Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1927)
- Date
- 1927-02-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 79 Rund um Palästina Die gegenw&rtige Lage im Orient Von Joseph Friedfeld. I. Aegypten( Zukunft ln dem unter Englands Einfluß stehenden Nahen und Mittleren Osten herrscht eine Ruhe, die vor fünf Jahren kaum jemand vorausgesagt hätte. Britischer Staatskunst ist es gelungen, die stürmischen Wogen noch einmal zu glätten und einen Schwebezustand herzustellen, wie er so vielfach dem politischen Sinne der Engländer entspricht und der nach außen zwar keine abgeschlossene und fest gefügte Form aufweist, dennoch aber imstande Ist, beinahe wie durch ein Wunder sein labiles Gleichgewicht durch langt Zeit zu wahren. Dies ist die gegenwärtige Lage Aegyptens. Der äußeren Form nach ist das Königreich Aegypten in vielfacher Be- Ziehung souveräu, die Macht seines Parlaments ist in Zusammenarbeit mit der Krone in der Theorie unbeschränkt, das Land verfügt über eine eigene Armee und über eigene diplomatische Vertreter im Auslande. Aber zugleich liegt eine britische Besatzungsarmee in der die Stadt beherrschenden Zitadelle von Kairo und der britische Vertreter, der weiterhin den Titel Hochkommissar führt, übt eine Macht aus, die in ihrem äußeren Ansehen wie noch mehr in ihrer inneren Wirkungskraft unermeßlich über die Stellung aller anderen fremden driplomatlschen Vertreter hinausgeht. Die ägyptische nationale Bewegung hat eine Geschichte von über vierzig Jahren hinter sich. Sie begann unter Arabi Pascha als eine noch wenig bewußte und dunkel verworrene Revolte des ägyptischen Fellachen gegen die türkiscli-tscherkcssische Aristokratie des Landes und führte damals zur Besetzung des Landes durch die Engländer, unter deren indirektem Einfluß ein Vierteljahrhundert später unter der bürgerlichen Intelligenz der Städte eine moderne nationale Bewegung entstand, die dann in den Jahren des Weltkrieges auf die Fellachen Übergriff und so das ganze ägyptische Volk ohne Unterschied umfaßte und in der Forderung nach Unabhängigkeit und demokratisch parlamentarischen Verfassung gipfelte. Das Bindeglied zwischen diesen verschiedenen Phasen der nationalen Bewegung in Aegypten ist Saad Zaghlul Pascha, der, heute eia Siebziger, einst schon an Arabi Paschas Bewegung teilgenommen hatte und damals bereits dafür verurteilt worden war. Zaghlul ist für beinahe alle Aegypter in einer Weise die Verkörperung ihrer nationalen Bestxebungcn, wie kaum eia anderer Führer in den jetzigen Nationalstaaten. Er selbst ist der Sohn von Fellachen und ist als Advokat und Politiker in den höheren städtischen Bürgerstand übergegangen. Er hat schon vor dem Kriege die höclisten Wahlwürden bekleidet, die Aegypten zu vergeben hatte, und nach dem Kriege war es klar, daß für die Führung der ägyptischen Nation kein anderer in Betracht kam als er. Die britischen Regierungen nach dem Kriege, gleichgültig, ob Koalitionsregierungen oder solche der konservativen oder der Arbeiterparteien, haben deutlich zu erkennen gegeben, daß das britische Imperium entschlossen ist, den Halt, den es im Niltale auf der großen Reiclisheeresstraße von England nach Ostafrika, Indien und dem Fernen Osten besitzt, nicht aufzugeben. Dennoch errang der ägyptische Nationalismus die sogenannte Unabhängigkeitserklärung vom 28. Februar 1922, die freilich in vier Reservatpunkten den englischen Besitz des Sudan und den entscheidenden britischen Einfluß in wichtigen Fragen unangetastet ließ. Lange Monate dauerte es, bis dann das erste ägyptische Parlament zusammentrat. Es war weitaus überwiegend zaghlulistisch Sein Hauptaugenmerk richtete sich auf die Fragen der äußeren Politik, auf die Erringung der vollen Unabhängigkeit. Die Ermordung des britischen Oberkommandierenden in Aegypten im November 1924 gab England den lang gesuchten Vorwand, Zaghlul und sein Parlament zu verjagen. Noch einmal wurde der Versuch gemacht, parlamentarisch zu regieren. Das neue Abgeordnetenhaus, das nur für wenige Stunden leben durfte, wählte wiederum Zaghlul zu seinem Präsidenten. Nun versuchten die Engländer, mit Hilfe des Königs und eines ihnen ergebenen Ministeriums verfassungswidrig ohne Parlament zu regieren. Dies brachte wiederum wie im Jahre 1919 eine enge Einigung aller Aegypter zustande, die in einer nachdrücklichen, gehaltenen und völlig friedlichen Revolution im Laufe eines Jahres die neuerliche Einberufung eines Parlamentes auf Grund breitester demokratischer Wahlen erzwangen. Die Partei des England freundlichen Ministeriums erhielt darin nur vier Abgeordnete, Zaghlul beherrschte wiederum die Kammer, deren Präsidium er übernahm. Das dritte ägyptische Parlament, das im Juni dieses Jahres zusammengetreten ist, hat ungeachtet der sommerlichen Hitze seine erste Session erst im September beendet. Diesmal galt seine ganze Aufmerksamkeit inneren Problemen. Bei der Budgetberatung wurde größter Nachdruck auf die Durchführung strenger Sparsamkeit gelegt, dabei aber zugleich den Gebieten der öffentlichen Erziehung, des Gesundheits- und Wohlfahrtswesens und der Förderung des Ackerbau« beträchtlich vermehrte Beträge zugewiesen und ihnen eine Aufmerksamkeit gezollt, die in wohltuendem Gegensatz zu dem bisher oft rein deklamatorischen Nationalismus stand. Was Aegypten vor allem braucht, sind soziale Reformen. Unbildung, Krankheiten und Armut sind die wahre Plage des Landes, und ein ägyptischer Nationalismus, der anstatt diese m bekämpfen, sich in pathetischen Protesten gegen die Unterdrückung des Landes durch England ausgibt, besitzt nur geringen Wert. Die außenpolitischen Fragen sind im Parlamente kaum berührt worden. Dennoch erfüllen sie das Denken aller Aegypter. Der ägyptische Minister des Auswärtigen, es ist di« der gleiche, der einst mit den Engländern über die Unabhängigkeitserklärung des Jahr«!922 verhandelt hat, hat sich nach Schluß der Pariaraentssitzungen nach England begeben und dort in unoffizieller Weise die künftige Regelung der Beriehungen zwischen Großbritannien und seinem Lande beiprochen. Auf der britischen Reichskonferenz ist wohl auch der Versuch einer Regelung des ägyptisch-britischen Verhältnisses erörtert worden. Drei wichtige Punkte sind zu lösen, die Frage der Kapitulationen, an der alle Fremden in Aegypten interessiert sind, und die, seit die Türkei die Kapitulationen sbgeschafft hat, besonders brennend ist, die Rückziehung der britischen Truppen aus dem eigentlichen Aegypten und ihre Unterbringung in der Kanalzone und auf der Sinaihalbinsel ästlich vom Suezkanal und schließlich der Eintritt Aegyptens '91 den Völkerbund Das schwierigste Problem wird aber die Frage des Sudan bilden. Hier geht es nicht nur um einen politischen Kampf, denn wer den Sudan besitzt und damit den Oberlauf des Nils, beherrscht lefztcrhand auch Aegypten, das mit seiner dichten Bevölkerung ausschließlich infolge des Nils leben kann und dem durch jeden Entzug von Nilwasser Untergang droht; es handelt sich auch um eine wirtschaftliche Konkurrenz schärfster Art. Aegypten hat einen einzigen großen Exportartikel, der das Fundament seiner Landwirtschaft bildet, Baumwolle. Da der Preis der Baumwolle gegenüber dem Jahre 1920 von rund 190 Dollars auf 28 Dollars zurückgegangen ist, ist das Land in einer scharfen wirtschaftlichen Krise. Gewisse Qualitäten der ägyptischen Baumwolle hatten bisher ein Monopol und die englischen Baumwollspinnereien waren auf sie angewiesen. Nun aber wird mit Hilfe britischen Kapitals in Uganda, Kenya und vor allem im Sudan die Baurawollzucht sehr schnell entwickelt und die sudanesische Baumwolle ist der schärfste Konkurrent der ägyptischen, die bisher den Wohlstand des Landes gebildet hat So Hegt vor Aegypten für die Zukunft neben den politischen Problemen auch ein wirtschaftliches: die Umstellung seiner Produktion, vor allem seiner Landwirtschaft, von der bisher alles andere beherrschenden Batnmvollknltur auch auf andere Produktionszweige. Die orientalisdien Juden in Palästina Auf Einladung des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ sprach in Königsberg i. Pr. am 10. Januar unter Vorsitz von Frau Nisscl Frau Hadassah Cal Vary aus Jerusalem über ihre Erfahrungen bei den in Palästina eingewanderten orientalischen Juden. Die besonders aus Persien und Arabien aus ganz primitiven Lebensverhältnissen stammenden Einwanderer betätigen sich meist nur als schlecht bezahlte Lastträger oder Gelegenheitsarbeiter. Ihr Leben ist sehr schwer, ihr Elend roß. Die jüdische Frau macht jede Anstrengung, um zu verienen. Ist die Familie noch klein, so gelingt es, hat sie aber zahlreiche Kinder, was häufig der Fall ist, so ist sie aufs Betteln angewiesen. Die sanitären Verhältnisse sind schlecht; die mangelhafte Wasserversorgung trägt viel dazu bei und erschwert das Wirtschaften. Das jüdische junge Mädchen wuchst fast ohne Schulbildung auf, während die Knaben hauptsächlich in der Bibel innerhalb der Synagoge unterrichtet werden. Mit neun bis zehn Jahren tritt aas Mädchen in einen Haushalt ein und wird mit 14 Jahren verheiratet. Eine öffentliche Wohlfahrtspflege fehlt fast ganz; sie ist freiwillig und ungeregelt. Der ״Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ hat, um diesen Mißständen abzuhelfen, eine Nähstube eingerichtet, in der sich bald zeigte, welch großes Geschick und weich feinen Farbengeschmack diese Frauen für das Kunstgewerbe entwickeln. Sie haben Ausdauer und Geduld. Es ist zu hoffen, daß ihre schönen Stickereien Exportartikel werden, und daß die Aufgäbe der Heranziehung der Frau zur Qualitätsarbeiterin erfüllt wird. — Eine Ausstellung vieler schöner Handarbeiten illustrierte die Ausführungen der Vortragenden. Ehrungen für Achad Haan Aus Tel-Awiw wird berichtet: Der Waad Leumi hat Beschlossen, zur Verewigung <fcs Andenkens an Achad Haara eine seiner Bedeutung entsprechende Institution zu schaffen. Mit der Ausarbeitung der Vorschläge wurde ein Komitee betraut, dem die Herren Ussiscbkin, Bialik, Bentwich, Klausner, David Yellin, Ben-Zwi und zwei Vertreter der zionistischen Leitung angehören. Es wäre zu wünschen, daß dieses Komitee die von Dr. Abr. Schlesinger in der ״Jüdischen Rundschau“ angeregte Gründung einer Achad Haam-Gesellschaft (etwa im Sinne der ״Kant-Gesellschaft“) in Erwägung zieht. Der Bildhauer M e I n i k o w, der, wie seinerzeit berichtet wurde, die Totenmaske des verstorbenen Philosophen abgenommen hatte, hat dieser Tage eine Bronzebüste Achad Haans fertiggestellt, die in dem Hause in Tel- Awiw, in weichem Achad Haam seine letzten Lebensjahre gewohnt hat, aufgestellt werden wird. Die Keren Hajessod-Kampagne in Polen Warschau, 1. Februar. 0-T.A,) Im Saale des Konservatoriums fand eine feierliche Akademie zu Ehren der aus Palästina eingetroffenen Keren Hajessod-Abordnun g für Polen, die aus den Herren Dr. Schmarjahu Levin, S. Tschernowitz und Borovoj besteht, statt Nach Ansprachen der Delegierten und der Vertreter aller zionistischen Parteien in Polen wurden eine Reihe Entschlüsse angenommen, in denen die Versammelten geloben, mit allen Kräften für den Aufbau der jüdischen nationalen Heimat in Palästina tätig zu sein. Der Akademie ging eine Sitzung der Keren Hajessod-Vertreter aus Warschau und der Provinz voraus, der die Palästina- Delegierten beiwohnten. Es kam zum Ausdruck, daß d i e Stimmung der Resignation unter der polnischen Judenheit, die eine Folge der Wirtschaftskrise war, gesch wunden ist Man erwartet allgemein ein gutes Ergebnis der diesmaligen Keren Hajessod-Aktion. Eine jüdische Gemeinde in Mahden Schanghai,!5. Januar 0• T. A.) Die jüdische Einwohnerschaft im Fernen Osten ist in einem ständigen Wachsen begriffen. Ein Zeichen dafür sind die immer neu entstehenden jüdischen Gemeinden In diesem Teil der Welt. Kürzlich wurde in Mukden eine Beratung abgehalten, an der fast sämtliche jüdischen Einwohner der Staat teilnahmen. Es wurde die Gründung einer jüdischen Gemeinde beschlossen. Pariser Proteste gegen die ramäniseben Antisemiten ln Paris fand am 2. d. M. eine von der Liga für Menschenrechte einberufene Protestversammlung gegen die antisemitischen Ausschreitungen In Rumänien statt. Ais Redner traten auf: Prof. Victor Basch, Henri Tor res, Georges Pioehe, Justin Godard und Leon Blum. Dr. Niendrower als Senator bestätigt Bukare st, 3. Februar. (J.T. A.) Ungeachtet des Be- Schlusses der Mandatsprüfungskommission des Senats, den Senatssitz des Vertreters der jüdischen Religion solange als vakant zu erklären, bis sich die verschiedenen Richtungen im Judentum über dessen Besetzung einig werden, hat das Plenum des Senats in der heutigen Sitzung das Mandat des Oberrabbiners Dr. Niemirowcr als des Vertreters der jüdischen Religion bestätigt Aufklärung tut not Wir haben in der vorigen Nummer in dem Berichte über den Vortrag Dr. Paul Nathans über ״Die Juden in Sowjet-Rußland“ (gehalten in der Gesellschaft der Freunde des Neuen Rußland) mitgeteilt daß Paul Nathan auch eines Planes des deutschen Gcneralstabes Erwähnung ge* tan habe, luden aus dem von den Deutschen okkupierten Gebiete auf Schiffe zu laden, und diese Schiffe ins offene Meer in Richtung England-Amerika dampfen zu lassen. Diese Nachricht hat m der ausländischen jüdischen Presse das . des deutschen Gcneralstabes veröffentlicht. Dr. Paul Nathan ist ein zu seriöser Gewährsmann, als daß wir annehmen könnten, er hätte ein bloßes Gerücht aus der Kriegszeit letzt in der Oeffentlichkcit verbreitet. Wenn man auch in Betracht zieht, daß seit jener Zeit, als der angeb־ liehe Plan ausgeheckt wurde, viele Jahre verflossen sind, so ist auch die nachträgliche Aufdeckung einer derartigen Absicht deutscher Militärs von außerordentlicher Bedeutung in der Beurteilung der Geistesverfassung, wie sie zumindest bei einem Teile des deutschen Generalstabes bezüglich der Juden im besetzten Gebiete geherrscht hat. Aufklärung ist darum dringend notwendig, ob ein derartiger Plan tatsächlich ernsthaft erwogen wurde, und wieweit die Maßnahmen zur Durchführung dieses Planes gediehen waren. Dr. Nathan, als ein in der Oeffentlichkcit stehender, seiner Verantwortllchkcit gegenüber Deutschland und den Juden bewußter Mann, hat die Pflicht, genauere Angaben zu machen, damit diese Mitteilung nicht mit allzu phantasievollen Aus- Schmückungen die Runde durch die ganze Welt mache und überflüssigerweise die Stimmung gegen Deutschland schädige. Kleine Nachrichten Die jüdische Gemeinde von Rom beschloß in ihrer letzten Sitzung, sich zur Feier des מ jährigen Jubiläums des Keren Kajeraeth in das Goldene Buch eintragen zu lassen. Für den Beschluß setzte sich der Präsident der Gemeinde, Angelo Sereni, ein, der auch bei der vorjährigen Konferenz der jüdischen Gemeinden Italiens den Beschluß durchgesetzt hat, daß die italienische Juden Schaft sich an der Jewish Agency beteiligt. Nachdem der Abgeordnete Karl R a s s a y, der sowohl in Szegedin als auch in Budapest gewählt worden ist, auf sein Budapester Mandat verzichtet hat, rückte an seine Stelle der zweite Kandidat der Budapester Rassay-Liste, Dr. Marcel! Baracs, als Abgeordneter auf. Abgeordneter Baracs ist einer der angesehensten Rechtsanwälte von Budapest und ein Schwager des jüdischen Oberhausmitgtieds Oberrabbiner Dr. Immanuel Löw. Man zählt nunmehr 11 jüdische Abgeordnete in der ungarischen Kammer. Dem ungarischen Oberhaus gehören außer den Rabbinern Koppel Reich- und Immanuel Löw noch die folgenden Juden an: Rechtsanwalt und Mitglied des Budapester Gemeinderates Dr. Samuel Glücksthal, der im Wege der Wahl ins Oberhaus gelangte, und der Generaldirektor der ungarischen allgemeinen Konlenbergwerks-A.-G. Eugen Vida, der von der Regierung ernannt worden ist Ferner gehören dem Oberhause sieben getaufte Juden an, darunter der Feldmarschall Hazai (einstmals Cohn). Ibn Saud, der Sultan von Nejd und König von Hedjas, beschloß, einen ständigen Vertreter in Palästina zu unterhalten. Als seinen ersten Vertreter in Jerusalem entsandte er Soliman Mousheiko, der den Sultan Ibn Saud früher in Beirut vertreten hat Demnächst wird das Mitglied des englischen Unterhaus« S. F i n b u r g h, Präsident des parlamentarischen Pro Palästina-Comitees in England, Palästina besuchen. Nathan Straus wird im Laufe des Februar Palästina besuchen und dort etwa vier Wochen bleiben. Nach dem guten Gelingen der vorjährigen Ausstellung findet die diesjährige zweite Orangenausstellung in Palästina vom 17. bis 20. Februar in Tel-Awiw statt Unter Förderung der ״Pica" wurden am 25. Januar die ersten Pflanzungen auf dem Boden Cäsareas im Ausmaß von 300 Dunam angelegt. Am 14. Januar ist in Haifa die erste Nummer einer neuen, von Dr. Waschitz redigierten Wochenschrift ״Der Galil“ erschienen. Aas da* Arbell der Berliner Betirksgruppea In sämtlichen Berliner Ortsgruppen fanden in den letzten Wochen Gruppenveranstaltungen statt. So sprachen in der Gruppe Süd Herr Moses Waldmann über ״Jüdische Sorgen", Herr Karl Glaser über ״Zionistische Propaganda und zionistische Politik in Deutschland“. Im Rahmen des Gemeindezyklus sprach Herr Alfred Berger in der Gruppe Nord über ״Soziale Aufgaben jüdischer Gemeindearbeit“, ln der Gruppe Ost referierte Herr Licht heim über ״Das revisionistische Programm“. Außerdem ist in der Gruppe Süd eine Fortsetzung der Aussprache über das Thema ״Die Lage des Zionismus und der Revisionismus“ vorgesehen, auf der die Herren Lichtheim und Glaser referieren werden. Eine sehr gute Entwicklung hat die Arbeit in der Gruppe des XII. Bezirks genommen. Dort finden regelmäßig 14täglg Zusammenkünfte statt, die stets außerordentlieh gut besucht sind. Es referierten dort auf den letzten Abenden die Herren Dr. Ernst Marcus über ״Zionistische Politik und ihre Ergebnisse“, Max Bacher über ״Jüdische Erziehungspolitik“ und Herr T h unis, Palästina, über ״Be- Ziehungen zwischen Juden und Arabern Im Alltagsleben“. Weltverband für die Krim-Siedlung? Zu der in Nr. 7 der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten J. T. A.-Meldung über eine int Entstehen begriffene Weltorganisation für die Krim-Siedlungen schreibt uns Herr J. Schuisinger, Antwerpen. daß diese Meldung, was Belgien betrifft, völlig aus der Luft gegriffen ist. Es ist dort weder von einer ״Initiativgruppe“ noch von den in der Meldung erwähnte» ״Massenoaer Gruppen-Versammlungen“ etwas bekannt, im Gegenteil ist in den jüdischen Kreisen die Abneigung gegen das Projekt einer jüdischen Kolonisation in Sowjet-Rußland allgemein. Die maßgebenden jüdischen Kreise in Belgien, ohne Unterschied der Parteirichtung, verhalten sich mißtrauisch, und zu einer öffentlichen Diskussion ist es bisher überhaupt noch nicht gekommen. Es ist auch nicht an zunehmen, daß in Belgien in Zukunft sich Interesse füt diese Sache zeigen wird. Marie Schnelder-Braillard gründet eine Europäisch« Tribüne, eine Organisation, die es sich zur Aufgabe stellt, deutsch« Kunst- und Geistesleben im Auslande und aus• ländisches in Deutschland zu vermitteln. Dem Gründungs• ausschuB gehören u. a. an: Georg Bernhard, Franz Blei, Herbert Eulenberg, Kurt Hiller, Georg Kaiser, Walter vor Molo, Alfons Paquet, Carl Sternheim, Fritz von Unruh, Jakol Vi scrmann, Franz Werfel, Arnold Zweig, Stefan Zweig