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Jüdische Rundschau · 1927-05-31 · Heft 43 (31.5.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 43 (31.5.1927)
Date
1927-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nt. 43 JÜEDISCHI RUNDSCHAU Seite 311 Der Kongreß der Völkcrbundligen (Fortsetzung des Berichtes von der ersten Seite.) Das rumänische Gegenmemorandum macht sich die Argumente der rumänischen antisemitischen Presse kritiklos zu eigen. Der rumänische Antisemitismus wird u. a. damit begründet, daß die Juden im Kriege ihre Pflicht nicht getan haben. So zählte man im ganzen 800 jüdische Gefallene auf rumänischer Seite. Die Juden hätten auch mit dem Feinde fraternisiert und schmiedeten noch nach dem Kriege Komplotte gegen Rumänien. Schließlich wird auf eine Rede des Landesrabbitiers Dr. Niemirower im rumänischen Senat hingewiesen, ebenso auf Aeußerungen des zionistis chen Führers Dr. Jacobson, aus denen zu ersehen sei, daß die Juden in Rumänien volle Rechte genießen. (Bekanntlich hat der englisch-jüdische Board of Deputies in einem offiziellen Kommunique erklärt, daß die Rede Niemlrowers durch die rumänische Agentur entstellt wiedergegeben worden und daß auch die Bezugnahme auf Dr. Jacobsohn ohne jede Berechtigung ist. Anmerkung der Redaktion.) Der palästinensischeDelegierteHerrDizeng o f f hielt dann eine ausführliche Rede, in der er in m a ß - vollen Worten eine dem Völkerbundsrat zu übergebende Resolution begründet. Er führte aus, es gäbe hier keine An- Wäger und keine Angeklagten. Wir sind Rumänien dankbar, daß es den jüdischen Flüchtlingen zeitweilig Obdach gewährte, daß die rumänische Regierung Nahum Sokolow einen ehrenden Empfang bereitete. Die jüdischen Führer in Palästina haben mit Erfolg jede Boykottbewegung gegen Rumänienvereitelt. Wir wollen nicht über Vergangenes klagen, sondern Sicherheiten für die Zukunft erlangen. Die Sorge, die uns nicht schlafen läßt, ist: Kann man über das Schicksal der rumänischen Juden beruhigt sein? Die Tatsachen sprechen eine bedrohliche Sprache. Hat doch auch der frühere Minister Dr. Ni stör erklärt, daß die Beziehung zu den Juden in Rumänien heillos vergiftet ist Das Memorandum der Jassy er Professoren an die Regierung, in dem über die anarchistische Entartung des Studentenlebens geklagt wird, wirft ein Schlaglicht auf die Lage. Das Dekret über aas Baccalaureats-Examen wird als Waffe zur Entrechtung der Studenten der Minderheitsnationen benutzt. In Klausenberg (Cluj) wurde die letzte Medizinstudentin durch Todesdrohungen verscheucht; nachdem die männlichen Studenten durch fortgesetzte Mißhandlungen vertrieben wurden. Der MörderTotu wurde unter Duldung der Regierung sogar von Regierungsblättern als nationaler Heia gefeiert seine Freisprechung wurde als Kriegserklärung gegen die Juden kommentiert. Die von Cuza begründete Christliche Liga darf die 17 Millionen Rumänen zu einem Massacre aufrufen. Bis jetzt ist noch kein Fall bekannt, da ein Hetzer oder Excedent bestraft oder daß einem Juden ein Schaden ersetzt worden wäre. Die Bestimmungen des Minderheitsvertrages werden außer acht gelassen; allein in der Bukowina wurden 14000 {uden durch Streichung aus der Bürgerliste rechtlos gemacht, licht nur die Juden, auch weite christliche Kreise in Rumänien sind beunruhigt. Ehe Union der Völkerbttndligen darf nicht zur Tagesordnung übergehen, ohne in dieser Frage eine Regelung zu schaffen. Die von den Rumänen angeführte Ziffer aer angeblich geringen jüdischen Kriegsopfer wird überprüft werden müssen. Haben die Juden mit dem ״Feind“ fraternisiert? Wer war der Feind? Das Rumänentum selbst war ja gespalten. Man verleumdet die Juden, wenn man sagt, sie seien nicht an dem Glück ihrer Heimatländer interessiert. Herr Dizengoff brachte zum Schluß eine dem Völkerbundsrat zu überreichende Resolution ein, die besagt: ״ln Anbetracht des Geisteszustandes eines großen Teiles der Mehrheitsnation in Rumänien, der von Agitatoren aufgehetzt eine gefährliche Haltung gegen Angehörige einer Minderheit ,י, N. jitBKtoijnt jWlkeilsÄdligen 'de» ■Völker1׳ 1919 betreffend den Schutz der Minderheiten, der' zwischen den alliierten Mächten und Rumänien geschlossen worden Ist, ln die Wirklichkeit umgesetzt werde und daß den Minderheiten in Rumänien der volle Schutz gewährt wird.“ Gegen die Behandlung dieser Resolution wandte sich der Führer der rumänischen Delegation, der Rektor der Bukarester Universität Professor Pangrati, indem er die Argumente des rumänischen Memorandums wiederholte und» sie noch wo• möglich übertrieb. Er richtete scharfe Angriffe gegen die Juden■ schaff Rumäniens und sagte, wenn Rumänien den Juden im alten Staate Gleichberechtigung gewährt, so könne man von ihm nicht verlangen, daß es auch die Juden in den neuen Gebieten als Vollbürger behandelt. Im übrigen versprach er ein« ausgleichende Wirkung für die Zukunft Pagratis Rede schuf eine peinliche Stimmung. * Die Kommission für Minderheitsfragen des Weltkongresses der Völkerbundsgesellschaften beschäftigte sich am 27. Mai wieder in eingehender Weise mit der Lage der Juden in Rumänien. Die Aussprache gestaltete sich sehr bewegt. Wenn die Antwort Dizengoffs auf das von antisemitischen Invektiven strotzende Oegenmemorandum der rumäni• sehen Delegation sich noch in sehr maßvollen Formen bewegte, so ließ die Erwiderung der jüdischen Delegierten Dr. Margaües (Tschechoslowakei) und Prof. Wischniak auf die antisemitischen Ausfälle des Rektors der Bukarester Universität, Pangrati, an Schärfe nichts zu wünschen übrig. Dr. Margulies zergliederte im Einzelnen die Behauptungen des rumänischen Memorandums und die Rede des Sprechers der rumänischen Delegation, Rektor Pangrati, die als eine Verteidigung der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien aufgefaßt werden müsse. Selbst wenn die Vorwürfe gegen die Juden, daß auf ihrer Seite nicht genug Tote im Kriege gezählt wurden wahr wären, würde das nach den Grund- Sätzen, zu denen sich diese Versammlung bekannt habe, nicht das Recht geben, eine Gruppe von Menschen außerhalb des Gesetzes zu stellen und sie dem Pöbel auszuliefern. Die rumänische Liga hätte aber die Pflicht, diese durch nichts bewiesenen Behauptungen zu zerstreuen. Denn wenn man die Studentenschaft itn Sinne der rumänischen Völkerbundsliga belehre, dann seien die Ausschreitungen dieser Jugend gegen ihre jüdische Kollegenschaft und die jüdische Bevölkerung im allgemeinen wohl zu begreifen. Dr. Margulies gab die folgende Charakteristik der von der rumänischen Delegation vorgebrachten Argumente: ״Wenn die Herren von der rumänischen Liga den ״Hamme r“ von Fritsch oder sonst eine antisemitische Zeitung, auch in Polen, Ungarn und alleh anderen Ländern, einsenen würden, so würden sie darin dieselben Argumente finden, die die rumänische Liga für Völkerversöhnung hierher in diesen Saal gebracht habe.“ Professor Wischniak aus Paris setzte sich ebenfalls mit den rumänischen Behauptungen eingehend auseinander. Er unterschied zwischen dem brutalen Antisemitismus der Massen und dem latenten Antisemitismus, der das Leben der Minderheiten durch stille Verfolgung unerträglich mache und darum noch gefährlicher sei. Er wünschte, daß die Freunde der Minderheiten, namentlich Madame Bakker van Bosse, ebenso wie nach Tirol auch nach Rumänien gingen, nicht nur, um die Lage der jüdischen, sondern auch die der russischen Minderheit, die unter Verfolgungen leidet, zu studieren. Der Redner hebt dabei die Tatsache hervor, daß den Russen orthodoxen Glaubens in Rumänien sogar die Kirchenbücher konfisziert worden sind. Prof. Pangrati sprach wieder davon, daß das rumanische Volk tolerant sei, und führte die Zustande in den jüdischen Volkes zu behandeln. Hätte man den Vorschlag befolgt, den Brandeis im Jahre 1919 machte, nämlich den Palästina- Aufbau als eine rein ökonomische Sache behandelt, so wäre die Wirkung auf die jüdische Seele zerstörend gewesen. Am Schluß sprach Chajes über das Abkommen Weizntann- Marshall. Ueber einen zweiten Vortrag, in dem Dr. Wolfgang Weisl ... ... ״ , unter dem Titel ״Götzendämmerung in Palästina“ im wesent- Fragen Südtirols und Rumäniens die Liga des Landes, das I liehen das vorbrachte, was er auch in Berlin zu sagen hatte, 1״_:>< 1..LJJ 1:1:1. _..J_l ״IS« I *»!1* At* M____!17. <1 _.!! J.o -!.*. _! ' neuerworbenen Ländern darauf zurück, daß in diesen Ländern bisher noch dunkles Mittelalter geherrscht habe und sie kulturell noch nicht auf der Stufe von Altrumänien angeUngj: seien, ln den “ ־ ־ ־־ .. der Juden in und mit Sowjetgeldern gespeiste Agitation. Ei. ' . in die wegen seiner Minderheitspolitik angegriffen wird, die Politik der eigenen Regierung so ziemlich ohne jeden Vorbehalt verteidigt. Bei aller Würdigung der schwierigen Stellung dieser Delegationen, muß jedoch gesagt werden, daß mit solcher Haltung der Sinn der Ligaarbeit nicht richtig erfaßt ist. Baron Adelsward (Schweden) sprach den Wunsch aus, es müsse die Frage der gesamten Minderheiten einer wirklichen wissenschaftlichen, von objektiven Männern geführten Untersuchung unterzogen werden, denn diese Debatte führe eher zu weiterer Entfremdung als zur Annäherung. Er bittet daher das Büro, eine solche Untersuchung einzuleiten und dafür mich die notwendige Summen zur Verfügung zu stellen. Zum Schluß sprach nochmals Dizengoff. Er schloß sich den Gründen Baron Adelwards und anderer Dele- [ierten an und beantragte selbst, seine Resolution von Jer Tagesordnung der jetzigen Session ab* zusetzen und sie endgültig in der Oktober-Session des Kongresse zu behandeln. Er hoffe, daß bis dahin die Angelegenheit klarer und durchsichtiger sein wird. Die Kommission für die Minderheitenfragen kam auch zu dem Beschlüsse, sämtliche Angelegenheiten der Minderheiten, auch die der Deutschen in Südtirol und der Juden in Rumänien erst in der Oktober-Session des Kongresses endgültig zu behandeln und vor das Plenum des Kongresses zu bringen. In der Erziehungskommission des Kongresses der VöBcerbundsgesellschaften referierten die Vertreter der einzelnen Länder darüber, wie in jedem Lande der Erziehungsapparat zur Vertiefung der Idee des Völkerbundes und der Völker- Verbrüderung ausgenutzt wird. Der palästinensische Delegierte Dr. Mosslnson wies auf die in Palästina bestehenden besonderen Schwierigkeiten hin, indem es dort dreierlei Schul- Systeme gibt: das hebräische Schulwesen, die Regiemngsschulen für die Araber und die Schulen der verschiedenen Missionen. Eine einheitliche Arbeit war vorläufig nicht zu erzielen. In die jüdischen Schulen wird der Gedanke der Völkerverbrüderung ja schon durch den Bibelunterricht hineingetragen. Ferner wird in der Bürgerkunde stets für die Ideale der Völkerverbrüderung zewirkt unter besonderem Hinweis, daß ja Palästina als Man- Jatsland dem Völkerbund untersteht. In den anderen Schulen wird das hoffentlich später auch der Fall sein. Die ersten Schritte der Verständigung zwischen den Völkern des Orient haben die Lehrer getan. Es fanden gegenseitige Besuche der hebräisch-palästinensischen und der ägyptischen Lehrer statt. teilt die ״Morgenzeitung“ mit, daß sich an das Referat eine Diskussion schloß, in der u. a. Dr. Tartakower starke. Zustimmung fand, als er Dr. Weisls Kritik alsmaßlosund unverantwortlich bezeichnete und darauf hinwies, daß solche Reden geeignet seien, die Zionisten in ihrem Mangel an Opferfreudigkeit für den Palästina-Aufbau zu bestärken, sowie in der Neigung, alle Schuld für das langsame Tempo des Aufbaues und für alle Fehlschläge und Mißerfolge auf die zio* nistische Leitung zu schieben. Die ״Morgenzeitung“ schließt ihren Bericht über den Vortrag Weisl mit folgenden Worten: ״Unaufgeklärt blieb aber bis zum Schlüsse der allzu anspruchsvolle Titel von der Götzen• dämnterung, der übrigens auch recht unglücklich erscheint. Wenn ein System versagt, woran doch auch politische Widerstände außerhalb des Judentums und die große Weltkrise mit dis Schuld tragen, so ist das noch keine Götzendämmerung. Das Wort pflegen sonst nur Todfeinde des jüdischen Zukunfts* glaubens anzuwenden, die das große politische Werk des Zionismus nur vom Gesichtspunkt der Rentabilität behandelt wissen wollen. Die Aprfleinglnge des Keren Bafessod Die Eingänge des Keren Hajessod im Monat April 1927 betrugen £ 43312. Zu dieser Summe haben beigetragen: Vereinigte Staaten von Amerika £ 21347. 6. 2 —.—.3000 ״ Zionistische Vorträge in Wien Die ״Wiener Morgenzeitung“ berichtet über einen Vortrag des Prof. Chajes, der die ״gegenwärtige Lage im Zionismus“ in einer Massenversammlung besprach. Wir entnehmen dem Bericht Nachstehendes: ln allen politischen Problemen führte Dr. Chajes aus — lege die englische Politik das Endziel fest und den weg. Aber innerhalb des Weges lasse sie sich alle Möglichkeiten offen und setze nichts mathematisch fest. Heute,;;■i|i׳VeriiIll|»feMgla»i^ Äw ■®rar 1per.se11wf■^w»» w•*' teien, zu dem palästinensischen Aufbauwerke klar zu erkennen. Ziel ist die Förderung der nationalen jüdischen Heimstätte, def Weg Ist das Mandat, die Zusammenarbeit mit der Zionistisehen Organisation. Vom ersten Augenblick mußte England den Judenstaat wollen; denn sonst wäre der Inhalt der Baifour-Deklaration Unsinn. Gerade jetzt, in der Zeit der Palästina-Krise, haben wir die Empfindung, daß England uns als seinen Partner betrachtet. Politisch sei seit 1917 unsere Situation niemals so günstig gewesen wie jetzt. Oberrabbiner Chajes führte ins Treffen, daß jeder Niclitjude, der nach Pa- Iästina kommt, auch jetzt, während der Krise, das Land in der festen Ueberzeugung verläßt, daß Palästina die jüdische nationale Heimstätte werden wird, nicht nur werden kann. Er verweist insbesondere auf die Aeußerungen des italienischen Abgeordneten und jetzigen Konsuls Pedaozzi, der einst ein Gegner des Zionismus war und während des Besuches von Pa• Iästina ein ausgesprochener Anhänger wurde. Was die i n n e r e S i t u a t i o n des Zionismus anlangt, sei bei der Tagung des Aktions-Comitfe fast durchaus die Ansicht geäußert worden, daß man aus dem Stadium der Versuche jetzt herauskommen und den Weg ruhiger ökono- Wischer Konsolidierung betreten müsse. Es stünden zwei Grundauffassungen einander gegenüber. Die einen meinen, man hätte die verschiedenen Kolonisationsversuche überhaupt nicht machen dürfen, sondern die ökonomische Frage in Erez-lsrael genau so behandeln müssen, wie ökonomische Fragen etwa in Kanada oder Deutschland. Die anderen hingegen vertreten die Ansicht, daß diese Versuche eine absolute Notwendigkeit waren. Klar ist, daß für uns die Frage des Palästina-Autbaues kein« rein ökonomische sein kann. Es mußte eine Chaluziuth geben. Nur durch sie und auch durch die Feh.ler, die sie begangen hat, ist es möglich geworden, den Palästina-Aufbau als eine Angelegenheit des idealen Auflebens des unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. fuli 1927 ab zu lieternden Exemplare bis zum 15. Juni. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Junitagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dafe diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst UnregelmSSigkeiten in der Zustellung der Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Hai 1927. Verlas ״Jüdische Rundschau“ Berlin W15, MelnekestraBe 10 Südafrika Rumänien England Schweden Tschechoslowakei Deutschland Indien Holland Der Rest entfällt auf die übrigen Beitragsländer. Die Gesamteingänge des Hauptbüros des Keren Hajessod per 30. April 1927 betrugen somit £ 2959489.18. 2782.10.11 2416. 1.11 2111.16.— 2021. 9. 6 2059.15.11 1406.18. 4 1156.10.— Aatotmglflek Dr. Martha Holtmann Frau Dr. Martha Hoffmann, Lehrerin am ]&> dischen Gymnasium In Wien und führendes Mitglied aer Weltorganisation zionistischer Frauen, die auch unseren Lesern als gelegentliche Mitarbeiterin unseres Blattes bekannt ist, hat während einer Reise in Palästina einen schweren Autounfall erlitten. Die Verletzungen erwiesen sich als so schwer, daß nach längeren ärztlichen Konsultationen der rechte Arm amputiert werden mußte. Wir sind überzeugt; daß die zionistische Öffentlichkeit und alle Bekannten der Frau Dr. Hoffmann mit herzlicher Anteilnahme und großem Bedauern von diesem Unglück Kenntnis genommen haben und daß sich der Verunglückten, die wie Frau Anitta Müller- Cohnen in einer ausführlichen Schilderung in der ״Wiener Morgenzeitung“ hervorhebt, ihr Schicksal mit bewunden»׳ werter Würde und Selbstbeherrschung trägt, die allgemeinen Sympathien zuwenden. Berfti, 26. 5. 1927* Sehr geehrte Redaktion! Zum ״Eingesandt“ des Herrn Dr. Wilensky In Ihrer letzten Nummer muß ich leider eine kurze Entgegnung erbitten: Die Bemerkungen des Herrn Dr. M.Wilensky za ארון und ידיד ändern nichts an der Tatsache, daß jenes in der Bibel, der einzigen korrekten Grundlage unserer Vokalisation nur זןר(ן lautet, dieses trotz eines klaren Irrtums bei Ibn Esra oder dessen Abschreiber zu Ps. 127,2 an allen Belegstellen ״Freund“ nur in passivem Sinne bedeutet, und der gegenteilige Gebrauch krasser Germanismus ist. Herrn W. über die Methode der Wortvergleichung aus anderen Sprachen zu belehren, ist hier nicht aer Ort. H. Torczyner. Gabriel Rlessa׳ Ich ersuche um Aufnahme der nachfolgenden Zellen zu dem Artikel über ״Gabriel Rießers Abstammung“. So unsinnig das Bemühen der Assimilanten ist, Gabriel Rießer als den ״deutschesten aller deutschen Juden hinzustellen, so erscheint mir dennoch der Versuch des Herrn Jacob "Baehr, ihm ״ostjüdische Abstammung“ nachzuweisen, als nicht weniger verfehlt. Geht man in der Geschichte 150 oder gar 200 Jahre finden, daß das jüdische Volk und orthodoxe Gekhrtenklasse zu jener eine kulturell geschlossene Einheit dischen Gelehrten nur rabbinische Gelehrsamkeit pflegten, die ohnedies von der nichtjüdischen Umwelt so gut wie gar nicht beeinflußt war, und die Juden auch sonst in ihrem kulturellen Leben von ihren Wirtsvölkern noch ziemlich unberührt waren, so ist es doch ein unmögliches Beginnen, etwa einen Rabbiner jener Zeit nach dem Orte, an dem er zufällig ansässig war, als einen Ost- oder Westjuden im heutigen Sinne zu bezeichnen. Warum z. B. schreibt Herr Baehr von Rabbi Pinchas Katzenellenbogen (1691 bis ca. 1765), daß er Rabbiner in Leipnik war, nicht aber, daß er nach einer weiteren Tätigkeit in Boskowitz Rabbiner in Wallerstein und schließlich in Marktbreit in Bayern war? Warum — nur ein weiteres Beispiel anzuführen — berichtet er von dessen Schwiegervater Rabbi Gabriel, daß derselbe Rabbiner in Oelkuß war und verschweigt, daß dieser später in Prag, dann in Metz und endlich in Nikolsburg Rabbiner war usw. usw.? Nur mit dem Aufzeigen sämtlicher, nicht mit dem Weglassen unpassender geschichtlicher Tatsachen ist der Wahrheit gedient. Wenn somit der Versuch der Assimilanten, aus Gabriel R. einen urteutschen Teutonen zu machen, nur abzulehnen ist, so ist es m. E. ebenso die Beweisführung des Herrn Baehr aus dem gleichen Grunde. Jene betonen wenigstens noch, was Gabriel Rießer wirklich war oder doch zu sein glaubte, während Herr Baehr sich nur damit beschäftigt, was seine Vorfahren waren, und es ist unzweifelhaft, daß das erstere für die Charakteristik eines Menschen wesentlicher ist als das letztere. L. Rosenberger (Jerusalem). zurück, so wird man ganz insbesondere seine Zeit noch interterritorial bildet. Zumal die jü- Wir sind in der Lage, ein Literatur-Verzeichnis für Einrichtung von Bibliotheken zionistischer Ortsgruppen abzugeben. Dieses Verzeichnis steht unseren Vertrauet»- leuten auf Anforderung zur Verfügung. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meinekestraße 10,

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