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Jüdische Rundschau · 1927-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1927)
Date
1927-05-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Doppclnummcr 0,40 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark, ▼ierteljährlich 5,25 Goldmark. Auilendubonsement• werde« in der Wihraag der einzelnen Linder berechnet Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.ntb.IL, Berlin W15, Melnekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392 F8r Oeetemleb) PanteparkMaenemt Wien, Konto Nr. 156 030. FÄr Tschechoslowakei: rostaparkasseaamt Prag, Konto Nr. 59 410. Fflr Polen! Fostsparkassraaat Warschau, Konto Kr. 1907CÄ- Redaktionsgchluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 41/42 | Berlin, 25. V. 1927 Aju^gt&prai«:3g«apall^0nparafllaxcil*O>5O(x^M. Stdfa1gg«adbeQJ5C3d־-M. AnzHjJeaichhifl: Dienstag «ad Freilaß nachmittag 4 Uhr. כ״י אייר׳ תרס״ז | xxxn. Jahrg. Oer Zionismus erstrebt für Oes Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.*4 V eranlworfung spolili k Eine kämpfende Bewegung findet Schwierigkeiten auf dem Wege zur Verwirklichung. Jahrzehnte braucht die zionistische Revolution zur Erreichung ihres Zieles. Die Umwandlung der Machtverhältnisse der Judenheit in der Welt bedeutet einen Erziehungsprozeß, den alle Zionisten, nicht etwa nur die Leitung der Weltorganisation und die Leitung von Landesverbänden und Frak* tionen, durch ständiges Lernen und Lehren herbeizuführen haben. Unser Ziel ist das in die Wirklichkeit überführte Baseler Programm, dessen Verfechter die geeinte und geschlossene Zionistische Organisation sein soll. Die zionistische Aufgabe erfordert tiefe Gläubigkeit, unerschütterlichen Optimismus als Grundstimmung, ständige Selbstkontrolle, eine schwer zu ertragende disziplinierte Tagesarbeit und ein an Entsagungen reiches, zionistischer Pflichterfüllung geweihtes Leben. Wurde es auch heute nur gelten, eine Bewegung um der Bewegung willen aufrechtzuerhalten, so wären wir nicht so leicht imstande festzustellen, inwieweit diese notwendigen Voraussetzungen in der organisierten zionistischen Welt vorhanden sind. Die Bedeutung des Zionismus besteht ja aber gerade darin, daß die Idee riskiert, sich im Leben auf die Probe zu stellen. An einem meßbaren und kontrollierbaren Werk soll die Richtigkeit der Behauptung erwiesen werden, daß der Zionismus die Lösung der Judenfrage in ihrem eigen!- liehen Sinne ist. Wir gingen an die kolonisatorische Eroberung unseres Landes. Auch der kenntnislose lllu« sionist wußte, daß es sich um keinen bequemen Spaziergang handeln würde. Kein Wunder ist es jedoch, daß während der Arbeit größere Scharen organisierter Zionisten über die Schwierigkeiten und Hemmnisse in Erstaunen gerieten. Beim Zusammenstoß der Idee mit <$6ז distisch‘;,VertrittedKj Sache in effte ernsthafte Politik erfolgen. Wir kämpfen nicht im luftleeren Raum. Wir stehen bestimmten gegebenen Realitäten gegenüber, bezßglich deren wir keine Wahl haben, da wir ja bewußt ein bestimmtes Land gesucht haben, ein Land, an dem das jüdische Volk schon einmal seine Kräfte erprobt hat, über das wir in Vergangenheit und Gegenwart Erfahrungen genug gesammelt haben. Ein Leichtes ist es, in jedem Augenblick diejenigen zu diskreditieren, die mit offenen Augen jeden Widerstand erkennen, ihr! mit den richtigen Mitteln zu überwinden versuchen, aber selbstverständlich bei ihrer Arbeit zu einer Auflösung in zahlreiche einzelne, naturgemäß kleine Aufgabengebiete kommen müssen. Eine große Zeit, bricht für alle Demagogen und politischen Abenteurer an, wenn ernsthafte Krisen entstehen, deren Ueberwindung außerordentliche .Anstrengungen von jedem einzelnen Zionisten erfordert. Es ist ein Leichtes, dann zu behaupten, die Verantwortlichen verlören die großen Ziele aus den Augen und man hätte doch in ganz anderer Weise auftreten müssen. Dann spielen Worte wie ״Der große politische Schwung“, ״Die Reinheit der Gesinnung“ und Beweise durch falsche Analogien eine Rolle in neuer Propaganda im luftleeren Raum. Wir halten es für einen Fortschritt, daß wir endlich soweit gekommen sind, um uns an realen Aufgaben die Zähne ausbrechen zu können. Wir sehen den Idealismus unserer Bewegung nicht in der Geste des Heldentenors, des artistischen Versammlungsredners, der meiodramatischen Situationsmalerei, sondern darin, daß man an alle Fragen der Politik und Wirtschaft mit kühlem Kopf und nüchterner Sachlichkeit herangeht. Daher kann die letzte Sitzung des Aktions-Comites einen wichtigen Schritt nach vorwärts bedeuten. Sie hat den Mitgliedern des A.-C. unwiderleglich bewiesen, daß im Interesse unserer Sache eine vorsichtige Anpassung an die Tatsachen des ökonomischen Lebens erforderlich ist. Sie haben sich darüber unterrichtet, wie es um unsere Institutionen und um unsere Wirtschaft bestellt ist, und mit erstaunlicher Einmütigkeit hat das A.-C. beschlossen, wie wir es vor der Sitzung forderten, die künftige Budgetpolitik im Einklang mit den zu erwartenden Einnahmen einzurichten und nicht etwa nach einem zwar erwünschten, aber völlig unsicheren Maxinurni der Eingänge zu budgetieren. Die Exekutive spricht in ihrer Kundgebung von ״fundamental neuen Methoden“. Wir fanden dieses durchaus nicht eindeutige Wort nicht gerade glücklich. Für uns handelt es sich nicht darum, eine Kursänderung derart vorzunehmen, daß etwa, wie manche wollen, nunmehr die landwirtschaftliehe Kolonisation in die zweite Reihe gestellt wird oder daß wir uns der Kampagne gegen die Arbeiterschaft und ihr soziales Leben anschließen wollen. Wir sind im Gegenteil fest entschlossen, die Priorität der für die Be. festiguag unserer landwirtschaftlichen Siedlungen notwendigen Mittel anzuerkennen, auch wenn dies naturgemäß zu einer auch von uns beklagten Einschränkung auf anderen Gebieten führt Wir befürworten aber eine Ausdehnung der Tätigkeit der Exekutive insbesondere bezüglich der Förderung der Privatwirtschaft. Die letzten Jahre haben den Beweis erbracht, daß die Zionistische Organisation nicht imstände ist, ausschließlich mit öffentlichen Mitteln für die Beschäftigung der Arbeitslosen und Einwanderer zu sorgen. Auch das private Unternehmertum der Vierten Alijah hat nur zum kleinen Teil reüssiert Wir brauchen ein richtiges Unternehmertum. Keine ״kapitalistische Chalukkah“, sondern Unternehmer, die mit der gleichen Pioniergesinnung wie unbemittelte Pioniere ins Land kommmen, ausreichende Mittel besitzen, den Fehler vermeiden, unterkapitalisierte Betriebe zu gründen und die vor allem selbst ins Land gehen, sich und ihr Kapital nach gründlicher Prüfung, aber dann endgültig entschieden in Palästina ein setzen. Dieses zionistische Unternehmertum, das die selbstverständliche Bedingung der jüdischen Arbeit und der Wahrung der nationalen Interessen zu erfüllen hat, wird in der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft keinen Feind finden. Jede gründliche Nachprüfung beweist, daß es kaum ein Unternehmen in Palästina gibt, dessen mangelnde Rentabilität der Arbeiterschaft zur Last gelegt werden kann. Es besteht aber kein Zweifel, daß auch die Zionistische Organisation zur Förderung solcher durchaus erwünschter kapitalstarker Elemente mit Einsetzung ihrer Mittel verpflichtet ist. Die Klagen über mangelnden Kredit sind berechtigt. Es wird unsere Aufgabe sein, z. B. die Einwanderung kapitalbesitzender jüdischer Pflanzer andere gesunde industrielle Unternehmung« durch notmalen Kredit zu unterstütz«. Der augenblickliche Notstand soll durch die geplante Beschaffung von £ 140.000, garantiert durch den Keren Hajessod, gelindert werden. Wir bedauern, daß man für diese Finanzoperation, die in Wahrheit eine Bevorschussung zukünftiger Keren Hajessod-Eingänge bedeutet, das Wort ״Anleihe“ gewählt hat. Jedenfalls hat dieser Betrag nichts mit einer von uns erhofften großen Anleihe für unser Kolonisationswerk zu tun. Es war klar, daß der Keren Hajessod dieses Darlehen nur unter der Voraussetzung ertrag« kann, daß aus dem ordentliehen Etat keine wesentlichen Beträge für Arbeitslosen- Unterstützungen außerdem noch ausgegeben werden. Die logische Konsequenz des Beschlusses über das Darlehen von £ 140.000 war der Beschluß über das Aufhören der Zahlungen von Arbeitslosenunterstützung. Das erste Ziel unserer wirtschaftspoütischen Maßnahmen ist die Beseitigung der Defizite und die Wiederherstellung der finanziellen Sicherheit der zionistischen Exekutive. Uns war klar, daß der Beschluß über das Aufhör« der Unterstützungsgelder ernste Folgen haben kann. Die zionistische Verantwortungspolitik steht aber vor der Frage, ob es wichtiger ist, eine Neuordnung unseres Finanzsystems durchzuführen und unser Werk dadurch für eine neue Expansion reif zu machen, oder den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und Verhältnissen Rechnung zu tragen, die dann zwangsläufig einen unerträglichen Abstieg herbeiführen müssen. Diese Sachlage war natürlich den Vertretern der Arbeiterschaft ebenso klar wie uns. Leider haben sie nicht immer danach gehandelt. Taktische Erwägungen sollten in einer so ernsten und folgenschweren Ent- Scheidung zurücktret« hinter der rein sachlichen Fest- Stellung dessen, was notwendig ist Das Verhalten der Arbeitervertreter hatte zur Folge, daß Parteien aus heterogenen Elemente^ entstanden und daß der falsche Eindruck erweckt worden ist, als ob Zentrum und Rechte eine Politik betrieben, deren Ziel die Erdrosselung der Arbeiterwirtschaft bedeutet Unsere Stellung war unbeeinflußt von irgendwelchen taktischen Rücksichten. Wir wollen die Konsolidierung unserer Wirtschaft in allen ihren Teilen, wir wollen ebenso sehr die Durchprüfung der Wirtschaf tsmethod m der Bodenkaufsgesellschaften wie etwa der des Solei Boneh. Wir glauben, daß bei einer ernsten und gründlichen Revision die Institutionen der Arbeiterschaft vielleicht besser abschneiden werden als eine - Reihe privatwirtschaftlicher palästinensischer Unternehmungen. Aber wie dem auch sei, wir verlangen im gegenwärtigen Stadium eine ernsthafte Reform der Wirtschaft und Verwaltung in allen ihren Teilen. Es liegt Uns nichts daran, Schuldfragen zu erörtern und wir würden uns freuen, wenn sich heraassteil« sollte, daß wir auch bisher im allgemeinen in der Methode unserer Arbeit auf deiü riehtigen Wege gewesen sind. Aber dieses Ergebnis kann nicht durch Behauptungen bisher verantwortlicher Person« erzielt werden, sondern nur durch eine unparteiische Instanz. Deshalb begrüßen wir die gewählte Kommission und die Art ihrer Zusammensetzung. Wir setzen keine übertriebenen Erwartungen in die Arbeiten dieser Kommission, aber wir erblicken in ihrer Ein- Setzung die. erste ernsthafte Maßnahme, um der bestehenden Vertrauenskrise zu begegnen.י Leider besteht Grund zu der Annahme, daß man nachträglich versuchen wird, die klaren und folgenschweren Beschlüsse ihres eigentlichen Sinnes zu entkleiden oder sie zu interpretieren. Gegen ein solches Verhalten würden wir in schärfste Opposition treten. Die Exekutive hat jede Möglichkeil gehabt, auf die Form der Beschlüsse einzuwirk«, aber sie ist heute durch diese Beschlüsse des A.-C gebunden. Die von uns eingesetzte Kommission hat nichts zu tun mit der Expertenkommission, die auf Grund der Vereinbarungen zwischen Dr. Weizmann und Marshall nach Palästina geht. Unsere Kommission hat die Methoden unserer Arbeit nachzuprüfen und das Budget vorzubereiten. Sie hat die Aufgabe, zu verhindern, daß etwa Außenstehende als Sanieret unseres Werkes auftreten. Die Befugnisse der Expertenkommission der Agency sind genau festgelegt. Sie hat nicht die Aufgabe nachzuprüfen, o b wir arbeiten sollen, sondern aus* schließlich die Aufgabe, Pläne für die zukünftige Tätigkeit auszuarbeiten. Der Führer der Kommission ist Proteeso׳• Mead. Sein erster Report zeigt uns, daß er positiv zu Palästina Stellung genommen hat. Es besteht küti Anlaß, diese aus ernst« Spt»j׳ s*sil11il§«s1 41» gtfjfl*' von vornherein zu diskreditieren. Wir sind tatirlieh nicht bereit, uns dem Urteil jedes ^Saclverstiadi* gen“ m fügen, aber die heute allzu oft vertretene Meinung, daji Sachverständige eine überflüssige Einricl'.tung sind, ist die höchste Torheit. Wirtschaftlicher Dilettantismus und Phantasterei haben uns genug ge* schadet. Der Kongreß hat dem Plan^Dr. Weizmanns auf Er• Weiterung der Jewish Agency seine Zustimmung ge• geben. Wie auch immer Zionisten zu der Frage an sich stehen, es liegt eine bindende Entscheidung der Majorität des Kongresses vor, der alle Zionisten sich zu fügen haben, und es gibt eine auf die Durchführung dieses Kongreßbeschlusses gerichtete Arbeit. Auch diejenigen, die hoffen, daß die unternommenen Versuche scheitern werden, sollten alles tun, um dafür Sorge zu tragen, daß wir in bester Verfassung mit größter innerer Sicherheit irgendwelchem Partner gegenübertreten. Weit wichtiger als Reden in zionistisch« Versammlungen zur Bekämpfung der Agency-Politik ist die Arbeit für die Be• festigung des zionistischen Werkes in allen seinen Teilen. In jedem Fall muß die Zionistische Organisation als ein starker verhandlungsfähiger Partner auftreten. Es könnte sonst leicht so kommen, daß der durch Kon• greßbeschluß gedeckte Führer der Organisation allein Entscheidungen treffen muß, weil die Organisation nichts getan hat, um ihren Einfluß auf die Gestaltung der Kooperation auszuüben. Das Verständnis für eine positive und verantwortungsvolle Opposition ist bei uns noch außerordentlich wenig entwickelt. Ueber die Fragen der zionistischen Bewegung, der Wiederbelebung des jüdischen nationalen Bewußtseins, die eine Vorbedingung des Zionismus ist, soll bei anderer Gelegenheit gesprochen werden. Wir reden hier nur von den konkreten politischen Fragen, den praktischen Aufgaben des Tages. Für den Kongreß in seiner heutigen Form ist der nächste Schritt von größter Bedeutung. Wir wollen für bestimmte Maßnahmen, zunächst auf wirtschaftlichem Gebiet, eintret«. Unser nächstes Ziel ist die Durchführung, nicht die Parole bestimmter Reformen. Wir wollen verhindem, daß auf dem nächsten Kongreß alles beim alten bleibt. Um dieses Ziel zu erreichen, muß Klarheit darüber geschaffen werden, daß alle nach anderen Riehtungen gehenden Versuche nur dazu geführt haben, zu verhindern, daß die absolut notwendige Konsolidierung unserer Wirtschaft in der erforderlichen Form durchgeführt wird. Es gibt unseres Erachtens keinen Grund, der politischen Leitung unsere Unterstützung zu versagen. Die Leitung trifft nur das Verschulden, daß sie die zionistische Welt viel zu wenig über die politischen Fortschritte der letzten Zeit informiert hat. Als z. B. in zionistischen Versammlung« über die ««gelnde

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