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Jüdische Rundschau · 1927-03-22 · Heft 23 (22.3.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 23 (22.3.1927)
Date
1927-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 JÜEOrSCHE RUNDSCHAU Seite 109 Die Tagung des bayerischen Gemelndeverbandes (Schluß des Berichtes aus voriger Nummer.) Fürth, 15. März. (J.T.A.) Der Schatzmeister des Verbandes, Ludwig Rosenzweig, Nürnberg, berichtete von einem günstigen Stand der Finanzen, warnte jedoch vor über־ triebenem Optimismus. Unter den Einnahmeposten des Jahres 1926 sind zu erwähnen Umlagen: 319 671,94 M., Staatszuschuß 50000 M. Der Staatszuschuß entspricht allerdings weder der Zahl noch der Steuerkraft der jüdischen Bevölkerung in Bayern, er müßte sonst ein mehrfaches betragen. Für Besoldungszu- Schüsse, Pensionen usw., wurden rund 160000 M., für• Bau- Zuschüsse 14000 M., für soziale Zwecke 100 000 M., für Dar• leben an Gemeinden zirka 60000 M. aufgewendet. Die gesamten Ausgaben beziffern sich auf 536000 M., wobei eine Ueberweisung an den Landeswohlfahrtsfonds mit 100 000 M. und eine Ueberweisung an den Betriebsfonds mit 50 000 M. inbegriffen sind. — Für das Jahr 1927 sind 143 (X)0 M. Ausgaben für soziale und kulturelle Aufgaben vorgesehen. Dr. Elias Straus, München, referierte über die soziale Arbeit des Verbandes. Der Verband unterhält nunmehr ein eigenes Siechenheitn in Würzburg und unterstützt eine ganze Reihe von Wohlfahrtsanstalten mit größeren Betrieben. (Waisenanstalt Fürth, Kinderheilstätte Kissingen, Landheim Wolfratshausen, Kurhospiz Bad Kissingen, Kinderheim München, Fürsorgeverein für Geisteskranke Aschaffenburg-Lohr.) Auen die Anstalten des D. J. G. B. sind bedacht worden. Ferner sind Zuschüsse an die Rabbinerseminare im Reiche und die Akademie für die Wissenschaft des Judentums sowie die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums bewilligt worden. Für die Wanderarmenfiirsorge ist ein Betrag von 12 500 M. im neuen Etat vorgesehen, für Bildungs- und Unterrichtsanstalten 44 000 M., für jüdisch-kulturelle Zwecke 34 500 M. in der Aussprache trat Dr. Landenberge r, Nürnberg, für das Siedlungswerk des Rcichsbundes jüdischer Front- Soldaten ein, für das im Etat 2000 M. zunächst für Vorbcreitungsarbeiten eingesetzt sind, ein Betrag, der bei günstiger Entwicklung der Finanzen des Verbandes auf 5000 M. erhöht werden soll. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. Freudenthal, Nümberg, über die historische Kommission des Verbandes zeigte, daß dieser sich immer mehr auch für kulturelle Aufgaben einsetzt. Am Montag, den 14. März, wurden hauptsächlich Aenderungen der Verfassung, der Beamten- und Besoldungsordnung sowie die Schiedsgerichtsordnung behandelt. Die Muster- Satzungen der Gemeinden sollen Gegenstand einer zweiten Tagung 1927 sein, die voraussichtlich im Juni in M t't n - chen stattfinden wird. Zu einer lebhaften Debatte führt die Bestimmung über die Kasualien der Rabbiner, die gemäß einem Anträge von Dr. Oettinger, Regensburg, nunmehr lautet: ״Dem Rabbiner verbleiben die Kasualien als Entschädigung für den Dien staufwand, falls nicht der Dienstaufwand von der Gemeinde getragen wird oder eine Vereinbarung über die Ablösung der Kasualien getroffen ist. Die Festsetzung der Kasualien erfolgt von der Gemeinde im Einvernehmen mit dem Rabbiner.“ Annahme fand ein Antrag der jüdischen Volkspartei, wonach ein Beamter, der eine Mischehe eingeht, oder seine Kinder vor Erreichung des gesetzlich vorgeschriebenen Selbstbestimmungsalters aus der jüdischen Re'igionsgemelnschaft austreten läßt, seiner Stellung und seiner sämtlichen Ansprüche, insbesondere! aut Gehalt, Alters- und Hfnterbliebenenfürsorge verlustig geht. Sehr interessante Aufschlüsse über die Geschichte der Bemühungen zur Schaffung einer Reichsorganisation der deutschen Juden gab ׳§» Nachmittag in .einem'.mehr als einstündigen ־־Referat jusi«rtf/׳E>r. Hommel, Schweihfurt. Der Redner ging aus.von der Ausschußsitzung vom 3. Januar 1926 in Miincnen, zu der Vertreter sämtlicher Landesverbände erschienen waren und in der die Bildung eines größeren Ausschusses beschlossen wurde, der am 25. April 1926 in Berlin zusammentrat und in dem die Ansichten des Deutsch-Israelitischen Oemeindcbundes und der Landesverbände sich gegenübertraten. Ein Antrag des Landesverbandes Bayern habe die Tendenz verfolgt, zwischen den beiden Anschauungen eine vermittelnde Lösung zu finden. Es sei dann Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, München, um die Ausarbeitung eines Entwurfes ersucht worden, der in verschiedenen Ausschußsitzungen beraten und am 24. Dezember 1926 in Berlin fertiggestellt wurde und der nun von den einzelnen Landesverbänden genehmigt werden sollte. Es sei nun allerdings sehr überraschend gekommen, daß dieser Entwurf, an dessen Bearbeitung der 1. Vorsitzende des Preußen verband!^ als Leiter und die prominentesten Mitglieder des Preußenverbandes mitberatend und mitarbeitend sich beteiligt hatten, von der Versammlung des Preußischen Landesverbandes ei nst 1 mm i g abgelehnt worden sei. Vergebens mache man dem Entwurf den Vorwurf, daß er bayerische Sonderinteressen vertrete, sei es doch in gemeinsamer Arbeit der Relegierten aller Landesverbände zustande gekommen. Es sei kein anderer Weg zur Schaffung eines Reichsverbandes möglich als durch die Schaffung eines Dachverbandes über den einzelnen Landesverbänden. Durch die Abstimmung des Preußentages sei die Angelegenheit zunächst erledigt. Es sei abzuwarten, was nunmehr von der anderen Seite vorgeschlagen würde. Inzwischen hätten sich die Landesverbände von Bayern, Baden, Hessen und W ii r 11 e m b e r g zu einer A r b e i t sgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände zitsammengcsdilossen. Nachstehende am 6. Februar 1927 in Stuttgart vereinbarte Satzungen dieser Arbeitsgemeinschaft wurden von der Tagung gebilligt, welche auch die Bildung der Arbeitsgemeinschaft lebhaft begrüßte. ״Die Israelitischen Religionsgemeinschaften der Länder Bayern, Württemberg, Baden und Hessen bilden zur Wahrung und Förderung ihrer gemeinsamen Interessen eine Arbeitsgemeinschaft und treffen folgende Vereinbarung: I. Die Religionsgemeinschaften werden die auf Schaffung eines Reichsverbandes gerichteten Bestrebungen im gegenseitigen Benehmen und nach Rücksprache der beteiligten Verwaltungen weiter verfolgen. II. Die Arbeitsgemeinschaft bezweckt für das Gebiet der beteiligten Länder insbesondere: 1. die Förderung der allgemeinen Interessen der jüdischen Religionsgemeinschaft, 2. gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Vertretung in gemeinschaftlichen Angelegenheiten gegenüber den Behörden und der Oeffentlichkeit, 3. die Förderung von Anstalten und Einrichtungen für Unterricht, 4. die Förderung von Wohlfahrtsanstalten und -einrichtungen, 5. die Regelung der Grenzfragen (gemeinsame Einrichtungen für benachbarte Gemeinden mehrerer Länder, Benutzung von Einrichtungen einer Gemeinde durch Angehörige benachbarter Gemeinden eines anderen Landes, Steuerfragen); 6. gegenseitiger Austausch von Erfahrungen und Auf- Stellung einheitlicher Grundsätze aut den Arbeitsgebieten der Verbinde, 7. die gemeinschaftliche Pflege geschichtlicher und kunstgeschichtlicher Forschung, die Erhaltung jüdischer Kunst- und Altertumsdenkmäler. Ui. Die Vertreter der beteiligten Länder treten im Bedarfs* falle zur Beratung zusammen. Jedes Land hat eine Stimme. Die Vertreter der Länder geben ihre Stimme für die Landes- Organisation einheitlich ab. Die Beschlüsse erfordern die Zu- Stimmung der sämtlichen beteiligten Landesorgamsationcn. Die Leitung der Arbeitsgemeinschaft wird von der Verwaltung eines Landesverbandes wahrgenommen und wechselt alle drei Jahre. Die Kosten der Verwaltung werden von dem geschäftsführenden Verband getragen. Für die nächsten drei Jahre soll der geschäftsführende Landesverband der Oberrat der Israelitischen Religionsgemein- Schaft Württembergs mit dem Sitz in Stuttgart sein.“ Die Tagung erklärte gleichzeitig mit der Billigung der Satzung ihr Einverständnis mit der Stellungnahme und dem Vorgehen des Rats und der Verbandsleitung in Sachen einer deutsehen Reichsorganisation. Dieser Beschluß wurde einstimmig gefaßt. Auch der Redner der Jüdischen Volkspartei, Syndikus, Dr. Nußbaum, Nürnberg, erklärte die v 011 e Zu- Stimmung seiner Fraktion zu der Haltung des Verbandes in dieser Angelegenheit, wenn von ihrer Seite auch die Bildung einer Reichstagung auf Grund von Urwahlen begrüßt worden wäre. Zum Schluß wurde noch folgende Resolution zur Schachtfrage einstimmig angenommen: ״Die Tagung des Verbandes billigt einmütig die Stellungnähme des Rates und der Verbandsleitung in der Schächtfrage und gibt sich der bestimmten Erwartung hin, daß diese Frage einer befriedigenden, die Gewissensfreiheit der religiösen Gemeinschaft berücksichtigenden Lösung entgegengeführt wird.“ Als Ort der Tagung 1928 wurde Bamberg bestimmt. Pani Nathans Beisetzung Am Sonntag, den 20. d. M., wurde Paul Nathan in Berlin zu Grabe getragen. Wegen der erwarteten ungeheuren Beteiligung der Oeffentlichkeit wurden Einlaßkarten für die Alte Halle des jüdischen Friedhofes in Weißensee ausgegeben. Trotz dieser Maßnahme zählte der Kreis der Freunde Nathans, die ihm die letzte Ehre erwiesen, nach vielen Hunderten. Vertreten waren alle führenden jüdischen Organisationen, denen Nathan während seines arbeitsreichen Lebens nahegestanden war. Auch die Z. V. f. D., die in einem längeren Schreiben dem ״Hilfsverein der deutschen Juden“ zum Ableben Nathans kondoliert hatte, war heim Leichenbegängnis durch Dr. Martin Rosen blüth vertreten. In der Halle hielten namens der alten Freunde Nathans Minister n. D. Goit 11 ein, ein Vertreter der S. P. D., Dr. Brodnltz im Namen des Central- Vereins und Arbeiterfürsorgeamtes, Dr. Bernhard Kahn namens des amerikanischen Judentums und des Joint, ein Vertreter der Bert hold Auerbach-Loge, ein Vertreter des Deutsch-österreichischen Bundes, Staatsrat Tei tel für den Verband der russischen Juden und noch andere Freunde, Nachrufe. Das Auswärtige Amt war durch Prof. Sobcrnheim vertreten. Aus ]Hamburg war Max: War bürg erschienen. Nach Absingung der rituellen Gesänge erfolgte dann die Bestattung Nathans, dessen Ableben von der gesamten jüdischen Welt betrauert wird. Die Hauptstelle für indische Wanderlttrsorge Der soeben erschienene Tätigkeitsbericht der Hauptstelle für Jüdische Wanderfürsorge (Berlin N 24, Auguststr. 17) für die Zeit vom 1. April 1925 bis 31. Dezember 1926 gibt ein umfassendes Bild über den Aufbau der gegenwärtigen jüdischen Wanderfürsorge Deutschlands. Der Hauptstelle ist es in kaum zweijährigem Bestehen gelungen, die jüdische Wanderfürsorge derartig zu organisieren, daß heute ganz Deutschland ein einheitliches Netz von Provinzialverbänden umfaßt, denen die systematische Abfertigung der Wanderer obliegt. Während vor Beginn der Tätigkeit die Hauptstelle der jüdische Wanderer Innerhalb Deutschlands genötigt war, von Gemeinde nt Gemeinde zu ziehen, um sein Ziel zu erreichen, ist heute die finanzielle Kraft der Provinzen und Länder׳ in AMerfigjinpstellen zur or g a ni s atr ischtn Re - f׳,el,t1ng'der'#andetlirsorgo zusammengefaftt. Die Provinüal* assen arbeiten nach einheitlichen von der Haupfstelle herausgegebenen Richtlinien. Ein umfangreiches Meldrsystem bringt die einzelnen Kassen untereinander in engsten Koitex, so daß jede einzelne Kasse leicht in der Lage ist, sich über das Schicksal jedes Wanderers in Deutschland zu orientieren. Von den durch die Hauptstelle zusammengefaßten Unterverbänden sind während der Berichtsperiode im ganzen etwa 25000Wanderer erfaßt worden. Es handelte sich zum allergrößten Teil um Personen, die die Reise nach ihrem Heimatsorte antreten mußten (12 000 Personen). 3400 befanden sieh auf der Arbeitssuche, etwa 200 Personen wurden zum Arbeitsantritt befördert, der Rest waren Auswanderer und Personen, die zu Anverwandten reisten. An Reisekosten wurde ein Betrag von etwa HOMO M. aufgewandt, Unterstützung wurde in Höhe von 60 000 M. gewährt. Im neuen Arbeitsjahr wird die Hauptstelle nach Beendigung der Organisationsarbeiten insbesondere dem Problem der Produktivierung der jüdischen Wanderung ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Bedeutende Fachleute haben der Hauptstelle Gutachten über die Errichtung einer Arbeiterkolonie für jüdische Wanderer zur Verfügung gestellt. Die Generalversammlung der Hauptstelle, die am 8. Mai dieses Jahres in Berlin stattfindet, wird endgültige Beschlüsse über diese Pläne fassen. Jahreskonlerenz der Hias New York, 16. März. (J.T. A.) Unter starker Beteiligung der amerikanisch-jüdischen Organisationen in New York lind den übrigen Zentren wurde hier die Jahreskonferenz der Wandererschutzgesellschaft Hias eröffnet. Auf der Tafesordnung steht die wichtige Frage des neuen Arbeitsprogramms von Hias in den Einwanderungsländern Südamerikas, welches gemeinschaftlich mit Emigdirekt und Ica durchzuführen ist. Zahlreiche repräsentative jüdische Institutionen Nordamerikas, Südamerikas und Europas sandten der Konferenz ihre Grüße, so u. a. der Jüdische Parlamentsklub in Polen, die jüdischen Sejmfraktionen in Litauen und L.ettland, Frithjof Nansen, der Leiter des Internationalen Arbeitsamtes Albert T h o m a s, der französische Arbeiterführer Lepn Blum (Ehren- Präsident des Pariser ״Hias-Emigdirekt“l, der Vorsitzende des Hilfskomitees der jüdischen intellektuellen Emigranten Baron Ginsburg, Henry Shiosberg, Rabbiner Eisenstedt u. a. m. Im Namen des Präsidiums des Emigdirekt begrüßte der jetzt in Amerika weilende Herr Dr. D. Lwowitch die Konferenz. Der Antisemitismus in RnBIand Moskau, 15. März. (J.T.A.) Das Vereinigte Plenum des Zentralkomitees und der zentralen Kontrollkommission der kommunistischen Partei in der Ukraine hat nach Anhörung des Berichtes des Sekretärs des Zentralkomitees, Kaganowitsch, eine Resolution angenommen, deren Punkt 8 lautet: ״Es wird ein energischer Ukrainisierungskurs durchgeführt unter Berücksi htigung der Interessen der nationalen Minderheiten; alle auf diesem Gebiet erscheinenden Verkrüppelungen sollen ausgeglichen werden. Der Ideenkampf gegen allerlei nationalistische Voreingenommenheit und Stimmungen in der Arbeiterk lasse, sowie unter dem Bauerntum und in der Partei, insbesondere der Kampf gegen den Antiseraitis miis, der letzthin fühlbar geworden ist, muß energisch durchgeführt werden, ebenso wie der Kampf gegen die feindlichen Elemente (Kulak und Nepmann), die Versuche machen, sich politisch zu organisieren. Die soziale Wohlfahrtsrente Die ״Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden“ teilt mit: Die Verordnung über die Soziale Wohlfahrtsrente ist am 4. 12. 1926 (Reichsgesetzblatt I, S. 494) erschienen. Nach § 27 des Anleiheablösungsgesetzes vom 16. Juli 1925 erhalten inländische Anstalten und Einrichtungen der freien und kirchlichen Wohlfahrtspflege sofern ihnen Auslosungsrechte zustehen, die sie als Anleihealtbesitzer erlangt haben, auf Antrag 15 Jahre hindurch (bis 31. 3. 1941) eine Wohlfahrtsrente. Aufgewertet werden folgende Vermögenswerte: Kriegsanleihen, andere deutsche Reichsanleihen und aie meisten Staats-(Länder-)anIeihen, jedoch nur, soweit sie sich gegenwärtig noch im Besitz der Einrichtungen befinden, also nicht verkauft worden sind. Die Verordnung definiert genau, was unter Wohlfahrtspflege, unter Einrichtungen der freien und kirchlichen Wohlfahrtspflege sowie deren Aufgabenkreis zu verstehen ist und erkennt als Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege von vornherein solche an, die einem der sieben Spitzenverbinde, bei uns also der Zentra 1 wohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die im Gesetz namentlich aufgeführf wird, angeschlossen sind. Die Wohlfahrtseinrichtungen, die der Zentralwohlfahrtsstelle als Mitglied an gehören, werden demnach bei der Ge- Währung der Wohlfahrtsrente bedeutende Erleichterungen haben. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat für alle jüdischen Anstalten, Einrichtungen und Stiftungen die Bearbeitung übernommen, und es liegt im eigenen Interesse jeder Einrichtung, sich dieser Vermittlung zu bedienen. Die Antragsformulare nebst Anleitung gehen allen Einrichtungen, die ihren Altbesitz bei der Zentralwohlfahrtsstelle bereits vorangemeldei haben, zu mit der Aufforderung um genaueste Ausfüllung und schnellste Rücksendung. Für rechtzeitige und ordnungs« gemäße Weiterleitung der Anträge an den zuständigen Ausschuß wird die Zentralwohlfahrtsstelle sorgen. Damit die beschleunigte einheitliche Auszahlung der Oeider erfolgen kann, hat die Zentralwohlfahrtsstelle auf dem Antragsformular (Frage 13) ihre Bank als Einzahlungsstelle angegeben. Die Weiterleitung der Gelder an die Antragsteller wird dann selbstverständlich sofort erfolgen. Der Sitz der Ausschüsse für die Soziale Wohlfahrtsrente ist in den einzelnen Bezirken bereits bestimmt und die von den Landes- und Provinzialverbänden für jüdische Wohlfahrtspflege benannten Vertreter als BcvoIImächtigte der Zentralwohlfahrtsstelle den Ausschüssen benannt worden. Anstalten, Vereine, Stiftungen usw., die Ansprüche auf die Soziale Wohlfahrtsrente geltend machen können, jedoch bei der Zentralwohlfahrtsstelle noch nicht angemeldet worden sind, werden gebeten, schnellstens die Anmeldungen nach• zuholen und die Antragsformulare anzufordern. ZeitschrilteBscbaa Die soeben erschienene März-Nummer der Wiener Monatsschrift ״Menorah“ enthält u. a. einen Aufsatz von Pr. Czaczkes.die ״Judenpresse“ in Wien 1848, ein Essay *Die jüdischen Spiele“ von E. G. Fried, eine Selbstbiographie von Prof. Jehudo Epstein, A. M. Fuchs: ״Auf dem Hügel“ (1. Fortsetzung), Dr.MaxGrunwald: ״Das jiddische Theater in New York“, Julius Gold berg: ״Mayer1, Dr. Bernhard Wachstein: ״Hebräische Autographen von Gelehrten und Schriftstellern in'Faksimile“, Df. Rudolf Retf: ״Das Judentum iin •der Musik“ *,o־#fe eine Charakters tadle*. von Siegfried Schmitz. Zahlreiche Reproduktionen nach Werken alter und neuer Kunst sowie interessante Abbildungen aus dem Theaterleben New׳ York vervollständigen den Inhalt dieses Heftes. Das kürzlich erschienene Februarheft der ״Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft“ widmet der Erinnerung Spinozas anläßlich der 250. Wiederkehr seines Todestages einen Aufsatz über ״den Spinozismus in der Philosophie der Gegenwart“ nebst einem Bericht Über neuere Spinoza-Literatur von A. Lewkowitz. B. Heller weist in seinem Bericht zur jüdischen Sagenkunde auf interessante Parallelen zwischen jüdischen Sagen und Erzählungen und denen anderer Völker hin. Gleichzeitig beginnt «ne größere Aufsatzreihe über die ״neuhebräische Aufklärung«- nteratur in Galizien“ von Professor M. Weiß berg. Lotte Barschak bespricht eine Reihe neuer Erscheinungen aus dem Gebiete der schönen Literatur. Außerdem enthält das Heft eine Reihe wissenschaftlicher Beiträge, u. a. von A. Schwarz, H. Brody, J. Krengel. Der Bezugspreis der Monatsschrift beträgt 10 M. für den sechs starke Hefte umfassenden Jahrgang. Seit einigen Jahren ist ein Komitee literarischer Personlichkeiten mit Prof. S. D u b n o w an der Spitze bei der Arbeit, um das Gesamtwerk von Baal Machschowoth, des vor einigen Jahren in Kowno verstorbenen hervorragenden jüdischen Publizisten und Kritikers, zu sichten und in einer würdigen Gesamtausgabe der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. In diesen Tagen erscheint bereits der erste Band der gesammelten Schriften von Baal Machschowoth, der den Titel ״Untern Rod“ (Unterm Rade) trägt. Das Komitee fand es für angemessen, gerade die in den letzten Lebensjahren des Schriftstellers — in den Jahren des Krieges und der Revolution — erschienenen Schriften in diesem ersten Bande zu vereinigen. Den Namen ״Unterm Rade“ wählte Baal Machschowoth selbst, als er nach einer zusammentassenden Formel für die Geschehnisse, die Krieg und Umwälzungen dem jüdischen Volke gebracht haben, gesucht hat. Das jüdische Volk ist es, das ״unter das Rad“ der Geschichte geraten ist. Baal Machschowoth aber wird nicht müde, jene neuen Kräfte anzuzeigen, die im Judentum wirksam sind und die auch diesen Volksruin besiegen werden. — Dem Komitee gehört auch die Schriftstellerin Frau Dr. Esther Eliasehew, die Schwester von Baal Machschowoth, an. Die weiteren Bände werden kurz nacheinander folgen. Theodor Lessing über Spinoza. Als Gast des Verbandes jüdischer Studentenvereine sprach Professor Theodor Lessing im Schubertsaal über Spinoza. Spinoza, der reine Idealist, der deshalb mit der Umwelt in Konflikt kommen mußte, stand im Mittelpunkt seiner Ausführungen. Interessant war Lessings Deutung des Juden Spinoza. Jüdisch ist sein Pathos des Unendlichen. Jüdisch ist die theoretische Geistigkeit Spinozas, jüdisch aber ist vor allem die Auswertung der Lehre für das Leben. Spinozas Neigung zur mathematischen Gestaltung der Ideen erklärte er mit dem Gegensatz der Tag- und Nachtvölker. Nicht abstrakt und plastisch wären Gegensätze, sondern geformt und ungeformt, und der Süden drängt zum präzisesten Ausdruck. Auch 1n diesem Vortrag zeigte sich Theodor Lessing nicht nur als Denker, sondern als Gestalter der den schöpferischen Elementen der Welt verbunden ist, R. M.

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