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Jüdische Rundschau · 1927-04-26 · Heft 33 (26.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 33 (26.4.1927)
Date
1927-04-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 238 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33 faläsäna md die Handelsverträge Wie das ״C 0 m ra e r c i a I Bulletin“ vom 1. April meldet, ist der Beitritt Palästinas zum englisch-deutsehen Handelsvertrae vom 2. Dezember 1924 von der britischen Regierung am 2. Dezember 1926 verfügt worden. Der Vertrag zwischen Deutschland und Palästina ist an diesem Datum in Kraft getreten. Der tschechoslowakischen Regierung wurde von der britischen Regierung Mitteilung vom Beitritt Palästinas zu dem Handelsvertrag zwischen dem Vereinigten Königreich von Qroßbritannien und der Tschechoslowakei gemacht. Import and Export im Januar 1927 Das ״Comtnercial Bulletin“ vom 1. April veröffentlicht die Import- und Exportzahlen Palästinas für den Monat Januar. Danach betrug der Import in diesem Monat £E 475 583 gegenüber £E 488 974 im Januar 1926. Davon entfallen auf Aegypten £E 133 039, England £E 53 101, Syrien £E 52231, Deutschland £E 46 578, Rumänien £E 25 234, Vereinigte Staaten £E 24 417, Italien £E 23 696, Frankreich £E 22705 und britische Dominions £E 17 465. Der Export betrug £E 225 749 gegenüber £E 113422 im Januar 1926, weist also eine Steigerung von 100 0/0 auf, und zwar nach England £E 136 818, Aegypten £E 56044, Syrien £E 6505, Algerien £E 5166, britische Dominions £E 4424, Deutschland £E 3933, Frankreich £E 3734 und Rumänien £E 3142. Besonders groß ist die Zunahme des Orangenexports von £E 80 061 im Januar 1926 auf £E 165538, von Seife (nach Aegypten) von £E 8279 auf £E 14978 und von Gerste von Null auf £E 11125, und zwar ebenfalls nach Aegypten. Der Mazzoth-Export blieb mit £E 2996 fast in gleicher Höhe wie voriges Jahr, wo er £E 2910 betrug. (Ziko). Erschwerung der Jüdischen Einwanderung aus dem Irak Wie der ״Doar Hajo m“ aus Bagdad berichtet, sollen in letzter Zeit fast alle Gesuche der Juden im Irak, die nach Palästina auswandern wollen, von der Palästina-Regierang abgelehnt «׳erden, obwohl es sich hierbei zum allergrößten Teil um Personen handelt, die Barmittel zwischen £E 500 bis 6000 nachweisen können und auch sonst alle vorgeschriebenen Bedingungen erfüllen. Es seien dies zumeist ledige junge Leute oder kleine Familien, die hauptsächlich von aem nationalen Wunsch getrieben werden, am Aufbau der jüdischen Heimstätte werktätig mitzuarbeiten. Me Bahnhof-Straße nach Chederah Die Verhandlungen zwischen dem Waad von Chederah und der Palästina-Regierung über den Bau des Weges von der Eisenbahnstation nach Chederah sind, wie der ״Haarez“ berichtet, zum Abschluß gelangt. Die Regierung beteiligt sich an den Kosten mit £E. 1100 und übernimmt außerdem die Kosten der Zuführung der Steine in Höhe von £E. 700, so daß die Beteiligung der Regierung insgesamt £E. 1800 beträgt. Der Rest der Kosten, die insgesamt aut etwa £E. 6000 geschätzt werden, übernimmt in Höhe von £E. 4000 der Waad der Siedlung. 60 bis 100 Arbeiter, die den Einwohnern der Siedlung entnommen werden sollen, werden dort für 7 bis 8 Monate Beschäftigung finden. Die Zahl der Aerzte ln Palästina In Palästina fand dieser Tage eine Konferenz der jüdisehen Aerzte statt» Dem von Dr. Sherman erstatteten Bericht entnehmen wir folgende Zahlen: Zu Beginn des Jahres 1926 zählte Palästina 386 jüdische Aerzte. Im Laufe des Jahres kamen 53 neue Aerzte hinzu, während 5 starben und 29 das Land verließen, so daß am 1. Januar 1927 Palästina 405 jüdische Aerzte zählte, darunter 126 weibliche. Dies stellt einen sehr hohen Prozentsatz dar, und zwar 24 «/o aller Aerzte im Lande und 31 ״/o der jüdischen Aerzte gegen nur 4 0׳״ weibliche Aerzte in Schweden und 3.6 <0/י in Deutschland. Nichtiüdische Aerzte gab es am 1. Januar 1927 161 gegen 154 1m Vorjahre, eine Zunahme, die zu dem Wachstum der arabischen Bevölkerung in keinem Verhältnis steht, so daß den jüdischen Aerzten auch bei den Nichtjuden noch ein großes Betätigungsfeld bleibt. Zu bemerken ist noch die roße Sterblichkeit der jüdischen Aerzte in Palästina. Die terblichkeit der Aerzte in Deutschland beträgt pro Jahr einen auf 600 Aerzte, während in Palästina im Jahre 1925 7 Aerzte bei einer Gesamtzahl von 350 starben und im Jahre 1926 5 von 400. Von den 405 jüdischen Aerzten entfielen auf Jerusalem 95, auf Tel-Awiw 144 und auf Haifa 51, insgesamt also 290 oder 71,6 0/0 gegenüber 73,57 0/0 im Jahre 1926, woraus ein Abströmen der Aerzte auf das flache Land ersichtlich ist. ln fester Anstellung befanden sich 34 0׳״, während der Rest Privatpraxis ausübt. Dagegen sind in Schweden 65 0/0 und in Lettland 71 »/« der Aerzte fest angestellt. Von rassischen Jndentum Nachstehende Berichte aus der jiddischen Presse in der Sowjetunion lassen erkennen, daß dort ein Nationalisierung*• Prozeß der jüdischen Massen vor sich geht. Ferner tntt 1"•"י" der durch die bolschewistische Revolution angeblieh für immer besiegte Judenhaß wieder in Erscheinung. Die Nachrichten lauten: .^Moskau, 15. April. (J. T. A.) Die jiddischen kommumstischen Zeitungen in Rußland veröffentlichen in den letzten Tagen Artikel und Berichte, in denen darauf hingewiesen w'rd, daß in den von Juden bewohnten kleineren Städten die jüdisch-religiöse Bewegung immer mehr an Boden und der Klenkallsmus an Einfluß gewinnt. Die Charkower Zeitung ״Stern“ vom 13. April bringt unter der Ueberschrift ״Wenn die Toten erwachen“ eine Reihe Berichte aus verschiedenen Orten, in denen zum Kampf gegen den ,.überhandnehmenden Klerikalisraus“ in der ״jüdischen Gasse‘ aufgefbrdert wird. Es heißt darin, daß die ״Kehilloth“ in der alten Form wieder aufleben und eine Art Besteuerung der jüdisch-religiösen Bevölkerung zugunsten der Rabbiner und der sonstigen religiösen Funktionäre einführen. Auch die verschollene ״Hefesteuer“ wird wieder eingeführt. Die Chedarim leben auf. Die jüdischen Handwerker halten wieder zu den Rabbinern, ln einem Artikel werden alle ״denkenden Elemente“ zu einem ״organisierten Widerstand“ gegen den voranschreitenden Klerilcalismus aufgefordert. Es wird an die Resolution der letzten allrussischen Konferenz der jüdischen Sektionen der kommunistischen Partei erinnert, in welcher die Notwendigkeit des verstärkten, Kampfes gegen den Klerikalismus betont wird. Der Zeitung ״E m e s“ schreibt ihr Homeler Korrespondent, daß der Klerikalismus in den kleineren Städten seine früheren Positionen allmählich wieder erobert; der Rabbiner und die übrigen religiösen Funktionäre üben ihren Einfluß aut alle Schichten der Bevölkerung, sogar auch aut die armen Handwerker und oft auch auf den Arbeiter aus. Die Kehilla, die Chewra Kadischa, die Chedarim, Tallinn! Thoras usw. organisieren sich wieder. Arme Handwerker lassen ihre Kinder in religiösen Dingen und Lehren unterweisen. Der Korrespondent empfiehlt als wirksame Gegenarbeit die Schaffung von Vereinen für gegenseitige Hilfe und sonstige Maßnahmen zur Besserung der schlechten Lage der Bevölkerung. Aus den früheren Berichten in der kommunistischen Presse geht hervor, daß der Verbrauch von Mazzoth in den diesjährigen Passah-Feiertagen gegenüber den früheren Jahren ein gesteigerter war. * Moskau, 15. April. (J.T.A.) In einer Konferenz des Kiewer kommunistischen Parteikomitees wurde in einer Resolution betont, daß die Jewsektia verpflichtet sei, ihre kommunistische Tätigkeit unter der jüdischen Bevölkerung zu verstärken. Man müsse zu den jüdischen Massen in ihrer Muttersprache sprechen und den kleinbürgerlichen und klerikalen Einflüssen entgegenarbeiten. Ebenso wird die Notwendigkeit eines verstärkteren Kampfes gegen den wachsenden Antisemitismus und die Ergreifung von Repressivmaßnahmen gegen den Rowdy-Antisemitismus unterstrichen. Das Odessaer kommunistische Parteikomitee faßte in seiner letzten Sitzung; einen Beschluß, in welchem die Jewsektia auf die Notwendigkeit hingewiesen wird, die kommunistische Arbeit unter der jüdischen Intelligenz zu verstärken, um diese der nationalistischen Strömung abspenstig zu machen und dem Kommunismus zuzuführen. Die jüdische unparteiische, sowjetistisch gestimmte Intelligenz solle zu der Massenarbeit unter Leitung der Partei herängezagen wferden. Für die sowjetfreundliche jüdische Intelligenz soll ein eigenes, wöchentlich erscheinendes Organ in jiddischer Sprache geschaffen werden. * Moskau, 15. April. (J.T.A.) Nach der letzten Zählung wohnen in Odessa rund 200 000 Juden, die 43 «> der allgemeinen Bevölkerung ausmachen. Von der jüdischen Bevölkerung sind 25 000 Mitglieder der Gewerkschaften, d. h. Lohnarbeiter; 15 000 sind Kleinhandwerker. 5000 jüdische Studenten wohnen in Odessa. Soeben begann in Odessa eine jiddische Zeitung ״Der Odessaer Arbeiter“ zu erscheinen. Die bevorstehenden Wahlen In Tiberias Der ״Da war“ zufolge gelang es D. Je Hin, die verschiedenen Gruppen des jüdischen Jischuw in Tiberias im Hinblick auf die kommenden Wahlen zu veranlassen, eine gemeinsame Liste für die Wahlen aufzustellen. Von den vier, jüdischen Kandidaten vertreten zwei die sephardischen und zwei die aschkenasischen Bevölkerungsteile. Sitzung des Waad Leumi Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG., Jerusalem, 25. April. Die Sitzung des Waad Leumi, die unmittelbar nach den Wahlen in Jerusalem zusammentrat, hatte nachträglich die Bestätigung zu der jüdischen Wahltaktik zu geben. Die gesamten Verhandlungen und Maßnahmen waren dieses Mal — eine Seltenheit für Palästina — nicht unter dem Scheinwerfer der Oeffentlichkeit vorgenommen worden. Nur die Leitung des Waad leumi und der Gemeinde und hier und da einzelne waren mit dem Gang der Verhandlungen mit den arabischen Parteien bekannt. Die Presse verhielt sich verhältnismäßig schweigsam, und das Publikum außerhalb Jerusalems hat die Wahltaktik nicht unmittelbar als seine Sache empfunden. Die arabische Politik, soweit sie nicht über prinzipielle Erklärungen hinausgeht, ist ja einem großen Teil Palästinas ein Buch mit sieben Siegeln. Die wahren Verhältnisse sind nur einzelnen bekannt, nur wenige vermögen sich in diesen fremden und nicht leicht zugänglichen Komplex einzuarbeiten, und so ist es kein Zufall, daß die Frage der Wahlen in Jerusalem den Jischuw als solchen ziemlich unvorbereitet vorfand. Dazu sind die Fragen der Stellungnahme zu den arabischen Parteien äußerst diffizil. Sie können nicht nach bei uns üblichen Begriffen und Formeln gelöst werden. Allein schon die Tatsache, daß es sich z. B. bei den Husseini und Naschischibi bekanntlich nicht um Parteien 1m europäischen Sinne des Wortes handelt, sondern daß wir hier Gruppen haben, die sich um Familien und Farnilieninteressen konzentrieren, daß die Verkoppelung mit bestimmten Programmen einer palästinensischen Politik "heute noch immer nur eine lose Verbrämung ist und durchaus noch nichts Festes darstellt, — das alles illustriert zur Genüge, daß bestimmte Kenntnisse, ein gewisses Einfühlen und persönliche Bekannt- Schaft mit den Dingen erforderlich sind, um hier Beschlüsse zu fassen. Die Entscheidung bei den Wahlen ist dieses Mal nach einer bestimmten Seite gefallen, ohne daß man sagen kann, daß damit die jüdische Politik in Jerusalem nach der einen Seite hin festgelegt ist. Im Waad Leumi sind, wie zu erwarten, nicht alle Stimmen darin einig gewesen, die Politik bei den Wahlen in Bauseh und Bogen gutzuheißen. In erster Linie erhoben die Rcvisionisten auch post factum ihre Stimme zum Protest gegen die Beteiligung an den Wahlen überhaupt. Unter diesem ״unannehmbaren Gesetz“ hätten die Juden die Wahlen bqykottieren müssen. Diese Auffassung wurde von keiner anderen Strömung des Waad Leumi gestützt. Dagegen wurden einige Stimmen laut, die ihren Zweifel darüber ausdrückten, ob es ratsam gewesen sei, das jüdische Gewicht für eine Ent- Scheidung zwischen den arabischen Parteien auszunutzen und ob es sich nicht besser empfohlen hätte, sich mit der jüdisehen Einheitsliste zu begnügen und die anderen Parteien ihren Kampf allein ausfechten zu lassen. Die Mehrheit des Waad Leumi stellte sich jedoch auch in dieser taktischen Frage auf die Seite derjenigen, die die Wahl in diesem Sinne geleitet haben. Der Waad Leumi gab eine Bestätigung für die Wahlpolitik. Die anderen Punkte der Tagesordnung auf der Sitzung des Waad Leumi konnten nicht beraten werden. Die Frage des Seminarbaus wurde aus technischen Gründen auf die nächste Sitzung verschoben. Die Frage der Schaffung neutraler Arbeitsämter wurde vorläufig zur Ausarbeitung von Vorschlägen einer Kommission übergeben. Hier soll die Arbeit, die seinerzeit durch die Fünfzehnerkommission begonnen worden ist, fortgesetzt und der Versuch gemacht werden, ein Arbeitsgesetz auszuarbeiten, das für den Jischuw bindend sein soll. Der ganze sehr wichtige Komplex soll in der nächsten Sitzung der Assefat Haniwcharim die Anfang Juni Zusammentritt, beraten und entschieden werden. Die Kommission soll bis dahin genaue Vorschläge ausarbeiten, die der Assefat Haniwcharim als Grundlage dienen können. Es braucht keiner besonderen Hinweise, wie wichtig die Annahme einer solchen innerjüdischen Arbeitsgesetzgebung für die gesamten Gebiete des Aufbaus, in denen Lohnarbeit gebraucht wird, werden kann. Die Ereignisse der letzten Zeit haben besonders stark die Notwendigkeit einer Stelle erwiesen, die imstande ist, ökonomische Konflikte auf schicdsgerichtlichem Wege zu regeln und den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern eine feste Form und Grundläge zu geben. Daneben kann eine solche Gesetzgebung ein Vorbild und Anstoß sein für eine allgemein palästinensische Gesetzgebung, die wir stufenweise und den Bedingungen des Landes angepaßt erringen müssen. Ein neues Stadtviertel Soll Im Norden von T ef-Awiw für Arbeiter und Handwerker errichtet werden. Dieses Viertel, das vorerst den Namen ״Nördliches Viertel“ erhält, wird auf Keren Kajemeth-Boden erbaut. Gabriel Rlessers Abstammung (Ein Beitrag zur Geschichte der Ostjuden in Deutschland.) Warum haben Riessers Biographen sich mit dessen Abstammung nicht beschäftigt? Warum speisen sie den Leser mit der Bemerkung ab: R. entstamme einer Rabbinertamilie oder — viel gesagt — einer angesehenen Rabbinerfamilie? — Ist das Unkenntnis oder Absicht? Es ist eine Kürzung aer Verdienste und des Ruhmes dieses deutschesten aller deutschen Juden, wenn man ihn nicht hineinstellt dort, wo er zu stehen hat; wenn nur gesagt wird: w a s er war und nicht auch, w e r er war. Das soll ergänzt werden: 1. Gabriel Riesser, geb. 1806, gest. 1863, Sohn des 2. R. Elieser Löser (Lazarus) Katzenellenbogen, genannt Riesser. Laz. R. selbst zeichnet hebräisch: Elieser Löser aus dem Stammhause Katzenellenbogcn (siehe sein ״Secher Zadik“, Altona 5565 (1805) und die darin enthaltenen biographischen Briefe zum Andenken an seinen Schwie* fervater, den Hamburger Überrabbiner Raphael Kohn). ein Schwager, Rabb. Hirsch Kohn, in Krotoschin, nennt ihn in der Vorrede seines Buches ״Mareh ene Hakohen“, Breslau 1816, wohl auch Löser aus dem Stammhause Katzenellenbogen, setzt aber in Klammern hinzu: gerufen Riesser. Laz. R., geb. 1763, starb 1828 und war Sohn des 3. R. Jacob Katzenellenbogen, Rabb. in Oettingen und später in Lemberg, gest. 1796. Sohn des 4. R. P i n c h a s Katzenellenbogen, Rabb. in L e i p n i k (dessen Frau die Tochter des Rabb. Gabriel in Oelkuss), geb. 1691, gest. 1765. Sohn des 5. R. Mosche Katzenellenbogen, Rabb. in Podhajce, später in Ansbach. (Seine Frau Jach’t war die Tochter des Rabb. Elieser Heilperin in Meseritsch, später in Fürth.) Geb. 1670, gest. 1701. Sohn des 6. R. Saul Katzenellenbogen, Rabb. in Brody, Chclm und Pintschow. (Dessen Frau Tochter des Rabb. Jacob Schoor in Brest-Litowsk.) Geb. 1617, gest. 1691. Sohn des 7. R. Mosche Katzenellenbogen, Rabb. in Chelm, gest 1643. Sohn des 8. R. Meir Katzenellenbogen, Rabb. in Brest-Litowsk. (Dessen Frau Hinda, Tochter des Rabb. Pinchas Hurwitz in Krakau, Schwager des R. Mosche Jsserles, (RMO) und deren Tochter Bella, Gattin des Rabb. Jona Teumim in Grodno und später Metz.) Damit ist K. Meir K. auch Stammvater der weitverzweigten Familie Teumim Frankel, und der Begründer der Breslauer Stiftungen, Kommerzienrat Jonas Frankel, war sein direkter Nachkomme. — Meir R., geb. etwa 1562, gest. 1638, war seinerzeit der angesehenste Mann Litauens, Begründer der litauischen Ländersynode, nach deren Trennung von der großen polnischen Synode und deren unentbehrlichster Führer und Vertreter, so daß es 1623 Synodalbeschluß wurde, daß bei Lebzeiten Meir R., der längere Zeit kränklich war, die Synode nur in Brest-Litowsk tagen müsse, weil ״auf ihn, auf Meir R., Eckpfeiler und Träger des ganzen litauischen Israels, die Augen aller hoffnungsvoll sich richten“. (Vgl. Dubnow, Pinkas Ham-Medina, Berlin 1925, S. 13, Statuten des Waad 1623, § 68.) Er war ein würdiger Sohn seines großen Vaters: 9. R. Saul Wahl in Brest-Litowsk, geb. um 1540, gest. 1617. Er gehörte infolge seiner ruhmvollen Abstammung — R. Meir Katzenellenbogen-Padua (gest. 1565) und R. Juda Menz-Padua (gest. 1508 nach Grätz B. VIII, S. 437—1509) — seiner außergewöhnlichen rabbinischen und weltlichen Schulung, seiner staatsmännischcn Begabung, seines Reichtums, seines Edelmuts und seines Ansehens bei Hofe (Fürsten RadziwilS) zu den bedeutendsten Wohltätern der litauisch-polnischen Judenheit seinerzeit. — Und w enn er wohl nicht, wie die Sage will, über Nacht König der Polen oder Sejmpräsident gewesen, so ist es doch sicher, daß er bei der Regierung hoch geschätzt und von wesentlichem Einfluß gewesen war. Mit goldenen Lettern ist sein Name und sein Wirken in die Geschichte der litauisch-polnischen Judenheit eingezeichnet und Hunderte seiner Nachkommen: die Katzenellenbogen, die mit den meisten namhaften alten weitverzweigten Rabbiner-Familien verwandt und verschwägert sind: tu. a. Landau, Luria, Schoor, Aschkenasi, Teumim, Frankel, Horwitz, Falk, Lipschitz, Braude, Heilperin usw. waren und sind es vielleicht noch heute — wenn auch Aufzeichnungen nicht vorlicgen — Fürsten der Thora, erlauchtete Führer des jüdischen Volkes und haben unendlich viel zur Erhaltung des Judentums beigetragen. Sich dieser Familie zuzuzänlen, war ihnen allen Stolz und Ehre. Auch Laz. Katzenellenbogen-Riesser war seine Abstamttning ein Heiligtum, mit welcher er sich in pietätvoller Liebe beschäftigte und dem vieles über die Kenntnis dieser Familie zu danken ist. (Vgl. Edelmann, Gedulofh Schaul, London 1854, S. 4 Anm. und S. 30 Anm.) — Sollte es seinem Sohne Gabriel Riesser, der so sehr an seinem Elternhaus hing, nicht auch eine Ehre und ein Stolz gewesen sein, dieser Familie Katzenellenbogen anzugehören? Sehen wir uns noch den mütterlichen Stammbaum Gabriel Riessers an: 1. Gabriel Riesser, Mutter: 2. Frau Lazarus Riesser Katzenellenbogen, geb. Kohn, deren Vater 3. R. Raphael Kohn. geb. 1722, gest. 1803. Anfangs Leiter der talniudischen Hochschule in Minsk, dann Rabbiner in Rakow im Kreise Minsk, dann in Wilkomir, dann in der Stadt Minsk, später in Pinsk, kurze Zeit in Posen und zuletzt 23 Jahre Oberrabbiner in Hamburg, Altona und Wandsbek. Seine Frau Tamar war Enkelin des berühmten Schulhauptes von Lemberg, R. Josua Falk Hakauhen, gest. 1614. Verfasser des scharfsinnigen juristisehen Kommentars zum Choschen Hamischpat, Sepher Mei'rat Enajim. (SME.). Er gehörte zu den gelehrtesten und frömmsten Rabbinern seiner Zeit, und folgendes wird als verbürgt über ihn erzählt. Sein Zeitgenosse, der Gaon R. Elia Wilna, wurde von einem seiner Jünger befragt, wer in diesem Zeitalter, wenn Moschiach jetzt käme, würdig wäre, als Hohepriester (Kauhen Godaul) zu zelebrieren, und R. Elia erwiderte mit hoher ernstlicher Feierlichkeit: ״Welche Frage: Rabbi Raphael Hakauhen aus Hamburg.“ Rabbi Raphael war Sohn des 4. R. Jekuthiel Süßkind Hakauhen, Oberrabbiner in Livland, Urenkel des 5. Rabbiner R. Jechiel tn Lublin, eines Sohnes des 6. Hochgelehrten Arztes R. Salomo Luria, Zeitgenosse und Vetter des gleichnamigen hervorragend genialen Rab- ' biners Salomo Luria in Lublin, gest. 1574, der seine Abstammung über Rasch! (1040—1105) und den Mischoalehrer R. Jochanan Hassar.dlar (um 130) bis zu Kabban Gamiiel hasaken (um das Jahr 50) hinaufleitet. Zu der-

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