Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 534 jfUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74, 16. IX. 1927 klar, daß im Laufe der nächsten Jahre, in denen durch die Verträge mit den Siedlern die sozialen Bedingungen des Jischuw festgelegt werden, gezeigt werden muß, daß die kulturellen Bedingungen nicht weniger notwendig für den Aufbau des jüdischen Landes sind, als irgendwelche andere. Diese Gedanken fanden bei der neuen Exekutive keine Resonanz, was bei einer rein auf ein wirtschaftliches Programm eingestellten Körperschaft leider nicht wundernehmen konnte. Bei dieser Sachlage war es klar, daß der Misrachi der vorgeschlagenen Exekutive kein Vertrauen entgegenb r i n g e n konnte. Unabhängig hiervon allerdings erweckte auch das Prog r a tn m der neuen Exekutive, insbesondere bei der misrachistisehen Arbeiterschaft, aber auch darüber hinaus Mißtrauen, und man stand besonders erschreckt der Tatsache gegenüber, daß erade dieser neuen Leitung der Zionistischen Organisation in alästina Vollmachten cingeräumt werden sollten, wie sie keine frühere Leitung für sich verlangt hat. Die Deklaration des Misrachi, mit der er seine Ablehnung der neuen Exekutive begründet, gibt diesen Gedankengang wieder und zeigt, warum diesmal die in der neuen Exekutive nicht vertretene Föderation des Misrachi dazu gezwungen war, gegen die Exekutive zu stimmen. Die kulturelle Entwicklung des Landes wird unabhängig und unbeeinflußt von der Exekutive vor sich gehen. Wer diese Arbeit fördern will, hat jetzt Kräfte und Organisation zu verstärken. Die gegenwärtige Leitung soll nach Ansicht derer, die sie gewählt haben, die schwere Aufgabe erfüllen, die Sanierung aer palästinensischen Wirtschaft durchzuführen, und wir wollen hoffen, daß sie die Kraft und die Fähigkeit hierzu hat. Dann aber, nach dieser Uebcrgangszeit, wird dafür gesorgt werden müssen, daß die Exekutive im Lande Männer hat, die zu dem kulturellen und arbeitenden Erez-Israel stehen. Der Kongreß in britischer Benrteilang Die Londoner ״Times“ vom 13, September bringt eine außerordentlich interessante Würdigung der neuen zionistischen Palästina-Exekutive seitens ihres Jerusalemer Korrespondenteri, der in den führenden britischen Kreisen in Palästina eine wohlinformierte und bedeutungsvolle Stellung einnimmt. In diesem Telegramm heißt es: ״Die Entscheidungen des Zionistenkongresses in Basel legen die Vermutung nahe, daß in der zionistischen Politik in Palästina weitreichende Veränderungen vorkommen werden. Zum erstenmal wird die hiesige zionistische Exekutive ausschließlich aus englisch sprechenden Elementen zusammengesetzt sein, was zweifellos für die Verbesserung der Beziehungen, der Verständigung und des Zusammenwirkens mit den lokalen britischen Behörden von großem Wert ist. Die zionistische Exekutive wird nun ein Triumvirat sein, das aus Colonel F. LI. Kisch, Mr. Harry Sacher und Miß Henrietta Szold bestehen wird, die alle außerhalb und über den lokalen Parteiungen stehen, während sie früher absichtlich aus den Vertretern dieser Parteien mit einander widersprechenden Interessen gebildet war. Als Folge dieses Wechsels erwartet man, daß es möglich sein wird, eine klare und sorgfaltig erwogene Politik zu verfolgen, anstatt wie bisher den Parteiinteressen nachzugehen. So Ist bisher die Kolonisationspolitik durch das Abwiegen der miteinander rivali- .,•rtepiMäpn^ApiiicJie.- verschiedener •.־Grippe« geWtet.-»11nd die,. Arbeite- und Erziehungspolitik durch derartige einander kontradierende Instanzen gestört worden. Colonel Kisch war bisher allein verantwortlich für die politischen Beziehungen zwischen der Regierung und der zionistischen Exekutive, die er persönlich erfolgreich gestaltet hat. Miß Szold, eine überragende Gestalt im amerikanischen Zionismus, hat die H a d a s s a h organisiert und hat wertvolle medizinische Arbeit in Palästina geleistet. Mr. Sacher, der in Balliol (Oxford) erzogen wurde und eine Zeitlang als Journalist in Manchester gearbeitet hat, kam nach Palästina mit der ersten zionistischen Kommission im Jahre 1918, hat aber später als Advokat in diesem Lande gelebt.“ Amery Uber Palästina Johannisbitrg, 11. September. (J. T. A.) Der britische Staatssekretär für die Kolonien, Mr. Amery, der sich gegenwiirtig in offizieller Eigenschaft in Südafrika aufhält, empfing in Johannisburg eine vom Oberrabbiner Dr. J. L. Landau geführte Abordnung jüdischer Repräsentanten und gab dieser gegenüber die folgende Erklärung über die von der britischen Regierung in Palästina befolgte Politik ab: Vorläufig sind in Palästina die Fundamente zum Aufbau gelegt, aber diese Fundamente sind solide und ruhen auf fester Basis. Früher oder später wird der Oberbau aufgeführt werden; der auf solchen Fundamenten ruhende Oberbau dürfte in der Tat schön und edel sein. Noch aber, fuhr Mr. Amery fort, sind die praktischen Schwierigkeiten groß. Ohne Zweifel macht Palästina gegenwärtig eine wirtschaftlich sehr schwere Zeit durch. Alle die guten Anfänge, die schönen Unternehmungen, die dort vollführt worden sind, bedürfen für die nächsten Jahre der Stütze. Die Anstrengungen, die jetzt gemacht werden, um einen an sehnliehen Fonds zur glücklichen Uebe rwindung der Krise aufzubringen, haben meine vollste Sympathie. Die britische Administration in Palästina ist stets darum bemüht, Gefühle nicht zu verletzen und die Interessen irgendeines Bevölkerungsteiles nicht zu benachteiligen. Indem sie stets die praktischen administrativen Schwierigkeiten im Auge behält, ist sie sich voll lind aufrichtig ihrer Bestimmung bewußt, dem Geiste und dem Buchstaben nach das von Lord Balfour im Jahre 1917 gegebene Gelöbnis, welches später im Mandat wiederholt wurde, zu erfüllen. Dieses Gelöbnis wird gewissenhaft von allen jenen verwirklicht, die in der britischen Regierung ein Amt bekleiden oder in der Verwaltung Palästinas in verantwörtlicher Stellung arbeiten. Rabbiner Dr. J. Rülf (Zu seinem 25. Todestage.) Der 18. September weckt die Erinnerung an einen der edelsten Vorkämpfer der jüdisch-nationalen Bewegung, der vor 25 Jahren aus einem arbeitsreichen Leben schied: Dr. Isaac Rülf, der mit der ganzen Glut seiner jugendlichen Feuerseele bis ins Greisenalter ein treuer Anhänger und eifriger Verfechter der zionistischen Idee war und sie von ihren ersten Anfängen bis zu ihrem Aufstieg als weltumspannende Organisation mit Stolz und Hoffnung begleitete. Rült war ein Selfmademan. Als Sohn eines einfachen Händlers am 10. Februar 1831 in einem kleinen hessischen Dorf geboren, besuchte er bis zu seinem 14. Lebensjahr zunächst die heimatliche jüdische Zwergschule. Sein Vater ließ ihn zum Lehrer ausbilden, und nach einigen Jahren eifrigen Studiums bestand Rült sein Lehrer-Examen und wirkte längere Zeit in verschiedenen kleinen Gemeinden Hessens und Mecklenburg- Schwerins als Religionslehrer. Aber sein Wissensdurst und sein Betätigungsdrang trieb ihn weiter vorwärts. Nachdem er 1854, die Rabbinatsprüfung abgelegt, wollte er auch die akademische Laufbahn einschlageil. In stiller, emsiger Arbeit studierte er an den Universitäten Marburg und Rostock und promovierte 1865 zum Doktor der Philosophie. Unmittelbar darauf wurde er als Rabbiner nach Memel be* rufen. Anfangs war es nicht leicht für ihn, den westeuropäischen Prediger, hier in diesem äußersten Winkel deutscher Kultur dicht an der russischen Grenze, sich durchzusetzen. Aber bald erkannte man in ihm einen Mann von außerordentlichen Fähigkeiten und tiefer Liebe zum jüdischen Volke. Mit dem Antritt seines Memeler Rabbinats begann er daher sogleich eine eifrige Wirksamkeit zugunsten der Armen und Leidenden, und als Ende der sechziger Jahre diesseits und jenseits der deutsch-russischen Grenze eine Hungersnot ausbrach, organisierte er ein Hilfskomitee, das in kurzer Zeit eine halbe Million Unterstützungsgelder aufbrachte und unter der notleidenden Bevölkerung verteilte. Seitdem war sein Name über• all als eines hilfsbereiten Menschenfreundes bekannt. Wo immer unter der jüdischen Bevölkerung des Ostens ein Notstand sich zeigte, wandte man sich an Dr. Rülf oder wie er im Volksmunde gewöhnlich genannt wurde: ״Dr. Hilf“. Unvergessen blieb namentlich seine gewaltige Organisationskraft, als in den achtziger Jahren jene grausamen russischen Juden* Verfolgungen begannen, die Tausende und Abertausende von Pogromopfern zum Wanderstabe zwangen. Da schuf Rült ein großzügiges Hilfswerk und verstand es, immer neue Quellen zu entdecken, immer neue Kreise zur Mitarbeit zu gewinnen. Er wandte sich an Baron Hirsch und Rothschild, an die Alliance und die jüdischen Großgemeinden des Westens, und das unbegrenzte Vertrauen, das er in weiten Kreisen genoß, öffneten ihm überall die Türen und die Herzen, so daß er viele Tausende vor buchstäblichem Hungertode retten konnte. Die unmittelbare Berührung, in die er bei seinen häufigen Reisen in das russische Grenzgebiet mit vielen Vertretern des russischen Judentums kam, hatten in Rülf aber auch eine innere Wandlung hervorgerufen. Er erkannte die hohe Intelligenz und die tiefe sittliche Kraft der ostjüdischen Massen, die mit unvergleichlichem Heldenmut und Gottvertrauen ihr jüdisches Martyrium ertrugen. Er wurde immer mehr ein Bewunderer der im russischen Judentum schlummernden geistigen und kulturellen Kräfte und fühlte von nun an die innere Verbundenheit mit dem tragischen Schicksal seiner Stammesbrüder. Aber er ging noch einen Schritt weiter. Bei allem Mitleid mit seinen unterdrückten und entrechteten Volksgenossen sah er bald elp, daß auf phiJaatro- '1«»«!^«־liPegesl&^der-iJwtenadt• nicht Wzu!catB«M»1 vielmehr die Hauptursache der immer wiederkehrenden Kata- Strophen in der jüdischen Leidensgeschichte ihre Heimatlosigkeit und Entwurzelung sei. In seiner 1883 erschienenen Schritt;,Aruch bas Ami“ gab er diesem Gedanken Ausdruck, indem er als einziges Heilmittel gegen das Elend der jüdischen Massen die Schaffung einer nationalen Heimstätte und Aufrichtung eines jüdischen Staatswesens forderte. Im Gegensatz zu Leon Pinsker, der in seiner ״Autoemanzipation" noch Argentinien oder Nordamerika als Ansiedlungsgebiet empfahl, trat Rülf mit Entschiedenheit für das Ersteburtsrecht Erez-Israels ein und wurde so einer der Vorläufer er modernen zionistischen Bewegung. Kein Wunder, daß, als Theodor Herzl 1896 seinen ״Juden* staat“ veröffentlichte und den ersten Zionistenkongreß in Basel zusammenrief, Rülf einer der ersten war, die ihm begeistert zujubelten und zum Anschluß aufforderten. Zu einer Zeit, wo der Zionismus von den meisten deutschen Rabbinern aller relilösen Richtungen in Acht und Bann getan wurde, fand Rülf en Mut, sich rückhaltlos den Reihen der politischen Zionisten anzuschließen. Um sich ganz seinen vfissenschaftlichen Neigungen widmen zu können, hatte er im Frühjahr 1898 sein gungen widmen zu können, hatte er im Frühjahr 1898 sein Rabbinatsamt niedergelegt und sich nach Bonn zurückgezogen. Schon früher, als er noch in Memel amtierte, fand dieser vielseitig begabte Mann neben einer umfangreichen rabbinischen und philantropischen Wirksamkeit noch Zeit und, Muße zu einer ausgedehnten publizistischen und wissenschaftlichen Betätigung. Leitete er doch mehr als 25 Jahre als Chefredakteur die zu seiner Zeit Im ganzen Osten stark verbreitete und einflußreiche Tageszeitung ,’Das Memeler Dampfboot“ und widmete sich daneben tiefgründigen philosophischen Studien. Bekannt ist besonders das Buch über das ״Erbrecht“, das in zwei Auflagen erschien, und sein mehrbändiges Werk über die Begründung eines philosophischen Systems auf der Grundlage des jüdischen Einheitsgedankens, ein Werk, dessen letzten Band ״Die Wissen- Schaft der Gotteseinheit“, er erst kurz vor seinem Tode vollendete. Noch hatte er die Freude, dem im August 1898 statt* findenden Zionistenkongreß in Basel persönlich beizuwohnen und eine Zeitlang auch an den Beratungen des deutschen Zentral-Comitds in Köln lebhaften Anteil zu nehmen. Aber sein von Natur schwächlicher Körper konnte die Beschwerden des Alters nicht lange ertragen. Infolge eines leichten Unfalls erlitt er einen Herzschlag und am 18. September 1902 schloß er im Alter von 72 Jahren seine Augen für immer. In der Geschichte des neuzeitlichen Judentums wird der Name Isaac Rülfs für alle Zeiten unauslöslich fortleben als der eines glühenden jüdischen Patrioten und unermüdlich ringenden Kämpfers, der in Wort und Schrift und in vorbildlicher Tat für die Befreiung und nationale Wiederauferstehung unseres Volkes wirkte. Dr. Wilhelm L e v y. Familie für Kredite vorhanden sein. Außerdem verlangt eine neue Einwanderung eine Erhöhung des Kapitals der Anglo Palestine Company, der Hypothekenbank, der Palestine Land Devclpoment Co, "der Workers Bank. Wenn ich auch hierfür angemessene Beträge einsetze, so komme ich dazu, daß für 'jede Familie, die ich im Durchschnitt auf 5 Köpfe ansetze, aus Mitteln der Zionistischen Organisation oder anderer Kreditinstitute 375 Pfund notwendig sind, d. 11. für jede 375 (MO Pfund, die wir für wirtschaftliche Zwecke in Palästina verfügbar haben, können wir 1000 Familien oder 5000 Seelen in Palästina in wirtschaftlich gesunder Weise unterbringen. Die jetzige Krise lähmt jede systematische Tätigkeit, weil die Notwendigkeit, den Arbeitslosen zu helfen, Gelder in unproduktiver Weise verschlingt, die dann für produktive Zwecke fehlen. Wir müssen die Periode vom jetzigen Kongreß zu einer Periode des U e b e r g a n g s zu normalen Zeiten machen. Ich glaube, daß es möglich ist, aber es ist von einer Bedingung abhängig, nämlich daß es uns gelingt, sofort bei Beginn des nächsten Budgetjahres der Exekutive eine solche Summe zur Verfügung zu stellen, daß sie damit nach Ab- Zahlung von SchuldenWieder zu einer geordneten Finzwirtschaft kommen und durch Beginn der Ameliorierungsarbeiten die Arbeitslosenunterstützung abstellen kann. Unsere Finanzwirtschaft in Palästina bekam, nachdem sich unsere ersten Hoffnungen nicht verwirklicht hatten, den Charakter einer Kolonisation auf Abzahlung. Dieses Abzahlungs- System kostet mehr, aber andererseits dürfen wir nicht vergossen, daß wir es durch dieses Svstem ermöglicht haben, im Jahre 1920 mit einemmal die grofie Emekkolonisation zu beginnen. , Meines Erachtens sollte die Exekutive ln Palästina so klein wie möglich sein. Ich glaube nicht, daß eine Exekutive dadurch leistungsfähiger wird, daß sic mehr Mitglieder zählt. Ich bin undemokratisch genug, um zu glauben, daß das beste Kollegium das Einmann-Kollegium ist. Seitdem ich zum ersten Male nach dem Kriege in dic Exekutive eintrat, habe ich gegen das kollegiale Prinzip angekämpft und zum wenigsten eine Ressortteilung an gestrebt und durchgesetzt. Aber ich glaube, daß auf diesem Gebiete noch viel mehr geschehen muß, und daß wir die größte Leistungsfähigkcit erreichen werden, wenn für jedes Tätigkeitsgebiet nicht ein Kollegium, sondern ein Mann die Verantwortung trägt. In diesem Zusammenhang möchte ich aut einen Vorschlag von mir zurückkommen, den ich bereits auf den drei frühere« Kongressen vorgebracht habe. Ich meine die Gründung eines besonderen Kolonisationsfonds und erwarte davon, daß die landwirtschaftliche Kolonisation aus dem vielgestalteten Betrieb der Exekutive herausgenommen lind einer besonderen fachmännischen Verwaltung unterstellt wird, eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit. Ich bin überhaupt dafür, daß die Exekutive keine wirtschaftliche Tätigkeit in eigener Regie übt, sondern daß für jede wirtschaftliche Tätigkeit in größerem Umfang ein besonderes, dieser Tätigkeit angepaßtes Institut gegründet werde. Die Exekutive soll in wirtschaftlichen Dingen nicht selbst administrieren, sondern diese Tätigkeit nur kontrollieren. Nach einer Darlegung der Forderungen an die Regierung auf dem Gebiet des Steuerwesens, der Staatsländereien usw. gibt der Referent noch einen Ueberblick über das in zehn Jahren Erreichte und schließt: Werden Sie nicht ungeduldig, wenn wir auf unserem Wege , Inden,‘••öder wenn ־:wir ־mancftinaHnj ׳־Bittackä gehen. Vergessen Sie nicht, wie kurz die Zeitspanne ist, seitdem wir in Palästina eine systematische Arbeit begonnen haben. Und verfallen Sie nicht in den Fehler, Enthusiasmus und letzte persönliche Hingabe bei den neuen Juden in Palästina gering zu schätzen. Es genügt nicht, daß wir als Volk in der Vergangenheit Verdienste hatten. Wir müssen uns auch in der Gegenivart die Achtung und Sympathie der Welt durch unsere Leistungen täglich neu erobern. Und ich kann mir kaum etwas denken, was dazu mehr geeignet ist, als die restlose Hingabe und Selbstlosigkeit, die unsere Chaluzim auszeichnen. Ich hoffe, daß eine gerechte gegenseitige Würdigung von rechts nach links und von links nach rechts eintreten wird, und daß wir in dieser von sozialen Kämpfen zerrütteten Welt ein lebendiges Beispiel einer Gemeinschaft geben können, in der diese Kämpfe auf ei« Minimum reduziert und das Glückgefühl des Einzelnen gesteigert wird. Größeres Vertrauen und größeres Verständnis von hüben und drüben, — das sind die Bedingungen, unter denen wir hoffen können, aut unserem Wege erfolgreich weiterzuschreiten und in Palästina ein jüdisches Gemeinwesen von hohem ethischen Werte zu begründen. (Stürmischer Beifall. Starke Ovationen für Dr. Ruppin, besonders auf der Linken.) Die Stellung des Misrachi Von Lazarus B a r 111, 111 den folgenden Ausführungen äußert sich ein Delegierter des deutschen M i s r a c h i zu der viel umstrittenen Haltung der Misrachi-Fraktion auf diesem Kongreß. Red. Die Bildung der Exekutive stieß auf diesem Kongreß auf besondere Schwierigkeiten, ln der Tagesordnung der Exekutive für den Kongreß war für Sonnabend, der. 2. September, nachts, den vierten Tag des Kongresses, die Bildung der Exekutive vorgesehen, im Gegensatz zu früheren Kongressen, bei denen die Exekutive erst am Schluß des Kongresses den Delegierten vorgestellt wurde. An dem in Aussicht genommenen Abend, auch an dem darauffolgenden Sonntag, konnte Weizmann noch keine Liste für die neue Exekutive der Beschlußfassung des Permanenzausschusses unterbreiten. Erst am Montag teilte Weizmann dem Permanenzausschuß mit, daß ein Dreierkollegium unter Führung des Rechtsanwaltes Sacher (Jerusalem) die palästinensische Exekutive darstellcn sollte, und zwar aut Grund eines besonderen wirtschaftlichen Programms, das diesem Kollegium sehr weitgehende Rechte in bezug auf die Verfiigung über die zionistischen Fonds einräumte, mit der Bedingung, daß die Flügelparteien in der Exekutive nicht vertreten seien. Es war klar, daß keine Gruppe sich in der Lage sah, sich ohne eingehende Beratung zu diesem, dem Permanenzausschuß völlig überraschend kommenden Vorschlag zu äußern. Der Misrachi hatte dazu Stellung zu nehmen, daß nicht nur in dieser Exekutive kein einziger Mann seines Vertrauens sitzen sollte, sondern daß auch für die ku 1 tu- Teilen und religiösen Interessen in diesem Kreis kein Verständnis vorausgesetzt werden konnte. Der Ursprungliehe Vorschlag der Exekutive wurde zwar insofern modifiziert, als an Stelle eines von der Exekutive zurückgezogenen Mitgliedes Frau Henrietta Szold vorgeschlageu wurde, die in religiösen Kreisen Amerikas mehr Vertrauen genießt. Dennoch erschien es bei dieser Sachlage dem Misrachi notwendig, von dieser Exekutive besondere Sicherungen dafür zu verlangen, daß den Forderungen des religiösen Judentums beim Aufbau des Landes Genüge geschehe. Die Verhandlungen nach dieser Richtung hin verliefen leider resultatlos. Der Misrachi mußte es ablehnen, Deklarationen früherer Kongresse in gleicher oder ähnlicher Form, mehr oder weniger feierlich von der Tribüne des Kongresses wiederholen zu lassen. Er war sich darüber Annahme des Palästina •Berichtes In Gent G en f, 11. September. (J.T. A.) Dem Völkerbundsrate lag gestern der Bericht der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes über das Ergebnis ihrer 11. Sitzung, in der die Angelegenheiten Palästinas behandelt wurden, vor. Der Rat stimmte den Ergebnissen des Kommissionsberichtes ohne jede Debatte zu. Der Rat beschloß, der britischen Regierung und der Bevölkerung Palästinas über die Erdbebenkatastrophe, von der Palästina im Juli d. J. heimgesucht wurde, das tiefste Mitgefühl auszudrücken. Verschärfung des Numerus clansts in Ungarn Die ״Frankfurter Zeitung“ berichtet aus Budapest vom 10. September: ״Der numerus clausus an den ungarischen Universitäten wird auch im nächsten Jahr streng genandhabt werden. An sämtlichen Fakultäten der Budapester Universität wurde die Zahl der Aufnahmeberechtigten mit 1752 Hörern festgestellt, wovon insgesamt 98 auf die jüdischen Hörer entfallen. Ganz besonders engherzig wurde mit den Hörem der medizinischen Fakultät verfahren. Von den hier aufnahmeberechtigten 782 Hörern dürfen nur 18 Juden sein. Auch an der zweitgrößten Universität Ungarns, Szegedin, befinden sich unter 150 Aufnahmeberechtigten an der medizinischen Fakultät nur zwölf Juden, trotzdem sich insgesamt für die leeren Plätze ungefähr 50 .Christen und 100 Juden angemeldet haben.“