Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1927)
- Date
- 1927-01-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mtnzebmmmcr o, jo Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15. MeinekestraBe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark. vierteljährlich 5,25 Goldnaark. AariandsabonocmeaU werden in der Wihniag der eiazelnea Linder berechnet. Nummer 4 Berlin, 14.1.1927 Anzeigen •Verwaltung Jüdische RundschauG. m. b. H., BcrliaWlä, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165--*70. Aar«tg<־npreis; S ge s pdtNoopayreilJes eile 0,50 G.-H. StcUccgesucb« 0,25 G.*M AtuelgeuscbiaÜ: Di c aetsg uod Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70״ Postscheckkonto: Berlin Nr. 17302* Für O eite!reich: P03t§T>&rkä§seaasat Wien, Konto Nr. 156 030. FOr Tsehgcbotlo wakei: Paitsparkassentmt Prag, Konto Nr. 59 410. För Palen: Fo s tsparkajueaamt Warschau, Konto Nr. 190 708. K edaktions schluß Sonntag und Mittwoch nachmittag• י״א שבס׳ תרפ״ז ^JCXXILJa^g. Dar Zionismus erstrebt lllr das Jüdisch• Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm•1* Für die Universität Jerusalem Reden Warburgs und Weizmanns in New York New York, 1. Januar. (J. T. A.) Die Gesellschaft der Freunde der Hebräischen Universität veranstaltete zu Ehren Dr. Ch. Weizmanns und Felix M. Warburgs, der Vorsitzender des American Advisory Committee der Hebriiisehen Universität und Mitglied des Kuratoriums der Universität ist, ein Bankett, dem mehr als 100 prominente amerikanischjüdische Persönlichkeiten beiwohnten. Richter Julian W. M ,ick leitete die Veranstaltung als Vorsitzender. Felix M- War bürg führte in seiner Ansprache aus: Die Universität wird danach streben, sich solcher Männer zu versichern, die nicht nur unter den Juden, sondern in der ganzen Welt Achtung genießen. Wir glauben, und gewiß empfindet dies Dr. Magnes ebenso tief, daß dort, wo die Wiege ״der Religionen gestanden hat, ein Zusammenkunftsort aller Bekenntnisse errichtet werden sollte. Wenn diejenigen, die in Bethlehem und in Jerusalem den Spuren des Christentums nachgehen, und diejenigen, die der jüdischen Religion anhingen, in Jerusalem Zusammenkommen, so werden sie einander viel besser verstehen als irgendwo in der Welt. Felix M. Warburg empfahl allen jüdischen Studierenden, ei n Jahr oder mindestens ein halbes j a lyr in Palästina zu studieren. Ihr Lebe» wird dadurch bereichert sein. Insbesondere sollten dies die Theologen tun, die dann ihre Gemeinde begeistern und bereichern werden. Auch auf anderen Gebieten muß der Zusammenhang mit dem palästinensischen geistigen Zentrum gewahrt bleiben. Wenn der Sohn einer jüdischen Familie Medizin studiert, so sollte diese Familie den Wunsch haben, die medizinische Fakultät in Palästina zu unterstützen. Prof. Einstein hat das Gefühl, daß sogar die von ihm gelehrte abstrakteste Wissenschaft in Palästina so gut fortkommen könnte wie anderswo. Palästina braucht die Universität, aber auch wir hier brauchen die Universität in Palästina. Wenn ich jetzt nach Palästina gehe, so werde ich den dortigen Minne rn der Universität die: Qrftße *diesRf-:>seh.d«1en. '%f*aa1»hwf־ überbringen, Sie. Dr. Weizmann wandte sich auch an Richter Lehmann, dessen abwägendem Geiste und sicherem Urteil es ru danken ist, daß die Verhandlungen, die in der letzten Zeit geführt wurden, hoffentlich bald Ergebnisse zeitigen werden. Sie, Herr Warburg, fuhr Dr. Weizmann fort, werden in Palästina Gutes und weniger Gutes sehen. Aber Sie sind ein Mann, der es versteht, daß man durch Verschiedenes durchgehen muß, wenn man zum Ziele gelangen will. Ich bin dessen sicher, daß Sie uns ermutigen werden, in unseren Bemühungen i'ortzufahren. Die Universität ist für die Erschließung eines neuen Landes notwendig und sie ist auch das Ziel der Wünsche großer intellektueller Massen unter den Juden. Man schätzt, daß 1914 an den westeuropäischen Universitäten 7000 bis SOOO Ostjuden studiert haben, denen in ihren Ländern der Zutritt zu den Hochschulen verwehrt war. Gewiß hat sich diese Zahl noch vermehrt. Allein in Italien studieren gegenwärtig rund 1500 Studenten aus Ost- und Südosteuropa. Die in Jerusalem in Ausgestaltung begriffenen Institute, das Institut für jüdische Studien und das Institut für Orientalische Studien und Archäologie, werden nicht allein für Palästina, sondern für die ganze Judenheit Bedeutung haben. Sie werden ein Sammelplatz für Juden und die Angehörigen der Orientvölker bilden. Die drifte Ansprache hielt Dr. Cvrus Adler, der ausführte: Palästina und die Judenheit brauchen die Hebräische Universität; sie wird die Entwicklung des Landes schnell vorwärts treiben. Auf verschiedenen Gebieten wird sich der Einfluß der Universität fühlbar machen. Für die orientalischen Studien ist sie ein günstiger Boden. Geologie, Geographie und Topographie braucht man in Palästina nicht erst aus Büchern zu studieren. Die Hebräische Universität wird Tausenden jüdischen Studenten, die durch den Numerus clausus in Ungarn, die Einschränkungen und Verfolgungen in Rumänien der Gelegenheit beraubt sind, die Studien fortzusetzen, iung, WeJea, Den Stu- «Mm gemeinsamen Werk zu arbeiten. Dr. Wektnanit erhob sich nun zu folgenden Ausführungen: Wenn ich 11un Herrn Warburg Dank sage, so spreche ich nicht allein für mich selbst, sondern für eine sehr große Zahl meiner Mitarbeiter, ln einer schweren Zeit und angesichts einer sehr schweren Aufgabe hat er uns mit seiner schönen Gesinnung und einem ungewöhnlichen Opfermut geraten und geholfen. Ich schmeichle nicht und übertreibe nicht, wenn ich sage, daß meine Unterhaltungen mit ihm oft Anlegungen zu Erfolgen gewesen sind, die ich erreicht habe. Ich hoffe, daß die Anwesenheit des Herrn Warburg in Paläsfina dazu beitragen wird, weitere Gruppen an die Universität zu fesseln. Achad Haam-Trauerfeier des Waad Leumf Am 10. Januar veranstaltete, wie der ״Ziko“ aus Jerusalem telegraphiert wird, der Waad Leumi eine große Trauerfeier für Achad Haam. Der große Versaminlungssaal war überfüllt. Es sprachen David J eil in und Dr. Jacob Thon für den Waad Leumi, Leib Jaffe für die Zionistische Fxekutive, ferner Pewsner und Ussischkin. Der ätadtrat von Tel־Awhv hat beschlossen, das Wohnhaus von Achad Haam in Tel-Awiw als nationale Kulturstätte zu erhalten. Sein Arbeitszimmer soll unversehrt erhalten bleiben. Das Haus soll zu einem Achad I־f a a m - M u s e u m aiisgcstaltet werden. Wird sfe ־■elfte Die im Tel-Awiwer Stadtrat Ehe letzte Sitzung des Tel-Awiwer Stadtrates war, wie der ״Ziko“ telegraphiert wird, infolge des ausgebrochenen Konfliktes mit der Palästina-Regierung wegen ihrer in der Frage des Budgets erhobenen Forderungen äußerst stürmisch. Die Regierung verlangt eine Herabsetzung des Budgets auf £E 68000, wobei die Ausgaben für Erziehung, Gesundheit und Fürsorgetätigkeit stark gekürzt werden sollen, während* das Polizeibudget mit Zuschuß der Regierung erhöht wird. Die Vertreter der Vereinigten Arbeiterparteien im Tel-Awiwcr Stadtrat sind in Opposition getreten. Oie Keren flajessod-Arbeit in Deutschland Auch das Dezember-Ergebnis des Deutschen Keren Hajessod war ein durchaus günstiges und ergab trotz der von zahlreichen Zionisten geleisteten, recht erheblichen Voraus- Zahlungen in den früheren Monaten gegenüber dein Vorjahre eine Steigerung um 50 0׳״. Der Mehrbetrag von C 500;', der von seiten des Keren Hajessod-Hauptbüros für die Sonderaktion von Deutschland gefordert wurde, ist somit erfreulicher־ weise voll erreicht worden, indem fast genau 1TO 000 M. im letzten Quartal 1926 mehr cingegangen sind als im Vorjahre, Die Ueberwcisungen nach Palästina in den Monaten Oktober, November und Dezember betrugen £ 9300 gegenüber nur £ 4300 in der gleichen Zeit des Vorjahres. *Täf-Ärtr' der Inspiration sein. Am Schluß sprach der Präsident des Amerikanischen Aerztekomitecs für Palästina, Dr. Ratnoff, der ausführte, Palästina benötige ein z e n t r a 1 e s Hospital, das an eine medizinische Fakultät angcschlosscn sein sollte. De Universität benötigt 1000000 Dollar. 300 (WO Dollar wurden bereits zur Verfügung gestellt. Die Mitgliedschaften leisten jährlich 20 000 Dollar. Zehn Acres Land wurden für den Bau einer medizinischen Hochschule samt Hospital auf dem Berge Scopus erworben. Die Universität wird allen Studierenden ohne Unterschied der Nation, des Glaubens und des Geschlechts offen stehen. Der Redner schloß: Wenn die Herren Felix M. Warburg und Dr. Chaim Weizmann an der gleichen Tafel sitzen, so ist dies ein bedeutsames Symbol für die Einheit Israels. Palästina-Regierung und Erziehungsbudgel Wie der J. T. A. aus Jerusalem gemeldet wird, hat die Regierung soeben ihren Beschluß bekanntgegebcn, die Forderungen der Zionistischen Organisation bzw. des Waid- Leumi in der Frage des jüdischen E r z i e h u 11 g s b u d g eis zu erfüllen. Die Regierung wird sonach in höherem Maße als bisher zu den Kosten des jüdischen Er- Ziehungswesens beitragen, sie stellt aber die Bcdingung, daß ihr auch eine Kontrolle über die Ausgaben eingeräumt wird. In welcher ziffernmäßigen Höhe sich die neuen Zugeständnissc der Palästinaregierung bewegen, ist aus der Meldung nicht ersichtlich. Die Regierung würde durch An-, erkennung ihrer erhöhten Beilragspflicht nur einer selbstverständlichen, von jüdischer Seite seit langer Zeit erhobenen Forderung nachkommeit. Die Kosten der Neukolonisation Eine am 11. Januar in Jerusalem abgehaltene Pressekonferenz, die vom Keren Hajessod-Direktorium veranstaltet worden war, nahm einen überaus interessanten Verlauf. Nach Eröffnung durch den geschäftsführenden Direktor des Keren Hajessod, Leib Jaffe, referierte der Leiter des Immigratioiis- Departements der Zionistischen Palästina-Exekutive, Prof. Pick, über die Frage der Einwanderung unter Angabe genauer statistischer Zahlen. Kaplan sky berichtete über die neue Kolonisation. Er wies besonders daruf Irin, daß in diesem Jahre das Budget für Nahalal, Kfar Joches!;el, Benschemen, Gan Schinne], Daganiah A und Daganiali B, Merchawiah und Gewa v o 11 s t ä n d i g ,111 s g e z a hl t werden konnte. Er hoffe, daß sich eine Verbilligung der Ansicdlung erzielen lassen werde. Es werde möglieh sein, bei sorgfältiger Errichtung der permanenten Gebäude die Ansiedlungskosten pro Familie auf £E 500 bis 600 licrabzusetzen. Er erteilte auch genaue Aufklärungen über die Lage der chassidischen Siedlungen und die!Tage des Standes der Siedlungsverträge. An die Referate schloß sich eine äußerst lebhafte Diskussion. Eine Industriebank? Von Dr. Georg Landauer, Jerusalem. Die Gründung einer Industriebank für Palästina wurde bekanntlich vom A.-C. beschlossen und wird von dem neuen Department für städtische Kolonisation darchgeführt. Dennoch scheint es uns angezeigt, den nachstehenden Ausführungen Raum /u geben, die auf die dem Projekt innewohnenden Gefahren aufmerksam machen, welche u. E. bei entsprechender Vorsorge vermieden werden können. Red. Die Arbeitslosigkeit ist eine der schmerzhaftesten Erscheinungen im Liquidationsprozeü der vierten Aiijah. Diese hatte eine große Welle solcher Einwanderer, die auf den Arbeitsmarkt angewiesen sind, ins Land gebracht und hat sic schließlich arbeitslos gelassen. Und auch die eingewanderten Angehörigen des Mitte!־ Standes, sind heute zu einem großen Teil nicht weniger auf Hilfe angewiesen. Die Zionistische Organisation will siel! dem nicht entziehen, sie hat beschlossen, der Hypothekenbank, derer! bisherige Mittel — ihrem Zweck entsprechend — verausgabt und. festgelegt sind, weiteres Kapital zuzuführen und eine Industriebank zu gründen. Nach der übermäßigen (bei uns glaubte, man schnell urteilend, aber irrtümlich: ״amen- Ramschen“) Entwicklung der Baubewegung, insbesonderc in Tel-Awiw, die fast ohne Flypothekenkredit durchgeführt wurde und zur Festlegung ganz erheblicher Mitte! der Immigranten führte, tritt der Mangel an Betriebskapital in Erscheinung. Dem soll die Hypothekenbank durch Beleihung dieser alle Barmittel verschlingenden Immobilien und die Industriebank abhelfen. Die Tätigkeit beider Institute kann aber nicht völlig gleichmäßig sein, sonst hätte man woh! auch nicht zwei Banken schaffen müssen. Schon auf den ersten Blick ist deutlich, daß sie sich durch die beanspruchten Sicherheiten für gewährte Kredite unterscheiden. Die Hypothekenbank verlangt Immobiliendeckung, die In- , itgetad־welche andere, _.Der Vergleieh/in dJesjer ״prtiftÄftr ita» ־: böifr m Seit dem Beginn der Mittclstandseinwanderung und während der Zeit der Krisis noch lauter als in der Blütezeit haben die (nicht immer gerufenen oder berufenen) Vertreter des Mittelstandes Beschwerde geführt, die Mittelstandseimvanderung habe weder Verständnis noch Fürsorge gefunden. Und gleichwohl haben wir doch in der zionistischen Bewegung geradezu in einem Rausche der Immigration und auf dem Kongreß unter der Herrschaft des Mittelstandes gelebt, zu sehr, als daß uns die nunmehrige Ernüchterung oder Hilfsbedürftigkeit dies einfach vergessen lassen könnte. Aber es ist charakteristisch, daß weder die Konjunktur der Stimmung noch die Macht in der Gesetzgebung der Zionistischen Organisation aus dem Kreise des Mittelstandes Ideen oder Kräfte herausgelöst hat, die damals hätten führen oder heute helfen können. Auch die Mittelstandseimvanderung hat Produktives gebracht, wenn wir auf einige Gründungen in der Landwirtschaft und einige Unternehmungen der Textilindustrie blicken. Aber gerade der Vergleich der Kräfte, die etwas geleistet haben, und derer, die um Hilfe rufen und Bescltwcrde führen, zeigt uns deutlich, daß wohl Möglichkeiten der Betätigung und des Erfolges da waren, daß aber nicht alle, und gerade ein besonders großer Teil dieser Einwanderer nicht, die Bewährungsprobe bestanden haben. Für diese gerade sollen nun die neuen Kreditinstitute arbeiten! Der ganze Gedanke der 111 dustrieban k muß grundsätzlich angefochten werden. Ihre Gründung stünde ohne Beispiel da. Nicht nur, daß nirgends in der Welt ״Industriebanken“ entstanden sind, sondern in Zeiten, wo die Industrie auf staatliche Hilfe besonders angewiesen war, haben die Regierungen sogar bewußt davon abgesehen, Industriebanken zu gründen, und andere gesichertere Kanäle ihrer Kredite in die Volkswirtschaft gefunden. Und immerhin handelt es sich in anderen Ländern doch 11m wirkliche Industrie. Wem aber würden hier die Kredite zufließen? Will nicht die Bank eine einfache Darlehenskasse an alle Notleidenden sein, so muß sic schon alle Zwerginstitute ausschalten. Für diesen Kreis von Reflektanten sind die Ergebnisse der ״Industriezählung“ vom Sommer vorigen Jahres charakteristisch, bei der sich selbst zahlreiche Angehörige des Kleinhamhvcrkstandes als Industrielle registriert haben (״Industrien“ mit £ 50 ״Kapital“, die keinen Arbeiter beschäftigen!). Bei der Bedienung dieses Kreises wäre die Bank schon von vornherein verloren. Die Kreditbedürfnisse aber wiederum, die unsere wirkliehe Industrie hat, wie Nesher oder Sheuien!.uw., kann selbstverständlich die Bank nicht aus ihrem geringen Kapital befriedigen, und diese Unternehmen finden ihren