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Jüdische Rundschau · 1926-10-15 · Heft 81 (15.10.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 81 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 578 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81 gelangen. Es ist auch möglich, in diesem Augenblick die Zerrissenheit des Ich zu überwinden und nicht mir seine simultanen Teile, sondern auch sein sukzessives, sein bisheriges Werden zu einer höchsten Einheit zu verdichten, aber.... Aber es ist nicht möglich ~ so scheint es mir wenigsfens — zu;; E r I e b n i s - E i 11 h e i t die Einheit des erlebten ,,Was“, also des Gegenstandes zu erlangen. Und auch hier tut Einheit not. Die Üebenvindung der Duaiitat von Ich und Gegenstand ist nicht der Weg zur Einheit des Gegenstandes. An dieser Stelle entstehen gewisse konkreie Zweifel gegenüber der Buberschen Lehre; es droht da bei höchster Einheit des Ich und höchster Einheit des Erlebnisses die Atomisierung des Universums. Es gibt eben meiner Ansicht nach zwei große Einhcitstendenzen in der menschlichen Seele, die nach der Einheit des Erlebnisses und die nach der Einheit des Gegenstandes*). Im Leben der Menschen, der Völker und der Zeiten besteht ein Kampf dieser beiden Tendenzen, die in einem tragischen Gegensatz zueinander stehen. Trotzdem bleibt als höchstes Ziel der immer erneute Versuch, zu einer letzten Einheit dieser beiden widerstrebenden Einheitstendenzen zu gelangen. Es ist keine Frage, daß die große Sünde unserer westliehen Kultur und auch unseres heutiger! jüdischen Seins eine Ucberschiitzung der Einheit des Gegenstandes und eine Unter- Schätzung der Einheit des Erlebnisses ist. Das bedeutet im Grunde unsere wissenschaftliche Kultur, die Herrschaft der Abstraktion, der Technik, der Organisation und unser Fernsein vom wahren Leben; die Trennung von Geist und Wirklichkeit. Vielleicht liegt darin der Grund, daß wir so schwach geworden und in ein Scheindasein gesunken sind. Ruber ist der große Rufer zur Einheit des Erlebnisses. Das ist der tiefste Sinn seiner Lehren. Darin liegt seine säkulare Redeuiung für das Leben des jüdischen Volkes. Bficherschau Prof. Dr. Alfred Lehmann, Aberglaube und Zauberei. Von den ältesten Zeiten an bis in die Gegenwart. Dritte deutsche Aufl. Nach der 2. dänischen Auf), übersetzt und ergänzt von Dr. Petersen I. Mit 4 Tafeln und 72 Textabbiidg. Lex8° .״, XVI und 752. Verlag von Ferdinand Enke, Stilltgart 1925. — 28 M. Der vor 5 ]fahren verstorbene dänische Forscher hat hier eine psychophysische Analyse der modernen okkulten Phänomene gegeben, in einer Zeit der Hochblüte des Spiritismus entstanden. Ist schon dieser Teil der Arbeit, für populäre Zwecke angelegt, von größtem Interesse, so gewinnt das Buch noch an Bedeutung durch den historischen Teil, der eine Geschichte der Magie und der magischen Wissenschaften bei allen Völkern gibt. Den Ausgangspunkt bilden die alten ״Chaldäer“, die die bei den Naturvölkern schon als die primitivste Regung des Geistes vorhandene Magie zu einem religi- Ösen System ausbildcn. Sie dringt auch zu den Israeliten, die jedoch als einziges Volk des Altertums jede Form der Magie in ihrer Religion verwerfen. Das religiöse Verbot ist natürlich nur ein Beweis, daß Zauberei faktisch vorgekommen ist, was ja auch viele Stellen der Bibel beweisen (Hexe von Endor!). in späterer Zeit bildet sich unter verschiedenen Ein- Bussen die Dämonologie der Apokalyptischen Schriften und Hand in Hand damit ein Beschwörertum aus. Von hier aus führt die Linie direkt zur Kabbala, die im Mittelalter eine außerordentliche Rolle im Judentum gespielt hat und bis in .die jfiaate .Seit-weftawiricte. ׳■ Lehman» widmet sowohl dir' ״heiligen'^ Kabbala (Sefer Jezira) Sohär) als auch der ״praktischen“ Kabbala ausführliche Abschnitte. Durch ihre Ein- Stellung in den allgemeinen gcistesgeschichtlichen Zusammenhang erhalten wir auch auf diesem Gebiete ein Bild der Mit- Wirkung der Juden bei der Ausbildung des mittelalterlichen Denkens. Das Buch bietet eine Fülle von Aufschlüssen und Anregungen über eines der schwierigsten Gebiete des mcnschliehen Seelenlebens. tr. Leo Tolstoj, Briefe an seine Frau. Herausgeg. v. Dmitrij Umanskij. Eingel. v. Tatjana Suchotina-Tolstaja. Paul Zsoi- 11 av, Verlag, Wien, 1925. Dies wahrhaft erschütternde Buch zeigt einen sehr großen religiösen Menschen unseres Zeitalters in seinem nie ruhenden Kampf um die Verwirklichung des Guten. Gegen alle Widerstände der Materie will er aus Leben und Idee eine Einheit machen; die Widerstände verkörpern sich ihm in seiner Frau, die er liebt, die ihn aber doch an das Weltliche stärker bindet als er zuletzt erträgt. Letzte Aufrichtigkeit, Suchen der Wahrheit, unbestechliche Selbstprüfung sind die Merkmale des Ringens dieser maßlosen Seele, das durch diese Briefe uns im Innersten anrührt. Sinai und Garizlm, das Werk von M. J. bin Gorion, dessen einzelne Lieferungen wir jeweils angezeigt haben, liegt jetzt fertig vor. Es beschäftigt sich mit der Frage nach dem Ursprung der israelitischen Religion und stellt dem Sinai der Wüste den den Samaritanern heiligen Berg Garizlin gegenüber. Zur Beweisführung wird zum erstenmal die eigene jüdische Ueberlieferung, wie sie im rabbinischen Schrifttum niedcrgelegt ist, herangezogen. Der Morgenland-Verlag, Berlin-Friedenau, Laubachcr Str. 16 (Tel. Rheingau 97) versendet auf Verlangen ausführliche Prospekte über das Werk. Der neue Brockhaus, Handbuch des Wissens in 4 Bänden (jeder Band in Halbleinen Rm. 21,-—), dessen ersten Band wir unlängst aiizeigten, legt nun den zweiten vor (F—K), der dieselben Vorzüge aufweist wie der erste. Dieser Band enthält die Artikel ״Israel‘(, ״Juden‘(, ״Jüdische Literatur“ usw־., alle knapp und sachlich informierend gehalten. Das gleiche gilt von Artikeln wie ״Kapitalismus“, ״Kollektivismus“, ,״Kommunismus“. Sehr zu begrüßen sind die zahlreichen trefflichen Uebersichten. Wer nennen nur: ״Frauenfrage“, ,,Genossenschaften“, ״Gewerkvereine“.; ״Jugendbewegung“. Ein besonderes Ehrenblatt bilden die belehrenden medizinisehen Artikel. Die Tafel ,,Karikatur“ zeigt, daß auch die alten Aegyptcr im Spott nicht vor ihren mächtigen Herrschern haltmachten. In die Gaunersprache, das Rotwelsch, werden wir eingeweiht, wenn z. B. der ״Fleppenmelochner“ mit einem ״Klingelfahrer“ Im ״Kaff“ beim ״Kümmelblättchen“ sitzt; und der parlamentarische ״Hammelsprung“ mit vorausgegangenem ״Kuhhandel“ wird uns klargemaent, ebenso wie der Ursprung des Namens ״Fiaker“. Bundesblätter des Techeleth Lawan. Der jüdische Jugendbund Techeleth Lawan gibt seit letzter Zeit Bundesblätter heraus, die an alle Freunde der jüdischen Jugendbewegung gegen Voreinsendung von 50 Pfennigen an die Hanhafath Techeleth Lawan, Neu-Titschein (Tschechoslowakei), Teichgartengasse 25, versendet werden. •) Ich habe den Kampf dieser beiden Tendenzen — Erlebnis und Intention — u. a. auch in meinem Buche ״Gnade und Freiheit“ ausführlich dargestellt. Presse-Schau Im ״J ü d i s c 11 e!1 W o c h e n b 1 a 11“ (Frankfurt a. M.) veröffentlicht Dr. Ernst Simon einen bemerkenswerten Aufsatz ״Abwehr des Antisemitismus“, der eine Anzahl von Abwehrschriften des Philo-Vcrlags •bzw. des C.-V. bespricht. Darunter ist auch eine Broschüre"von Oberstudiendirekter K. Müller, Potsdam, über die Simon bemerkt: ״Es scheint überhaupt gefährlich, sich von Nichtjudei! in unserem Kampf verteidigen zu lassen. Dr. Müller antwortet auf die von ihm zuerst inhaltlich wiedergegebene Forderung der völkischen Schrift mit folgenden, in einer Publikation des Central-Vercins geradezu unglaublichen Worten: Auch der Verfasser kann der Osteinwanderung keinen Geschmack abgewinnen und auch er meint, daß diese gehindert werden muß. waren die verantwortlichen Leiter der großen Abwehrorganisation so erfreut über die Mitarbeit eines Nichtjuden, daß sie dessen Arbeit ungelesen akzeptiert haben? Oder — und dies wäre die schlimmere Möglichkeit — identifizieren sie sich wirklich mit dieser Aeußerung, die sicherlich subjektiv nicht antisemitisch gemeint ist, aber ebenso sicher antisemitische Wirkungen haben muß? Glaubt man wirklich noch, den Antisemiten dadurch entgegentreten zu können, daß man zwischen Juden und Juden Unterschiede macht und die einen für schütz.- bedürftig erklärt, während man den anderen ״keinen Geschmack abgewinnen“ kann? Und wenn schon, was wir nicht glauben möchten, die liberale Mehrheit des Central-Vereins wirklich in dieser Weise denkt, wo bleibt die konservative Minderheit.“ Und weiter heißt es über eine Schrift von. Fritz Fried- I ander: ״Wir müssen gestehen, daß cs uns mehr schmerzt, wenn Fritz Friedländer, offenbar ein junger deutscher Jude, solcher Meinung ist, als wenn der Herr Oberstudiendirektor die Ostjuden nicht leiden kann. Dies zweite zeigt nur einen bedauerlichen Mangel an Humanität und historischem Sinn, der gewiß niemanden zum Vorkämpfer in der Abwehr des Antisemitistnus geeignet macht, aber doch keine organisch-seefische Verkrüppelung bloßlegt. Der Jude aber, der so schief geworden ist, daß er seinen Bruder nicht mehr sieht, weil ihm seine Feinde sagen, er dürfe ihn nicht mehr sehen und der solchen sklavischen Gehorsam gegenüber dem gegnerischen Befehl noch dazu für Abwehr hält, dieser Jude Ist das eigentliche Opfer des Antisemitismus. Gegen seine Tragödie wiegen fast die Todesopfer der mittelalterlichen Scheiterhaufen leicht: denn dort war alle höchste Qual und jedes letzte Opfer doch nur die Gloriole des inneren Sieges; bei uns aber sind die Doktortitel und die Gleichberechtigung, die Abwehrorganisationen und die wissenschaftlichen Bücher nur allzu leicht Steine auf dem Grabhügel des lebendigen Judentums.“ ¥ Der Volkskommissar für Unterricht der Regierung der Sowjet-Union, Lunatscharski, veröffentlicht in der jiddisch-kommunistischen Tageszeitung ״Eines“ einen Aufsatz, in welchem er sich mit den Ursachen des Antisemitismus und den Mitteln zu dessen Bekämpfung beschaffigt. Er sieht zwei Ursachen des Antisemitismus: Erstens zeigen sich die Juden intelligenter und tüchtiger als die sie umgebenden Bevölkerungskreise. Die Furcht vor der jüdischen Konkurrenz wandelt sich bei der nichtjüdischen Mittelklasse und Intelligenz zu Haß. Zweitens sind die Juden überall eine Minderheit, und nicht nur die unzufriedenen Bevölkerungskreise, sondern auch die Regierungen sind geneigt, die Wehrlosen als Sündenbock für alles hinzustellen. Lunatscharski weist demgegenüber auf den großen Nutzen hin, den die Juden den Ländern, in denen sie leben, bringen. Es sei darum eine Pfßcht aller Kommunisten und aller Männer des Fortschritts. Intellulrtijdle wie Arbeiter - schreibt Lunatscharski weiter — mit allen Mitteln gegen die wilde Bestie, die den Namen Antisemitismus trägt, zu kämpfen. Dort aber, wo der Antisemitismus aggressiv auftritt und Unruhen erregen kann, müssen drastische Mittel zu seiner Unterdrückung ergriffen werden, (Warum schreibt L. das in einer jüdischen Zeitung? — Vielleicht um die Juden zu beruhigen. Jedenfalls ein Symptom des wachsenden Antisemitismus in Rußland. — A. d. R.) * - Itn ״Dawar“ vom 24. September macht H. Frumkin konkrete Vorschläge für die Vorbereitung eines Korionisationsprogramms. Er beantragt, daß auf einer besonderen Konferenz, welche von der Exekutive einzuberufen wäre, folgende Kommissionen gewählt werden: 1. Kommission zur Untersuchung der Boden probleme (Qualitäten, Preise und aller damit zusammenhängenden Fragen), 2. Kommission zur Ausarbeitung eines land Wirtschaftlichen Kokmisationsplanes für die nächsten zehn Jahre, unter Benützung des ganzen Materials der Boden- Kommission. 3. Kommission zur Untersuchung der Fragen der Groß■ und Kleinindustrie und des Handwerkers im Lande d. h. also vorbereitende Arbeit und Materialsammlung auf einem Gebiet, wo bisher alles planlos und ohne sichere Unterlagen geschah (Ausbeutung der Bodenschätze, Fragen der Handels- und Industriebilanz, Absatzfragen usw■). 4. Kommission zur Untersuchung der Fragen des Bau• wesens und 5. Kommisskm zur Untersuchung der Möglichkeiten für die Aufbringung von Geldern auf dem Wege der Anleihe und der Spenden. Ueber all diese Ausschüsse sei eine Zentralkommission zur Bearbeitung des allgemeinen Kolonisationsplanes einzusetzen, der unsere besten Köpfe und Sachverständige von außerhalb angehören sollen. Die Verwirklichung dieses Vor- Schlages verlangt von der Organisation zwar viel Zeit und Kräfte, aber die Stunde drängt, die Lage fordert Taten. Oeschieht nicht jetzt ein großes Werk, dann steht sowohl unserer als der ganzen zionistischen Bewegung ein Schicksal der Verkümmerung, des Bruderkrieges und des Hinschwindens bevor. Dr. Goldhammer macht in der ״Wiener Morgen- Zeitung“ Angaben über die Austrittsbewegung in der Wiener Judenhcit. Von 1911 bis 1923 sind in Wien 9450 Personen aus dem Judentum ausgetreten. Da Kinder unter 7 Jahren in der Statistik nicht enthalten sind, so kann man die Zahl der Ausgetretenen in der genannten Epoche auf 12 000 schätzen. Von diesen sind 48 °/0 zum Katholizismus, 25 °/0 zum Protestantismus übergetreten, der Rest hat sich als konfessionslos erklären lassen. In der gleichen Periode sind 2239 Personen zum Judentum übergetreten, unter ihnen 75 ״;« Frauen. Bei einem großen Teil der zum Judentum liebertretenden handelt es sich um solche, die in früheren Jahren aus dem Judentum ausgetreten waren. * Die allgemeine jüdische Arbeiterorganisation in Palästina gibt seit einem Vierteljahre in arabischer Sprache eine Zwei- Wochenschrift ״Atchat el Atnal“ heraus, das seit dem 1. August regelmäßig als Wochenblatt erscheint. Auch inhaltlieh ist das Organ ausgebaut worden. Die Zeitschrift soll den arabischen Arbeitern ein genaues Bild über die Bedeutung und die wirklichen Leistungen der jüdischen Arbeiter in Palästina geben. Aas der Berliner JOdischen Gemeinde Trotz der zurzeit noch vor den Staatsbehörden schwo benden Proteste gegen die Gültigkeit der Berliner Gemeinde, wählen trat am 11. d. Mts. die alte Repräsentantenversamm-1 hing zur Erledigung dringender Finanzvorlagen zusammen. Für die Jüdische Volkspartei wurde von Prof. Heinrich Loewe eine Erklärung abgegeben, daß die Jüdische| Volkspartei lediglich die am 16. Mai gewählte Repräsentanten. Versammlung für die gesetzmäßige Vertretung der Gemeinde 1 ansieht und den Wahlprotest der Staatsbehörde für unzulässig erklärt, weil sie mit der im Artikel 137 der Reichsverfassung I gewährleisteten Autonomie der Gemeinde im Widerspruch I steht. Die eingelegten Proteste hatten die Einberufung: der Repräsentantenversammlung nicht verhindern dürfen. Trotz dieses grundsätzlichen Standpunktes will sich die Fraktion I der Jüdischen Volkspartei der Beratung und der Beschhiß. fassung über die beiden für die heutige Sitzung der alten 1 Repräsentantenversammlung eingereichten Finanzvorlagen nicht widersetzen, damit eine ordnungsmäßige Beratungsführung i״ | der Gemeinde gewährleistet sei. Nachdem von liberaler Seite Herr Prof. Türk dieser! Erklärung der Volkspartei scharf entgegentrat, unterstrich der I Fraktionsvorsitzende der Volkspartei, Herr Dr. Klee, noch einmal den Standpunkt seiner Partei, daß die Sitzung Zweifel-1 los ungesetzlich sei, die Volkspartei aber im. Interesse der Gemeinde aus dieser Ungesetzlichkeit Folgerungen nicht herleiten wolle. Die vom Finanzreferenten des Gemeindevorstandes, Dir Kareski, vorgelegten Finanzprojekte wurden einstimmig angenommen. Es handelt sich um die Steuerquote, die auf 15 °/0 gehalten wurde, wobei weitgehende, aus | sozialen Gesichtspunkten entspringende Steuerbefreiungen der | unteren Stufen, die weit über die Freigrenze der staatlichen hinausgehen, vom Finanzreferenten beantragt wurden. I Weiter wurde eine Anleihe von drei Millionen Mark beschlossen. Die Vertreter aller Parteien sahen sich insbesondere durch 1 das für die Gemeinde besonders günstige Anleiheprogramm veranlaßt, dem Finanzreferenten die Anerkennung auszr sprechen. Zar Reichsornaulsation der deutsch« Jade■ Der in der Münchener Vertreterversammlung vom lß. Juli ' d. J. eingesetzte Unterausschuß zur Durchberatung des VerfassungsentWurfes für den jüdischen Reichsverband trat am 10. Oktober d. J. zu einer Beratung in Berlin zusammen. Die außerpreußischen Landesverbände waren vertreten durch Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer-München (Bayern), Herrn Regierungsrat Dr. Nördlinger -Stuttgart (Württemberg), Herrn Rechtsanwalt Dr. Pfälzerweinheim (Baden), Herrn Landgerichtsrat A 1terthum-Dessau (Anhalt), Herrn Rechtsanwalt Dr. S a 1 i n g e r - Dresden (Sachsen). Der preußische Landesverband war durch die Herren Justizrat Lilienthal, Herrn Galewski, Herrn Rabb. Dr. B a e c k vertreten, außerdem nahmen mit beratender Stimme die Herren Kammergerichtsrat Wolff, Justizrat Sonnenfeld, Justizrat Makower und Mittelschullehrer Stern an den Verhandlungen teil. Der Beratung zugrunde gelegt wurde ein abgeänderter Entwurf des Berichterstatters Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer-München vom 8. Oktober d. J. Dieser wurde mit einigen, Abänderungen im wesentlichen angenommen. Der nunmehr fertiggestellte Entwurf soll der Vertreter- Versammlung der Landesverbände, die zum 24. Oktober d. J. erneut nach Berlin einberufen ist, zur endgültigen Beschlußfassung vorgelegt werden. V«m preußischen Ltiiesverhaad Eine Sitzung der Mitglieder des engeren Rates des Landesverbandes soll zum 16. Oktober d. J. abends und eine Sitzung des großen Rates zum 17. Oktober d. J. einberufen werden. Einen wichtigen Punkt der Tagesordnung werden die Beratungen über den zu gründenden Reichsverband jüdischer Gemeinden bilden. Ferner wird über die Neuregelung und Vereinheitlichung der Judengesetzgebung verhandelt werden. Die Etats für die Jahre 1926 und 1927 werden zur Vorlage kommen. Für den Fall, daß die Tagesordnung an dem einen Tage nicht erschöpft wird, soll Fortsetzung der Beratungen am nächsten Tage oder eine neue Sitzung 14 Tage später in Aussicht genommen werden. Kleine Nachrichten Der Emir von Transjordanien, Abdull ah, besuchte die Ausstellung für den Nahen Osten in Tel-Awiw und unterhielt sich längere Zeit mit dem Direktor der Ausstellung, Herrn J. Gordon, Die ״Jiddische Stirne“ teilt mit, die litauische Regierung beabsichtige, den früheren Minister für jüdische Angelegenheiten, Dr. S. Rosenbaum, zum litauischen Konsul für Palästina zu ernennen. Herr Kuroki, der japanische Konsul in Port Said; stattete dem Büro der Exekutive einen Besuch ab und erbat sich zionistische Literatur zu seiner und seiner Regierung Information über die zionistische Tätigkeit in und außerhalb Palästinas. Er regte auch an, dem mexikanischen Konsul in Jerusalem solche Literatur zur Verteilung an japa• nische Besucher von Palästina zur Verfügung zu stellen. Herr M. Ussischkin, der ttorsitzende des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds, ist nach Jerusalem zurückgekehrl und hat sofort die Arbeit im Hauptbüro des Fonds wieder aufgenommen, wo man jetzt die Vorbereitungen für die silberne Jubiläumsaktion trifft, die zu Chanukkah beginnen soll. Die Beamten der Finanzabteilung ,des Keren Hajessod sind aus London in Jerusalem eingetroffen und haben ihre Tätig• keit in dem im Pasteur-Institut (Suleiman-Road) gelegenen Büro des K. H. bereits aufgenommen. Die Generalversammlung der Deutschen Friedens-Ge- Seilschaft, die sich an den Heidelberger Pazifisten-Kongreß anschloß, nahm eine Entschließung an, die es allen Orts• gruppen der Friedensgescllschaft zur Pflicht!nacht, den Antisemitismus auf das schärfste zu bekämpfen. Es wurde bestimmt, daß alle offiziellen Verfügungen und Proklamationen, die in Zukunft in Wilna und im ganzen Distrikt erlassen werden, in polnischer und jiddischer Sprache zu erscheinen haben. Das völkische (!) Reisebüro ״Süd-Ost“ arrangiert eine Touristenreise österreichischer und bayerischer Antisemiten nach Palästina, die mit den deutschen Kolonien in Verbindung treten wollen. Die russischen orthodoxen Kreise in Palls t i n a sind beunruhigt über die Nachricht, daß das griechische orthodoxe Patriarchat die ״Lebende Kirche“ in Sowjet-Rußland, die von der jüngeren bolschewistenfreundlichen Geistlichkeil geschaffen worden ist, anerkannt hat. Die russischen Ortho• doxen befürchten, dies werde der russischen Regierung das Recht verleihen, die Rückgabe des russischen religi- Ösen Eigentums in Palästina zu verlangen und durch zu• setzen.

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