Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 280 meinsame Konferenz der radikalen und re»!• zionistischen Gr u p p e stattgefunden hat Diese Gruppen sind zwar programmatisch sehr verschieden, ihre Führer haben sich oft scharf bekämpft, aber sie sind geeinigt in der Gegner• Schaft gegen Weizmann und insbesondere gegen die Agency• Politik. Ob die beiden Parteien sich fusionieren oder nur eine Interessengemeinschaft bilden werden, ist noch nicht bekannt, doch scheint das letztere der Fall zu sein. Vorläufig scheint man sich über die Form noch nicht einig zu sein und wählte daher den etwas ungewöhnlichen Weg, sich als Pressevertreter zu maskieren. Der Misrachi - Delegi erienia# Am 15. und 16. Mai fand in Berlin der diesjährige Del«־ gierten tag des deutschen Landesverbandes Misrachi statt. An der Tagung nahmen 36 Delegierte für die verschiedenen Mis• rachiortsgruppen teil. Die Gruppen Berlin, Breslau, Chemnitz, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln a. Rh., Königsberg, Leipzig, Mannheim, München und Wiesbaden waren durch Delegierte vertreten. Dr. Martin Rosenblüth begrüßte die Tagung namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland; Herr Dr. Sulzberger, Berlin, sprach die Wünsche der Berliner Misrachi-Ortsgruppe aus. In das Präsidium der Tagung wurden gewählt: Dr. A. Löb, Berlin; Dr. Rabin, Breslau; Alexander Adler, Hamburg. Zum Schriftführer wurden die Herren Paul Struck, Berlin, S. Weißberg, Hamburg, ernannt. Der Vorsitzende des Zentralbüros, Dr. W o I f s b e r g, erstattete den Bericht über die Arbeit des verflossenen Jahres. Er wies darauf hin, daß die bisherige Leitung ihr Amt in einer Zeit starker Krise, nicht nur unseres allgemeinzionistischen Werkes, sondern auch besonders unserer Organisation in Deutschlana übernommen habe. Als wichtigste Aufgabe hatte sich das Zentralbüro die Schaffung eines Generalsekretariats vorgenommen, dessen Einrichtung seit Jahren von allen Ortsgruppen dringend gewünscht wurde. Es ist allerdings unter großen Schwierigseiten gelungen, ein geschaffenes Provisorium bis jetzt aufrecht zu erhalten, das Sekretariat hat aut dem Gebiete der Propaganda, der Organisation und der Erweiterung unseres Ar* beitsfeldes gearbeitet und zufriedenstellende Resultate gezeitigt. Es ist als Erfolg der Mlsrachiarbcit anzusprechen, wenn auf der letzten Delegiertentagung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland das Referat über die Erziehungsarbeit von einem Mlsrachisten gehalten werden konnte. Auch an der Aussprache in der Presse über zionistische Kulturfragen hat der Misrachi in der vergangenen Periode lebhaften Anteil genommen. Prinzipielle Auseinandersetzung mit der misrachistischen Orthodoxie wurden laufend in der uns befreundeten Presse durchgeführt. Im An- Schluß an die Antwerpener Tagung des Weltmisrachi, aut der Deutschland mit 5 Delegierten vertreten war, wurde die Arbeitsgemeinschaft misractustkeher Verbände gegründet, der sich die Misrachi-Landes verbände Holland, Belgien, Schweiz, Oesterreich, Tschechoslowakei und Lettland anschlossen. Der An- Schluß von England ist in nächster Zeit zu erwarten. Die Arbeitsgemeinschaft hat ihre Arbeit, deren Leiter der deutsche Misrachi ist; aufgenommen und bereits gute Resultate gezeitigt. — Anläßlich des 25 jährigen Misrachijubiläums führte aas Zentralbüro die vom Merkas Olami vorgeschlagene Jubiläumsaktion durch. In einer Anzahl von Städten wurden Festvcranstaltungen vorgenommen, die einen einheitlichen Charakter trugen, bei dem aas Zentralbüro persönlich durch verschiedene seiner Mitglieder teilnahm. Es war mit Genugtuung zu vermerken, daß auch die nichtmitrachistische Judenbeit bei dieser Gelegenheit davon Rechenschaft gab, welch bedeutende Roll« die misrachistische Organisation innerhalb des deutschen Juden• tums spielt Besonders die Berliner Veranstaltung des Zentral• büros, sowie die Feierlichkeiten in Hamburg waren außerordentlich eindrucksvoll und haben auch finanziell günstige Re• sultate ergeben. Das Zentralbüro konnte anläßlich des Jubi• läums eine Sammelbroschüre, in der der gesamte Fragenkomplex des Misrachi eingehend behandelt wird, herausbringen. Das Buch hat überall großen Anklang gefunden. Die Orts• gruppen werden darauf hingewiesen, daß es sowohl aus propaganaistischen als auch aus finanziellen Gründen dringendste Not• wendigkeit ist daß der Verkauf der Broschüre überall auf das Energischste betrieben wird. Dem vom Delegiertentage beifällig aufgenommenen Bericht folgte ein Kassenbericht durch Dr. A. Lehmann, Berlin. Aus demselben ging hervor, daß eine große Anzahl von Ortsgruppen ihre Pflichten der Organisation gegenüber nicht so erkannt haben, wie dies bei der Vielseitigkeit der Aufgaben notwendig gewesen wäre. Dr. Scheresch ewsk i, Berlin, erstattete einen Bericht über die Hachscharaharbeit des Misrachi in Deutschland, in dem besonders die wesentliche Verbesserung durch den Verkauf des Gutes Rodges hervorgehoben wurde. Angespornt durch diese lebhaftere Tätigkeit auf dem Gebiete der Hacnseharah hat sich auch die Misrachijugendarbeit kräftiger entwickelt. Die Herausgabe der Misrachi-Jugendblätter in Hamburg ist ein Zeichen ffir das stärker werdende Interesse der Jugend. Dr. Sulzberger, Berlin, hielt alsdann sein Reterat über die finanzielle Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Misrachiarbeit. Zwar müsse man in der ideologischen Grundlage stets die Basis der Propaganda sehen, aber an diese anknüptend müßten die stärksten Anforderungen ah aktive Mitarbeit und finanzielles Interesse der Mlsrachisten an unserer Arbeit gestellt werden. Um richtig nach innen und außen wirken zu können, müßten wir wieder eine eigene Presse an streben. Es muß versucht werden, die Mlsrachisten regelrecht zu besteuern; jede Gruppe muß auch ihr Aeußerstes tun, um dem Zentralbüro die Durchführung seiner Arbeit zu erleichtern. Das Budget für das kommende Jahr erfordert die Aufbringung eines Betrages von M. 30 000. Nach Anhörung der Berichte wird in die Generald e b a 11 e eingetreten. Herr Adler bemängelt an der Arbeit der Gruppen im vergangenen Jahre das vielfach mangelnde Verständnis den organisatorisenen Aufgaben gegenüber. Dr. Rabin, Breslau, sieht einen Mangel der bisherigen Arbeit in der Vielfältigkeit der erstrebten Ziele. Man solle auch nicht zu große Anforderungen in bezug auf die ideologischen Grundlagen stellen. Vor allem müßten die Möglichkeiten in Deutsch-!and ausgeschöpft werden, bevor man interterritoriale Arbeiten, die gewiß auch nötig sind, in Angriff nimmt. Meier. Köln, hält die Aufbringung des vorgelegten Etats für außerordentlich schwierig. Die Mlsrachisten müßten vom Misrachi aus genau so besteuert werden, wie dies von der allgemeinen Organisation geschieht. Weißkopf, Chemnitz, empfiehlt die Bearbeitung der ostjüdischen Gruppen durch bekannte Ostjüdische Redner. Vor Eintritt In die Mittagspause wird eine Kommission liir Finanzen und eine für die Erziehungsarbeit gebildet. Ebenso wird ein Permanenzausschuß zusammengesetzt, der die vorliegenden Anträge durchberaten 8011. Nachmittags wird die Generaldebatte fortgesetzt, an der sich noch die Herren l)r. Schereschewski, Berlin, Benno Kohn, Frankfurt a. M.. Gildin gorin, Leipzig, beteiligen. In einem Schlußwort stellt Dr. w ol f sbe rg mit Befriedigung fest, daß die Generaldebatte gezeigt habe, aaß die Arbeit des Zentralbüros die Anerkennung des Delegiertentages gefunden hat. Es wird der Antrag eingebracht: Der Delegiertentag dankt dem Zentralbüro für seine Arbeit und spricht ihm sein Vertrauen aus. Der Antrag wird durch Akklamation an genominell. — Die Zeire Misrachi dankt Dr. .Woltsberg insbesondere für die verständnisvolle Förderung seiner Ziele und seiner Mitarbeit Dr. Rabin, Breslau, referierte über das Erziehung*• werk des Misrachi. Er weist darauf hin, daß der Misrachi bei seiner Wcltkonferenz in Amsterdam im Jahre 1019 vor einem unentwickelten Schulwerk stand und daß er sich damals für die absolute Einheit des palästinensischen Schul- Werks, nicht aber für die Einheit der Schulen entschieden habe, den״ man wollte keine zwei Judentümer in Palästina schaffen. Seit jener Zeit ist unser Schulwerk weit ausgestaitet und in sich gefestigt worden. Es hat sich erwiesen, daß trotz der Einheit im Aufbau der Schulen der oft gegen uns gemachte Vorwurf der Abhängigkeit in kultureller Beziehung nicht gerechtfertigt sei. Jetzt aber habe sich herausgestellt, daß es uns unter der Aegide der zionistischen Leitung des Schulwerks wohl möglich gewesen sei, die damals von uns übernommenen Schulen zu erhalten und in unserem Sinne auszugestalten, daß es auf diesem Wege aber nicht möglich wäre, in genügendem Maße neue Positionen zu erringen. Wir seien nicht dazu gekommen, ein misrachistisches Qvntnasiu in oder misrachistisehe Mädchenschulen in genügendem Ausmaß neu zu errichten und es bestände nur wenig Aussicht, solche neuen Positionen zu schaffen, wenn nicht eine grundlegende Aenderung in der Leitung des Schulwerkes erfolgt. Auch der Einfluß, den wir aut den Geist der nichtmisrachistischen Schulen haben nehmen können, hätte unseren Erwartungen nicht entsprochen. Das Schulwerk nehme einen so breiten Raum ein in den Arbeiten der zionistischen Organisation, daß diese gezwungen sei, andere wichtige Aufgaben dafür zu vernachlässigen und auch dem Schulwerk selber diene dies nicht, denn der Jischuw ist durch diesen Zustand auch in seinen reichen Kolonien viel zu sehr von der Verantwortung für das Schulwerk befreit. Unter Auf- Stellung von Mindestforderungen in bezug auf die nationale Gestaltung der Schulen müsse man dem Schulwerk die Möglichkeit zur freien Selbstgestaltung geben. Die zionistische Organisation müsse die Schulen dem Jischuw freigeben, der moralisch und finanziell die volle Verantwortung für die Schulen zu tragen habe. Wohl müsse auch fernerhin der Klal-Jlsroel und auch die zionistische Organisation durch den Keren Hajessod pekuniäre Verantwortung für das Schulwerk mit tragen, aber erst nachdem der Jischuw seine finanzielle Verpflichtung erfüllt habe. Keine anderen Bedingungen dürfe inan stellen, als die nach nationaler Erziehung in hebräischer Sprache und nach Anerkennung, daß der Arbeit auch eine profane Bildungsmöglichkeit zu Grunde gelegt wird. Das Referat stellt 3 Thesen auf. Die Verwaltung des Palästinaschulwerks soll auf neu zu bildende Schulorganisationen übergehen. Die Mittel zur Erhaltung der Schulen sollen durch Schulgelder, Gemeindebel trüge una Sammlungen im Auslände aufgebracht werden. Der Keren- Flajessod soll die Schulen subventionieren und seine Leistungen direkt an die Schulorganisationen abführe n. — Dr. Rabin legt eine Resolution vor, dahingehend, daß der deutsche Misrachi bei der Weltorganisation auf eine Verständigung m it der Agudah hinwirken solle unter gegenseifiger Unterstützung und Förderung in bezug auf das gesetzestreue hebräische Schulwerk ln Palästina. An das Referat schloß sich eine längere Debatte an. Es beteiligten sich an derselben die Herren: Edmund Lewy, Kober, Dr. Lewy (Breslau), Dr. Wolfsberg, Rabbiner Dr. Harry Levy. — Die Debatte ergibt, daß der Delegiertentag in manchen Punkten den Oedankengängen von Dr. Rabin zustimmt, im wesentlichen aber der Ueberzeugung ist, daß die Zeit für derartig einschneidende Veränderungen Organisator!- scher Natur noch nicht gekommen ist. Auf Vorschlag des Herrn Adler wird folgende Resolution angenommen: ״Der Delegiertentag des deutschen Misrachi hält nach Anhörung des Referates von Dr. Rabin über das Erziehungswerk des Misrachi und der Breslauer Vorschläge zu demselben die Behandlung dieser Probleme in der misrachistischen Welt für notwendig Der Delegiertcntag glaubt aber, daß diese Fragen noch nicht fckiärt genug sind, um heute über sie abzustimmen und ersucht as neugewählte Zentralbüro, diese Fragen in den Ortsgruppen zur Diskussion zu stellen.‘' Dr. Max Michael, Berlin, hält sein Referat über ״Fragen der misrachistischen Galuthpolitik". Es sei notwendig, daß sich misrachistisclic Gesinnung und misrachLstische Einstellung zu sämtlichen Aufgaben des jüdischen Lebens überall stärker bemerkbar machten, als dies augenblicklich der Fall ist. Wir dürfen auch in den außerpalästinensischen Tagesfragen der Judenheit nicht vorübergenen, auch Fragen wie die Judengesefzgebung, Landesverbände, verwaltungspolitische Fragen und andere können vom misrachistischen Standpunkt aus ein besonderes Gepräge erhalten, das in die Erscheinung treten zu lassen, das für das Judentum wertvoll sei. Daß wir in der Gemein depoli,t1k an erster Stelle mitzuarbeiten haben, ist eine längst anerkannte Tatsache. Aut diesem Gebiet sind überall bereits Erfolge zu verzeichnen; wir müßten aber auch von unseren offiziellen Stellen aus unser Interesse an diesen Dingen bekunden, damit unser Einfluß als Partei gekröftigt wird. Auch die innerjüdischen Angelegenheiten auf dem Lande und in den kleinen Gemeinden müssen von uns mitbearbeitet werden. Gerade hier, wo unser Anhang noch klein ist, müssen wir zeigen, daß jedes jüdische Interesse auch unser Interesse ist. All diese Arbeiten müssen wir um ihrer selbst willen als jüdische Gcmeinschaftsaufgaben unternehmen. In Wechselwirkung wird hieraus auch Vorteil für unser Partelfeben entstehen. Die Debatte über das Referat Dr. Michaels wird am zweiten Tage der Verhandlungen geführt. Es beteiligen sich an derselben die besonders in der Gemeindearbeit stehenden Delegierten Meier, Köln, Dr. Harry Levy, Berlin, Dr. G rzeb ina sc!1, Breslau, Wei ß k opf, Chemnitz, Von allen Seiten wird die Bedeutung dieser Arbeit anerkannt und aut Vorschlag von Dr. Harry Levy eine besondere Resolution in diesen Fragen dem Permanenzausschuß überwiesen. Dr. Aron Barth, Berlin, hält ein Referat über ״Der deutsehe Misrachi und der 15. Kongreß“ und gibt gleichzeitig einen Bericht über die Aclions-Comite-Sitzung Tn London. Er kennzeichnet die Action-Comite-Sitzung als gut, weil sie rein sachlich gewesen sei. Es wäre eine überparteiliche Front der Sachlichkeit zu verzeichnen gewesen, die Arbeit habe sich durchaus in den drei Kommissionen für Politik^ Organisations- und Wirtschaftsfragen konzentriert. In der Frage der Neubildung der Jewish Agency seien die Meinungen des Actions-Comitös noch getrennt. Es sei aber durchaus zu verwerfen, daß die bisherige Opposition in sachlicher Weise den Bericht der zu entscheidenden Kommission abwarte. Ueber den Ei 1111 e i t ss c h e ke 1 und die zu erwartende Wahlkam- Eagne zum Kongreß ist viel gesprochen worden. Es Ist eine efriedigendc Lösung der Frage der Kongreßmandate kleiner Landesorganisationen und in der Frage der Reststimmen gefunden worden. Von großer Bedeutung ist die Entsendung einer Sachverständigenkommission nach Palästina zur Vorbereltung des auf dem Kongreß vorzulegenden Budgets. Auf die Kongreßfragen übergehend, betont Dr. Barth die dringende Notwendigkeit für den Misrachi, sich an der Sehe• kelpropaganda zu beteiligen. Gerade wegen unserer schweren wirtschaftlichen Lage in Palästina muß die Beschickkung des Kongresses nach außen hin achtunggebietend wirken. Es muß unbedingt ein schöner Kongreß werden. Für uns Misrachisten sind besondere Anstrengungen notwendig, damit wir trotz des Einheitsschekels unsere Position erhalten und eine starke Fraktion darstellen. Die Opposition müsse in die Kommissionen verlegt werden. Es wäre richtig, wenn der Misrachi im Kongreßplenum ein großangeiegtes ideologisches Referat halten würde. In den Forderungen müßte man sich be* schränken, wegen der bereits In diesem Jahre beginnend« Rückzahlungsvcrp Richtungen auf die vom A.-C. beschlossene Anleihe. Das Budget soll für Misrachizwecke nur die notwendigsten Kosten enthalten. Folgende Resolution«! wurden vom Pcrmanenzausschuß vorgelegt und angenommen: Zu Kongreßfragen! 1. ״Der Delegiertcntag unterstreicht angesichts des bevorstehenden Kongresses die Notwendigkeit einer intensiven Scheketaktion in allen Ortsgruppen.״ 2. ״Der Delegiertentag des deutschen Misrachi hält es für unbedingt erforderlich, daß die erste Rede des Misrachi- Vertreters in der Generaldebatte des kommenden Kongresses den Versuch einer großangelcgten ideologischen Begründung des Misrachi innerhalb des Zionismus macht.“ Keren Kajemeth: ״Der Delegiertcntag des deutschen Mis« rachi beschließt anläßlich des 25jährigen Jubiläums des Misrachi die Eintragung des .Misrachi in das Goldene Buch des Keren Kajemeth und verpflichtet die Delegierten, in ihren Ortsgruppen die diesen auferlegten Quoten aufzubringen.“ Gemeindearbeit: 1. ״Der Delegiertentag begrüßt wärmstens die erfolgreiche Mitarbeit der misrachistischen Ver- *reter in Landesverbänden und Gemeinden lind gibt seiner Freude über die Erfolge bei den Setzten Gemeindewahlen Ausdruck. Der deutsche Misrachi betrachtet die Jüdische Volkspartel als gegebene Vertreterin seiner Interessen und ruft deshalb die Gesinnungsgenossen auf, die Volkspartci mit allen Kräften zu unterstützen.“ 2. ״Der Delegiertentag unterstreicht unter Betonung des Primates von Erez-lsracl die Bedeutung der Gemeindearbeit innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und beschließt die Schaffung eines Ressorts für Gemeindearbeit beim Zentralbüro. Dieses Ressort soll in Zusammenarbeit mit unseren Gemeindevertretern und Vertrauensmännern die grundsätzlichen und aktuellen Fragen bearbeiten. Der Delegiertentag erwartet insbesondere entscheidende Einflußnahme in Kultur- und Erziehungsfragen (Rabbinat, Schule usw.).“ Organisationsfragen: 1. ״Zur Erfassung weiter ostjüdischer Kreise für unsere Arbeit und zur Förderung der ostjüdischen Siedelung im Geiste der Thora ist das Zentralbüro gehalten, sich nach einem geeigneten Vertreter des Ostjudentums umzusehen, mit dem Zwecke, diesen in das Zentralbüro zu kooptieren. Dieser Persönlichkeit soll ein ostjüdisches Referat im Zentralbüro übertragen werden,“ 2. ״Der Delegiertcntag sieht in der Gründung der Arbeitsgemeinschaft misrachistischer Verbände einen wichtigen Fortschritt in der Zusammenfassung und zweckmäßigen Ausnützung der misrachistischen Kräfte und erhofft in der Zukunft entscheidende Impulse von dieser Körperschaft.“ Presse: ״Der Delegiertentag beauftragt das Zentralbüro, die nötigen Schritte zu unternehmen, um die Drucklegung des Nachrichtendienstes gemeinsam mit den Misrachi-Jugendblättern durchzuführen. Bis zur Durchführung dieses Be* Schlusses empfiehlt der Delegiertcntag den Misrachi-Ortsgruppen, bei ihren Mitgliedern für das Abonnieren der Misrachi-Jugendblätter zu sorgen und die Jugendgruppen in der dafür notwendigen Arbeit zu unterstützen.“ Jugendbewegung: ״Der Delegiertentag anerkennt mit besonderer Freude die Leistungen der misrachistischen Hachscharah und das Aufblühen der Zeire Misrachi •Bewegung in Deutschland und gibt der Zuversicht Ausdruck, daß sich ihre Organisation auf sämtliche Ortsgruppen aus• dehnen wird.“ Finanzen: ״Am Sitz einer jeden Ortsgruppe ist ein Finanzkommissar zu bestellen, dem die Aufbringung der Beiträge an das Zentralbüro verantwortlich obliegt. ־Die Kommissare haben dem Zentralbüro eine Liste der für Beiträge heranzuziehenden Personen e'fnzurdichen mit einer Einschätzung für Monats- oder Jahresleistungen, jede Ortsgruppe hat pro Mitglied und Monat mindestens M. 2,— aufzubringen. Darüber hinaus wird das Gesamtaufbringen jeder Ortsgruppe zwischen Zentralbüro und Kommissar vereinbart. Das neue Zentralbüro wird wie folgt zusammengesetzt: Vorsitzender Dr. Wo i f s be rg , geschäftsführender "Vorsitzender Alexander Adler, Finanzen und Kassenverwaltung Dr. Paul Sulzberger, ferner tiie Herren Lazarus Barth, Edmund Lewy, Dr, A. Lehmann und Dr. S. Schereschewsky. Der Ort des XV. Zlonlstenkongresses Aus verschiedenen technischen Gründen ist es noch nicht sicher, ob der 15. Zionistenkongreß tatsächlich in Basel abgehalten werden wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der diesjährige Zionistenkongreß wieder in Karlsbad oder Antwerpen stattfindet. Die endgültige Entscheidung über den Ort der Tagung dos Kongresses ist in den nächsten Tagen zu gewärtigen. Kongreß der Mlnderheitsnationen Wien, (J. A. T.) Im Sekretariat des Ausschusses zur Vorbereitung des diesjährigen National!täten-Kongresses, das sich seit dem 1. April in Wien befindet, wurde eine Zusammenkunft von Minderheitspolitikern einer Reihe von Staaten und Nationalitäten abgelialten. Von jüdischer Seite nahm Dr. Isidor M a r g u 11 e s (jüdische Volkerbundliga in Oesterreich) an den Beratungen teil. Die Versammlung schloß sich den von General- Sekretär Dr. Ammende vertretenen Ansichten des Ausschusses an, daß das Nationalitätenproblem infolge seiner Ungelöstheit heute mehr denn je zu den aktuellsten una den Frieden Europas bedrohenden Gefahren gehört. Mit größter Einigkeit äußerten alle Anwesenden, daß es sich nach wie vor um eine volle Solidarität der verschiedenen Nationalitäten untereinander — um ein geeintes Vorgehen beim Kampf um die Verwirklichung der von den Genfer Minderheitskongressen festgesetzten Grundsätze — handeln muß. Als dringende Notwendigkeit wurde die Herausgabe eines statistischen Handbuches der Nationalitäten Europas bezeichnet Der Ausschuß für die Organisation des diesjährigen Nationaütäfenkongresses setzt sich aus den folgenden Mitgliedern zusammen: Dr. Josip Wilfan-Triest, slowenischer Abgeordneter im italienischen Parlament (Präsident), Dr. F. Maspons y Anglasell-Barcelona, ehemaliges Mitglied der katatonischen Mancomunitat, Dr. Leo Motzki 11-Paris, Präsident des Komitees der jüdischen Delegationen, Dr. Paul Schiemann-Riga, deutscher Abgeordneter im lettischen Parlament, Graf Stanislaus Sierakowski, ehemaliger polnischer Abgeordneter im preußischen Landtag, Geza v. Szüllo-Prag, ungarischer Abgeordneter im tschechoslowakischen Parlament Der Kongreß wird in der zweiten Hälfte August wiederum in Genf stattfinden. Der palästinensische Misrachi hat mit Beteiligung des Oberrabbiners Kuk das Programm der landwirtschaftlichen Jeschiwah in Pctach-Tikwah beschlossen. Die Hörer der Jeschiwah sollen während ihrer dreijährigen Studienzeit einen halben Tag landwirtschaftlich und die andere Hälfte des Tages mit dem Studium beschäftigt werden.