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Jüdische Rundschau · 1926-10-26 · Heft 84 (26.10.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 84 (26.10.1926)
Date
1926-10-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark r Y ־; JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraß« 10. Eiracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AualasdAabemiiemefib; werden in dar Wihrong der einzelnen Uüsder berechnet Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G. m.b. H.f Berlin W15, Memekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. A-orBlgeBprBUi&tfhepältNoQfMureillereüe 0,50 G.-M. Stallaogesoch« 0.25 G.-M Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreich; Posisp&rkassenamt Wien, Konto Nr.!56 030. Für Tschechoslowakei: Poslsparkasaeaamt Prag, Konto Nr. 59 410, Für Polen: Postsparkasacnarot Warschau. Konto Nr. 190708, Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 84 | Berlin, 24. X. 1926 י״ח מרחשון׳ חיס״ז | xxxi. jajtrg. Der Zionismus erstrebt für das indische Volk die Schaffung einer äffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina• ״Baseler Programm." Weizmanns Amerika-Reise Weidmanns Abschied voa London Eine Abschitclsfeier für Dr. W e i z m a ם n vor seiner Abreise nach Amerika wurde Dienstag abends im Hotel Cedi in London vom englischen Keren Hajessod veranstaltet Die Einladungen waren von Sir Alfred Mond ausgegangen, der auch den Vorsitz führen sollte, jedoch verhindert war, da er zu einer Veranstaltung der Britischen Reichskonferenz erscheinen mußte.. An seiner Stelle grüßte die Erschienenen Herr Joseph Co wen, der aus dem Schatze seiner reichen zionistischen Erfahrung schöpfend, hervorhob, welch gewaltige Fortschritte, trotz aller Angriffe aus dem jüdischen und nichtjüdischen Lager, der Zionismus in den letzten 25 Jahren gemacht hat. Mit starkem Nachdruck erklärte er, daß alle Zionisten, die einen Sinn für politische Proportionen haben, die Leistungen des Führers Dr. Weizmann ihrem ganzen Werte nach schätzen. Während seiner Rede erschien, vom Beifall der Versammlung begrüßt, Herr Bernard Baron, der erst vor kurzem 101)000 £ in Aktien der Palestine Electric Corporation investiert hat, nachdem er vorher 10 000.C für die hebräische Universität und 25 030 £ für den Keren Hajessod Herrn Dr. Weizmann zur Verfügung gestellt hatte. Herr Baron nahm das Wort und feierte in erster Reihe Dr, Weizmann, dessen Wirken er mit immer wachsender Bewunderung verfolge und zu dem er unbegrenztes Zutrauen habe. Deshalb habe er sich auch vor wenigen Tagen, als Dr. Weizmann ihm die Lage in Palästina, die Aufgaben der Zionistischen Organisation und die Erfordernisse des Keren Hajessod dargestellt habe, entschlossen, durch einen Beitrag von weiteren 25 009 C seine Beteiligung am Keren Hajessod auf 60000 £ zu bringen. Er habe Dr. Weizmann versprochen, mehr zu tun, und werde sein Versprechen halten. Er sei zwar britischer Bürger, aber doch russischer Jude. Als so!- Cher hofft er, daß alle schließlich der Aristokratie ,gegenüber Palästina ihre Pflicht tun werden, aber auch die a me r i k a n i - n i s c h e n Juden. Was die Arbeit in Palästina betrifft, ,>0 solle sie seiner M.inun״ nach in der Richtung geführt werden, daß die Einwanderer zu Bauern auf der Scholle von Erez- Israel werden, nicht;״׳ Kleinhändlern und Krambesitzern. In diesem Sinne Mr. Bernhard Baron wolle er heute seinen Beitrag leisten und überreiche Dr. Weizmann den versprochenen Scheck. Dr. Weizmann sprach hierauf über die gegenwärtige Lage in Palästina und über das Ziel der zionistischen Arbeit. Er stattete Bernard Baron einen warmen Tribut für seine verständnisvolle Mithilfe ab und erklärte, daß er dadurch optimistisch der schweren Arbeit in Amerika entgegensehe. Hat doch bisher nur ein relativ kleiner Teil der amerikanischen Juden — 15 Prozent — sich für die Mitarbeit an der Palästinaarbeit wirklich aktiviert. Der Rest muß von unserem Appell noch erreicht werden. Die Zionistische Organisation ist geduldig, weil sie auf ihren Erfolg vertraut. Keine vorübergehende Krisis kann sic von ihrem Weg ablenken. Es muß möglich sein, soviel Mittel aufzubringen, um in zehn Jahren die Ansiedlung einer solchen Anzahl von Juden durchzuführen, daß unser Werk auf sicheren Grundlagen steht. Dr. Weizmann erwähnte auch die jüngst durch die Presse verbreitete Kritik Prof. Franz Oppenheimers, und sagte, die Exekutive verfolge selbst die Entwicklung mit wachsamem Auge und sei entschlossen, aus allen Erfahrungen zu lernen, ln einem aber sind Freund und Feind, Fachmänner und Touristen, Juden und Nicl.tjuden, die Palästina besucht haben, sich doch einig: der Fortschritt der jüdischen Arbeit in Palästina ist nicht zu übersehen. Wir werden, schloß Dr. Weizmann, unseren Weg weitergehen, trotzdem wir die Schwierigkeiten wohl kennen, die in unserem Volke liegen, die das Land mit sich bringt und die sich aus der gegenwärtigen Konstellation in der ganzen Welt ergeben. Nach Dr. Weizmanns Rede wurden noch einige weitere Reden gehalten. Lord Balfour, der Staatssekretär für die Kolonien Araery , und Sir Alfred Mond hatten warme Begrüßungen geschickt. Der Betrag von 25 000 £ wurde vom Hauptbüro des Keren Hajessod sofort nach Jerusalem weitergeschickt — ' nebenbei der letzte Akt der Tätigkeit des Londoner Hauptbüros des Keren Hajessod. * Dr. Chaim Weizmann hat am 23. d. M., abends, an Bord der ״Berengaria“ von Cherbourg aus die Reise nach den Vereinigten Staa'en angetreten. In se'ner Begleitung befinden sich Dr. Cb. Arlosoroff und Prof. Dr. Brodetzky. Paris, 23. Oktober (J. T. A.) Der Außenminister Frankreichs, Aristide Briand, empfing heute den Präsidenten der Zlonistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, der von dem Deputierten Leon Blum begleitet war, in einer mehr als andcrthalbstündigen Audienz. Briand drückte zum Schluß das tiefste Interesse und die wärmste Sympathie Frankreichs für die zionistische Arbeit und den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina aus. Zur Llnderunß der Krise Warschau, 19. Oktober (J. T. A.) Die Exekutive der Zionistischen Organisation in Polen erhielt von der zionistischen Weltexekutive die Verständigung, daß aus den zionistischen Fonds eine Unterstützung von 1000 £ und ein Darlehnsfonds von 5OQ0 £ zwecks Hilfe an jüdische Ein w anderer aus Polen, die unter der Wirtschaftskrisis zu leiden haben, zur Verfügung gestellt worden ist. •sftiFrus'Bl//// Politischer Tee bei Freiherr«! v. RIcMiiole■ Der Dirigent der Orient-Abteilung des Auswärtigen Amts, Freiherr v, Richthofcn, halte für den 21. Oktober anläßlich der Anwesenheit des Präsidenten der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, Herrn Nahum Sokolow in Berlin eine Anzahl führender Persönlichkeiten der Politik, Wirtschaft und Presse in seine Wohnung geladen. Herr Sokolow sprach auf Einladung des Hausherrn über die ideologischen Grundlagen der jüdischen Palästina-Kolonisation und über ihre Position in der internationalen Politik. Man bemerkte unter den Zuhörern neben einer Anzahl hoher Beamter des Auswärtigen Amtes Persönlichkeiten wie Graf Bernstorff, P'rof. Dr. Hoetzsch, Direktor Oskar Wassermann, Generalkonsul Eugen Landau, Alfred Kerr u. a. m. Herr Sokolow bemerkte einleitend, er müsse um Nachsicht bitten, er sei Sanatoriumspatient־, die Aerzte hätten ihm verboten, Reden zu halten. Er wolle aber die an ihn ergangene freundliche Einladung nicht ganz ausschlagen und in zwangloser Form manches, was ihn bewegt, sagen. Er sei jetzt dabei, ein Lebenswerk zu vollenden: eine mehrbändige Enzyklopädie der hebräischen Sprache. Etes soll nicht ein Thesaurus nach dem Muster von Ben-Jehuda sein, sondern ein Hilfsmittel für Forscher, Gelehrte und Schriftsteiler sowie alle diejenigen, die neue Gedanken und Forschungsergebnisse in hebräischer Sprache ausdrücken wollen. Herr Sokolow ging sodann auf die geistige« Grundlagen des Jüdischen Nationalheims ein. Versuche zur materiellen Lösung der Judennot seien oft unternomraen worden; sie konnten nie ganz gelingen, weil das seelisch-geistige Moment nicht genug berücksichtigt worden war. Versuche, Juden als Landwirte in eine ihnen fremde Sphäre, in einen fremden Organismus einzupflanzen, lösten bet der übrigen Bevölkerung natürliche Reaktionen aus. Es sei klar, daß dies die Juden oft geneigt mache, zur Stadt zurückrukeliren, sobald sich die Verhältnisse dort für sie günstlger gestaltet hätten. Anders in Palästina, wo der Ackerbau das Grundelemeat des Aufbaus sei. Bezüglich der Wirtschaftskiise in Palästina bemerkte der Redner, daß es durchaus richtig sei, daß in letzter Zeit die .Entwicklung des Aufbauwerks eine gewisse Verzögerung erfahren habe; sie sei damit zu erklären, daß infolge der Judennot m Polen und in anderen Ländern ein plötzliches Zuströmen nicht vorbereiteter Elemente erfolgt sei. ln manchen Monaten des Jahres 1925 seien bis 40M Einwanderer monatlieh ins Land gekommen. Das konnte das kleine erst im Aufbau begriffene Land nicht vertragen. Manche müssen jetzt die Rückwanderung antreten. Daß sei gewiß zu bedauern, aber eine ernstliche Störung des eigentlichen Aufbauwerks daraus resultiere nicht. Zum Schluß kam Sokolow auf die internationalen Voraussetzungen und Wirkungen des jüdischen Nationalheims zu sprechen. Die Ergebnisse der jüdischen Arbeit konnten auf die Welt nicht ohne Wirkung bleiben. Der Völkerbund, dem die Mandatarmächte unterstellt seien, muß anerkennen, daß das Mandatsterritorimn Palästina in jeder Hinsicht größere Fortschritte gemacht habe als alle anderen Mandatsländer. Er müsse anerkennen, daß der Träger des Friedens eben jenes erlesene Element sei, das nach Palästina zieht, um dort friedlicher Arbeit zu leben. Jetzt, wo der von allen Fortschrittsfreunden ersehnte Moment eingetroffen und Deutschland in den Bund der Nationen eingetreten sei, wo es einen seiner Größe und Bedeutung entsprechenden Platz einnimmt, hoffen die Freunde des Jüdischen Natkmalhelms, daß auch Deutschland innerhalb des Völkerbundes sie unterstützen werde. Wir Zionisten, fügte Herr Sokolow hinzu, belästigen nicht oft den Völkerbund. | Man hört wenig Klagen und Beschwerden von uns: wir arbeiten. Aber in der Anerkennung dieser unserer friedlichen Arbeit hoffen wir auf Deutschlands Unterstützung. Ke Anwesenden folgten lautlos und gespannt den in ihrer ruhigen und anspruchslosen Art besonders eindringlichen Aus-;ahrungen Sokolows und standen offenbar im Bann der Darlegungen und der Persönlichkeit des Vortragenden. Ein zwangloses geselliges Zusammensein vereinigte die Gäste längere | Zeit im Hause Richthofen. Zum Agency-Problem Dr, Weizmann hat seine Reise nach Amerika angetreten, begleitet von den Wünschen aller Zionisten, die genau wissen, wieviel für das jüdische Nationalheim von dieser Reise abhängt. Die amerikanische Judenheit ist die einzige jüdische Gruppe, die imstande ist, die für die Errichtung der jüdischen Heimstätte notwendigen materiellen Mittel beizustellen. Auch in Europa ist noch viel Geld in jüdischen Händen, aber mit wenigen Ausnahmen, die um so ruhmvoller in der jüdischen Geschichte verzeichnet bleiben werden, hat das jüdische Großbürgertum Westeuropas die Sache der jüdischen Erneuerung bisher im Stich gelassen. Ganz anders ist es in Amerika, wo der Durchschnitt der Juden in weit besseren Verhältnissen lebt als in dem vvirtschaftlich verwüsteten Europa, und wo außerdem auch die Oberschicht starke jüdische Interessen hat und sich freier fühlt in ihrer jüdischen Betätigung als ihre Standesgenossen in der alten Welt Dr. Weizmann hat das große Verdienst, in den Jahren nach dem Kriege die Herzen der amerikanischen Juden für Palästina gewonnen zu haben. Und nicht nur die Massen des Volkes haben ihm zugejubelt und sich auch materiell — wenn auch lange noch nicht in der angemessenen Höhe — an dem Palästinawerk durch den Keren Hajessod beteiligt, sondern auch die Oberschicht, soweit sie organisatorisch erfaßbar ist, hat sich in immer stärkere!« Maße für den Gedanken der jüdischen Renaissance im Lande der Väter erwärmt und die führenden Kreise des Jdint Distribution Committee hatten eine Zeitlang offenbar die Absicht, Palästina zum zentralen Gebiet der jüdischen öffentlichen Tätigkeit in Amerika zu machen. Verschiedene Gründe, die wir wiederholt au: verhindert. Einer der wirtschaftliche Zusam eine Erneuerung der Joint-Arbeit für Osteuropa erforderlieh machte. Dennoch haben die Joint-Führer, vor allem Louis Marshall, der vor drei Jahren die überparteiliche Palästina-Konferenz einberufen hat, den Palästina-Gedanken nicht aufgegeben. Aber die Erweiterung der Jewish Agency für Palästina ist trotz der dem amerikanischen Vorschlag entsprechenden Beschlüsse des letzten Zionistenkongresses nicht zustande gekommen, und die neue Joint-Kampagne geriet in die bei konkurrierenden Geldsammlungen unvermeidlichen Unstimmigkeiten mit der Palästina-Kampagne. Noch im Sommer war das Verhältnis der beiden Gruppen sehr gespannt, wovon der scharfe Briefwechsel zwischen dem Leiter des Joint- Drives, Mr. Brown, und dem Leiter des Palästina-Drives, Emanuel Neumann, Zeugnis ablegte. Der Apparat des Joint arbeitete zweifellos nicht immer in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der Konferenz von Philadelphia, die den Rang Palästinas innerhalb der jüdischen Arbeit anerkannt hatte. Natürlich dürften auch manche Organe des zionistischen Drives in begreiflichem Eifer für Palästina sich zuweilen in der Kampfesweise vergriffen haben. Solche Konflikte und Reibungen sind unvermeidlich, es ist aber erforderlich, daß die geistigen Führer beider Gruppen das höhere Ziel vor Augen behalten und auch die Zwischenfälle nicht zu tragisch nehmen. Die verantwortlichen Führer des Joint haben bei allen ihren Konferenzen Erklärungen der Sympathie für das Palästina-Werk abgegeben. So war es vor einem Jahre in Philadelphia, so war es später in Baltimore, wo Marshall auf der Palästina-Konferenz sprach, und so war es auch bei der letzten Konferenz des Joint in Chicago, über die war unlängst berichtet haben. Leider muß gesagt werden, daß diese Erklärungen, so wertvoll sie auch sind, bisher rein akademisch waren. Die große positive Leistung für Palästina, die man nach all den Reden zu erwarten ein Recht hatte, ist ausgeblieben. Nicht einmal die Palestine Investment Corporation, deren Gründung bereits vor Jahren proklamiert wurde, und die geradezu den Anspruch erhob, ein neues System der Palästina-Arbeit zu schaffen, ist bisher aktiviert worden, obwohl gerade im letzten Jahre für eine geschäftlich arbeitende, aber doch den Aufbauzweck berücksichtigende kapitalstarke Gesellschaft Betätigungsmöglichkeiten in Fülle vorhanden gewesen wären. Dieses Versagen der Marshall-Gruppe in der praktischen Arbeit hat dazu beigetragen, die Stimmung in den zionistischen Kreisen, die besonders in Amerika vor drei Jahren außerordentlich positiv für eine Zusammenarbeit war, schwankend werden zu lassen. Dies muß gerechterweise auch von der Gegenj seite gewürdigt werden. Die Zionisten haben an ihrem Vorschlag einer Kooperation durch Erweiterung der Jewish Agency loyal festgehalten, dennoch ist die Sache;einandergesetzt haben, haben dies menbruch des Ostjudentums, der

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