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Jüdische Rundschau · 1926-12-10 · Heft 97 (10.12.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 97 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mfnzrlnummcr 0,30 Goldmark rUDISCHE RUNDSCHAU Uon und Verlag Berlin W 15, Metnekestraße 10, Erscheint Dienetag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition tlich 115 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark,!«*bomienmits werde» i» der Wihraad der MBzelae» Länder berechnet lummer 97 | Berlin, 10. XII. 1926 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Mcinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7155—70. Aiucigenpreiu Bge*pelt.NonpareiUezei1a9,50Gs-M. Stell «»(!esudieO^S G-M. AwdfaHkhli Dienstag «ad Freitag nachmittag 4 Uhr, Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392♦ Für Oesterreichs P0*t5parka«t,enaj1jt Wien, Konto Nr, (56030. Fftr Ttcbacboilowikei: rostsperkesseQvnt Pr*4, Konto Nr. 59 410k Für Polens Po«tep*rksssen&mt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktions Schluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ~.ה* טבח* חיס״ן | xxxl!lenismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.** Unsere ״politische Offensive“ Zu Jabotinskys Berliner Reden den letzten Wochen ist eine große prinzipielle | sion in der zionistischen Welt ausgebrochen. Sie 1 geführt zwischen den großen Zentren, zwischen 11, Jerusalem, Berlin, Tel-Awiw, Wien, Warschau, 1, Den Haag u. s. f. Wir haben also, scheint es, iampf mit der Geographie ganz gut bestanden, h nur im Wortkampf. Dabei ist zu beachten, s in den Streitfragen eine ganze Reihe von en gibt, so daß kaum zwei Anschauungen völlig!!stimmen. Es ist daher auch schwer, die An- -iner Gruppe zu erschließen. Denn ebensowenig twa die ״Jüdische Rundschau“ in einer solchen die Meinung der Z. V. f. D. oder ihrer gesamten g in allen Punkten wiedergibt, ebensowenig ist ei all den anderen Organen der Fall, in denen emäß die Persönlichkeit der Schreibenden ihre ng mit besonderer Schärfe formuliert. Wenn wir uns ich dessen bewußtbleiben müssen, daß die politische sbildung und Meinungsbildung der Bewegung bei ielfältigkeit der Probleme keineswegs so erfolgen daß nur hundertprozentig Utbereinstimmende sich inentun, daß vielmehr die Bildung politischer Unterm innerhalb der Organisation stets nur durch bt jedes Einzelnen auf minder wichtige Teilauungen zustande kommen kann, glauben wir daß die Diskussion gerade dadurch gefördert daß scharf umrissene individuelle Ansichten eingegenüberstehen. 1 Zentrum der Diskussion steht die Frage des nstaates als zionistischen Ziels. Wir haben!reife?, if ifeßtiii Ämmefn. mit d€ft Eintvittttto . i K, Ä. ner ״Jwvish Chrcmicle“, gegen die hier vorgee ,Auffassung erhoben wurden. Heute haben wir löglichkeit, uns mit dem extremsten Vertreter idenstaats-Ideoloeie, mit Jabotinsky, auseinanderen, der einen eigenen Vortrag in Berlin diesem widmete, welcher ganz gegen die ״Jüdische chau“ gemünzt war. wurde in der ״Jüdischen Rundschau“ vertreten? ir wiesen darauf hin, daß Herzl, als er» seine wie Fanfare wirkende Schrift ״Der Judenstaat“ abüberhaupt nicht an das konkrete Palästina dachte, [rben heute die Aufgabe, Herzls Gedanken in die chkeit umzusetzen und wir haben mit dem kon- Palästina zu tun. Wie die Dinge liegen, handelt h heute nicht mehr um die abstrakte Parole staat“, sondern um eine konkrete Vorstellung, he politische Form dieser Judenstaat an- •n kann. Und nach unserer Meinung kann er mit icht auf die Tatsache der Existenz eines arabischen ז in Palästina und mit Rücksicht auf unseren hütterlichen Willen, unser nationales Leben in ina wieder aufzubauen, — nur die Form eines inwesens zweier gleichberechtigter Völker haben, t^ort ״Judenstaat“ wurde so gedeutet, als ob wir Jen Arabern eine jüdische Nationalität aufzwingen n. Es bedarf für Zionisten keines Beweises, daß )!eher Gedanke dem Zionismus, der sich doch ch mit den Angelegenheiten der jüdischen Nation iftigt und damit reichlich zu tun hat, niemals geen ist. Nach meiner Ansicht wäre es unsere Pflicht en, rechtzeitig in aller Deutlichkeit dieses Mißverlis aufzuklären. Damit wäre keineswegs etwas fert“. An der nationalen Lösung der Judenfrage es nötig, dies zu sagen? — halten wir fest. L Juli dieses Jahres haben wir in der ״Jüdischen chau“ geschrieben: ״Was in der Gedankenwelt des Zionismus an dem ift des ludenstaates von revolutionärem Wert war, ich der Gedanke der Autonomie und Selbstverantwort־ eit eines territorial konzentrierten, unter normalen Beiincen existierenden jüdischen Gemeinwesens, ist von andern angezweifelt worden; die Vorstellung eines rhen Nationalstaates jedoch, entsprechend der verhäng- »Hen Ideologie der europäischen nationalen Kleinstaaterei, olangc widersinnig, als nicht ein menschenleeres Land nden ist, in welchem die politischen und gesellschaftn Bedingungen für eine solche Gründung vorhanden Die Frage aber, ob wir eine jüdische Majorität alästina wollen, ist ungefähr ebenso sinnreich wie die e, ob jemand in der nächsten Lotterie den Haupt- :r machen ״will“. Denn nicht darum geht es, ob wir jüdische Majorität wollen, sondern darum, ob wir die die Bildung einer numerischen Majorität auf Kosten gesunden ökonomischen und sozialen Aufbaues des eben Gemeinwesens anstreben wollen. Es wäre z. B. denkbar, durch einen ungeheuren Aufwand an Geld eine große jüdische Bevölkerung in Palästina vom Auslande her zu erhalten; daß ein solches künstliches Gebäude nicht wirkliche Existenzkraft hätte und keine Lösung der Judenfrage wäre, liegt aber u. E. auf der Hand.“ Was sagt Jabotinsky dagegen? Er ließ zunächst den Staatsbegriff fallen. Das Wort Staat sei vieldeutig, niemand wisse, was ein Staat ist. Unser Ziel sei, in Palästina eine so starke jüdische Mehrheit zu schaffen, daß sie unbedingt im Parlament die Mehrheit bildet und dem Land ihren Willen aufzwingen kann. An vielen Beispielen suchte er nachzuweisen, daß eine Minderheit, auch wenn sie privilegiert ist, keinen sicheren Halt im Lande hat. Er erwähnte die Deutschen in Lettland und Estland, die dort alle Kultur geschaffen haben und doch schließlich weichen mußten, weil sie die Minderheit waren. Die Griechen wurden aus Anatolien, wo sie seit Jahrhunderten sitzen, vertrieben, weil sie die Minderheit waren. Wenn die Juden in Palästina eine Minderheit sind, können sie keine nationale Kultur entwickeln, denn die Meinung, die Berührung mit dein Boden Palästinas garantiere schon die hebräische Kultur, sei falsch: Beweis die Herrschaft der aramäischen und später der hellenistisehen Kultur im Palästina des Altertums. Es ist die größte Täuschung, zu sagen, was wir itn Emek geschaffen haben, sei durch keinen Sturm zu erschüttern. Es sei nicht einzusehen, warum nicht, sofern wir eine Minderheit sind, eine arabische Welle das Emek überfluten und den jüdischen Kolonisten dasselbe Schicksal bereiten könnte wie die Türken den Griechen von tSiijtfittf', ׳־״; r1: V״C4' /־'V; " Das alles ist zweifellos richtig. Aber gegen Räuberband ist auch ein souveräner Kleinstaat und sogar ein Großstaat nicht geschützt Durch einen Krieg kann auch eine jüdische Mehrheit iri Palästina besiegt und beraubt werden. Auch dafür gibt es Beispiele. Und die aramäische bzw. hellenistische Kultur unterwarfen doch das palästinensische Judentum, obwohl die Juden damals unbestritten die Mehrheit im Lande waren. Eine Großmacht im militärischen Sinne werden die Juden niemals werden. Die Garantie für den Frieden kann daher für uns nur in der internationalen Sicherung liegen, wie sie zum Beisniel durch die Garantie des Völkerbundes bzw. durch die Eingliederung in den britischen Friedensbund der Nationen, vielleicht auch noch durch speziellere Bestimmungen gegeben ist. Internationale Garantie ist darum das Fundament jeder zionistischen Politik seit Herzl. Sie steht im Baseler Programm, sie ist durch das Palästinamandat in gewissen! Sinne erfüllt. Wir bedürfen für die Verwirklichung des Zionismus nicht nur heute, sondern wahrscheinlich in aller Zukunft, der wohlwollenden Unter- Stützung der Völker. Und für k u 11 u r e 11 c Originalität gibt es überhaupt keine Garantie außer der eigenen geistigen Stärke. Aber wollen wir nun die Majorität in Palästina oder nicht? Die Frage ist sinnlos, wie schon in dem oben zitierten Artikel gesagt wurde. Wir wollen in Palästina eine möglichst starke Judensiedlung, und wenn z. B. gesagt wird, daß diese in einer oder zwei Generationen drei Millionen betragen soll, so können wir uns diesem Wunsche aus vollem Herzen anschließen, obwohl die Ziffer willkürlich konstruiert ist und man auch zwei oder sieben Millionen sagen könnte. Nur eine große, kompakte, wirtschaftlich und sozial konsolidierte jüdische Siedlung wird die Funktion der Belebung des Judentums ausüben können, die der Zionismus von ihr erhofft Aber warum sollen wir dieses unser Ziel nicht in einer direkten und absoluten Formel ausdrücken, sondern in einer Formel, die nichts über das Wesen, sondern nur etwas über eine Relation aussagt? Majorität iit doch ein relativer Begriff, er bezieht sich auf das Verhältnis zu einem anderen. Mit Recht hat Glücksohn in ״Haarez“ vor kurzem die Frage aufgeworfen, ob, wenn es in Palästina nur '200000 Araber gäbe, die Revisionisten sich mit 200001 Juden zufK;' gäben. Die Frage scheint absurd, drückt aber ganz gut das aus, worauf es ankommt. Unser Streben ist es, die Judensiedlung .immer stärker und größer zu machen, um unserer selbst, um unserer nationalen Schaffensmöglichkeit willen, ganz unabhängig von der Zahl der Araber im Lande. Wenn wir dieses unser Streben immer wieder als das Streben nach einer ״Mehrheit“ bezeichnen, so kann das gar nicht anders verstanden werden als der Wunsch, über andere, die die Minderheit sind, zu herrschen. In diesem Sinne ist das ständige Reden von Mehrheit eine ganz unnötige Provokatio n der Araber, die heut e unbestritten die Mehrheit in Palästina sind und von uns nicht belehrt zu werden brauchen, welches Gut eine solche Mehrheit darstellt. Wir wollen um des Judentums willen eine mögliehst große Juden Siedlung, und wenn diese größeren Umfang annimmt, wird sie natürlich größer sein als die Zahl der palästinensischen Araber, die ja, absolut gemessen, nicht sehr groß ist. Aber wir wollen in Palästina eine Rechtsordnung, die der Mehrheit und der Minderheit volle nationale Rechte gibt. Will jemand bestreiten, daß es die beiden Völker stets im Lande geben wird? Heute sind wir die Minderheit, in einigen Jahrzehnten werden wir vielleicht die Mehrheit sein; auch Jabotinsky rechnet, wenn alle seine politischen Forderungen erfüllt werden, damit, daß wir etwa i n dreißig Jahren den Arabern an Zahl ungefähr gleich sein werden. Wenn dem aber so ist, ist dann überhaupt eine andere staatsrechtliche Form diskutabel a>s der Zweinationalitätenstaat? Es handelt sich doch nicht um eine ideologische, sondern eine eminent praktische Frage. Man wird doch dieses Problem nicht dreißig Jahre in der Schwebe lassen, zumal die AfaMr fjeiehfälls' erftürWn Wfel'dfeA! M Hneml;söjelftu ctefheirivreien iönrielt' lucl' ‘ nleif TBr'" IR' iwlgteif 'Ile nationalen Gegensätze das beherrschende Faktum bleiben. Wirtschaftliche Interessen und Weltanschauung sind in gewisser Hinsicht ebenso starke politische Bindemittel wie nationale Zusammengehörigkeit. Wir sehen 1. B., daß heute in der Tschechoslowakei, die gewiß als ganz nationalistisches Staatsgcbilde begründet wurde, die bürgerliche Regierungsmehrheit aus Tschechen und Deutschen besteht, während in der Opposition die tschechischen und die deutschen Sozialisten zusammenstehen. Jabotinsky aber verlangt einen so einheitlichen jüdischen Nationalstaat für Palästina, daß selbst nach allen inneriüdischen Parteispaltungen noch eine jüdische Mehrheit im Parlament übrigbleibt. Mit anderen Worten: Wenn im künftige׳' ludenstaat eine indische bürgerliche Mehrheit ans R' der kommt, so muß sie ausreichen, lim den jüdischen Sozialisten zuzüglich der gesamten arabischen Minderheit die Wage zu halten. Dies sind Konstruktionen, die vielleicht ein angenehmes Gedankenspiel sind, aber nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun haben. Jabotinskv weiß daß wir bei einer derartigen Ziel- Setzung mit dem erbitterten Widerstand der Araber zu rechnen haben. Ganz konsequenterweisc ist für ihn das L f,.le״io n‘‘t der wichtigste Buchstabe des zionistischen Alnh״bets. Ebenso konsequentervveise hat er in Palästina Ansprachen an die Schuljugend gehalten, worin er unter Hinweis auf die Bedrohung durch die arabischen Nachbarn erklärte, die Aufgabe der Jugend sei es, mit dem Gewehr umgehen zu lernen. Ebenso konseouenterweise ist er auf der Konferenz der palästinensischen Revisionisten den Redereien über Notwendi״ke1t der ״sportlichen“ Ausbildung der Jugend fwir kennen das in Deutschland ganz genau") mit der Erklärung entgegengetreten. man müsse die Dinge beim ricbti״en Namen nennen: was wir brauchen, sei eine militärische Erriehun״ der ganzen heranwachsendcn Ju״end. ln seiner Broschüre, die Anfang 1926 in Paris erschienen ist, und bereits alles enthält, was er Ende 1926 ,.in Palästina gelernt“ hat, ist dies klassisch ausgedrückt: ״Der sogenannte A n 4 i 1 c g i o n i s m u s bedeutet Verzicht auf den Zionismus. Das ist die eiserne Kette der Lebenslogik, vor der sich auch der begeisterteste Pazifist beugen muß.“ Das Svmoathisehe an Jabotinskys Figur ist seine intellektuelle Ehrlichkeit. Sein Programm ist durchdacht und in sich geschlossen. Dies wollen viele seiner neuen Anhänger nicht wahr haben. Die Wiener Grunpe z. B., die ehrlich antimilitaristisch ist. sieht nicht diese Zusammenhänge. Die ״Wiener Morgenzeitun״“ vorteidigt am 6. Dezember in einer Polemik gegen Blumen-

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