5nefs«at* werdet! m dar VFlhradg d*r einzelnes Linder beredlmef. Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H,, Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon; Amt Bismarck 7165—■70. A 8!*!*יזיקסזי^י^מ gt»p*ltN©u|>«j־cilIez«tIc 0,30 G.-M* SUllasge stieb« 0,23 Cv־M. An/.clgttiscHJtijß; D! es * t.« g t/ndFrtltag saehmiHtgfi 4 U b r. Telephon: Bismarck 7165-70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 Für Oe*terrcich: P04t*park«ft11enajnt Wien, Krmto Nr. 156 030, Ltir 1 Acbccboilowakt-i ־ l'nstsparluiMenamt Frag, Knut«! Nr. 39410. Für Polen; PohUparkaasenarai Warschau, Kmiir! Nr. 100 7013, Redaktionsscbliiß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 5 | Berlin, 17.1.1928 כ״ר ג־״ת׳ תיס״ה ( xxxiit Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Meimstitte in Palästina. ״Baseler Programm.*' Die GcncUHteordnans fei Palisaia Jerusalem, S. Januar. (J. T. A.) Die seif 1. Januar W28 in Palästina zu Recht bestehende Regierungsverordnung über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Palästina enthält im Vergleich ,׳» dem vor längerer Zeit zuerst vcröffe.nt-!»ritten Texte verschiedene Aendmuige«. Bei der Herstellung des endgültigen Textes wurden die Wünsche der sepharätselten und einiger anderer orthodoxer Gruppen der jüdischen Bevölkermtg bis zu einem gewissen Maße berücksichtigt. Ferner wird der W 1 a d L c u nt i, der jetzt als das oberste Organ der jüdischen Gemeinden Palästinas füngiert, irr der Vor-׳ Ordnung nicht wie früher ,,National Council“ (diese Be- Zeichnung wurde ■vom Waad l.cumi .auch für die neue V'er- Ordnung vorgcsrhlagcn), sondern ״General Council“ genannt. Die wichtigsten Armierungen des Entwurfs vom Juli 1027 beziehen sich auf folgendes,: Das gegebene Verhältnis der sepbardischen u n d a s c h k c n a sis r b e n M i t g ' 1 c - der irrt O ber 1־ a b b i n a t. und im Rabbinisehen Rat erfährt keine Aenderung; in jedem Orte, in dem sich eine s e p 11 a r - dtsche Gemeinde befindet, muß diese int Rabbinischen Amt im Verhältnis zur Kopfzahl vertreten sein; das Schied.?־ ge Hebt zur Beilegung von Differenzen zwischen Rabbiirischem Rat und Oeneralrat (Waad Leumi) setzt sich aus einem von der Jewish Agency ernannten Präsidenten, zwei vom Oeneralrat nominierten Mitgliedern, von denen das eine ein Sepharde sein soll, und zwei vom Rabbinischen Rat namhaft gemachten Mitglieder«, von denen eines ebenfalls Sepharde sein soll, zusammen. In den gemeindlichen Schacht- und Begräbnis-Komitees sollen tlie Sephardim im Verhältnis zu ihrer Zahl vertreten sein. Der Rabbinische Rat, die Kabbinatsämlcr, die 1 andesversaminlung (Assefath Hanhvcbarim), der Oeneralrat (Waad Leumi) und die lokalen üemeindekomite'es haben kein Recht, eine Jurisdiktion oder sonstigen Maditeinfluß auf irgendeine Person ,auszuüben, die dem Generalrat den W u 11 s c 11 m i t g e t c i 11 hat, nicht in die Gemeinde e i n g c s c h i o 5 s e n zu sein. Diejenige Bestimmung in dem ursprünglichen Entwurf, die nur den Bestand einer־ einzigen Gemeinde ln einer Stadt oder einem Dorf anerkennt, wurde auch in den endgültigen Entwurf aufgenommen. Dazu heißt es noch, daß eine mindestens 30 erwachsene Personen umfassende G r 11 p p e in* tu* rhalb der Gemeinde Anspruch Ipt auf. die ■Bcfrieiiguhg' ihrer" idipcken 'und' knltardfen -fSedärft1!*£e ihren eigenen Grundsätzen; die lokale Gemeinde oder ihr Komitee müssen in allen kommunalen Angelegenheiten religiösen 04er kulturellen Charakters die Bedürfnisse einer solchen Gruppe voll in Betracht »eben und die Einkünfte der Genicinde, die religiösen oder kulturellen Zwecken ,gewidmet sind, zwischen der Gemeinde und der betreffenden Gruppe genau nach dem Verhältnis der Mitgliedcrzahl aufteilen. Eine Kongregation, deren Mitglieder nicht der lokalen Gemeinde angehoren, hat das volle Recht, unabhängig vom lokalen Schächtkonritee ihre eigenen Schichtungen vorzunehmen, auch ihr eigenes Begräbnisritual unabhängig vom Begräbniskomitee zu beobachten, vorausgesetzt, daß die erwähnte Kongregation für das von ihren Schächtern geschachtete Fleisch die für die Schichtungen in der Gemeinde feststehenden Gebühren leisten. Jerusalem, 0. Januar. (J. T. A.) Aus Anlaß des Inkrafttretens der jüdischen Gemeindeordtmng veranstaltete die Jerusalemer jüdische Gemeinde am Sonntag, den 8. Januar, abends, eine Feier. Der Justiz-Sekretär Norman Be nt wich hielt eine Ansprache im Namen der Regierung. Es sprachen dann noch der jüdische Vizebürgermeister von Jerusalem Herr Meyuchas, der Vorsitzende des Waad Leumi David Yellin, das Mitglied der Zionistischen Exekutive Colonel Kisch, der Leiter des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin, ferner Herr Landau im Namen des Misrachi und Joseph Sprinzak im Namen der jüdischen Arbeiterschaft. * Die offizielle Verlautbarung der Gemeiudeordnung ist ein Ereignis ersten Ranges in der Entwicklung des patästinensisdier» Judentums und als solches für die gesamte zio-, nistischc Bewegung bedeutungsvoll. Seit fast acht Jahren bemüht sich der Jischmv um seine Legalisierung, um die Wieder ״Aral» Agency“? Wie aus Jerusalem gemeldet wird» steht die Einberufung des siebenten arabischen Kongresses Palästinas bevor, der eine Abwendung von der bisherigen arabischen Politik und den Willen zur Kooperation mit der Regierung proklamieren wird. Angeblich wird dieser Kongreß das Projekt einer Arab Agency aufgreifen, das 1923 von der Regierung vorgeschlagen und von den Arabern damals abgelehnt wurde. __ Das österreichische Pro Palästina-Komitee Wie das offizielle Organ des österreichischen zionistischen Landeskomitees, ״Die Stimme“ mitteilt, ist die Konstituierung des österreichischen Pro Palästina-Komitees in der zweiten Hälfte Januar zu erwarten. Dem Präsidium sollen angehören der ehemalige Ministerpräsident Beck und der österreichische Delegierte 'beim Völkerbünde Mensdorff, dem h hr nprä.-idium Mitglieder der österreichischen Regierung sowie Polizei- Präsident Schober. __ Bukarest, 12. Januar. (J, T. A.) An der Universität flammten gestern die antisemitischen Studentenunruhen wieder auf. An der medizinischen Fakultät wurden die jüdischen Studenten blutig geschlagen. Schaffung einer organisatorischen Form für die nationale Gemcinschaft der Juden des Landes, die eine wirksame Durchführung der' autonomen, Verwaltung verschiedener nationaler Tätigkeitsgebiete ermöglichen ,würde. Die Vorschläge und Entwürfe haben gewechselt, zahlreiche Widerstände waren?11 überwinden, und in der Zwischenzeit war das organisierte palästinensische Judentum und. seine oberste gewählte Instanz, der Waad Leumi, zur Machtlosigkeit verurteilt, weil er keinerlei gesetzliche Handhabe hatte, seinem Willen Geltung zu verschaffen, vor allem aber weil er keinerlei finanzielle Mittel besaß und auf freiwillige Spenden angewiesen war. Die englische Regierung hatte 'anfangs kein Verständnis für die Forderungen der Juden nach einer legalisierten. Gemeindekörpersehaft mit Stcncrrccht, da cs in den angelsächsischen Ländern solcjie Institutionen flicht gibt. 111 den. letzten Stadien der Verhandlungen ging die Hauptschwierigkeit von der Agudas Jjsrocl aus, die sich gegen eine umfassende Organisation der palästinensischen Jude« wehrte, da sie dies als eine Verkürzung ihrer religiösen Rechte ansall. Die Agudah-Orthodoxic verlangte für sich das Recht separater Organisatio״, und da sie mit dem Argument der Bedrohung der Gewissensfreiheit operierte, da? bei den Engländern stets Eindruck macht, hatte sic auch gewisse Erfolge anfzttweisen. in Wahrheit hat das zionistische Judentum Palästinas niemals die Gewissensfreiheit bedroht, da es nur eine weltliche Organisation erstrebte, innerhalb derer jeder Gruppe volle Freiheit ihrer religiösen Bedürfnisbefriedigung gelassen werden sollte. Freilich konnte aus nationalen und politischen Gründen nicht?!!gestimmt werden, daß von Staats wegen offiziell zwei Judcntümcr statuiert werden. Der Entwurf der Gcnieindeordnung wurde im Juli d. J. veröffentlicht, nachdem sich auch die Mandatskommission des Völkerbundes mehrmals mit der Sache beschäftigt hatte. Es wurden daraufhin von allen interessierten Gruppen noch Abänderungsauträge eingcreieht, die nun in definitivem Gesetz, zum Teil berücksichtigt wurden. Dabei wurden so bedauerliche Aendcrimgcn aufgenommen wie die Bedingung der paritätijsc|}8tf 6el»»d|(tpf,v^TvS.,e,|a,L^i«p_,ia ,111#• י tiitioneri. #lr "sinä"nicht gegen" eine sÄtWr!«י*',ז»1','^&א6יומו Scfardim, yvohl aber, dagegen, daß konstitutionell die Trennung der jüdischen Gemeinde in',‘־zwei, verschiedene Gruppen, in dieser -Weise legalisiert wird Das Gesetz hat auch noch andere Schönheitsfehler; vor allem aber ist seine ganze Grundlage verfehlt, da es eine Organisation der religiösen Gemeinschaft schafft. Trotzdem ist es ein Anfang, auf dem weiter gebaut werden kann, es ist ein Rahmen, den mit Leben auszufüllen Sache des palästinensischen Judentums sein wird. Die Agudah hat eine Zcitlang Siegesfanfaren geblasen, weil das religiöse Prinzip zugrundcgelcgt wurde, und auch sonst manche ihrer Forderungen berücksichtigt wurden. Zuletzt jedoch erhob sie wieder einen Proteststurm, weil ihre separatistischen Wünsche nicht genau in der von ihr geforderten Form befriedigt wurden. Sie veranstaltete sogar am 1. Januar einen Trauergottesdienst (!) an der Klagemauer und sandte von dort aus Protesttelegramme an den Völkerbund, das Kolonialamt usw. Für solche theatralischen Gesten haben wir kein Verständnis. Auch die Zionisten haben reichlich Grund, mit dem Gesetz unzufrieden zu sein, aber sie sind darum weit entfernt davon, es zu verwerfen, immer wieder spielen die Zionisten die Rolle der wahren Mutter in der Parabel vom salomonischen Urteil. Die andern Gruppen wollen das Kind lieber zerstückelt sehen, als daß sie auch nur im geringsten nachgeben würden. Wir Zionisten wissen, wir müssen — wo es nicht anders geht — uns mit den Realitäten abfinden und lieber auf viele wichtige, sogar grundsätzliche Forderungen verzichten, nur daß das Kind am Leben bleibe! Wir glauben, daß trotz aller Verstümmelungen auch dieses Gesetz lebensfähig sein wird. Dritte Emigrationskonlerenz in Berlin Am 15. Januar wurde in Berlin die dritte Emigration?־ konferenz eröffnet, deren Beratungen -für drei Tage anberaumt sind. Es erschienen Vertreter aus Paris, Polen, Rumänien, Litauen, Lettland und Deutschland. Dr. K r e i n i n eröffnete die Konferenz mit einen! Nachruf für das verstorbene Mitglied der Zentralverwalfung Wladimir T e m k i t! und gedachte des Hinscheidens von Dr. Chajes, D. H. Nomberg u. a. Den Vorsitz in der ersten Sitzung führte Dr. Alfred K! e e. Nach Begrüßung von Vertretern des Joint, ORT, OSE, des Hilfsvereins der Deutschen Juden und des Arbeiterfürsorgeamtes erstattete Jacob L e s t s e 11 i n s k y ein .grundlegendes Referat über die jüdische Emigration in Vorgangen heit und Gegenwart und zeichnete die Riehtlinien der notwendigen Emigrationspolitik. Am Nachmittag wurden weitere Referate erstattet, an die sich in der dritten Sitzung, spät abends, die Diskussion schloß, lieber die Er- ״cbnissc der Konferenz werden wir noch berichten. Montag Vormittag wurden die Beratungen fortgesetzt. Auf der Tages- Ordnung stehen eine ganze Reihe aktueller Fragen der jüdisehen Wanderfürsorge. Die Konferenz ist für die Dauer vou drei Tagen berechnet. (Wir verweisen im Zusammenhang mit der Konferenz auf den in unserer vorigen Nummer veröffentlichten Aufsatz ',,Jüdische Wanderungen“ ) Das Zionistische Kulturpolitik umstrittene Kulturprogramm in Polen. - Die dritte Tarbathkonfercnz in Warschau. (Von unserem Korrespondenten.) Warschau, Mitte Januar. Dir bebijjsclR׳ KuhinlHnvrgnr:,; gehört zu den besten Traditionen des Zionisints-- in Osteuropa. Vor (lern Weltkriege war cs im ehemaligen Rußland und auch in Galizien kaum möglich, zwischen zionistischer Tätigkeit und hebräisrher Erziehung?,irbeit zu unterscheiden. Die Idee des Zionisnius deckte sich vollständig mit der der hebräischen Renaissance und das Gros der Zionisten Osteuropas 'war eitrigst׳ bemüht, die hebräische Sprache und Literatur, die hebräische Schule und das hebräische Buch im Galuthiebeu zu verbreiten und zu befestigen. Betrachtete man den Zionismus als Revolution des jüdischen Lebens, war es für jedermann klar, daß diese Revolution ohne Hebräisch undenkbar sei. Dieser selbstverständlichen Einstellung verdanken wir das wunderbare Aufbauen unserer nationalen Sprache nicht nur in Palästina, sondern auch in der Gallith. Ein weitverzweigtes Netz hebräischer Schulen und Sprachkurse, hebräische Bücher und Zeitungen, das lebendig e hebräische Wort im Munde der Jugend - das waren die Ergebnisse langjähriger zionistischcr Arbeit. Die hebräische Kulturbewegung war zugleich Ursprung tim! Resultat lies Zionismus. Dies ,änderte sich nach dem Kriege. Noch während der Kriegsjahre, wo es nur die Umstände erlaubten, sah man Zionisten vorzüglich um das hebräische Kulturwerk bemüht. Bald aber, nachdem der politische Triumphzug׳ des Zionismus begann und später die großen Emigration?- und Kolonisation«- bestrebungeil folgten, hat die zionistische Bewegung hierzulande das hebräische Kulturprogramm immer mehr vernachlässig(, bis sie es bald fast ganz vergaß. Das russische Judentum, der Hanptträgcr des hebräischen Pioniergedankens, wurde lahmgelept und der polnische Zionismus zeigte sich, wie noch in manchem anderen, kaum als sein treuer Nachfolg er. Das heißt allerdings .nicht, daß die hebräische Kulturarbeit in Polen aufhörte. Nachdem sich der erste Rausch der Nachkriegsjahre legte, sah mau überall, aber hauptsächlich. In w*'fo f am Hebräischen, stärk Interessierte Gruppen ‘ujid (3amafe'׳etÄstand die Organisation des hebräischen Kulturwerkes die ״Tarbuth“.!dieser Verband, anfangs getragen von der Zionistischen Organisation und ihr Bestandteil, verwandelte sich nachher, nachdem der polnische Zionismus sich differenzierte, in einen selbständigen Organismus. Bald geschah aber etwas, was mau am 1venigstc.11 erwarten konnte und was erst im Laufe des letzten Jahres so kraß zum Vorschein kam. Während die Tarbuthleitung bemüht war, das hebräische Schulnetz auszubauen, Fonds zu sammeln und das Interesse für die hebräische Renaissance in Polen wachzuhalten, — fand sie sich immer mehr in diesen Bestrebungen vereinsamt und verlassen und bald wurde sie auch ganz ohnmächtig. Im Sturm und Drang vor und während der vierten Alijah haben die führenden und verantwortliehen Zionisten Polens der Tarbutbbevvegung überhaupt kein Augenmerk geschenkt; und so kam es, daß das hebräische Schuhverk sich nicht weiter entwickeln konnte, die bestehenden Schulanstalten auf eigene spärliche Kräfte angewiesen waren. Nur die Eltern und Lehrer blieben die Träger des Schulwerks. Die außerhalb de? Zionismus und ihm feindlich gegenüberstehenden Parteien im polnischen Judentum, so die Agudah einerseits und der Bund samt den linken Poale Zion anderseits, nutzten diese Jahre der zionistischen Untätigkeit auf kulturellem Gebiete so gründlich ans, daß wir heute das Bestehen eines großausgebauten orthodoxen und jiddisch-proletarIschen Schulwerkes feststellen müssen. Während die hcbräisehe Kulturbewegung Jahrzehnte hinter sich hat, ist .die jiddische Schulbewegung vorwiegend ein Werk der letzten Nachkriegsjahrc. Gespeist von regelmäßigen bedeutenden finanziellen Zuwendungen des amerikanischen Joint, getragen und energisch entwickelt seitens der proletarischen Parteien, propagiert mit großem Schwung — erreichte die jiddische Schule, vorwiegend in Kongreßpolen, eine große Schar von Anhängern und ein hohes Niveau innerer Entwickhmg. Auch die Orthodoxie blieb nicht untätig. Dem Gebote der Zeit folgend, verstand es die Agudah, der Regierung allerhand Konzessionen bietend, den Glieder zu reformieren, und zwar so, daß der weltliche Teil des Unterrieht? polnischen (also assimilierenden) Charakter annahm aber die religiöser! Fächer intakt blieben. Letztens gab sogar die Agudah ihre gefährliche Gleichgültigkeit auf dem Ge biete der Mädchenerziclumg auf und errichtet religiöse Mädchenschulen (Volks- und Mittelschulen), wo zwar religiöse Gesetze streng befolgt werden, aber das Polnische vorherrschend ist. Zur selben Zeit führte Tarbulh mit beschränkten Mitteln, ohne moralische Hilfe .seitens der führenden Kreise, eine opfervolle und bewunderungswürdige Tätigkeit. Zahlen• mäßig noch immer das jiddischisiische Schuhverk überragend hatte Tarbuih auch große Erfolge auf pädagogischem Ge■ biete zu verzeichnen. Allerdings erstreckte sich diese Tätigkeit in überwiegendem Maße auf die Randgebiete, wo die Liebe zum Hebräischen fast ungebrochen aus der Vorkriegszeit andauert und dieser innigen Beziehung der dortigen jüdischer, Bevölkerung zur hebräischen Schule ist es allein zu ver■ danken, daS diese Anstalten erhalten blieben und sich mancher•