Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 104 (30.12.1927)
- Date
- 1927-12-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 742 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 104, 30. XII 1927 iomnterzfamral George Mars gestalten Am 23. Dezember ist in Königsberg Kommerzienrat George Marx nach kurzer Krankheit im 85״ Lebensjahre versterben. Der Verblichene war eine führende Persönlichkeit im ostpreußjsehen Judentum. Er war der Begründer der konservativen Synagogengemeindc Königsberg, d e jetzt der Einheitsgemeinde angeschlossen ist. Seine Söhne nehmen zum Teil in der Ge• lehrtenwclt, mm Teil in der Wirtschaft hervorragende Stet• jungen ein. Der eine von ihnen, Dr. Alexander Marx, ist Professor am Rabbinerseminar InNcwYo r k, ein zweiter, Moses Mjrv, ist Bibliothekar an der Hochschule in Cinc i n n a t L Einer der Schwiegersöhne ist der hebräische Dichter S. J. Agnon, ein nveiter der auch als Mitarbeiter unseres Blattes bekannte Dr. Wilhelm Brünn. Ein Sohn ist Bankdirekter Marx in Königsberg, andere leben In Köln 3. Rh., Leipzig. Halle a. S. lind Berlin. Wir sprechen der Familie des Verblichenen unsere herzliche Teilnahme aus. Dr. Israel Jelskl gestorben Genf» 26. Dezember. (J. T. A.) ln der Nacht vom Sonntag, den 25. auf Montag, den 26. Dezember verstarb in Genf im Alter von 62 Jahren Dr. Israel Jelskl. Er wurde 1866 in Slonim geboren und absolvierte in Breslau das Rabbiner• Seminar. Im Alter von 23 Jahren wurde er als Prediger an die Große Synagoge in Lodz berufen, wo er bis zu den *evolutionären wirren im Jahre 1935 wirkte. Von da bis 1914 lebte er in Deutschland. Nach Ausbruch des Krieges übersiedclte er mit seine!■ Familie nach Genf. Seit mehreren Jahren arbeitete er an einem grundlegenden Werke Über Wesen und Geschichte der jüdischen Philo- *ophic, das sein Lebenswerk hätte sein sollen. Es bleibt tun unvollendet. Dr. Jdski war einer der ersten Zionisten Und bat auch zuletzt in verschiedenen Städ en der Schweiz Vorträge über Zionismus und Palästina gehalten. Prenßiseber randes verband (Aus dem amtlichen Kommunique.) Am 11. Dezember d. J. fand unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Türk- Berlin die Wintertagung des Wohlfahrts- Ausschusses des Preußischen Landesverbandes jüdischer Ge* meinden statt. Als Punkt 1 der Tagesordnung wurde das Siedlungsunternehmen des Reiciisbundes jüdrisch er Frontsoldaten eingehend besprochen. Die Pläne des Reichsbundes, einen jüdischen landwirtschaftlichen Siedlerstand in Deutschland und damit ein Gegengewicht gegen die einseitige Berufsschichtung der Juden zu schaffen, fanden das volle Verständnis der Mitglieder des Wohlfahrts-Aus- Schusses. Man verkannte freilich die großen Schwierigkeiten der Sache nicht. So wurde darauf hingewiesen, daß es zwar in Deutschland nur noch eine sehr kleine Anzahl jüdischer Bauern gäbe; die meisten in der Landwirtschaft tätigen Juden seien in gleichem Maße auch Viehhändler, weil sie sich von ihrem landwirtschaftlichen Besitz allein nicht ernähren könnten. Die Landflucht in jüdischen Kreisen sei größer als in irgend* welchen anderen Schichten. Ein jüdisches Gemeinschaftsleben könne sich auf dem Lande wegen der nur vereinzelt wohnenden Glaubensgenossen schwer entwickeln. Zum jüdischen Bauern gehöre auch die jüdische Bäuerin; solange es die nicht gäbe, könne mit der Siedlung nicht begonnen werden usw. Demgegenüber wurde aber auch betont, daß trotz aller bestehenden Hemmnisse das große Werk doch aussichtsreich genug erscheine. Als Ergebnis der Aussprache wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, den Rat zu ersuchen; in den Haushaltsplan tÄt dra• l-and^Verbandes äneo erheblichen Betrag für die Propaganda des Siedlungswerks einzusetzen. Frau Sfddy Wronsky-Berlin berichtete sodann über die Arbeiten des bevölkerungspolitischen Ausschusses. Besprochen wurde ferner die Frage der Bereitstellung eines Fonds zur Unterstützung von Gelehrten jüdischen Glaubens aller Fakultäten. Zuletzt wurden für folgende Einrichtungen und Anstalten Zuschüsse bewilligt: Zentrafwoblfahrtsstelle der deutschen Juden, Hauptstelle für Wanderfürsorge, Arbeiterfürsorgeamt, Jüdischer Frauenbund, Tuber kulocenfürsorge, Hilfsverein der deutschen Juden, Gefangenenfürsorge usw. ln die vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden eingerichtete Schächterschule können wegen lieberfüllung neue Schüler nicht mehr auf genommen werden. Gesuche um Aufnahme sind daher zwecklos. Berliner Repräsenlantenvei-sanunliiiig Am 21. Dezember, reichlich spät, gelangte der Etat von!927 in der Repräsentantenversaramlung zur Beratung. Dr. Klee hatte vollständig recht, daß er eine große Debatte wegen des Etats von 1927 am Ende des Jahres ablehnte und die grundsätzliche Aussprache über die Genieipdcpolitik anläßlich der Beratung des Etats von '192$ forderte. Der Etat von 1927 wurde denn auch ohne besondere Beleuchtung in erster und zweiter Lesung angenommen, ln der Sitzung spielte die Frage, ob man stillschweigend die jüdischen Friedhöfe an Sabbaten für Besucher geöffnet lassen sollte, eine große Rolle. Es gab Sachverständigengutachten, Einwürfe von liberaler Seite, Vorhaltungen, daß Widersprüche in der Haltung der Gutachter vorliegen usw. Schließlich wurde die Angelegenheit vertagt. Recht stürmisch ging es in der geschlossenen Sitzung der Repräsentanten Versammlung zu, in der insbesondere die Frage einer Grundstückerwerbung für ein Altersheim und die Frage der Uebernahnie des Prledenstemnels durch die Gemeinde eine Rolle spielte. Die Sitzung dauerte bis Mitternacht und war an Zusammenstößen' zwischen Mehrheit und liberaler Frak- Hon reich. Jfldlsche Kred tgenosseusdiall In diesen Tagen wurde in Berlin unter der Firma ״Jü- Tische r Kredit verein für Handel und Gewerbe E. O. in. b. H.“ eine Bank auf genossenschaftlicher Grundlage gegründet, die die erste jüdische Kreditgenossenschaft in Deutschfand darstellt Der Genossenschaftsanteil ist auf 250.— AL festgesetzt. An der Spitze des Aufsichtsrates steht, Herr Direktor Wilhelm Kleemann von d^r Dresdener Bank, Mitglied des Vor- Standes der Berliner Jüdischen Gemeinde. Sonstige Mitglieder des Vorstandes sind, der Vorsitzende des Vereins jüdi־chcr Handwerker Wilhelm ״Marcus, Direktor Ruthenwieser. Eugen Caspary, Rechtsanwalt Dr. Koflenscher, Louis Wollt, Ad. Schoyer, Gustav Zawonj. Geschäftsführendes Vorstandsmitgued ist Herr M. James Goldschmidt, Berlin NW, Levetaow- Straße 12. Palästlna-temerem der AgijAxs-Jisroel Berlin, 27. Dezember. (J. T. A-) Die von der Palästina Konferenz der Arndts Jisroel einberufene Plenamrsanunluag wurde am 26, Dezember yt Berlin in Anwesenheit von Vertretern aus Palästina, Amerika, Deutschland, Polen, Slowakei, Belgien, Schweiz, Holland, Oesterreich eröffnet. Namens der Palästina-Zentrale erstattete Dr. £ h r m a n n ein Referat über die Tätigkeit dieser Institution In den Jahren 1926/27. Der Bundestag der Agudas Jisroel-Jugendorganisation, die vom 2'1. bis 2b. Dezember in Frankfurt a. M. tagte, war gut besucht Nach den Begrüßungsansprachen hielt Herr Jacob Rosen hei tu- Frankfurt^M. ein ausführliches Referat über ״Die Politik der Agudas Jisroel“. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, AVfcmekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck- Konto Nr. 37830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z.V Montag, den 2. Januar nachm. 4V3 Uhr Jfld.-Nat Frauen Vereinigung, Frauengruppe Cbarlottenburg, Zusammenkunft bei Frau Mittwoch, Kantstraße 88. Dienstag, den 3. Januar abends 8 Uhr Jüd.-Nab Frauenverelnfguflg, Frauengruppe Schöneberg, Zusammenkunft bei Frau Hanna Abramczick, Neue -WinterleldstmSe 49III. Abends 8y! Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im Gatt Bohne, Steglitz, AlbrechtstraBe 127, Herr Moses Waldmann: ״Taufe und Mischehe“. Mittwoch, den 4. Januar abends 8!/} Uhr In den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4: Zusammenkunft der Gruppe Ost. Sonnabend, den 7. Januar abends 8 Uhr Freunde des arbeitenden Palästina, In den Gesamträuraen des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstr. 115/16. Konzert- und Gesellschaftsabend mit anschließendem BalL Karten im Vorverkauf im Büro: Auguststf. 17, Norden 3985. Sonntag, den 8. Januar vorm. 11 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Gartensaal des Logenhattses, Kleiststraße 10. T*!,juerfeier für Prof. Chajcs, Wien, und Wladimir Temkin, Sonntag, den 15. Januar nachm. 5 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung und Keren Kajemetb Lejisrael im großen Saal des Ulap, Alt-Moabit 4/l(j. 5-Uhr-Tee mit Tanz. — Bunte hebräische Bühne. Karten zum Preise von 2,50 M. erhältlich im Büro der B.Z. V., Meinekestr. 10 (Tel.: Bismarck 7165/7170), und in den jüdischen Buchhandlungen. Der Berliner Veranstaltungskalender wird ausschließlich von der Berliner Zionistischen Vereinigung zusaÄimengestellt. Wir bitten alle Vereine und sonstigen Veranctalter, sich mit etwaigen Wünschen nicht an die Redaktion, sondern an die Berliner Zionistische Vereinigung zu wenden. GcmeliidelEragen Steuersystem und Etat in der Jüdischen Gemeinde Erfurt. (Von unserem Korrespondenten.) ' Es wird in Deutschland nicht viele Gemeinden von der Größe Erfurts geben, in denen der Gemeindebedarf noch nicht nach Maß g*abe der staatlichen Einkommensteuer erhoben wird. Eine Umfrage des hiesigen Vorstandes bei vierzehn Gemeinden ergab jedenfalls, daß uur eine von ihnen nicht die staatliche Einkommensteuer zugrundelegt. Es kann also nicht Wunder nehmen, daß die Reprisentanten kürzlich mit elf;׳egen zwei Stimmen beschlossen, auch in Erfurt für die Gemeinde einen Zuschlag zur Einkorn mea- Steuer zu erheben. Selbstverständlich wurde die Einführung dieses Steuersystems einmütig und mit dem stärksten Nachdruck von der Volkspartei gefordert, aber auch unter den Liberalen fanden steh einige, die sich entschieden für d'e Neuerung aussprachen. Trotz der großen Stimmenmehrheit, die sich für das neue System erklärt hatte, glaubte der Vorstand, die Neuerung nicht verantworten zu können: einerseife würden wegen des schlechten Geschäftsgangs im Jahn- 1926, das der Besteuerung zugrunddiegen würde, die Gewerbetreibenden zu sehr geschont werden, andererseits würden diejenigen, die von höheren Steuern betroffen würden, austreten. Beharrte die Repräsentautenversammlung auf ihrem Willen und entschiede der Regierungspräsilent gegen den Vorstand, so wollte der Vorstand sein Amt niederfegen. Da man keinesfalls Herrn Piuthus als Vorsitzenden des Vorstands missen wollte, gaben die Repräsentanten nach. Es kam zu einem Kompromiß für das Jahr 1928. Ls blieb der Form nach bei der bisherigen Einschätzung durch eine Kommission. Die Kommission beauftragte aber Herrn Pfuthus und ein Mitglied der Volkspartei, allein die Veranlagung vorz.unehmeu. Sie haben sich dabei i:t1 allgemeinen an die Einkominensteucr zu halten. Wo sie eine Abweichung für nötig halten, haben sie die Gründe ohne Namensnennung der Kornmission darzulegen. Natürlich ist dieses Syriern nur für eine einmalige Veranlagung und nur bei dem allgemeinen Vertrauen möglich, das Herr Pinthus in der hiesigen Gemeinde verdientermaßen besitzt. Nicht nur die Gestaltung des Steuersystems, auch die Fest- Setzung des Etats der Gemeinde wurde wesentlich bestimmt durch die Rücksicht auf die Austriftsgefahr. Zwei Drittel des Etats sind durch die Verträge mit den Gcmcio'teheaniten festgelcgt, auch an den sachlichen Ausgaben für Synagoge, Friedhof usw. konnte nicht wesentlich gespart werden, also wurden gegen die Wünsche der Volkspartei die Ausgaben für kulturelle Anstalten, die schon bisher keinen breiten Raum im Etat eingenommen haben, noch weiter verkürzt. Soviel man hört, hat man auch durch diese wcitgctricbenc Rücksichtnähme die drohenden Austritte nicht hindern können.... Demnächst tritt die S'atutenkotimission wieder ru a-tunen. Sie wird vor allem auch die zurüekgestc'ltr Fragt des Steuer- Systems wieder aufrollen müssen. Die nächsten Nummern der ״Jüd. Rundschau“ werden u. a. folgende Beiträge enthalten 1 Richard Lichtheim: Ueber Wieners Palästina-Buch. Oskar WolHber«: Das jüdische Lexikon. Hans Goslar 1 Die Ratfrchilds. Abraham Schwadron: Die jüdische Autographen-Samralumg der Jerusalemer Nationalbihliothek. Die rumänische Judenfrage. Von besonders unterrichteter Seite. Dr. Julius Becker: Kongreß-Reform. Dr. G. Holdheim: Propaganda-Probleme. Helene Hanna Thon: Das Drama des Gdud. Leo Rosenberg: Jüdische Wanderungen. Dr. Gonvefski: Französische Palästina-Literatur, U.S.W., u. s, w. Hell» Nachrichten Lord Piumer hat angeordnet, daß in alle□ Kirchen, Synagogeo und Moscheen Palästinas Gebete um Regen gesprachen werden sollen, da der Regcnfall trotz der vorgerückten Jahreszeit ausgeblicben ist und das Land bereits unter der Trockenheit leidet. In London verstarb der bekannte Ingenieur-Experte George:- H. Stephens, Mitglied der im Jahre 1933 nach der Halbinsel Sinai zwecks Erforschung des Gebietes von El Arislt entsandten Expedition. Zu der Meldung über den Erwerb der Anteile der Ha ifa Bay Company durch die Palestiiie Economic Corporation of America berichtet der ״Haaretz“, daß d ese vom ,,Dawar“ gebrachte Meldung verfrüht seL Die Verhandlungen seien acteh nicht zum Abschluß gelangt Wie der ״Ziko“ aus Palästina berichtet wird, hat Dr Ruppin dieser Tage eine Reise durch den Emek Jes red unternommen und in Nahalal, Ajn Charod und Daganja über seine Eindrücke in Rußland und die Krimkolonisation berichtet. Im Oktober 1927 kamen 310 Einwanderer nach Palästina, darunter 189 Juden, 112 Christen und 9 Mohammedaner. Die Zahl der Auswanderer betrug 653, darunter 385 Juden. Das American Joint Distribution Committee hat beschlossen, seine Hilfstätigkeit in Tel-Awiw wieder aufzunehm e n. Zunächst soll mit der Bereitstellung von Nahrungsmittel» für notleidende Kinder begonnen werden. (Ziko.) Der Internationale Missionsrat trifft Vorbereitungen zu einer Mi&sionskönferenz, die vom 24. März bis 9. April 192S unter dem Vorsitz des Präsidenten des Internationalen Mhsionsrate« Dr. John Mott iu Jerusalem abgehaften werden soll. Laut dem ״Doar Hajom“ soll die deutsche Junckers- Ge Seilschaft der Palästina-Regierung vorgeschlagen haben, Palästina in den Luftverkehr zwischen Deutschland und den anderen Orientländern einzubczieher». (Ziko.) Der ,,Haaretz“ berichtet, daß die Gerüchte, die Siemens- Schuckcrt-Gesellschaft beabsichtige, ihr Büro in Palästina zu schließen, nicht zutreffen. Die Siemens-Schnckert- Gesellschaft beabsichtige im Gegenteil, ihr Tätigkeitsgebiet in Palästina noch auszudehnen, zu welchem Zwecke vor kurzeih einer der Leiter der Gesellschaft, Schmidt, in Palästina geweilt hat. (Ziko.) Der preußische Unterrichfetnüiisier Dr. Becker hat auf Beschwerde der ,,Deutschen Liga für Menschenrechte“ iu Sachen des Anatomie-Professors Lubarsch folgenden «ndgültigen Bescheid gegeben: Geheimer Medirfnalrat Professor Lubarsch hat durch die Nennung des Namens Kutisk ers bei der Demonstration der Organe seiner Leiche objektiv die ärztliche Schweigepflicht verletzt und einen Mange! an Takt erkennen lassen. Dies vermag ich nicht zu billigen, und ich habe insoweit das Erforderliche veranlaßt. Dagegen ist nicht festgestellt, daß Prof. Lubarsch antisemitische Aeußerungcn in verletzender Form gemacht hat — Üebrigens scheidet Lubarsch im nächsten Studiensemester wegen Erreichung der Altersgrenze aus dem Lehrkörper aus. Alice Jaeob-Loeweiuon, die imitier interessantes, Neues und zum Widerspruch Reizendes bringt, ließ diesmal am Flügel und durch die ausgezeichnete Sängerin Alice Schaffer- Kunitzky ״Neue Kinderstücke und Kindcrlieaer“ hören. Meistens neue junge Namen, die sich auf ■diesem zarten Gebiete extra- Vagant versuche«, Wir wünschen Wojpe, daß er endtich sein Talentaus'׳‘den -Fitssela . Sdhönbergs «*löse»., mochtet '«wir stellen weiter fest, daß Sternberg־ entzückenden Humor in einem WunderhprnSled entwickelt, daß CaseTa von Wagpet allzusehr sich inspirieren läßt und daß Btisoni in seiner ״Sonatina“ und in der mondscheinarfigen Wiedergabe der Frau Loawenaon als eine schöne Erinnerung heraufdämmerte. Frau Schäffer-Kunitzky sang die nichts weniger als kindlichen Lieder ganz hervorragend. Arno Nadel. ״Bei uns — um die Gedächtniskirche rum“, die neue Revue von Friedrich Holländer und Moritz Seeler im Theater am K u r f ü r s t e n d a nt m ist diesmal eine Art literarische Satire, mit gelegentlichen po'i Lehen Seilenhieben. Die treuesten Becucher des Romanischen Cafes ziehen vorüber: elegisch und versnobt, singend und tanzend in buntem Durcheinander. Das Ganze ist witzig und amüsant, eine gc- Itingene Satire auf ״Die jüngste Generation“. Der reiche Beifall gilt vor allem der charmanten Anni M e w c s, Hubert v. Meyerinck, Willy Schacffers und nicht zuletzt Friedrich Holländer mit seinen prachtvollen Weinir.iub-Syncopators. —ae— Zehn ,fahre Ba!f our-Deklaration. Die in der ״Jüdischen Rundschau4' bereits aagcreigte, vom zionistischen lan:l€s- Komitee in Wien herausgegebene Broschüre 13״ Jahre Balfour-De klaration“ ist gegen 2 ösierre'chische Schillinge, bei größerer Bestellung für 1,59 sh. beim Ztonistischcn Landeskomitee für Oesterreich, Wien I, Kärntner Straße 28, zu beziehen. Ortsgruppen Emden. In der Zionistischen Ortsgruppe sprach vor Mitgliedern und Gästen Herr Landrabbiner Dr. Bi um übe.- den .,Palästinagedanken in Vergangenheit und Gegenwart“. An Hand zahlreicher, sorgsam ausgewählter und gedanklich miteinander verbundener Zitate aus Bibel, Talmud und Religions- Philosophie, sowie auf Grund bezeichnender Vorschriften des Schulchan-Aruch und interessanter Daten der jüdischen Geschichte wies Referent nach, welch’ große Rolle ErezTsrael stets in Lehen, Denken und Fühlen des jüdischen Volkes, innerhalb und außerhalb des Landes, gespielt habe. F.s sei daher nicht verwunderlich, daß die anderen, durch Herzl geschaffene und an die nie geschwundene Paläs tinaltebe anknüpfende zionistische Bewegung weite Kreise des Volkes mit glühender Begeisterung ergriffen haben iu Erfüllung des Schwures von den Bächen Babylons. ״Wenn icli dein vergäße, Jerusalem, so verdorre meine Rechte!“ Die aufmerksam und interessiert lauschenden Zuhörer stellten in der Diskussion zahlreiche Fragen, die der Referent ausführlich beantwortete. Mit Worten warmen Dankes an Teilnehmer und Rcfereitcn schloß der Vorsitzende, Herr Dr. Kretschmer, die anregende Versammlung, an die sich noch eine interne Aussprache der Örtsgruppenmitgl'.eder über zionistische Arbeit anschloß. Als deren wesentlichstes Ergebnis ist mit Genugtuung zu buchen, daß eine Reihe älterer Damen und Herren sich für regelmäßige Buchsenlecrung rur Verfügung stellte. Köln a£ Rh. Dar neue Vorstand, an der Spitze Herr Dr. Raßcrt Oidion mit nachahtnenswerter Aktivität, bemüht sich, das zionistische Leben in Köln in diecem Winter *ebhatter zu gestalten und hat damit auch guten Erfolg. Der auffaltend gute Besuch des Vortrages von Herrn Ehr. Georg Landauer, Jerusalem, der zurzeit in Köln weilt, über den 15. Zionisteitkongreß, galt zwar auch der Persönlichkeit des Redners, sollte aber, wie wir wissen, auch den Willen der. Jugend sowohl wie der älteren Generation kundtun, sich an der zionistischen Arbeit in dieser Saison intensiv zu beteiligen. Das trat dann auch auf dem Gruppenverbandstag zutage, der am 3. November stattfand, una auf dem last sämtliche