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Jüdische Rundschau · 1927-03-08 · Heft 19 (8.3.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 19 (8.3.1927)
Date
1927-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19 JÖEÜrSCHE RUNDSCHAU Seite 130 lojrie de» Kolonisten, «renn er die eisigen Winter In seinem hölzernen Blockhaus überdauerte und den Bau des Steinhauses häufig erst seinem Sohne Überließ. Er begann mit den geringsten Mitteln, und erst aus den lieber־ Schüssen des sieh entwickelnden Betriebes wurde dieser ver־ vollständig und intensiviert. Die Kolonisation der argentinischen Pampas, die sich in unseren Tagen abspielt, leider, soweit wir sehen ohne Einfluß auf unsere zionistische Koionisationstechnik, zeigt, daß das auch heute und mit differenzierteren und bedürfnisreicheren Menschen möglich ist. Wir bezweifeln aber, daß die harten Entbehrungen, die die ChaiiAim in den letzten Jahren durchmachen mußten, nicht vielleicht noch* härter waren als die der Pampaskolonisten. Diese Leiden rührten aber von einem falschen System her, bei dem die zur Verfügung stehenden Mittel in keinem Verhältnis zur Zahl der anzusiedelnden Menschen stand. Wir sind über* zeugt, daß die Chaluzim Entbehrungen (die unserer Meinung nach in mannigfacher Hinsicht geringer sein müßten) ebenso freudig tragen würden, wenn ein geändertes Kolon isations- System eine fruchtbarere Arbeit verspräche. Eine primi־ ♦ivere Koionisationstechnik würde, um es drastisch auszudrücken, zum Unterschied von dem heutigen System genug zu essen geben und andere Bedürfnisse weniger befriedigen als heute. Im übrigen aber kann dieser Einwand richtig sein; wenn wir nicht genug Menschen haben, um in primitiverer Weise, von einer schmäleren Kapitalbasis her zu kolonisieren, werden wir uns, im Rahmen der heutigen Mittel, mit einer Einwanderung von 5—10 OCX) Menschen im Jahr zufriedengeben müssen. (Schluß folgt.) Berber! Samuel in der englischen Politik London, 2. März. (J.T.A.) Die gesamte Londoner Presse widmet der gestrigen Rede Sir Herbert Samuels bei der liberalen Kundgebung ausführliche Leitartikel. Die Zeitungen betonen, daß dies seit sieben Jahren die erste politische Rede des liberalen Führers gewesen war. Seitdem sich Sir Herbert Samuel im Aufträge der britischen Regierung als Oberkommissar nach Palästina begab, war er in der englischen politischen Oeffentiichkeit nicht her* voreetreten. Durch seine jetzige Rede — so führen die Blätter aus — hat er von neuem seine immensen Führereige»schäften dokumentiert Saniemng von ״Hon Commonwealth“ In ״N ew Pa lest ine“ veröffentlicht Louis Lipskv eine Erklärung über die Lage der BodcnkaufsgeseUschaft ״American Zion Conto on w ea 11 h“, worin er ausführlich auseinandersetzt, daß die finanziellen Schwierig* k e i t e n der Gesellschaft nur davon herrühren, daß viele Käufer von Boden ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten und daß andererseits die Gesellschaft ihr ganzes Kapital in Bodenkäufen festgelegt hatten. Infolgedessen betrachtete die Zionistische Organisation Amerikas es als ihre Aufgabe, zu intervenieren und hat ein Finanzkomitee eingesetzt das der Gesellschaft die notwendigen Kredite verschafft hat. Das Komitee soll auch für die Zukunft einen Uebererwerb von Boden seitens der Gesellschaft ver* hindern. Die Arbeiten des Komitees sind bereife soweit fortgeschritten, daß die Fortführung von Zion Commonwealth gesichert ist. Recht an! Arbeit Die Lage der jüdischen Massen in Pol^nfe4^1K*, System■ tisch das primitivste Recht tfe« ־'«a# Arbeit, entzogen wird, ist oft geschildert worden. In einer großen Rede im Sejm besprach unlängst der jüdische Ab* feordnete Zwi Heller (rlitachduth), der sich große Verienste um die Organisierung der gefährdeten jüdischen Angestellten und der zurückgesetzten jüdischen Invaliden erworben hat, diese Situation. Er führte aus, den Juden werde das Recht auf Arbeit verweigert. Aus allen staatlichen Unternehmungen werden die Juden hinausgeworfen. Als die polnische Regierung• die Tabakerzeugung in Monopol nahm, wurden die Tausende jüdische Arbeiter und Angestellten auf die Straße gesetzt. Die Regierung sollte die Arbeit der jüdischen Emigrationsgeseilschaften ״Hias-Emigdirekt“, ״Ica“ find ״Jüdisene Weltnilfskonferenz“ unterstützen. Diese Gesellschaften regeln nicht allein die Emigration, sondern sie erziehen den Emigranten in einer Weise, daß er sich den Bedingungen der Einwanderungsländer anpassen kann. Diese Tätigkeit ist mit dem großen jüdischen Problem der Schaffung einer nationaljüdischen Arbeitsgemeinschaft in P a 1 ä s t i n a eng verbunden, ebenso mit dem zweiten jüdischen Problem der Zuführung der Massen in den Diasporaländern zur Produktion. Ihren Ausdruck findet diese große Bewegung in der Tätigkeit von ״Hechaluz“ ״ORT“, die verschiedene landwirtschaftliche Siedlungm und mehr als 60 berufstechnische Schulen in Polen erhalten. Auch die polnische Regierung soll den Juden die Möglichkeit gewähren, sich der Landwirtschaft zm widmen. Aus dem Herzen der jüdischen Massen kommt der Ruf; Wir fordern Recht auf Arbeit. Dieser Ruf muß gehört werden. Oer Talmud vor Gericht Ein Freund unseres Blattes stellt uns nachstehenden Ausschnitt aus einer russischen in Charkow erscheinenden Tageszeitung (vom 18. 12. 26) zur Verfügung. Moch nie haben die Wände des Oerichtssaales solch ein heterogenes Publikum beherbergt, wie am Tage dieses Prozesses: hier graubärtige Männer von sehr ehrwürdigem Aussehen, dort dreiste Jungen, die sich sehr ungezwungen verhielten. Ganz besonders lenkte die Aufmerksamkeit auf sich die imposante Gestalt eines Greiscnpatriarchen — des Charkower Rabbiners, Bürger Milikowskis. Es fand ein Prozeß über den Talmud statt. Es hieß nämlich seit einiger Zeit, daß in den Charkower Synagogen Religionsunterricht betrieben werde, was ja in Sowjetrußland als Kriminalverbrechen gilt. Es fand plötzlich eine Razzia ln der Mordwiner Synagoge statt und siehe da — einige Kinder im Alter von 10—13 Jahren saßen wirklich vor Talmudtolianten. Es wurden aber keine Lehrer dabei angetroffen. Die Kinder behaupteten, daß sie selbst Talmud treiben und daß sie bei schwierigen Stellen sich bald an den einen bald an den anderen der anwesenden Erwachsenen um Erläuterung wenden. Da kein Schuldiger zugegen war, wurde der Vorsitzende der Synagogenverwalfung, Bassin, angeklagt. Der Verteidiger Belostozki, Mitglied des Verteidigerkollegiums, führte in seinem• Plädoyer an, daß Talmud streng fenommen nicht als ein Religionswerk aufzufassen sei. Als achmann wurde der Charkower Rabbiner geladen, der aber um seine Meinung nicht befragt worden ist. Das Volksgericht unter dem Vorsitz der Genossin Mo* 8aisky beschloß Vertagung des Prozesses, um eine Ergänzungsuntersuchung vorzunehmen. Außerdem wurde vom Gericht beschlossen, einen Fachmann aus der Ewsektion des Kultusministeriums aufzufordern, sein Gutachten über das Wesen des Talmuds abzugeben. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde hat Hab* outer Dr. Moritz Freier zum Prediger für die konservativen uemeindesynagogen gewählt. Kleine Nachrichten Vermischte« Nach dem ״Haarez“ vom 18. Februar betrug die Zahl der bis zu diesem Datum registrierten Wähler in Jerusalem 1025 Juden, 1250 Mohammedaner und 800 Christen. (Ziko.) Die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Palästina im letzten Viertel 1026 betrug 1020, davon kamen 752 aus Polen, 220 aus Rußland, 234 aus Mesopotamien; 127 aus Rumänien und 127 aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Zahl der Auswanderer betrug Tm Oktober 1026 1052; im November 822; und im Dezember 642. In nächster Zeit wird in Jerusalem ein osterreichisches Konsulat errichtet, mit dessen Leitung der bisherige Legationsrat bei der österreichischen Gesandt* Schaft in Warschau, Haas, betraut ist. (Haas ist Katholik.) Aus verschiedenen Orten Beßarabiens treffen Nachrichten über Verfolgungen der Zionistischen Jugendorganisationen, insbesondere ״Haschomer Hazay־“ und ״Hatechia“ ein. In Sorokf wurden 40 junge Leute,' in der Kreisstadt CKfetin mehrere zionistische Funktionäre verhaftet. Die Zionistische Organisation intervenierte beim Regierungskommissar General Rischcanu. Am 20. Februar wurde der verdienstvolle jüdische Historiker und Pädagoge Prof. Dr. Meir B a I a b a n 50 Jahre alt. Prot. Balaban widmet sich seit 30 Jahren der Erforschung der Geschichte des polnischen Judentums. Die hebräische Universitätsbibliothek in Jerusalem veranstaltet zur Feier des 250. Todestages Spinozas eine Aus* Stellung seiner Werke und der Schriften über ihn. König Fuad von Aegypten empfing den Oberrabbiner von Aegypten Nahum, mit dem er sich über die jüdi* sehen Gemeinden Aegyptens und Ihre Bedürfnisse unterhielt. Die Konferenz dauerte mehr als eine Stunde. Im Zusammenhang mit dem Keren Hajessod Drive, der anläßlich des Besuches von Colonei Wedgwood in Wien eingeieitet wurde, hat das österreichische Keren Hajessod* Komitee zwei bewegliche elektrischeSchrifttafeln in den zentralen Straßen der Stadt errichtet, welche täglich andere Texte zeigen. Dies ist der erste Versuch in Europa, elektrische Wandcrschriftreklame für die Palästina-Propaganda zu ver* wenden. Der Präsident des American Jerusalem Institute, Futterer, weilt gegenwärtig in!Palästina, um — wie er dem P. T. A - Vertreter sagte — nach der Bundeslade zu suchen; er hoffe, daß dieselbe noch in der gegenwärtigen Generation aufgefunden werden wird. Herr Futterer hat bereits die Höhlen des Berges Nebo nach der Bundeslade abgesucht. De Konferenz der jüdischen Landwirte Litauens wurde in Anwesenheit von ungefähr 400 Bauerndelegierten aus allen Teilen Litauens eröffnet. Der Finanzminister und der Landwirtschaftsminister sandten der Konferenz herzliche Begrü Bungen. Brüssel, 25. Februar. (J. T. A.) De Minoritäten* komntission des Weltverbandes der Völkerbundsligen beschäftigt sich in ihrer jetzigen Tagung mit einigen Minder* heitsprobiemen. Das Problem der Minderheiten von Konstantinopel, der Juden in Rumänien und der Staatenlosen wurde auf die Berliner Tagung verschoben. De Kommisston sprach sich für die Herausgabe eines besonderen Organs zur Vertretung der Interessen der Minderheiten in allen Ländern aus. Am Sonntag verstarb in Kaschau (Kosice) in der Slowakei der unter dem Namen ״Boitsch«r Rabbi“ allgemein be* ^kap1t«-R*bM;Arft». 1114«־ «famiähwm ’ weK lei» ׳.er!Mc»»tt• Achtung «mr zählte msend« zu seinen Anhängern. _______ Gruppenverband Sachsen-Anhalt Tagung am Sonntag, den 13. März, vorm. 11 Uhr, in Halle, Vereinshaus St. Nicoiaus, Nicolaistraße 9/11. Tagesordnung: 1. Referat von Herrn Pr. Moritz Bileski•Berlin: Konsolidierun״ der Palästinawirtschaft. 2. Referat von Dr. Salli Hirsch- Halberstadt: Probleme der zionistischen Innenarbeit. 3. Aussprache. _ Gordon-Gedenkabend Ara Mittwoch, den 9. März, veranstaltet der Hapoel- Ha zair, Berlin, einen Gordon-Gedenkabend. An diesem Abend werden unter anderen Robert Weltsch über ״Gardons Leben und Lehre“ und S. Rawidowicz über ״Gordon und der jüdische Nationalismus“ (Hebräisch) sprechen. Der Abend findet um 8>/j Uhr in den Räumen aer Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Meinekestr. 10, statt Die Kinderzeitschrift ״Olam Hajeladim“, die an dieser Stelle vor kurzem besprochen war, ist von nun an in der Buchhandlung Kedem, Berlin, Dahlmannstraße, zu haben. Wir haben sämtliche bei uns eingelaufene Be- Stellungen der genannten Buchhandlung übermittelt, die bereits aus Palästina eine größere Anzahl Exemplare bestellt hat. Sannaüemi, den 12. fifirz, abends 9 Uhr tan Kaliersaal de« Zoo Purim - KosfOntftsi der B.Z.V. und des K.K.L. anl&ftlldtdcs 25|fihr. Jubiläums desH.K.L. im Schatten von 5000 Jahren Jüdischer Geschichte historischer Festzug, beginnend Im Paradiese! T ombola! Hauptgewinne: 1• Eine Freikarte 1. Kl. von Bremen nah Southampton und zurack, gestiftet vom Nord* deutschen Lloyd. I. Eine Polfisttna-Retse zur Hfilfte des Preise*, gestiftet vom Palesttne-lloyd. Kapellen: Marimba - Sfd Kay's Fellows Karlen zum Preis« von Hk. 10 Doppelkarten Hk, 15,-. für Mitglieder der Jugendorganisationen Mk 3,- stad zu bestellen tm Büro der B. Z.V. und des K. K- L, Melnekestrafe« 10, Bismarck 7165/70. Jüdische Musik. Lilli Dreyf u ß und Dr. Leo Barczinski bringen in ihrem Liederabend am Dienstag, den 15. März, 8 Uhr, in der Singakademie als Uraufführungen die Sololieder von Erich Walter Sternberg nach Texten von Jkhuda Halevi, sowie Klavierlieder des Komponisten und Gesänge mit Begleitung von Bratsche und Cello. Mitwirkende: Heinz J olles (Klavier), Fritz Laur (Viola), Ernst Silberstein (Cello). — Das staatlich rusaisehe Stradlvarius-Quartett führt zwei Streich* quartette von Erich Walter Sternberc, die jüdische Volksmeiodien verwenden, in der Gesellschaft für moderne Musik in Moskau auf. Düsseldorf. Die Zionistische Vereinigung, Ortsgruppe Düsseldorf, veranstaltet am Sonntag, den 13, März, morgens TI Uhr, in der Aula der Luisenschule (Bastionstr.) eine Achad Haam-Gedenkfeier, Ueber die Bedeutung des großen Toten sprich) Herr Dr, Emst Simon, Frankfiirt a. M. Köln. Der Bor Kochba, Köln, veranstaltet am 19. d Mts. ein Purim-Kostümfest in den Räumen der Messe. Karten sind zu haben bei den Mitgliedern und an der Abendkasse. Radikale Zionisten. Am Dienstag, den 1. März, fand die erste Versammlung des neugegründeten Berliner ״Klubs der Radikalen Zionisten“ statt. Dr. M. Soloweitschik legte die Ziele des Klubs dar und erörterte das gegenwärtige St*- dium der Jewlsh Agency-Politik, insbesondere das Abkommen Weizmann-Matsbalf, wobei er von mannigfachen Gesichtspunkten auf die Gefahren dieses Abkommens hinwies, besonders auch auf die Bedenken, die gegen die Entsendung der geplanten Kommission bestehen. Er betonte, daß in dieser Kritik des Abkommens die Radikalen Zionisten sich eins wissen mit einem erheblichen und einflußreichen Teil des Jischuw, der allmählich einzusehen beginnt, wohin die von der jetzigen Leitung betriebene einseitige ״Erweiterung*“־ Politik führen kann. Dr. N. Goldmann besprach dann die Situation des amerikanischen Judentums und legte dar, daß Dr. Weizmann seit Jahren diese Situation verkenne, daß lediglieh durch einen Kampf des ostjüdischen Elementes in Amerika gegen die bisherigen Machthaber des amerikanischen Judentums eine wirklich starke zionistische Organisation geschaffen werden und auch eine wesentliche Erhöhung de! Geldeingänge erzielt werden könne. Die dauernden Kompromisse mit dem antizionistischen amerikanischen Judentum schwäche die Position des Zionismus in Amerika und habe, wie bisher die Erfahrungen gezeigt haben and wie es auch für die nächsten Jahre bestimmt anzunehmen ist, auch keine finanziellen Erfolge gebracht. Das Abkommen mit Marshali bedeutet den Tiefpunkt der falschen politischen Linie, die die Organisation und insbesondere Dr. Weizmann seit Jahren innehaue; es ist zu hoffen, daß es nicht mehr lange dauern wird, bis die Majorität der Organisation dies erkenne und eine Umstellung der zionistischen Politik vornehmen wird. In der anschließenden lebhaften Diskussion wurde auch übet die Frage der Ausgestaltung des ״Klubs Radikaler Zionisten“ eingehend gesprochen; es wurde beschlossen, daß der Klub zweiwöehentlicne Versammlungen abhalten sollte; In dm! nächsten Versammlungen werden die wichtigsten Problem« der zionistischen Organisation vom Standpunkt des radikalen Zionismus beleuchtet und zur Erörterung gestellt werden Zeitpunkt und Ort der Versammlungen werden jeweils durch die ״Jüdische Rundschau“ bekanntgegeben werden. großen Verdienst erworben, daß sie In ihr Winterprogranut» eine Sonderveranstaltung autgenommen hat, in der Kapellmeister A. Kellerman«, der bekannte Dirigent der Neuen Synagoge, in vier Vorträgen die Entwicklung der hebräischen Gesänge und Melodien behandelte. Von den ältesten Zeiten ausgehend, würdigte er die Vokal- und Instrumentalmusik in der Bibel, sprach dann über den aus der Bibel entstandenen Sprechgesang, die Zeit des Mittelalters, und hob besonders den Komponisten hebräischer Gesänge am Hofe zu Mantua, Salomone Rossi (1568—1628), hervor. Am zweiten Abend wandte sich der Redner dem 18. und 19. Jahrhundert zu und führte vor allem Werke vor von Naumburg, Wefntraub, Sulzer und Deutsch, deren Verdienste er im einzelnen würdigte. Der dritte Abend war insbesondere Lewandowski gewidmet, ferner den neueren Komponisten arnagogaler Ge* sänge, u. a. Almaa (London). Kirschner (München), Aron Friedmann, Kopf und Nadel (Berlin), Idelsohn (Jerusalem), Heller (Brünn), Miliner (Moskau) und dem Vortragenden selbst, der mii zwei Kompositionen an diesem Abend erfolgreich vertreten war (Psalm 29 und B’rosch haschonoh). Der letzte Vortrag endlich war den Öesängen der Sephardim gewidmet. Von den Mitwirkenden ist vor allem Leo Golfanin zu nennen, der durch den seelenvollen Vortrag die Zuhörer begeisterte. Frieda Wolfs herrlicher Sopran und Agnes Lenbachs klangvoller Alt erweckten großes Interesse. Auch Charlotte Rosen fand durch ihre Violinvorträge verdiente Anerkennung, ebenso der Chor der Neuen Synagoge und die Harmonium-Begleitung des Herrn Zepke. Die Vorträge erfreuten sich eines regen Besuches. H. W. Kur*. Jüdischer Sehuiverein. in unserer privaten jüdi* sehen Volksschule, Fasanenstr. 79/80, können Kinder zur Aufnahme für Ostern 1927 täglich (Montag bis Freitag) von 12—1 Uhr, im Schullokal angemeldet werden. Gesellschaft ORT. Am Dienstag, den 1. März d. j., fand in Berlin unter Vorsitz von Herrn Bankier G r a e t z die Mitgliederversammlung der ORT-Geselischaft zur För* derung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden statt. In seinem Bericht über die Tätigkeit der ORT* Gesellschaft in Deutschland während des letzten Halbjahres betonte der Generalsekretär der Gesellschaft, Dr. Michael Traub, die Notwendigkeit, die Werbe* una Finanzaktion zugunsten des ORT und seines Wiederaufbau-Fonds während der kommenden Monate intensiver zu gestalten. In de! darauf folgenden Diskussion wurde die Tätigkeit der Ge- Seilschaft während der vergangenen Monate und Ihr Arbeite- Programm eingehend besprochen. In den Vorstand wurden gewählt: Bankier Wilhelm Graetz; Prof. Dr. S. Frankfurt? Dr. A. Singalowsky; Ing. A. Berlant; Dr. Leo Bramson; Justizrat Dt. J, Brodnitz; Frau Rabb. Dr. Ernestine Esche!- bacher; Frau Bertha Falkenberg; Frau Dr. Finkeistein; Oscar Hei mann; Direktor Wilhelm Kleemann; Ing. D. Klementinowsky; Dr. Leites; Dr. L. A. Loeb; Dr. Georg Lubinsky; Dr. D. Lvovitch; Wilhelm Marcus; Frau Henriette May; Dr. Martin Rosenblüth; Sch. Rudel; Geh. Justizrat Max Salinger; Dr. M. Traub; Frau Dr. Tumarkm; Dr. R. Wischaiak. Am 3. März fand in Berlin im Hause des Direktors der Dresdner Bank, Herrn Wilhelm Kleemann, ein Vortragsabend Statt, an dem Herr Rabb. Dr. Leo Baeck über die Aufgaben und Tätigkeit der ORT-Gesellschaft und Herr Dr. A. Singalowsky über seine Reiseeindrücke In den jüdischen Siedlungen in Rußland berichtete. Die interessanten Ausführungen beider Redner fanden lebhaften Beifall.

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