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Jüdische Rundschau · 1927-08-23 · Heft 67 (23.8.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 67 (23.8.1927)
Date
1927-08-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Verlag Berlin W15, Melnekestrafie 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au«l*nd*»botraen1ent1 weiden in der Wihnraä der einzelnen Linder berechnet. Anzeigen •Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Nummer 67 | Berlin, 23. VIII« 1927 Afizelgeapreif s 8 fetpeltNonpercdleteQe 0,50 SteOengeeacbe 0,25 GJ4. AnzetgenzcUnB: Dienztsg and Freitag naehaittef 4 Uhr. Einzelnammer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392. Für Oeitemich: Poctiparkawenamt Wien, Konto Nr. ISS 030. Für Tachcchonlawakei: PotUp»rke11ca«mt Prag. Konto Nr. 59 410. Für Polen! PoiUparkauenamt Wärzchen, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ^!נ^אב^חח^^ Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten MelmstBtte In Palästina. ״Baseler Programm.** Die jüdische Rechtsschutz-Konferenz Zürich, 19. August. (J. T. A.) Den Vorsitz der Konferenz, die am 17. d. M. begann, führte Nahum Sokolow, der seine Begrüßungsansprache hebräisch begann, jiddisch fortsetzte und in deutscher Sprache beendete. Er sagte u. a.: Unsere Parole ist nicht Kampf, sondern Verteidigung der uns in den internationalen Verträgen zugesicherten Rechte. Wir haben im Jahre 1919 zusammen mit den Vertretern des amerikanisehen Judentums die Anerkennung der Rechte auch der jüdisohen Minderheiten durchgesetzt. Diese Rechte sind also verbrieft. Aufgabe des Völkerbundes ist es nun, die jüdischen Minderheiten ebenso wie alle anderen Minderheiten zu schützen. Wir fürchten nicht die Beschuldigung, daß wir einen ״Welt-Kahal“ bilden; die Offenheit und die Oeffentlichkeit unseres Auftretens müßten diese törichte Legende zerstören. Wir deklarieren offen unseren Patriotismus zu den Ländern, in denen wir wohnen, fuhr Sokolow fort. Es gibt Teile der Judenheit, die gegen diese Konferenz sind, weil sie als Landespatrioten internationale jüdische Beratungen nicht wünschen. Dieses Hervorkehren des Landespatriotismus verletzt das Ehrgefühl anderer Teile des Judentums, die in den Verdacht geraten, illoyal gegenüber ihrem Staate zu sein. Es ist in der Tat kein Kunststuck, Patriot eines Landes zu sein, in welchem man volle Bürgerrechte und Wohlstand genießt. Ein Kunststück ist es aber, Patriot eines Landes zu sein, in welchem die Juden ein Martyrium durchmachen; dennoch lieben auch diese Juden ihr Land. Sokölow begrüßte besonders herzlich die amerikanische Delegation und sagte, diese Konferenz stelle einen Völkerbund dar, an welchem auch Amerika teilnimmt, Genf müsse uns darum beneiden. Er begrüßte die Delegierten des Judentums Palästinas und nannte dieses Judentum die Krone der Diaspora. Die Gegner der Konferenz Nach Sokolow ergriff das Wort Leo Motzkin, der sich in temperamentvoller Weise mit den aus verschiedenen jüdisehen Kreisen gegen die Abhaltung der Konferenz laut gewordenen «Stimmen auseinandersetzte. Noch bevor man das Pro- 1ramni*der Konferenz festgesetzt hatte, wurden alle jüdischen ־' ־’"־״' Yoju: der:/, Amid# JisKttl, ־'bis . zum ״ sozialistischen )rdlfl^f^derj'ildischeh MSnner, daß sie. nicht allein Rechte für ttie Juden, sondern Rechte fflr Mil Minderheiten forderten. Jetzt umlaßt die Bewegung de r MI nd erheTteh vierzig Millionen Menschen. Die Juden aber, die zu dieser Bewegung den Anstoß gaben, sind in den Hintergrund, gedrängt worden, weil sie mangelhaft organisiert sind. Diese Konferenz wirf einen Zustand des moralischen Zwanges schaffen, daß alle an dem Werke mitarbeiten. Dr. Stephen S. Wise erinnerte in seiner kurzen, aber eindrucksvollen Ansprache, daß die Schweiz den ersten Zionistenkongreß aufgenommen hat und nun der ersten allweltlichen jüdischen Rechtsschutzkonferenz eine Stätte bietet. Die amerikanischen Juden bemühen sich seit langem, eine Zusammenarbeit der Vertreter des gesamten Judentams herbelzuführen. _ ׳ ׳ Geldhilfe Rinn das jadenprobiem nicht lösen,! '־#■ gjl # . '' . . יי hierzu isf,eine geschlossene nationale Aktion erförderlich. P|e Gegner der Konferenz in London, New York, Paris usw. bcd 1 enen tich d e r S p r a c h e d e r Antisemiten; sie haben nicht das Recht, gegen die anrüchigen. ״Protokolle der Weisen von Zion״ zu protestieren, wenn sie sich selbst die Argumente des ״Dearborn independent״ zu eigen machen. Der Zweck der Konferenz ist es, das Komitee der jüdischen Delegationen zu reorganisieren und zu rekonstruieren, damit es als Vertreter der jüdischen Minderheiten legitimiert erscheint. Der Redner rief zum Schluß alle jüdischen Richtungen zur Verteidigung der jüdischen Rechte auf. Es sprachen noch der palästinensische Delegierte M o s s i nson namens des Waad Leumi, Oberrabbiner Prof. Dr. C h a j e s namens der jüdischen Völkerbundliga in Oesterreich und Professor S. Du bn o w. Im Namen der Züricher Ostjuden- Gemeinde begrüßte Herr Sadinsky die Konferenz. Dann sprach Louis Ljpsky im Namen der Zionistischen Organisation Amerikas. Der‘ Schriftsteller Ch. D. Nomberg führte Klage darüber, daß die jiddische Sprache auf der Konferenz eine Zurücksetzung erfährt. Es wurde nun zur Wahl des Präsidiums geschritten. Zu Präsidenten wurden Nahum Sokolow, Leo Motzkin und Dr. Stephen S. Wise, zu Vizepräsidenten M. M. Ussisch- H n , Prof. C ha jes, Richter Hugo Päm, Max Steuer, Sejmdeputierter H. Farbstein, Richter Gustav Hartman und Prof. S. Du b n o w gewählt. Dubnow* Rede In der Nachmittagssitzung hielt Professor Simon Du bn 0 w seinen Vortrag über ״Alter und neuer Kampf um die jüdische Em anzipatio n“. Früher galt der Kampf ausschließlich der Erlangung von bürgerlichen Rechten, die Natio- ■ nalität wurde verleugnet; die russische demokratische Revohi- 1 tion des Jahres 1917 brachte die Mwna Charta der nationalen Rechte. Jetzt freilich sind die Millionen Juden in Rußland! 1 ebenso rechtlos wie die übrige Bevölkerung. Die Anerkennung {1 der jüdischen Minderheitsrechte in den Friedensverträgen bildet kl die letzte Form der Emanzipation. I * Nfeben dem parlamentarischen Kampf, fuhr Dubnow fort, “ 1 st eine internationale Aktion notwendig. Die westeuropäische Assimilation lehnte die Konferenz ab, weil sie das Wort üdi&hes ,Volk״ fürchtete. Die jüdischen Massen ihrerseits!er lehnen das Ansinnen ab, sie zu einer religiösen Gruppe zu stempeln. Er, Dubnow, sei, überzeugt, daß die alte Assimilatiohspolitik bankrott nachen, und.daß der nationale Gedanke siegen wird. Die unge Generation* wird national sein» Dubnow glaubt fest an die Zukunft des Völkerbundes und hält, darum die Schaffung einer Zentralinstanz für jüdische politische Aktionen für notwendig. Dr. Stephan S. Wise stellte der Konferenz Herrn A t k i n - son vor, einen Nichtjuden, Vertreter des amerikanischen Komitees zum Schutze der Rechte der religiösen Minderheiten. Atkinson, der eben von einer Studienreise durch Rumänien zurückgekehrt ist, begrüßte die Konferenz im Namen seines Komitees und sagte, die Judenfrage sei eine Menschlichkeitsfrage. Die Lage der Juden in Rumänien war unter der früheren Regierung äußerst schlimm, jetzt hofft man auf Besserung. Moizkfns Referat Leo Motzkin hielt einen Vortrag über europäische Minderheiten-Politik und führte aus, das Problem der Minderheiten sei ein weltbewegendes, es habe eine große Literatur gezeitigt. Die Juden spielen in dieser Bewegung eine kleine Rolle. Der Kampf der Minderheiten hat auf rechtlichem Gebiete große Erfolge gezeitigt, ln 13 Ländern werden die Minderheiten auf Grund internationaler Verträge geschützt. Die faktische Lage ist noch nicht zufriedenstellend, aber ohne Anlehnung an die internationalen Institutionen wäre sie viel schlimmer. Motzkin schildert ausführlich die Begrenzungen auf kulturellem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete, unter denen die Minderheiten in Rumänien. Litauen, Polen und Griechenland noch zu leiden haben. Er erwähnt mit Anerkennung das in Estland bestehende Gesetz über die Autonomie der nationalen Minderheiten. Redner glaubt an den sehließlichen Erfolg eines organisierten systematischen Kampfes um den Rechtsschutz und appelliert an das amerikanische Judentum, diesen Kampf zu unterstützen. Der zweite Tag der Konferenz zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten begann mit einem Referat Dr. Zewii Abersons, des Genfer Vertreters des Komitees der jüdischen Delegationen, über das Selbstbestimmungsrecht der Minderheitsnationen. Professor W i s c h n i a k hielt dann einen Vortrag über die bei dem Völkerbund bei Behandlung der Petitionen der nationalen Minterbeiten geübte Prozedur und gab seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß diese Prozedur sehr reformbedürftig sei. Dr. Margulies (Tschechoslowakei) referierte über die Zuspiwnenarbeit mit den anderen Minderheitsnationen und den ״' Ä^tlp1^s!וe1יו:'.paps^ןc:fc(s;ו»..Grgad|^AÄ“9'*^un,^ *hob:,die, be• Die Generaldebatte Zu Beginn der allgemeinen Aussprache polemisierte Tschernikow (Wilna) gegen Prof. Dubnow, der die Juden- Politik der Sowjetregierung ängriff. Die sozialen Maßnahmen der Sowjetregierung zur Hebung der wirtschaftlichen Position der jüdischen Massen bedeute den Beginn einer neuen Epoche der sozialen Emanzipation der Judenheit in Rußland. Der polnische Sejmdeputierte Dr.׳ Reich führte aus, der Zweck der Konferenz ist nicht der Kampf gegen irgendeinen Staat, sondern die Verteidigung der jüdischen Rechte, wo sie verletzt werden. Der Delegierte der palästinensischen Völkerbundliga M. M. Ussisc h kin protestierte in scharfer Form gegen die Art, wie Tschernikow die jüdische Lage in Sowjctrußland dargestellt hat und schilderte das tragische Schicksal der drei Millionen russischer Juden, denen jede Entwicklung in jüdischem Sinne verwehrt ist. Als letzter Redner führte der Deputierte des pölniseben Seim, Grünbaum, aus, daß der Sinn dieser Konferenz nicht die Austragung innerjüdischer Streitigkeiten sei, sondern die Schaffung eines zentralen,' auf demokratischer Grundlage und mit Beteiligung der Juden Amerikas zu begründenden Organisationsfonds, der den Juden in den Ländern mit Minderheiten besonders in Osteuropa einen Rückhalt bieten soll. Man schritt hierauf zur Wahl der Kommissionen. Es wurden fünf Kommissionen eingesetzt, die den Nachmittag über bis 9 Uhr abends tagten. Erst in später Abendstunde wurde die Generaldebatte fortesetzt. Der Deputierte Federbusch sprach mit Aner• ennung von den Leistungen des Komitees der jüdischen De■ legattonen > in Paris und polemisierte scharf gegen die Schul■ Politik der Jiddischisten. Der Deputierte des lettländischen Sejm Rabbiner Nurok klagte jene Organisationen an, die sich der Konferenz fernhalten, betonte die Bedeutung der Arbeit des Komitees der jüdischen Delegationen und würdigte die besonderen Verdienste Motzkins. Die Regierungen in Estland und in Lettland — berichtete er weiter — subventionieren in einem weiten Ausmaße die jüdischen Schulen. Der Delegierte des Weltbundes der jüdischen Jugend in Paris, Zlatopolsky- Zürich, betont die Notwendigkeit, die nationale jüdische Jugend in Westeuropa zu unterstützen, um so der Assimilation entgegenzuarbeiten. Der Schriftsteller Ch. D. Nomberg legt die Ideologie der Folkisten (Jüdische Volkspartei) dar und führte aus, die Folkisten erstreben die Stärkung und Anerkennung der jiddischen Sprache und die Berufsumschichtung der jüdischen Massen in Osteuropa. Obwohl die Folkisten Gegner des Bolschewismus sind, begrüßen sie die Kolonisation von Juden in Sowjetrußland. Der Sprecher des jüdischen Nationalrats in Pa'ästina, Dr. Mossinsohn, wies auf die hohe Bedeutung hin, die das jüdische Palästina heute schon für die jüdischen Minderheiten in der Diaspora besitze. Als kulturelles Zentrum unterstützt Palästina die Forderung aller jüdischen Minderheiten nach eigenem kulturellen Ausleben. Mossinsohn forderte das neu zu schaffende Zentralorgan auf, sich energisch für die ihrer Ueber׳ zeugung wegen in Sowjetrußland verfolgten Zionisten einzusetzen. Dr. Schaba d (Polen) ermahnte die Konferenz, auch der 600000 jüdischen Kriegsinvaliden nicht zu vergessen. Der Sprecher der amerikanischen Delegation, Chefredakteur Jacob Fi sh mar», führte aus: Als Grünbaum in Amerika weilte, forderte er uns amerikanische Juden auf, an den Aktionen zum Schutze der jüdischen Rechte teilzunehmen. Wir antworteten bejahend und kamen zu der Konferenz, die nicht eine Zusammenkunft von Unterstützenden oder Unterstützten ist; wir sind hier, um brüderlich die Arbeit von 1919 fortzusetzen. Die amerikanischen Juden wollen an der Schaffung des Zentralorgans zur Verteidigung der Rechte der jüdischen Minderheiten mitwirken. k! Ein erstaunlicher Bericht In Berlin existiert ein ״Deutsches komitee zur* Bekämpfung des h a n d e 1 s״, das seiner Anschrift und Art des Auftretens nach offenbar National- Mädchenseiner besonderen eine halbamtliche oder halboffiziöse Stelle ist. Dieses Komitee hat im November v. J. eine Grenzbereisung nach Deutsch- und Polnisch-Oberschlesien veranlaßt, über den uns ein vertraulicher Bericht vom 1. Februar d. J., gezeichnet vom Schriftführer Herrn Regierungsrat Dr. Ku nd t, vorliegt. Dieser Bericht ist nach vieler Richtung hin erstaunlich, er stellt auf dem Gebiet der Angabe und Zusammenstellung von unbeweisbaren oder gar nachweisbar falschen Behauptungen über ״Ostjuden“ eine Höchstleistung dar. Denn dies zunächst: Der Bericht des Anti-Mädchenhandelskomitees ist eine umfangreiche Darlegung über -die Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland. Er erwähnt keinen einzigen Fall von Mädchenhandel. Es ist den eifrigen Herren auch nicht geglückt, nur einen einzigen Fall von Bestrafung irgendeines über die Grenze kommenden Menschen wegen irgendwelcher Delikte, die mit Mädchenhandel in Bo• Ziehung stehen könnten, festzustellen. Die Aufgabe des Komitees wäre also gewesen festzustellen, daß sich bei ihrer Grenzbereisung nichts ergeben hat, was dem Komitee Veranlassung zu Denkschriften über die Grenzgebiete im Osten Deutschlands geben könnte. Aber da auch dieses Komitee Beschäftigung haben will und muß, macht man frisch-fröhlich eine Denkschrift über Ostjudeneinwanderung. Um diesen Bericht zu verfassen, brauchte Herr Regierungsrat Dr. Kundt wahrlich nicht nach Ober- Schlesien zu fahren. Der Bericht ist im wesentlichen eine Zusammenstellung von Behauptungen über Ostdie irgendwann und irgendwo veröffentlicl|t wh®•/ Verfasser zitiert u. a. ganz richtig die DenksehÄft des?' Reichsministeriums des Innern aus dem Jahre 1922, wonach in den Jahren 1918/20 mindesten! 60 WO Ostjuden nach Deutschland gekommen sind. Er fügt aber hinzu, daß für das Jahr 1923 die Gesamtzahl der eingewanderten Ostjuden ״von sachverständiger Seite auf 400000 angegeben“ wurde. Wer ist diese sachverständige Seite? Welcher Gewährsmann hat dem Geschäftsführer dieses Komitees diesen hane- büchenen Unsinn aufgebunden? Bei wem hat sich Herr י׳ Dr. Kundt orientiert, ehe er eine derartige Behauptung in die Welt setzt? Folgerichtig gibt dann Herr Dr. Kundt weiter an, daß wir zurzeit in Deutschland nodh 100000 nach dem Kriege eingewanderte Ostjuden haben. Das Volkszählungsergebnis aus dem Jahre 1925 ergibt, daß die Gesamtzahl der Juden in Deutschland, ge* messen an der Zahl vor dem Kriege, von 535000 auf 564000 gestiegen ist. Damit bleibt die natürliche Vermehrung der Juden hinter der natürlichen Vermehrung der Nichtjuden über 2 ״/o zurück. Es entsteht die Frage, in welchen Schlupfwinkeln und Höhlen die offenbar von der Volkszählung nicht erfaßten Ostjuden des Dr. Kundt sich aufhalten. Herr Dr. Kundt muß aber nachweisen, daß die Einwanderung der Ostjuden nach Deutschland etwas mit Mädchenhandel zu tun hat. Und so berichtet er von Menschenschmuggel in Oberschlesien. Herr Dr. K’-mdt gibt u. a. an, daß allein in Breslau in den ersten zehn Monaten 1926 44 ostjüdische Menschenschmuggler festgestellt wurden. Er fügt dann hinzu, daß alle diese Menschen wegen Paßvergehens bestraft wurden. Woher weiß Herr Dr. Kundt, daß diese wegen Ueberschreitung der paßpolizeilichen Vorschriften mit irgendwelchen leichten Strafen belegten Personen ״Menschenschmuggler“ waren? Wir stellen demgegenüber fest, daß auch diese Behauptung des Herrn Dr. Kundt völlig erf u n d e n ist. Aber Herr Dr. Kundt verrät auch den Grund, warum diese gefährlichen Menschen nur wegen Paßvergehens bestraft wurden. Er behauptet nämlich, daß ״in der Rege! die jüdische Arbeiterfürsorge in den Fällen der Festnahme derartiger Leute mit Geld und Anwälten eingreift, um ihren Glaubensgenossen zu heifen“. An diesem Satz erkennt man, in welch unerhört leichtfertiger Weise sich der wahrscheinlich gutgläubige Herr Dr. Kundt informieren ließ. Die Verhandlungen im Preußischen Landtag über die Ostjudenfrage hätten Herrn Dr. Kundt darüber informieren können, daß das Preußische Ministerium des Innern über die Tätigkeit des Arbeiterfürsorgeamts bis ins einzelne informiert ist. ln diesen Verhandlungen kam z. B. zur Sprache, daß die wenigen Menschenschmuggel- Prozesse, die in Preußen stattgefunden haben, nämlich I Prozesse in Oberschlesien, zum wesentlichen Teil auf \\m /־ V-״' ׳.% •יי; ■'<'; X ' ’ ■ ־ _ § .! י י־’ . •י ' ' *1 •■־•• 1 ' '•״•.■־ ־ ’ ■ד. *י ־ ■* * ־׳ י . ׳* . jL

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