Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 96 (2.12.1927)
- Date
- 1927-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Efnzchtmnmcr GJ§ Goldmary- JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Melnekeetraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, viert«!iährlieh 5,25 Goldmark. A»Ri*nrt8abrom«rrNttiie werden הי der Wlbrasö der •inzstBen Linder berechnet. Anzeigen - Verwaltung Jüdisch,« Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anjsefgeopre{#: Sgesp&tiNonp&reiOezctle 0J5Ö GUM Stellengesuche 0,25 G-M. Ajaxei geaschlaßj D 0• ׳ t« g und Freitag a a c b as * Heg 4 Ubr, Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. IT392 Für Oesteffeteli: PeH1topafkaa8©0«rat Wien, Konto Nr. 156030. Für Tseh«ds0ttow*J1«tl! rostiparfeasseaarat PrajL Konto Nr. 59 41Q, Für Feie: PrtaUpsrkaareftaait Warschau, Konto Nr. 190TOS׳ Redaktioasschluß Sonntag and Mittwoch nachmittag, Nummer 96 | Berlin, 2. XXL 1927 ח׳ כסלו חר־ס״ח | xxxil jaiu-g. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk «114 t Scharfsinn einer affentiiefc - rechtlich neslcherlnn Melmstltte In Palästina. ״Baseler Programm." Große zionistische Tage Rückblick Diese Tage intensivster Arbeit für Palästina werden dem, der sie rniterlebt hat, unvergeßlich bleiben. Zunächst die erstaunliche, alle Vorstellungen überragende Arbeitsleistung Weizmanns selbst: Abend für Abend gesprachen, morgens früh zum Zug, schon am Bahnhof stürmisch empfangen, immer wieder sofort gezwungen, offizielle Akte mitzumachen, nachmittags in kleinerem oder größerem Kreise ein Vortrag, und abends vor überfüllten Riesenversammlungen ein neuer Vortrag. Und früh am anderen Morgen beginnt das gleiche Spiel. Und diese Arbeit durch ge führt in gleichmäßiger Freundlich* keit, einfach und herzlich, und was das Schwierigste war: ohne sich zu wiederholen. Instinktiv trifft Weizmann den richtigen Ton, die besondere Note eines jeden Ortes; und jeder Versammlung gibt er schon in den ersten Sätzen sein Gepräge. Immer wieder ist er bereit» sich Menschen mitzuteilen, aus dem Vollen zu geben, Menschen zu kräftigen, der Idee zu helfen, wahrhaft: zu führen. Auf der anderen Seite erlebten wir mit Staunen die elementare Aeußerung der Verehrung, die unserem Führer entgegen;,chlug. Viele charakteristische Einzelhdten könnten angeführt werden. Von den (westjüdischen!) Frauen in deutschen Großstädten, die ihre Kinder in die Straften führten, durch die Weizmann kam, damit sie!tu* mit ״Schalom“ begrüßen und er den stehen, opfern tage- und wochenlang nicht nur ihre freie Zeit, nein, ihre volle Arbeitskraft dieser Vcranstaltung, vernachlässigen das Geschäft des Tages, um dafür zu sorgen, daß Weizmann ein würdiger Empfang bereitet wind. Etwas wahrhaft Hinreißendes hatte die Art, in der diese kleine und manchmal kleinliche Vorarbeit geleistet wurde. Ehe Zionisten spürten wieder einmal, daß es einer großen Sache zu dienen gilt. Das Bild wäre nicht vollständig, wenn man nicht die erwähnen wollte, die aus entlegenen Orten zu diesen Veranstaltungen gekommen sind. Auch hier überall die gleiche Erscheinung. In Mannheim traf man Freunde aus dem Saargebiet, in Frankfurt war alles versammelt, was überhaupt noch rechtzeitig aus der Umgebung zur Veranstaltung kommen konnte, in Breslau war das ganze niedersclilesische Gebiet so vollständig vertreten, wie in Beuthen das oberschlesische inklusive Polnisch-Ober- Schlesien usw. Es sei erlaubt, hier besonders die Veranstaltung in Mannheim zu erwähnen, die naturgemäß in kleinerem Rahmen stattfand als die ungeheuren Massen- Die Anleihe der Paläsllna-Regternng Dl• von dev Regierung Palästinas unter «a^Ätdiän •■habe», tön schon' am 'Wsftiof. ''■?Mirar. fes׳t|tetj:•• m begegnen. Dieses deutsche Jljd(^1OT% dem der ־'Begriff spontaner Demoa- Stratgij unbekannt war, hier zwang es ein besonderes irl|bhis zur demonstrativen Haltung, hier ergab sich Ohne! VprhereiiuBg, ohne Organisation eine wahrhaft arsöhütta,ptÄ/Man'ifestation jüd'schen Lebens in deut- ,9Cl1pt;Slä;tlf|’n. In'allen Städten dasselbe Bild. Die Veranstäfter der Abcndversamnilungen fürchten zunächst, daß bei den recht hohen Kosten des Eintritts nur ein beschränkter Kreis, von Juden kommen wird, und überall muß im letzten Augenblick der gemietete Saal abgesagt werden, und der größte Saal der Stadt ist nicht imstande, alle diejenigen zu fassen, die zum Weizmann-Abend kömtoen wollen. Hunderte müssen Stehplätze nehmen, Und 'in allen Städten müssen Hunderte abgewiesen Verden, weil der Platz nicht ausreicht Ueberall das gleiche Bild des Andrangs, ohne Unterschied, ob es sich in einer Gemeinde vorwiegend um West- oder um Ostjuden handelt , Ein besonders festlicher Moment war überall die Begrüßung Weizmanns durch die Versammelten. Auch ätes war nicht möglichzu organisieren. Zu schnell folgte Versammlung auf Versammlung. Es gab keinen Ruhetag. Und doch hatte sich von selbst überall die gleicht Form gefunden. Wenn Weizmann erschien, standen alle Anwesenden respektvoll auf, um ihn ztj, grüßen. Dann kam ein stürmischer Beifall, der sich wiederholte» wenn Weizmann zu sprechen begann. Er spricht nicht sehr laut, aber überall herrschte während seiner Ausführungen eine so mustergültige Ruhe und Disziplin, daß alle verstanden und auf ihren Plätzen bleiben konnten. (Die Ausnahme war Berlin, wo die mörderische Akustik des Riesensaales auch das kräftige Organ anderer Redner vernichtet hat.) " , Die Wirkung war gleichmäßig auf Zionisten' und Nichtzionisten, und in diesen Tagen hat sich gezeigt, wie außerordentlich d:r Gedanke des Pa’ästina Aufbauwerkes Im deutschen Judentum verankert ist, und wie stark der Respekt vor der Persönlichkeit und der Leistung Weizmar,ns ist ln Orten, in denen die zionistischen Ortsgruppen zahlenmäßig klein und schwach sind, waren die Versammlungen genau so überfüllt wie dort, wo eine starke und repräsentative Ortsgruppe besteht. Gleichgültig, wer eingeladen hatte, ob nur das Keren Hajessod- Komitee oder Zionistische Ortsgruppe und Keren Ha- (csscd oder alle großen jüdischen Verbände; überall kamen Nichtzionisten und Zionisten, um in stürmischer Form dem jüdischen Führer zu huldigen. Aber noch etwas wirklich Großem soll hier gedacht wc;dm. der hingebenden Liebe, mit der seitens unserer Freunde die Vorbereitungen getroffen wurden. Mensehen, die voll beschäftigt im Dienst des täglichen Lebens MißN der londoner City anfgele^t and Innerhalb von 2 Stunden voll gezeichnet- (Näheres im Inneren des Blattes.) Die Schulen eröffnet Am 27. November sind in Palästina die meisten Schulen wieder eröünet worden. Versammlungen, z, B. in Breslau und Beuthen; sie bot ein wahrhaft erschütterndes Bild, als Martin Buber sprach und Weizmann begrüßte im Namen der gemeinsamen Jugend, und In Worten, wie sie nur Buber findet, den besonderen Weg Weizmanns und des Zionismus charakterisierte. Diese Weizmann-Aktion war gedacht als eine Keren Hajessod-Aktion. Als solche hat sie ein ganz außerordentliches Ergebnis gehabt. Ueber 400 009 M. s-ind in diesen wenigen Tagen an diesen wenigen Orten gezeichnet worden, eine Anzahl neuer Freunde wurden gewonnen, und es wurden zum Teil ganz ungewöhnlich hohe Beträge gegeben. Diese Summe enthält naturgemäß nicht das volle Maß dessen, was in diesen Städten erreicht wurde, denn die Arbeit geht überall weiter; viele, die aus irgendwelchen Gründen ihre Zeichnung noch nicht abgegeben haben, werden nunmehr erfaßt, und das Ergebnis wird von Tag zu Tag größer. Aber diese Aktion, die als Finanzaktion gedacht war, wuchs zu einer außerordentlichen zionistischen Manifestation, die Verkündigung des Palästina-Gedankens war ihr Inhalt; und die Tatsache, daß Geld gegeben wurde, viel Geld, war nur eine Folge dieses außerordentlichen Erlebnisses, war nirgendwo Selbstzweck. So groß und schön das finanzielle Ergebnis ist, großartiger und schöner war das zionistische Erlebnis, war die Tatsachc, wie hier widerstrebende Kreise scheinbar gegen ihren Willen in den Bann einer Idee und einer Personlichkeit gezogen wurden. Noch eine Tatsache sei kurz an dieser Stelle 11ervorgehoben: das wirklich reibungslose Funktionieren des Keren Hajessod-Apparates. Es ist erfreulich, daß alle diese Veranstaltungen gleichmäßig gut vorbereitet waren. Alle verliefen programmgemäß und ohne jeden Zwischenfall. Nun ist es unser aller Sache, dafür zu sorgen, daß sich der Glanz dieser Weizmann-Tage weiter auswirkt und in konkrete zionistische Erfolge umsetzt. Dies ist die Art, wie wir Weizmann zu danken haben für die festlichen Tage, die er uns gebracht hat und die uns, inmitten aller Not des Tages, die wir nicht vergessen, die Größe unserer Sache erfühlen ließen. A. B. 1x1 Breslau Von unserem Berichterstatter. Breslau, 28. November. Am Sonntag Mittag traf Professor Weizmann, aus Berlin kommend, in Begleitung von Herrn Blumenfeld und Herrn Berger, in Breslau ein. Obwohl man die Zeit seiner Ankunft nicht verraten hatte, hatten sich doch mehrere hundert Personen am Bahnhof eingefunden, schon auf dem Bahnsteig ■war es Weizmann kaum möglich, durch die begeisterte Menge hin• durch den Ausgang 2.11 gewinnen. Unten, vor dem Fürstenportal, vor dem die für ihn und seine Begleiter bestimmten Wagen warteten, wurde die Abfahrt durch die jubelnde Menge verhindert, die erst nach langen Ovationen und nach einem begeisterten Gesang der Hatikwah den Weg frei gab. Ins Hotel waren die Herren und Damen vom Vorstand der Breslauer Zionistischen Vereinigung und des Breslauer Keren Hajessod-Komitees gefolgt. Hier fand eine kurze, aber außerordentlich herzliche Begrüßung des Gastes statt, dem gleichzeitig zu seinem Geburtstage, der zufällig auf diesen Tag fiel, Glückwünsche ausgesprochen wurden. Eine Schar zionistischer Kinder in weißen Kleidern mit blauen Schleifen, begrüßte ihn mit einem hebräischen Gedieht und Rechtsanwalt Jacobsohn übermittelte ihm die Glückwünsche der Anwesenden. Um 4 Uhr begab sich Weizmann tn das Gemeindehaus, wo beide Körperschaften der jüdischen Gemeind« ihn festlich begrüßten. Am Abend fand eine eindrucksveile, von «rka 1700 Gäste« ftax: .4« Menge Wfiu .■Äb.Äem QrgÄoreiM■ .##<!■#* 1׳• . . anwalt •Ja cobf*ohn die•Vetsaamtanf tnit»et8er'׳tebAebiB Ansprache, in der .’er •die Verdienste Weizmanns •um die, Erlangung der Balfour-Deklaration und um das Palijsiinawerk würdigte. Nach ihm begrüßte Rechtsanwalt Dr. Alfred Wolff namens der nichtzionistischen Palästinafreunde den Gast. Dr. Lcwkowitz, der im Namen der Logen des Ordens B’ne Brith sprach, wies auf die zwingende Gewalt des Palästinagedankens hin. Gleichgültig, ob man von der religiösen, kulturellen, sozialen oder politischen Seite an die Frage heran träte, man käme immer zu dem Schluß, daß man an diesem Werk mltarbeiten müsse. Aus diesem Gesichtspunkte heraus habe sich auch der Orden B’ne Brith mit seinen Führern Geheimrat Timendorfer und Rabbiner Dr. BaCck an der Spitze in den Dienst der Sache gestellt. Für die zionistische Jugend legte der Student Hans Berger das Bekenntnis verantwortungsbewußter Mitarbeit ab. Nunmehr hielt Weizmann, vom Publikum mit tosendem Beifall begrüßt, ein längeres Referat, aus dem wir nur die wichtigsten Gedanken hervorheben können. Er ging zunächst auf die im letzten Jahr entstandene Wirtschaftskrise ein, die von manchen Gegnern des Palästinawerkes dazu benutzt wird, um die Erfolgmöglichkeit der jüdischen Aufbauarbeit zu diskreditieren. Er konnte jedoch nachweisett, daß die wirtschaftliche Grundlage der Kolonisation im Vergleich etwa mit der englischen Kolonisation in Australien, hinter der doch das mächtige englische Weltreich mit se.inen unerschöpf• liehen Hilfsquellen gestanden hatte, durchaus günstig beurteilt werden muß. Außerdem ist damit zu rechnen, daß die Fort• schritte der Elektrifizierung des Landes und die Ausbeutung der Mincratschätze des Toten Meeres für die zurzeit Arbeite• losen neue Beschäitignngsmöglichkeitet! erschließen werden. Der Redner hob dann die besondere moralische Be• deutung des Palästina Werkes für die Stellung, der Juden in der We 1 tTtervor. Ueber die Leistungen j und Fehler jeder Gruppe von Menschen wird eine doppelte; B u chführung geführt, bei der auf der einen Seite die , positiven, schöpferischen Leistungen und aut der anderen Seite die Mißerfolge und Fehler aufgereclmet werden, Di« Juden sind min heute nicht in der Lage, eine eigene Buch• führtmg unter diesem Gesichtspunkte vorzulegen. Die Nicht• Juden führen über sie Buch und dies führt dazu, daß die positiven Leistungen der Juden immer den Völkern und Kulturen zugerechnet werden, in deren Mitte sic leben und schaffen, während allein ihre Fehler ihnen aufgebürdet werden. Das Palästinawerk gibt zum ersten Male den Juden die Möglichkeit, zu zeigen, was sie selbständig zu leisten vermögen. Deshalb darf dieses Werk nicht scheitern und muß deshalb heute auch von all denen unterstützt werden, die vielleicht ursprünglich dieser Idee nicht uahegestanden haben. Das Bewußtsein, an einer welthistorischen Aufgabe mitgearbeitet zu haben, so schloß Weizmann, wird allen Mitarbeiten! am Werke trotz aller Sorgen und Opfer die Quelle stets neuer Zuversicht für das Gelingen der Arbeit sein. ״Für uns verlohnt es sich, gelebt zu haben!“ Nachdem sich der minutenlange Beifall gelegt hatte, Torderte Justizrat Wolf{ in humorvoller Weise die Nicht*