Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 45-46 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 330 JDEDISCHE Rundschau Nr. 45/4« verkümmern ließe. Von einer solchen Spielart des Zionismus, die die Oaluth systematisch zugrunde richten will, sollten mit aller Deutlichkeit gerade d i e Zionisten abrücken, deren Pa* lästinaradikalisimis /u bekannt ist, tim Mißdeutungen ausgesetzt zu sein. VI. Ein umfangreiches Manuskript liegt noch vor mir, das ich aus Raummangel nicht mehr zum Abdruck bringen kann. Es war das Kernstück meiner Antikritik, eine nochmalige BegrüncJung und Detaillierung meines positiven Erzichungsprogramms. Doch es ist vielleicht gut, daß äußere Gründe mich zwingen, die beschriebenen Bogen fürs erste beiseite zu legen. Materien so subtiler Art, von einer solchen Fülle erziehungspsvchologischer Probleme umrankt, vertragen es nicht, in einen Zeitungsartikel eingeengt zu werden. Vielleicht wird es einmal möglich sein, in breiterem Zusammenhang Stellung nehmen zu können. * Die Diskussion, die an dieser Stelle ihren formalen Ab* Schluß gefunden 11 at, wird in anderem Rahmen ihrer! Fortgang nehmen. Wer die vitale Bedeutung des zionistischen Kinder* problem^ erfaßt hat, muß! den Zusammenschluß suchen. Zirkel sollten sich bilden, die regelmäßig zusammentreten, um in zwanglosem Gespräch Erfahrungen auszutauschen und An* regungen aufzunehmen. Der sachverständige Rat von Pädaffogen und Erziehungspsychologeti ist unentbehrlich. Wird das Ziel klar erkannt und unbeirrt gewollt, so müssen und werden sich Wege finden. Ergebnisse von Besprechungen, neuartige Versuche der Feiertagsgestaltung usw. müssen der Ocffentlichkeit bekanntgegeben werden. Die ״Jüdische Rundschau“ sollte zu diesem Zwecke eine ständige Beilage herausgeben. In engstem Zusammenhang mit der Frage der häuslichen Erziehung steht das Schulproblem. Ueber die Ausgestaltung der jüdischen Schule herrschen völlig ungeklärte Vorstellungen. Fast niemand ist sich im klaren, welche Lehrpläne in Frage kommen und wie die speziell-jüdische Erziehung im Rahmen des gesamten Unterrichts gewährleistet werden soll. In welcher Form lind welchem Ausmaß wird die hebräische Sprache zu ihrem Recht kommen, wie denkt man sich den Reiigions- und Geschichtsunterricht? Es erscheint dringend nötig, daß die Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ an die verantwortlichen Stellen der ״Jüdischen Volkspartet“ mit dem Ersuchen herantritt, ihre Meinungen bekannt zu geben, damit die Diskussion eröffnet werden kann. Das religiöse Leben in Palästina Jerusalem, 3. Juni. (J. T. A.) Ein interessanter Brief- Wechsel zwischen den Oberrabbinern Kuk und Jacob Mcir und der zionistischen Exekutive über Fragen der Religiosität in Palästina findet allgemeine Beachtung. Die Oberrabbiner klagten, daß ein Teil der Bewohner der Kwuzoth öffentlich den Sabbat entheiligt, ritualwidrige Speisen genießt und am Passah Gesäuertes ißt. Die zionistische Exckutive als die Verwalterin von Keren Hajessod und Keren Kajemeth hätte die Pflicht, darauf zu sehen, daß diejenigen, die auf dem Volksboden des Keren Kajemeth leben und vom Volksfonds Keren Hajessod gestützt werden, die Gefühle des Volkes achten sollen. Die zionistische Exekutive erwiderte, sie stimme prinzipiell den Forderungen der Rabbiner, besonders hinsichtlich der öffentlichen Sabbat-Entheiligung, zu, jedoch müsse man nicht durch strenge, sondern durch moralische Mittel zu wirken versuchen. So hat der Zionistische Kongreß auf Vorschlag des Misrachi ein spezielles Budget für religiöse Bedürfnisse in den neuen Kolonien geschaffen. Die Zionistische Organisation hat auch die religiösen Erziehungsanstalten, in denen jetzt 6000 Kinder unterrichtet werden, gestärkt. In der letzten Zeit wurde die Kolonisierung gesetzestreuer Juden stark gefördert. Dank dieser Mittel wurde das gesetzestreue Element in Palästina gestärkt und wird sich noch weit mehr entwickeln, sobald die frommen Juden gemeinsam mit allen anderen Teilen des Judentums an der Entwicklung des Palästina-Aufbaus teilhaben werden. Von Preußischen Landesverband ln der vorigen Woche traten drei Ausschüsse des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu Sitzungen zusammen, der liberale und der konservative Unterrichts-Ausschuß sowie der konservative Kultus-Ausschuß. Der liberale Unterrichts-Ausschuß tagte unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Vogelstein־Breslau. Es wurde dabei auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine eigene jüdische Lehre rbildu ngsanstalt ins Leben zu rufen, da in kurzer Zeit ein Mangel an jüdischen Lehrern eintreten dürfte. Demgemäß wurde ein Antrag angenommen, der den Rat des Landesverbandes ersucht, spätestens bis ztim 1. Oktober d. |. in Berlin eine Religionslehrer-Bildungsanstalt zu errichten. Zur Frage der Hilfsbüch er für den jüdischen Religionsunterrieht wurde die Schaffung einer pädagogischen Zeitschrift für jüdische Lehrer, ferner die Verbreitung der Werke Baeck, ״Wesen des Judentums“, Spanier, ״Psalmen“, El bogen, ״Geschichte des Judentums“, in Aussicht genommen. Die Schaffung von Pflegschaftsbezirken für den jüdischen Religionsunterricht wurde den lokalen Instanzen überwiesen. Zum Vorsitzenden des konservativen Unterrichts- Ausschusses wurde Rabbiner Dr. Rosenthal*Köln, zu seinem Stellvertreter Bruno G a 1 e w s k i ־ Berlin gewählt. Als Hauptpunkt dieser Sitzung wurde die Errichtung der pädagogisclien Simultan-Akademie Frankfurt/M. und im Zusammenhang damit die Dozentur des Rabbiners Dr. Horovi tz, Frankfurt a. M. erörtert. Namentlich aus Lehrerkreisen wurde gefordert, daß bei der Ausbildung der jüdischen Religionslehrer in Zukunft die gleichen Voraussetzungen innegehalten werden müßten wie bei derjenigen der preußischen Volksschullehrer, also Abiturientenexamen und Akademiebesuch. Der Landesverband soll ersucht werden, die direkte S u b v e n - tionierung von jüdischen Schulen durch den Staat anzuregen und zu fördern. Schließlich einigte man sich dahin, daß die beiden Unterrichts-Ausschüsse (liberaler und konservativer) in allen nichtreligiösen Fragen in Zukunft gemeinschaftlieh beraten sollen. Der konservative Kultus- Ausschuß, dem verschiedene der bekanntesten jüdischen Theologen angehören, wählte zu seinem Vorsitzenden Rabbiner Dr. Ho ff mann* Breslau. In der Hauptsache beschäftigte sich diese Kommission mit religiösen Forderungen bei Abhaltung von Trauungen, bei Ehescheidungen und Uebertrift zum Judentum. Zum Todestage von J. N. Simchoni. Am 12. Juni jährt sich zum ersten Male der Todestag des hebräischen Schriftstellcrs und Forschers J. N. Simchoni. An diesem Tage wird auf seinem Grabe ein Grabstein errichtet. Die Freunde und Verehrer des Verstorbenen versammeln sich aus diesem Anlasse am 12. Juni, 11 Uhr vormittags, auf dem Friedhof in Weißensee vor der Neuen Halle. Die Einladung geht aus vom hebräischen Bet-Waad und der Redaktion der ״Enzyklopädie des Judentutns“. Jakob Frlikel Am Mittwoch, den 25. Mai, ist Jakob Frlnkel im Alter von 72 Jahren aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene hatte den größten Teil seiner Zeit und Kraft seit vielen Jahren der jüdischen Arbeit gewidmet. Lange Zeit gehörte er dem Vorstand der Israelitischen Religionsgesellschaft Ohef Jakob an, dessen Kassenwesen er 1’n mustergültiger Weise verwaltete. Auch dem Rechnungswesen der Münchner Kultusgemeinde und des Bayerischen Landesverbands, zu dessen Tagung er als Abgeordneter gewählt war, widmete er seine besondere Aufmerksamkeii —■ Sein Hauptinteresse aber galt der zionistischen Arbeit. Er war einer der wenigen Männer unserer Gemeinde, die, schon im vorgerückten Alter stehend, sich der zionistischen Bewegung anschlossen. Viele Jahre hindurch stand er als einer der Tätigsten mit an der Spitze der Münchener Zionistischen Ortsgruppe. Sein gründliches jüdisches Wissen, das er sich schon in früher Jugend in seiner oberfränkischen Heimat (Förchheim) angeeignet und das er durch ununterbrochenes Studium vertieft hatte, befähigten ihn dazu im besonderen Maße. So ist er ein ständiger Mitarbeiter der zionistischen Presse geworden; insbesondere verdankt ihm das ״Jüdische Echo“ zahlreiche wertvolle Beiträge, die er allerdings in bescheidener Zurüekhaltung meist nicht mit seinem Namen gezeichnet hat. — Jakob Frankel, der seiner Weltanschauung entsprechend, religiös den strengst-konservativen Standpunkt einnahm — er war auch tätiges Mitglied des Misrachi — hat in Leben und Lehre Immer für den jüdischen Einheitsgedanken gewirkt und diesen zur Richtlinie seiner jüdischen Arbeit genommen. Wir werden dem lieben Freund und Gesinnungsgenossen ein treues Gedenken bewahren. Dr. E. Straus (München). Zentralaasschusses des Rabbfnerverbandes Am 24. und 25. Mal fand in Kassel die Sitzung des Zentralausschusses des Rabbinerverbandes in Deutschland statt. Der Vorsitzende, Dr. Baeck, Berlin, eröffnete die Sitzung. Ein Vertreter des Vorsteheramtes des Israeliten und Herr Dr. Katzenstein als Vorsitzender der Gemeindeältesten entboten den Versammelten die Grüße ihrer Körperschaften, die zu dem wissenschaftlichen Teil als Gäste geladen waren. Dieser wissenschaf fliehe Teil war dem Andenken des Rabbi Jacob Mftlter H a 1 e v y (Maharil) aus Anlaß seines 500. Todestages gewidmet. Levy. Mainz, berichtete über ״Leben und Bedeutung des Maharil“, Rosenthal, Köln, sprach zu dem Thema ״aus Maharils Schriftwerk“. Dr. Dien emann, Offenbach, erstattete den Geschäftsbericht. Baeck, Berlin, berichtete über die durch den Landesverband in Preußen erfolgten Subventionierungen leistungsschwacher Gemeinden zum Zwecke der Er- Haltung des Rabbineramtes und über die von der Regierung aufgestellten neuen Richtlinien für die Subventionierung. Einer Anregung, den Rabbinern in Oesterreich und der deutsehen S c h w e i? die Teilnahme an der Arbeit des Verbandes zu ermöglichen, soll nachgegangen werden. Wilde, Mägdebürg, hielt ein Referat über ״Die Stellung des Rabbiners zur Friedensbewegung“. Nach einer reichen Aussprache wurde folgende von dem Referenten angeregte Entschließung gefaßt: ״Der Ausschuß des Rabbinerverbandes in Deutschland begrüßt, getragen von dem Gedanken des Judentums, alle Bestrebungen der Religionen, gemeinsam auf dem Boden der Gerechtigkeit den Frieden unter den Völkern zu fördern. Der Rabbinerverband in Deutschland ist bereit, sich an der geplanten Weltkonferenz aller Religionen für Frieden in der Welt zu beteiligen.“ Rabbiner Dr. Rosenth al, Köln, berichtete über die geplante jüdische Abteilung bei der In ternationalen Presse- Ausstellung in Köln; der Verband beschloß die wirksame Förderung der jüdischen Abteilung, die nicht nur die Presse, sondern auch aas Buch darstellen wird. Jüdische Stadenlen in Italien Triest, 30. Mai 0. T. A.) Die jüdischen Studenten- Komitees an den italienischen Universitäten hielten in Fforenz eine Tagung ab, in der initgeteilt wurde, daß an den Universitäten Italiens über 1000 junge Juden aus Ungarn, Rumänien, Polen, Palästina usw. studieren. Der Konferenz wohnten mehrere Universitätsprofessoren und Vertreter des italienischen Judentums bei. Die 50 Mann zählende palästinensische Gruppe entwickelt eine intensive Tätigkeit zur Verbreitung von hebräischer Sprache und Literatur. — Das Zentralkomitee der jüdischen Studentenschaft Italiens wurde von Florenz nach Padua verlegt. Nathan Straus erkrankt New York, 2. Juni. (J.T.A.) Nathan Straus, der am 31. Januar d. J. sein 79. Lebensjahr vollendet hat, ist an einer akuten Darmreizung erkrankt. Mit Rücksicht auf sein hohes Alter muß von einer Operation abgesehen werden, doch hoffen die Aerzte, daß der rüstige Greis die Krise überwinden wird. Sein Zustand hat sich bereits gebessert. Charles A. Levine Herr Charles A. L e v i n e , der Eigentümer des Bellänea- Eindeckers ״Columbia“ und als einer der Direktoren der ״Co- Junibia Aircraft Corporation New-York“ Erbauer des Flugzeuges, der durch persönliche Finanzierung auch den Flug ermögliche, hat. bevor er in seinem blauen Straßenanzug den Flug New-York—Berlin mit Chambertin unternahm, einem Vertreter der J. T. A. in New-York Interessantes über sein Leben erzählt. Levine wurde in einer kleinen amerikanischen Stadt geboren, in der sein Vater, der vor 36 Jahren aus Wilna einwanderte, Kaufmann war. Levine erzählte, daß er von frühester Jugend an der Aeronautik heißestes Interesse entgegenbrachte und daß es der Ehrgeiz seines Lebens war, Flieger zu werden. Mit 13 Jahren verließ er heimlich das Elternhaus und trat in die berühmte Fliegerschule von Garden City ein. Sein Vater holte ihn zurück und verschaffte ihm eine Anstellung bei einer Metallhändier-Firma. ״Mein Vater“, fuhr Levine fort, ״betrachtete mein Interesse an der Aviatik als unvereinbar mit der Laufbahn eines soliden jüdischen Geschäftsmannes. Er hoffte, daß ich, sobald ich heiratete — und ich heiratete mit 19 Jahren —- die ״Narrischkeiten“ lassen werde. Ich widmete mich mit ganzer Energie meinem Geschäfte, aber mein Interesse an der Besiegung der Luft verminderte sich nicht. Schließlich widmete ich mich dem Aeroplanbau und komiteoft meine Eltern, die in Pittsburg leben, mittels eigenen Flugzeuges besuchen. Stets aber, schloß Herr Levine, träumte ich davon, im eigenen Flugzeug den Atlantischen Ozean zu überqueren und, von New-York aus fliegend, in Berlin zu landen. Aus den weiteren Gesprächen ging hervor, daß Air. Charles A. Levine, der in Brooklyn lebt, einer Anzahl jüdischer Organisationen und Institutionen angehört; so ist er auch Mitglied einer jüdischen Loge, er nimmt aber nicht aktiven Anteil am jüdischen sozialen Leben, da sein Lebeusinteresse der Aeronautik gewidmet Ist Kleine Nac!1r!chten Jerusalem, 1. Juni. (J.T.A.) Die in London abgehaltene Kolonial- und Mandatskonferenz hat zu Händen des stellvertretenden Oberkommissar S y m e s einen G r u ß a n tj i e Bevölkerung Palästinas gesandt. Das Telegramm ist vom Kolonienminister L. S. Amery gezeichnet. London, 2. Juni. (J. T. A.) Das jüdische Kriegergedenkkomitee, das von Sir Robert waley Cohen gefeit« wird, hat beschlossen, einen Fonds von £ 4000 aufzuoringem aus dessen Ertrag jährlich ein Stipendium in Höhe von £ 175 an einen englisch-jüdischen Studenten, der ein Jahr am judaist!sehen Institut der Jerusalemer Hebrlisehen Universität studieren will, verliehen werden soll. Ende voriger Woche ist Herr S. Kaplanski, Leiter des Landwirtschaftlichen Kolonisations-Departments,' aus London nach Jerusalem zurüekgekehrt. Mit ihm ist Dr. A. Kastelianski eingetroffen. Eine Anzahl Führer der jüdischen Orthodoxie in den Vereinigten Staaten ist zum Besuch in Palästina eingetroffen, unter ihnen der Präsident der Union orthodoxer Rabbiner Amerikas, Rabbiner M. S. Margulies, Harry Fische!, der Sekretär des Central Relief Committee Rabbiner Aaron Teitelbaum und Rabbiner Jacob W. Redelheim. Jerusalem, 8. Juni. (J.T.A.) Amerikanische Bijouterievvarenfabrikanten bestellten in Palästina 500000 Holzetuis und verpflichteten sich, im Konvenienzfalle weitere noch größere Bestellungen dieses Erzeugnisses der Heimindustrie Palästinas zu machen, um so eine Anzahl Heimwerkstätten zu beschäftigen. Der Wa a d H ak Ia 111h , das beratende Komitee des landwirtschaftlichen Kolonisationsdepartements des Palästina- Exekutive, ist jetzt auf zwölf Mitglieder erweitert worden, von denen eine Hälfte von der zionistischen Palästina-Exekutive und die andere Hälfte vom Waad Leumi (Jewish National Council) von Palästina ernannt wird. Herr J. Ettfnger wurde wieder zum Vorsitzenden gewählt. Aus einem Darlehensfonds voij 5000 Pfund, der vom landwirtschaftlichen Kolonisationsdepartement der Palästina-Exekutive reserviert wurde, ist ein Betrag von £ 32Ö5 an 43 einzelne Farmer ausgczahlt worden und £ 1173 an fünf Siedlungen. Auf der letzten Konferenz der Aerztliehen Gesellschaft von Palästina wurde berichtet, daß es jetzt 534 Aerzte in Palästina gibt (gegenüber 519 im Jahre 1925). In dieser Zahl sind 373 Juden, 40 Araber und 123 Ausländer. Ein Dritte! der jüdischen Aerzte sind Frauen. In Rom starb Im Alter von 60 Jahren Professor Artom, ein hervorragender Physiker und Forscher auf dem Gebiete der drahtlosen Telegraphie. in P e t a c h ־ T i k w a h starb im Alter von 90 Jahren Mordechai Dino witsch, der 40 Jahre in der Kolonie gelebt und viel zu ihrer Entwicklung beigetragen hat. Wie ״Mi schar W et aasiah“ berichtet, _ bereitet die palästinensische Regierung einen Vorschlag für Einführung des Metermaß-Systems in Palästina vor, und ־zwar sowohl als Längen- und als Flächenmaß wie auch als Gewichtsmaß. Es wird erwartet, daß die Verordnung noch vor Ende des laufenden Jahres herauskommen wird. Nach einer Meldung des ״Sechs-Uhr-Blattes“ aus Kischinew fand dort ein Prozeß gegen neun junge Juden statt, die während der antisemitischen Excesse im Januar 1927 angegriffen wurden und in der Notwehr gegen die antisemitisehen Excedenten vorgegangen waren. Der Hauptangeklagte, Abraham Klein mann, wurde m einem Jahre Kerker verurteilt. Drei andere Angeklagte erhielten je % Jahr Kerker. Außerdem müssen die Angeklagten 1V2 Millionen Lei Entschädigu n g zahlen. London, 3. Juni. (J.T.A.) In der Konferenz der Vertreter der Kolonien- und Mandatslander wurde die Einrichtung eines drahtlosen Sendedienstes sowie eines Unterhaltungsrundfunks in Palästina und in anderen Mandats-, Protektorats- und Kolonieländern erwogen. Ferner wurden Einrichtungen beraten, die Radioprogramme Großbritanniens nach den Kolonien und Mandatsländern zu senden. Speziell für Palästina wurde mitgeteilt, daß dort an die bal* dige Realisierung der Pläne eines Sende- und Rund- Funkdienstes gedacht wird. Jerusalem, 7. Juni. (}. T. A.) Rabbiner P a p p o, der Vorsitzende des sephardischen Rabbinischen Rates und des sephardischen ״Beth-Din“, ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Rabbi Pappo war wegen seiner hohen Gelehrsamkeit und Klugheit unter der Judenschaft des Nahen und Mittleren Orients sehr populär. M. Golinkin, der Gründer der Palästina-Oper und ihr Direktor von Anfang an, begibt rieh nach Amerika, um Gelder zur Sicherung des Bestehens der Oper auf solider Grundlage zu sammeln. Da auch die meisten Künstler Palästina für eine Zeit verlassen, sollen in der nächsten Saison in Palästina keine Opernvorstellungen stattfinden. Wie der ״Ziko“ aus Jerusalem berichtet wird, ist dank der sanitären Vorsorge des waad Habriuth der bisherige Verlauf des Sommers 1927 in bezug auf ansteckende Krankheiten günstiger als im Vorjahre. Dr. A. G r a n o w s k y aus Jerusalem, der Autor des Buches ״Landprobleme in Palästina“, wird demnächst ein neues Werk über die Landbesteuerung in Palästina veröffentlichen. Die Generalsynode der evangelischen Kirche in Deutschland, die soeben in Berlin ihre Tagung abgehalten hat, nahm u. a. eine Entschließung an, in der die Beibehaltung des wahlfreien hebräischen Unter• r i c h t s an Gymnasien gefordert wird. Der jüdische Schauspieler Sam Berns r d, einer der Prominenten der englischen Bühne in den Vereinigten Staaten und in England, ist an Bord des ״Columbus“ im 64. Lebensjahre einem Schlaganfall erlegen. Die gegenwärtig in Karlsruhe gezeigte Ausstellung für Friedhofskunst enthält auch eine besondere Abteilung, die die jüdische Friedhofskunst illustriert. Eine besondere Koje ist den badischen Judenfriedhöfen gewidmet, von denen W. Kraft, der Schöpfer des badischen Denkmäler-Archivs. im Auftrag des Oberrates der Israeliten stimmungsvolle Aufnahmen gemacht hat. Wie uns mitgeteilt wird, ist an die TeinpelgemeLnde Ham bürg als Nachfolge:• des nach Bamberg gegangenen Rabbiners Dr. R ü I f Rabbiner Dr. Italiener aus Darmstad: berufen worden. Bei der Preisverteilung in Verbindung mit der großen Kunstausstellung im Wiener Künstlerhaus erhielt der jüdische Malei Leo Perlberger den Ehrenpreis der Stadt Wien. Am vergangenen Freitag Abend wurde der Rabbiner de! Berliner Jüdischen Gemeinde Dr. Bernhard Königsberg ei das Opfer eines Autobus-Unfalls und verstarb am nächsten Tage an den Folgen eines Schädelbruchs. Das unter so tragischen Umständen erfolgte Ableben von* Dr. Königsberger, der erst vor wenigen Wochen seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, ha1 unter der Judenschaft Berlins große Teilnahme hervorgerufen. Er war mit mehreren wissenschaftlichen Arbeiten, die sich na• mentlieh auf pädagogischem Gebiete bewegten, hervorgetreten.