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Jüdische Rundschau · 1927-12-06 · Heft 97 (6.12.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 97 (6.12.1927)
Date
1927-12-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnammer 0,23 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Kedaktion und Verlag Berlin W 15, MeinekettnBe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich!,85 Goidrnark. viertel jährlich 5,23 Goldmark. Au11*nd1«b0fm*meat* werden ח׳ der Wihnauö dar «mreinea Linder berechnet Nummer 97 | Berlin. 6. XII. 1927 Anzeigen ־Verwaltung Jüdische Randacliaa G.m.b. H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: 8 g*sp*JtN0Hp*refJle1;eiie030G׳~AL Stell engem1eheö*25 G.-M״ AazcigeitsclünQi Deotlaft פגו d Frei*, eg ם » e b ® 4 $ * 11 י Ubr. Telephon: Biemarck 7165 » 70. Poaticheckkooto; Berlin Nr. 17 392 Für Oesterreich: Pa«£tpa!Hka1s«f!attst Wien, Kooto Nr. 156 030. Füjr richecihosiowakei: Postsp&rktMenamt Fra«, iCftato Nr. 59 410. Für Polen! Ponlxparkaasetuust Warachaa. Konto Nr. 190 70&. RedaktionssehluO Sonntag und Mittwoch aachtnUtag. י״ב כבלו היס״ח | xxxn. Jahrg7 Der cioniamws erstrebt für das IQclle<t1• Volle die Schafluna einer filfentllch rachtlich aeslcherten Nelmslltte In Palästina. ״Baseler Proeramm.‘* Die Tote Meer ־ Konzession An Novomejsky und Major Tullodi vergeben London, I. Dezember. (J. T. A.) Colonel Howard Bury richtete im Unterhaus au den Ministerpräsidenten die Anfrage, ob er angesichts der großen Wichtigkeit der Kalisalze des Toten Meeres für das britische Reich Maßnahmen treffen würde, daß bei Vergebung der Konzession die Kontrolle über die Ausbeute in britischen Händen verbleibt; die Gesellschaft, die die Ausbeute vornimmt, müßte eine britische, der Vorsitzende derselben «in britischer Untertan sein. Er wies auf das Beispiel der englisch-persischen Oel-Gesellschaft hin, bei der sich die Regierung durch Aktienkauf eine Kontrolle gesichert hatte. An Stelle des Ministerpräsidenten gab der Unterstaats- Sekretär Orm sby-Gore die folgende Auskunft: Es sind bei der Regierung vier Bewerbungen eingegangen. Im Prinzip wurde beschlossen, die Konzession zur Ausbeutung der Kalisalze des Toten Meeres an Major Tu Hoc h und au Ing. Novomeysky unter der Voraussetzung, daß befriedigende finanzielle Garantien geleistet werden, zu vergeben. Lieber Einzelheiten wird noch verhandelt; das Eine kann aber gesagt werden, daß die Regierung nicht beabsichtigt, sich durch Aktienkauf eine Kontrolle zu sichern. Colonel Howard Bury fragte dann weiter: Weiß Ormsby- Gore, daß diese Konzession für Großbritannien von vitaler Bedeutung ist, daß allein die Potaschc- Ablagerungen einen Wert von £ 14000000 000 darstellen, daß Deutschland bis jetzt gewissermaßen das Mono• pol über dieses Erzeugnis hat? Will die Regierung angesfehts dessen nicht die Erwerbung von Kontro! 1 - Aktien erwägen? ‘ Ormsby-Gore: Diese Zahlen sind astronomisch. Cd, Howard Bury: Die Zahlen hat ein Regierungsaufgestellt. Colonel Wedgwood: Aus welchem im Stadium des Versuches. Was immer die 1Salze wert sein mögen, das Ausbcotevcrfabren,' das Problem der Zuführung der Salze zu den Weltmärkten lassen das ganze Geschäft vorliufig als ein Experiment erscheinen. Bei einem solche« # Stadium kann man dem britischen Steuer- Zahler nicht zumuten, Kapital herzugeben. — Auf eine weitere Frage, ob die Regierung auf alle Fälle für zeitliche Beschränkung der Konzession sorgen werde, antwortet der Unterstaatssekretär: Die Konzession kann nicht als für ewige Zeiten abgeschlossen gedacht werden, die Entwicklungsbedingungen müssen in den Konzcssionsklauseln enthalten sein. Nähere Details kann ich nur nach vorheriger schriftlicher Fragestellung mifteilen. Im übrigen ist die Sache im Verhandlungsstadium. Die Verhandlungen vor dem Oberbaus Im Oberhaus richtete Lord Islington an die Regierung Fragen bezüglich der Vergebung der Tote Meer- Konzession und wies in einer längeren Rede auf die große Wichtigkeit der Ausbeute des Toten Meeres für Oroßbritannien hin. Gegenwärtig stellt die Kali-Lieferung ein fast ausschließliches deutschen Monopol dar; die Preise für Kali sind im Zusammenhang mit diesem Monopol für Landwirte fast unerschwinglich. Der Preis pro Tonne äst heute £ 8.1 D sh und dürfte sich schon in naher Zukunft erhöhen, fm Kriege war dieses Monopol eine furchtbare Waffe in den Händen der Deutschen, die gegen uns gerichtet war. Man erinnere sich, daß im letzten Kriegsjahre die Tonne Kali über £ 100 kostete. Wem immer die Konzession gewährt wird, die Regierung müsse darauf achten, daß die erwählte Gruppe keinerlei direkten oder indirekten Zusammenhang mit dem deutschen Monopol unterhalten solle; Es müsse eine im wesentlichen britische Gruppe sein. Lord Islington kam auch auf die politischen Fragen zu Sprechen, die mit der Sache Zusammenhängen. Das Konzessionsgebiet gehört teils zu Palästina, teils zu Transjordan I e n, und obwohl beide Länder britisches Mandatsgebiet sind, unterstehen se doch verschiedenen Jurisdiktionen. In Palästina, sagt Lord Islington, haben wir eine britische Regierung und eine jüdische Exekutive, bei einer vorwiegend arabischen Bevölkerung; in Transjordanien haben wir einen arabischen König (? — A. d. R.) mit einer rein arabischen Bevölkerung. Wer immer die Konzession erhält, es müssen die sorgsamsten Vorkchrungen getroffen werden, daß die Ansprüche dieser beiden Länder und ihrer Völker befriedigt werden. Bel einer Konzession dieser Art werden auch Fragen politischen und nationalen Charakters auftauchen, die sehr ernst werden können. In diesem Fall würde die Wirkung nicht auf diese zwei Länder beschränkt bleiben, sondern sich weit nach dem Osten hin erstrecken. Den Ausführungen Islingtons schloß sich Lord Danes* fort an. Für die Regierung antwortete im Oberhaus der Unterstaats- Sekretär des Kolonialamtes LordLovat Er führte aus, die Regierung sei sich der großen Wichtigkeit der Tote-Meer-Ausbeute bewußt, auch mit Bezug auf die politischen Fragen, die daraus entstehen können. Sie erkennt auch die Wichtigkeit an, das gegenwärtig bestehende Monopol im Interesse der landwirtschaftlichen Welt zu brechen. Das Ganze aber ist noch i m Stadium des Experiments. Die Regierung ist natürlieh auch im Bilde bezüglich der militärisch-strategischen Wichtigkeit der Produkte und glaubt, daß man gerade in dieser Hin* sicht beruhigt sein kann, daß ein!Mann wie Lord Piumer diese Seite der Sache nicht aus dem Auge verlieren wird. Was die Bewerbungen betrifft, teilt Lord Lovat mit, daß int Jahre 1925 eine Reihe von Gesuchen Vorgelegen habe, die jedoch als unannehmbar betrachtet wurden. Die Bewerber mußten bis Ende 1926 ihre Vorschläge überarbeiten. Diese Bewerbungen wurden dann geprüft. Die Bewerber waren: Dr. Norton von der Palestine Salts Corporation, Mr. Maitland Edwards und Major Henry, ferner Tottie und Rickneil, schließlich Major Tul loch und N ovomejsky. Die Regierung hat sämtliche Angebote gewissenhaft geprüft und nach eingehender Erkundigung betreffend Sachkenntnis, Verbindungen und finanzielle Leistungsfähigkeit sich im Prinzip entschlossen, die Konzession an MajorTulloch undNovomeyskyzu vergeben. Unterzeichnet ist der Vertrag noch nicht. Die Verhandlungen schweben noch und ich kann daher nur die allgemeinen Linien angeben, nach welchen ein solcher Vertrag, wenn es dazu kommt, geschlossen werden wird. Natürlich ist es von größter Bedeutung, daß man bei Vergebung einer solchen Kon- Zession wirklich dafür sorgt, daß die Konzessionäre imstande sind, die Sache durch zu führen. Die Regierung ist überzeugt, daß die genannten Herren und die Finanzgruppe, die hinter ihnen steht, imstande sind, die Arbeit durchzuführen. Eine Bestimmung der Konzession wird auf alle Fälle die Gewinnbeteiligung der betroffenen Länder sein. Dies betrachtet die Regierung als den besten Weg, die politischen Schw ierigkeiten, von denen Lord Islington gesprechen hat, auszuschalten. Ich kann versichern, daß die Regierung, in dieser Sache sich keineswegs an den Rat eines ein-;»IneBf;Indern wird, ■ S}!;- wäH'*ta«| l#fndigep Kon* deutung bei und bat erhebliche Zeit aufgewandt, um festrustellen, vor! welcher Gruppe und nach welchen Bestimmungen das erstrebte Ziel am besten erreicht werden kann. Durch die Antwort der Regierung im Unterhaus und Oberhaus ist zum ersten Male offiziell raitgeteilt worden, daß die Konzession an zwei miteinander stehende Bewerber vergeben wurde, von denen der eine, der Zionist Novomeysky, bekanntlich von der Zionistischen Organisation als Jewish Agency unterstützt wurde. Aus der Debatte geht auch hervor wie schwierig die Erlangung der Konzession gewesen ist und mit welchen Konkurrenten Novomeysky zu kämpfen hatte. Novomeysky hat sich seit dreißig Jahren mit dem Problem des Toten Meeres befaßt. Wenn die Ausnutzung des Toten Meeres die Erwartungen erfüllt, die daran geknüpft werden, dann wird diese Sache zweifellos von umwälzender Bedeutung für das ganze Wirtschaftsleben Palästinas sein. Freilich hat der Vertreter der Regierung mit Recht darauf hingewiesen, daß man noch nicht alle Einzelheiten des Experiments voraussehen kann. Der Interpellant im Oberhaus, Lord Islington, ist der bekannte Gegner des Zionismus, der im Jahre 1922 die antizionistische Resolution im Oberhaus einbrachte, die auch angenommen wurde. Er hat damals vor allem gegen die Ruthenberg-Konzession gekämpft, wie er jetzt gegen d e Novomevsky-Konzession kämpft. Es ist beachtenswert, daß er dabei wieder politische Momente in den Vordergrund rückt, wobei er sogar eine merkwürdige Ignoranz zeigt, indem er die ״jüdische Exekutive" als eine Art Regierungsorgan bezeichnet und von einem ״König" in Transjordanien spricht, den es bisher nicht gibt. Dem gegenüber kann man wohl darauf verweisen,, daß die Konzession, ganz abgesehen von dem Gewinnanteil, beiden Mandatsländern erheblichen Nutzen zu bringen verspricht. Die Palästina-Anleihe Ueber den Erfolg der Palästina-Anleihe schreibt das Wirtschaftsblatt der ״Time s“ am 1. Dezember: Wie wir vorausgesehen haben, fand die Palästina- Anleihe von .£ 4 475 000 in fünfprozentigen von der britisehen Regierung in bezug auf Kapital und Verzinsung garantierten Airschnitten gestern eine sehr gute Aufnahme. Die Listen, welche am Morgen eröffnet wurden, wurden um 11.30 Uhr bereits geschlossen. Zu dieser Zeit war der Betrag bereits mehrmals überzeichnet worden. Ein britisches Regierungspapier, das ein Erträgnis von 5 »׳b gibt, bietet allen Leuten, die eine erstklassige Anlage suchen, eine so seltene Gelegenheit, daß der Erfolg der Anleihe von vornherein feststand. Sitzung des Zentralkomitees In dar Sitzung des GeadtättsHUu-enden Aus• sdiusses vom 4. Dezember wurde beschlossen, das Zentralkomitee der Z. V. i D. am 25. Dezember nach Berlin einzuberalen. Leo Mozkin Zu seinem 60. Geburtstag Will man einen Maß stab für die rein menschliche Bedeutung und ideelle Kraft der jüdischen Renaissance- Bewegung gewinnen, so lohnt es sich einmal ‘zu überlegen, in •welchem Grade sie imstande war, von begabten, ideell veranlagten jüdischen Persönlichkeiten Besitz zu ergreifen. Ein solcher Gedanke drängt sich auf, wen« man durch einen äußeren Anlaß bewogen wird, das Lebfrn eines führenden Zionisten, der seit Jahrzehnten in hingebungsvollcr Weise der Sache dient und den man sonst J I! :CO '.s.S'-yA'i % יי י־־" ־ tlüiliii lllil tmn als politische Größe abzuschätzen gewohnt ist, von der menschlichen, persönlichen■ Seite zu sehen. Leo Mozkin wird am 6. Dezember — zufällig gerade in Berlin weilend — sechzig Jahre alt. Idee und Bewegung, die imstande waren, einen Menschen wie Leo Mozkin dermaßen zu bannen, daß dieser Mensch seit Jahrzehnten bis zpr Selbstentäußerung und: bis zum Verzieht auf ein Privatleben ihnen dient, müssen voll revolutionärer Gewalt und fähig sein; Individuen menschlich in Bann zu schlagen. Es ehrt die Bewegung der jädisehen Renaissance, daß sie einen aufs Universale gerichteten Geist, wie den Mozkins, unlösbar mit Be* schlag belegen konnte und es ehrt Leo Mozkin, der aus den Bezirken sublimierter, kristallklarster Wissenschaft, der Mathematik, kam, daß er sich restlos dem Dienste an dieser Volksbewegung verschrieb. Nahezu 40 Jahre steht Mozkin im Mittelpunkte jüdischer Betätigung. Die Welt — und nicht nur die jüdische — kennt ihn vornehmlich als Zionisten. Damit aber ist der Arbeitskreis Leo Mozkins keineswegs Umrissen. Während viele von uns bewußt, in der Erkenntnis, daß man von seinen bescheiden«! Kräften (das kostet oft schwere innere Ueber- Windung) nur ein Quentchen der Hauptaufgabe der jüdisehen Gegenwart, dem Zionismus, entziehen dürfe, sich in ihrer Tätigkeit beschränken, hat es Leo Mozkin, trotz unablässiger Volleistung für den Zionismus, immer mehr verstanden, auf den verschiedensten Gebieten öffentlicher jüdischer Betätigung befruchtend, anfeuernd und führend in der vordersten Linie zu wirken. In diesem staunenerregenden Tatendrang tritt die Vielfalt und der Reichtum des Juden Mozkin in Erscheinung. Denn Mozkin ist in erster Linie Jude und darum Zionist, weil im Zionismus die hervorragendste zeitgenössische Aus• drucksform des Judentums liegt und weil der Zionismus am entschiedensten die Zukunft der ewigen Judentumsidee bejaht. Sicherlich betrachtet Mozkin den Zionismus und den Dienst an ihm als die Essenz seiner Interessen und Arbeiten, aber darum erscheint ihm keine auf die moralische, politische und wirtschaftliche Hebung des jüdischen Volkes gerichtete Bestrebung als eine gering anzuschlagende, nebensächliche Angelegenheit. Et hat schon im alten Rußland an allen Arbeiten zur Er- Ziehung und Hebung der jüdischen Massen, sei es politisch oder kulturell, aktiv mitgewirkt, er stand auf dem V. Kongreß in der Reihe der Vorkämpfer der Gegenwartsarbeit, er hat später während des Krieges auf exponierten Posten jüdische Interessen wahrgenommen» und

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