Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 25 (29.3.1927)
- Date
- 1927-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. נ® ttteotschs RtmtrscwÄi; Säte 185 brüllt wie die eines Löwen, seine Augen funkeln wie die eines Tiger* und seine Fäuste schlagen wie der Elefant“... Es verdient vermerkt zu werden: derselbe Jabotinsky, der seinen begeisterten Jünglingen nicht den Rat erteilte, die Fahnen mit der Aufschrift: ״Es lebe der Präsident“ einzuziehen, kämpfte noch vor einem halben Jahre oder weniger gegen die ״Heldenverehrung“. Damals schrieb er: ״Buifaloes follow a leader. Civilised men have no teaders“, ״Büffel folgen einem Leittier. Zivilisierte Menschen haben keine ,Führer'.“ Hier in Palästina vergaß Herr Jabotinsky diese Tugend der ״Bescheidenheit“, hier begann er das Los des ״dummen Iwanoschka“ der russischen Sage zu prophezeien, der die Fürstin gewann ... Die zionistiselie Förderation in Frankreich Paris, 23. März. (J.T.A.) Gestern Abend begann Wer die Tagung der neugewählten zionistischen Landes- Versammlung. Herr Kastei und Frau Poliere erstatteten Bericht. Hierauf schritt man zur Wahl der Leitung. Die Revisionisten schlugen ein neungliedriges Komitee, die Hitachduth ein dreizehngliedriges Komitee vor. Sylvain C a h n verlas eine Deklaration von Hitachduth über die Aktivierung der zionistischen Tätigkeit in Frankreich. Zum Vorsitzenden der Föderation wurde einstimmig General Gaismar gewählt. Da dieser erklärte, aus Gesundheitsrücksichten die Wahl nicht annehmen zu können, wurde zum Vorsitzenden der auf der Zentrumsliste gewählte bekannte Schriftsteiler Andrd Spire gewählt. Sodann wurde ein zwölfgliedriges Landeskomitee gewählt, dem fünf Zentrums- Zionisten, vier Revisionisten und drei Hitach duth-Vertreter angeboren. Die Gewählten sind: Andre Spire, General Galsmar, Poliere, Dr. Jacobson und Pens0 von den Zentrumszionisten; Wladimir Ternkin, W. Jabotinsky, Dr. Jacques Segall und George Fischer von den Revisionisten sowie drei Vertreter von Hitachduth. Jüdische Walsenhille Am 23. Febr. d. J. fand in Berlin die erste öffentliche Mitgliederversamrnlung der ״Jüdischen Waisenhilfe e. V.“ statt, die. wie bekannt, die Errichtung eines Kinderdorfes in Palis 11 n a nach den Plänen von Siegfried Lehmann, dem bekannten Pädagogen und Leiter des Kinderhauses in Kowno, erstrebt Der Jahresbericht gab ein Bild des außerordentlichen Fortschrittes der Sammeltätigkeit und des Wachstums der Organisation; nach knapp einem Jahre ihres Bestehens waren die finanziellen Voraussetzungen zur Gründung des Kinderdorfes ״Ben Schemen“ in Palästina vorhanden, dessen günstig gelegenes Gelände vom Jüdischen Nationalfonds zur Verfügung gestellt worden ist Der Kreis der Förderer und Freunde, die durch Uebernahme von Patenschaften bzw. größere Spenden die Jugendsiedlung unterstützten, ist in ständigem Wachstum begriffen. In Breslau, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, Mannheim wurden Ortskomitees gegründet und Fördererkreise ge- Wonnen. In Holland, das sich in besonders großzügiger Weise an dem Werk beteiligte, besteht ein Landeskomitee. Für das kommende Jahr sind Aktionen in der Tschechoslowakei und in England in Aussicht genommen. Von den großen jüdischen Organisationen haben bisher die Großloge für Deutschland U. O. B, B., der Hilfsverein der Deutschen Juden, der Jüdische Frauenbund, die Zionistische Vereinigung für Deutschland Ihre moraiische bzw. finanzielle Unterstützung gewährt. Dem Präsidium gehören an: Frau Prof. Albert Einstein, 1. Vorsitzende; Oehehner Justizrat Timendorfer, 2.,Vorsitzender; Willy Drevfus, Scj^t®pejrt«,«M*K Loia-tJaJsj-ft'arbürg;■'Frau Siegfried• -Hirsch-Haiberstaat-BerUa; 'Dr. Siegfried Lehmann-Ben Schemen; Prof. Warburg-Tei-Awiw. Das sekretariat befindet sich:'Berlin W 50, Passauer Straße 24. Postond Telegraphenverkehr io Palästina 1926 Trotz der Wirtschafts- und Handelskrise ist der Post- und Telegraphenverkehr in Palästina im Jahre 1026 gegenüber dem vorangegangenen Jahre erheblich gestiegen. Es erhöhte sich der Verkauf von Postwertzeichen um 17 •/#, die Anzahl der aufgegebenen Depeschen um 26 0/0 und die Zahl der Telephonteilnehmer um 1030/0/י. Im einzelnen wurden 1926 abgefertigt: Briefe 11496900, Postkarten 737700, Drucksachen 4 410 574, Pakete 158116, I>epeschen 306024, Ferngespräche 557 870, Ortsgespräche 10 500000, Geldeinzahlungen 13 231 und Geldauszahlungen 15 799. Professor M. Balaban Zu seinem fünfzigjährigen Geburtstag. Von Simon Ernst, Tel-Awiw. Es gibt zwei Wesensarten der Gelehrten: der erste schreibt und sagt mehr als er weiß, und der zweite ist das Gegenteil davon. Dieser zweite Typus ist Besitzer von geistigen Gütern, die der Außenstehende selten erfaßt hat. Prof. Balaban ist einer von diesen letzten. Seine vielgestaltige literarisch-wissenschaftliche Tätigkeit ist im wesentliehen der jüdischen Geschichte in Polen gewidmet. Es ist dies ein Gebiet, das ein ungeheures Fachwissen erfordert. Der Gelehrte steigt in die zahllosen Archive hinab und aus den dicken Schichten des Staubes befördert er die seit Jahrhunderten verklungenen Schicksale der schaffenden und leidenden Volksgenossen ans Sonnenlicht. ״Die Judenstadt Lublin“, das in deutscher Uebersetzung wohlbekannte Werk, erschloß eine ganze Welt der jüdischen Seele. Die Monumentalwerke ״Die Juden in Lemberg“ und ״die Juden in Krakau“ — die selbst die polnische Akademie mit schmeichelhaften Preisen bedachte, - dickleibige Bände von 800 Seiten ieder, sind eine ungeheure Stoffsammlung, an der künftighin Kein Historiker vorübergehen kann. Man soll nie vergessen, daß diese Oaluth-Vergangenheit, die zwar der zionistische Volks- Wille immer weiter von den Strebungen der Zeit gerückt hat, unser menschlicher Stoff für alle künftige Gestaltung bleibt. Wir werden immer wieder noch zu dieser kulturhistorischen Bildergalerie zurückkehren, genau so wie wir den ״Dybuk“ von Anski auch in der Heimat aufführen und in Perez und Mendale den Vätern der Chaluzim mit liebevoller Aufmerksamkeit lauschen möchten, wenn auch so manches darin längst nicht mehr verstanden wird. Der Vergleich mit Dubnow kommt von selbst; sind doch die beiden unsere großen Diaspora-Historiker. Zwar nat Prof. Balaban noch kein grundlegendes Werk geschaffen, das seinen Namen in die weitesten Kreise tragen würde, wie das des Ver- Fassers der ״Weltgeschichte des jüdischen Volkes“. Der inmitten seines Schaffens stehende Gelehrte hat erst die Steine zum Riesengebäude der Geschichte des Volkes zusammenzutragen. Schon Grätz hat auf die Bedeutung der von ihm unerforschten Schätze der polnisch-russischen Geschichtsquellen hingewiesen, und zwar in der Monographie über ״J. Franck und die Franckisten“ — ein Gebiet, dem auch Professor Balaban eine Reihe von gediegenen hebräischen Studien (in ״Hazefirah“ und ״Heatid“) gewidmet hat. Balaban wie Dubnow richten ihre Blicke auf die Vergangenheit, um die Zukunft auf unverrüdebarem Grund aufzubauen. Ostjuden und Spanien Von Joseph Roth. In der Serie ״Berichte aus der Wirklichkeit“ des Verlags ״Die Schmiede“ (Berlin) erscheint in den nächsten Tagen ein Buch ״Juden auf Wander- Schaft“ des bekannten Schriftstellers Joseph Roth, dessen im gleichen Verlag erschienener Roman ״Hotel Savoy“ zu den besten Schilderungen der ostjüdischen Nachkriegswelt gehört. Das neue Buch, das ein liebevolles Bekenntnis zum Ostjudentum darstellt, führt uns durch die Ghetti des Ostens und Westens und zeigt episodenhaft ostjüdisches Denken und Fühlen. Wir entnehmen aus den uns vom Verlag zur Verfügung gestellten Aushängebogen nachstehenden kleinen Abschnitt: In dem großen Hafen Marseille kommen jährlich ein paar Juden aus aem Osten an. Sie wollen ein Schiff besteigen. Oder sie kommen gerade von Bord. Sie haben irgendwohin fahren wollen. Das Geld ist ihnen ausgegangen. Sie mußten an Land gehen. Sie schleppen alles Gepäck zum Postamt, geben ein Telegramm auf und warten auf Antwort Aber Telegramme werden nicht schnell beantwortet und solche überhaupt nicht, in denen um Geld gebeten wird. Ganze Familien nächtigen unter freiem Himmel. Manche, Einzelne bleiben in Marseille. Sie werden Do!- metscher. Dolmetscher sein ist ein jüdischer Beruf. Es handelt sich nicht darum, zu übersetzen, ins Französische aus dem Engfischen, ins Französische aus dem Russischen, ins Französische aus dem Deutschen. Es handelt sich darum, den Fremden zu übersetzen, auch, wenn er nichts gesprochen hat. Er braucht den Mund nicht aufzumachen. Christliche Dolmetscher übersetzen vielleicht. Jüdische erraten. Sie verdienen Geld, sie führen die Fremden in gute Wirtsstuben, aber auch auf die Dörfer. Die Dolmetscher beteiligen sich am Geschäft. Sie verdienen Geld. Sie gehen zum Hafen, besteigen ein Schilf und fahren nach Südamerika. Nach den Vereinigten Staaten kommen die Ostjuden schwer. Die erlaubte Zahl ist längst und oft überschritten. * Einige ostjüdische Studenten sind nach Italien gefahren. Die italienische Regierung — sie hat manches gutzumachen ~~ verleiht Stipendien jüdischen Studenten. Viele Ostjuden haben sich nach dem Zerfall der Monarchie in das neuerstandene Südslavien begeben. Aus Ungarn werden Ostiuden prinzipiell ausgewiesen. Kein ungarischer Jude wird sich ihrer annehmen. Die Mehrzahl der ungarischen Juden sind — trotz Horthy — nationalmagyarisch. Es gibt ungarische nationalistische Rabbiner. * Wohin können die Ostjuden sonst fahren? Nach Spanien kommen sie nicht. Es ruht ein Bannfluch der Rabbis auf Spanien, seitdem die Juden dieses Land hatten verlassen müssen. Auch die Nichtfrommen, ״die Aufgeklärten“, hüten sich, nach Spanien zu fahren. Erst in diesem Jahr erlischt der Bannfluch. Von einigen ostjüdischen Studenten hörte ich, daß sie nach Spanien fahren wollten. Sie werden gut daran tun, die polnisehen Universitäten, auf denen der numerus clausus herrscht, die Wiener Universität, auf der außer dem numerus clausus auch noch die Borniertheit herrscht und die deutschen Universitäten, an denen der Rierkrag herrscht, zu verlassen. * ... ,״Es .w.eiftif* JaJv.e»Jauera. Dann .werden OsüttifSi fiacHSpinfeft kämmen,' Alte twenden, dW nfän' sich irr:;Osten erzählt, knüpfen an den langen Aufenthalt der Juden in Spanien an. Es Ist manchmal wie eine stille Sehnsucht, ein verdrängtes Heimweh nach diesem Lande, das so stark an die Urheimat, an Palästina erinnert. Man kann sich freilich keinen stärkeren Gegensatz denken als den zwischen Ostjuden und spaniolischen. Die spaniolischen Juden verachten die ״Aschkenasim“ im allgemeinen, die Ostjuden im besonderen. Die spaniolischen Juden sind stolz auf ihre alte adelige Rasse. Mischehen zwischen Spaniolen und Aschkenasim kommen selten, zwischen Spaniolen und Ostjuden fast niemals vor. Nach einer alten Legende sind einmal zwei Ostjuden durch die Welt gezogen, um Geld zum Bau einer Synagoge zu sammeln. Sie kamen zu fuß durch Deutschland, sie kamen an den Rhein, gingen nach Frankreich und begaben sich in die alte jüdische Gemeinde Frankreichs, nach Montpellier. Von hier zogen sie ostwärts, ohne Karte, ohne die Wege zu kennen und verirrten sich. Sie gelangten in einer finstern Nacht in das lebensgefährliche Spanien, wo sie getötet worden wären, wenn sich nicht ihrer die frommen Mönche eines spanischen Klosters angenommen hätten. Die Mönche luden die jüdischen Wanderer zu einem Disput ein, waren über die Gelehrtheit der Juden sehr erfreut, brachten sie sicher über die Grenze zurück und gaben ihnen noch einen Klumpen Gold, zum Bau der Synagoge. Beim Abschied mußten die Juden schwören, das Gold wirklich zum Bau der Synagoge zu verwenden. Die Juden schworen. Aber die Sitte (wenn auch nicht das Gesetz) verbot ihnen, das Gold, das aus dem Besitz eines Klosters, wenn auch eines freundlichen kam, für das Heiligtum zu benutzen. Sie überlegten lange und kamen endlich auf die Idee, aus dem Goldklumpen eine Kugel zu formen und sie auf dem Dach der Synagoge als eine Art Wahrzeichen anzubringen. Diese goldene Kugel leuchtet noch auf dem Dach der Synagoge. Und sie ist das Einzige, das die Juden des Ostens noch mit ihrer alten spanischen Heimat verbindet. Diese Geschichte erzählte mir ein alter Jude. Er war Thora- Schreiber von Beruf, ein Sophar, ein frommer und ein weiser und ein armer Mann, Er war ein Gegner der Zionisten. Jetzt, sagte er, wird der Cherim (der Bannfluch) gegen Spanien erlöschen. Ich habe nichts dagegen, daß meine Enkel nach Spanien gehen. Es ist den Juden nicht immer dort schlecht gegangen. Es gab fromme Menschen in Spanien und wo fromme Christen sind, können auch Juden leben. Denn die Gottesfurcht ist immer noch sicherer als die sogenannte moderne Humanität. Er wußte nicht, der Alte, daß die Humanität nicht mehr modern ist. Er war nur ein armer Thoraschrei he!•. Kleine Nachrichten Durch eine Verordnung des High Commission er für Pallstina vom 17. Februar 1927 sind Leinengarn, Flachsgarn, Jutegarn und Hanfgarn auf die Liste derjenigen Waren gesetzt worden, die vom Einfuhrzoll in Palästina befreit sind. Nahum S o k 010 w hat sich bereit erklärt, auf Grund des Ansuchens der Keren Hajessod-Leitung in Holland sich für einige Tage der dortigen Keren Hajessod-Aktion zur Verfügung zu stellen. Er soll am 3. April in Holland eintreffen. (Ziko.) Der Präsident des Aktionskomitees, Leo Motzfcin, hat sich nach Palästina begeben. Er kehrt gleich nach Pessach nach Europa zurück, um der für Anfang Mal anberaumten Sitzung des Aktionskomitees zu präsidieren. (Ziko.) Die VIII. Landeskonferenz der polnischen All gemeinen Zionisten wurde um eine Woche verschoben und soll nunmehr laut Beschluß der Hauphvahlkommission endgültig am 12., 13. und 14. Juni stattfinden. Der Ort der Tagung ist noch nicht bestimmt. In erster Reihe in Betracht kommen Loda oder Warschau. (Ziko.) Jabotinsky hat nach fünfwöchentlichem Aufenthalt Polen verlassen. Er begibt sich am 6. April nach Amerika. Die Organisation zionistischer Frauen Amerikas ״Hadas sah“, die das Gesundheitswesen in Palästina ausgebaut hat, wird in diesem Monat auf eine 15jährige Tätigkeit zuriickblicken. ״Jewisli World“ verbreitet eine Mitteilung, daß Dr. Weizmann sich in nächster Zukunft in den Vereinigten Staaten niederzulasseti gedenke. Es handelt sich offenbar um ein unautorisiertes Gerücht. Louis S. Brush hat dem jüdischen theologischen Seminar in New York rund eine Million Dollar hinterlassen. Ein Teil der Summe soll zur Ausbildung von Rabbinern verwendet werden. In Rosch Pinah ist die Tabakernte des Jahres 1926 mit Ausnahme weniger Zentner, die die Firma Maspero gekauft hat, bisher unverkauft. Die Siedler von Rosch Pinah beabsichtigen infolgedessen nicht, im laufenden Jahr Tabak anzubauen. Stattdessen beginnt man, Wein und Oelbäume sowie Orangen anzupflanzen. (Ziko.) In den letzten Monaten macht sich in Palästina auf den» Gebiete des Handels mit Baumaterialien eine Wendung zum Besseren bemerkbar. Die Nachfrage nach Baumaterialien ist gewachsen, seitdem sich eine starke Baubewegung bei den! Arabern im ganzen Lande und in Transjordanien zeigt Der bekannte jüdische Dirigent, Edouard F e n d 1 e r, der am 11. März in Köln mit dem Philharmonischen Orchester ein Konzert gab und bei Publikum und Kritik einen großen Erfolg davontrug, begibt sich auf eine Konzert-Tournee nach Osteuropa. Nach siebenstündiger Verhandlung hat das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg die von Theodor Fritsch gegen das Urteil des Landgerichts vom 22. Oktober eingelegte Revision verworfen und damit dieses Urteil, das für Fritsch wegen Beleidigung Max Warburgs eine Gefängsnisstrafe von vier Monaten und eine Geldstrafe von 100(1 Mark verhängt hatte, bestätigt. Der Kalender der ״Jüdischen FriuenverbSnde“. Die ״Jüdischen Frauenverbände‘‘ haben dies Jahr einen Kalender hcrausgegeben, und man wird mit Vergnügen in dem hübsch und geschmackvoll ausgeststteten Bändchen blättern, in eleu» iädisam' WokUMekcMätssMien, die. Werke jüdischer Mslfit’ und die Köpfe unserer hervorragendsten Mlätier abgebildet sind. Bei allen Vorzügen wird man aber sicht übersehen können, daß in diesem Kalender all das, was zionistisch ist, recht stiefmütterlich behandelt worden ist. Sicher ist es nur ein Versehen, wenn auch ein recht erstaunliches, daß nicht einmal ein Herzlkopf zu finden ist, und daß alles, was in Palästina geschaffen worden ist, vollkommen ignoriert wurde — nur aus den hiesigen palästinensischen Handarbeitsstatten gibt es ein Bild. Die sonst so verständnisvollen Herausgeber müßten es sich doch wohl sagen, daß — gleichwie, von welchem Lager aus gesehen — man unmöglich eine Uebersicht über das augenblickliche jüdische Leben geben kann, ohne den ״zionistischen Komplex“ einzubeziehen, sie kann sich unmöglich von christlichen Blättern oder indifferenten Tageszeitungen beschämen lassen, die häufig ihren Lesern Bilder aus Palästina zeigen. So wie der Kalender vorliegt, kann man ihn zionistischen Kreisen nicht empfehlen. Aber sicher bedarf es nur dieses kleinen Hinweises, um die Frauenverbände zu veranlassen, im nächsten Jahr einen Kalender vorzulegen, an dem alle jüdisch Interessierten Kreise Freude haben werden. Martha No t hm an n. Neue jüdische Graphiker. Der Menesverlag aus Leipzig (Verlag für moderne Graphik) veranstaltet gegenwärtig eine beachtenswerte kleine Ausstellung bei Reuß & Pollak. Neben den bekannten großen Graphikern Kübln und Struck und der uns gleichfalls wohlbekannten L o u 1 u Albert La za r d — hier vertreten mit ihrem Litho Chagall — sieht man auch einige bisher wenig gezeigte jüdische Graphiker, deren Bekanntschaft lohnt. A. Jeskiel zeigt in Lithographien feine Judenköpfe, in Martin Keymers Radierung Dorfstraße sehen wir einen gefühlsjungen Graphiker mit Fabuliertalent schon ganz gelöst der Erzählung hingegeben und die Lithos von Eduard Einschlag zeigen einen beherrschten Gestalter von guter psychologischer Einfühlung. Außer Graphikblättern und Mappenwerken hatte der Verlag auch Bücherpläne und begann mit der Herausgäbe einer Reihe von ״Büchern junger Autoren aller Nationen“, die im Original erscheinen sollten. Es erschien aber nur ein einziger Band, nämlich: Gedichte und Lieder von Abraham Nahum Stenzei. Es ist dies der erste Band, der von Stenzei erschien. Später erst druckte ein anderer Verlag den Band ״Und du bist Gott“. In diesem ersten kleinen Bändchen findet sich neben einigen seiner schönen Liebesliedern und ein paar bekannten Gedichten aus dem Band ״Und du bist Gott“ ein sehr beachtenswertes inenschlieh groß angelegtes Gedicht, das von seinem tiefen sozialen Mitempfinden zeugt. Ruth Morold. Distrikte-Koalerenz des jüdischen Rayons Cherson, 25. März. (J. T. A ) Gestern wurde in der großen jüdischen Kolonie Sede-Menucho die erste Distriktskonferenz des neuen jüdischen Verwaltungs-Rayons eröffnet. Sämtliche jüdischen Sowjets der in dem Rayon vereinigten Kolonien waren vertreten. Die jüdische Bevölkerung von Sede-Menucho und den benachbarten Kolonien veranstaltete aus diesem Anlaß eine Kundgebung. Es würden mehr als 40 Ansprachen gehalten, darunter solche im Namen der Regierung der Sowjet-Union, der ukrainischen Sowjetregierung, des ukrainischen Zentral-Exekutivkomitees, der kommunistischen Partei und verschiedener sozialer und kultureller Organisationen. Der jüdische Rayon zählt 18000 Seelen, darunter 87 Juden. Das Rektorat der Wiener Universität hat, nachdem die vom Leiter des Maimonides-Instituts, Rabbiner Dr. A. Kaminka, während des verflossenen Wintersemesters in einem großen Hörsaal der philosophischen Fakultät gehaltenen öffentlichen Vorträge ein starkes Interesse gefunden haben, dem Institut die Genehmigung zur Abhaltung regelmäßiger Kurse an der Universität aus den verschiedenen Gebieten der jüdischen Wissenschaft (biblische Studien, Talmud, mittelalterliche Religionsphilosophie, neuhebräische Literatur) erteilt. Es werden dementsprechend schon im bevorstehenden Sommersemester von Herrn Dr. Kaminka zwei Kurse wöchentlich abgehalten werden. Damit ist ein erfreulicher Schritt zur Einfügung der jüdischen Studien in den Universitätsbetrieb geschehen.