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Jüdische Rundschau · 1927-02-15 · Heft 13 (15.2.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 13 (15.2.1927)
Date
1927-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meiaekeatraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark vierteljährlich 5.25 Goldmark. AasUndsaknnnemeot» wtrdco in dar WihraaS der eimslnen Lämlnr bercchact Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.tO Telephon: Amt Bismarck 7163—70. Aeieijjenpraiii $ 2**pWi.N0opftrtiBed«fle0,50 C.*M. Sle8eag##uetoe t>,S5 ü.-.U AxutJgvwK&hsjls Di an s t #4 und f: r« i l « g naeht»1Uad 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für 0«rttmtich־ PoftspürkaasMamt Wie«, Konto Nr. 154030 Für Tschechoslowakei: P01tsparkss««na1Bt Pr»*, Konto Nr. 59 4K> Für Polen 1 Po»tsparkas1eB*1at Wcrtehau, Konto Nr. 190 70$. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ג אדר א־•* חרס״ז | xxxn. Jahrg. Our »MmUmii» erntrebt Wr di» IBSIwhe Volk dl• Schaff»»»! elatr äffnlllcti ■ rechtlich g>»lthtrf<n WlwntitU in S«i»«iiaa. ״B»mIw Programm.«« AD. Gordon Zu »efoeui tOntien Todestag Als A. D. Gordon vor nun fünf Jahren starb, verbat er sich innerhalb eines Jahres, jeden mündlichen oder schriftlichen Machruf. Dieser einfache jüdische Arbeiter war jeder path'etifcheh Rede abhold; am allerwenigsten liebte er es, Seine Person gefeiert zu, wissen. Er war kein Schriftsteller im eigent- ומ1י Sjime״ eher hatte er etwas von einem Lehrer, dieses art in seinem besten Sinne verstanden. Er stand mitten in! Leben, das Leben wollte er meistern, und seine Probleme sind ihm dir Gegenstand seiner Reden und Schriften, die Immer an die Genossen;gerichtet sind. Im Leben auch, kB Wirklichen, Leben offenbart sich ihm der wahre Konflikt des jüdischen Däseins, des jüdischen Volkstums. Eine Nation, losgelöst, von den wirklichen Menschen die ihr angehören, v 'י v ■ gjtrt',48 «icht, Daher ist das Leiden der Nation, ihre Krankhpit Mtfd Äbriorinaiitit, nur im Leben des Einzelnen zu heileu. Und. sein Leben War Gordons größte Tat und ist sein größtes Vfermichiiii«...; , ׳ r : ■_1 *ÖPfdon-';.wIre im vergangenen Jahre; siebzig Jahre alt Iftbwawiö^vtföl‘ vw fMfifr pbdi*#? 'äRT iilf 1tiine; ׳Faf«Ii1f ־ «iettriiieflr ^;'׳''.וןן|ן1י a|h|j1g|g ,war, '■brennte erysiph ,von. Ihr uni* ging naeh\R||||ti»fa> (19S1J,.'־ft׳ .folgte ,dep übefmlc|1tigen ,inneren Orfjipf;. ־Nur. ju Palästina, so fühlte er, l^änn der Sinn seine« Lebens erfüllt, werden, und nur einen Weg gibt es: die ArieJt Denn das Leben 'im Galuth ist unwürdig, weil es ein parasitäres Leben, ist, und eine Lösung der Judenfrage kann durch keine Theorie und durch kein politisches Programm erfolgen, sondern nur durch den Entschluß des Menschen, das parasitäre Leben abzubrechen und ein Leben der Arbeit auf.d.em eigenen, dem :Volkstum zugehö י er Boden zu feeginnen. Dieses seltene Ereignis einer völligen inneren Lim- Wandlung im späten Mannesalter, einer wirklichen Wiedergebürt, gab Gordons Persönlichkeit ihre außerordentliche Kraft und Wirkung. Es sammelte sich ein Kreis um ihn — der Grundstock der späteren Partei ״Hapoel-Hazair", die jetzt auf einen zwanzigjährigen Bestand zurückblickt. Gordon übte einen so übermächtigen Einfluß, weil er nichts lehrte, was er nicht selbst ins Leben umsetzte. Das jüdische Volk ist durch die. Entfernung vom Boden, durch das Wanderleben, durch das Zusammengepferchtsein in den Städten von der Natur und damit von dem wahren Schöpfertum, vom Gefühl der Einheit mit dem Kosmos losgetrennt worden. Sein geistiges Leben ist weitfremde Spekulation: und blutleerer liiteljektua'ismus geworden. Es kann aus dem Golus nur erlöst werden durch eine Wiederherstellung der Einheit zwischen Geist und Materie, zwischen heiligem und profanem Leben, durch die innerliche Verbindung des Menschen mit der Erde, mit der Natur, mit dein Weltganzen. Das Mittel der Bezwingung dieser verlorenen Güter, ist die Arbeit. Sie bewirkt die Erneuerung des Menschen (Ghldusch ha-adam), durch sie wird das Volk zu einem wirklich lebenden, schaffenden Organismus, wie ein Mensel! Ieben4 und leidend (״Ara - Adam'1). Dieses Volk zu schaffen ist die Aufgabe des jüdischen Arbeiters in Erez-Israel. Nichts lehnte Gordon entschiedener ab als eine Arbeiter- Bewegung, in deren Mittelpunkt das Klasseninteresse steht. Die Worte Sozialismus, sozialistische Gesellschaft, Klassenkampf waren ihm verhaßt. Nicht eine ״neue Gesellschaft“ wollte er •schaffen, sondern ein ״neues Volk“, und er vertraute darauf, daß ein solches geist- und liebeverbundenes Volk der Arbeitenden sich der Gemeinschaft der Menschheit so eingliedern wird, daß durch seine Wirkung die Gegensätze innerhalb der Völker schwinden. Gordons Lehre war also weder eine Wissenschaft, noch eine politische Doktrin; sie war etwas wie eine religiöse Botschaft, die sich an den innersten Menschen wendet. Was er am Sozialismus verwarf, war nicht das Endziel, sondern die Methode; er glaubte nicht daran, daß ein soziales oder menschliches Ideal anders erreicht werden kann als durch unmittelbare Verwirklichung im Leben jedes Einzelnen und im natürlichen Kreise des Volkstums. Dieselbe Skepsis hatte er auch für einen Zidnismus, der nur politisch oder programmatisch blieb, ohne seinen Bekenner zu unmittelbaren Konsequenzen der Lebensänderung anzutreiben. Gordon ist während des Krieges auch in Deutschland bekanntgeVorden, als die Zeitschrift ״Der Jude“ mehrere Aufsätze von ihm veröffentlichte, im März 1920 hat er dann an der Prager Konferenz der Hitachduth, wo die Vereinigung des Hapoel-Hazair mit einem Teil der Zeire-Zion beschlossen wurde, teilgenommen. Stärker-als Worte uni Debatten, hat seine liebenswerte und ehrfurchtgebietende Gestalt auf die Menschen der Diaspora gewirkt und di« Brücke geschlagen zum Verständnis des neuen Erez-I6rael, das unter Schmerzen — Oordon sprach von ״Geburiswehen“ — aus der Hingabe arbeitender Menschen entsteht. Zwei Jahre darauf ist Gordon gestorben. Die Menschen, mit denen ׳er im Lande gelebt und : gearbeitet hat, verehren noch heute in ihm eine zentrale Figur, den Lehrer und das Vorbild. In den Dörfern, bei der Arbeit, in Nabalal und in Dagaujah, wo •er, begraben liegt, ist sein Geist lebendig. Neben Brenner ist er zu einem Symbol ׳ des neuen Palästina geworden; in Arbeiterhelmen und Arbeiterhäusern hängt sein Bild. Aüch die zionistische Bewegungin allen ihren feiten verehrt in ihm einen, der großen Führer zum neuen Leben des Volkes, der die Wahrheit verkündete, daß nur aus einer Synthese neuen Menschentums und neuen Judentums‘das Volk wieder als schöpferisches Wesen erstehen1 ■ kann. : ־ ׳ - -; ־ . ־ ' - ' R. W. - . (Gordons Schritten. erschienen gesammelt im Verlag Hapoel-Hazair, TebAwiw bisher zwei Bände, ein dritter soll in Kürze folgen.• Deutsch erschienen ״Vier.Briefe aus Palästina“, Weltverlag, Berlin, sowie zahlreiche Aufsätze in den . Zeitschriften ״Der Jude“ und ״Die Arbeit“ 19161922 - ־.) ... __■# ■ Vom United Palestine Appeal Mit dem. Beginn des Drives in New York am 17. Januar hat eine verstärkte Tätigkeit des United Palestine Appeal in ganz Amerika eingesetzt. Außer dem Drive in New York, der 2,5 Millionen Dollar, also ein Drittel der gesamten amerikanischen Quote sich zum Ziel gesetzt hat, sind jetzt Drives in der Küstenregkm, in Westpennsylvanien, Detroit, St. Louis und in. Hunderten von Städten des Ostens und mittleren Westen» im Gange, ln New York haben sich 10 000 freiwillige Mitarbeiter dem dortigen Leiter der Aktion, Judge Rosafski, zur Verfügung gestellt. Rosalski weist m einem Appell darauf hin, daß die Notwendigkeit, Palästina zu einem blühenden Lande jüdischen Lebens zu machen, uns vpn unserer Geschuhte und Tradition diktiert wird und von den Erwartungen der ganzen zivilisierten Welt, die sorgfaltig das Fortschreiten unseres dortigen Werkes überwacht. Der United Appeal umfasse die wichtigsten Institutionen, die konstruktive Aufgaben in Palästina haben, den Keren Häjessod, den JCeren Kajemcth, die medizinische Grganbation Ha d as s a h ,die Hebräische Universität in Jerusalem wie auch ■di« religiösen Institutionen des MÜtfMP' in* Palfiitint» ' Der׳; United- Appeal«!mh-. somit■•• eine;־■Äfeäijpitg• *«!׳. : ft; ■kulturelle». uncF religiösw-Entwlcklüng :Br^flfaels. wirken. .- New 'Y׳qr k.9.,.' .F<brj1«. (j.-T,.,At) "Äs Anlaß.‘der -Eröffnung, des United Palestine Apff^l fir 'dis . Jäfü '1927 sandte der ־britische Bö t-k c h ä f 6יז r * in den ־ Vereinigten• Staaten,י Sir Eärae M'owar'd ,־ ein! Schreiben an Dr. Weizmann, in-dem es u. a. heißt: Das Interesse der britischen .Regierung, und des gesamten britischen Volkes an dem Erfolg •der zionistischen Bewegung ist. zu bekannt, als daß inan nötig hätte, dies nochmals zu betonen. Wir freuen uns, zu ■höreij, daß die von jüdischen Männern und Frauen in Palästina. erbauten Kolonien sich erfolgreich entwickeln, und daß in Palästina im Zusammenhang mit dieser neuen Arbeit eine Atmosphäre'des Friedens herrscht. Wir hoffen, daß Dank dieser Bemühungen Palästina noch einmal das Land sein wird, in dem Milch und Honig fließen; nicht allein die Milch der Kühe und der Honig der Bienen, sondern auch die Milch der Güte und der Honig der Mildtätigkeit. - Die Heilquellen von Tiberlas Der bekannte Baineologe, Sanitätsrat Dr. Lachmann aus Landeek, der sich seinerzeit an Ort und Stelle eingehend mit dem Studium der, Quellen von Tiberias beschäftigt hat, teilt der J. T. A. mit: , Seit Jahren tauchen unaufhörlich neue Projekte für die Fassung und Ausgestaltung der altberühmten Heilquellen von Tiberias auf. Dabei. ist der ganze Bestand der Quellen nicht nur durch den gegenwärtigem primitiven Betrieb, sondern ganz besonders durch che bevorstehende vollständige Veränderung der Grundwasserverhafinisse bei der Durchführung des Ruthenbergprojekts, aufs höchste gefährdet Jetzt hat man ohne Rücksicht auf di? heute noch gar nicht zu übersehenden späteren Verhältnisse einem Privat unternehner erlaubt, sich eine Zuleitung des ThermaKvassers aus dem Quellgebiet in sein Grundstück hersteilen zu lassen. Es ist unbegreiflich, daß die zionistische Exekutive einer so dilettantischen Verwüstung eines unersetzlichen nationalen Gutes ruhig zusieht Denn bei wirklich sachverständigem Ausbau der Thermen würde sich in Tiberias nicht nur für die Unternehmer, sondern für das ganze Land eine reiche Quelle des Wohlstands erschließen. (Wir glauben, daß die vorstehenden Bemerkungen große Aufmerksamkeit verdienen, freilich darf man sich nicht verhehlen, daß der Ausbau der Bäder von Tiberias vor allem eine Kapitalfrage ist. — Red.) Das Ruthenberg •Projekt Jerusalem, 12. Februar, (j.T.A.) In den nächsten Tagen wird hier der Unterstaatssekretär im Britischen Kolonialamt, Sir John Shuckburgh eintreffen, um alle mit dem großen Ruthenberg־P1 an der Elektrifizierung Palästinas durch Ausnutzung der Wasserfälle des Jordan und des Yarmuk zusammenhängenden politischen und wirtschaftlichen Fragen einer Erledigung zuzuführen. Anfang Mai d. J. soll gut den Hauptarbeiten zur Verwirklichung des Projektes begonnen werden. . Die Palästina-Regierung hat mit der Instandsetzung der Straße Gaza-Berseba begonnen, um sic für den Automobilverkehr geeignet zu machen. (Ziko.) Wir wollen nicht sterben Wenn man die Deutschen nach ihrer Stellungnahme zu den Juden scheiden wollte, so könnte man ־ sie in Radau-Antisemiten, Philosemiten und gebildete Antise* mite״ einteilen. Die Radau-Antisemiten haben den: Vorzug der Eindeutigkeit und ־ der geistigen Schlichtheit. Die Philosemiten sind eine Züchtung des liberalen, Judentums und gleich diesem phrasenreich, verschwömme•» und ahnungslos. Die gebildeten Antisemiten sind,• in gewissein Sinne auf unser Konto zu setzen. Sie haben von uns die Art des Sehens, die Fragestellung, die Erkenntnis eines Problems übernommen. Ihr Vorzug; daß die . Diskussion mit ihnen ־ auf einem meist beachtlichen •Niveau sich vollziehen kann, wird reichlich durch den Nachteil wettgemacht, daß dabei auch nichts anderes herauskommt als'Abgründe. Das liegt daran, daß sie sich ebensowenig , wie die Radau-Antisemiten mit den Juden als einem gegebenen, nur in gewissen Grenzen veränderbaren Faktor abfinden können. Sie sind, zwar als feinsinnige Männer gegen das Einwerfen von Fenstern, aber sie wollen die Fenster auch nicht ganz lassen. Sie sind gegen die ׳ Knute, aber für den Rohrstock des Schulmeisters. Sie schimpfen nicht, aber der Inhalt ihrer Rede ist, wenn auch mit letzten Begründüngen, wohlwollend funkelnder Brille und gelegen!- liehen Herzenstönen vorgebracht, im Grunde derselbe wie bei den Polterern. Wer die beiden letzten Spezialhefte des ״Juden‘‘ zum Thema der deutsch-jüdischen Beziehungen ver» folgt hat, weiß, was gemeint ist. Hier wurde von deutscher Seite einmal Anpassung und einmal Wandlung der Juden gefordert. Beide Male wurde praktisch Selbst־ mord von uns verlangt, auch wenn die Autoren sich über diese Konsequenz keine Rechenschaft abgelegt haben mögen. Nun meldet sich eine neue Stimme zur Diskussion, die sehr wahrscheinlich %uch die eines Nichtjuden ist. In einer umfangreichen Broschüre, die I wfedertini mit'vidöBMipif, und, «heinharem• Wbfclwettefc. ־ gesärlefer •Istf ־ fragt־' 'B'rw¥f:;§#rg: "״fflÜir Juda?“ "und- ־beantwortet.die' Frage, -.wohin;es; sein« ,Meinung nach treiben sollte: in den Untergang nlni-!ich, kurz und schlicht: in den Tod. Er zeigt sich somit um vieles konsequenter und beherzter als seine Vorginger. - ־ Er redet uns herzlich gut zu und verschmäht dibfj־ nicht Zuckerbrot noch Peitsche. Notwendig nämlich werde sich eines Tages das geknechtete Mitteleuropa erheben und dann zunächst mit seinen Feinden im Innern, den landsfreniden Elementen, blutige Abrechnung halten. Wieviel ehrenvoller, schon vorher freiwillig zu verschwinden. Und nun gar die Ehre nach dem Begräbnis! Plötzlich wird man wissen, wen man unter sich gehabt hat: Verdienst und Leistung des alten Volkes; im Leben schwer umschattet, werden dann in reinem Licht erstrahlen. Nun scheint es mir zwar weder ehrenhaft, einem voraussichtlichen Pogrom durch Selbstmord zu entgehen, weil ich bisher immer das Verüben und nicht das Erleiden von Pogromen für unehrenhaft gehalten habe, noch scheint es mir reizvoll, wenn der Boden, den man den Lebenden verweigerte, plötzlich Raum für prunkvolle Grabmäler haben wird — aber gesetzt selbst, sein Zuckerbrot sei schmackhaft und seine Peitsche schreckend: wie stirbt man, wie stirbt ein Volk? Herr Berg macht sich die Sache etwas zu bequem, indem er sich auf die deutschen Juden beschränkt. Denn für sie oder doch für einen wesentlichen Teil von ihnen trifft es tatsächlich zu, daß sie reif zun! Sterben sind. Aber gerade ihnen brauchte er nicht so beängstigend gut zuzureden. Sie sind ja auf dem besten Wege, seinen Herzenswunsch zu erfüllen. Eine Oberschicht nach der anderen ist in einem Jahrhundert der Ernanzipation schon dahingegangen, und immer breitere Schiebten folgen. Sie leben ganz nach dem Programm des Verfassers, d. h. sie sterben nach seinem Programm. Sieht Herr Berg das nicht? Wenn er es sähe, würde seine umfangreiche Kritik jüdischen Wesens toleranter ausgefallen sein. Er glaubt, den Juden schlechthin zu zeichnen, und zeichnet in Wahrheit das Bild des deutschen Großstadtjuden; er zeichnet es in vielen Einzelheiten schief, in manchen wesentlichen Zügen treffend. Aber gerade diese sind die Züge einer Gruppe ohne Boden, einer wurzellos dahinvegetierenden, die im Menschlichen und Geistigen ihre Tradition verloren hat. Sie ist ohne Halt und ohne Führer; sie ist würdelos im großen wie im kleinen. Mit anderen Worten; sie ist auf dem Wege des Herrn Berg. Sie hat sich von ihrem Leben gelöst und die Eingliederung in das Leben der anderen, in ihrer Gesamtheit wenigstens, noch nicht vollzogen. Es ist ein Uebergangsstadium. Aber gerade wer seine Freude an welken Blattern hat, darf sich über etwas Verwesungs- ,V %

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