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Jüdische Rundschau · 1926-08-03 · Heft 60 (3.8.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 60 (3.8.1926)
Date
1926-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr 60 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 437 Die Sitzung des Aktions - Comites 9. Sitzung, Mittwoch, den 28. Juli nachmittags. Die Arbeit des Keren Hajessod Referent Dr. Bcrthold Feiwel führt aus: Das Direktorium des Keren Hajessod hat sich nur mit der einen Halite seiner Funktionen zu beschäftigen, nämlich mit der Aufbringung der Geldmittel; über ihre Verwendung in Palästina hat es keine Kontrolle, sondern der Kongreß bzw. das Aktions-Comite beschließt das Budget der Palästinaarbeit und der Keren Hajessod hat nur das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Was nun die Aufbringung der Mittel a!1langt, so erhalte das Direktorium regelmäßig eine sehr große Anzahl von Vorschlägen, von denen aber nur ein kleiner Teil tatsächlich zur Anwendung gebracht werden könne. Daß der Keren Hajessod seine Aufgabe nur in einem beschränkten Maß erfüllen könne, habe seine Ursachen zunächst i:1 der völligen Ausschaltung des russischen Judentums, in der letzten Zeit auch die schweren wirtschaftlichen Krisen in einer Reihe von europäischen Ländern. Der Referent bespricht die Lage der Keren Hajessod-Arbeit 1'n einer Reihe von einzelnen Lätidem und fährt fort: Die Grundlage des Keren Hajessod sei die Konzentrierung der besten Kräfte des Zionismus auf die zentrale Aufgabe, den Aufbau Palästinas. Er sei auf dem Gedanken des Maaßer aufgebaut und stelle gewissermaßen die Steuer- Verpflichtung eines jeden Zionisten gegenüber seinem entstehenden Staatswesen dar. Leider sei es nicht ge- Iungen, dieses Prinzip in ausreichendem Maße zu verwirklichen. Es gebe noch sehr bedeutende Rcserven von zionistisch eingestellten Juden, die bisher vom Keren Hajessod noch nicht ergriffen wurden. Es sei bedaucrlieh, wenn der Versuch gemacht werde, den Keren Hajessod als eine Geldmaschine darzustellen. Der Keren Hajessod habe nicht nur eine materielle Funktion, sondern er gewinne den Menschen für den Gedanken Palästinas. Das Volk müsse für Palästina erzogen werden und das gelinge in einem hohen Maß durch den Keren Hajessod. Für das nächste Jahr sei eine erhebliche Steigerung der Keren Hajessod-Eingänge 110twendig und diese Steigerung könne auch erzielt werden, wenn die Zionistische Organisation und jedes Mitglied des Aktions- Comites seine Pflicht dem Keren Hajessod gegenüber erfülle. Abschließend dankt der Referent namens des Direktoriums allen Mitarbeitern, insbesondere Herrn Sokolow, Dr. Schmarya Levin und Bialik, sowie seinen Mitarbeitern im Hauptbüro des# Keren Hajessod. Er hebt besondere die Leistungen der Zionisten in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Südafrika hervor. Es sprechen sodann Jean Fischer über die Arbeit in Belgien, Wilensky über die Arbeit in Alt-Rumänien, Morris Samuel über die Methoden der Arbeit für den United Palestino Appeal in Amerika; ferner Alexander Gold stein, Leib Jaffe, Landau und Twersky. Außerhalb der Tagesordnung hält sodann Dr. Thon eine Ansprache über Achad Haam zu dessen 70. Geburtstag. Blumenfeld: Keren Hajessod ist eine Wissenschaft geworden, die nur die wenigen Mitarbeiter beherrschen und dm in verschiedenen Ländern verschieden sei. Der Keren Hajessod könne Zionismus eröffnen, wo er noch nicht vorhanden ist, und als dessen Nachfolger versuchen, die Massen zu gewinnen, wo die alten Zionisten versagen. In manchen Ländern müsse jedereinz^ne «swewpen .4m»jäeo... Zijr-. 60.41 Wicklung׳ (fer Keren ffijessoa-lwethodea and der Expansions* mögtichkeiten ieFdfe Vorbereitung einer Reihe von Propagandisten nötig, die ausgebildet werden müssen; dazu sei eine entsprechende Post in das Budget eittzustellen. Sondersamm- Jungen, welche sich an die Massen wenden und den Keren Hajessod daher schädigen, müßten verboten werden. Es müßte endlich einmal die Gelegenheit gegeben werden, eine ausführliehe Darstellung vor dem Aktions-Comite oder in Form einer Broschüre zu geben, über die veränderte Lage der jüdischen Welt und die neuen Perspektiven, insbesondere auch in der Frage, ob wir überhaupt noch in der Lage sind, die Galuthfront aufrechtzuerhalten. Dies muß Keren Hajessod besorgen. Wenn nichts Neues geschehe, würden wir allmählich zugrunde gehen, weil wir unsere Kräfte verlieren. Schluß der Sitzung 8 Uhr abends. 10. Sitzung, Donnerstag, den 29. Jul!, vorm. Naiditsch erklärt, daß das Direktorium des Keren Hejessod, trotzdem es die Gefahren und Schwierigkeiten, die mit der Uebersiedlung des Hauptbüros des Kergn Hajessod verbunden sind, kennt, es nicht für richtig hält, seinerseits dem speziell von seiten der Amerikaner׳ ausgedrückten Wunsch entgegenzutreten. Er wendet sich ferner gegen den Vorschlag, den Absatz von Pfandbriefen der Hypothekenbank mit der Keren Hajessod-Arbeit zu verbinden, da es sich dabei um zwei grundverschiedene Aufgaben handelt. Wenn von einer Verkleinerung des Keren Hajessod- Niveaus gesprochen worden ist, so haben daran auf einer Seite die Zionisten selbst schuld, die die Forderung des Maaßer nicht erfüllt haben. Auch eine Schuld des Direktoriums liegt vor, das nicht genügend Kräfte für die Arbeit ausgebildet und den Wünschen und Widerständen der Landeskomitees oft zu weit nachgegeben hat. Leo Herrmann nimmt zu den Ausführungen der Debatte über die Keren Hajessod-Arbeit namens des Keren Hajessod-Direktoriums Stellung und stellt fest, daß auch im laufenden Jahre eine, wenn auch kleine Erhöhung der G e s a m t e i 11 g ä n g e zu verzeichnen sein wird. Die große Steigerung, die im kommenden Jahre notwendig wird, kann nur erreicht werden, wenn alle Organisationen und Komitees die ihnen auferlegte Verantwortung erfüllen werden, ohne sich in dieser außerordentlich schweren Tätigkeit von der Aussicht beirren zu lassen, daß auf eine andere Weise, vielleicht leichter, größere Geldmittel beschafft werden können. Wenn das Direktorium des Keren Hajessod bei allen Gruppen volles Verständnis und volle Mitarbeit finden wird, wird es, unterstützt auf ungeteiltes Vertrauen, die Aufgabe lösen können, die Einnahmen den Bedürfnissen entsprechend zu steigern, und damit auch im einzelnen und in den einzelnen Ländern den Prozentsatz der Spesen herabzudrücken, ohne die Leistungsfähigkeit der Organisation zu verringern. der Schwungkraft der Idee; Idealist und doch mit scharfem Blick die Wirklichkeit erfassend; Realist und doch das große Ziel nie aus dem Auge verlierend. In seinem Alter ist es Achad Haam beschieden gewesen, daß sieh die Sehnsucht seines Herzens erfüllte und er nach Palästina übcrsicdeln durfte. So bedeutungsvoll diese Tatsache für sein persönliches Leben ist, so wichtig ist sie auch für. Palästina selbst. Möchten doch die Menschen Palästinas, möchte vor allem die junge Generation im Anschauen dieses reinen und erfüllten Lebens das lernen, was Palästina vor allem not tut: Ehrfurcht vor dem Wert Rubaschow erklärt namens der gesamten jüdischen Arbeiterschaft, daß sie in voller Würdigung der Bedeutung des Keren Flajessod bereit ist, alle Opfer zu bringen, um seine Leistungen zu erhöhen, daß sie bereit ist, ihre besten Kräfte ihm zur Verfügung zu stellen. Weizmanns Keren Hajessod - Rede Hierauf erhält Präsident Dr. Weizmann das Wort zur Schlußrede in der Keren Hajcssod-Debatte. Herr Dr. Welzmann führt folgendes aus: Die Stimmung soll nicht vergessen werden, die hier zu Beginn der Tagung vorhanden war. Die Aktions-Comitö-Sitzung war von Anfang an von der Uebcrzeugung erfüllt, daß ein Maximum der Amstrengungen notwendig ist, um gesunde finanzielle Grundlagen für ein großes Aufbauwerk zu schaffen. Diese Uebcrzeugung ist auch in den Reden von Bialik und Remes zum Ausdruck gebracht worden und maß alle unsere weiteren Schritte leiten. Es wird davon gesprochen, daß in den zionistischen Kreisen Europas eine defaitistische Stimmung in bezug auf die finanzielleti Möglichkeiten vorhanden ist. Aber ich glaube doch, daß trotz, der schwierigen Lage in' Europa die. finanziellen Möglichkeiten nicht erschöpft sind. Wir haben hier von einzelnen unserer Freunde gehört, daß an vielen Orten die Zionisten schwer gesündigt haben. Vielleicht kann •die Organisierung eines oder zweier Keren Hajessod-Monate,. in denen die Zionisten sich ausschließlich für den Keren Hajessod zur Verfügung stellen, auch das Resultat in Europa erheblich verbessern. Was aber Amerika anbetrifft, so ist die Schätzung, die in der Rede von Bialik zum Ausdruck kam, nicht ganz gerecht. Die Zionisten Amerikas, das kleine Häuflein, das mitten im Kampfe steht, unterscheidet sich nicht von den Zionisten der übrigen Welt. Sie verstehen alle unsere Probleme ‘ sehr wohl. Sie arbeiten aber in einem Milieu, das zionistisch weniger erzogen ist als etwa in Deutschland. Aber in Deutschland hat 25 Jahre hindurch eine Generation der besten Männer gearbeitet. Wenn man diese Arbeit mutatis piutandis auch in Amerika durchführt, so wird auch Amerika die besten Resultate haben. Dessen sind sich die Zionisten Amerikas selbst voll bewußt. Das bringt mich zu der Frage, die Herr Rubaschow hier als Sprecher der Arbeiterschaft behandelt hat. Heute und von hier ergeht von mir die Forderung an alle, die mitarbeiten können, zur Arbeit. Ich habe schon Dr. Arlosoroff aufgefordert, im Oktober nach Amerika zu gehen, auch wenn er auf dem von ihm bearbeiteten Posten eine Lücke hinterläßt, wie auch ich vielleicht hier eine Lücke hinterlasse, wenn ich auf Monate nach Amerika gehe. Ich erlaube mir auch, an einige hervorragende Zionisten Amerikas die Aufforderung und Einladung zu richten, vor allem an Dr. Wise und Dr. Silver, sich für drei oder vier Monate absolut zur Verfügung des Keren Hajessod zu stellen. Ich weiß, was das bedeutet, aber — ich tue dasselbe. Wir müssen in Amerika eine ungeheuer große Arbeit schaffen. Auf die Gefahr hin, vielen als Träumer zu erscheinen, möchte ich ein Bekenntnis ablegen: Ich glaube an den Gedankengang, den Remes in sein Projekt gelegt hat. Wenn man richtig vorbereitet und nicht von der Voraussetzung ausgeht, und es nicht so darstellt, daß. der Keren Hajessod abgewirtschaftet• hat, sondern •wenn man die Konzeption »ertritt, daß alles, was wir bisher geschaffen haben, eine Vorbereitung war, läßt sich das Große erreichen. Wir sind in der Lage, zu erklären, daß wir wissen, wie man in Palästina kolonisiert. Wir kennen auch die Schwierigkeiten des Menschenmaterials, wir wissen aber, in welcher Weise und mit welchen Mitteln diese Schwierigkeiten überwunden werden können. Das ist mehr, als in bezug auf andere Projekte, vor allem in bezug auf die Krim, gesagt werden kann. Diese Sicherheit ist der wertvollste Besitz, den wir haben: der Glaube an die palästinensische Erde und die Arbeit des jüdischen Pioniers in Erez-lsrael. Wenn wir dem jüdischen Volke sagen, daß in Palästina hinreichend Platz ist für zehntausende und zehntatisende Juden, wenn wir sogar sagen können, daß unsere Arbeit über die Grenzen hinausgehen kann, wenn wir nur ein starkes Zentrum aufbauen, so ist das eine große Konzeption, an die ich mit voller Ueberzeugung glaube. Die nächste Arbeit der Delegation muß darin bestehen, den Boden für die Ausführung dieser Konzeption vorzubereiten, das Bewußtsein hervorzurufen, daß es so wie bisher nicht weitergehen kann, daß aber die Möglichkeiten für Größeres vorhanden sind, wenn unsere Anstrengungen groß genug werden. Ich glaube nicht nur daran, daß es möglich ist, in absehbarer Zeit die große jüdische Gemeinschaft in Palästina zu schaffen; ich willsie selbst sehen! Hätte ich nicht diesen Glauben, so wäre ich schon müde, aber ich glaube daran mit ganzer Kraft, daß ich dieses Zeil in zehn Jahren sehen werde. Wenn wir alle diesen brennenden Durst nach der Erfüllung haben, wird die Anstrengung kommen, die nottut. Ohne ihn zermürben wir die Kraft der Chaluzim auf den Feldern von Erez-lsrael und unsere eigene. Wir haben an den Männern, die für den Keren Hajessod arbeiten, Raubwirtschaft getrieben, wie an denen, die auf der Kampffront in Palästina stehen. Wenn man an diese große Konzeption glaubt, so wird der Keren Hajessod in großem Stil wachsen. Hunderte von Menschen von großen Qualitäten wird man für diese Arbeit brauchen und muß sie geistig vorbereiten. Für diese große Konzeption und ihre Verwirklichung haben wir alle Prämissen; uns fehlt nur das ausreichende Geld. Vielleicht gelingt es uns, ich glaube daran, daß man es in einer großen Anstrengung, vielleicht als Anleihe auf 10 Jahre, aufbringen kann. Wenn ein Wise, ein Silver und alle unsere amerikanischen Freunde mit dem Glauben an diese Möglichkeit und Notwendigkeit in Amerika ausziehen, von Stadt zu Stadt, dann werden wir einen durchschlagenden Erfolg haben, dann können wir das ganze Geld haben, von dem wir träumen. Es ist für uns bereits in den Taschen des jüdischen Volkes. Wenn wir zu den Herzen, zur Einbildungskraft und Phantasie der Juden den Weg finden, finden wir ihn auch zu ihren Taschen. Heute haben wir eine ganz andere Basis als noch vor drei Jahren. In den Tagen der Leitung von Brandeis, sagte mir Brandeis: ״Kommen Sie mit einem großen Projekt!“ Jetzt haben wir alle Pläne, wir haben die Menschen, und naben vor der Welt und vor uns bewiesen, daß man mit Juden unter den schwierigsten Verhältnissen Palästina kolonisieren kann. Man kann uns nicht vorwerfen, daß wir keinen Plan haben und von der Hand in den Mund leben müssen. Vor uns steht eine gewaltige Kulturaulgabe, wenn wir die Sümpfe und Wüstenflächen Palästinas fruchtbar machen, wir Juden, mit unseren Kräften, unserem Geld und unserer Intelligenz, so wandeln wir auch wie mit mag'scher Kraft unsere politische Position. Allen Regierungen, Pariamenten, Völkern der Welt können wir sagen: ״Das haben ,׳־ir geschaffen. Was habt Ihr getan?“ Diese ungeheure Sache können wir mit den Millionen Dollars durchführen, die jeder Teil unserer Konzeption braucht. Aber dazu muß man die heilige Unruhe in sich tragen und sie auch den Juden um uns mitteilen können. Das können wir tun, das können viele von uns tun, wenn sie auf sich die apostolische Mission nehmen, von Stadt zu Stadt zu gehen und von Land zu Land. Dann wird auch die technische frage der Unkosten ihre Bedeutung verlieren. Ich habe versucht, in diesen Sitzungen des Aktions- Comites zu vergessen, daß es politische Fraktionen im Zionismus gibt Die Aufgabe verlangt einen gewissen Burgfrieden, eine Union sacree. Man darf einem nicht in den Rücken fallen, ich spreche zu den Männern, aut deren Schultern die Verantwortung lastet. Mir brennt es unter den Nägeln; so oft ich nach Palästina komme, brennt es noch stärker. Ich sehe die Unzulänglichkeit unserer Mittel; ich glaube, wenn man die große Konzeption, die vor uns steht, an jeden Juden heranbringt, dann weiden wir auf dein nächsten Kongreß einen schönen und großen Kongreß haben, einen Kongreß mit einem Plan und Horizont. Glauben Sie mir, die Regierungen der Welt, vor allem die englische, werden sich wie mit einem Schlag in ihrer Haltung zu unserer Arbeit ändern. Unter den bisherigen Verhältnissen war der Weg in die Downing Street für mich oft ein Dornenweg, da ich von der Stoßkraft der zionistischen Idee zwar wußte, aber nicht immer in der Lage war, sie zu beweisen. Jetzt ist Palästina eine Realität. Auch die Regierung kennt jedes Detail dieser Realität; jeder Schritt ist schwer, wird einmal aber dieser große Stoß gemacht, so wird auch die politische Lage verwandelt. Wir können alle Faktoren überzeugen, so lange sie glauben, daß der Tag kommen wird, daß wir diesen großen Schritt tun. Nur wenn wir in unserer Arbeit stark sind, wenn wir selbst leistungsfähig sind, können wir auch voll ausnützen, was die allgemeine Entwicklung des Landes für uns an Chancen gibt. Argumente helfen so lange in Verhandlungen, als bei dem Partner der Glauben vorhanden ist, daß wir selbst imstande sind, ein wirklich großes Werk zu vollführen. Diesen Glauben können wir einflößen wenn wir ihn selbst haben, deswegen bin ich mit meinem Freunde Morris Samuel nicht ganz einverstanden, wenn er glaubt, daß der Kampf immer nur langsam vor sich gehen kann. Selbstverständlich müssen wir auch diesen langsamen Kampf kämpfen. Aber es muß alles geschehen, was möglich ist, um die flache Kurve mit einem Ruck und Knick in die Höhe zu biegen. Ich bin sicherlich kein Phantast. Ich stehe für geduldige und systematische Arbeit. Ich habe sie immer nicht nur gepredigt, sondern auch getan. Aber Ich sehe auch andere Möglichkeiten, wenn sie vorhanden sind. Meine Konzeption ist festgelegt durch den Willen, in den nächsten Jahren immer wieder 40 000 Menschen ins Land zu bringen. Dazu ist eine große Anstrengung notwendig. Ich glaube, diese Anstrengung ist möglich für die Männer in diesem Saal, wenn sie an sich glauben, an die Sache glauben. Ich möchte, daß allen die Zahlen vor Augen stehen, an die ich denke. Für uns kommt es darauf an, aus den 18 0/0 unseres Anteils an der palästinensischen Bevölkerung 33 0/0 zu machen. Das ist nicht die Majorität Jabotinskys, aber es ist die qualitative Majorität. Sie können wir erreichen, aus unserer jetzigen Position heraus, wenn wir daran glauben. Heute gibt man uns Kredit, wie überhaupt die Ich sage das alles als ein Arbeiter im Feld, mit dem vollen Glauben an das amerikanische Judentum, wir müssen das amerikanische Judentum mit einem VerstSpdjiis für die tiefe Bedeutung seines Schicksals apseften. ES ist ein Wunder geschehen, daß die Juden, die vor 40 Jahren aus Europa gejagt wurden, jetzt imstande sind, den größten Anteil für das Werk des Aufbaus von Palästina zu liefern. Machen Sie aus diesem Wunder eine Realität: es liegt in Ihrer Hand. Ich habe vielleicht niemals eine Minute in Amerika zugebracht, ohne dafür ein moralisches, politisches und finanzielles Aequivalent zu schaffen. Jeder, den wir bitten werden, der muß kommen, ganz gleichgültig, wo er arbeitet, und ob er eine Lücke hinteriäßt, wenn er unserem Rufe folgt. Das ist die zentrale Aufgabe. Wenn wir sie vorbereiten und zum nächsten Kongreß als ein großes Ganzes, mit neuem frischen Mut kommen, werden wir den Stoß vollbringen. An mir soll es nicht fehlen. Ich hoffe, es wird auch am Aktions-Comite und an der ganzen Zionistischen Organisation nicht fehlen. (Stürmischer, lange anhaltender Beifall.) * Bis zum Schlüsse des Blattes sind weitere Berichte nicht eingetroffen. Der Bericht über die 7. und 8. Sitzung, in welchen die politische Debatte fortgesetzt wurde, mußte wegen Raummangels für nächste Nummer zurückgestellt werden. Be- Schlüsse wurden nicht gefaßt. An den Abenden fanden Kommissionsberatungen statt. Die Sitzung dürfte Montag oder Dienstag zu Ende gehen. Nachtrag. In der Palästinadebatte, in def Sitzung vom _ 22. Juli nachmittags, sprach Jean Fischer über das Krimprojekt und über die liberale Weltkonferenz in London. Beide Ereignisse seien Symptome dafür, daß sich die jüdische Welt- Politik nicht mehr ausschließlich in unseren Händen befindet. Unsere Gegner hätten uns in der letzten Zeit die Führung auf wichtigen Gebieten aus der Hand genommen. Die Krise in Palästina erschrecke ihn nicht übermäßig, Krisen seien eine natürliche Erscheinung; es sei nur unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß der Zustand nicht chronisch werde. Er habe sich in Palästina davon überzeugt, daß auf vielen Gebieten Großes geleistet werde. Redner hebt besondere die Haltung der Arbeiterschaft hervor. Man höre in Palästina viele Klagen über einseitige Wirtschaftspolitik. Audi würden die Gelder nicht immer in produktiver Weise verwendet. Trotz alledem zweifle er nicht daran, daß es gelingen werde, aller Schwierigkeiten Herr zu werden. o.e Palästina-Anleihe London, 30. Juli. (J.T.A.) Das Mitglied des Unterhauses, Sir Frank Sandersott, stellte an den Kolonienminister die Frage, ob die Regierung betreffs der von der Palästinaregierung aufzunehmenden Anleihe mit der Bevölkerung Palästinas Fühlung genommen und Beratungen mit deren Vertretern gepflogen habe. Welche Maßnahmen seien getroffen worden, um die Ansichten der 90 Prozent der Landesbevölkerung ausmachenden Araber zu hören? Unterstaatssekretär für die Kolonien Ormsby Gore erwiderte, bekanntlich sei infolge des Widerstandes der Araber die geplante gesetzesgebende Körperschaft (Legislative Couneil) nicht zustande gekommen, es sei deshalb eine Fühlungnähme mit Repräsentanten der verschiedenen Gemeinschaften in Palästina nicht möglich. Die jährliche Schuldenzahlung, setzte Ormsby Gore fort, wird aus den Landeseinkünften erfolgen. Es verlautet, daß die Beschlußfassung über die Anleihe erst im November d. J. erfolgen wird.

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