Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 74-75 (22.9.1926)
- Date
- 1926-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 538 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 74/75 Presse •Schau Im ״Ha 01 am“ schreibt Moses Kl ein mann: Es ist notwendig;, daß wir alle cs klar erkennen und aussprechen: Wir sind beim Aufbau unseres nationalen Heims in Palästina an einem Wendepunkt angclangt! Wir stehen in einer entscheidenden Stunde — fassen wir dieses Wort nur in seiner ganzen Schwere! In den Städten und Dörfern Palästinas steht jetzt die zionistische Bewegung vor Gericht. Wir alle, che wir im Cialuth den Dienst an den vielen Heiligtümern der Bewegung verrichten, müssen es klar erkennen, daß vor allem wir selbst vor Gericht stehen. Wenn unwahrhaftige und unredliche Personen in den bekannten, uns feindlichen Blättern jetzt schreien, daß wir sie betört hätten, nach Palästina zu kommen und sic jetzt dort Hungers sterben lassen, so können wir diese Beschuldigung mit Entrüstung und Verachtung von uns weisen und diese Betrüger aus unseren Reihen stoßen. Wenn wir aber unser eigenes Innere prüfen und uns fragen: Haben wir Zionisten alles, was in unseren Kräften stand, getan, um die gegenwärtige Lage Palästinas zu verhindern? — erzittert dann nicht unsere Seele in Scham und Beschämung? Im Kreise der verantwortlichen Zionisten ist es bereits ausgcsprochen worden, nun aber muß es auch laut und vernehmlich vor unserer ganzen Ocftcntlichkcit gesagt werden: Es gibt Zionisten, die Dienste im Zionismus verrichten, die in ihm sogar hohe Acmter, besoldet und unbesoldet, bekleiden, die von der zionistischen Oeffentliclikeit zu Vertretern in Parlamente und Stadtverwaltungen und zu Präsidenten jüdischer Gemeinden und sogar zu Führern zionistischer Geschäfte gewählt sind — und diese Führer erfüllen gegenüber der zionistischen Bewegung nicht ihre Pflicht oder sie erfüllen sie nur in einem so geringen Ausmaß, daß man sie nur als eine Verhöhnung anschen kann. Und dabei pflegen wir stets zu sagen, daß die Zionisten in der Erfüllung der zionistischen Pflicht ideell und materiell nicht nur die Ersten, sondern auch die Besten sein müssen. Es kann einwandfrei bewiesen werden, daß das jüdische Volk für den Aufbau Palästinas bisher nicht nur nicht den zehnten Teil dessen, was es zu geben imstande ist, sondern nicht einmal dessen, was es zu geben geneigt ist, gegeben hat, einfach deshalb, weil nicht genug Menschen vorhanden sind, die diese Forderung an das Volk stellen. Die Fordernden können und müssen die Zionisten sein. Damit ihre Forderung aber Erfolg hat, ist zweierlei notwendig: Daß sie zunächst selbst ihre Pflicht erfüllen und dann mit völliger Hingabe an die Arbeit gehen. So war ja auch die Reihenfolge beim Sündenbekenntnis des Hohenpriesters im Tempel am Vcrsöhnungstage: Zuerst sprach er: ״Ich und mein Haus“, darauf ״meine Brüder, die Priester“ und endlich ״das ganze Haus Israel“. * Die Wiener ״Wahrheit“, die C. V.-Zeitung Oesterreichs, veröffentlicht in Nr. 39 einen Aufsatz über ״Die Wirtscliaftskrise in Palästina und ihre Ursachen“ von Dr. Kurt Grünwald“. Der Aufsatz bringt bekannte Feststellungen, unterscheidet sich aber wohltuend von Artikeln über das gleiche Thema, die wir sonst in Assimilantenblättcrn zu lesen gewöhnt sind. Die wesentlichsten Abschnitte des Aufsatzes lauten: ״Bei eingehenderer Untersuchung der zahlreichen Komponcijten, die die nun seit neun Monaten anhaltende Krise ver- Ursachen, treten zwei Züge scharf hervor, die Weltwirtschaftskrise und die Kolonisationskrise. Erst ihr gleichzeitiges Auftreten konnte eine für Palästina so verhängnisvolle, an-!’״','»•,de Wirtschaftskrise nach ziehen. Wir können also nicht von eie־ Krise Palästinas, sondern nur Von einer solchen i ״ Palästina sprechen. ...Die Immigration brachte 1925 33 801 Menschen in das Land, eine Zahl, die sich durch illegale Einwanderer auf 45 000 erhöhen dürfte. 35 Prozent dieser Immigranten gehörten der bemittelten Klasse a!1 und eine vorsichtige Schätzung des von ihnen ins Land gebrachten Kapitals beläuft sich auf zwei Millionen Pfund Sterling. Der größte Teil der Einwanderer ging in die Stadt, allein 18 000 nach Tcl-Awiw, 11000 in andere Städte. Dort mußte infolgedessen eine ungeheure Bautätigkeit entstehen, die Bodenpreise erreichten phantastische Höhen. So «־änderte das Geld entweder für Baumaterial wieder ins Ausland (1925 wurden für Zement um 130 000 Pund Sterling, für Bauholz um 140 000 Pfund Sterling mehr als im Vorjahr eingeführt), oder für Boden in arabische Hände. Durch Spekulation gingen Unsummen produktiver Arbeit verloren. Um dieser den Großteil der Einwanderung zuzuführen, fehlte eine mit Macht und Mitteln ausgestattete Wirtschaftsführung. So wuchsen die toten Investitionen, während die Güter erzeugende Landwirtschaft und Industrie, letztere speziell noch durch ein unsinniges Zollsystem gehemmt, zu kurz kamen. Die Krise, die wie ein Krampf auf dem ganzen Jischuw lastet (die zu ungeahntem Reichtum gelangte arabische Bevölkerung ist durch ihre autarke Wirtschaft mit wenigen Ausnahmen von ihr nicht tangiert), wird sich wohl allmählich lösen, wenn entsprechende Mittel zur Verfügung stehen werden. Wirklich vorwärts wird man erst durch eine bewußte Wirtschaftspolitik kommen,“ י ♦ Die ״Gartenbauwirtschaft“ veröffentlicht in Nr. 75 vom 17. September unter dem Titel ״Was geht in Palästina vor? Ein neuer Konkurrent?“ nachstehende Ausführungen: Wer in der letzten Zeit dann und wann einen Blick in die Fachpresse getan hat, dem konnten kleine unscheinbare Notizen über Palästina nicht entgehen. Fragt sich der Gärtner unwillktirlich: Was geht mich Palästina an? so muß ihm geantwortet werden, es kann die Zeit kommen, wo für den deutschen Gartenbau Palästina dieselbe Rolle spielen wird, wie Holland. Damit dürfte wohl das Interesse aller Gärtner für das Palästinaproblem geweckt sein. Noch zeigt das Land im Innern kein wesentliches Gepräge, noch bildet ein Suchen und Tasten nach der wirtschaftlichen Gestaltung das Kennzeichnen der palästinensischen Wirtschaft. Aber nicht allzu lange wird es dauern, bis sich aus diesem Entwicklungsprozeß ein klares Bild herauskristallisicrt haben wird, bis dem Lande durch zweck- und zielgerichtete Arbeitsmethoden kraft seiner hervor• ragenden Sonnenbestrahlung und künstlichen Wasserregulierung ein blühender Reichtum gärtnerischer Produkte entlockt wird. Schon sind nach einem Bericht des ״Früchtehandeis“ vom 13. 2. am 1. 1. 26 die ersten Tonnen Blumenkohl von Haifa auf dem Wiener Markt eingetroffen. Der ״Früchtehandel“ schreibt dazu, daß die Beförderung, unterstützt durch alle verpackungstcchnischen Vorsichtsmaßnahmen, in einem Zeitraum von höchstens 6—7 Tagen in Berlin zum Verkauf ausgestellt werden können. Unterstützt durch bereitwilliges Entgegenkommen der Schiffahrtsgesellschaften gelingt es, die Transportkosten um 50 % zu verbilligen. Der ״Früchtehandel“ berichtet nach Aussagen der Exporteure von Jaffa über eine ״im amerakanischen Tempo sich ausbreitende Ausdehnung der Kulturen“. Wenn man die Entwicklungstendenzen der palästinensischen Garten bauwirtschaft unvoreingenommen betrachtet, kann man sich nicht durchweg den Ansichten des ״Früchtehandels“ anschlicßen. Wenn auch die ersten Erfolge angetan sind, von einer baldigen Großkultur in Palästina zu sprechen, so würde damit doch ein nicht unerheblicher Abschnitt der Entwicklung übersprungen sein, denn bis heute liegen die Verhältnisse in Palästina noch so, daß von einer rationellen Kultur, welche aut den Export eingestellt ist, nicht geredet werden kann. Selbst die technischen Produktionsgrundlagen sind in vieler Hinsicht noch so unsicher und unausgcbaut, daß die einzelnen Organisationsformen der Erzeuger mehr theoretische Konstruktionen bilden, als sich in der Praxis bewährende Genossenschaften. Durch die An- Siedlung von Juden in Palästina erhofft man eine schnelle zivilisatorische Entwicklung des Landes, deren ideelle Trieb- Kräfte durch bereitwillige Kreditförderung unterstützt werden. Doch hat cs sich gezeigt, daß man mehr landwirtschaftliche Köpfe als landwirtschaftliche Hände erzeugt hat. Es hat sich weiter gezeigt, daß die Juden die Konkurrenz mit den eingeborenen Mohammedanern nicht aufnehmen können, auf Grund ihrer bedeutend höheren Lebensansprüche. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, hat sich in Palästina das System | N ♦ I N 0 I! Der diesjährige GESELLSCHAFTSBAU der Berliner Zionist. Vereinigung und des Jüdischen Nationalfonds findet am Sonnabend, den 9. Oktober, in den Gesamträumen des Esplanade statt. Aus dem Programm: Tombola. Drei Kapellen: Hauptkapelle Fred Ross, Tosty Band, Franks Brothers, um 12 Uhr: Ilse Bois in ihrer Revue-Parodie Tanzturnier. 1 wffllllllllimm» Karten zum Preise von Mk. 10.— und Vorzugskarten Mk. 6.— (in beschränkter Anzahl) erhältlich im Büro der B.Z.V., Meinekestr.10, Telephon: Bismarck 7165/70. I der produktiven Genossenschaften (Kwuzoth) herausgebiidet, welche durch organisierte Arbeiterbataillone (Kawuroth) bewirtschaftet werden und als maximale Leistung eine möglichst vollkommene Selbsternährung zeigen. Man wird aber sicher nicht fehlgehen in der Ansicht, von einer aussichtsreichen Zukunft für Palästina zu sprechen. Der heimische Gartenbau kann aus den Verhältnissen in Palästina die Lehre ziehen, daß er der Organisation der Erzeugung und des Absatzes die größte Aufmerksamkeit schenken muß, wenn ihm an der Erhaltung seiner Existenz- und Konkurrenzfähigkeit etwas gelegen ist. Wir werden später Gelegenheit nehmen, auf die Entwicklung im Orient näher einzugehen. * Wir lesen im ,,Tagebuch“: ״Der alte Trimborn in Köln ärgert sich sehr, daß die Kölner Juden bei allen Wahlen den Nationalliberalen statt ihn, den Zentrumsführer, wählten.“ Eines Tages wurde ihm die Sache zu dumm, er ließ sich die Führer der Kölner Juuensehaft kommen und sagte ihnen: ״Meine Herren, ich verstehe cs nicht, warum Ihre Glaubensgenossen immer den Nationalliberalen wählen. Antisemiten sind wir doch auch!“ Zum 20 {ährigen Jubiläum des ״Haolam“ Das hebräische Zentralorgan der Zionistischen Organiation ״Haolara“ hat anläßlich des zwanzigjährigen Jubiläums seines Erscheinens eine Festnummer herausgegeben, die sich durch eine Reihe interessanter Aufsätze und die Veröffentlichung eines Tableaus mit den Bildern fast aller Mitarbeiter seit der Gründung des ״Haolam“ auszeichnet. Der ״Haolam“ hat im Laufe dieser 20 Jahre, wie bekannt, wiederholt den Ort seines Erscheinens gewechselt: Er wurde 1907 bis 19ÖS in Köln (unter der Redaktion von Nahuni Sokolow), 1909 bis 1911 in Wilna (unter der Redaktion von J. L. Ooldberg, später Drujanow), 1912 bis 1918 in Odessa (unter der Redaktion von Ch. Rosenthal), 1919 bis 1922 in London (unter der Redaktion von A. Idelsohn), 1923 bis 1924 in Berlin (unter der Redaktion von M. Kleinmann, Ch. Grinberg und Dr. Perlmann) herausgegeben. Seit dem 1. Mai 1924 erscheint der ״Haolam“ erneut in London unter der Redaktion von M. Kleinmann. (Ziko.) _ Das Aulenthallsrccht für Kommunisten in Palästina Jerusalem, 17. Septbr. (J. T. A.) Wie erinnerlich, wurde im vergangenen Jahre der Kommunistenführer Barzilai aus Palästina ausgewiesen; sein Gesuch um ein Visum zur Rückkehr wurde wiederholt abgewiesen. Sein Rechtsvertreter Harry Sacher erhob Beschwerde vor Gerieht und wies darauf hin, daß Barzilai im Jahre 1922 in Palästina naturalisiert worden ist und also ein Recht habe, nach Palästina zurückzukehren. Das Gericht gab der Beschwerde Folge. Barzilai erhielt sein Visum. Demnach können Kommunisten, die palästinensische Bürger sind, in Zukunft nicht mehr ausgewiesen werden und ihre Rückkehr ins Land kann nicht mehr behindert werden. Die Zahl der organisierten Arbeiter in Palästina Laut durchgeführter Zählung waren am 1. Juni 1926 in der Jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas (Histadruth) organisiert: 15 307 Arbeiter in den Städten und 6400 in den Kolonien, insgesamt also 21 707 Arbeiter. Die Zahlen für die einzelnen Städte lauten: Tel-Awiw 8646, Haifa 3710, Jerusalem 2065, Tiberias 203, Afuleh 422, Akko 120, Kantara 141. Die Zahl der in der Histadruth Organisierten betrug im Jahre 1921 noch nicht 5000, im Januar 1923 7586, im Juli 1923 8000, im Januar 1924 10085, im Juli 1924 11 500, im Januar 1925 14755, im Juli 1925 16500 und im Januar 1926 18 633. (Ziko.) Die Paiistinaeinwanderung im August lm Verlauf des Monats August sind in Palästina 910 Personen eingewandert. (Ziko.) Die Berliner Repräsentanten - Wahlen Die 1. T. A. meldet: fine Entscheidung über die Gültigkeit der Berliner Rcpräsentantenwahlen ist noch nicht ergangen. Wir hatten seitdem darauf hingewiesen, daß anzunehmen ist, daß der Polizeipräsident von Berlin in dieser prinzipiellen •Frage nicht selbständig entscheiden, sondern die Akten voraussichtlich dem zuständigen Ministerium überweisen werde. Wie der J. T. A.-Vertreter erfährt, hat in der Tat der Polizei- Präsident diesen Weg gewählt. Die Akten sind den zuständigen Ministerien zugegangen, weil es sich um eine Frage von prinzipieller Bedeutung handelt, die nicht nur für ' Berlin, sondern für ganz Preußen von grundsätzlich entscheidender Bedeutung sein würde. Die Entscheidung in der Berliner Frage wird also entweder vor! den Ministerien (Kultus und des Innern) oder vom Polizeipräsidenten nach Stellungnahme der Ministerien zu den vom Polizeipräsidenten angeregten Fragen, erfolgen. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß diese Ent- Scheidung noch im Laufe des Monats September fallen wird. Die neue hebräische Stenographie Vielleicht ist der Grund, daß in Palästina noch nirgends Stenographie betrieben wird, darin zu suchen, daß die beiden ersten Versuche, eine Stenographie zu schaffen, nämlich die von Ben-Jisrael und T e m s nicht als gegluckt zu bctrachten sind. Allein die Tatsachen, daß Ben-Jisrael für verschiedene Buchstaben ein einziges Zeichen verwendet und äußerst komplizierte Regeln aufstellt, daß andererseits Tcms mechanisch veraltete deutsche Systeme für die hebräische Stenographie verwendet, ohne die' Besonderheiten der iiebriiisehen Sprache und Schrift zu berücksichtigen, daß er die Svmbolisierung ad absurdum führt und daß der Unterricht 37 Paragraphen umfaßt und nach dem Urteil von Schülern, die das System erlernen wollten, durch die Komplizienhiit und Un- Verständlichkeit fast unmöglich gemacht wird, allein diese Tatsachen lassen auch den Laien stutzig werden. Um so erfreulicher ist es, daß wir nun im System der Frau Dr. Schargorodska eine Stenographie besitzen, die ganz aus dem Geiste des Hebräischen geboren, originell und leicht faßlich komponiert ist. Autoritäten auf dem Gebiet der Stenographie haben diesem System ihre volle Anerkennung gezollt, und seine Klarheit, Uebersichtlichkcit und geistvolle Konstruktion hervorgehoben. Wenn wir erfahren, daß dieses System in 4—6 Lektionen gelernt werden kann, so glauben wir, daß wir hier die Stenographie haben, die wir brauchen. Die Frage, ob wir überhaupt eine Stenographie nötig haben, ist eigentlich überflüssig. Was die Stenographie im Geistes- und Wirtschaftsleben aller Kulturvölker bedeutet, ist bekannt. Ist doch heute kein Kongreß, keine Konferenz ohne Stenographie denkbar; gibt es doch keine Wissenschaftliehe Stätte, kein großes Handelshaus, wo nicht die Stenographie zu Hause~ wäre. Viele Schulen haben sie bereits in ihren Lehrplan aufgenommen. Der Geist der Zeit, mit seinem ewig hastenden: schneller — schneller — drängt uns im selben Maße zur Stenographie, wie er uns ins Auto oder ins Luftschiff hetzt Die Tatsache, daß wir noch keine Stenographie ausüben, beweist nicht, daß wir sie entbehren können, sondern nur, daß sie uns fehlt. Wir können es heute nicht übersehen, was dem jüdischen Volke täglich dadurch verlorengeht, daß sie die hebräischen Reden der Kongresse, die Vorträge der Jerusalemer Universität nicht mitstenographiert werden können. Als eine höchst erfreuliche Nebenerscheinung der Stenographie kann man es betrachten, daß mit ihrer Einführung ein wichtiger Frauenberuf für Palästina geschaffen wird. Die Pioniere oder vielmehr Pionierinnen, die sie nach Palästina bringen, werden sich sicher bald im dortigen Kultur- und Wirtschaftsleben unentbehrlich machen. Es wäre also aus mehr als einem Grunde zu wünschen, daß sich diese Stenographie bald in Palästina einführt. J.S. ״Zionistische Bürokratie“. Herr Julius Berger hat seinen Aufsatz dieses Namens, der in der vorigen Nummer der ,,Jüd. Runschau“ erschienen ist, auch in der paiästinensischen Tageszeitung ,,Dawar“ veröffentlicht. Darauthin hat die zionistische Beamten-Organisation Palästinas gegen Herrn Berger die Beleidigungsklage beim Mischpat hascha- 10m, dem jüdischen Friedensgericht in Jerusalem, überreicht. Die erste Verhandlung, in welcher die zweistündige Anklage vorgetragen wurde, hat bereits stattgefunden. Der Beklagte ist durch den Rechtsanwalt Ussischkin, einen Sohn Menachem Ussischkins, vertreten. Das Verfahren wird von den beteiligten Kreisen der palästinensischen Oeffentlichkeit und Presse mit Interesse verfolgt. Zum Rabbiner an der Friedenstcmpelsvnagoge in Halensee ist der Rabbinatskandidat Dr. Joachim Prinz gewählt worden. Herr Dr. Prinz hat am Breslauer jüdisch-theologischen Seminar studiert und ist weiteren Kreisen als Redakteur der Breslauer ״Jüdischen Zeitung“ bekannt. Hebräische Kurse in Duisburg. Im Wintersemester 1926/27 finden folgende hebräische Kurse, in Duisburg statt: I. K ursus A, Anfängerkursus für Schüler: Mittwoch und Sonnabend von 5—61/2 Uhr nachmittags, Beginn 25. Septbr. II. Kursus B, Anfängerkursus für Erwachsene: Mittwoch, 81/2—10 Uhr, Sonnabend, 8—91/2 Uhr, Beginn 25. Septbr. III. Kursus C, Fortgeschrittenen-Kursus: Montag, 7/4 bis 91/1 Uhr, Samstag, 91/2—11 Uhr, Beginn 20. Septbr. — Unterrichtslokal: Gemeinde/immer, Junkernstr. 2. Annieldüngen zu den Kursen erfolgen zu den angegebenen Unterrichtszeiten. Nähere Auskunft erteilt an alle Interessenten die Leiterin der Kurse, Frl. Weiß, Duisburg, Knüppelmarkt 10, bei Franke. Hebräische Sprachschule, Kirjath-Sefer, Breslau. Der Unterricht in allen Gruppen wird zu den bisher bestimmten Zeiten in den Räumen des jüdisch-theologischen Seminars, Wallstraße 14, fortgesetzt. Er findet am Nachmittag und Abend statt. Für Fortgeschrittene gibt es spezielle Kurse für T’nach, Mischna, Agada, mittelalterliche und neue Literatur. Außerdem hat jeder Kursus besondere Konversationsstunden. Für diejenigen, welche die Sprache einigermaßen beherrschen, wird ein besonderer Literaturkursus gebildet, in dem auch den Hörern Gelegenheit gegeben wird, zu referieren. Anmeldungen für Anfänger und Fortgeschrittene werden entgegengenommen vom 4. Oktober an stets 8—9 Uhr abends, Wallstr. 14, pt., 2. Tür links. — Die Besprechung für den besonderen Literaturkursus findet Mittwoch, den 6. Oktober, abends 1/29 bis 1,410 Uhr abends, in dem bczeichneten Raum statt. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ wird, der Feiertage wegen, als Doppelnummer am 29. September erscheinen.