Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 91 (15.11.1927)
- Date
- 1927-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 01, 15 XL 1927 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 647 Aus der Jugendbewegung In diesen Tagen etscheint in Berlin das erste Heft einer neuen zionistischen Jugendzeitschrift ״Der Junge Jude“. Die Herausgeber stellen uns den einleitenden Aufsatz von Georg Lubiuski zur Ver. fögung, aus dem hervorgeht, wie die Jugend, welche sich um diese Zeitschrift gruppiert, denkt und welche zionistische Grundauffassung sie hat. Wir entnehmen dem Aufsatz nachstehende charakteristischen Partien: Die dritte Generation des Zionismus Van Georg Lubinski. Was uns berechtigt, mit den Menschen unseres Alters und unserer Gesinnung eine weitere zionistische Generation anheben zu lassen, ist zweierlei: Wir sind die Menschen, die nach dem Kriege Zionisten geworden sind, also diejenigen, für deren Zionistwerden von vornherein Palästina als eine Wirklichkeit mitbeeinflussend und mit bestimmend gewesen ist Ganz klar, daß daher für unsere zionistische Entscheidung das Schicksal Palästinas vielleicht von größerer Bedeutung ist, als für diejenigen, die auch schon ohne dies reale Palästina Zionisten geworden sind. Gerade weil für unsere Zionistwerdung Palästina mitbestimmend gewesen ist, ist unser Zionismus untrennbar verknüpft mit dem Streben nach Erneuerung unserer Gesellschaftsform gemäß den Idealen des Sozialismus. In Palästina vollzieht sich diese gesellschaftliche Erneuerung sichtbar vor den Augen der Welt. Gegenüber der Generation vor uns, die die Erkenntnis vom nationalen Charakter des Judentums als ausreichende Motivierung für ihren Zionismus erlebte, sind wir Zionisten geworden, die in demselben Augenblick, in dem sie die Juden als Volk erkennen, die Notwendigkeit einer gesellschaftliehen Erneuerung dieses Volkes, eben gerade aus der Bejahung des Volksgedankens, aufs stärkste empfinden. Die untrennbare Verbindung zwischen nationaler und sozialer Idee führt so zu einer neuen Konzeption des Zionismus. Wir wissen, daß diese Konzeption schon vor uns vorhanden gewesen ist, daß der Träger dieses Zionismus die palistinensische Arbeiterschaft ist. Neu ist an dieser Lage — und daher dürfen wir von ihr an ein neues zionistisches Geschlecht datieren, — daß diese Auffassung gerade jetzt sowohl in Palästina als auch in der Galuth hinter sich die stärksten organisierten Kräfte des Zionismus hat. Die Idee des Sozialismus war schon frühzeitig im Zionismus vorhanden, aber erst von dem Augenblick an, wo die Einheit des nationalen und sozialen Gedankens größere Massen ergriffen hat, hat eine neue Periode des Zionismus begonnen. Wir erkennen dies auch ganz klar, wenn wir uns in der zionistischen Bewegung der Gegenwart Umsehen. Die Generation vor uns steht zurzeit an dem wichtigsten Posten der zionistischen Front Aber wenn wir genauer hinsehen, so können wir feststellen, daß diese Generation vor uns, soweit sie noch mit ganzer Hingabe und letzter Aktivität arbeitet, aus Einzelnen besteht, die die einzelnen Frontabschnitte halten, ohne daß zwischen ihnen die verbindenden Glieder der Volksbewegung stehen. Der zionistische Sozialismus stellt heute die stärkste organisierte Kraft im Zionismus dar. Daß die palästinensische Arbeiterschaft für die zionistische Bewegung in Palästina In erster Linie und fast allein charakteristisch ist, unterliegt trotz der gegenwärtigen politischen Lage in der zionistischen Weltbewegung keinem ZwelfeL Die zionistisch-sozialistische Jugendbewegung der Galuth ist, was Ihre zahlenmäßige Stärke und die DfizteBa ihrer Zusammenfassung in ihren Bünden aagefat, eine eben- 'solche Kraft 42000 Menschen, die bereit sind, ihr Leben dem Leben Palästinas aufs engste zu verbinden, die den Zionismus zum Mittelpunkt ihres Lebens gemacht naben, bedeuten auch für die zionistische Bewegung der Galuth eine Kraft, die berufen sein muß, in kurzer Zeit auch für sie charakteristisch zu werden. Wir, die junge zionistische dritte Generation, die eben das Geschlecht des zionistischen Soziaiismus ist, haben noch nicht begriffen, daß wir für eine Zeltlang der zionistischen Bewegung ihr Gesicht zu geben haben. Jeder von uns weiß, daß die Schwierigkeit, die diesem uns historisch auferlegten Ziele entgegensteht, nicht die Schwierigkeit des Kampfes um die Macht ist. Wir wissen, daß die Schwierigkeit zum allergrößten Teile in uns selbst liegt Wir haben einmal diese besondere Aufgabe, die uns Ln der Entwicklung des Zionismus zugefallen ist, noch gar nicht erkannt. Wir stehen als Gruppe überall in der Welt noch viel zu stark abseits von dem Zentrum zionistisehen Geschehens außerhalb Palästinas. Wir werden daher von den anderen empfunden als ein nachwachsendes Ge* schlecht, das seinen Platz nicht dort sucht, wo Ihn dit frühere Generation gehabt hat Und weiterhin müssen wir uns über die ungeheure Spannung klar werden, die zwischen einer palästinazentrischen und sozialistischen Bewegung und ihrer nichtzionistischen Umwelt besteht. Die erste zionistische Generation des Westens hatte noch die Aufgabe, ihr Judentum für sich selbst zu rekonstruieren, die zweite, das Judentum der anderen in seiner Fragwürdigkeit darzustellen, die dritte Generation steht völlig isoliert da, zugewandt einem neuen palästinensischen Judentum, ohne eine Beziehung zum ludentum der anderen. Dadurch, daß der einzelne von uns sein jüdisches Leben auf Palästina konzentriert, dadurch, daß er für sich ein jüdisches Leben von wirklichem Inhalt zu führen beginnt, verliert er den Zusammenhang mit denjenigen, deren Bindung an das Judentum nur locker ist. Die Unterschiede jüdischerIntensität werden so groß, daß sie unüberbrückbar werden. Der Flug zum jüdischen Zentrum geht so hoch, daß bei dem Aufschwung nicht mehr genügende Teile der umliegenden jüdischen Indifferenz mit hochgenssen werden. Wir müssen heute schon mit Besorgnis für den Westen feststelien, daß gerade wir mit Nichtzionisten keine gemeinsame Sprache mehr finden, stt es auch nur, um in diesem Grade noch unsere divergierenden Standpunkte zu formulieren. Chainziuth für die Bewegung hat aber nur dann Sinn, wenn hinter der Vorhut die Armee des ganzen Volkes marschiert Der Zionismus behält nur seine Bedeutung, wenn er die Sache des ganzen Volkes bleibt. Dieses Spannungsverhältnis zwischen uns und unserer jüdischen Umwelt fruchtbar zu machen, Ist die ungeheuer schwere und notwendige Aufgabe, die wir nicht gesehen haben und ohne deren Lösung der Zionismus sich nur zum Teil erfüllt hat Bisher wirkte als stärkster Propagandist{• scher Faktor für Palästina auch Nichtzionisten gegenüber, das Leben״ und die Leistungen der palästinensischen Arbeiterschaft. Dieses Leben und diese Leistungen wurden aber von Menschen dargestellt, die nicht zur Arbeiterschaft gehörten. Es entsteht nun für uns die sehr bedeutsame Frage, ob die Arbeiterschaft selbst oder diejenigen, die sich hier mit ihr solidarisch erklären, durch die Darstellung ihres eigenen Lebens und Wirkens, Kräfte aus dem nichtzionistischen Judentum entbinden können. Im Alter von 75 Jahren verstarb der Pariser Rabbiner David Hagenau. Er wurde 1878 Rabbiner von Valenciennes, 1881 Oberrabbiner in Luneville und wurde 1882 nach Paris berufen. Felix Salten wurde zum Präsidenten da Wiener Pen- Klubs gewählt. : Zionismus des Rituals Von Johannes Wolff. Nachstehender (aus Raummangel verspäteter Aufsatz) ist eine Fortführung der in Nr. 64 von Erich Outkind begonnenen Diskussion. Red. Krise I Die Aufbauarbeit in Erez-Israel hat nicht gehalten, was sie versprochen. Was sich die begeisterten jüdischen Volksmassen erträumt hatten. Was die Gegner aus Niedertracht erhofft hatten, was einsichtige Freunde fürchteten, ist Wirklichkeit geworden. Weil in sieben nicht und nicht in zehn Jahren geleistet werden kann, wozu Generationen ihre Besten werden hergeben müssen. Besinnung! Warum sind wir Zionisten? Weil wir Juden sein wollen! Und wenn der gigantische Versuch, durch den Zionismus die Judennot zu lösen, fehlsch lagen sollte? Auch dann werden wir Juden bleiben! Müssen wir schon jetzt nach neuen Lösungen suchen? ist der zionistische Gedanke zu liquidieren? Keineswegs! Den tiefen Sinn des Zionismus gilt es heute zu ergründen. Nicht mit flacher Heimstättenpolnik wird der Judennot gesteuert! Die blau« Büchse und der Dollar aus Amerika schaffen allein kein erneuertes Judentum. Aber geistig wiederbelebtes Judentum wird Palästina aufbauen, weil es in Zion ״seinen Leuchtturm sicht“. ״Zion ist Israels Leuchtturm, nicht sein Bett!“ ' Gutkind schrieb diesen Satz in Nr, 64 der ״Jud. Rundschau“. Wir müssen es ihm danken. Der Rahmen seines Aufsatzes war zu klein, um ausführlicher darzulegen, um was es heute geht. Nur wer wie Gutkind fühlt, daß der Augenbück gekommen ist: unsere Tradition zu beleben, geistig zu Untergründen den Bau, wird Gutkinds Forderung verstehen: ״Zionismus des Rituals“. ״Zionismus des Landes“ war der gewaltige Versuch der letzten fahre. Zionismus des Landes ist unsere unmittelbare Verpflichtung zur Arbeit an und in Erez-Israel. ״Zionismus der Sprache“, Gutkinds zweite Forderung, verwirklicht sich einmal in dem Verhältnis, wie uns der Zionismus des Landes gelingt. Zionismus der Sprache verpflichtet 1ms aber zugleich zu intensiver Arbeit im Galuth. Die vielen Millionen, die immer außerhalb des Heiligen Landes werden leben müssen, sollen in unserer Sprache der kulturellen Entwicklung zu folgen vermögen, der kulturellen Entwicklung, die die neue jüdische Gesellschaft jn Erez-Israel gehen wird. Zionismus des Rituals ist aber darum so bedeutsam, weil wir erkennen: In Erez-Israel wird eine neue jüdische Gesellschaft (Gesellschaft!) erstehen oder das ganze Werk nicht wert sein, gewirkt zu werden. Jede Gesellschaft bedarf der Form. Ihrer Form der Lebensäußerung. Die neue jüdische Gesellschaft in Erez-Israel braucht neue Jüdische Formen als Ausdruck des alt-neuen jüdischen Lebens. In Erez-Israel wird man nicht mehr religions-konservativcr Jude sein können. (Für Jahre wohl, nicht auf Dauer.) Erez-Israe! verlangt Entwicklung: mit dem Chaluz und in den Kwuzoth hat bereits eine neue Entwicklung begonnen. Wohin führt diese Entwicklung? Es ist noch nicht abzusehen. Unser Wunsch aber? Daß kein Brurii entstehe an der entscheidenden Stelle unserer Geschichte. Die neue Form der neuen jüdischen Volksgemeinschaft soll anknfipfen an die Tradition. Seine Urlebendigkeit soll das alte Ritual wiedergewinnen. Fornn wird sich 1« derGemelasehaft fceta«»krtsteliMeren. Und doch braucht nicht aus Chaos die Masse Kaltformen zu gebären ohne Jede Qebarts. hilfe. Unsere besten jüdischen Männer und Frauen mögen eine Einrichtung schaffen, die Outkind ״Beth ha Midrasch“ nennt. Werden große Persönlichkeiten diesem wahren Forschungsinstitut angehören, dann werden sie epochale Entscheidungen treffen können. Ihre Empfehlungen müssen deshalb nicht In blinder Unterwürfigkeit hingenommen werden. Die letzte Entscheidung trifft natürlich die lebendige Gemeinschaft. Wie wertvoll wär’s dorti schon, wenn, ein Funke aus dem Beth ha Midrasch in den Kwuzoth zünden könnte. Heiliges Feuer würde lodern. Das Ailzuvieic, das Allzualte. Verstaubtes und Verrostetes würde in diesem Schmelztiegel geläutert werden. Und unser wäre der Sieg! Im Galuth und für die große Masse derer, die im Gahrth verbleiben, wird vOn zionistischer Seite zu wenig getan. Wir schauen auf das Land, wo ״Milch und Honig fließt“ und verschmachten dabei. Hier im Galuth muß eine jüdische Gemeinschaft sein, die das aufnehmen und mitleben kann, was Zion baut. Zionisierung des Rituals . . . eine andere Lesart für die Forderung der ״Liberalen“ (sog. .,assimilierten‘4 Kreise) nach Anpassung unseres jüdischen Lebens an die Gegenwart. Auch die ״Liberalen“ wollen Weiterbestand der ״religiösen Gemeinschaft“. Hier Ist ein Weg für geistige Zusammenarbeit gegeben. Wir brauchen eine Gemeinschaft von Menschen im Galuth, die an der Bibel nicht irre werden. Die der Naturwissenschaft ihren Gültigkeitsbereich zugestehen und der Dichtung ihre Grenzen weisen und wissen, daß in der Bibel eine höhere Wahrheit sich offenbart. Zionismus des Rituals, die Forderung von beute! Gutkind gebührt unser Dank für die Anregungen, die hoffentlieh viele schlummernden Energien wecken. Das Protokoll des XV. Sontstenkongresses Erfreulicherweise ist es diesmal gelungen, das stenographische Protokoll des XV. Zionistenkongreises in Basel in allerkürzester Zeit fertigzustellen, so daß dessen Erscheinen bereits jetzt für Ende November angekündigt werden kann. Das Büro der zionistischen Exekutive in London nimmt bis zum 15. Dezember Subskriotionen zum ermäßigten Preise von M. 4,50 entgegen. Nachher dürfte das Protokoll voraussichtlich M. 6,50 kosten. — Bei dieser Gelegenheit sei noch auf das Unlängst erschienene Protokoll des XIV. Kongresses hin gewiesen, das bei gleichzeitigem Bezug auch des Protokolls des XV. Kongresses nur M. 7,— kostet gegen sonst M. 10»—. (Ziko.) Das erste Heft der Zeitschrift Der Junge Jude“, die von zionistisch-sozialistischen jugendbünden und den Chaluzorganisationen der deutschsprachigen Länder herausgegeben wird, ist erschienen. Es enthält unter anderem: Georg Lubinski: ״Unsere Lage“, Berl Katzneison: ״,Nach dem Kongreß“, Siegfried Bernieid: ״Autonomie und Tendenz in aer Erziehung der Jugendbewegung“, Zwi Schatz: ״Ohne Sprache“, Jazziw: ״Bei Ruthenberg“ B. a. m. Die Umschau enthalt Aufsätze über die Erziehung»- konferenz in Locarno, die Konferenz in Danzig, eine Lehr- Siedlung des deutschen Hechaiuz usw. — Die Zeitschrift erscheint als Zweimonatsschrift und ist zum Abonnementspreise von M. 2,— halbjährlich durch die Administration des ״lunב.״ Juden“, Berlin C 2, Gr. Prisidentenstr. 2/1, zu beziehen. Eingesandt Der Bindeiibnrfl-Fonds der Gemeinde Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ Berlin W15 Sehr geehrte Redaktion! Erlauben Sie mir die Bitte, die nachfolgenden Bemerkun• gen zu dem Artikel ״Aus der Berliner Jüdischen Gemeinde“ (Nr. 90 vom 11. November 1927. Beiblatt S. 640) möglichst bald abzudrucken. Der Bericht über die letzte Sitzung der Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde Berlin erwähnt, daß die Vorlage über einen Hindenburg-Fonds, der aus Anlaß des 80. Geburtstages der Reichspräsidenten geschaffen worden ist, Anlaß zu einer Erörterung gegeben, und daß die Repräsentanten auf Antrag Dr. Klee und Genossen (Jüdische Volkspartei) nahezu einstimmig beschlossen haben, außer diesem Fonds auch einen Friedrich- Ebert-Gedächtnisfonds zu errichten, ״dessen Erträge im Geiste des verstorbenen ersten Reichspräsidenten sozialen Zwecken gewidmet sein sollen“. Da ich verhindert war, der Beratung der Vorlage des Gemeindevorstandes über den Hindenburg-Fonds beizuwohnen, habe ich in einer Bemerkung zur Geschäftsordnung versucht, meine abweichende Auffassung darzulegen. Auch dem Anträge der Jüdischen Volkspartei würde ich widersprochen haben, wenn ich der Erörterung hätte beiwohnen können. Der Reichspräsident von Hindenburg war Chef der Obersten Heeresleitung, als auf ihre Veranlassung die schimrrfliche ״J u d e n z ä h 1 u n g“ im Heere veranstaltet wurde. .Die ״Juden- Zahlung“ war die Vorbereitung eines Pogroms, zum mindesten auf moralischem Gebiete. Sie hat den öffentlichen Frieden aufs schwerste erschüttert und zu erbitterten Kämpfen um die Rechtslage und die moralische Stellung der Juden in Deutsch- Iand geführt: diese Wirkungen erstrecken sich bis in die Gegenwart. Es ist gleichgültig, ob der jetzige Reichspräsident die Verantwortung für die ,.Judenzählung“ allein trägt oder mit anderen zu teilen hat. Nach solchen Vorgängen hat die Jüdische Gemeinde Berlin keinen Grund und, gegenüber den deutschen Juden, kein Recht, den Namen des jetzigen Reichspräsidenten mit einem Fonds zu verbinden, der aus den Mitteln der durch die ״Juden- Zahlung“ Beschimpften aufgebracht wird und der Wohlfahrt von Kriegsbeschädigten dient: die jüdische Selbstachtung müßte es verbieten. Wiederum ist es hierbei gleichgültig, ob man die Jüdische Gemeinde mit den Liberalen nur als Religion«- gemeinschaft *oder mit der Jüdischen Volkspartei als die geschichtiicli gegebene Organisation der Jüdischen Volksgemeinschaft ansieht. Die Begründung der Vorlage des Vorstandes ergibt nicht, daß der jetzige Reichspräsident zur Jüdischen Religionsgemeinschaft oder zur Jüdischen Volksgemeinschaft andere Beziehungen hätte, als die In der ״Judenzählung“ ausgedrückten. Durch die gleichzeitige Errichtung eines Friedrich-Ebert- Gedächtnis-Fonds wird die Sache nicht verbessert Wie Ich Friedrich Ebert kannte, glaube ich, seine Wahrhaftigkeit würde ihn zum Widerspruch gegen den Antrag Dr, Klee and Genossen geführt haben, teils weil er solchem Personenkulte abhold war, teils weil er in seiner öffentlichen Wirksamkeit keine Verbindung zur Jüdischen Religions- oder Volksgemeinde hatte. Hindenburg-Fonds und Ebert-Fonds sind unklare und schwächliche Konzessionen .an flüchtige Vulgärstimmungen und vergängliche Propagandazwecke; eben deshalb stehen sie nicht der Jüdischen Volksgemeinde und nicht der Jüdischen Religions* gemeinschaft an: deren Maßstlbe sind die Jahrtausende, Mit vollkommener Hochachtung Dr, Oskar Cohn. Jüdische Vereine Sehr geehrte Redaktion! Ueber meinem Schreibtisch befindet sich ein Holzrelief H e r z I s. Der Träger eines bekannten Adelsnamens fing unvermutet an, mit mir einige Worte über unseren Führer zu sprechen und zeigte absolute Kenntnis der Persönlichkeit. Später war bei mir der jüdische Trainer eines z. Zt sehr modernen, ca. 800 Mitglieder umfassenden Berliner jüdischen Sportvereins. Er fragte, ebenfalls nicht dazu von mir animiert, wer denn ״der alte Jude da“ sei. Ich sagte: ״Theodor Herzl“. Den Namen hatte der Herr noch nie gehört! Ich sagte: Na, wissen Sie, ich glaube, in unserem Klub (er hat männliche Mitglieder jugendlichen und mittleren Alters) werden Sie keine zehn Leute finden, die nicht wissen, wer Theodor Herzl gewesen ist“ Pikiert erwiderte Herr M.: ״Und ich sage Ihnen, wir werden keine zehn finden, die es wissen.“ Zu meiner Ueberraschung mußte ich erleben, daß von 30 jungen Berliner Juden 3 (drei) wußten, wer Herzl war: zwei Zionisten und ein ״IH“mann. Antworten wie: ״Ich weiß nicht,“ ״keine Ahnung“ waren die häufigsten, aber auch folgende kamen vor: ״Kenne Ich nicht — ich bin hier neu,“ ״ein Sozialist“ (man dachte wohl an den Bezirksbürgermeister Herz, obwohl der Name Theodor Herzl genau genannt wurde), ״ein Physiker“ (gemeint war natürlich Heinrich Herz), ״ein Schriftsteller“ (was für einer!?, keine Ahnung!), ״ein Mann wie Moses Mendels• sohn, ich glaube seine Sohne waren auch getauft“ . . . Dazu 30 Jahre Zionismus in Deutschland und 10 Jahre Balfour-Dcklaration. Mit Zionsgruß Berlin, 10. November. Dr. Woititz. Werbeaktionen für private Unternehmungen In Palästina Von verschiedenen Seiten hören wir, daß einzelne Persönlichkeiten sich bei ihren Bemühungen, Geld für bestehende oder zu gründende palästinensische Unternehmungen zu beschaffen, darauf berufen, daß Leiter zionistischer Institutionen in Palästina oder in Deutschland ihre Werbeaktion offiziell unterstützen oder eine Garantie für die Güte des Unternehmens in offiziellen Auskünften übernommen haben. Wir empfehlen unseren Gesinnungsgenossen, derartige Angaben durch uns nachprüfen zu lassen. Neben ernsten Projekten gibt es selbstverständlich auch eine Reihe von Versuchen, deren wirtschaftliche Solidität uns nicht ausreichend begründet zu sein scheint. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Berlin W15, Meinekestr. 10. Hebräischer Kindergarten. In der Gegend des Schönhauser Tores, Fehrbeluner Str. 93, Vorderhaus, bei Repp- Schläger, ist vor kurzem ein hebräischer Privat-Kindergarten unter Leitung einer bewährten Kindergärtnerin eröffnet worden, an dem noch mehrere Kinder teilnehmen können. Anmeldungen dortselbst vormittags 9—1 Uhr, oder bei Frau Dr. Wiener» Lothringer Str. 83, Telephon Norden 9121, erbeten.