Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1928)
- Date
- 1928-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ft■״״.. .. . tftaAHI'A JUDAICA *Mswr ״״*׳ «•* de*mhm ludcataia■ /; ־• 2ר'ן ׳ Einzelnummer 0*25 Cmldm^urh" JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meiaekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 GoJdmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au«l?-nf5sabormam®״fcs wmrdea la dar Wihroasf 4«*׳ a Liader b «ebati. Anzeigen - Verwaltung Jüdische RundschauG,st.b.H.. Berlin W15, Meinekestr, 10 ׳ Telepboüi Amt Bistnarck 7165—70, Telephon! Bismarck 7165 — 70. Postscheckkonto! Berlin Nr. 17392 Für OutttTBi'lK Po»l»pMl1a*«TO*mf Wien, Konto Nr, 13« OSO T»ch«cl10«low«!t*l 1 P0il»p«k»Men»mt Pr«|, Konto Nr.SMIO Hl! Pol»«! Pwlsp'«.rk»*»MHM(!t Wwscht«, Konto Nr. 1<)070S Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 1 | Berlin, 3. L1928 Aas^lenpf’ftis^SgespiItHoopa-fÄill^cßtleQfSOG *M.Stell«?tigrtsucbeö,?50 ־M. ״־ Anxe^geatchloBs Dian• tag aod Freitag tificbtiiittagj 4 Ufer, י, סבת׳ תרס״ח | xxxiii. Der Zionismus erstreb! für das indische Volk die Schaffung ninar öffentlich . rechtlich aatlchertan Heimstätte In Palls ine. ,.«aseler Programm,“ Fortschritte der Kolonisation Aus Jerusalem wird der ,.Ziko“ berichte*: Die schwere finau* rielle Lage, in der sich infolge der großen Verpflichtungen aus den früheren Jahren und lia.ipts inhlich infolge der umfangreidien Arbeit, die Ende 55-87 durch die Zionistische Pa• Üstinensische Palästina-Eexkutive zwecks Beschäftigung ■ von Arbeitslosen geleistet wurde, die Zionistische Palästina Exckufive zu Beginn des Jahres befindet, hat selbstverständlich die Budgetierung der landwirtschaftlichen Kolonisation und dementsprechend auch die Entwicklung unserer Sied'.ungsarbcit in diesem Jahre beeinflußt. Die ,bestehenden Siedlungen haben in großem Maß von den Arbeiten profitiert, die Ende 5537 zwecks Beschäftigung von Arbeitslosen durchgeführt wurden. In ..den bestehenden Siedlungen wurden Arbeiten für eine Gesamtsumme von £E 47 000 aus Keren Hajessod-Mitteln ausgeführt. Es handelte sich meistens ,uni Errichtung von Gebäuden in dem größten Teil der Siedlungen, die Durchführung der Irriga־ tion in Nahalaf, einen Teil der Irrigation im Nuris- Block und im Jordäntal und landwirtschaftliche Kanalisierung in Jadjur •und in der chassidischcn Siedlung׳. Diese Arbeiten haben teilweise die schweren Probieme gelöst, die vor der Landwirtschaftlichen Abteilung standen im Zusammenhang mit der Errichtung von festen Gebä. den für die bestehenden Siedlungen und in bezug auf di.׳ Sicherung der Ausbeutung der Wasserreichtümer, die für die Intensivierung der Wirtschaftszweige der Siedlungen lind die Erhöhutig von-deren Erträge auszunutzen bisher rum Teil keine Möglichkeit, bestand. Diese■ Arbeiten haben selbstverständlich *,jjfe Stimmung in' den Siedlungen' gehoben, obgleich die all- 1^fetfeMne׳ ׳Lage In den meisten Siedlungen schwer blieb, da die Einnahmeqttdlea ,nicht in einem Tempo gewachsen sind, das WÄ!iße •if«ljg־ültjg־e Konsolidierung der Siedlungen erforderlich *i&,. Gettäideernte in! vorigen Jahre, die inölge der verso j, jif.vr Verb>.sser1«@t|.;cr»ilt' wurde, die die ' Siedlungen n»'׳ lnstruklicmsaWeiliuijr ftd dir. .Art der ,fpR IJnisetEUttg. der :Saat * ״,: ■ ‘ , VH/■■**-* ,/'1 ׳, ■ v11,'%;!ä ’,,,1,,״ 1י * "t* ■״־‘ .v* \ä,•״ fft _ ־ cj , ( 1!»^^%,״'«* uw *uv* U;׳ ■*uiüa^ui /1■*Ja liehen!DeparteriieaS für idas: Jahr 5f|55..:aui K5Sr«t Hajessod- Mitteln‘ erljalten■ wird,"׳ist jedcfcfc; zu hoffen, daß die meisten Siedlungeitfrte 'dic*ef $ciiwerÄl;Lage inlt einer gewissen Affstrengung ihrerseits dieses' Jahr ohne Mangel und , ohne die Gefahr •einer wirtschaftlichen Katastrophe werden überwinden können. . , ׳ Die Milchwirtschaft wurde Im letzten Jahre in den bestehenden Siedlungen nicht erweitert, und war infolge der Rinderpest, die es unmöglich machte, Rassekühe aus dem Ausland und hauptsächlich aus den benachbarten Ländern zu importieren. Die Molkereien wurden nur durch den natü liehen Zuwachs erweitert Außerdem haben die meisten Siedlungen während dieser Zeit die für die Kühe erforderlichen Gebäude errichtet, so daß das Gedränge in den Ställe.11 aufgehört hat upd man die Kühe nicht mehr in provisorischen Stä'.len halten muß. Dies hat zweifellos auch zu einer gewissen Hebung des Ertrages geführt. Dagegen ist bei den anderen Wirtschaftszweigen, wie Geflügel-, Gemüse- und Bienenzucht wie auch Getreidebau, ein bemerkenswerter Fortschritt zu verzeichnen. Ende 56F6 zählten unsere Siedlungen 3116 Stück Großvieh, davon 2241 Stück Rassevieh, ferner 1155 Stück K'einvlch. Im April 1027 zählte man Großvieh in unseren Sied- Jungen 4992 Stück, darunter 2955 Stück Rassevieh. Die Zahl des Kleinviehs betrug 1535. An Geflügel zählte man in den Siedlungen Ende 5586 38 715 Stück und im April 1927 103 712 Stück. Ende 5686 war 1:1 deu Siedlungen ׳eine Fläche von 5314 Dunam mit Fruchtbäuraen' und 2771 Dunatn mit. Wa'dbäume.n bepflanzt. Im April 1927 dagegen war eine Fläche von 11279 Dunam mit Fruchtbäumen und 3538 Dunatn mit Wa'dbäumen bepflanzt, also insgesamt 14 817 Dunatn gegen nur 7785 Dunam Ende 5C86. Die besäte Fläche betrug per Ende 5635 69 702 Dunam, wovon 1671 Dunam mit Gemüse bestellt waren, lut April 1927 dagegen betrug die besäte Fläche 105 645, davon •fl58 Dunam mit Gemüse. Alle Ziffern von Aprjl 1927 enthalten auch die Siedlungen, die n1.׳r zum Teil aus den Mitteln des Keren Haiessod subventioniert werden. Der Regen, der sich in diesem Jahre verspätet hat, hat die Siedlungen in den Stand versetzt, die gesamten Flächen, die sic besitzen, sowie die Reservefachen, die sich in der Umgebung befinden, zu bearbeiten und rechtzeitig zu besäen. Es besteht die Hoffnung, daß, falls es dieses Jahr normale Regenfälle geben wird, die Siedlungen das Jahr mit guten Resultaten schließen werden. ,Die neue Kolonisation. Das Landwirtschaftliche Denartement der Zionistischen Palästina-Exekutive stand vor ״ dem schweren Problem, bei der jetzigen Situation die Existenz der neuen Kolonisation mit der noch im Jahre 5387 begonnen wurde, zu sichern. Da bei der Inangriffnahme des Bodens für die neue Kolonisation nur ein Teil der von der Zionistischen Exekutive bestätigten Ansiedler den Boden in Besitz genommen haben und diese mit den Arbeitsgeräten, die ihnen im Jahre 5587 zur Verfügung gestellt wurden, nicht* die gesamten Flächen, die de besitzen, bearbeiten konnten, hat das Landwirtschaftliche Departement angeordnet, daß die Ansiedler* bis Ende des Sommers die größtmöglichen Flächen bestellen und sie zum Säen vorbereiten. Es ist auch gelungen, mit Hilfe von Traktoren mehr als 10 (WO Dunatn Boden de/ neuen Kolonisation zü bestellen und das Säen rechtzeitig dufeitzufübtea, Auch mit den Bau arbeite 11 hat man in allen neuen Sied- Sangen bereits begonnen, ln der chassidischcn Siedlung hat man die Errichtung von 37 Ställen in *Angriff •genommen, in Kfar Jchoschna von rfer Ställen und acht Wohnhäusern, in Klar Baruch (der Siedlung der Scph'ardim und Rumänen) von 18 Ställen und in den Kmuotli Hassaroii, Sarona und Pinsk von fünf־•• Wohnhäusern.' Die Gebäude werden in fast allen Siedlungen durch die Ansiedler selbst errichtet, was selbstverstündlich ihre -Existenz in; gewissem •Maß erleichtert. Mit Hilfe des Departements wurde fast in •allen Siedlungen eine provisorische Wasserversorgung angelegt,' was bis zur Durchführung■' der endgültigen'Wasserversorgung diesen Siedlungen viele Leiden erspart. Wie bereits erwähnt, wurde das erforderliche Säen bei diesen Siedlungen gesichert, ferner wurden ihnen aus Keren Hajessod-Mitteln gewisse Stirnmen für Ernährung im folgenden •Jahre bis zur Ernte »!gesichert. Agrarkredit in Nahalal. Eins der Probleme, die mit dem Aufbau der landwirtschaftlichen Siedlungen durch die Zionisüsehe Exekutive aus den Mitteln des Keren Hajessod aifgetaucht sind, ist das des Agrarkredits. Diese Siedler erhalten aus den Mitteln des Keren Hajessod'langfristige Darlehen für ihre AnsledlungszWecke, die bezwecken, den Ansiedlern die notwendigen Mittel zur Errichtung ihrer Siedlungen bereitzustellen. In vielen Fällen muß aber der Ansiedler ei!1 kurzfristiges Darlehen erhalten als laufendes Kapital, um verschiedene , wirtschaftliche Bedürfnisse zu decken, die in dem Kolonisationsbudgct nicht enthalten sind, oder die von der kolonisierenden Institution nicht rechtzeitig gedeckt werden können. Die Schaffung einer solchen Institution für kurzfristige ' Agrardärlehen wurde mit Hilfe der Zentralbank für kooperative1 Institute in Erez-israd ermöglicht, die den Spar- und Leihkassen’in unseren Sbdlungspunkten, die auf kooperativer Grund'age aufgebaut sind, Anleihen gewährte, fliese,•Institutionen entwickeln sich sehr gut. ׳Als Beispiel geben wir •:hie'#''׳einige Daten ' über die Entwicklungder Institution ״Äsch'rai Ghkklai“ (Agrarkredit) in N»halaf, der ersten Arbeiter- .ginzelsiedluug, ilie 1920 aus Mitteln des Keren Hajessod errichtet?«י ,.•.,״”. י י ••■•י, י-**#נ ft» .'יי ״Aschrai Chaklaj“ in Nahalal wurde vor etwa anderthalb Jahren gegründet. Sie zählte im Oktober dieses Jahres 128 Mitglieder, davon SO Ansiedler, 7 Arbeiter üjdf Landwirtschaftliehen Versuchsstation Djebafa und verschiedene Fachhute. Die Genossenschaftsbelträge, die die׳ Mitglieder In bar bezahlt haben, beliefen sich auf rund £E 359. Ihre Schuld an die Zentralbank beträgt rund £E 3845. Die Institution gewährt ihren Mitgliedern Darlehen unter verschiedenen Bedingungen' und verschiedener Art. 1. Reguläre Darlehen zur Auszahlung in monatlichen Raten gegen Wechsel mit Bürgschaft. Die Höchslsummc eines Darlehens beträgt £E 30. 2. Darlehen für die Ernährung des Viehs, zur Rückzahlung in wöchentlichen Raten aus den Geldern, die der Schuldner vom Ertrag der Milch erhält. 3. Darlehen auf drei Jahre für den Kauf von Kühen, zur Rückzahlung in vierteljährlichen Raten gegen Wechsel und Verpfändung der Kühe. Außerdem gewährte die Institution spezielle Darlehen für die Errichtung einer gemeinsamen Molkerei (CE 503) als laufendes Kapital für die Produktinnsahteilung (£E 9 tOj und für chemischen Dünger (£E 603 an 70 Personen). Seit der Gründung der Institution bis zu diesem Jahre wurden insgesamt 385 Darlehen auf einen Betrag von CE 7193 gewährt Zum 30. September 19?7 waren die Debitoren einen Betrag von rund £E 4526 schuldig. Dieser Betrag enthält auch die Schuld der Produktionsibteilung (CE 940) und den Rest der Schuld für die Errichtung der Molkerei (CE 100). Die Rück- Zahlungen' erfolgen regelmäßig. ' . Eia Arbeilslosen-Fonds Sir Alfred Mond sammelt 20000 Pfund London, 30. Dezember. (J.T-A.1 Sir Alfred Mond hat eine Sammlung eingeleitct, um eine Summe von 23 030 Pfund zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit in Palästina aufzubringen. Als erster sandte Bernhard Baron einen Scheck über 5000 Pfund. Sir Ajfrcd M:vnd steuerte selbst 1000 Pfund bei. Ein großer Teil des geplanten Fonds wird von den Mitgliedern der Exekutive Miss Hcnrbtia Szold und Harry Sacher und dem Repräsentanten des Londoner Economic Board for Palsstlne, Galdwater. verwaltet. Anläßlich seiner Anwesenheit in Paris hatte Professor Wetz mann auch eine Unterredung mit Baron Edmond Rothschild in Angelegenheit der Produktivierung eines Teiles der palästinensischen Arbeitslosen durch Kolonisierung. Baron Rothschild drückte seine volle Sympathie für diesen Vorschlag aus und ersuchte um Vorlage eines detaillierten Planes. Beschäftigung!Mischer Arbeitsloser Jerusalem, 30. Dezember. (J. T. A.) Der Oberkommissar für Palästina, Lord Plumer, h't verfügt, da3 bei den Aufforstungsarbeifen in Palästina 593 jüdische Arbeitslose beschäftigt werden sollen. Eine örammaüsdie Frage Von Dr, Robert Welt sch. Im letzten Heft der von Professor.. Julius Goldstern herausgegebenen Zeitschrift ..M o'rge n“ ' (Philo-Verlag Berlin) sind dem von mir zusammen mit Hans Kobtt herausgegebenen Buche ״Zionistische Politik“ zwei längere Aufsätze gewidmet, von denen der eine von dem Christliehen Schriftsteller Wilhelm Michel stammt, der and« von Rabbiner Dr. Jacob in Dortmund. Da beide Autoren sich weniger an den konkreten Inhalt des Buches halten, als vielmehr die Gelegenheit zu einer allgemeinen Aus* einandersetzung• mit dem Zionismus benutzen, so sei.es erlaubt, zunächst auf einige Bemerkungen Dr. Jacobs an dieser Stelle einzugehen, die für die Beurteilung des deutsch-jüdischen Problems wichtig sind; eine Auseinandersetzung mit Wilhelm Michel, die über den innerjüdischen Rahmen hinausführt, wird in anderem Zusammenhangc erfolgen. Dr. Jacob wendet sich gegen Sympathien, die dem Zionismus aus dem Grunde entgegengebracht würden, weift er ״den Juden der ganzen Welt ihre Zusammengehörigkeit zum Bewußtsein gebracht habe“. Und er erklärt: Dieses Bewußtsein hat immer bestanden. Nur dürfe man die Juden keine Nation nennen. Ist die Betonung des alljüdischen Zusammengehörigkeitsgefühls von Seiten eines solchen Autors sicherlich Bemerkenswert, so erhebt sich seine weitere Polemik gegen den Zionismus kaum über die seit «.dreißig :, jahfen ab-, geleierte Argumentation. ' Dann• ab£r folgt das Erstand* liehe: Dr. Jacob erklärt die Gegnerschaft der 'Zipnisten gegen die Assimilation als Jjerechtjgf, sofern *die ״ihr Judentum versteckende oder׳ verleugpende, »•alles Nichtjüdi&he anb^tfnd^״Char|kteÄos|gkd^gemeinft|st.״ ^Aber, so *sagt’er,; ' 7 . ■ •Jr£ ׳*' •*;'ה ״■;ft'»‘ ,,es ist zu unterscheiden, zwischen׳•, einercAssimltationkste . Akkusativ. .ttnd jt ui t->l' Sifö-iiliitMU, CiC'.i«!' ist. "Ult,1113 ,jaiji.»1(.'* <«iy '**dJ! Ltu-ft, selber. Alles Wachstum ׳ t?t beitändiges Assimilieren, Auf׳*‘ nehmen. So hat auch das Judentum jederzeit' die seine# ursprünglichen Wesen gemäßen Elemente'der . Umwelt sj4b• (sibi). assimiliert. Es rt die . Aufgabe ־ seiner. . Lehrer ' und Führer,׳ zu• verhüten, daß es sich (se) assimiliere •und auflöse , . , ׳׳.׳ ׳ ׳.■ Diese Auffassung wird wohl von wenigen Zionisten, bestritten werden, aber sie kann keineswegs für sich in Anspruch nehmen, das auszudrücken, was jene AssimilatioTt, die der Zionismus zu bekämpfen auszog, meinte und tat. Ist es Dr. Jacob, der doch Mentalität und Aeußerangen seiner nächsten Freunde kennen muß, wirklich unbekannt, daß die Assimilanten aller Länder, auch die Deutschlands, die jüdische Solidarität durchaus negierter!, daß sie ein Judentum außerhalb der Landesgrenzen njeht als zugehörig anerkennen wollten, zumindest nicht als enger verbunden als etwa auch die christlichen Nationen durch das Christentum verbunden sind? Gerade in ent* scheidenden Momenten haben Juden, auch Rabbiner, ausländische Juden öffentlich preisgegeben. Sie werden cs bei nächster Gelegenheit wieder tun. Dagegen' konnte folgerichtig nur der Zionismus auf treten, der die Existenz eines jüdischen Volkes bejaht. Aber noch ־ kein Zionist hat sein Bekenntnis zur jüdischen Nationalität im Sinne einer Abschließung von der übrigen Umwelt verstanden. Die maßgebenden Vertreter des politischen wie des geistigen Zionismus Italien die Selbstverständlichkeit des biologischen Gesetzes der Dativ-Assimilation natürlich voll anerkannt; ja darüber hinaus haben sie es geradezu als nationale Pflicht empfunden, die besten Errungenschaften aller Völker auch dem jüdischen Volk zugänglich zu machen. Eier entscheidende Unterschied zwischen der zionistischen und der assimilatorischen Auffassung bestand eben in dieser grammatikalischa! Nuance. Die Zionisten waren der Ansicht, daß die, maß• gebende Lebcnsmacht unsere jüdische Suh>־.anz ist, die, welche. äußere Gestalt auch immer das Schicksal dem Juden beschert, aus dem dunkeln Geheimnis seines Wesens heraus wirksam bleibt und alles was die Umwelt an ihn heranbringt, umgestaüef, sich (sibi) assimiliert. Kein Zionist hat je geleugnet, daß diese. Einflüsse der Umwelt weitgehende Veränderungen des Organismus selbst hervorrufen; aber gerade weil der Zionismus die Erhaltung und Fruchtbarwevdung des Judentums wünscht, mußte er die Juden ans der Passivität des Nur-Erleidens aufrütteln und ihnen das Bewußtsein ihres eigenen Ich, das unter dem Wust der fremden Zutaten begraben war, wiedergeben. Die beste Formulierung d'eser Situation ist bis heute Bubers Wort: Wir wissen, daß wir mehr ais andere Völker eine Mischung sind; aber wir wollen nicht die Sklaven, sondern die Herren dieser Mischung sein. Nicht dieses Aufuelimcn fremder Werte haben wir verworfen. Sondern die Assimilation, die das vorzioaistische Judentum wollte, war Auflösung, Selbstaufgabe.