Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1928)
- Date
- 1928-01-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. I, a. 11028 JUCMSCRE RUNDSCHAU Seite 8 Antizionistisdie ״Gewährsmänner" ״Die Wahrheit» österreichische Wochenschrift für jüdische Interessen“, das Organ der ״Union deutsch-österreichischer Juden", die sich im Falle des Anschlusses wahr* scheinUch mit dem Central-Verein vereinigen wird, mit dem sie jetzt schon brüderliche Beziehungen hat, veröffentlichte am 19. August 1927 auf der ersten Seite einen Artikel, der folgende zweispaltige Ueberschrift trug: Der Niedergang des Zionismus Von J izebak Grünbaum, jüdischer Sejmabgeordneter in Warschau. Iß einer Vorbemerkung wurde gesagt, der Warschauer ״Hajnt“ habe dieser Tage den .,folgenden höchstes Auf* sehen erregenden Artikel“ veröffentlicht, ln dem Artikel heißt es u. a. zum Schluß: ״Die Aufbauarbeit in Palästina darf nicht als Endziel des Zionismus proklamiert werden, soll vielmehr nur als ein Mittel dienen, um unsere nationalpolitischen Bestre* bungen in der Diaspora zu bemänteln." Nun sind wir zwar in Fragen zionistischer Politik nicht Immer mit Abgeordneten Grünbaum einverstanden gewesen, aber daß er einen derartigen Unsinn nicht geschrieben haben kann£ war von vornherein klar. Da auch das Organ der nationaideutschen Juden, was natürlich sein gutes Recht war, aus der ״Wahrheit“ diese Lüge übernommen hat, nahmen wir in Basel Gelegenheit, uns# von Grünbaum aus* drücklich persönlich bestätigen zu lassen, daß er die be* treffenden Sätze niemals geschrieben hat Dieses Dementi wurde in der ״Jüdischen Rundschau“ am 25. Oktober veröffentlicht. Daraufhin hat die ״Wahrheit“ am 18. November in einer Notiz ״In eigener Sache“ festgestellt, es handle sich um einen Artikel aus dem ״Hajnt“ vom 17. Juni, und der angefochtene Satz laute in wort* getreuer Uebersetzung folgendermaßen: ״Die Aufbauarbeit ist bloß ein Mittel, das nicht das eigentliche Hauptziel verdecken darf... Dieses Mittel zum Zweck darf aber nicht das Hauptziel bemänteln.“ Es ist nicht schwer, schon hier zu sehen, daß die erste Wiedergabe eine völlige Fälschung des Inhalts war. Die Redaktion der ״Wahrheit“ ist aber so naiv, in gutem Glauben hinzuzusetzen, jedem einsichtigen Leser müsse einleuchten, daß hier ״eine bloße Wendung aus dem Negativen ins Positive, keineswegs aber eine völlige Entstellung“ vorliege. Am 23. Dezember endlich meldet sich der Gewährsmann der ״Wahrheit“ selbst zu Wort, ein Dr. F. S., der, wenn wir nicht irren, die gesamte antizionistische Presse Deutschlands seit längerer Zeit mit ,.Material“ aus Polen versorgt, ja sogar wahrscheinlich auch dem ״Ausländsdeutschen“ nicht fern steht, der mit Vorliebe Nationaljuden in der deutschen Presse denunziert, und dessen Wohnsitz unseres Erachtens nicht weit von Biala liegen dürfte. Dieser Herr gibt nun eine wörtliche, wenn auch nicht sehr schöne Uebersetzung des von ihm am 19. August umgearbeiteten Artikels. (Der Herr scheint nur entweder eine sich an alte idiomatischen Einzelheiten sklavisch klammernde Uebersetzung zu kennen, oder aber eine solche, die den ursprünglichen Sinn nach freiem Belieben umdichtet) Die betreffende Stelle lautet nun plötzlich folgendermaßen: ״Die Zeit und ihre Stimmung fordern von uns, daß wir ms herausstürzen in die jüdische Gasse n\! ur.>crn .abrea Zionismus, daß wir unverschlelert und unbefleckt den Kampf für ihn erneuern, nicht mit der Losung des Palästina-Auflaues, sonder« mit der Losung desjenigen Zionismus, der .4«*.., nationale-.Vdedenerwaches; d«..V0lKe1,Wtpiett..seine״. Befreiung mS Auslösung vom GMuät' Dl« Aufbauarbeit ׳: Ist bloß ein Mittel, das nicht das eigentliche Kampfziel verdecken darf.“ Zu dem letzten Satz bemerkt dieser zuverlässige Gewährsmann noch ausdrücklich: ״dieser letzte Satz ist streng wörtlich übersetzt“ Auch dies ist falsch, denn wie sich beim Vergl ״ich mit dem Original ergibt, heißt es bei Grünbaut. nicht ״Kampfziel“, sondern ״Hauptziel“, was in dem Zusammenhang etwas ganz anderes ist, Warum der Ueberseizer, ganz spontan, gerade hier noch die strenge Wörtlichkeit hervorhebt, wird nicht nur Philologen unbegreiflich sein. Aber es kommt noch schöner. Der Gewährsmann fährt fort: ״Grünbaum unterscheidet also ganz offensichtlich zwischen den wahren Zielen des Zionismus, nämlich der natioaalen Diaspora-Politik, und dem zur Schau getrafenen, wohl also für die nichtzionistischen Keren Hajessodahter bestimmten Palästina-Aufbau.“ Der Uebersetzer nimmt sich also das Recht, Grünbaum ganz willkürlich zu interpretieren, und während bei Grünbaum mit keinem Wort davon die Rede ist, daß ״die ״nationale Diaspora-Politik“ das wahre Ziel des Zionismus sei, substituiert dieser Interpret einfach diese Worte für Grünbaums Worte, und hat die Unverfrorenheit, in die Ueber- Schrift zu schreiben: ״Von Jizchak Grünbaum", als ob es sich um den Text eines Artikels von Grünbaum handelte. Kleinigkeiten spielen bei einer so ungeheuerlichen An- Gelegenheit kaum eine Rolle, sonst wäre es zumindest pikant, daß Herr F. S. in dem Absatz, den er jetzt am 23. Dezember ״wörtlich“ (!) übersetzt, aus Grünbaums Worten ,.nicht nur mit der Losung des Palästina-Aufbaus, sondern mit der Losung des Zionismus, welcher die Auferstehung des Volkes bedeutet“ usw., das Wörtchen ״n u r“ in der Versenkung verschwinden läßt Was Grünbaum sagen wollte, ist jedem auch nur oberflächlichen Kenner der Materie ohne weiteres klar. Sein Artikel ist ein innerzionistischer Kampfartikel zur achten Landeskonferenz der polnischen Zionisten und tritt dafür ein, daß nicht hinter der Sorge um die kleinen Tagesfragen der Koloni- Nation der Oesamtaspekt des Zionismus zurücktrete. Der Palästina-Aufbau ist natürlich nur ein Mittel zum Zweck, nämlich zum Zweck der schöpferischen Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Kein Zionist denkt anders? aber auch kein Nichtzionist, der sich für Palästina interessiert. Derer Oedanke ist eine Selbstverständlichkeit, er hat auch ganz ohne jede Beziehung zur Diaspora-Politik volle Ge’tung, und nur m der Praxis der organisatorischen Kleinarbeit besteht die Gefahr, daß das Ziel der Renaissance zurücktritt. Darum Qrünbaums Mahnung. Daraus die Behauptung zu machen, der Palästina-Aufbau solle nur die n^tionalpolitischen Be- Strebungen in der Diaspora ״bemänteln“, ist dieselbe Methode, die die ״Protokolle der Weisen von Zion“ und ähnliehe Literatur praktizieren, die aus jüdischen Schriften ang'bliche ״Zitate“ anführen, worin erklärt wird, man müsse die Pläne einer jüdischen Weltherrschaft ,,bemänteln“. Der Abgeordnete Grünbaum hätte unseres Erachtens «egen des doch offenbar ohne seine Erlaubnis erfolgten Abdrucks ״seines“ Artikels und Mißbrauchs seines Namens gesetziiehe Mittel Aber abgesehen von der literarischen Unanständigkeit liegt doch offenbar ein politischer Kampf mit vergifteten Waffen vor, und nur darum haben wir uns mit dieser schmutzigen Angelegenheit, die wir zuerst mit der kurzen Notiz vom 25. 10. erledigt wähnten, noch eingehender befaßt Wir sind überzeugt, daß die Redaktion der ,,,Wahrheit“ guten Glaubens ist, sonst hätte sie die Sache nicht noch einmal aufgewannt. Auf ihrer Seite liegt nur grobe Fahrlässigkeit und wohl auch Ignoranz vor. Sie sollte jedoch, wenn we auf ihre publizistische Integrität etwas hält, ebenso wie andere an :!zionistischen Organe künftig in de! Wahl ihrer Gewährsmänner etwas vorsichtiger sein. Ddegierieniag der jugoslawischen Zionisten (Von unserem Korrespondenten.) Am 14. lind 15. d. M. wurde in Subotica der alljährliche Delegiertentag der jugoslawischen Zionisten abgehalten, ln Anwesenheit von 71 Delegierten aus allen Teilen Jugoslawiens eröffnete der Präsident der Organisation Dr. David Alkalay die Tagung und begrüßte unter anderen Anwesenden den Vertreter der Regierung Obergespan Dr. Lukic, den Vertreter des Heeres General Radosavljevic, den Bürgermeister von Subotica Dr. Stlpetic und den Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde von Subotica Dr. Klein. In seiner Begrüßungsrede teilte Dr. Alkalay der Versammlung den Beschluß der jugoslawischen Zionisten mit, in Palästina einen Wald auf den Namen des verstorbenen König Peter zu pflanzen, als Dank dafür, daß seine Regierung die erste war, die sich der Balfour-Dekiaration angeschlossen hatte. Es besteht die Absicht, den Wald angrenzend an die Siedlung der jugoslawischen Chaluzim in Djcddah {neben Nahalai) anzulegen, worüber noch Verbandlungen mit dem Direktorium des Keren Kajemcth gepflogen werden. Der erste Konferenztag war den Referaten gewidmet. Der Präsident des Arbeitsausschusses Dr. Alexander Licht sprach über die Lage der zionistischen Bewegung, Dr. Freiberger über die Arbeit der Jugend, Dr. Löwv, der Deleflerte des Keren Kajemeth aus Jerusalem über Palästina und ie Siedlung der jugoslawischen Haluzim, Frl. Weiner über die zionistischen Frauen, Dr. Dohany über Kulturarbeit usw. Berliner Zionistische Vereinigung Am Sonntag, den 8. Januar» vorm, tl Uhr. findet im Gartens«»] des Logenhauses, Kleiststrafie 10, eine Trauerfeier für Prof. ChaJes, Wien Wladimir Temkln statt. EI mole rachamims Manfred Lewandowski, Es sprechen: Kurt Blumenfeld, Dr. J. Brutalen«, Prof. Elbogen, Bernhard Kahn, J. KUnoff, Dr. Alfred Klee, Dr. Torczyner. Besonders freudig begrüßte der Delegiertentag den Oberrabbiner von Sarajewo Dr. Moric L e v i, den Abgesandten der beiden jahrelang sich befehdenden und nun knapp vor der Kon* ferenz wieder ausgesöhnten Strömungen in Bosnien, von denen die eine rein sephardiscb ist, während die andere sich stets geweigert hat, eine solche Teilung innerhalb der zionistischen Bewegung anzuerkem en. *'■• der Debatte die an» zweiten Koufereiuuge folgte, wurde viel über die Krisis in Palästina und ihre Ursachen gesprochen. Mehrere Redner behandelten di? von der sephar* aischen Weltföderation erhobenen Beschwerden, die sich auf die' ־eagteitlie ׳ ■ ■Behagihiif; und ßenacMefH׳r«ng der sephar« 'dlschen Elemente in Palfstfns beziehen. De־״ Präsident de* Arbeitsausschusses Dr. licht konnte die Konferenz darüber insoweit beruhigen, als er ihr mitteilte, daß sich die Exekutive mit diesen Fragen befasse;,* 1•י *Ile Absicht habe, in ״bschbaret Zelt eine Konferenz ■zwecks Besprechung der vorliegenden Beschwerden einzubenrien, wobei die sephardische Weitföderation nicht überlangen werden soll. In diesem Sinne wurde auch eine Resolution ge!'aßt Die Hauptarbeit der Tagung wurde indessen nicht im Plenum, sondern in den Kommissionen, und zwar in der Budget-, Keren Haiessod-, Keren Kajemeth- und Resolutionskommission, besorgt. Schon im vergangenen Jahre wurden die Finanzen des Verbandes wie auch des offiziellen Organs ״Zidov“ konsalidiert, doch auch das neue Budget sieht weitere wesentliche Einschränkungen und Ersparungsmaßnahmen vor. Leider fiel diesem auch der Punkt ״Propaganda“ zum Opfer, für die ein ungenügender Betrag eingesetzt wurde. Die Kommission verlangte zumindest hier eine Erhöhung des Budgets, doch mußte sie sich schließlich dem Widerstand des Finanzreferenten fügen, der darauf bestand, daß nur ein reales — mit den voraussichtlichen Einkünften übereinstimmendes Budget — festgesetzt werde. Die Keren Hajessod-Kommission beschäftigte sich eingehend mit den Resultaten der vorjährigen Arbeit und beriet über die nächsten Aktionen. Gegen Ende der Tagung wurde eine Reihe von Reso- 1 u t i o n e n angenommen, vor allem die ״politische“, in der das Vertrauen und der Dank des Delegiertentages dem Prä* sidenten der Weltorganisation Herrn Weizmann und dem Präsidenten der Exekutive Herrn Sokolow ausgesprochen wird. Die Konferenz anerkennt die Bemühungen der beiden Prä* sidenten in bezug auf die Beeinflussung der Mandatarregierung in dem Sinne, daß dieselbe den Bestimmungen der Balfour- Deklaration eher entspräche als dies bisher geschehen ist. Der Delegiertentag hofft, daß die Exekutive auf diesem Wege erfolgreich fortschreiten werde. Dig, Konferenz gibt weiter ihren Erwartungen über die Verwirklichung der Jewish Agency Im Laufe dieses Jahres Ausdruck, doch unter voller Wahrung der Integrität und der demokratischen Prinzipe der Zionistischen Organisation. Schließlich stellt die Tagung fest, daß die Arbeiterparteien ein leuchtendes Beispiel zio* nistischer und patriotischer DiszioFn gegeben haben, als sie die Zusammensetzung des palästinensischen Tei'es der Exekutive ermöglicht haben, wie sie vom Kongreß in Base! gewählt wurde. Der Zusatz, daß eine solche Zusammensetzung der palästinensischen Exekutive dem Wesen der Arbeiterparteien widerspricht, wurde auf Intervention des Prä* sidenten Dr. Alkalay gestrichen. Eine längere Debatte entspann sich über den von der Resolutionskommission vorgeschlagenen Absatz, laut welchen die Konferenz der Not gehorchend die palästinensische Exekutive anerkennt ohne ihr ihr Vertrauen auszusprechen. Trotzdem der große Teil der Delegierten diesem Absatz zustimmte, wurde er zuletzt auf Intervention des Präsidenten Dr. Alkalay ohne Abstimmung zurückgezogen. Die Keren Hajessod- und Keren Kajemeth- Resolutionen betonen die Wichtigkeit dieser beiden finanziellen Pfefler der Organisation und geben Drektiven für das nächste Arbeitsjahr. Die Resolution über die Siedlung der jugoslawischen Chaluzim in Palästina bedauert vor altem die völlige Einstellung der Einwanderung, die den weiteren Zuzug und die Vervollständigung der Ansici'er in Djedda unmöglich macht. In bezug auf Frauen-, Jugend- und Sportbewegung wurde der Wunsch ausgesprochen, diesen Verbänden jede Erlelchterung und Förderung zuteil werden zu lassen. Die Organisationen in Bi:01j, Sarajevo und Zagreb, wo es jüdische Arbeitergruppen gibt, wurden verpflichtet, denselben ihre besondere Aufmerksamkeit zu widmen und ihnen in jeder Hinsicht entgegenzukommen, um ihre zionistische Erziehung 1 and Organisierung m erleichtern.. * S0״dt «h°F da Ueberblfck möglich ist, sind die Ergebmsse des Delegiertentages zufriedenstellend. Die Wiederbelebung des zionistischen Gedankens in Sarajevo und Subotica und infolgedessen in den dazugehörenden Provinzen Bosnien ״ * yojyodina, bildet neben der Begründung des König Peter-Waldes die sichtbaren Erfolge der Tagung. Der Arbeit für den Keren Hajessod wurden neue Impulse gegeben und auch innerorganisatorisch wurden Maßnahmen besprochen, die eine straffere erfolgversprechende Arbeit sichern sollen. Wladimir Temkins Begräbnis Pari * 28. Dezember. (J.T. A.) Am Dienstag, den '21. Dezember, wurde Wladimir Temkin in Paris zu Grabe getragen. Tausende Personen hatten sich in und vor dem frauerhause eingefunden, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Anwesend waren u. a. die Witwe von Max Nordau und die Witwe von Alexander Marmorek, Dr. Chaira Weizmann, Dt. Victor Jacobson, N'aiditsch und Zlatopolsky, der Vorsitzende der russisch-jüdischen Gemeinde in Paris, fl Sliosberg, Repräsentanten aller großen jüdischen Organisationen u. a. m. Der Sarg war in eine weiß-blaue Flagge gehüllt Jüdische Studenten mit zionistischen Fahnen und Emblemen bildeten Spalier. Die religiöse Zeremonie leiteten Rabbi Sturtze und Kantor Hirschin. Hierauf hielt Dr. Weizmann dem Verstorbenen einen tief empfundenen Nachruf, in welchem er sagte, er sei eigens hierher gekommen, um seinem alten Freunde und Gefährten, mit welchem er die ganze Strecke der nationalen Bewegung dttrehmessen hatte, die letzte Ehre zu erweisen. Temkin schloß sich der Bewegung an, als deren Ideal noch allgemein als eine Utopie galt Mit der Ehrenhaftigkeit der Energie und der Großmut einer reichen Menschlichkeit diente Temkin der Bewegung. Der Zionismus besitzt noch kein Pantheon seiner großen Männer, aber Temkins Andenken wird in aller Herzen fortleben. Weizmann schloß, obwohl zwischen ihm und Temkin, der sich der revisionistischen Bewegung anschloß, In den letzten Jahren Differenzen bestanden, habe er diesen alten ehrlichen Kämpfer stets geachtet und geliebt. Er rufe ihm nun den letzten ,fSchalom“ zu. Im Namen der Partei der Zionisten-Revisionlsten nahm Herr Triwus von dem Präsidenten der Partei in bewegten Worten Abschied. Temkin, sagte er, bot in seiner Persönlichkeit eine Synthese zwischen russischer Kultur und nationaljüdischem Geiste dar. Es sprachen noch H. Sliosberg, der Temkins Wirken im Interesse besonders des russischen Judentums würdigte, ferner f. Naiditsch im Namen des Waad Leumi und des Keren Hajessod, Yarblum im Namen der Poalc Zion u. a. m. Abordnungen der Verbände ״Ort“ ״Ose“ und ״Hias-Emlgdirekt“ nahmen an dem Begräbnis teil. Ihre Vertreter sprachen am offenen Grabe. Dr. Weizmann und die Freunde Temkins trugen den Sarg zum Grabe; Dr. Weizmann warf die erste Handvoll Erde in das Grab. Aus allen Ländern der Welt trafen Kondolenzen ein- George Man Am 23. Dezember ist George Marx. 8♦ Jahre alt, von uw S. anderer weitschauender wirtschaftlichen Unternehmungen als den königlichen Kaufmann, den klugen Berater in schwierig«! iüunrieUea Fraje1% dewan BnbwlKäÄÄi* .Urttü •■«»§ «* in die letzte Zeit seines Grebenalters einzuholen pflegte Wii der Lebende für 11ns Königsberger Zionisten bedeutete, was das Andenken an den Toten niemals bei ans verblasx־« lascen wird, knüpft sich an den Menschen und Juden Marx, ln der Königsbereer Orthodoxie war er durch seinen überragenden Verstand, seine Energie und seine tiefe Religiosität der g eborene Führer. Obgleich unserer Organisation _ nicht angehörend und stets einen letzten Trennungsstrich zwischen sief ,pnd dem Zionismus ziehend, stellte er sich, als vor fast einem Menschenalter die Kämpfe um den Zionismus in der Königsberger Gemeinde begannen, mit unzweideutiger Klarheit und dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit auf unsere Seite gegen unsere Gegner. Seine Meinung, oft von ihm geäußert, war, daß man den Zionismus als eine die Erhaltung des Judentums fördernde und der zerstörenden Wirkung des Liberalismus Halt gebietende Bewegung unterstützen müsse, auch war es seine iJeberzeugung, die er mir gegenüber zum Ausdruck brachte, daß der Zionismus seine nicht religiösem Anhänger mit innerer Notwendigkeit auch wieder zur jüdischen Religiosität führen müsse. Diese seine Stellungnahme war bei der starken Geltung seiner überragenden Persönlichkeit maßgebend und mitbestimmend für die Einstellung der ver* schiedenen Schattierungen des konservativen Judentums in Königsberg zum Zionismus; und wenn diese Haltung des konservativen Teils der Gemeinde heute auch fast eine Selbst* Verständlichkeit geworden ist, so soll der starke moralische Einfluß, den der Dahingegangene seinerzeit für das Zustande* kommen einer Solchen Gruppierung hatte, nicht vergessen werden. Wir betrauern in dem Toten einen warmherzigen und von tiefem Verständnis für unsere Sache getragenen Freund. Königsberg. Dr. Walther Stein. Kleine Nachrichten Da־, deutsche Mitglied der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, Geh. Rat Dr. Kastl, ist dem deutscher Pro Palästina-Komitee als Mitglied beigetreten. An Stelle von Miss Henrietfa Szold, die als Mitglied de! Zionistischen Exekutive nach Palästina gegangen ist, wurde Her! Morris Rothenberg zum Vizepräsidenten der amerfkamsehen Zionistischen Organisation gewählt. Im Zusammenhang mit den Erörterungen ira englischen Unterhaus über die Staatsbürgerschaft Ruthenbergs und Nowoniejskys wurde mitgeteilt, daß Achad Haam , Ruthen berg und Nowomejsky die ersten waren, die Zertifikate als palästinensische Bürger erhalten haben. Am 1. Januar 1928 wurde die jüdische Geme'nde-Ordnung in Palästina offiziell verlautbart und ist damit in Kraft getreten. Präsident Coolidge empfing die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten weilenden Führer der Weltorganisation des ״Misrachi“ Rabbi Ben-Zion Usie! aus Jaffa und Rabbi Meit Berlin. Jerusalem, 30. Dezember. (J. T. A.) Das britisch» Kolonialamt instruierte telegraphisch die Palästina-Regierung den von der russischen Sowjetregierung nach Palästina ver bannten vier Zionisten, die wegen mangelnden Visums abge wiesen worden waren, die Einreise zu gestatten. In der Agudah-Koionie Machne lisroel wurde ein arabi scher Wächter ermordet aufgefunden. Der Mörder i» noch nicht ermittelt Die ״Constructive Bank“ der jüdischen Gemeinde von Jaffa und Tel-Awiw hat im letzten Jahr 1139 Darlehen im Ge* samtbetrage von £ 9182 an Arbeiter, Handwerker und Kleinhandler vergeben.