Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 JUEUISCWE RUNDSCHAU Seite US Rund um Palästina Die gegenwärtige Lage Im Orient*) Von Joseph Friedfeld, 1(. Die politische Lage In Transjordanlen Seiner geopolitischen Lage nach stellt Transjordanien einen Pufferstaat zwischen dem palästinensischen Fruchtlande am Gestade des Mittelländischen Meeres und der zcntralarabischen Wüste und ihren nomadischen Bewohnern dar. Daneben bildet es die Brüche für den Verkehr des Britischen Reiches von Europa über das vorderasiatische Festland nach Mittel- und Süsostagien. Das Land ist spärlich bewohnt und von seinen 300000 Bewohnern sind ungefähr die Hfdfte Nomaden oder Halbnomaden. ln seinem Charakter zeigt es heute nach über sechs Jahren englischer Verwaltung einen Uebergangs- Charakter. Eine geordnete Verwaltung, die auch für die Ent- Wicklung europäisch gearteten Verkehrs und Handels sorgt, hat andererseits die Aufsicht über primitive und nach ihren ursprünglichen Sitten lebende Beduinen zu führen. Transjordanien war ursprünglich nach Beendigung des Weltkrieges ein Teil des arabisch-syrischen Königreiche:; von Damaskus unter König Feisai. Als dieser Sohn König Husseins von Mekka im Sommer 1020 sein Königreich verlor, kamen die drei Distrikte von Transjordanien unter britische Verwaltung. Feisals Bruder, Abdullah, versuchte im Frühjahr 1021 nach Syrien zu gelangen, um den Thron seines Bruders wieder zu gewinnen, aber er blieb auf dem Wege in Transjordanien und wurde von den Engländern als Emir dieses Gebietes eingesetzt Im Jahre 1922 wurde daraufhin von der Britischen Regierung erklärt, daß das Gebiet von Trans Jordanien zwar unter britischem Mandat stehe, aber nicht so wie das Gebiet westlich vom Jordan bestimmt sei, ein jüdisch-nationales Heim aufzunehmen, und im Jahre 1023 verkündete der Hochkommissär von Palästina, der zugleich im Namen GroB-Britanniens die oberste Verwaltung Transjordaniens führt, die Unabhängigkeit Transjordaniens unter der Bedingung, daß eine Verfassung für das Land ausgearbeitet und ein Bündnis mit Großbritannien abgeschlossen werde, daß die gegenseitigen, aus dem Mandat stammenden Rechte und Verpflichtungen regelt. Diese Voraussetzungen sind bis heute nicht erfüllt worden. Transjordanien hat nicht so wie Mesopotamien einen Vertrag mit der Britischen Mandatarmacht abgeschlossen, der die gegenseitigen Beziehungen regelt und zugleich nach dem Ablauf einer gewissen Zeit die Beendigung des Mandatsverhält־ Bisses vorsieht. Auch ist in Transjordanien trotz eines Versuch es in letzter Zeit noch keine Verfassung proklamiert worden und das gesamte politische und konstitutionelle Leben des Landes befindet sich in einem Schwebezustände, wie er dem Charakter britischer Kolonialverwaltung gut entspricht. Gerade dieser Schwebezustand ermöglicht auch die wechselnde Anpassung der transjordanischen Verhältnisse an die Notwendigkeit des Augenblicks und in den vier Jahren seit der Proklamation der Trans jordanischen Unabhängigkeit hat das Land bereits mehrere derartiger Veränderungen erlitten. Die Erfahrungen, die die britische Verwaltung mit Emir Abduliah gemacht hat, waren keine günstigen. Abdullah hat den automatischen Charakter und die Verschwendungssucht ge- «bVJte auch seinem Vater eiges! war, und. selpe Finansvervvältung war so kostspielig, daß die Engländer sich gezwungen gesehen haben, ihm die Verwaltung seines Vermögens abzunehmen und ihm nur einen Teil seiner Ziviiliste auszufolgen und den andern zur Bezahlung seiner Schulden zu verwenden. Auch wurde Emir Abdullah immer mehr von der Beteiligung an den Regierungsgeschäften verdrängt. Insbesondere war dies der Fall, nachdem im Juni vorigen Jahres Ahmed Riza Pascha er Rikabi, der durch mehrere Jahre Ministerpräsident gewesen war, infolge seiner Zerwürfnisse mit dem Emir demissioniert hat. Rikabi Pascha, der schon unter König Feisa! Ministerpräsident in Damaskus war, zwar zweifeilos ein fähiger und energischer Administrator. Er hat sich sdther in das Privatleben in Palästina zurückgezogen. An seine Stelle ist Hassan Chalid Pascha getreten, ein curopäisch gebildeter Mann, der seine Ausbildung in Konstantinopel genossen hat und der schon vor Rikabi Ministerpräsident in Transjordanien gewesen war. An die Spitze der wichtigsten drei Ministerien traten englische Beamte und das Chefsekretariat übernahm ein palästinensischer Araber. Die gebildete Klasse ist, in dem bis in die Zeiten des Weltkrieges vom großen Verkehr völlig unberührten Transjordanien kaum vorhanden und daher ist es notwendig, bei der Einführung moderner Verwaltungsmethoden Kräfte von auswärts heranzubringen. Im übrigen wird bei der Verwaltung Transjordaniens der arabische und nationale Charakter des Landes in den äußeren Formen streng gewahrt. Im Monate November fanden auch Verhandlungen zwischen Delegierten der transjordanischen Bevölkerung und der Regierung über die Einführung einer Verfassung statt. Da aber die Vorschläge der Regierung die Vertreter der Bevölkerung in keiner Weise befriedigt haben, sind diese Verhandlungen abgebrochen worden• und Transjordanien besitzt auch heute noch keine Verfassung. In den Jahren der enghschen Verwaltung in Transjordanien ist es gelungen, in dein Lande Ruhe und Ordnung zu sichern, ein, wenn auch sehr spärliches, Straßennetz zu schaffen und diese Straßen für de« Reisenden sicher zu gestalten, ln Trans- Jordanien selbst ist die allgemeine Bewaffnung der Bevölkerung zugelassen, doch merkt der Reisende heute schon viel weniger davon als noch vor wenigen Jahren. Die Polizei ist in Trans Jordanien ebenso wie in Palästina gut organisiert. Amman, die Hauptstadt des Landes, hat sich in den letzten Jahren aus einem arabischen Dorf in eine recht geschäftige Kleinstadt entwickelt. Eine Reihe neuer Häuser und Straßen Ist gebaut und der öffentliche Verkehr nach dem Muster europäischer Städte geregelt worden. Die Bedeutung Transjordaniens als Vorposten des Britischen Reiches gegenüber der arabisch:״ Wüste ist die gleiche, die das Land einmal zur Römerzeit gehabt hat Noch heute sind überall Spuren dieses Zustandes zu sehen und Ruinen zeugen davon, wie sehr das Land vor zweitausend Jahren eine wichtige römische Grenzprovinz gewesen ist. Der Nachbar Transjordaniens nach Süden und Osten ist das Reich Ibn Sauds, des Sultans der Wahabiten und Königs von Hedschas. Ibn Saud ist heute der mächtigste Fürst Arabiens und viele vermuten, daß seine Eroberungspläne weiter reichen als die Grenze seines jetzt schon ausgedehnten Reiches, und daß er auch die Absicht habe, Transjordanien selbst anzugreifen. •) S. Nr. II d. J. Wohl fanden in den vergangenen Jahren mehrere Ueberfllle wahabitischer Stimme auf Transjordanien statt, aber die britische Luftflotte vermochte ihrer leicht Herr zu werden und Ibn Saud ist ein viel zu kluger und vorsichtiger Herrscher, um nicht zu wissen, daß dn Kampf gegen das Britische Mandatsgebiet aussichtslos ist. Zwar sind die Streitkräfte, die in Transjordanien stehen, außerordentlich gering — es sind das wenige britische Luftschiffe und Panzerautomobile, die transjordanische Polizei und das palästinensisch-transjordänische Grenzkorps —dennoch tut England recht daran sich mehr auf seine diplomatische Stellung als auf ein Aufgebot von Truppen zu verlassen. Zu Beginn des vorigen Jahres hat das britische Mandatsgebiet von Transjordanien auf Kosten des Hedschas einen Gebietzuwachs bekommen, indem der Hafen von Akaba am Nordostende des Roten Meeres und das Gebiet der Stadt Maan annektiert wurden. Damit hat Trans• Jordanien einen Vorstoß in das Gebiet Ibn Sauds getan und zugleich seine Position außerordentlich gestärkt, da es nun Am Sounabend, den 26. Februar, abend» 8 */» Tbr findet im Garten• »aal de» Lo g e n b an 8 e s, Kleiststraße 10, anläßlich des VII, KarteÜiage* de« Kartell* Jüd. Verbindungen eine Zionistische Kundgebung statt- Redner: Kurt Bliratenfeld, Erich Hurwliz. * Im Anschluß daran: Verführung de• neuesten Palästina-Film* ״Unsere Jugend in Palästina" Uokosteubeltrag 20 Tfg. den wichtigsten Abschnitt der Hedschasbahn beherrscht und zugleich in Akaba einen Hafen besitzt, der, wenn er ausgebaut ist, sich den direkten Zugang zum Roteii Meer sichert. Großbritaimien hat die Absicht, den Hafen von Akaba zu einem Kriegshafen auszubatieu, der dann einen Stützpunkt der britischen Beherrschung des Roten Meeres bilden könnte. Die Bedeutung Transjordanlens als Land zwischen Europa und Aegypten einerseits und Indien andererseits, ist gerade In den letzten Monaten in Erscheinung getreten. Durch ein Abkommen zwischen Großbritannien und Ibn Saud ist die Grenze zwischen Transjordanien und Mesopotamien so geregelt worden, daß diese beiden Britischen Mandatsgebiete ein zusammenhängendes Gebiet bilden und daß eine Verbindung, sei es im Automobil, sei es per Eisenbahn, vom Suezkanal und Palästina direkt über ausschließlich unter britischem Einfluß stehenden Boden nach Mesopotamien und von dort weiter nach Persien und Indien führen kann. Vorläufig wird diese Strecke weder vom Automobil noch von der Eisenbahn durchfahren. Solche Pläne bestehen für die Zukunft. Heute aber schon überfliegt das Luftschiff diese Wege und ein regelmäßiger , Flugverkehr zwischen Aegypten eltterseits und Indien andererselts durchkreuzt Transjordanien, so daß seine Bedeutung als ein wichtiges Glied in dem von Großbritannien lang erstrebten Landwege nach Indien gewährleistet ist. Nathan Strauß in Palästina Jerusalem, 22. Februar. (J. T. A.) Nathan Strauß ist an Bord des Dampfers ״Homeric“ in Haita cingetroffen. Bei der Landung wurde er von den Mitgliedern der palästinensisch-zionistischen Exekutive und Vertretern der verschiedenen jüdischen Institutionen begrüßt. Herr Nathan Strauß, aer am 31. Januar, auf der Reise nach Palästina, seinen 79. Geburtstag feierte, wird sich in Palästina mehrere Wochen aufhalten una sich persönlich an der Orgamsierung des von ihm gestifteten Gcsundheits- und Wohlfahrts- Zentrums beteiligen. Empfang tür Sir Wyndham Deedes Die Zionistische Organisation veranstaltete in London zu Ehren von Sir Wyndham Decdes nach seiner Rückkehr aus Polen einen Empfang, bei dem Nahurn Sokoiow den Vorsitz führte. Deedes führte aus, er habe während seiner dreijährigen Anwesenheit in Palästina die Ueberzeugung gewonnen, daß das Nationalheim für die Juden zu einem guten Ende geführt werden wird. Aber erst in Polen habe er erfahren, was Zionismus in Wirklichkeit sei. Das Nationalheim sei nur ein Mittel, der Zweck aber sei die Aufrichtung des jüdischen Geistes. Sir Wyndham Deedes gab eine fesselnde Schilderung seiner Erlebnisse in Polen. Die Kommniialwahlen in llberias Wie der Zika aus Jerusalem telegraphiert wird, hat die Registrierung der Wähler in 'Liberias folgende Zahlen ergeben: 275 wahlberechtigte Juden, 137 wahlberechtigte Moh am m cd an er und 40 wahlberechtigte Christen. Schnceslünne in Palästina Jerusalem, 20. Februar. (J. T. A.) Die zu Jjegiuu der vorigen Woche begonnenen Schueefälle setzten sich im Verlauf der Woche mehrmals fort und wuchsen sich zu wahren Schneestürmen aus. im Hebron-Distrikt liegt der Schnee zwei Meter hoch über dem Erdboden. Ein Araber, der sich im Schneewehen verirrte, wurde später aus den Schncemassen gezogen. Jüdische und arabische Schulen Herr Bowniau, der Leiter des Erziehungsdepartments der palästinensischen Regierung, hielt vor den jüdischen Lehrern Jerusalems einen Vortrag über das Erzichungswesen 111 den arabischen Rcgierungsschulen. Am Schlüsse seines Vortrags erwähnte er besonders anerkennend den großen Nutzen, welchen die jüdische National- und Universitatsbibliothek den arabischen Schülern der Staat• liehen Regierungsseminare bringt Die Schüler, sagte Herr Bowman, werden in der Bibliothek immer mit größtem Entgegenkommen aufgenommen und erhalten die ihnen notwendige Auskunft und die Ihnen notwendigen Bücher. Die Jubiläums-Kampagne des Keren Kaiemeth in Chile wurde anläßlich des Besuches de; Delegierten des Hauptbüros, Dr. Juris, eiugcleitct. Line Einnahme von 40 OOO Pesos (ca. £ 1000) wurde erzielt. Es ist zu erwarten, daß noch weitere 10 MO Pesos folgen werden. Die landwfrtsehaffllehe Kolonisation A. M. Koller entgegnet in zwei großen Aufsitzen 1111 ״D a w a r״ auf die Kritik Smilanskys an dem zio• nistischen Kolonisationswerk (.<, ,,j. R.“ Nr. S vom 28. Januar «i J.). Der Verfasser, der Mitglied des Mcrkas Chaklai ist, bringt zur Erhärtung seiner Ausführungen reichliches Zahlenmaterial und resümiert schließlich wie folgt: ,Alle Reden über das Scheitern der Wirtschaftskommune entbehren jeder Grundlage, Wir wolle» zwar nicht leugnen, daß Mangel nnhrfalmmg und ausreichenden Kenntnissen bei den Pionieren der Kommune Anlaß zu verschiedenen Fehlern in Wirtschaftlichcr und sozialer Hinsicht war. Auch sind an gewissen Plätzen teils aus objektiven Gründen — Fehlen der eie« menlarsten _ Beditigungtii für einen landwirtschaftlichen Betrieb teils aus subjektiven .Gründen, -- Versagen vieler Mitglieder -• Mißerfolge zu veizeichnen. Aber über jedem Zweifel ist und erscheint auch jedem unvoreingenommenen Beobachter, daß die landwirtschaftliche Betriebskommune erstärkt und vorwärtsgekommen ist, und erhebliche Wirtschaftliehe und soziale Werte geschaffen hat, die dn Lichtstrahl und eine Anziehungskraft für die Jugend in allen Ländern bedeuten. Wenn die Kwuzah über schwerste objektive Bedingungen himveggekommen ist,, und sich tn einer feindlichen Atmosphäre ihren Weg hat bahnen können, dann ist dies ein Beweis großer Lebenskraft und einer schöpferischen Fälligkeit, die' der Renaissancebewegung des Volkes /tun Segen gereicht." Der Spinoza Tag Jerusalem, 22. Februar. (J.T.A.) Die Hebräische Universität zu Jerusalem hielt heute aus Anlaß des 250. Todestages Spinozas eine Feier ab. Dr. Josef Klausner und Dr. Hugo Bergmann hielten Vorlesungen über Spinozas Leben und Philo- Sophie. Haag, 22. Februar. (J.T,A.) Der gestrige erste Tag der Spinoza-Feier verlief programmgemäß mit der Enthüllung eines Grabsteines aut dem Gelände der neuen Kirche. Am gleichen Abend fand eine Erinnerungs-Zusammenkunft im Kolzah statt. Vereinigung der Ingenieure und Architekten Palästinas Das Vortragsvci zeiclinif•, Saison 1926/27, enthält nach« stehende Veranstaltung (B. — Bausektion, I. Industriesektion, J. -- Jerusalem, H. —־ Haifa): Bisher gehalten: Ing. I. Bawii: Probleme der palästinensischen Industrie ([.). Ing. J. Ca heu: Wissenschaftliehe Betriebsorganisation (!.). Ing. A. Engländer: Rear• ganisation der palästinensischen Industrie (I.). Ing. O re n * stein und Ing. Pacofski: Ersparnisse im Bau und das Hypothekenproblem (I. gemeinsam mit der Economic Society). Dr. Ing. M. Reiner: Kanalisation von Jerusalem (J.), Ing. P. Gruenberger: Schwierigkeiten der Fundamentierung in Talpioth (j.). Arch. Pinkerfeid: Architektur der Kirchenbauten (J.). Arch. Kornberg: Die Entwicklung des Amphitheaters vom Altertum bis zur Neuzeit (I.). •—In Vorbe« rcitung: Ing. P. Ruthenberg: Das Jordan-Kraftwerk (I.). H. Margulies: Wahl des Standortes in der Industrie (L). H, Burger: Textilindustrie in Palästina (13. Ing. Popper: Aussichten der Lederindustrie in Palästina (!.). Ing. E. Kap- I a n: Bericht über die öffentlichen Arbeiten der Staat Tel-ÄwW *1926 (B.). Ing. I. Seidener: Mietwerkstätten. Reg.-Arch. I. Holiiday: Townplanning of Jerusalem (B). Ing. Zitz: Grundwasserfragen in Palästina. Ing. J. Bravermann; Die Kalkindustrie in Palästina (L). Ing. Arnstein: Forschung«• trgebnisse der Material-Prufungsanstalt des Ingenieur-Verans (Bf). Ing. A. A vigdor: Bericht über technische Erfahrungen bei der Auslandsreise (H.F .... : Handel Deutschland-Palästina Das Reichsgesetzblatt II Nr. 3, ausgegeben am 21. Januar 1927, Seite 14, enthält eine Bekanntmachung des Reichs* minister» des Auswärtigen vom 11. Januar!927 über die Ausdehnung des deutsch-englischen Handelsvertrages auf das Mandatsgebiet Palästina. Die Juden Bulgariens als nationale Minderheit Sofia, 20. Februar. (J.T.A.) Nach Verhandlungen, die sich durch Jahre hinzogen, wurde dieser Tage das Central-Konsistorium der Juden Bulgariens, welches das Hauptorgan der Organisation der jüdischen Gemeinden Bulgariens und deren repräsentative Körperschaft darstellt, durch die bulgarische Regierung bestätigt. Bis jetzt wurde das Judentum Bulgariens formell als eine religiöse Gemeinschaft betrachtet, die nur durch einen Hauptrabbiner repräsentiert werden kann. Der Hauptrabbiner allein stellte den Kontakt zwischen Judentum and Regierung her. Nun aber ist das bulgarische Judentum als eine n a 11 o ־ nalc Minderheit anerkannt, deren repräsentative Körper• schalt das Central-Konsistorium ist Dieses tritt für die kultitrellen, religiösen und sozialen Interessen der bulgarischen Juden gegenüber der Regierung und allen Behörden ein. Die Jüdischen Scholen in Bulgarien Nach dem letzten Konsistoriaibulletin (Nr. 15) für das Schuljahr 1925/26 gibt es in Bulgarien 18 jüdische Kindergärten, 22 Volksschulen und 7 Progymnasien mit insgesamt '133 Klassen. Die ״Öane-Jeladim“ haben 734, die Volksschulen und Progymnasien 2806 Kinder, insgesamt 3540 Kinder, mit 69 Lehrern '’und Lehrerinnen. Das Budget der Schulausschösse beläuft sich auf 771S 319 Lewa oder durchschnittlich für einen Schüler 2700 Lewa. 13 •י/« von den Ausgaben dieses Budgets wird durch Subsidien vom Staate und von den Gemeinden gedeckt. Aut Anregung und unter dem Schutz der jüdischen Derneinde in Sofia und mit der Mitwirkung aller jüdischen kulturellen Organisationen und Instituten in der bulgarischen Hauptstadt, ist neulich die erste jüdische nationale Bibliothek in Bulgarien gegründet worden. Vorläufig nimmt die Bibliothek den Saal des jüdischen Konsistorialgerichts in Anspruch bei der Central-Synagoge, wo am 11. Februar die Einweihung stattgefunden hat. ApdlsÜsehe Schoikonierenz Kowno, 21. Februar. (J.T.A.) Nach dreitägigen Ver- Handlungen ist die Konferenz der Schulorganisation ״lawne“, der Agudah-Führer aus Deutschland, der Schweiz und Lettland beigewohnt haben, in diesen Tagen geschlossen worden. Die Führung der Agudas Jisroci: Dr. Deutschländer, Dr. Carlebacfa und Botschko, die hier als Gäste der Jawne-Konferenz weilen, wurden vom litauischen Staatspräsidenten Smetona und dem Ministerpräsidenten Prof. Woldemaras empfangen. Die Agudah- Führer naben den litauischen Staatsmännern die Forderungen der jüdischen Orthodoxie in Litauen auf dem Gebiete der Schuffragen dargelegt und begründet Lord Planier hat das Patronat über die Jerusalemer Musikschule übernommen.