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Jüdische Rundschau · 1926-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1926)
Date
1926-12-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Doppehtmtmter 0,40 Goldmark JÜDISCHE UNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraüe 10. Erscheint!•den Dienitag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark. vierteljtbrlich 5,25 Goldmark. AnUUidsabofinenieBti werden in der Währtin{ der einzelne» Linder berechnet Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G. m. b. H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: 3 gespait-Nonpareillezeüe 040 G«~M. Stell ecg*f1tteh00,25 G--M. Anzeigenschluß ן Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392• Für Oesterreich; P0stsparka*11e*uuBt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tschechoslowakei; Postsparkassen*»! Prag, Konto Nr. 59 4t& Für Polen; Postsparkassen«»! Warschau. Konto Nr. 190 70& Rcdaklionsscbluß Sonntag and Mittwoch nachmittag. Nummer 102/103 | Berlin, 30. XIL1926 כ״ה טבח* חו־ס״ז | xxxl Jäh**. Der Zionismus erstrebt für das Jfldlscha Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten HeimsiStte In Palästina. ״Baseler Programm.** Konsolidierung and NeuKolonlsallon Von Dt. S. A. van Vriesland, z. Z. Scheweningen. In Nr. 95 vom 3. 12. 1926 der ״Jüd. Rundschau“ erschien ein Artikel von Kurt Ru ppin, in dem konkrete Vorschläge für die Konsolidierung und Neukolonisation gemacht wurden. Die Vorschläge können wie folgt zusammengefaßt werden: J ״Bis Oktober 1926 sind vom Keren Hajessod in das 1 landwirtschaftliche Siedlungswerk £E 520 600 investiert worden. Zur Beendigung und Konsolidierung der bestehenden Siedlung sind weitere £E 360000 notwendig, welche Summe sich auf £E 450000 erhöhen würde, wenn die erste Summe nicht in diesem Jahre vom Keren Hajessod aufgebracht, sondern, wie voraussichtlich, auf die nächsten drei Jahre verteilt werdet! sollte. Von den bisherigen Investitionen, in Höhe von £E 520000, sind 30 ״/o abzuschreiben, um den wirklichen Wert von £E 350000 des lebenden und toten Inventars der Siedlungen zu erhalten, für •welche Summe Verträge mit den Siedlern abgeschlossen werden können und sollen. Diese £J350000 ־ müssen als Grundlage dienen zur schleunigen Beschaffung einer Anleihe von £E 200000 in Amerika. Dann braucht man noch zur Fertigstellung der bestehenden Siedlungen weitere £E 160000, oder, auf die Jahre 5687 und 5688 verteilt, weitere £E 200000. Was vorerst nottut, ist Abschluß der Verträge mit den Siedlern, d. h. Schaffung eines, wenn auch nup in zioniphilen *Kreisen diskontierbaren Vertragspapiers. Die Konsolidierung muß einer Neukolonisation vorangehen, die gedacht ist für 1000 Familien mit einem Kostenaufwand von £E 700000, die erst im Jahre 5688 angefangen werden kann.“ Im ersten Teil des Artikels steht folgender Satz: ״Wir müssen andere Wege suchen, um die Mittel für die Konsolidierung aufzubringen, und zwar glauben wir,;־äbüä. .!Pf! JliR.iEÄÄf* iMÄ Ipd/rfplizusuchii,,^ mit aller Energie auf- S«9 muÄ/1' - . ״ יי• ' ׳־ל*‘■•־■• ». Herr Kurt Ruppin muß ins Irrtum sein, wenn ir seine Vorschläge mit meinen identifiziert. Der zitierte Satz zwingt mich aber zu einer Äußerung über Kurt Ruppins Vorschläge und zu einer Darlegung meiner eigenen, die von den seinen grundsätzlich verschieden sind. Ich habe nie an eine Anleihe von £E 200 000 gedacht Der Vorschlag von Kurt Ruppin ist in seinem Wesen nicht soweit entfernt von dem einer nationalen Anleihe, die von der Londoner Oekonomischen Konferenz als undurchführbar befunden wurde. Dort handelte es sich vielleicht ura eine Null mehr, bei mir handelt es sich um eine Null weniger. Aber auf die Zahl kommt es nicht in erster Reihe an. Die Grundlage ist eine ganz andere und die ist meines Erachtens von viel größerem Gewicht. Der Hauptfehler der Ausführungen von Kurt Ruppin, wie auch mancher früheren Pläne für eine nationale Anleihe, insofern sie sich auf die Landwirtschaft beziehen, ist der, daß sie den Liquidationswert der Investitionen in unseren Siedlungen als Grundlage nehmen für eine Anleihe, anstatt den Betriebswert der Siedlungen. Erstens wollen wir nicht liquidieren, zweitens könnten wir es nicht, drittens gäbe es keine Käufer. Also die gebotene Sicherheit von totem und lebendem Inventar, sei es in Form von Wertpapieren auf Grund solcher Aktiven, hat für den Kreditgeber keinen Wert. Der Kreditgeber wird sich beide Teile der Bilanz der Siedlungen an sehen und untersuchen, ob der Betrieb einen Aktivsaldo ausvveist. Die Solvenz des Inhabers des Wertpapiers ist für ihn Hauptsache. Er sieht sich den Wert des Debitors an, nicht den Wert der Kühe und Häuser. Der Buchführer, der im wirtschaftlichen Aufbau Palästinas nottut, ist gewohnt, erst Debet, dann Kredit zu buchen. Der Anleihenehmer ist nur allzusehr zu dem umgekehrten Weg geneigt, und seine erste Frage ist nicht so sehr, wieviel Geld kann ich zurückzahlen, als wieviel Geld kann ich bekomnjen. Das ist auch die Gefahr von großen Zahlen und phantastisehen Anleiheprojekten. Sie lenken die Aufmerksamkeit ab von der einzig notwendigen konstruktiven Anstrengung, die Aktivseite der Bilanz und die Einnahmeseite der Gewinn- und Verlustrechnung zu erhöhen, und bringen an Stelle dessen Illusionen, die zu Enttäuschungen führen. Denn man wird keinen Kredit auf Kredit bekommen. Wenn man die Frage stellt: Ist die landwirtschaftliehe Siedlung unter Kontrolle der Zionistischen Organisation heute kreditfähig?, so muß die Antwort lauten: Nein. Es ist bedauerlich, mag es auch zu einem großen Teil zu entschuldigen sein, aber Tatsache ist, daß noch Palästinas Verkehrspolitik Port Faad Anläßlich der Einweihung des neuen Hafens Port F uad schildert der Spezialkorrespondent der ״Times“ die große Bedeutung des neuen Verkehrszentrunis. Port Fuad wird der künftige Eisenbahnendpunkt für Palästina werden. Die palästinensischen Eisenbahnen sollen, statt wie bisher über Kantara, von nun an nach Port Fuad geleitet werden in der Weise, daß an der gegenwärtigen Station Romani, 26 Meilen östlich von Kantara, eine Abzweigung nach Port Fuad (30 Meilen) geführt %vird. Port Fuad wird daher in Zukunft statt Alexandrien und Port Said der gegebene Hafen für die Landung von Palästina -Passagieren aus Europa sein. Die Schiffe werden am asiatischen Ufer des Suezkanals vor Anker gehen und von dort aus direkten Eisenbahnansdiluß nach Jerusalem haben. Die Reisezeit wird dadurch erheblich abgekürzt. Auch die BahnmJTELMNDISmE, ׳mm&t jVöaiaJ / SUEZ tigste Hafen sein wird, da dort die Ein- und Ausschiffung^־ moglichkeiten viel besser sein werden als in Jaffa und ebenso die Verkehrsanschlüsse. Die Kosten der neuen Linie werden auf £ 200 000 geschätzt, die die Suezkanal-Company übernehmen wird. Der Artikel weist darauf hin, daß mit der Durchführung der Port Fuad-Linie ein Teil des Verkehrs von Jaffa abgelenkt werden wird, was für Jaffa einen gewissen Verlust bedeuten wird, für Palästina ira ganzen aber infolge der außerordentlich verbesserten Verkehrsmöglichkeiten einen Vorteil. 0er Halenban ln Haifa Jerusalem, 26. Dezember. (J.T.A) Die Regierung Palästinas hat die jüdische Handelskammer zu Haifa auf deren Anfrage dahin informiert, daß die hier zirkulierenden Ger ü c h t e, wonach der Beginn des Hafenbaues in Haifa auf zwei Jahre verschoben werden soll, mit den Tatsachen nicht übereinstimmen. Mit den Arbeiten für den Bau des Hafens in Haifa, so heißt es in der Mitteilung der Regierung, wird Anfang 1927 begonnen werden. (Es waren in Palästina Nachrichten verbreitet, die Regierung halte die vorliegenden Pläne für den Hafenbau nicht für ausreichend und wolle erst noch mehrere technische Sachverständige aus England ins Land rufen, wodurch sich der Ausbau verzögern würde. Inzwischen sollte ein Teil der Anleihe für Verbesserungsarbeiten in Jaffa verwendet werden. Dies hat in Verbindung mit der fieberhaften Errichtung von Port Fuad begreifliche Unruhe hervorgerufen.) Port Said und Port Fuad gehen, und zwar ist geplant, eine Fähre einzurichten, die die Eisenbahnwagen ohne Umsteigen der Passagiere־ filier de» Kanal' Ifj8id«|i 5®r Korrespondent meint, daß‘auch' für'׳ den“ P*1 äVt in't Kalidel undFTns^ besondere für den Orangenhandel Port Fuad der wich- Der palästinensische Orangenhande! Das ״C o m m e r c i a I Bulletin“ berichtet: Die Jaffa« Orangensaison 1926/27 begann Anfang Oktober, wo etwa M ffifrtflge«־ filiiÄ - iöSiJCilte» ■ wurden mußten wegen nabh zu unreifer Farbe von» Auge gehalten werden. , [Me Ernte dieses Jahres ■ist, wie berichtet wird, über dein Durchschnitt; die Verkaufsaussfchten auf den ausländ!• sehen‘Wirkten sind «*tan®. — ון?יי *ווי" keine der vom Keren Hajessod geschaffenen Siedlungen angefangen hat, Zinsen oder Amortisation der K. H.- Anleihe zu zahlen und daß sogar keine Siedlung bis jetzt an den Jüdischen Nationalfonds den Pachtzins, welcher doch noch zu den Kosten des Betriebes zu zurechnen wäre, geleistet hat Die alten Siedlungen haben sogar noch keine Kontrakte mit den beiden Institutionen unterzeichnet, wie Kurt Ruppin mit Recht betont. Und insoweit diese Kontrakte abschlußreif sind, bleibt die Frage, ob sie dem Kreditgeber genügen werden, auf den es in erster Reihe ankommt. Wir denken dabei an den Termin der Rückzahlungen, der länger ist als in anderen Ländern für landwirtschaftliche Anleihen üblich, an den Zinsfuß, 1er niedriger ist als üblich, und nicht zuletzt an die verwickelte Verknüpfung mit der Chewrath Nir, die als dritter Kontrahent dem Kontrakt beitreten soll. Es war ein leichtes für die organisierte Arbeiterschaft, mit den zionistischen Instanzen über diese Punkte zur Uebereinstimmung zu kommen, mit dem Kreditgeber wird es nicht so leicht sein. Der Unterschied zwischen dem gewöhnlichen und dem zioniphilen Kreditgeber, der Illein für uns in Betracht kommt, mag sein, daß letzterer Palästina bevorzugt und bereit ist, sich dort mit viel schlechteren Bedingungen zu begnügen, als er sonstwo finden kann; in einer Hinsicht unterscheidet er sich nicht, da auch er nur Anleihen an solche Debitoren gewähren wird, die imstande sind, aus den Ueberschössen ihrer Betriebe Amortisation, niedrige Zinsen und die Spesen des Anleihedienstes zu zahlen. Sollte es noch einen Uebersclm® geben, so wäre er zur Verbesserung des Betriebes bestimmt. Der Kreditgeber will wenigstens sein Kapital bewahren und sein Darlehen zurückgezahlt bekommen, wenn er auch zu den weitestgehenden Konzessionen in bezug auf die anderen Bedingungen bereit wäre. Das ist die unumgängliche Bedingung und stellt die Grenze zwischen Kredit und Donation dar und es würde eine schlechte Zionsliebe sein, wenn für den zioniphilen Kreditgeber etwas anderes gelten sollte. Wir kamen oben zu dem Ergebnis, daß unsere Landwirtschaft in Palästina heute keine Basis für Kredit bildet, so daß wir alle Gedanken an eine Anleihe, wie von Kurt Ruppin vorgeschlagen, zur Seite stellen müssen. Dasselbe trifft zu auf eine nationale Anleihe für die Landwirtschaft, die noch mit der Garantie des■ Keren Hajessod oder Keren Kajemeth als größere Sicherheit lockt und unsere Zuktitiftsmöglicftkeiten Docft brauchen wir nicht ganz pessimistisch zu »ein. Nur müssen wir Illusionen ausscheiden und der Wirklichkeit Rechnung tragen. So komme ich auf meine eigenen Vor- Schläge, die sich stützen auf die im Wege der Kritik des Ruppinschen Vorschlags ausgeführten Grundlagen. Zuvor noch einige Bemerkungen zu dem kritisierten Artikel. Kurt Ruppin schreibt, daß die Investitionen in Höhe von £E 520000 durch Abschreibung von 30% auf £E 350000 reduziert werden müssen. Ein Verlust von £E 170000 stimmt zum Nachdenken. Mit dem Gelde hätten wir auf der angenommenen Basis von £E 700 pro Familie drei Nahalals schaffen können. Hier scheint, daß die von der Redaktion der ״Jüdischen Rundschau“ in Nr. 81 vorgeschlagene Zweck* und Sachrevision trefflich einsetzen könnte, um die Ur- Sachen dieses Verlustes zu untersuchen. Gewiß ist ein Teil dieser Verluste durch äußeie Ursachen entstanden, aber wir machen es uns zu leicht, wenn wir ohne Untersuchung mit einigen großen Strichen darüber hin- Weggehen und himveisen auf teueren Einkauf von Materialien und unregelmäßige Auszahlung der Gelder. Der letzte Grund dürfte doch sein, daß man zuviel und zu groß angefangen hat und immer über die Kräfte einer gesunden Budgetierung gewirtschaftet hat. Es kommt dabei nicht so sehr darauf an, die Schuldfrage festzustellen, als eine Wiederholung für die Zukunft zu vermeiden. Wir sollen doch wenigstens aus den Fehlern der Vergangenheit lernen! Daß dies notwendig ist, zeigen sowohl die Nachrichten aus Palästina, wie auch der zweite Teil des Artikels von Kurf Ruppin, der nach Schilderung der Fehler der Vergangenheit eine großzügige Kolonisation von 1000 Familien mit £E 700 000 vorschlägt. Wir verstehen den Druck der Arbeitslosigkeit. Katastrophale Verhältnisse kann man aber nicht als Ausgangspunkt für einen gesunden Aufbau nehmen. Wie eine solche Zweck- und Sachrevision ausgearbeitet werden müßte und die wich* tigere Frage, wie man deren Ergebnisse zur Ab- Wendung und Wiederholung von Fehlern für die Zukunft verwerten kann, war in dem obenerwähnten Artikel nicht ausgeführt, und eine Diskussion, die gewiß beabsichtigt war, haben die Anregungen nicht hervorgerufen. Die zionistische Oeffentlichkeit interessiert sich mehr für die Judenstaats-Frage oder die Kwuzah-Frage,

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