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Jüdische Rundschau · 1927-07-29 · Heft 60 (29.7.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 60 (29.7.1927)
Date
1927-07-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,30 Goldmark UDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekeatraß« 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AtxlandetbonnemenU werden in der Wshruni der einielsen Linder berechne(. Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.lt) Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165™ 70. Postscheckkonto: Berlin Nr, 17392• Für Oesterreich: Posiaparkassenamt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen 1 Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschiaß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 60 | Berlin, 29. VII. 1927 Anzeigenpreis? 3 gespalbNonpareillezetle 0,50 G׳-M״ Stellengesuche 0,25 G.-M, Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr, כ״ט תמוז- תרס״ז I xxxii. jahrg. Der Zionismus erstreb! für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.*• Finanzpolitische Fragen Unser Programm Von Dr. Moritz Bileski Die Regierung erhöht den Schulbeifrag - Rückgang des Keren üalessod Wie uns aus Palästina von gut informierter Seite mitgefeilt wird, hat die Palästina-Regierung sich bereit erklärt, die Regierungssubvention für das jüdische Schulwesen auch für das jetzt ablaufende Budgetjahr auf £20 000 zu erhöhen. Bekanntlich hatte die Regierung für dieses Jahr eine Subvention von £ 10 000 bewilligt, während für das nächste Jahr £ 20 000 budgetiert worden sind. Die Regierung hat nun auf Grund der fortgesetzten Verhandlungen und infolge der Bemühungen der zionistischen Exekutive ihre Zuwendung auch für das vergangene Jahr nachträglich erhöht. Die Regierung tat dies offenbar in Würdigung der schwierigen Situation der zionistischen Exekutive, die durch das Arbeitslosenproblem entstanden ist. Durch die Bedürfnisse der Arbeitslosen sind die finanziellen Mittel der Exekutive so sehr in Anspruch genommen, daß die Exekutive ihren laufenden normalen Verpftichtungen nicht nachkommen konnte. Aus diesem Grunde sind auch die Gellälter an die Lehrer seit mehreren Monaten nicht ausgezahlt worden. Die ganze zionistische Welt weiß die außerordentlichen Nachteile dieser Situation und insbesondere die prekäre Lage der Lehrer zu würdigen. Die Exekutive befindet sich aber in einer Zwangslage. Wenn auch alle Kräfte der zionistischen Politik im gegenwärtigen Moment darauf gerichtet sein müssen, die Exekutive aus dieser Lage zu lkfreien und den Weg zu planmäßiger Verwaltung und Aufbau wieder freizumachen, wenn auch vor allem der kommende Kongreß nach unserer Meinung dies als seine Hauptaufgabe zu betrachten hat, so ist doch ohne eine Erleichterung des Druckes keine Umstellung und Neuordnung möglich. Jedenfalls muß dafür gesorgt werden, daß die Budget- und Finanzpolitik geändert wird und daß solche Dinge wie die Nichtbezahlung der Lehrer in Zukunft nicht Vorkommen. Ohne geordnete Finanzwirtschaft kann auch das Schulwesen nicht geführt werden. Dies ist auch die Anschauung der Regierung, die sich bereits seit längerer Zeit if verantwortlicher Weise für intereiilWWl'lät *t'ÄiliIPpi* TWitäW Organisation bereits mehrere Besprechungen über diese Fragen abhielt. Wir begrüßen — die Süchtigkeit der Meldung vorausgesetzt — die Zuwendung der weiteren £ 10.000 nicht nur als materielle Erleichterung, sondern vor allem als ein Zeichen daß die Regierung ihre Verpflichtungen in diesem Punkte anerkennt. * Der in unserer vorigen Nummer veröffentlichte Ausweis des Keren Hajessod-Büros für Juni muß uns mit ernster Sorge erfüllen. Nachdem in den ersten zwei Dritteln dieses Geschäftsjahres die Keren Hajessod-Eingänge sich auf einer ansehnlichen Höhe gehalten haben, und die Deckung des ordentlichen Budgets keine Schwierigkeit bereitet hätte, wenn nicht die außerordentlichen Ausgaben für die Arbeitslosigkeit hinzugetreten wären, —• zeigen die Juni-Eingänge bereits ein Zurückbleiben hinter dem Budget und sind eine Warnung für die kommenden Sommermonate, in denen ohnedies die Bedingungen gewöhnlich schlechter sind als im Winter. Es ergibt sich daraus, daß die Exekutive auf einem anderen Wege wird Summen beschaffen müssen, um den Ausfall des ordentliehen Budget zu decken, während man noch bei der Aktions- Comitd-Sitzung in London annahm, daß derartige als Vorschuß für kommende Jahre aufgenommene Kredite nicht für das ordentliche Budget, sondern für Notstandsarbeiten verwendet werden könnten. Das jüdische Aufbauwerk in Palästina ist in einer schwierigen Lage. Während das neue jüdische Leben im Lande sich befestigt, während die normale wirtschaftliche Entwicklung ungewöhnlich günstig fortschreitet, und gerade jetzt Aussicht aut neue Arbeiten und neue Initiative vorhanden ist, — wird die eigentliche zionistische Initiative, die Tätigkeit der Zionistischen Organisation, die für alle anderen Dinge im Lande unentbehrlich ist, durch außerordentliche Belastungen in ihrer Entfaltung gehemmt. Dies kam daher, daß man stets mit höheren Eingängen rechnete als dann tatsächlich kamen. Auch in diesem Jahre wird das, wenn das Menetekel des Juni sich bewahrheitet, so gewesen sein. Dieser Tatsache muß, so unangenehm sic für alle Zionisten ist, endlich ins Auge gesehen werden. Wir sind an einem Wendepunkte. Der Kongreß muß aus den Erfahrungen die Konsequenzen ziehen. Aber bevor man dazu gelangen kann, eine rationellere Ordnung einzurichten, bedarf man großer Geldmittel, um bis zum Beginn des nächsten Geschäftsjahres durchzuhalten. Deswegen sind ^C^Ajjp'drrungen ^an den Keren _ Hajessod jetzt besonders Wahlkämpfe ünl sonstig«! parlämeniarischen Betätigungen — ihre Kräfte darauf konzentrieren, die Keren Hajessod-Einnahmen auch während des Sommers zu steigern, und bei der Ueberführung der durch die elementare und unrationelle Ein- Wanderung entstandenen chaotischen Verhältnisse in gesunde und normale Grundlagen des Nationalen Heims mitzuwirken. Der falsche Maximalismus hat uns dahin gebracht, daß unsere Aufbauarbeit fast stagniert. Eine Neuorientierung des zionistischen Bewußtseins an den Realitäten tut not. Beschlösse des Jewfslt Board 01 Depulies London, 25. Juli. (J. T. A.) In der letzten Sitzung des Jewish Board of Deputies teilte der Präsident O. E. d’Avigdor öoldsmid mit, daß das Foreign Appeals Committee itn Namen des Board of Deputies und der Anglo Jewish Associafion in diesen Tagen einen Aufruf zur Unterstützung der Erdbeben-Geschädigten in Palästina erlassen werde. Es wurden bereits £ 250 an den stellvertretenden Oberkommissar von Palästina gesandt, weitere £ 780 folgen demnächst. Es sollen Schritte ergriffen werden, mit der Zionistischen Organisation, die ebenfalls für die Erdbeben-Opfer sammelt, ins Benehmen zu kommen, um ein Gegeneinander zu vermeiden. Luden Wolf erstattete den Bericht des Joint Foreign Committee, in welchem festgestellt wird, daß zum erstenmal seit vielen Monaten über Angriffe auf Juden in Rumänien keine Mitteilungen vorliegen. Von der Politik der gegenwärtigen Regierung, in welcher Staatsmänner sitzen, sei eine Besserung der Lage der Juden in Rumänien zu erwarten. Der Board of Deputies beschäftigte sich *sodann mit der vom Komitee für jüdische Delegationen in Paris und dem Arnerikanisch-jüdischen Kongreß ergangenen Einladung, sich an der Jm Monat August in Zürich stattfindenden Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte zu beteiligen. Der Board erklärte sich mit dem vom Joint Foreign Committee abgefaßten Antwortschreiben, in welchem eine Teilnahme abgelehnt wird, einverstanden. ln der Diskussion über das Antwortschreiben sagte Luden Wolf, die Beteiligung an einem Internationalen Komitee würde einem Selbstmord gleichkommen. Es sei vollkommen unmöglich, sich unter die Kontrolle einer anderen Körperschaft zu stellen. Das Joint Foreign Committee konnte bisher der Unterstützung seitens der britischen Regierung gewiß sein. Ein internationales Komitee würde keine Regierung naben, in deren Namen es auftreten könnte. Zu bedenken sei auch, daß Amerika dem Völkerbund nicht angehört und daß der American Jewish Congreß es schwierig haben würde, an einer Intervention teilzunehmen. Die Alliance Israelite Universelle, der Fiilfsverein der Deutschen Juden, das American Jewish Committee, deren Präsident Louis M a r s h a 11 ist, sowie die Gemeinde russischer Juden in Paris, die vom Advokaten SHosberg geleitet wird, haben bereits die Einladung zur Teilnahme an der Züricher Konferenz zurückgewiesen. Morris M y e r führte aus, Herr Lucien Wolf habe nicht im Geiste des Joint Foreign Oommittee gesprachen. Man habe zwar beschlossen, der Konferenz fern zu bleiben, aber nicht gegen sie zu sprechen. Alle Länder, in denen Juden unterdrückt werden, werden in Zürich vertreten sein. UeberaU dort wird die Notwendigkeit des Bestehens einer zentralen Körperschaft empfunden. Die Entsendung eines inoffiziellen Vertreters zum Kongreß würde von Nutzen sein. — Das Palästinamandat London, 24. Juli (J. T. A.) ״Westminster Gazette“ veröffentlicht einen Aufsatz ihres diplomatischen Mitarbeiters, der sich mit den Gerüchten beschäftigt, es werden Verhandlungen zwischen England und Italien über die eventuelle Abtretung des Palästina-Mandats geführt. Diese Gerüchte, heißt es in dem Aufsatz, entbehren nicht nur Jeder Grundlage, sondern müssen jedem verständigen Menschen lächerlich erscheinen. In ernsten politischen Kreisen, versichert der Diplomat der ,,Westminster Gazette“ wird über die Abtretung des britischen Palästina- Mandats an eine andere Macht überhaupt nicht disk u t i e r t. (Die Nachricht über die beabsichtigte Abtretung des Mandates an Italien stand in der Pariser ״Liberte“ und wurde in Berlin z. B. von der ״Voss. Ztg.“ in Fettdruck wiedergegeben. — A. d. R.) Rom, 26. Juli (J. T. A.) Die Presse bringt Mitteilungen aus halbamtlicher Quelle, in denen den Gerüchten, daß zwischen England und Italien Verhandlungen über die Abtretung des Palästina-Mandats an Italien geführt werden, kategorisch entgegengetreten wird. Eine Anleihe des Jfidischen Nationalionds In Kanada ist es gelungen, eine Anleihe von 1 Million Dollar für den Jüdischen Nationalfonds aufzubringen. Herr Ussischkin, der zum Zwecke des Ab- Schlusses dieser Transaktion nach Kanada gefahren ist und dort bekanntlich auch an der Jahreskonferenz der kanadischen Zionisten sowie an der Keren Hajessod-Aktion lebhaften Anteil genommen hat, hat bereits das Zustandekommen der Anleihe mitgeteilt. Die Austrocknungsarbeffen beim Kisdionausfliiß Am 5. Juli fand in Haifa eine Beratung der Haifaer Regierungsabteilung für öffentliche Arbeiten statt, an der unter anderen auch David Hakohen als Vertreter der Arbeitsabteilung teilnahm. Die Einzelheiten der auszuführenden Arbeit wurden ausführlich besprochen. Für die Durchführung der Arbeit sind 22 000 £ bestimmt. 250 jüdische Arbeitslose werden hierbei Beschäftigung finden. Paris, 25. Juli (J. T. A.) Der Anklageakt gege-1 Schalora Schwarzbart ist fertiggestellt und dem Angeklagten bereits eingehändigt worden. In einer demokratischen Bewegung soll die Mehrheit der Stimmberechtigten die richtunggebenden Ent- Scheidungen treffen, also zu sachlichen Fragen Stellung nehmen. Mit dieser Aufgabe steht es nicht im Einklang, wenn iin Kampf um die Entscheidungen weniger die sachliehen Gegensätze als persönliche Eigenschaften ihrer Vertreter behandelt werden. Goldmanns ״Kritik des linken Zentrums“ (in Nr. 58 der ״J. R“) hat sich von dieser Methode keineswegs freigehalten. Wir sind hysterisch — der ״objektive Beurteiler“, der in Goldmanns Artikel mehrfach auftritt, muß das sogar wiederholt feststellen —, unterliegen einer Panik-Stimmung, wir zeichnen uns von je durch taktische Ungeschicklichkeiten aus; es ist unsere Ureigenschaft immer zu meinen, was Dr. Weizmann meint, wir haben allerdings das alte Programm von Simon und De Lieme übernommen; es fehlt uns an Klarheit, uns mangelt der Mut, wir sind eine verunglückte Kopierung. Für diese Form der Auseinandersetzung könnte auch das linke Zentrum in manchen reizvollen Eigenschaften seiner Gegner ausreichendes Material finden. Aber da es nicht nur einen Wahlkampf gibt, sondern auch einen Kongreß, der zu wichtigen Entscheidungen berufen ist, sollen in diesem Aufsatz noch einmal die sachlichen Gegensätze geprüft werden. Der Kongreß hat nach unserer Meinung die Aufgäbe, den Grund für eine Reform der Palästina-Wirtschaft zu legen. Diese Reform soll freilich nicht bedeuten, daß in Zukunft ״rein wirtschaftliche Gesichtspunkte“ und Rentabilitätstendenzen ausschließlich für unsere Wirtschaftspolitik maßgebend sein sollen. Wir kolonisieren in Palästina — nur gegenüber Goldmanns Darstellung muß man solche Selbstverständlichkeiten .׳irtschaftlichen Gründen; die Ununsere wirtschaftliche Arbeit nicht allein : unter dem Gesichtspunkt des größtmöglichen wirtschaftlichen. Erfolges mit dem geringstmöglichen; wirtschaftlichen Aufwand betrieben werden kann. Aber zwischen dieser ,upr im großen und ganzen von den Gesetzen der Wirtschaft überhaupt absehen zu können, ist ein fundamentaler Unterschied. Diese Auffassung aber hatte sich in der wirtschaftlichen Arbeit der Zionistischen Organisation an nicht wenigen Stellen zur Geltung gebracht. Daß bedeutet noch nicht, daß• die Schuld in erster Linie bei den unmittelbar kolonisierenden Instanzen, also der Verwaltung und ihrer Leitung, der Exekutive, läge. Der Grundfehler ist in der geistigen Haltung der gesamten Bewegung gegenüber den wirtschaftlichen Fragen zu suchen, deren deutlichster Ausdruck die Budget- Politik der Kongresse war. Sie kann nur damit erklärt werden, daß man Annahmen, die niemals an den Bedingungen der Wirklichkeit kontrolliert wurden, verantwortungslos an die Stelle von Tatsachen setzte. Diese Politik mußte sich aus äußeren Gründen und aus dem Grunde der seelischen Ansteckung über viele Personen und Institutionen verbreiten, denen Wirtschaftliehe Einzelentscheidungen übertragen waren. Die Reform ist der Kampf gegen diese geistige Haltung; eben deswegen ist sie nicht eine Frage der Wirtschaftstechnik, die man dem Kongreß nicht vorlegen sollte, sondern eine politische Frage. Man wird der Bedeutung dieser Frage freilich nicht gerecht, wenn man auf ihr Gewicht nur deswegen hinweist, damit man es — siehe Programm der Revisionisten — der ״jetzigen Leitung“ ans Bein binden kann. Natürlich wird, wer für die Reform ist, sich für eine Leitung einsetzen müssen, die sie wirklich durchführt. Das linke Zentrum ist dazu entschlossen. Aber daß Weizmann, der mit dem schamhaften Ausdruck ״jetzige Leitung“ gemeint ist, zur Durchführung dieses Programms gefällt werden muß (trotz seiner deutlichen Stellungnahme für die Konsolidierung), kann nur verlangen, wer den Mut hat, gerade ihm alle Verantwortung für unsere bisherige Wirtschaftspolitik aufzubürden. Das sollten mindestens die Führer der Opposition nicht tun; denn sie haben in allen ihren Schattierungen Jahre hindurch als Mitglieder der Exekutive die heute kritisierte Wirtschaftspolitik nicht weniger mitgemacht als Weizmann, und ihnen ist die Aenderung der Auffassungen gewiß nicht zu verdanken. Den Radikalen ist — zum Unterschied von ihren revisionistischen Verbündeten — unsere Kritik ״viel zu weitgehend“, und Goidmann verwendet e'.m Aeußerung Weizmanns über die Kolonisationskosten zu einer ״ver* nichtenden Kritik der Auffassung des linken Zentrums“.

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