Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 80 (12.10.1926)
- Date
- 1926-10-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 568 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. m Nr. 80 Kopf des Oberpräsidenten hinweg, zu dem man kein Vertrauen mehr hatte, sich an den Minister zu wenden. Eine schriftliche Begründung für die Beschwerde wollte man nicht geben, vielmehr um eine Audienz bitten und die Herabwürdigung der Ostjuden lieber mündlich besorgen. Man wählte eine Deputation. Der nach Westfalen atisgewanderte Vorsteher der Gemeinde sollte die Führung wohl deshalb übernehmen, weil er aus seiner masurischen, einen Steinwurf von der polnischen Grenze entfernten Heimat die polnischen Juden am besten beurteilen konnte, und er sollte begleitet werden von einem Herrn, der inzwischen aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten ist. Man bat den Minister, den Empfang auf einen Sabbat des Monats September oder Anfang Oktober anzusetzen und war voller Hoffnung. Aber, ach, die Erwartungen erfüllten sich nicht. Da tat man einen Verzweiflungsschritt. Gewiß hatte man bisher alles getan, um im stillen zu wirken und hatte durch widerrechtliche Wahl der Sitzungstermine, durch Einsetzung von Unterausschüssen die Verborgenheit gesucht. Man mußte aus der Vereinzelung heraus. Der Klal-Gedanke regte sich, man bedurfte der Hilfe, ein konzentrischer Angriff mußte die Ostjuden zu Fall bringen, das ganze Industriegebiet sollte es sein. Man versandte an die jüdischen Gemeinden dieses Schreiben: Synagogengemeinde Dorsten in Gladbeck. Gladbeck, den 30. Sept. 1926, An den Vorstand der Synagogengemeinde fn der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogen-Hauptgemeinde Dorsten am 27. September 1926 ist folgender Beschluß getaßt worden: ״Es wurde Mitteilung über den Stand der Angelegenheit, betreftend Neuwahl der Repräsentanten, gemacht. ״Ein Schreiben des Geheimen Oberregierungsrates Paul in Berlin vom 16. Juli 1926 wurde bekanntgegeben. Zur .weiteren Bearbeitung der Angelegenheit wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren: Zwilienberg, Hermann, Eichengriin und Faßbender, gewählt. Es ist zu empfehlen, diese Ange- Jegenheit mit verschiedenen anderen Synagogengemeinden, wie Recklinghausen, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Oberhausen, Duisburg, Herne, Wanne, Mülheim-Ruhr, Eikel, Altenessen und Hamborn, zu besprechen und dann weiter zu verfolgen. Als Ort der Besprechung käme vielleicht Wanne in Frage.“ Es handelt sich um eine Statutenänderung und eventuell um eine Aenderung des Judengesetzes vom 23. Juli 1847, um zu verhindern, daß die ausländischen Juden im Vorstand und bei den Repräsentanten die Oberhand gewinnen, was auf die Dauer im Industriebezirk ohne Aenderung der maßgebenden Bestimmungen nicht zu verhindern ist. Dieserhalb schweben seit langer Zeit Verhandlungen bei der Regierung in Münster und beim Herrn Kultusminister in Berlin, die bisher noch nicht zum Abschluß gebracht werden konnten. Die Angelegenheit drängt. Ich bitte daher um umgehende Mitteilung, wo und wann Ihnen eine Besprechung dieser Angelegenheit, die auch im dortige« Interesse liegt, wiinsciienswert erscheint. Ich werde dann eine Sitzung an beraumen , Ort» 1 •»g und M1״jde geholt mlttffiey. _ ׳;, Mit Hochachtung! (L S.) gez. Fr. Zwilienberg. Von diesem Schritt erhofft man nun den gtwünschten Erfolg׳. Ke Ostjudengefahr ist an die Wand gemalt: die armer! Westjuden müssen sich •der 08tjüdischen Vergewaltigung erwehren. Wenn den Minister alle Westjuden des Bezirks um Hilfe anflehen, wird er Erbarmen haben und Gnade vor Recht ergehen lassen, ln diesem ,,gefährlichen“ Bezirk gibt es eine einzige jüdische Gemeinde, in der zwei ostjüdische Repräsentanten sitzen, in andern ist nur einer oder keiner, und die Nichtliberalen Dorstens wünschten im vorigen Jahre auch nur eine kleine Minorität in der Vertretung zu ftöben. Gleichwohl, man fürchtet sich... Trotz allem, was wir schon erlebt haben: Wir können uns nicht denken, daß die eingeladenen Gemeinden soviel Solidaritätsgefühl entwickeln, um an der Blamage der Synagogenhauptgemeinde Dorsten teilzunehmen. Wir sind keine Freunde von Heimlichkeiten. In voller Oeffentlichkeit soll hier bekanntgegeben werden, was unter den deutschen Juden immer noch möglich ist, zum warnenden Exempel, damit die verantwortlichen Stellen, vor allem der Preußische Landesverband, die erforderlichen Kautelen für die Zukunft schaffen. Ob die jüdischen Organisationen, der Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die Vereintgung für das liberale Judentum, die Bne-Brith-Logen das Verhalten ihrer Dorstener Freunde mit den von ihnen proklamierten Grundsätzen glauben in Einklang bringen zu können, werden sie selbst zu prüfen haben. Eine Kriegierliienug Der Londoner ״J ewish Chronic!e“ brachte kürzlieh einen Artikel mit Kriegsreminiszenzen, worin er erwähnt, er sc i das erste Blatt gewesen, das die Oeffentlichkeit über die Evakuierung russischer Juden in den russischen Grenzprovinzen unterrichtet hat, Darauf richtete Herr Leo Herrmann in London eine Zuschrift an das Blatt, der wir folgendes entnehmen: ״Die ,Jüdische Rundschau‘ veröffentlichte bereits am 25. Juni 1915 genaue Berichte über die Austreibung von 280 000 Juden aus den Gouvernements Kowno, Kurland unci Suwalki. Da ich vom Herbst 1914 bis Frühjahr 1919 Redakteur der ,Jüdischen Rundschau‘ war, kann ich bezeugen, daß die Berichte von zuverlässigen Gewährleuten stammen... Vielleicht darf ich auch darauf Hinweisen, daß die Jüdische Rundschau‘ mit gleicher Offenheit Akte der Ungerechtigkeit, die von der deutschen Militärverwaltung in den besetzten russischen Gebieten verübt wurden, angrift, und daß sie sich darin unterschied von gewissen jüdischen Zeitungen in den verschiedenen Ländern, welche während des Krieges es vorzogen, lieber den Antisemitismus im Ausland anzugreifen als den im Inland. So wie Sie damals für Ihre Enthüllungen mit Bestrafung bedroht worden sind, so ist auch der Redakteur der ,Jüdischen Rundschau‘ mehr als einmal verwarnt und bedroht worden.“ Juden und Deutsche in Posen Von Dr. Max KoUensdier Es gibt kaum ein In seiner inneren Gedanken folge und seiner praktischen Auswirkung so widerspruchsvolles Dokument wie den Friedensvertrag von Versailles. Er schafft einerseits die Satzungen des Völkerbundes und regelt andererseits die Grenzen Deutschlands und seine innen- und außenpolitische Stellung auf Grund des berüchtigt gewordenen einseitigen Diktats. Hier also die Förderung der Zusammenarbeit unter den Nationen, die Gewährleistung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit; dort der stärkste Rückfall in die alte Sphäre einer einseifigen, durch keine Rücksicht auf Frieden und Versöhnung eingeschränkten Machtpolitik. So hat jede der beiden großen völkerpolitischen Richtungen in dem einen Teil der Verträge den Ausdruck seiner eigenen Weltanschauung gefunden. Auch unsere deutschen Haß- und Revanchepolitiker müßten sich zwar mit dem Geiste der übrigen Bestimmungen des Versailler Vertrages sehr wohl abfinden — wenn nicht gerade Deutschland in dem letzten Weltkriege der unterlegene Teil gewesen wäre — um so entschiedener aber bekämpfen sie den Völkerbund. Aus dieser grundsätzlichen Einstellung ergibt sich der Haß gegen Wirth und Rathenau, die die Erfülfungs- und Versöhnungspolitik begonnen haben, die UnVersöhnlichkeit gegen Locarno, der Unwille über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die Unzufriedenheit mit den Verhandlungen von Thoiry. Von dieser Seite aus ist für die modernen, im Judentum ' allerdings uralten Anschauungen von der Versöhnung der Völker und von der friedlichen Austragung aller Streitfragen kein Verständnis zu erwarten. Darum darf man sich aber auch nicht darüber wundern, daß diesen Politikern die Frage des Rechtes der Minderheiten ein unerforschtes Gebiet geblieben ist, zu dem sie keinen Zugang gewinnen können und wohl auch nicht gewinnen wollen. Sind doch die Minderheitsrechte für das nationale Leben innerhalb eines Staates nichts anderes als die Satzungen des Völkerbundes für den Verkehr der Staaten untereinander. Wer für das Völkerrecht nur Krieg als ultima ratio kennt, wird auch die Rechte der Minderheiten als Mittel zur friedlichen Lösung innerstaatlicher Differenzen nicht ansehen können. Diese grundsätzlichen Bemerkungen glaube ich vorausschicken zu müssen, bevor ich den Kritikern eine Antwort cbe, die in jüngster Zeit mein im vorigen Jahr erschienenes uch über den Jüdischen Volksrat in Posen einer Besprechung in der deutschen Rechtspresse unterzogen haben. Die Kritik mußte schief sein, weil zwischen meinen Kritikern und mir der Gegensatz einer Weltanschauung klafft. Der Jüdische Volksrat in Posen war nichts anderes als eine Organisation für die Erlangung und Ausübung von Minderheitsrechten. Er war notwendig geworden, nachdem in Posen Nationalitätenkämpfe entbrannt waren, das Land in den Strudel der nationalen Kämpfe gerissen war und es sich nur darum handeln konnte, die friedlichen Mittel zur Lösung zu finden. Was die überwältigende Mehrheit der Juden in Posen in jener Zeit geschaften hat, war durch die klare Erkenntnis der wahren Sachlage geboten. Wer freilich, wie die deutschen Rcchtskreise, von einer Versöhnung der Nationalitäten innerhalb eines Staates nichts hält, wer, wie es die ״Kreuz-Ztg.“ tut, auch jetzt noch die alte preußische Polenpolitik mit ihrer ausgesprochenen Tendenz zur Unterdrückung der polnischen " Kultur verteidigt, konnte kein Verständnis für ein« Regelung im Sinne der Gewährung von Minderheitsrechten gewinnen und lccnrt deshalb auch׳' de« tfolksräte«׳ die1 Daseinsberechtigung •nicht zusprecheu. ־Damals afierdtegs war die Frage der Minderheits rechte weder praktisch durch Gesetz und Verträge gelöst, noch grundsätzlich soviel erörtert wie in der Gegenwart. Wenn die Posener Juden trotzdem ohne Vorbild den . rechten Weg gefunden haben, so kann ihnen daraus kein Vorwurf gemacht werden. Nicht der hat unrecht, der eine vorausschauende Politik treib!, sondern der, der die Zeichen der Zeit nicht versteht. Heute besteht für keinen einsichtigen Deutschen ein Zweifel daran, daß es für die Minderheiten in Polen keine bessere Verteidigung ihrer Rechtsstellung gibt als die Minderheitsrechte, die sie zu wahren und auszubauen haben. Darum bilden heute Juden und Deutsche eine gemeinsame Front und kämpfen als nationale Minderheiten in einem geschlossenen Block gegen die gemeinsamen Widersacher. Eine bessere Rechtfertigung der Politik des Jüdischen Volksrates in Posen kann es nicht geben. Daß diese Einsicht schon in den Novembertagen 1918 zwar den Juden in Posen gekommen ist, nicht aber den damals maßgeblichen deutschen Kreisen, braucht kein Zufall zu sein. Diese waren jeder Selbständigkeit zu sehr entwöhnt, zu sfark noch in dem Machtdünkel des alten preußischen Staates befangen, um in der Zeit der Not fähig zu sein, ihre Geschicke in die eigene Hand zu nehmen. Wir Juden haben deshalb, was ich in meinem Buche hervorgehoben habe (Seite 29, 30) den führenden deutschen Kreisen erst die Augen öffnen und ihnen den Rat erteilen müssen, auch ihrerseifa einen deutschen Volksrat zu gründen, der parallel mit uns die Gewährung der Minderheitsrechte fordern sollte. Auf unsere Anregung ist die rechtzeitige Gründung _ dieser deutschen Schutzorganisation zurückzuführen. Damit ist der sicherste Beweis dafür erbracht, daß es uns nicht darauf ankam, irgend etwas gegen das Deutschtum zu unternehmen, sondern daß wir im Gegenteil schon damals der festen lieberzeugung waren, die durch die geschichtliche Entwicklung gerechtfertigt ist, daß Deutsche und Juden nur das eine gemeinschaftliche Interesse hatten und verfolgen mußten: durch Minderheitsrechte für alle Zukunft ihre sprachliche, religiöse und kulturelle Freiheit und Selbständigkeit zu sichern. Wenn die ״Kreuz-Zeitung“ den Vorwurf erhebt, wir hätten ״den deutschen Staat und die deutsche Kultur im Augenblick höchster Gefahr im Stiche gelassen“, so ist das eine Redensart, die Juden gegenüber sehr billig ist und von der _ ״Kreuz- Zeitung“ nahestehender Seite oft genug gebraucht wird. Tatsächlich aber gibt es keinen unbegründeteren Vorwurf und keinen, der mehr der Lächerlichkeit verfallen müßte als diesen. Der Minoritätenschutz ist ein Schutz der Kultur der Minori• täten; die Forderung nach Minoritätenschutz war das sicherste Mittel zur Erhaltung deutscher Kultur in den abgetretenen Gebieten. Daß wir aber auch den deutschen Staat nicht im Stiche gelassen haben, weiß dieser selbst am besten; er hat uns genug Zeichen seines Vertrauens gegeben (S. 158 meines Buches). Wenn der ״Gesellige" (früher Graudenz jetzt Schneidemühl) sogar von einer ״deutschfeindlichen“ Stellung spricht, so verfällt er offenbar in den alten Fehler aller Machtpolitiker, die jede Betätigung einer Minderheit und gar ihrer Ausstattung mit Rechtsgarantien innerhalb eines Staates als eine Minderung der Hoheitsrechte ansehen. In Wahrheit aber befriedet der Minderheitsschutz gerade den Staat im Innern, indem er durch gesetzliche Regelung die nationalen und kulturellen Streitpunkte aus der inneren Politik ausscheidet und ihr damit den wesentlichsten Konfliktstoff nimmt. Sollten aber die Vorwürfe dahin zu verstehen sein, daß das Auftreten der Juden zu dem Verluste von Posen bei• getragen hätte, so kann auch hier — der Geschichte vorauseilend — schon eine Antwort erteilt werden. Die Politik des Jüdischen Volksrats war immer nur eine innere Politik und hat lediglich dazu beitrajjen wollen, im Lande selbst ein friedliches Nebeneinanderleben der Nationen und Stämme, der Religionen und Konfessionen zu begründen. Auf das Gebiet der äußeren Politik hat sich der Jüdische Volksrat niemals begeben. Er hat vielmehr in vielen seiner Erklärungen allen beteiligten Stellen gegenüber und vor der Oeffentlichkeit erklärt, daß die politische Zugehörigkeit des Landes von dei Friedenskonferenz zu entscheiden sein wird. Welche Stellung die Juden im allgemeinen zur Frage ob deutsche oder pol• nische Souveränität, eingenommen haben־ und zwar alle Juden und ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zum Jüdischen Volksrat, das dürfte für Posen und Westpreußen ebenso offenkundig sein wie für Oberschlesien. Wenn die gegenwärtigen Kritiker sich ihrerseits darauf berufendaß die große Masse der Juden zum Wanderstabe gegriffen hat, so werden sie wohl einsehen daß sie dies nicht getan hat, weil ihr Herzenswünsch, nämlich der Uebergang an Polen, in Erfüllung gegangen sei. Die ״Tägliche Rundschau" beklagt es, daß die Juden ihren weitgehenden Einfluß namentlich in Amerika nicht zugunsten Deutschlands in die Wagschale geworfen hätten. Wer denkt da nicht an das Märchen der ״Weisen von Zion“! Man hätte also scheinbar gegen die ״jüdische Internationale", wenn sie bestände, doch nichts einzuwenden — freilich nur, wenn sie nicht jüdischen Zielen diente, sondern zugunsten Dritter in das internationale Spiel der Mächte eingriffe. Vielleicht wird eine spätere Zeit auf Grund historischer Dokumente auch über die Stellungnahme der Juden im allgemeinen zu der Frage des deutsch-polnischen Besitzstandes Aufklärung bringen. Nachdem aber der — allerdings erfolglose — Versuch jetzt schon unternommen ist, dci Juden tunen Anteil an der Schuld des Verlustes der Ostmark zu zuschreiben, scheint es mir doch notwendig zu sein, auf die Stellung hinzuweisen, die von den damals führenden Kreisen in Posen eingenommen wurde. Einige Tatsachen mögen genügen. . Kaum war 4er erste Arbeiter•«. u«4*Stoldttt ׳: rat geschaffen,׳ der lediglich aus Dett Ische n bestand, als er schon mit den . polnischen Führern und Massen zu ver* liandeln begann. Diese Verhandlung führte dahin, daß die deutsche Mehrheit im Arbeiter- und Soldatcnrat in eine polnische Mehrheit umgewandclt wurde. War es in der Revolution sonst üblich, daß der Spitze einer noch im Amte verbliebenen alten Behörde ein auf dem Boden der Revolution stehendes Kontrollorgan beigegeben wurde, so haben in Posen die deutschen Behörden nicht etwa ein sozialistisches Kontrollorgan neben sich geduldet, sondern ein polnisches. Als am zweiten Tage der Revolution im Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung eine große Kundgebung der alten Behörden und der führenden sozialistischen und polnischen Revolutionäre stattfand, war der deutsche Landeshauptmann von Heyking, ein Vertreter der alten deutschkonservativen Bürokratie, der erste, der die Erklärung abgab, daß er sich auf den ״Boden der neuen Tatsachen“ stelle. Der Oberpräsident von Eisenhart-Rothe war zwar im allgemeinen in jener Zeit zu keiner aktiven Handlung im Interesse des Deutschtums zu bewegen. Daß aber der Einang des Dienstgebäudes des Oberpräsidenten von polnischen osten bewacht wurde, die bei dem Besuche deutscher Minister diese zum Oberpräsidenten nicht ohne Genehmigurr polnischer Führer lassen wollten, hat er genehmigt und sogagegenüber dem Einsprüche der preußischen (sozialistischen Minister verteidigt. Er hat hienn lediglich eine ״Prestige- Frage“ erblickt, die den Ausschlag nicht geben dürfte. E. selbst hat als einer der ersten das Land und seine Aufgabe ׳ verlassen. Der kommandierende General von Bock und Polach hat in den denkwürdigen Verhandlungen vom 31. Dezember 1918 trotz des Widerspruches der beteiligten Regimentskornmandeure nichts dagegen gehabt, daß die vorhandenen deutschen Regimenter das Land verlassen, um den Polen freie Bahn zu schaffen. Dies alles ist geschehen, als der Friedensvertrag noch nicht geschlossen war, als Posen staatsrechtlich zum Deutschen Reiche und zu Preußen gehörte, und als selbst die Bedingungen des Waffenstillstandes noch nichts über die Räumung von Posen gesagt hatten. Eine spätere Kritik wird, wenn überhaupt einmal die Schuldfrage erörtert werden soll, auch über diese Tatsachen nicht hinweggehen. Die jtdiicben Organlsilionei Fraikreieh* Par'is, 6. Oktober. (J. T. A.) Der bekannte freiheitliehe Politiker und Gelehrte Dr. Victor Basch, Professor an der Sorbonne, bemüht sich jetzt um die Schaffung einer Gesamtorganisation der jüdischen Vereinigungen in ganz Frankreich. Die Form der Organisation besteht schön in der ״Federation des Societes Juives de France“, deren Präsident Victor Basch ist. Sie vereinigt aber bis jetzt nur einen Teil der französisch-jüdischen Organisationen. Professor Basch, der wegen der Schäftung eines ״Jüdischen Hauses“ in Paris an die jüdischen Organisationen appelliert hat, richtet nun auch einen Appell an alle jüdischen Organisationen in ganz Frankreich, sich zu einem einheitlichen Verband zusammenzuschließen, beziehungsweise der schon bestehenden ״Federation“ beizutreten. Ziel der ״Federation“ soll es sein, die Kräfte aut den Gebieten der sozialen Fürsorge, der Religion und Kultur zusammenzuflssen. 60 Organisationen haben bis jetzt ihren Anschluß erklärt ABtiieaiilisBBi 11 RsBland Ein Symptom für das Anwachsen des Antisemitismus in Rußland ist die Tatsache, daß die offizielle kommunistische Zeitung ״Prawda“ und die jiddische kommunistische Tages■ zeitung ״Emes“, die bisher über diese Erscheinung konstant geschwiegen haben, nunmehr in Artikeln die Aufmerksamkeit der maßgebenden Kreise aut das Anwachsen des Antisemitisrnus unter der Arbeiterschaft lenken und erklären, daß es!!ochste Zeit wäre, diese Auswüchse zu bekämpfen. Die Zeitung ״Eines“ spricht in Tönen höchster Ironie über den Internationalismus gewisser jüdischer Kommunisten der soweit geht, daß er sie solche Tatsachen ignorieren heißt. Der Verfasser des Artikels im ״Emes“ schließt mit den Worten: ״Wie wollt ihr, daß wir den Zionismus mit Aussicht auf Erfolg bekämpfen, wenn wir nicht auch gleichzeitig gegen den Antisemitismus in die Schranken treten.“ Zat letz1 Art Na. hän Auf d tion in T einen Ent mission v Anregung ihr zuglei. Palästina Grundlinie schutzgese bedingung Kinder‘‘ a im Frühja tion, dem in Unglüc Der Ruf gesetzes, < der genai nicht mel gelegentlic für ein t Ws jetzt Abstand j schlägigcs gewisse R auch dies den Kern fügung, di rative fes Chauffeur( ein Verbo schäftigen, ausgedehn kommen v mit der c Sinne kau palästinens man kann wie alles 1׳ Staates als Die stützen sic stundentag er noch 1 internation die bestin F rauen ui Entwurfes Ausfuhren! man nach Arbeiterscl diskutiert ist, einmal Gesichtspu Daß < reibungslos gut ausge heute kein, rungen un dieser Hi Arbeiter z fügungen י wesentliche sondern ai zehnten be Schutzes is Organisiert wird sie r schütz ist : lismus. 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