Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 15 (22.2.1927)
- Date
- 1927-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652892--18919-2676737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Elmebttmvncv 0,25 GkoMmwk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion aad Verlag Berlin W 15, Meinekeatraße 10. Erscheint ieden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5.25 Goldmark. A05lao<J5abo״nemenl» wercien ווו der Wihraag der •iax*ta«a Linder beredbeet Anzeigen-Verwaltung Jüdische RaadschaaG.il>, b.lL, Berlin WI5. Metoekestr.10 Telephons Amt Bismarck 7165—70. Auelgaiprebi 8 gesp«]t.N0!1oai־e111e*ei!e 0JO Stetl«g«*a£t1e 0.2S G׳-M. Amtlg.11.eUa0; D i e 0 t g and Frtlt»f ««eliBüla{ I Ukr. Telephon: Bismarck 7165-70. Postscheckkontos Berlin Nr. 17392׳ Für Oezierrtricht Postsp&rkarteti&mt ^Tiea, Konto Nr. 156 030. Fflr Tscbeehoeluwgkei ג Pottspark»t«ca*mt Prag, Konto Nr, 59 410. Für Poko! Postsptrk&aRenamt Wanckan, Konto Nr.!90 708. RedaktionsschluÜ Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 15 | Berlin, 22.11.1927 כ׳ אדר א׳׳ חי־ס״ז | xxm Jabg. Oer Zionismus erstrebt für des IQdlKh• Volk die SchafVuna einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstlna. ״Baseler Programm.** Die Rechtsnot der Juden in Deutschland Am 16. Februar abends fand in den Musikersälen eine demonstrative Veranstaltung des Reichsbundes jüdischer Front- Soldaten statt, in dert der Senatsprä'ident am Kammergericht, Großmann, über ״Rechtsnot in Deutschland“' und Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee über ״Die Rechtsnot der Juden in Deutschland“ referierten. Saal und Galerien waren gedrängt, ,voll. ' ' ■ ־ Nach der Rede des Senatspräsidenten Groß mann, der über die einseitige Einstellung der deutschen Richter sprach, erhielt Dr. Klee das Wort. Rechtsanwalt Dr. Klee sprach über die Rechts not der Juden. Die amtierenden Richter stammten zum großen Teil nach Erziehung und Milieu aus Kreisen, die asemi־ lisch seien und dem Judentum und seinen Gedankengängen fremd ge.genüberstünden. Dazu kommt, daß in diesen asemitischen Kreisen durch Politik und Presse der Rechtsparteien, denen die Majorität der Richter angehören, a n 11 sem i * tische Vorurteile herrschen. Da nun der Jude zudem noch als Wähler die Parteien mit antisemitischem Programm nicht unterstützen könne, also linksgerichtet ist, empfindet ihn der deutsche Beamte als Träger der ihm feindlichen Linksanschauung; der Entwicklung der Linksparteien aber schreibt er die Depossedierung def Bevölkerungsschicht, der er angehört zu. Aus allen diesen Momenten setze sich, selbst bei Richtern, die subjektiv gerecht 7 u sein sich die größte Mühe geben, häufig eine Anschauung zusammen, die im Effekt dem jüdischen Angeklagten schwer gerecht wird. Hinzukommt die politische Verhetzung in Deutschland, die, ‘da die Justiz nicht im luftleeren Raume vor sich gehe, auch auf Schöffen und Richter einwirke. Nie hätte der Fall Barmat politisch so ausgenutzt werden können, wenn es sich nicht um einen ausländischen Juden gehandelt hätte. Das furchtbare Fechenbach-Urteil, das zu Unrecht einen Menschen auf zehn Jahre ins Zuchthaus schickte, ist nur zu erklären, weil Fechenbagh Jude ist Ausführlich verwies Redner auf den Fall Haas und auf eine Reihe anderer Fälle. So erwähnte er das unqualifizlerbare Benehmen jenes Poüzcibeamten, der am Versöhnungstage in der Grenadierstraße Juden wegen Stehen* bieflbens auf der Straße״ also Uebertrctung einer Polizei- Verordnung, arretierte und auf den Einwand, es sei Verantwortete; ^Jch sch,.... auf die jüdischen ,Feiertage“. Unter stürmischem Beifall wies er darauf hin, was wohl einem׳ jüdischen Polizisten passiert wäre, der etwa 'am Karfreitag in der Nähe einer Kirche eine entsprechende Bemerkung gemacht hätte. Dr. Klee ging dann 'ganz besonders auf das tragische Schicksal vieler Ostjuden ein und erwähnte eine Reihe von Urteilen. Aber noch vor der Urteilsfällung wird der fremdartig anmutende Ostjude nur zu oft vom Richter «demütigt und in eine ängstliche, unsichere Situation gedrängt. Auch die Verwaltungspraxis dem Ostjuden gegenüber, so insbesondere die Ausweisung«- praxis und die Einbürgerungspraxis sei vom Standpunkte der Gleichberechtigung in keiner Weise zu rechtfertigen. Es müsse anerkannt werden, daß das kluge und gerechte Regime Severings und seines Nachfolgers vieles Schlimme verhindere; namentlich aber aus der Provinz kämen durch das Wirken antisemitisch eingestellter nachgeordneter Stellen häufig Nachrichten über rücksichtslose Ausweisungen gerade jüdischer Einwanderer. Daß ausländische Juden in Preußen über 20 Jahre wohnen müssen, ehe, von besonders •gearteten Ausnahmefällen abgesehen, eine Einbürgerung möglich sei, ist eine Hintansetzung gegenüber anderen Fremden. Bezeichnenderweise seien im Reichsrat, in dem Einbürgerungsanträge zur Verhandlung kämen, Einspräche früher Bayerns, in den letzten Jahren Württembergs und Lübecks feststellbar gewesen. Dem nichtjüdischen Einwanderer gegenüber sei die Einbürgerungspraxis wesentlich milder. Für den Juden gibt es nur das eine Mittel; würdige Erhaltung seiner Eigenart und seines Selbstbewußtseins und nicht nachlassender Kampf um eine freiheitliche EntwickIung. ln der Diskussion sprachen zwei jüdische Richter und zwei jüdische Anwälte. Das bekannte Urteil des Reichsgerichts, das diejenigen, die ״die Jude 11 republ! k“ beschimpfen, nicht bestraft und ausführt, daß die Republik mit Hilfe ausländischer Juden entstanden sei, wurde erwähnt. Die Referenten fanden stürmischen Beifall. Der Vorsitzende, Dr. London, schloß die Versammlung mit herzlichem Dank und der Aufforderung, mannhaft gegen die Rechtsnot im allgemeinen und gegen die Reciitsnot der Juden in besonderem anzukämpfen. v Der mm 10 Balte 1 Laut dem ״Haarez“ vom 3. Februar soll demnächst im Anftrag des . Colonial Office ein englischer Sachverständiger für Hafenbau pch Palästina kommen, um den Plan des Hafenbaues in Haifa von neuem zu überprüfen. Bezüglich der genauen Ortslage dieses Hafens liegen Meinungsverschiedenhelfen vor zwischen dem englischen Sachverständigen Palin c r und dem bisherigen Leiter des Regierungsdepartements für öffentliche Arbeiten, von denen der eine den Hafen im Westen der Stadt in der Nähe von Bath Galim, und der andere östlich der jetzigen Zollhäuser an der Seife der Akko Bai zu errichten empfiehlt. Die Haifa Bay Company hat inzwischen vorgeschlagen, die beidep Arme des Kischon bei deren Mündung ins Meer in das Gebiet des Hafens einzubeziehen und diese Flußmündungen zu vertiefen. Als Gegenleistung verpflichtet sich die Haifa Bay Co., sich mit ■BE. 100000 an den Kosten des Hafenbaues zu beteil igen. Der neudelegierte Sachverständige des Colonial Office soll nunmehr die endgü!tig#*HEntscheidung über die vorge-cklagenen Projekte •treffen. Diese neue Ueberprüfung, wie auch der Rücktritt des Leiters des Departements für öffentliche Arbeiten der Palästina-Regierung mache!! es wenig wahrscheinlich, daß mit den Bauarbeiten schon Anfang April, wie man zuerst gehofft hatte, begonnen werden kann. Dagegen sei es fast sicher, daß die Erweiterungsarbeiten im Hafen von Jaffa bereits im April in Angriff genommen werden. Alle Pläne seien bereits fertiggestellt; die Kosten werden, wie bereite abgegeben, auf £E. 115 000 zu stehen kommen. Es sollen eine lange Mole für £E- 50 000 und außerdem größere Lagerhäuser für die Aufnahme der Import- und Exportwaren gebaut werden. Poale Hon und labour Party Paris, 17. Februar. (J. T. A.) Gelegentlich der Pariser Tagung der Exekutive der zweiten Internationale finden Besprechungen zwischen Herrn Berl Locker vom Weltverband Poale Zx<011, dem Sekretär der ״Histadruth“ in Palästina, Mereminslii, und dem Vertreter der britischen Labour- Party, C r a m p , statt. Die Poale-Zion-Vertrete! übergaben Herrn Cramp ein umfangreiches Material betreffend die Lage der Arbeiterschaft in Palästina, Die Palästina-Regierung verharre gegenüber der Arbeitslosigkeit in Palästina vollkommen untätig. Sie habe 1925 einen Ueberschüß von einer Million Pfund, 1926 einen solchen von einigen Hunderttausend Pfund erzielt Wenn mir ein kleiner Teil dieser Summen zu Arbeitskrediten verwendet werden würde, so würde damit der Arbeitsläsigkeit gesteuert sein. Bei Ausführung von öffentlichen Arbeiten werden jüdische Arbeiter nicht berücksichtigt. Unter den 1500 Arbeitern, die bei der Legung des Schienenweges und anderen Bahnbauarbeiten beschäftigt sind, ist fast kein Jude vorhanden. Zum jüdischen Erziehungsbudget trägt die Regicrung sehr wenig bei und schon gar nichts zum G'esundheitswesen, wodurch das zionistische Budget zu sehr belastet ist und das Geld dem Aufbauwerk entzogen wird. Die jüdischen Vertreter klagten auch über das Verhalten der Regierung bei Arbeitskonflikten. Mr. Cramp versicherte, daß die Labour Party wie immer lür die Interessen der palästinciisisciien Arbeiterschaft eintreten wird und ersuchte um regelmäßige Zustellung von Material, Abg. GrOnbaum in Amerika New York, 17. Februar. (I. T. A.) Abg. Grün bäum ist heute ln New York efngefroffe«. Er ist bekanntlich von der Leitung des Amerikanisch-jüdischen Kongresses eincreladen worden, während der in diesem Monat stattfindenden Tagung des Kongresses das Referat über die Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern zu haften. Grünbaum äußerte sich in einem Gespräch mit dem Vertreter der I. T. A. über die Lage der Juden in Polen dahin, daß die Verhältnisse noch immer sehr kritisch sind und wohl in absehbarer Zeit sich nicht bessern können und werden. Damit eine Erleichterung geschaffen wird, müßten mindestens eine Million Juden Polen verlassen, um in anderen Ländern sich eine Existenz aufzubauen. Am Montag, den 22. Februar, wird Abg. |. Grünbaum vom Präsidenten Coolidge empfangen werden. Der Audienz wird der polnische Botschafter in Washington, der den Abg. Grünbaum einführen wird, beiwohnen. Eine große Spende? Die Londoner Wochenschrift ״Jewish Worl&“ schreibt in ihrer Nuipmer vom 17. Februar, cs seien Nachrichten zu ihr gedrungen, wonach in den nächsten Tagen eine große Spende für zionistische Zwecke erfolgen soll, und zwar die größte, die je gemacht wurde. Ob der spezielle Zweck in Palästina, für welchen die Gabe bestimmt ist. sie vom zionistischen Standpunkt aus bedenklich machen wird, oder ob, was wahrscheinlicher erscheint, dieser Zweck völlig 1m Einklang stehen wird mit den zionistischen Prinzipien, will das Blatt nicht entscheiden. Auf alle Fälle, so meint das Blatt, wird die Zuwendung große Sensation erregen: Die Londoner ״Zajt“ fügt hinzu, es handle sich um eine große Summe, die der Zionistischen Organisahon für gewisse Arbeiten in Palästina zur Verfügung gestellt werden soll. Man werde aber erst in mehreren Tagen wissen, ob aus der Sache etwas wird. Bekanntlich sind schon mehrmals derartige Gerüchte im Umlauf gewesen, z. B. auch vor etwa einem Jahre anläßlich der geplanten Spende von Bernhard Baron. Die hier verzeichnete Nachricht klingt besonders mysteriös, doch ist zweifellos, solange nicht klarere Angaben erfolgen, Mißtrauen und Vermeidung eitler Hoffnungen die bessere Politik, Pie Eingänge des Keren Hajessod im Mona! Januar Wie der Ziko aus Jerusalem telegraphiert wird, sind im Monat Januar beim Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem £ 57 708 eingegangen gegenüber nur £ 33 521 im Januar 1026. Im Verhältnis zum durchschnittlichen Januareingang der letzten Jahre ist eine Steigerung von über 509 zu verzeichnen. Zu diesen Eingängen haben mit mehr als £ 1000 beigetragen: Vereinigte Staaten £ 33 358, Südafrika 10000, Kanada 3080, Deutschland 2426, Rumänien 1765, Holland 1105. Spinoza-Feier in Jerusalem Jerusalem, 15. Februar. (J.T.A.) Aus Anlaß des 250. Todestages Baruch Spinozas wird im Gebäude der He* bräischen Un Iversi tät_zu Jerusalem am Montag, den 2t. Februar, eine Spinoza-Gedächtnisfeier abgehalten werden, Dr. Joseph Klausner und Dr. Hugo Bergmann werden Vorlesungen über Spinozas Leben und Werke halten. Die leberwindang der Krise Gespräch mit Schmarjahu Levin. Von unserem polnisch«! Korrespondenten. —g. Warschau, Mitte Februar. Seit zwei Wochen weilt in Polen die Palästina-Delegation des. Keren Hajessod, bestellend aus den Herren Dr. Schmarjahu I,ewin, Rabb. Ostrowski, Generalsekretär .des, Waad Lcumi Czcrnowitz und Vertreter ■der Histadruth Haowdim Borowoi. Die Arbeit für den Keren Hajessod. in. Polen hat dank der unermüdlichen Tätigkeit der Delegation neuen Aufschwung genommen, und es ist •zu hoffen, daß greifbare Resultate nicht ausbleiben werden. Gleichzeitig ist mit Nachdruck zu verzeichnen, dali die Anwesenheit dieser prominenten Vertreter des neuen Erez- Israel viel dazu beiträgt, Aufklärung־ und neues Leben in die zionistischen Reihen Polens zu tragen. , : Wir nahmen Gelegenheit, den Führer der Delegation, Dr. Schmarjahu Lewin, um eine Unterredung für die ״Jüdische Rundschau" zu ersuchen. Dr. Lewin, welcher doch den deutschen Zionisten seit vielen Jahren bestbekannt ist, erklärte sich gern bereit, unsere Fragen zu beantworten. Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Lage im Lande? Die ökonomische Krise in Palästina kann selbstverständlich nicht beseitigt werden, ohne daß wir die heroischsten Anstrengungen machen, die elementare Not im Lande zu lindern. Die zionistische Maschine war mit Ihren Mitteln für eine jährliche Immigration von 5000 bis 8000 Juden vorbereitet. Da mm diese Zahl vier- und fünffach wuchs, konnte die Organisation eine solche Belastung nicht ertragen. Da kann uns nichts anderes helfen als eine Vergrößerung de! Mittel. Die Kraftstation, besser die Kraftstationen, welche dieser Maschine Kraft zuführen, befinden sich in den Galuthländern; es müssen also hier die größten Anstrengungen einsetzen. Sonst gibt cs keine Hoffnung auf Ueberwindung der Krise. Auch wenn man zugibt, daß die Privatinitiative eine immer größere Rolle im Aufbanprozeß spielen werde, ist es doch klar, daß in einzelnen, wichtigen Momenten stets notwendig sein wird, größere Mittel durch nationale Kanäle, durch die organisierte Anstrengung der Gesamtheit de» Lande zti- »leiten, "" '' . """ "* Ein genauer Beobachter des palästinensischen ־Lebens in <Jer letzten Zeit mußte die Ausdau er,;ttreage' plin und Moral der Arbeiterschaft bewundern, tp der allerletzten Zeit gibt es aber Zeichen genug, daß diese Festung hie und da schwache Stellen aufweist, die zugänglich sind für den im Hinterhalt lauernden Gegner. Und da sehe ich nicht nur die offenen.Gegner, welchen das neue Erez-lsrael ein Dom im Auge ist und welche sehnlichst den schnellsten Untergang unseres Werkes herbei wünschen. Es gibt auch eine ganze Groppe innerer Gegner, welche zwar׳ streng zionistisch in ihrer Weltanschauung sind, aber ein Interesse daran haben, den Beweis zu erbringen, daß das gegenwärtige System unserer Aufbauarbeit zum Bankrott geführt hat oder führen muß. Die jüdische Arbeiterschaft hat jetzt eine strenge Prüfung zu bestehen, wovon in viel größerem Maße, als wir denken, die ganze Einstellung der jüdischen Welt zum Palästina- Problem abhängig ist. Wir dürfen doch für keinen Augenblick außer acht lassen, daß die Struktur des neuen Jischuw in gar keiner Weise der Struktur des jüdischen Volkes In der ganzen Welt entspricht. In Erez-lsrael wird eine Gemeinschaft auf ganz neuen Grundlagen geschaffen, nicht nur im nationalkulturellen, aber auch in sozial-ökonomischem Sinne. Das Verständnis dafür ist noch nicht tief in unsere Volkserkenntiiis eingedrungen, sie hat noch keine allzu feste Wurzel geschlagen, und ich weiß nicht, inwieweit diese Erkenntnis gegen schwere Stürme widerstandsfähig ist. Deshalb bin ich der Meinung, daß die letzte Stellung־ nähme zur Krise seitens der Histadruth Haowdim innerpolitisch nicht klug und auch nicht zweckmäßig war. Unser ganzer Prozeß ist so eigenartig und in der Geschichte־ alleinstehend, daß wir unmöglich einen aus anderen Ländern geborgten Maßstab anwenden können. Das bezieht sich sowohl auf unsere positive Arbeit als auch auf unsere Kampfmethoden. Wir spielen allzuoft mit Staatsbegriffen und in Wirklichkeit besitzen wir kaum die elementarsten Instrumente eines Staates. Aufgabe unserer Führer im gegenwärtigen Moment ist daher: zuallererst mit der Wirklichkeit rechnen, sowohl in Palästina als auch überall in der Welt. Mit Feuerwerk wird kein Krieg geführt, mit Phrasen kann man keinen Gegner schlagen und mit aufgeblasener Großtuerei, die sich oftmals ״nationaler Stolz'•' nennt, wird man kein einziges Problem lösen. Fis ist jetzt viel leichter, Erez-lsrael für die Juden zu gewinnen als die Juden für Erez-lsrael. Und da möchte ich auf die Frage der J e w i s h Agency zuriiekkommen. # Ich muß mein Bedauern nussprechen, daß die Zionistische Organisation sich durch oberflächliche Ambition verleiten ließ und nicht den nötigen Mut gefunden hat, noch vor drei Jahren die erweiterte Agency zu etablieren. Ich bin sicher, daß der Boden hierfür damals vorbereitet war. Die Bedingungen für eine harmonische Zusammenarbeit mit anderen Macbtfaktorcu im Judentum waren vor einigen Jahren noch günstiger als heute. Durch Entschlossenheit damals hätte man viele Bindernisse und Schwierigkeiten vermeiden können, vielleicht auch die ganze gegenwärtige Krise. Die Angst vor Heranziehung ״fremder“‘ Elemente, welche die Führung und Macht in der Aufbauarbeit an sich reißen könnten, ist nur ein Zeichen unserer Schwäche. Der Charakter