Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 86 (2.11.1926)
- Date
- 1926-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 86 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 617 30 Jahre K. C. Das Büro des K. C. teilt mit: Der Kartellkonveut deutscher St-idicrender jüdischen Glaubens <K. C.), dessen Verbindungen seit 40 Jahren den Kampf für die üleichberechtigung der deutscn-judischen Studenten an den deutschen Hochschulen führen, veranstaltete seine dies,ä..rige Verb ndstagung vom 29. bis 31. Oktober 1926 in Breslau. Diese Tagung des Verbandes erhielt ein besonderes Geprä״e durch die gleichzeitige Feier des 30jäl1rigen Bestehens des Verbandes und des 40jährigen Jubiläums seiner ältesten Verbindung ״Viadiina‘•, deren Gedanken die politische Idee des deutschen Judentums maßgebend beeinflußt und zur Gründüng des Zentralvereins deutscher Staatsbürgei jüdischen Glaubens, der größten Organisation des deutschen Judentums geführt haben. Auf der Tagung sprachen u. a. M, d. R. Dr. Haas und der Direktor der C. V. Dr. Ludwig Hollinder. Ein Jubiläum ist nicht immer ein freudiges Ereignis. Man ist älter geworden, vielleicht zu alt, und die Gefahr droht, auf das Altenteil verwiesen zu werden. 30 Jahr K. C. — 30 Jahre jüdischer Entwicklung in Deutschland? Die Gründung des K. C. war seinerzeit Zweifellos eine jüdische Tat. Es war die Zeit einer wüsten iudenhetze, es war die Zeit der Massentaufen genau wie eute nach 30 Jahren. Da schloß sich eine Schar junger Juden, Akademiker, bewußt zu einer jüdischen Korporation zusammen. Eine ganze Anzahl unserer zionistischen Freunde waren Mitglieder dieses Bundes, der als Parole den Schimpfnamen ״Jude“ stolz auf seine Fahne setzte, um damit den Kampf egen den Antiscmi;ismus aufzunehmen. Man übernahm, um en Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen, die Formen des deutschen Studententums. Aber es gelang rächt im Laufe der Jahre, diesen Formen eigenen Geist zu verleihen, sie jüdisch zu beleben, auszubauen, sie zu meistern. Nicht zu ihrem Herrn, zu ihrem Sklaven wurde man. Taub blieb man egen die Stimmen des lebendigen Judentums, die jüdische ntwicklung verlangten, denen die negative Kampfparolc nicht genug war, um einem jüdischen Bunde Sinn und Inhalt zu verleihen. Ke Jugend, die der K. C. hinter sich zu haben laubte, verweigerte die Gefolgschaft. Dann — und das ist as tragische an der Geschichte des K. C. — auch der andere Punkt des Programmes: der deutsche Student jüdisehen Glaubens, wurde nicht erfüllt. Steht doch das wahre Deutschland, das geistige Deutschland, fern demjenigen Teil deutschen Akademikertums, der glaubt, bunte Maskerade, ״ritterliches“ Waffenkreuzen, akademischer Standesdünkel seien allein der Befähigungsnachweis zum Volkserzieher, zum Volksführer. Bunte Maskerade, ״ritterliches“ Waffenkreuzen haben die geistige Entwicklung im K. C. getötet. Couleurwesen und Couleurstudent verleihen ihm seinen Stempel und stellen ihn, vielleicht gegen seinen Willen, in die Reihe des wirklichkeits- und volksfremden, asozialen Akademikertums. Vom Standpunkt des nationalen Juden ist diese Entwickhing, oder besser Nicht-Entwicklung, des K. C. zu bedauern, ln einer Zeit lebhaftester jüdischer Entwicklung, in einer Zeit, in der das jüdische Volk wieder daran geht, sein Leben selbst zu gestalten, ist ein Teil seiner Jugend, der an sich zur Mitarbeit berufen wäre, dazu verurteilt, alf zu sein, Jubiläum zu feiern und beiseite zu stehen. Oder wird der K. C. jetzt nach 30 Jahren noch einmal die Kraft finden, jung zu werden, um mitzuwirken nach einer vergeblichen Vergangenheitsarbeit für eine bessere jüdische Zu- ,״ » . Dr» Paul Hirsch. Hillstltlgkelt Iflr litauische nid peinliche Jaden In Berlin weilt der Generaldirektor der Ica und Manager- Direktor der Joint-Ica-Reconstruction-Foundation, D. Louis ö u n g r e. Im Büro der Foundation finden Besprechungen über die Arbeit der jüdischen Voiksbanken in Litauen und Polen statt. An den Besprechungen betreffend Litauen nehmen teil der Vizedirektor des Joint Dr. David Schweizer, der Generalsekretär der Foundation Herr Aronovici, der Generalsekretär des Joint Dr. Werner Senator, der Abgeordnete des litauischen Sejm Dr. Garfunke 1 und der Direktor der Kownoer Volksbank Herr Alterowitz. An den Besprechungen über Polen sollen auch die Inspektoren der Foundation in Polen teilnehmen. In der Sitzung wurde die ökonomische Lage der Judenheit in Litauen und Polen eingehend erörtert und eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, die sich auf die Arbeit der Foundation auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens in diesen Ländern beziehen. Konferenz des Keren Kafcmefli in Köln Sonntag, den 7. November, findet in Köln, im ״Rießer-Saal“ der Rheinland* Loge, Cäcilienstr. 1822־, Vorderhaus H, eine Bezirks-Konferenz des Keren Kajemeth, verbunden mit dem Zioni* stischen Gruppen-Verband stag, statt. Tagesordnung: Vormittags 10'/j Uhr: Palästina-Referat. Referent Dr. A. Landsberg, Wiesbaden. Aussprache. 12 Uhr: ״Die Grundlagen der Keren Kajemeth-Arbeit in Deutschland", DrJErhard, Berlin. Aussprache. Mittagspause 3 Uhr: a) Fortsetzung der Debatte über die praktische Arbeit. b) Besprechung der KKL-Vertrauensleute des Bezirks. 4 Uhr: Unser Anteil an der zionistischen Arbeit in Deutschland, Dr. Bruno Nathan, Köln. Ausspräche. Schlußwort Abends punkt 8’j Uhr findet im großen Saal der Rheinland-Loge, Cäcilienstraße 18-22, eine öffentliche Kundgebung des Jüdischen Nationalfonds anläßlich seines 25-jährigen Jubiläums statt. Es spricht der frühere Vorsitzende der Z.V.f.D., Herr Dr. Alfred Landsberg, Wiesbaden, über das Thema: ״Zionismus u. Weltpolitik.“ Alle Vertrauensleute des Kölner Bezirks, die Mitglieder der Keren Kajemeth-Gemeinschaften, im übrigen alle aktiven Zionisten werden aufgefordert, an der Tagung teilzunehmen. Ganz besonders wird die geschlossene An* Wesenheit der zionist. Jugend erwartet. Die Tagung soll der Auftaktfür die Arbeit des JNFimJubiläuasjahr bilden. ״Am trflben Wassern“ Eine ״Berichtigung". Herr Alexander Levy sendet uns zu dem Artikel ״Aus trüben Wassern" in Nr. 79 der ״Jüdischen Rundschau“ eine Berichtigung, worin er erklärt, es sei nicht richtig, daß er ״sieh erst kürzlich hervorgetan hat als Rädelsführer jener Gruppe, die den Ohrfeigenüberfall auf Dr. Glückson organfsierte“. Richtig sei vielmehr, daß das staatliche Friedens* gericht in Tel-Awiw Herrn Levy freigesprochen habe, well ״die gerichtliche Verhandlung keinerlei Anhaltspunkte für irgendeinen Zusammenhang zwischen Herrn Lew und den Leuten, die Herrn Dr. Glückson tätlich beleidigt haben, ergeben hat". Wir bringen diese Berichtigung zum Abdruck, obwohl sie nicht unsere Behauptungen berichtigt. Denn wir haben nicht behauptet, daß Herr Levy verurteilt wurde. Vielmehr haben wir in Nr. 51 der ,Jüdischen Rundschau“ eine Darstellung der Verhandlung gegeben und ausdrücklich berichtet, daß Herr Alexander Levy freigesprochen wurde. Gemäß dem in ״Haarez“ vom 18. Juni 1926 veröffentlichten ausführlichen Prozeßbericht hat Herr Alexander Levy an Dr. Glückson zwei Briefe geschrieben; in dem zweiten Brief erklärt er, der Ueberfall sei völlig berechtigt gewesen, es sei geradezu ein Freundschaftsakt gewesen, und Gott sei Dank handelt es sich ja um keinen Mord. Die Zeugin Malka Gordon, Gattin eines Schriftstellers, sagte bei der Verhandlung aus, daß in der Versammlung der ״Hitachduth Oie Polania“, als über die Rache an Dr. Glückson beraten wurde, Architekt Alexander Levy dafür eintrat, die Sache durch Ohrfeigen auszutragen. Der Zeuge Finkeistein sagte aus, daß viele Menschen die Attentäter begleitet haben und vor dein Hause der Redaktion Herr Alexander Lew stand. Der Zeuge Kami sagte aus, daß er zwischen 12 und 1 Uhr in die Redaktion des ״Haarez“ ging und vor der Tür Herrn Alexander Levy fand. Der Zeuge Ruschzuk sagte aus, er sei zwanzig Minuten vor dem Vorfall aus der Redaktion gegangen, und habe Herrn Alexander Levy vor der Redaktion auf- und abgehen gesehen. Herr Alexander Levy, der seine Verteidigungsrede deutsch hielt, erklärte, daß zwischen ihm und dem Ueberfall ״nur ein innerer, psychologischer, jedoch kein juristischer Zusammenhang“ bestehe. Der Richter erklärte, er müsse Alexander Levy freisprechen, weil Paragraph 45 des türkischen Strafgesetzes, der den Tatbestand der ״Anstiftung“ behandelt, eine Reihe von Erfordernissen aufstellt, wie Drohung, Erpressung iisw., die im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen werden konnten. Es ist also richtig, daß Herr Levy freigesprochen wurde. Für den Nichtjuristen allerdings ist auch der von Herrn Levy selbst zugegebene ״psychologische“ Zusammenhang interessant, zumal dort, wo es sich ja um keine Sühne für die Tat, sondern um eine Charakteristik der Psychologie des Herrn Levy handelt. Herr Levy ist sicherlich zufällig während des Ohrfeigenüberfalles vor der Redaktion des ״Haarez“ spazieren gegangen, so wie Ludendorf atn 20. März 1920 um 6 Uhr früh vor dem Brandenburger Tor seinen Morgenspaziergang machte. Es liegt uns fern, mehr zu bchaupten. Der ״Haarez“ berichtet, daß der ״Do a r Ha jo in" offizielles Organ der Revisionisten werden soll. Zwei Mitglieder der palästinensischen Landesorganisation der Revis io nisten sollen sich mit Vetorecht an der Redaktion des ״Doar Hajom“ beteiligen. Die Meldung wird jedoch von den Revisionisten dementiert. Briet aas Czernowitz Die Kulturarbeit der jüdischen Kultusgemeinde. Mit der Etablierung der neuen Garantschaft in der jüdisehen Kultusgerneinde in Czernowitz (Bukowina) hat auch eine große Arbeit in kultureller Hinsicht begonnen. Auf dem Gebiete des Volksschulunterrichts hat die Kultusemeinde zuerst die Hebräisierung der eigenen Volksschule urchgefiihrt. Auf Orund des neuen Privatschulgesetzes, das den Jüdischen Institutionen die Berechtigung gibt, bei den von ihnen erhaltenen Schulen die hebräische Unterrichtssprache einzuführen, hat die Kultusgemeinde über Vorschlag der Schulkommission, welche unter Leitung der Herren Dr. Salomon Kinsbrunner und Prof. Julian Silberbusch steht, mit Beginn dieses Jahres die 1. und 2. Klasse vollständig hebräisiert und in der 3., 4. und 5. Klasse die Zahl der hebräischen Stunden in ausreichendem Maße vermehrt. Die Hebräisierung der weiteren Klassen, von der dritten angefangen, wird sukzessive in den nächsten Jahren erfolgen. Trotz der Hebräisierung war mit Beginn dieses Schuljahres der Andrang zu dieser Schule ein besonders starker, so daß die Volksschule der jüdischen Kultusgemeinde fast die stärkste Frequenz unter allen Schulen in Czernowitz aufweist (Die Schülerzahl beträgt ungefähr 500). Zusammen mit der Volksschule des hebräischen Landesschulverbandes ״Safah-lwriah“ besuchen 700 Schulkinder die hebräischen Volksschulen. Die Kultusgemeinde war außerdem bemüht, den hebräischen unterricht in den staatlichen Volksschulen auszugestalten. Leider konnte infolge Mangels an geprüften Volkssehullehrem, welche die hebräische Sprache beherrschen, ein voller Erfolg nicht erzielt werden. Um für die Zukunft diesem Mangel abzuhelfen, hat die Kultusgemeinde bereits mit Beginn d. J. für diejenigen Volks- Schullehrer, welche die hebräische Sprache noch nicht beherrschen, eigene Kurse zur Erlernung derselben eingeführt und hofft auf diese Weise die Zahl der staatlich geprüften Volks- Schullehrer, welche die hebräische Sprache beherrschen, zu erhöhen. Zu den wichtigsten Neugriuidungen der jüdischen Kultusgemeinde gehört die Eröffnung der hebriisch-päda* gogischen Kurse, welche es ermöglichen sollen, geeignete Lehrer für die hebräischen Volksschulen heranzubilden. Die Mitteilung von der Errichtung des Pädagogiums hat in der Bukowina, und besonders in Beßarabien, starken Wiederhall efunden. ln diesem Jahre wird (und zwar am 1. November) er Vorbereitungskurs, sowie der erste Jahrgang eröffnet werden. Das Pädagogium steht unter der Leitung des Oberrabbiners Herrn Dr. Mark, das Sekretariat hat Professor Dr. Gottlieb inne. Die Schulkommission war sich von Anfang »1 dessen bewußt, daß die vornehmste Aufgabe einer jüdischen Kultusgemeinde darin besteht, Aufklärung und Bildung unter der jüdischen Bevölkerung von Czernowitz zu verbreiten. Sie hat daher beschlossen, schon im Monat November populär-wissenachaftliche Volksbildungskurse (eine Art jüdische Volkshochschule) einzurichten. Diese Volksbildungskurse sollen zu einer ständigen Institution werden und nach Tunlichkeit die gesamte Bildungsarbeit in Czernowitz umfassen. Es werden folgende Wissengebiete vorgetragen werden: 1. Jüdische Geschichte. I Jüdische Gegenwartskunde. 3. Jüdische Ethik, Religions- Philosophie, Bibelwissenschaften. 4. Sozialwissenschaften und Soziologie. 5. Nationalitäten-Probleme und Völkerbund. 6. Nafurwissenschaften. 7. Moderne jüdische Literatur und bildende Kunst!»er Leiehenslreit in Polen Warschau, 27. Oktober (J.T.A.). Die Kontroverse wegen Beistellung von jüdischen Leichen zu Sezicrungszwecken, die in den letzten Tagen an der Wilnaer Universität zu Ausschreitungen polnischer Studenten gegen ihre jüdischen Kollegen führte, hat auf die Warschauer Universität übergegriffen. Die christlichen Studenten beschlossen in einer Versammlung, die jüdischen Studenten mit Gewalt von der Sezierung christlicher Leichen fernzuhalten, wenn nicht prozentual jüdische Leichen beigestellt würden. Gestern wurden die jüdischen Studenten in die Analomie nicht mehr eingelassen. Der Direktor des anatomischen Instituts unterstützt die Aktion der christlichen Studenten. Um turbulente Szenen zu vermeiden, beschlossen die jüdisehen Studenten, das anatomische Institut vorläufig nicht zu besuchen. Sie nahmen in einer Versammlung eine Resolution an, in der darauf hingewiesen wird, daß den Studenten die Beistellung von Leichen überhaupt nicht obliegt; das anatomische Institut hätte die Pflicht, Objekte zur Sezierung beizustellen. Oie Bestattflag Proiessors Salomon Etarmains Wie uns aus Wien berichtet wird, wurde dort am 27. Oktober in einem von der Israelitischen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrab Prof. Dr. Salomon Ehrmann bestattet. In der Zeremonienhalle waren u. a. das Präsidium der Kultusgemeinde und zahlreiche Vertreter der Behörden erschienen. Aus Berlin waren Großpräsident Rabbiner Dr. Leo B a e c k und Rabbiner Dr. Weiße erschienen. Zahlreiche Universitäts- Professoren und Gelehrte Wiens umstanden den Sarg. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Prof. C h a j e s. Sodann wurden noch eine Reihe von Reden gehalten, darunter vom Präsidenten der Kultusgemeinde Wien und dem Präsidenten der Großlogen B. B. für Tschechoslowakei und Polen. Rabbiier Dr. Petiebowski gestorben Der Berliner Gemeinderabbiner Dr. Marcus Pctuchowski ist plötzlich verstorben. Geboren in Wilna kam er in früher Jugend mit seinem nach Halberstadt berufenen Vater nach Deutschland. Der Verstorbene war durch seine wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere seine Arbeit über ״Rabbi Ismael“ und seine mustergültigen Mischnah-Uebersetzungen bekannt. Ittlieaiscke Forschnngen in Palistiia Rom, 28. Oktober 0• T. A.) ״Agencia Stefan i“ verbreitet eine offizielle Mitteilung über die Begründung des Komitees für geographische Studien Palästinas, ln der Mitteilung wird es als die erste Aufgabe des Komitees bezeichnet, die Basis des Toten Meeres und des Jordantales, also jener Gebiete, die tiefer als der Meeresspiegel liegen, zu erforschen. Anfang Herbst 1927 wird eine wissenschaftliche Abordnung des Komitees sich nach Palästina begeben, um die Forschungsarbeiten durchzuführen. Die Abordnung wird vom Präsidenten des italienischen geographischen Instituts, Filippo de Filippi, geführt werden. Der Oberrabbiner von Rom Dr. Angelo Sacerdoti, der jüdische Professor der Universität Rom Roberto Altnagia Prof. Porro und der Geistliche des Franziskaner-Ordens Columbovitch werden sich der Expedition anschließea, Felix Roseablöih 1■ Breslio Am Sonnabend, den 23. Oktober, sprach im kleinen Saal des Konzerthauses Herr Felix Rosenblüth, Mitglied der zionistischen Exekutive, über die Lage in Palästina. Das Problem, das er in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte, war das des Tempos des Aufbaus. Im Zusammenhang mit dieser Frage berichtete er interessante Details über die Palästina-Wirtschaftskonferenz in London. Diese hat sich vornehmlich auch mit dem Problem befaßt, ob bereits im heutigen Augenblick Möglichkeiten für eine Anleihe, die dein jüdischen Kolonisationswerk dienen soll, gegeben sind. In der Tat können die in Palästina vorhandenen Industrie-Unternehmungen mit einer Summe von zirka £ 100 000 als kreditwürdig angesehen werden, die Orangenpflanzungen mit £ 375 000, andere Pflanzungen mit £ 125 000, der jüdische Grundbesitz mit £ 1500000. Unter Hinzurechnung noch anderer Wirtschaftszweige ergibt sich eine Gesamtsumme von 6 Millionen Pfund, auf die eine Anleihe aufgenommen werden könnte. Jedoch kann gerade der Zweig der palästinensischen Wirtschaft, der die Grundlage des Kolonisationswerks bildet, nur zirka 3 «/o Zinsen und Amortisation tragen, so daß eine Anleihe nur sekundäre Bedürfnisse der Kolonisation decken könnte. Für die primären Bedürfnisse, die Entwicklung des landwirtschaftlichen Siedlungswerkes, bleibt daher auch nach Ansicht der in London versammelten zionistischen und nichtzionistischen Wirtschaftsführer lediglich der Weg des Keren Hajessod. Um eine gesunde Wirtschaft m Paiästina zu erbauen und mindestens 25 0/0 der Einwanderer in neuen ländlichen Siedlungen anzusetzen, muß die Keren Hajessod-Arbeit so erweitert werden, daß dieser jährlich £ 500000 für die Landwirtschaft auswerfen kann. In der Diskussion und im Schlußwort des Referenten wurden im besonderen noch Detailfragen der Palästina-Kolonisation behandelt. Vermischtes Vertreterversammlung der B. Z. V. Wir machen die Mitglieder der B. Z. V. auf die nächste Sitzung der Vertreter- Versammlung aufmerksam, in derem Mittelpunkt eine Ausspräche über Fragen der zionistischen Jugendarbeit stehen wird. Die Sitzung findet am Donnerstag, den 11. November, abends 8y» Uhr, im Sitzungssaal, Meinekestr. 10, statt. Zugunsten des Schulwerkes der Israelitischen Synagogengemeinde ״Adaß Jisroel“ in Berlin (Grund- und Volksschule, Realgymnasium, Lyzeum) wird am Sonntag, den 19. Dezember, abends 7% Uhr, ein Fest mit musikaliscben und deklamatorischen Darbietungen veranstaltet werden, dessen Ueberscbuß zur Unterstützung minderbemittelter Schüler und Schülerinnen verwendet werden soll. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden teilt uns mit, daß vor mehreren Monaten in Düsseldorf anläßlich der Tagung der Zentralwohlfahrtsstelle in der Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung beschlossen wurde, grundlegende Aenderungen der Satzungen vorzunehmen. Der proviso rische Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle beschäftigt sich schon seit einigen Wochen mit den Vorbereitungen für den neuen Satzungsentwurf, welche unmittelbar vor dem Abschluß stehen. Der Entwurf wird in aller Kürze den Gemeinden und Organisationen zugestellt werden, damit die in Aussicht genommene Mitgliederversammlung, welche die Entscheidung über den Satzungsentwarf hat, bald zusammentreten kann. Synagogen verein Kaiserstraße, Berlin. In der Aula der Mädchenschule, Kaiserstraße 29, spricht am Donnerstag, den 4. November, Dr. Alfred Klee über: ״Die jüdische Gemeinde und der Völkerbund". Gäste willkommen.