Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1927)
- Date
- 1927-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer O^tS Goldmarl^ A JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. vierteljährlich 5,25 Goldmark. Atitltndiabonnetneats werden חי de» " •יי׳ der eior.eloen Linder berechnet Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin Wl 5, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto»■ Berlin Nr. 17 392 Für Oesterreich! Postsparkassen*®! Wien, Konto Nr. 156 030- Für Tschechoslowakei; Postsparkassen»®* Prag» Konto Nr. 59 410, Für Polen; Postspark&sseoamt Warschau, Konto Nr. 190 708- Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 27 | Berlin, 5. IV. 1927 Asu«Jg<H*prci»:8ge9ptlt.Nonp*reiil«zeiUG>50G.-M. Stellengesuche 0,25 G.~M. AozelgenscWoß; Dienst*# und Freit*# nachmittag 4 Uhr. ג׳ ניסן׳ חיס״ז I XXXII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das ittdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Dreißig Jahre Kongreß ״ Zionismus Zionisten! Am I, Elul 5687 werden dreißig Jahre verflössen sein, seitdem von der Tribüne des ersten Kongresses der Weckruf des politischen Zionismus in die Weite drang. Drei Jahrzehnte werden binnen kurzem vollendet sein, seitdem Theodor Herzl in seiner ersten Kongreßrede Ziel und Sinn des Zionismus in die Worte faßte: ״Wir wollen den Grundstein legen zu dem Haus, das dereinst die jüdische Nation beherbergen wird.“ ״Ein Volk kann sich nur selbst helfen; kann es das nicht, so ist ihm eben nicht zu helfen, Wir Zionisten wollen aber das Volk zur Selbsthilfe anregen.“ ״Der Zionismus ist die Rückkehr zum Judentum noch vor der Rückkehr ins Judenland.“ Zionisten! Wenn wir uns zum nächsten Kongreß versammeln, werden wir uns Rechenschaft darüber abzulegen haben, was in den letzten Jahren geschehen ist, um den Gedanken des Zionismus, wie er in Herzls Worten und im Baseler Programm vor 30 Jahren formuliert wurde, der Verwirklichung näherzubringen. Der Kongreß wird Berichte hören über unser politisches, kolonisatorisches, kulturelles und propagandistisch-organisatorisches Werk. Die Berichte werden, wie immer man die relative Bedeutung unserer Bemühungen einschätzen mag, den Beweis erbringen, daß wir redlich bestrebt gewesen sind, den flau höher zu führen, dessen Fundamente im Jahre 1897 gelegt wurden. Wir sind es aber dem Andenken des ersten Kongresses schuldig, daß der nächste Kongreß — ein Jubiläums-Kongreß — auch in seiner äußeren Wirkung von der vollen Kraftentfaltung der zionistischen Bewegung getreues Zeugnis ablegt. Der Kongreß ist das Wiilensinstrument des organisierten Zionismus, er spiegelt in seinem Ausmaß die Dimensionen unserer organisatorischen Energien wieder. Er repräsentiert nach dem Gesetz, das wir selber uns gegeben haben, die Zweitausendschaften aller Juden, die sich zum Baseler Programm bekennen. Es ist höchstes politisches und moralisches zionistisches Interesse, daß der XV. Kongreß befugt ist, im Namen vieler Hunderttausender von Juden zu reden und zu handeln. Zionisten! Der Kongreß ist die legitime Vertretung der Schekelzahler. Es ist höchste Zeit, daß die Schekelarbeit, die aus mancherlei Gründen in den letzten beiden Jahren an Bedeutung hinter den Aktionen unserer Fonds zurücktrat, mit aller Energie und mit dem Einsatz aller Kräfte in Angriff genommen und in den nächsten Wochen auf ihren Höhepunkt geführt wird. Die Exekutive hat daher beschlossen, die Monate Nissan und Ijar zu Schekelmonaten zu erklären, ln diesen Monaten soll in allen Ländern, überall wo Zionisten leben, die Verbreitung des Schekels im Mittelpunkt der zionistischen Arbeit stehen. Jeder Zionist soll einen Schekel entrichten, aber er soll unserer Bewegung auch neue Anhänger zuführen, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zur zionistischen Idee ablegen. Die Verbände und die Schekelkommissionen, in deren Händen die Leitung der Schekelarbeit liegt, sollen Anstalten treffen, um in allen zionistischen Kreisen und Gruppen, besonders auch in den Reihen der Jugend, freiwillige Mitarbeiter für die Verbreitung des Schekels zu werben. In großen Schekel-Volksversammlungen soll über Sinn und Wesen des organisierten Zionismus gesprechen werden, es soll aber auch im Anschluß an andere, besonderen zionistischen Zwecken gewidmete Versammlungen Gelegenheit gegeben werden, den Schekel zu entrichten. Wir wenden uns an die Mitglieder des Aktions-Comiles und an die Führer der Landes- und Sonderverbände, an die Leiter der Lokalgruppen und alle aktiven Gesinnungsgenossen mit der dringenden Mahnung, sich in den Dienst der Schekelaktion zu stellen, sie anzufeuern und zum Erfolg zu führen. Jeder zionistische Führer, gleichviel welchen Grades, ist mit dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der Schekelaktion des Jahres 5687 von der organisatorischen Größe und Kraft der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. Zionisten! Die Schekelaktion der Monate Nissan und 1 j a r hat begonnen. Wir vertrauen darauf, daß jeder Zionist seine Pflicht erfüllt. London/Jerusalem, 1. Nissan 5687. Die Exekutive der Zionistischen Organisation. Chaim Weizmann, Nahum Sokolow, M. Dizengof f, M. D. Eder, F. H. Kisch, L. Lipsky, H. Pick, F. Rosenbliith, J. SpripzaK, Die PalSstina-Anleihe verschoben? Jerusalem, 1. April. (J. T. A.) Die hebräische Tages- Zeitung ״Haarez“ erfährt, daß die vom britischen Parlament bereits bewilligte palästinensische Staatsanleihe in Höhe von zweieinhalb Millionen Pfund gefährdet erscheint und deren Realisierung vielleicht verschoben werden wird. Die britische Regierung besteht nämlich darauf, daß die Zinsenleistung in Höhe von 200 030 Pfund jährlich durch Einstellung in das Jahresbudget Palästinas ge־i licrt werde. Der Schatzmeister der Palästina-Regierung hält dies jedoch angesichts des Sinkens der Einkünfte des Landes , für unmöglich und schlägt eine Verschiebung der Anleihe für einen späteren Zeitpunkt vor. Der hier weilende Untersfaatssekretiir des britischen Koloniaiamtes, Sir John Shuckburgh, unterhandelte in dieser Angelegenheit mit den hohen palästinensischen Beamten. Die Frage, ob die Anlciheaktion sofort in Angriff genommen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden soll, wird nach der Rückkehr Shuckburghs nach London entschieden werden. * Das rapide Sinken der palästinensischen Staatseinkünfte ist eine unmittelbare Folge der Krise und der stagnierenden jüdischen Einwanderung. Hätte die Regierung aus dem Surplus, das ihr die jüdische Einwanderung und der von ihr bewirkte Aufschwung 1924/25 brachte, einen Teil zugunsten der Erleichterung der Seßhaftmachung von Juden, einen Teil zur Beschäftigung jüdischer Arbeiter verwendet, hätte sie durch eine produktionsfreundliche Wirtschaftspolitik die begonnene Entwicklung gefördert, dann wäre die Krise gemildert worden und der Anreiz zur Einwanderung bemittelter Elemente hätte nicht aufgehört. Auch der palästinensische Fiskus hätte davon profitiert. Wenn die Regierung jetzt die Anleihe und damit die geplanten produktiven Anlagen verschiebt, dann verbaut sie sich auch die Chance einer baldigen Erholung des Budgets. Denn der Hafen von Haifa würde Industrie und Export wesentlich fördern und damit der Regierung neue Einnahmcquellen schaffen; wird aber der Hafenbau aufgeschoben, und so das Wirtschaftsleben geknebelt, dann werden die Aussichten auf Vergrößerung der Staatseinnahmen, die ja eine Funktion der Prosperität des Landes sind, geringer. Es ist ein Zirkel, aus dem die Regierung, durch entschlossene Aufbau- Politik den Ausweg finden muß. Palästina-Fragen im Unterhaus Italien und Palästina London, 31. März.. (J. T. A.) Colonel Wedgwood richtete im Unterhaus an den Außenminister die Frage, ob er wisse, daß der zum italienischen Generalkonsul in Jerusalem ernannte Signor Orazio Pedrazzi gegen die britische Politik in Palästina gewirkt hat und oh die britische Regierung dieser Ernennung zugestimmt habe. Sir Austen Cha mberla i n erwiderte: Die britische Regierung hat gegen diese Ernennung keinerlei Einwendungen gemacht. Der Regierung ist das frühere Wirken von Signor Orazio Pedrazzi bekannt; der Minister glaube aber annehmen zu dürfen, daß die italienische Regierung nicht einen Generalkonsul ernennen würde, der gegen die Interessen des Landes, in welchem er zu wirken hat, handeln würde. London, 30. März. (J.T. A.) Im Unterhause fragte Colonel Wedgwood, ob die Errichtung einer englischsprachigen Universität oder sonstigen Hochschule in Palästina geplant werde. Minister Amery erwiderte: Die Palästina- Regierung hat die Errichtung einer englisch-sprachigen Universität oder sonstigen Institution akademischen Grades nicht erwogen. Der Ausschuß für hohe Studien bemüht sich jedoch, dreijährige Diplomkurse, dem Standard Bachelor of Arts ähnlich, einzurichten. Die erste Zwischenprüfung wird kommenden Juli statffinden. Ken wort hy fragte den Staatssekretär für die Kolonien, ob ihm bekannt sei, daß die Quarantane-Station von Haifa in der Nähe eines abflußlosen Sumpfes, der als Brutstätte für Malaria-Mücken berüchtigt ist, gelegen sei, und ob er Anordnungen treffen würde, daß die Quarantäne-Station in eine gesündere Gegend verlegt würde. — Amery erwiderte, er habe vom Öberkommissar von Palästina einen Bericht über die Lage der Quarantäne- Station erhalten; es seien im Umkreise von eineinhalb Kilometer keine Malariaherde vorhanden. Es könne deshalb auch keine geeignetere und gesündere Lage für die Quarantäne gefunden werden. Kenworthy: Weiß der Herr Minister nicht, daß ich den Platz, im vorigen Jahre besucht und gefunden habe, daß die Quarantäne an der abscheulichsten Stelle aller unserer Dominions liegt? — Der Minister gab darauf keine Antwort. Die Stadtratswahlen in Jernsalem Wir veröffentlichten kürzlich die Einheitsliste der jüdischen Kandidaten zu den Stadtratswahlen in Jerusalem. Da im gesetziicti zt.iässigen Termin keine weiteren jüdischen Kandidaten, auch nicht, wie ursprünglich befürchtet, von Privatpersonen angemeidet wurden, gilt die jüdische Liste als gewählt. Die Einigung aller jüdischen Parteien in Jerusalem hat bei der gesamten"jüdischen Bevölkerung große Betriedigung hervorgerufen. Die Christen und Mohammedaner kannten trotz aller Bemühungen zu keiner Einigung gelangen, so daß cs zu einem Wahlkampf zwischen den Gruppen Husscini und Nashashibi kommt , Der Elterntag der Tarbuth-Schulen Warschau, 30. März. (J.T. A.) Die Landeskonferenz der Eltern-Komitees der T arbuth-Schulen hat u. a. den folgenden Entschluß angenommen: Die Konferenz der Eltern-Komitees der hebräischen Volksschulen, in welchen 17 000 Kinder beiderlei Geschlechts erzogen werden, erklärt feierlichst, daß die hebräische Schule den alleinigen nationalen Typus dcrjüdischen Schule darstellt und das jüdische Kind mit der jüdischen Vergangenheit, den jüdischen Kulturwerten und historischen Hoffnungen, sowie mit der großen Aufgabe der Schaffung eines neuen Lebens in Palästina verbindet. I>r. Weizmann und Mr. Lipsky sind am 1. d. M. in London eingetroffen. Entscheidende Sitzungen ln dieser Woche versammelt sich in London die zionistische Exekutive zu einer Sitzung, die schon dadurch ihren besonderen Charakter erhält, daß auch Mitglieder der Palästina-Exekutive au ihr teilnehmen und außerdem ein Vertreter des Keren Hajessod-Direktoriums, das mm ein halbes Jahr lang in Palästina dfe Geschäfte des Keren Hajessod geführt hat, anwesend sein wird. Auch der Führer der amerikanischen Zionisten, Herr Lipsky, der Mitglied der ״Londoner“ Exekutive ist, aber den größten Teil des Jahres in Amerika tätig sein muß, kommt zusammen mit Dr. Weizmann nach London. Die zionistische Welt wird cs begrüßen, daß in dieser Stunde, wo wichtige Probleme der Lösung harren, ein direkter Meinungsaustausch zwischen den verschiedenen obersten zionistischen Stellen, die in ihrer täglichen Arbeit notwendigerweise geographisch voneinander getrennt sind, stattfindet. Die Sitzung wird Gelegenheit bieten, sich über die Lage in Palästina und Amerika auszusprechen - die beiden Pole, auf denen das Geschick des Zionismus ruht. Die Palästina- Exekutive wird durch ihre Vertreter ihre Meinung darüber mitteilen müssen, wie die heutige Lage im Lande saniert und eine größere kolonisatorische Arbeit wieder ermöglicht werden soll; Weizmann und Lipsky werden nicht nur darüber zu berichten haben, welche Aussichten die Deckung der finanziellen Erfordernisse, deren Hauptteil in Amerika aufgebracht wird, hat, sondern auch wie sich die Umgestaltung der gesamten Aufbauarbeit durch die Erweiterung der Jewish Agency und durch die Tätigkeit der Experten-Kommission vollziehen soll. Es ist der Oeffentlichkeit nicht bekannt, bis zu welchem Stadium die Vorbereitungen für die Absendung der Kommission gediehen sind, die gegenwärtig das Fundament der konstruktiven Pläne der Exekutive ist. Um diese Kommission haben sich bereits Legenden gebildet. Ihr Ausgangspunkt und ihre Entstehung ist völlig , mi|dfutet,,־^fjilfg.Ä^ die;Martha§igruppe den ZiohisteiT gezwungen hat. In Wahrheit bestand der Gedanke einer Experten-Kommission zur Ausarbeitung des weiteren Siedlungsplanes bereits lange innerhalb des ־zionisiisehen Lagers und wurde dann insbesondere von der Zionistischen Organisation Amerikas aufgenommen. Die Zionistische Organisation Amerikas war es auch, die diesen Plan mit Dr. Weizmann gemeinsam vorbereitete, und die hier und dort ausgestreuten Gerüchte, daß Weizmann sich dabei mit den amerikanischen Zionisten in Widerspruch befunden hätte, sind völlig aus der Luft gegriffen. Es ist kein Wunder, daß der Gedanke der Experten-Kommission auf zionistischer Seite entstanden ist, denn er erfüllt ein brennendes zionistisches Bedürfnis. Alle Uebel, an denen wir heute laborieren, gehen im Grunde aui die eine l ׳rsache zurück, daß wir die Aufbauarbeit u11k-kü1v״ntrt um die Aufnahmekraft des Landes und ohne systenjzfFehe Ausnutzung seiner Wirtschaftskräfte geführt haben. Nun haben wir jedenfalls experimentell fest gestellt, was das Land nicht aufzunehmen geeignet ist. Die positive n Feststellungen sind noch zu machen, und an der Hand des heute vorliegenden Materials wird dies viel leichter sein, als es noch vor acht Jahren gewesen wäre. Die natürlichen Möglichkeiten des Landes müssen in ein Verhältnis gesetzt werden zu den zur Entwicklung erforderlichen Geldmitteln und daraus können dann bcstimmte Schlüsse gezogen werden auf die Zahl und die Kategorie der wünschenswerten Einwanderer und die Methoden ihrer Ansiedlung. Es ist besonders zu begrüßen, daß eine solche Kommission nicht von zionistischer Seite allein ausgesandt wird, sondern in Verbindung mit den palästinafreundlichen!lichtzionistischen Kreisen; denn dadurch bekommt der Plan, den die Konimission ausarbeitet, von vornherein eine stärkere moralische und materielle Unterlage. Es wird dadurch auch deutlich gemacht, daß die erweiterte Jewish Agency auf einer neuen, vergrößerten Basis nach einem ausgearbeiteten Plan ihre Tätigkeit führen wird. Damit ist das positive Programm, das die Exekutive in ihrer Sitzung zu behandeln haben wird, kurz gekennzeichnet. Bei seiner Durchführung in der Zukunft werden noch viele Einzelprobleme zu lösen, eine große Elastizität erforderlich sein. Aber die große Linie zeigt sich deutlieber. Freilich lieg־! der Beginn dieser neuen Aera noch in der Ferne. Heute ist die Exekutive von drängenden Tagessorgen getrieben. Die Exekutive ist in einer sehr schwierigen Situation. Die Vertreter aus Palästina werden mit dringenden aktueilen Forderungen kommen, und diese Forderungen gipfeln alle in dein einen Worte: Geld. Bei der Sitzung werden gerade die beiden Herren anwesend sein, die für ihre Departements eine gewaltige Erhöhung des