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Jüdische Rundschau · 1927-08-16 · Heft 65 (16.8.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 65 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 65, 16.Vm.1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 4M stiiuten und Organisationen, an die Umstellung des Budgets ist eine Notwendigkeit. Noch wichtiger als das finanzielle Ergebnis ist die psychologische Rückwirkung dieser Maßnahmen auf die Bewegung, die unzweideutig fordert, daß der Verwa Itun gsapparat und die Beamtenschaft dem Geist einer Bewegung entsprechen, die unter härtesten Bedingütigen, mit ungenügenden Mitteln unter Einsatz des Lebens und der Kräfte von Zehntausenden um den Aufbau des nationalen Heims für die Juden kämpft. Dieser Art sind die Erwägungen, die nach der Uebcrzeugung der Hitachduth-Partei der 15. Zionistenkongreß zur Richtschnur seines Handelns für die Regelung der zionistischen Arbeit in den nächsten Jahren machen soll. Es ist ein Versuch, nicht an Wunder zu glauben und nicht das Unmögliche zu wollen, aber auch nicht zu versagen und sich nicht dem Trägheitsgesetz unserer Methoden und unserer Institutionen zu beugen, unser Werk kann nur gelingen, wenn wir den Mut haben, den Tat- Sachen furchtlos ins Gesicht zu sehen, entschlossen, Konsequenzen aus ihnen zu ziehen, die sachliche Aufgabe über alles zu stellen. Die Minderheiienbewegung Zum 3. Genfer Nationalitätenkongreß. Von Dr. Rudolf Levy. Die Neuordnung der Staatenwelt durch die Friedensvertrage, die den Weltkrieg beendeten, stellte die Staatsmänner vor die Aufgabe, zu verhindern, daß die Durchführung des Selbstbestimmungsrechfes der Völker zu einem großen Unrecht wurde. Denn es zeigte sich, daß vor allem nt Europa die Nationalitäten derart vermischt sind, daß auch in nationalen Staaten größere und kleinere Volksmassen Zurückbleiben, die zu einer anderen Nationalität gehören, und daß auch die restlose Durchführung des Selbstbestimmungsrechtes das nationale Problem nicht aus der Welt schaffen würde. Diesen Minderheiten mußte ein wirksamer Schutz gewährt werden, um ihnen das Recht auf ihre Nationalität gegenüber aggressiven Tendenzen der Mehrheitsnation zu sichern. Es entstanden damals die Minderheitenschutzverträge, deren Durchführung der Aufsicht des Völkerbundes unterstellt wurde. Das völlig unzulängliche Beschwerdeverfahren sowie der von politischen Interessen beeinflußte Charakter des Rates — siehe die ausgesprochen minderheitsfeindlichen Aeußerungen Mello F ran cos und Chamberlains auf der 37. Ratstagung — haben es mit sich gebracht, daß die Rechte der Minderheiten geschmälert werden konnten, ohne daß die Möglichkeit wirksamer Abwehr vorhanden war. Die Schutzverträge wurden von den betroffenen Staaten — die Hauptmächte hatten keine derartigen Verpflichtungen übernommen — vielfach als ein Eingriff in ihre Souveränität angesehen. Die Verpflichtung zur staatsrechtlichen Gleich- Berechtigung wurde durch VcrwaltungsmaRnahmcn, Agrarreformen, Wahlgesetze usw. umgangen. Allerdings war es der türkischen Regierung Vorbehalten, die jüdische Minderheit offen zum Verzicht auf die ihr aus dem Lausanner Vertrage zustehenden Minderheitsrechte zu veranlassen. Diese Entwicklung veranlaßte alle an dieser Frage interessierten Faktoren, auf eine Aenderung hinzuwirken. So beschäftigte sich der internationale Kongreß der Völkerbundsligen ln Berlin ausführlich mit dem Minderheitenproblem, jedoch hatten die starken Gegensätze, die bei Erörterung der Lage der Juden in Rumänien und der Deutschen in Südtirol in aller Schärfe hervortraten, eine Vertagung auf den Herbst zur Folge. Und die Wiener Tagung der International j> Law Association, die üb« -Stoßen Einfluß . in .offiziellen Kreisen verfugt, faßte im vorigen Jahre wichtige Beschlüsse zur Verbesserung des Beschwerdeverfahrens, aie vor allem eine größere Publizität, die Heranziehung der Minderheiten selbst und die Anrufung des Haager Internationalen Gerichtshofes zum Gegenstände hatten. Von besonderer Bedeutung war es jedoch, daß die Minderheiten sich veranlaßt sahen, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen. Nach guter Vorbereitung hatten die Minderheitenführer im Oktober 1925 in Genf den Versuch unternommen, auf gemeinsamer Grundlage Fragen der allgemeinen Minderheitenpolitik zu klären und in einem ״Kor.- greß der organisierten nationalen Gruppen in den europäischen Staaten“ ein Forum zu schaffen, von dem aus die europäische Oeffentlichkeit über die Bedeutung und den Stand der Minderheitenfrage unterrichtet werden konnte. Neben den Deutschen, die als stärkste Gruppe sich in besonderem Maße für das Zustandekommen des Kongresses eingesetzt hatten, lieferten vor allem die jüdischen Delegierten wichtige Beiträge zur Diskussion. Die Vertreter eines Volkes, das seit 2000 Jahren immer und überall in der Minderheit ist, und keine in eigenem Staate organisierte Mutternation hat, mußten naturgemäß ein besonderes Interesse an einer wirksamen Gestaltung des Minderheitenschutzes haben. Den Gegenstand der Erörterungen bildete vor allem der Grundgedanke der nationalen Toleranz, über die der deutsche Delegierte Dr. Schiemann referierte, und ferner die Bedeutung der kulturellen Autonomie für die Erreichung des nationalen Friedens, worüber die jüdischen Delegierten.Nurok und Dr. Robinson berichteten. Die Ergebnisse dieser ersten Minderheitentagung wurden in Re-;olutionen zusammengefaßt, die die allgemeinen Grundsätze für die Richtung der Minderheitenbewegung enthalten. Fm vorigen Jahre wurde der zweite Nationalitätenkongreß in Genf abgehaften, der, ausgehend von den auf dem ersten Kongreß festgelegten allgemeinen Grundsätzen, einzelne Fragen der Minderheiten zum Gegenstände der Verhandlungen hatte. Auf der Tagesordnung standen die Fragen der Sicherung der national-kulturellen Entwicklungsfreiheit, der Sprache, der wirtschaftlichen Gleichberechtigung, des Staatsbürgerrechtes, des Wahlrechts und der Regelung der zwischen Regierungen und Minderheiten entstehenden Strei-!igkeiten. Einen Höhepunkt bildete wiederum das Referat des deutschen Abgeordneten Dr. Paul Schiemann. Er forderte die grundsätzliche Trennung von Staat und Nationalität und dementsprechend innerhalb der Staaten ein positives Recht des Volkstums, das die Freiheit jeder nationalen Kulturpflege im Staate sichert. Bemerkenswert war die Fest- Stellung, daß der Völkerbund als ein Bund von Staaten nicht dazu geeignet sei, rechtliche Bindungen zwischen den Staaten und ihren Bürgern zu schaffen. Obgleich das Völkerbunds- Sekretariat durch den Leiter seiner Minderheitenabteilung vertreten war und im Verlaufe der Debatten die Hoffnung auf eine wirksamere Gestaltung des Minderheitenschutzes durch den Völkerbund ausgesprochen wurde, wird man diese grundsätzliche Bemerkung Schiemanns als ein Zeichen dafür insehen müssen, daß die Führer der Minderheitenbewegung auf Grund der bisherigen Erfahrungen den Maßnahmen des Völkerbundes nicht allzu vertrauensvoll gegenüberstehen und entschlossen sind, unabhängig von der weiteren Entwicklung der Minderheitenfrage im Völkerbunde, innerhalb ihrer Staaten das Recht der Minderheit mit allem Nachdruck zur Geltung zu bringen. Stürmischen Beifall fand die Bemerkung Motzkins, der Nationalismus müsse dadurch seine Echtheit beweisen, daß er Verständnis nicht nur für die eigene, sondern such für die anderen Nationalitäten zeige. Im weiteren Verlaufe lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Juden als das älteste und typische Minderheitsvolk. Aus der intensiven Beteiligung der jüdischen Delegierten an den Arbeiten des Kongresses und aus dem großen Interesse, das ihren Ausführungen allerseits entgegengebracht wurde, ergeben sich erfreuliche Perspektiven für die zukünftige Entwicklung. Im übrigen wurden die erwähnten praktischen Fragen eingehend behandelt. Als Referenten beteiligten sich von jüdischer Seite vor allem die Delegierten Nurok und Dr. Margulies. Der dritte Nationalitätenkongreß, der vom 22.-24. August d. J. in Genf tagen wird, hat wieder Fragen von allgemeiner, grundsätzlicher Bedeutung auf seine Tagesordnung gesetzt. So soll das wichtige Problem der Staatssouveränität in ihrem Verhältnis zum Minderheitenrecht behandelt werden. Mit Interesse wird man auch den Verhandlungen über die Gcfährdung des europäischen Friedens durch nationale Intoleranz, über die Zusammenarbeit der Nationalitäten und über die Spraehenfrage folgen. Von erheblicher praktischer Bedeutung ist auch die schwierige Frage der Bestimmung der Zugehörigkeit zur Nationalität und einer brauchbaren Minderheitenstatistik, fm ganzen verspricht auch der diesjährige Kongreß eine erfreuliche Förderung der Minderheitenfrage. Will man die Bedeutung der Minderheitenbewegung würdigen, so wird man sie mit den anderen Versuchen, die allgemeine Lösung der Minderheitenfrage herbeizuführen, vergleichen müssen. Daß der Völkerbund, auf den man zunächst die größten Hoffnungen in dieser Richtung gesetzt hatte, durch politische Rücksichten, durch ein langwieriges Verfahren und durch die fehlende Rechtsfähigkeit der Minderheiten selbst bisher gehindert wurde, sein Patronat über die nationalen Minderheiten mit der erforderlichen Wirksamkeit auszuüben, wurde bereits oben betont. Aber auch die privaten Organisationen, die sich mit erfreulichem Eifer eine wirksame allgemeine, grundsätzliche Regelung des Minderheitenschutzes zur Aufgabe gemacht haben, konnten bisher noch nicht die wünschenswerten Erfolge erzielen. Die Minderheitenbewegung nun griff das Problem von einer anderen Seite an. Ohne die Bedeutung des Minderheitenschutzes durch den Völkerbund zu verkennen, hielten es die Minderheitenführer für erforderlich, die Schwierigkeiten, die sich für eine alle m e i n e Regelung des Minderheitenschutzes vor allem aus em Bemühen eifersüchtiger Wahrung der Souveränität der neuen Staaten ergaben, dadurch zu überwinden, daß man, ausgehend von den Minderheitsfragen des einzelnen Staates, durch gemeinsame Feststellung der minderheitspolitischen Grundlagen die Richtlinien für die Politik der einzelnen Minderheiten gab und durch die Veranstaltung des Kongresses zugleich den Willen der Minderheiten zur Durchsetzung ihrer natürlichen Rechte kundtat. Damit war der Weg be- Schriften, der es den Minderheiten ermöglichte, mit allem Nachdruck in ihren Staaten die den besonderen Verhältnissen jeweils entsprechende Politik zu treiben, eine Politik, die in ihren Grundlinien vom Nationalitätenkongreß festgelegt war und auf den Erfahrungen und Kenntnissen aller Minderheiten beruhte. Daß man hier auf dem richtigen Wege ist, bewiesen die Erfolge der Minderheiten in der estnischen Strafkodexkommission und der Eintritt der Deutschen in die Regierung der Tschechoslowakischen Republik. Ungeachtet der Notwendigkeit einer mit allem Nachdruck zu betreibenden Verbesserung des allgemeinen Minderheitenschutzes durch den Völkerbund, wird man von dem Erstarken der Minderheitenbewegung wirksame Förderung des Nationalitäten- Problems und damit Heilung dieser ״Krankheit Europas“ erwarten dürfen. Verlegung der Büros der Exekutive nach Basel Die Zionistische Exekutive teilt mit: Es wird bekannt gegeben, daß die Büros der Exekutive mit dem 22. August 1927 für die Zeit der Kongreßdauer nach Basel verlegt werden. Alle Briefe und sonstige Sendungen, die die Exekutive noch vor dem 22. erreichen können, sind an die gewöhnliche Adresse, 77, Great Russell Street, London, W.C. 1 (Telegramm-Adresse: Zioniburo, London) zu schicken. Dagegen sind alle spätere Sendungen an die Exekutive der Zioni tischen Organisation, Mustermesse Basel, Schweiz, zu senden. Die Telegramm-Adresse für Basel lautet: Congre/ian. Basel. Die Hauptwahlkommissionen werden hierdurch aufgefordert, die Ergebnisse der Kongreßwahlen unter gleichzeitiger Einsendung■ der Protokolle und sonstigen Dokumente unverzüglich der Exekutive in London mitzuteilen. Schriftstücke, die sich auf Kongreßwahlcn beziehen und die die Exekutive bis zum 22. August in London nicht mehr erreichen können, sind an die obige Adresse nach Basel zu senden. Wichtige archäologische Entdeckungen bei Tel-Awiw Jerusalem, 12, August. (J.T. A.) Bei Ausgrabungen am Napoleonsberge in der Nähe von Tel-Awiw wurden Reste einer alten Stadtmauer und eines Tores sowie uralte Gefäße, die aus verschiedenen Perioden stammmen, einige sogar aus der Zeit Abrahams, entdeckt. Der Napoleonsberg wurde vor kurzem von J. L. Goldberg in Tel-Awiw zwecks archäologischer Forschung von der Regierung erworben. Seinen Namen hat der Berg aus dem Jahre 1799, da er den uapolconischen Truppen in Palästina als Feldlager diente. Der Kampf gegen die Toten Köln, 12. August. (J. T. A.) In Essen wurde auf dem dortigen alten jüdischen Friedhof von bisher unbekannten Tätern eine unglaubliche Verwüstung angerichtet. Grabsteine wurden umgeworfen und Umfriedungen zerstört. Die jüdische Gemeirute setzte eine Belohnung von 500 Mark für die Ergreifung der Täter aus. Es ist dies seit 2u> Jahren die 42. Friedhofsschändung in Deutschland. ' Jabolinski und Torres Paris, 11. August. (J.T. A.) Wladimir Jabot insky hatte in einem im ״Rassw'.et“ erschienenen Artikel den' Advokaten Henry Torres wegen seiner Sympathie für das Sowjetregime als einen ungeeigneten Verteidiger Schalom Schwa r zbarts bezeichnet und mindestens die Hinzuziehung eines zweiten Verteidigers gefordert, ln einem Gespräch mit Presse- Vertretern gab Torres seinem Erstaunen über Jabotinskvs Auffassung Ausdruck und sagte, er sei Advokat und habe die Pflicht, seine Klienten auf die beste Art zu verteidigen; man habe aus der Art, wie er vor kurzem einen Kommunisten verteidigt hat, absolut nicht auf seine allgemeine Gesinnung zu schließen. Was den Prozeß Schwarzbart betrifft, führte Torres weiter aus, so hat derselbe nichts mit Politik zu tun; es handelt sich um den Rache- und Protestakt einer glühenden Seele gegen grauenvolle barbarische Taten, die gegen Juden verübt worden sind. Es handelt sich um eine jüdische Sache und mir als kämpfendem Juden ist sie nicht fremd. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sagte Torres, er werde die Ladung von etwa 50 Zeugen beantragen, insgesamt werden etwa 100 Zeugen verhört werden, der Prozeß wird ungefähr zehn Tage in Anspruch nehmen. Das Aktenmaterial häuft sich zu Bergen; selbstverständlich wurde alles, was die Rolle Petljuras und seiner Unterführer bei den Judenpogromen betrifft, zu den Akten gegeben. Schalom Schwarzbart und ich, sein Verteidiger, sehen dem Prozesse im Bewußtsein, daß das Recht auf unserer Seite ist, mit Ruhe entgegen. Ich werde auf Freispruch plädieren und hoffe auf den Freispruch. Kleine Nachrichten Jerusalem, 10. August. (I. T. A.) Die zionistische Exekutive hat mit der Regierung Palästinas ein Abkommen getroffen, demzufolge russische Juden, die bereits im Besitze von Palästinavisen sind, nach Palästina kommen dürfen, ungeachtet dessen, daß die Beziehungen zwischen Großbritannien und Sowjetrußland abgebrochen sind. Tel-Awiw, 11. August. (J.T.A.) Colonel Symes wohnte der Promotionsfeier des Gymnasiums zu Tel-Awiw bei und verteilte Diplome unter den Promovierten. In seiner Ansprache rühmte er das jüdische Erziehungswerk in Palästina und sagte, nur Geldmangel hindere die Regierung, ihren Beitrag für dieses Werk zu erhöhen. Die Zahl der Geburten in Tel-Awiw betrug im Monat Ijar (Mai) 1927 125 (gegenüber 155 im Jahre 1926) und 135 im Monat Siwan (Juni) (gegenüber 168 im Jahre 1926). Ende Juli haben in Afuleh die Wahlen zum Verwaltungsrat der in der Entwicklung begriffenen Stadt Afuleh stattgefunden. Die Wahlen, an denen sieh 88 <0/י der Wahlberechtigten beteiligten, ergaben die Wahl von 8 Vertretern der Arbeiter, 4 Vertretern der Bürgerlichen und 2 Vertretern der Handwerker. (Ziko.) Die Konsumgenossenschaft ״H a m a s c h b i r“ hat eine regelmäßige Automobilverbindung zwischen dem Emek und Haifa eingerichtet, die nach Mitternacht von Beth Alpha abgelit, die Siedlungen T e I Josef und Kfar Jecheskel berührt und die Milchproduktion dieser Wirtschaften am frühen Morgen nach Haifa bringt. (Ziko.) in der hebräischen Fachschule in Tel-Awiw werden gegenwärtig durch die Lehrerorganisation polytechnische Fortbildungskurse veranstaltet. Von ihnen beschäftigt sich der eine mit dem Elektrizitätswesen, der andere mit dem Bauwesen. In diesen Tagen wird Prof. Nahum Slousch, der bekannte Archäologe und hebräische Schriftsteller, auf. eine vierzigjährige literarische und wissenschaftliche Tätigkeit zurikkblicken können. Czernowitz, 12. August. (J. T. A.) In dem Eisenbahnzuge, der zwischen den Kurorten Dorna und Jakobeny verkehrt, überfielen Hakenkreuzler sämtliche jüdischen Reisenden und mißhandelten sic schwer. Einige der Mißhandelten mußten in schw'crvcrlct/tem Zustande in das Krankenhaus überführt werden. In dem Kurort Dorna selbst haben 30 hier in einem Heime untergebrachte Studenten aus Altrumänien die jüdischen Kurgäste einige Tage hindurch terrorisiert. Mehrere verletzte Kurgäste mußten ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Das hebräische Zentralorgan der Zionistischen Weltorganisation ״Haolam“ wird während des XV. Zionistenkongresses zweimal wöchentlich als Sonderausgabe mit Berichten über den Zionistenkongreß erscheinen. Bestellungen auf diese Kongreßausgabe sind an die Administration des ,,Haolam“ in London oder an seine Agenturen in den einzelnen Ländern zu richten. Bandestag des J.J.W.B. Von einem Teilnehmer. Der diesjährige Bundestag des J. J. W. B. fand vom 31. Juli bis 2. August in Voeni bei Kassel statt. Vor dem Bundestag wurde ein zehntägiges Lager veranstaltet, an dem über 50 Jüngere aus verschiedenen Orten teilnahmen. Auch der Bundestag war charakterisiert durch die große Zahl der Jüngeren, während die Gesamtzahl — ca. 450 — wegen der Erntezeit und großer Entfernung des Tagungsortes unter der Zahl des Vorjahres blieb. Als Gäste nahmen an diesem Bundestag zum erstenmal die Berliner ״Zopliim“ teil, die mit dem Berliner J.J.W.B. in Form einer Arbeitsgemeinschaft in Verbindung stehen. Die Eröffnungsfeier am Sonntag abends wurde durch Chorgesang einer Berliner und einer Kölner Gruppe eingeleitet, in seiner Ansprache hob Georg Lubinski vor allem die schwere Stellung der zionistischen Jugendbewegung, den Kampf gegen überhandnehmende Erschlaffung und Apathie hervor. — Der nächste Tag wurde eröffnet durch ein Referat von Mardtik Schattner über die gegenwärtige Lage in Erez-Israel, Ursachen der Krise, Lage aer Arbeiter- Wirtschaft und Kongreßfragen. Es folgten Begrüßungen: Dr. Franz Mayer-Frankfurt a. M. für den N.-F., Rudel für die Poale Zion, Bergmann für den Techelet-Lawan (Tschechei), Kuschnir für den Hechaiuz, schriftlich die Z. V. f. D. (die bedauerte, keinen Vertreter schicken zu können), Kulturausschuß der Z. V. f. D., S. Schocken-Zwickau, Hapoel-Hazair, Blau-Weiß-Praktikantenschaft u. v. a. Nachher verteilten sich die Aelteren in drei Arbeitsgemeinschaften, und zw׳ar Jungführer-, Aelterenerziehungs- und Palästina-Arbeitsgemeinschaft. Die Jüngeren begannen bereits an diesem Tage die sportlichen Wettspiele. Am Abend vereinigte die Berichterstattung alle Teilnehmer über die geleistete Arbeit der Arbeitsgemeinschaften. Aus den Berichten der Jungführer wären zu erwähnen die Fragen der Erziehungsformen und ihre Beziehungen zum /ion.-soz. Inhalt des Bundes, der Jimgereiizeitschrift, der Nadelfrage, des Führerlagers im Winter 1928. Aus der Palästina-Arbeitsgemeinschaft die Aussprache über die Lage des Zionismus und der Arbeiterschaft, über Jugend- und Chaluzbewegung des Auslandes, ein Referat von Mosche ßrachmann (Chalu/zentrum Hameln) über ״Hachschara kibbu* zit“ und die Aussprache über die Fragen einer Lehrsiedlung des Deutschen Hechaiuz. Aus der Arbeitsgemeinschaft für Acltcrcncr/ichung die Aussprache über Bund und Politik, politische Orientierung der Aelteren und die Fragen der Erziehungsarbeit in Aeltcrengruppcn, sowie eine ausführliche Debatte über Organisierung der Aelterenschaft im Bunde. Der letzte Tag war den sportlichen Wettkämpfen und Spielen gewidmet. Nachmittags wurde der Film ״Unsere Jugend in Erez-Israel“, der vom K. H. zur Verfügung gestellt wurde, vorgeführt. Der Film löste helle Begeisterung aus, die sich noch steigerte, als Chawerim des J. J. W. B. bei ihrer Arbeit in Erez im Film sichtbar wurden. Am Schluß des Films wurde der Wichtigkeit der nationalen Fonds Erwähnung getan und der Pflichten der Jugend gegen sie. Der Abend brachte eine Aufführung von ״Jaakobs Traum“ im großen Saale der Voehler Jugendherberge. Nach der Aufführung formierte sich der Zug zum Steinbruch, dem Orte der Scnltißfeicr. Sie wurde eröffnet durch einen Schonlankschen Sprechchor. Gesang und Tanz, ״niggunim“ und ,,horrahs“ hielten die Chawerim bis zum Morgengrauen beisammen. Dieser Bundestag hat in seinem sachlichen Teil und in der Stimmung, die alle beherrschte, gezeigt, daß der J. J. W. B. sich in einer Periode der Erweiterung und der inneren Stärkung befindet. Trotz der Krise im Lande lind trotz der Apathie, die ihn in Deutschland umgibt. Die Aussprache nach den Berichten hob noch die Wichtigkeit einiger Punkte hervor, wie Führerlager, Schaffung einer gemeinsamen Monatsschrift der westlichen Jugend- und Chaluzverbände usw׳. In die neue Bundesleitung• wurden gewählt: Georg Lubinski, M. Schattner und A. van der Walde.

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