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Jüdische Rundschau · 1927-06-21 · Heft 49 (21.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 49 (21.6.1927)
Date
1927-06-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich.5,25 Goldmark. Auslandsabonnccneots werden in der Wäbrtmg der einreJnen Linder berechnet Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. AiizeigeaprejsiSgespai&Noflp&reiileeefteO'SOG.-M. ${elleag4tttdbe0,25G.-M* Anzeigenschluß! Dienstag and Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 Für Oesterreich: Postsparkasienarot Wien, Konto Nr. 156 03(1 Für 1 sehechoslowakei: Pottsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen״. Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190TOS. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 49 | Berlin, 2i• VI• 1927 כ״א סיון׳ תרפ״ז | xxxn. Jahrg. Der Ilonlsmus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.«• RUNDSCHAU JÜDISCHE Kongress wählen in Deutschland. Die Hauptwahl-Kommission hat als Termin für die Kongresswahlen in Deutschland den 7, und 8. August festgesetzt. Für die Bestimmung der Zahl der Delegierten zum Kongress gilt der 25. Juni 1927 als Stichtag. Bis zu diesem Tage sind die Schekelgelder an die Zionistische Exekutive in London zu überweisen. Nach diesem Tage nach London überwiesene Schekelgelder dürfen bei der Berechnung der Delegiertenmandate nicht berücksichtigt werden (Auszug aus §§ 6 und 7 des vom Aktionskomitee beschlossenen Wahlreglements). Der Landes Vorstand hat in seiner gestrigen Sitzung mit Bedauern feststellen müssen, dass eine ganze Reihe von Ortsgruppen und Vertrauensleuten trotz dringender Aufforderung die Schekelgeliler bisher nur in ganz unzureichendem Ausmass überwiesen haben. Leider gilt das auch für einige unserer grössten Ortsgruppen wie Frankfurt a. M., Leipzig und Köln. Wir ersuchen dringend um sofortige telegraphische Überweisung aller Beträge und um Konzentrierung aller Kräfte während der nächsten Tage auf die Schekelsammlung, die bei der nötigen Anstrengung überall zumindest das Ergebnis des vorigen Kongressjahres erreichen muss. Für die Zahl der Deutschland zufallenden Kongressmandate kommen nur diejenigen Schekelgelder in Betracht, die spätestens Freitag, den 24. Juni, vormittags in bar bei uns eingehen. (Adresse für telegraphische Überweisung: Orghip Berlin.) Zionistische Vereinigung für Deutschland. Die Sitzung der Mandats-Kommission I Wie der ״jüd. Rundschau" aus Genf telegraphiert wird, hat die Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes dort am 20. d. M. begonnen. Zum Präsidenten wurde Marquis Theodoli, zum Vizepräsidenten der Holländer Van Rees wiedergewählt. Van Rees (Holland), Orts (Belgien), stellten der Kompetenz der Mandatskommission gesetzt werde. Diese Frage, die bekanntlich zu Konflikten mit dem Völkerbundsrat geführt hat, müsse definitiv geklärt werden. Die Behandlung des Berichtes über Palästina wurde auf den 28. und 29. festgesetzt. Die Kommission bestimmte zu Berichterstattern über die Petitionen folgende Mitglieder: über das Zionistische Memorandum Van Rees, über die arabische Petition Prof. P a 1 a c i 0 s (Spanien) und über die Kabbara-Frage (Protest gegen die Verleihung der Konzession an die Pica) Prof. Rappard. (Das Memorandum der Zionistischen Organisation ist in der letzten Nummer des zionistischen Zentral- Organes ״The New Judaea“ im Original publiziert.) Deutschland in der Mandatskommission Der ״Vossischen Zeitung“ wird aus Genf unter dem 16. telegraphiert: ״Im Verlauf der heutigen Geheimsitzung des Rates hat dieser auf eine Anfrage des Generalsekretärs des Völkerbundes, welches seine Absichten im Hinblick auf die Ernennung eines deutschen Mitglieds bei der Mandatskommission sind, den Beschluß gefaßt, die Frage dieser Ernennung zunächst zur Begutachtung der Mandatskommission zu überweisen, die im nächsten Monat hier Zusammentritt. Die Möglichkeit der Ernennung eines deutsehen Mitglieds ist im Budget für 1927 bereits vorgesehen gewesen. Der Beschluß des Völkerbundrates besagt natürlich, daß der Rat selbst gegen die Ernennung eines deutschen Mitglieds nichts einzuwenden hat, da er andernfalls kein Gutachten der Mandatskommission brauchen würde, das selbstverständlich positiv ausfallen wird“. Dr. Weizmann in Berlin Wie schon gemeldet, trifft Dr. Chaim Weizmann am 27. Juni zu einem kurzen Aufenthalt in Berlin ein. Am 27. Juni wird im Herrenhaus eine Sitzung des Deutschen Pro-Palästina-Komitees abgehalten, der Dr. Weizmann beiwohnen wird. Am 29. Juni findet im Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, eine große öffentliche Kundgebung statt, in der Dr. Weizmann der Hauptredner sein wird. Der iS. Zionistenkongreß Die Exekutive der Zionistischen Organisation teilt offiziell folgendes mit: Auf Grund eines Beschlusses des Aktions-Comites wird der 15. Zionistenkongreß für den 30. August nach Basel einberufen. Das mit den Vorbereitüngsarbeiten betraute Büro des 15. Zionistenkongresses wird seine Tätigkeit am 20. Juni aufnehmen. Zum Leiter des Kongreßbüros ist Herr Dr. Franz Kahn, zu seinen Stellvertretern sind die Herren Dr. Ernst Mechner und Dr. Fritz Ullmann ernannt worden. Die Adresse des Kongreßbüros wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden. Die Exekutive hat den Endtermin zur Ablieferung voll Schekelgeldern bis zum 25. Juni verlängert. Auf Grund der Schekolim, die bis zu diesem Datum bei der Exekutive eingezahlt sein werden, wird die Zahl der Delegiertenmandate für jedes Land festgesetzt werden. ■ I. ■■■■■"■.. II—•• Die Behauptungen des Rektors Pangrati (Dementi Dr. Jacobsons.) Rom, 14. Juni. (J.T.A.) Der Vertreter der Zionistischen Weltorganisation beim Völkerbund Dr. Victor Jacobson, der gegenwärtig in Rom weilt, gewährte dem Vertreter der J. T. A. eine Unterredung, in deren Verlauf er die Aeußerungen des Rektors der Bukarester Universität, Pangrati während der Berliner Tagung der Internationalen Union der Völkerbundligen bezüglich der S t c der Läf d der Juden fff Rtlinänltn als falsch zurückwies. Pangrati hatte sich bekanntlich auf angebliche Aeußerungen 'Jacobsons gestützt, wonadh den Juden in Rumänien ei'ne gleiche Behandlung wie den anderen Bürgern zuteil wird. ״Ich muß die Behauptungen Professor Pangratis über von mir ausgesprochene Meinungen betreffend die Lage der Juden in Rumänien — sagte Dr. Jacobson — auf das Entschiedenste zurück weisen. Ich protestiere dagegen, daß mein Name mißbraucht wird als eine Waffe gegen den schweren Kampf der rumänischen Juden um ihre elementaren Rechte. Während meiner Gespräche mit den rumänischen Ministern des Aeußern und des Innern wurde die innerjüdische Lage gar nicht berührt. Die Gespräche beschränkten sich ausschließlich auf die allgemeine Stellung zur zionistischen Bewegung. Mit keinem Worte berührte ich die Behandlung der jüdischen Bevölkerung in Rumänien selbst. Als ich dann aus Rumänien nach London fuhr, teilte mir Herr Lucien Wolf mit, die rumänische Presse bringe Mitteilungen über Aeußerungen von mir gegenüber dem rumänischen Botschafter in Bern, Comnen Petrescu. Ich habe Herrn Lucien Wolf sofort ermächtigt, diese Mitteilungen zu dementieren, was er auch getan hat. Zu meiner großen Genugtuung hat dann auch der Botschafter Petrescu selbst gegenüber einem Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Bern ein Dementi ausgesprochen. Ich habe später Gelegenheit gehabt, fuhr Dr. Jacobson fort, mit Herrn Botschafter Petrescu über die Lage der Juden in Rumänien zu sprechen und habe ganz offen erklärt: Wenn auch in Rumänien ״blutige Pogrome“ hach der Art der zarischen oder Judenabschlachtungen, wie sie die Petljura- Banden in der Ukraine voliführten, nicht vorgekommmen sind, so befänden sich die Juden in Rumänien dennoch in einer unmöglichen Lage; die fortwährenden Hetzen, Ueberfälle und Verfolgungen jeder Art, der Terror, unter welchem die Juden leben, schlagen jeder Forderung der Gerechtigkeit, Humanität und menschlichen Würde ins Gesicht. Aus den Gründen der Zurückhaltung, wie sie einem Vertreter der Zionistischen Organisation in Fragen nicht rein zionistischen Interesses naturgemäß auferlegt ist, habe ich mich bis jetzt jeder Aeußerung enthalten. Ich sehe mich aber gezwungen, dem wiederholten Mißbrauch meines Namens entgegenzutreten. Ich sehe mich nun auch veranlaßt, diese meine Mitteilungen dem General- Sekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, und dem Generalsekretär der Union der Völkerbundligen, Professor Ruyssen, zur Kenntnis zu bringen. Die Joden and die rumänischen Wahlen Bukarest, 15. Juni. (J.T. A.) Der Präsident der Union Rumänischer Juden, Dr. Fildermann, hat in den letzten Tagen wiederholt mit dem Chef der liberalen Partei, Jonel Br a t ia n u, und dem früheren Außenminister Duca konferiert, mit dem Ergebnis, daß die Liberalen den Juden fünf Mandate für die Kammer und zwei Mandate für den Senat konzedieren. Dr. Fildermann selbst kandidiert in Bukarest. Er bestrebt sich, eine Einigung zwischen der von Dr. Mayer Ebner geführten Einheitspartei der Bukovvinaer Juden und der vor« Dr. Straucher geführten Gruppe herbeizuführen. Sollte eine Einigung nicht erzielt werden können, dann zieht die Union Rumänischer Juden die Kandidatur einer Bukarester jüdischen Persönlichkeit in der Bukowina in Erwägung. Der frühere Senator Dr. Salo v. Weißeiberger ■wird voraussichtlich auf der liberalen Liste als Senatskanaidat erscheinen. Durch eine Einigung der Union mit den Liberalen haben sich die Aussichten eines jüdischen Einheitsblocks stark vermindert. Wie es heißt, kandidiert Dr. Kinsbrunner in Czernowitz an dritter Stelle auf der national-zaranistischen Liste, und zwar auf jüdisch-nationaler Basis. Rundschau Vor der Convention in Atlantic City Die Convention der amerikanischen Zionisten, die am 30. Juni in Atlantic City Zusammentritt, wird auch außerhalb Amerikas die Aufmerksamkeit und das Interesse der zionistischen Welt auf sich ziehen. Seit Jahren ist der amerikanische Landesverband der Teil unserer Weltbewegung, der die größten materiellen Lasten zu tragen hat und in unmittelbarem Sinn für das Schicksal unseres Palästinawerkes verantwortlich ist. Die amerikanischen Zionisten verdienen unsere Bewunderung für die Ausdauer und Unverdrossenheit, mit der sie Jahre hin• durch das undankbare Geschäft der Geldaufbringung besorgt haben. Aus der Tatsache, daß von dem ununter• brochenen Funktionieren dieser Geldmaschine unsere gesamte Palästinaarbeit abhängt und jede Stockung sich sofort in verhängnisvoller Weise bemerkbar macht, ist es auch zu erklären, wenn unsere amerikanischen Freunde, im Bewußtsein der Verantwortung für eine reale, lebendige, sich entwickelnde Welt, ihre Politik und Tätigkeit vor allem nach den Erfordernissen der Geldaktionen einzustellen genötigt sind, was häufig diesseits des Ozeans nicht das genügende Verständnis findet Diesmal steht die Convention einer besonders ersten Lage gegenüber. Die Anforderungen, die Palästina in dieser Zeit der Krise stellt, sind außerordentlich hohe, da nicht nur das Keren Hajessod-Budget zu decken ist, nicht nur darüber hinaus Hilfe für die Arbeitslosen geschafft werden muß. sondern auch manche Institutionen, die durch die Zahlungs- Stockung in Mitleidenschaft gezogen wurden, der Stützung bedürfen (wie es z. B. bei der Bodenverkaufs-Gesellschaft American Zion Commonwealth der Fall war). Die Keren Hajessod-Einnahmen sind im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die sorgenvolle Frage erhebt sich jedoch, ob auch das zweite Halbjahr diese Höhe einhalten wird, da erfahrungsgemäß die Sommermonate schwächer sind. In Palästina werden aber die Halbjahr vielleicht noch größer sein als im ersten. In der Erkenntnis dieser Notwendigkeit haben die amerikanischen Zionisten zu einer Dringlichkeitsaktion aufgerufen, die im Monat Juni eine Million Dollar in bar aufzubringen sich zum Ziel gesetzt hat. Zur Unter- Stützung dieser Aktion hat der altbewährte Pionier des amerikanischen Zionismus, Dr. Schmarja Levin, sich nach Amerika begeben. Wir sind überzeugt, daß unsere amerikanischen Freunde alle Anstrengungen machen werden, um der Situation gerecht zu werden. Zugleich aber ist auch im amerikanischen Zionismus die Ueberzeugung immer stärker geworden, daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo nicht nur finanzielle Unter- Stützung der Palästina-Arbeit, sondern eine gründliche Revision der Arbeitsmethoden am Platze ist. Das mit großem Elan und großer Energie begonnene Siedlungswerk muß nun auf eigene Füße gestellt werden, die zionistischen Institutionen müssen so fundiert werden, daß sie ökonomisch ihr selbständiges Leben zu führen imstände sind. Dazu bedarf es noch großer Kapitalien, aber auch einer entschlossenen Leitung und Verwaltung. In der letzten Zeit wurde aus Amerika wiederholt Kritik an der Palästina-Arbeit geübt. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Zionistische Organisation als solche zu große finanzielle Verantwortlichkeiten auf sich genommen hat, statt in höherem Maße die individuelle wirtschaftliche Verantwortlichkeit zu wecken. Man wandte sich gegen die Vermischung von Wirtschaft und Politik, die den Erfolg der wirtschaftlichen Unternehmungen gefährdet und infolgedessen auch der Politik nicht dient. Am klarsten kam diese Gegnerschaft zum Ausdruck in verschiedenen Aeußerungen, die sich gegen die Arbeiter- Organisation in Palästina wenden. Die Methode und Arbeitsweise der Arbeiter-Organisation bedarf freilich umfangreicher Reformen, aber dasselbe gilt für fast alle Institutionen und Betriebe in Palästina, die sich erst allmählich den Bedingungen unserer Arbeit anpassen müssen. Die amerikanischen Zionisten treten dafür ein, daß die Exekutive von nun an die Verwaltung aller Agenden, die bisher die Histadruth namens der Zionistischen Organisation geführt hat, selbst in die Hand nimmt. Das Prinzip ist wohl richtig, doch darf nicht übersehen werden, daß die Arbeiter-Organisation in schweren Zeiten eine wichtige Unterstützung der Exekutive bildete und dieser oft unangenehme Aufgaben abgenommen hat. Immerhin wird niemand leugnen, daß die Beziehungen zwischen Exekutive und Arbeiter-Organisation der Revision bedürfen. Wir hoffen aber, daß die amerikanischen Zionisten in ihrer Convention nicht einen Standpunkt einnehmen werden, der über den Grundsatz einer gesunden und starken Verwaltung hinaus den Eindruck einer bestimmten innerpolitischen Festlegung hervorruft Manche Aeußerungen der letzten Zeit ließen

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