Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 57 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,30 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, MeinekestraBe 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AasUsdsftbotmemenU werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet Anzeigen - Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70, AnxeigMspreii: 8 gc1p*ll.N0np»r«1ü«zeile 0,50 G.-M, Stellengesuche 0,25 G.-M, AnieigenBchlnfl: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon; Bismarck 716570 ־״, Postscheckkonto; Berlin Nr, 17392* Fflr Oesterreich; Postsp&rkaaseaamt Wien, Konto Nr, 156 030. Für Tschechoslowakei; Postsparkassenamt Frag, Konto Nr, 59 410. Für Polea: Poatsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ^xxxLJahrg | י«ב אב, חרפ״ו per Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich. rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» Der Jüdische Reichsverband Die Reichsverbandskommission der Landesverbände jüdisclier Gemeinden in Deutschland trat den 18. Juli in M t'111 - clien zusammen, um den Entwurf der Verfassung des Reichsverband es endgültig durchzuberaten. Anwesend waren für Preußen: der Landesverbandsvorsitzende Kammergerichtsrat Wolff, die stellvertretenden Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. K1 e e, Justizrat Li li e n t h a I, Bankier Galewski, ferner Justizrat Sonnenfeld, Rabbiner Dr. Baeck, Lehrer Stern und Justizrat Blau- Frankfurt a. M.; für Bayern: der Vorsitzende Oberlandesgerichtsrat Neugerichtsrat Wolff, die stellvertretenden Vorsitzenden Rechtsanwalt Straus, Justizrat Hommel, Rabb. Dr. Freudent h a!, Kommerzienrat Joseph- Landau, Justizrat Feuchtw a n g e r, die Lehrer S t o 11 - Würzburg und Dingfelder- München, sowie der Syndikus der Münchener Gemeinde Dr. Flaschner; für Württemberg: Rechtsanwalt Guntzen- 11 aus er; für Hessen: Kommerzienrat May er-Mainz; für Sachsen: Rechtsanwalt Salinger; für Baden: Dr. Pfälzer und Rechtsanwalt Dr. Kaufmann -Heidelberg; für Anhalt: Landgerichtsrat Altertum; für Mecklenburg-Schwerin: Rechtsanwalt Dr. Rubensohn - Rostok; für Sachsen-Weimar: Landrabbiner Dr. Wiesen; für Hamburg und Bremen: der Hamburger Gemeindevorsteher Levj; für Lübeck: Rechtsanwalt Dr. Landau. Vertreter des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes waren diesmal nicht erschienen. Auch der Halberstädter Verband hatte keinen Vertreter entsandt. Nach einer Einleitung und Begrüßung durch Dr. Neumeyer übernahm auf seinen Antrag Kammergerichtsrat Wolff den Vorsitz. Die Debatte bewegte sich im wesentliehen nach vier Richtungen; Name des neu zu schaffenden Reichsverbandes, seine Aufgaben, die Konstruktion seiner Organe, Finanzen. Was zunächst den Namen anbelangt, so lag eine Reihe von Vorschlägen vor, Rechtsanwalt Dr. Klee schlug vor: ״Reichsverband der deutschen Juden“, Kornmerzienrat Mayer: ״Reichsverband der jüdischen Gemeinden Deutschlands“, Kammergerichtsrat Wolff, lebhaft unterstützt von Justizrat Bl au-Frankfurt a. M.: ״Deutsch -jüdischer Reichsverba!1 d“. Nach eingehender Debatte wurde auf die Bezeichnung im vorliegenden Entwurf zurückgegriffen und unter Ablehnung der gestellten Anträge die Bezeichnung ״Jüdischer Reichsverband“ gewählt. — Mit Bezug auf die Aufgaben wurde beschlossen: .i!iiev־־dfcuischea. Wades* verbinde ,und" <ÄÄÄ«n1;zuE der deutschen Juden und Ihrer gemeinsamen Interessen zusammenzufassen. Er vertritt im Rahmen seiner Zuständigkeit die deutschen Juden und ihre Organisationen gegenüber Reich und Ocffentlichkeit unter Vorbehalt der vollen Selbständigkeit der Landesverbände und Gemeinden in Kultus, Ritus, Unterricht, Verfassung und Verwaltung. Ihm obliegen insbesondere a) die Förderung der allgemeinen Interessen der jüdischen Religionsgesellschaft, namentlich auf sozialem Gebiete, b) die Errichtung, Erhaltung und Förderung von Anstalten und Einrichtungen, die für das Reich oder mehrere Länder gemeinsam bestimmt sind, c) die Beratung der Landesverbände in gemeinsamen Angelegenheiten, d) Schaffung einer Schiedsstelle bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Landesverbänden sowie zwischen dem Reichsverband und einem Landesverband, e) Auf Antrag von Landesverbänden deren Vertretung im Verhältnis zu deren Ländern zur Wahrung gemeinsamer jüdischen Interessen, f) Sonstige Aufgaben, die von einem Landesverband dem Reichsverband übertragen und von diesem durch Verbandsbeschluß übernommen werden. An den Punkt f) schloß sich eine eingehendere Debatte, wobei auf Antrag von Rechtsanwalt Rubensohn die einstimmige Meinung der Tagung festgestellt wurde, daß der Reichsverband die Unterstützung gewisser, von einem Landesverband erbetener Aufgaben mit in sein Arbeitsgebiet einzufügen habe, so z. B. gegebenenfalls Unterstützung leistungsschwacher Verbände in bezug auf Unterrichtserteilung und dergleichen. Es wurde einmütig die Auffassung vertreten, daß eine solche Unterstützung, also die Schaffung einer Art A usgleichsfonds, in Aussicht genommen werde, wenn die finanziellen Mittel des Reichsverbandes es gestatten. Eine besonders eingehende Debatte erforderte dann Punkt g. Hier hatte der Entwurf als Aufgabe des Reichsverbandes bezeichnet: ״Die Vertretung der deutschen Juden und ihrer Einrichtungen gegenüber den Juden des Auslandes und deren Organisationen“. Justizrat Blau wünschte eine Formulierung, aus der hervorginge, daß es sich dabei nur u m religiöse und soziale Organisationen ausländischer Juden handeln dürfe. Rechtsanwalt Dr. Klee bekämpfte diese Auffassung, da cs eine Reihe von Ländern gäbe, in denen die Juden politische Organisationen hätten, denen soziale und religiöse Aufgaben übertragen seien und mit denen statutarisch die Möglichkeit der Verbindung offen gelassen werden müsse. Er erinnerte z. B. an litauische und andere Verhältnisse des jüdischen Ostens, an den amerikanisch-jüdischen Kongreß, die Anglo-Jewish Association usw. Rechtsanwalt Straus- München griff eine Aeußerung in der Diskussion auf, nach welcher wissenschaftliche Arbeit zu den Aufgaben des Reichsverbandes gehören solle, und wies nach, daß auch hierzu uneingeschränkte Fühlungnahme mit den Organisationen ausländischer Juden möglich sein müsse. Es wurde dann die Formulierung des Entwurfs unverändert angenommen mit dem Zusatz von Justizrat Lilienthal: ״im Rahmen seiner Zuständigkeit“. Die Hauptdebatte wurde ausgefüllt von dem Thema ״O rganisation“. Hier standen sich zwei Anschauungen gegenüber: Rechtsanwalt Dr. Klee verlangte absolute demokratische Basis, wobei die Reichstagung auf der Basis des allgemeinen, gleichen, gehelmen, direkten und proportioneilen Wahlrechtes für alle deutschen Juden und Jüdinnen über 20 Jahre gewählt werden soO und der Rat aus der Rekhstagüng, eventuell uutec Zuwahl von Ratsmitgiiedern auf Vorschlag der Landesvcrbände zu wählen ist. Er wies auf die Genesis des Reichsverbandes hin, der der denkwürdigen Versammlung zu Berlin vom 23. Januar 1921 sein Entstehen verdanke. Er kritisierte einen Landesverbandspatriotismus, der das deutsche Judentum trennt, verlangte Großzügigkeit und warnte vor Bagatellisierung der Reichsorganisation. Dagegen traten die württembergischen und badischen Vertreter, denen sich Bayern und Hessen anschlossen, dafür ein, daß die Reichsorganisation sich auf die bereits vorhandenen Landesverbände stütze und daß nur ein Rat geschaffen werden sollte, in den die Landesverbände Vertreter entsenden sollten. Namentlich wünschten sie die Ausschaltung einer Reichstagung, die nicht viel mehr als eine Organisation zur Verteilung der verhältnismäßig nicht großen Mittel sein würde, die die Landesverbände zur Verfügung stellen werden. Justizrat Hommel- Schwcinfurt trat der Auffassung Dr. Klees in längeren Ausführungen entgegen und meinte, daß die Organisation nur auf der Basis der Landesverbände möglich sei. Es solle zwar eine spätere Entwicklung nicht ausschließen, jetzt aber seien die Verhältnisse für eine restlose Demokratisierung verfrüht. Justizrat Sonnenfeld führte aas, auch er sehe das [deal in einer restlosen Demokratisierung, die aber zurzeit angesichts der Haltung der Verbände nicht zu erreichen sei. So verlangte er wenigstens, daß der neue Rat in einer demokratischeren Form gewählt werde und beantragte demgemäß, daß der Rat von der! Landesverbänden in gemeinsamer Sitzung der Vertreterversamnilungen und der Ratsmitglieder der Landesverbände gewählt werden solle, wobei, wenn mehr als zwei Ratsmitgüedcr zu wählen sind, die Grundsätze des Verhältnis- Wahlrechts Anwendung finden müßten. Auf 10000 Seelen müßte ein Vertreter der Landesverbände in den Rat gewählt werden. Jeder Verband soll mindestens einen Vertreter haben, kein Landesverband aber mehr als zwei Fünftel sämtlicher von den Landesverbänden gewählten Vertreter. Nach eingehender Debatte wurde der Antrag Klee, der in der preußischen Delegation in der Minorität blieb, und da die Landesverbände je eine Stimme hatten, also von Preußen nicht akzeptiert wurde, mit 9 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Der Verbesserungsvorschlag Sonnenfeld wurde angenommen, aber die Reichstagung, für die eine demokratische Unterlage nicht akzeptiert wurde, fallen gelassen und nur J»§5di:,.dfft.y|j«! ״;L1iin4»gep. ■des. ...dajmfaea Judentums ®F"K1f Ä'tteaiÖHiftalonszweettrt Wrechfit sein :sötte,;Äe Gesamtversammlung aller Mitglieder der Landes- Versammlungen und der Räte sämtlicher Landesverbände einzuberufen. Diese Versammlung soll aber ausdrücklich nur demonstrativen Charakter haben und lediglich bei ganz besonders lebenswichtigen Fragen des deutsehen Judentums einberufen werden können. Zum Schluß wurde eingehend über die Finanzen des Reichsverbandes gesprochen, mit Rücksicht aber auf die vorgeschrittene Zeit und den Umstand, daß die Meinung samtlicher Vertreter gehört worden war, ein neungliedriger Ausschuß eingesetzt zur Formulierung der über die Finanzen gegebenen Gesichtspunkte und zur redaktionellen letzten Ueberarbeitung der angenommenen Verfassung. Die Verfassung muß nunmehr in den Landesversammlungcn der Landesverbände durchberaten und angenommen werden. Die von der Orthodoxie gewünschte Sicher u 11 g, daß die von dem Reichsverband unterhaltenen Einrichtungen auf der Grundlage des Religionsgesetzes geführt werden müssen, wurde einstimmig angenommen, nachdem vorher von allen Rednern erklärt worden war, daß die Forderung eine Selbstverständlichkeit enthalte. * Anläßlich der Tagung der Reichsverbandskommission der deutsch-jüdischen Landesverbände wurde das in Bayern drohende Schächtverbot besprochen. Rabbiner Dr. Freudenthal -Nürnberg referierte über die Sach- und Rechtslage. Es wurde einstimmig eine Resolution beschlossen, wonach gegen den Eingriff in die Gewissensfreiheit protestiert werde, der darin liegen würde, wenn das Schächten in Bayern durch ein Gesetz verboten werden würde. *' Wie vorauszusehen war, konnten die Vertreter der volksparteilichen Forderungen, wie sie in unserem Blatte von Dr. Sandler und Dr. Kollenscher umrissen wurden, in München nur einen Teilerfolg erzielen. In der Frage der Benennung des Reichsverbandes siegte die mittlere Linie und es muß anerkannt werden, daß der Name ״J ii d i s c h e r Reichsverband“ den Vorzug hat, kurz und einprägsam zu sein und sich von dem ״B i n d e s t r i c h t u m“ fernzuhalten. Wesentlich ist die Annahme des Beschlusses, daß die neue Körperschaft mit j ü d i s c h e n O r g a n i s a t i o 11 c n a u ß e r - halb Deutschlands Verbindungen haben soll und wird, auch wenn diese Organisationen nicht ausschließlich religiösen oder sozialen Charakter tragen. Im übrigen siegte in München natürlich die Phalanx der Landesverbände, die eifersüchtig ihre ״Belange" gewahrt haben. Einen wirklichen Klal Israel-Standpunkt beobachteten nur die Vertreter von Mecklenburg (Rubensohn), von Anhalt (Altertum) und von Lübeck (Dr. Landau). Diese drei Herren sekundierten dem volksparteilichen Sprecher, Dr. Klee. Das Ergebnis von München ist für uns nicht befriedigend, auch unter dem Gesichtspunkte, daß wir nicht viel erwarten konnten. Man muß nur hoffen, daß die Tagung in München nicht den Abschluß des Organisationsbestrebens der Juden in Deutsch- Iand darstellt. Die demokratische Organisation des deutschen Judentums muß schließlich doch kommen. Die veraltete Form der Notabeinvertretung, auch wenn in den Notabelnkuchen einige demokratische Rosinen verbacken sind, wird sich auf die Dauer nicht halta: können. Zionistische Probleme Während in London das Aktions-Comite die gegenwärtige Lage des Zionismus und die brennenden Fragen des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina berät, rüstet sich auch der deutsche Zionismus zu seinem Delegiertentag, von dem uns nur noch etwa vier Wochen trennen. Die ganze Struktur unserer Bewegung bringt es mit sich, daß die obersten Organe der Weltorganisation sich immer ausschließlicher mit Palästina, mit den politischen und wngehaltlichen Bedingungen der Verwirklichung des Zionismus beschäftigen, während die Fragen drr Heuegung im Galuth immer mehr dezentralisiert werden müssen. Diese Entwicklung ist unvermeidlich, trag! aber die Gefahr in sich, daß die ausführenden Organe allmählicli etwas losgelöst werden vom Leben der Bewegung. Es ist begreiflich, daß andererseits die Erfordernisse der Propaganda in einer ganz auf Freiwilligkeit beruhenden Gemeinschaft eine erhebliche Rolle spielen und diese sind nicht immer der reinen Sachlichkeit der Arbeit förderlich. Viele Enttäuschungen innerhalb der zionistischen Welt haben ihre Ursache darin, daß aus propagandistisehen Gründen von großen oder kleinen Führern oder vom Volke selbst, oft aus nicht genau nachweisbarer Quelle, Ucbertreibungen gebraucht wurden, die allzu große Hoffnungen entstehen ließen, die naturgemäß keine Erfüllung finden konnten. Ist schon bei normalen Völkern das Gegeneinanderwirkeu von Außenpolitik und Innenpolitik oft fatal, indem aus innerpolitischen Popularitätsgründen selbst gegen besseres Wissen der verantwortlichen Männer, Scjiritte unternommen werden, die zu Enttäuschungen führen müssen, so ist diese Gefahr bei uns noch größer. Sie kann gemildert werden, wenn von Zeit zu Zeit die einzelnen Gruppen der Bewegung sich ehrlich Rechenschaft zu geben versuchen über die wirkliche Lage und gleichzeitig die geistigen Fundamente der Bewegung nachprüfen. Dies ist die Aufgabe der zionistischen Unterverbände in diesem Moment. Die politischen und wirtschaftlichen Erfolge, die der Zionismus in den letzten Jahren zu verzeichnen hat, sind der weitschäuenden staaMmänhlsClen Klugheit, der zurückhaltenden Vorsicht und der unermüdlichen Arbeit einzelner Männer zu verdanken, deren prominentester der Präsident Dr. Weiztnann ist. Man muß die ungeheueren Widerstände außen und innen, man muß die Diskrepanz zwischen Ziel und Realität, zwischen kühner Konzeption und vorhandenen Mitteln in Betracht ziehen, um das Geleistete und die errungene Position voll einzuschätzen. Der Zionismus hat in der Balfour-Dekl-nration und durch die völkerrechtliche Anerkennung seines Zieles, einen unerwarteten Vorsprung errungen; aber die wirkliehe Ausführung seines Planes geht vor sich in einer von Widerständen aller Art erfüllten Welt, im notwendigen Kampfe gegen die verschiedensten Faktoren, in einer ständigen Entwicklung und Erziehung des eigenen, für eine solche Aufgabe gänzlich unvorbereiteten Volkes. Es mußte mit größten Wundern zugehen, wenn ei:: solches Werk mit einem Schlage gelingen sollte und nicht immer wieder vor fast uiiiibersteiglichen Hindcrnissen stünde. In genialer Weise ist in unserer Volks tradition der Auszug aus Aegypten geschildert, de: klassische Fall einer derartigen Unternehmung, wo imnie wieder die Hindernisse so groß scheinen, daß das Vol: umzukehren, in das bequeme Dasein der Knecbtsclr׳; zurückzuziehen gewillt ist. Unter historischem A-p.' sehen dann solche Vorgänge gans anders aus als für di Mitlebenden. Der Glaube an das Judentum, das als Volk und als Träger einer geistigen Welt noch nicht seine Sendung erfüllt hat, der Wille zu seiner Wiederau! richtung, sind die Fundamente des Zionismus. Die Un- Zerstörbarkeit dieses Glaubens ist die Gewähr seine: endlichen Gelingens. Darum können die wahren Zi׳ nisten, die nicht durch die Reize einer weltpolitische! Konjunktur, sondern durch tiefere innere Bande an di* Idee geknüpft sind, auch schwierige Situationen im prak tischen Aufbauwerk überwinden, ohne in ihrem Zionismus erschüttert zu werden. Sie brauchen sich nicht vorzumachen, sie können der Wahrheit ins Auge sehen sie bedürfen nicht einer künstlichen Ernährung ihre Zionismus durch Illusionen. Viele Diskussionen, die in der letzten Zeit im zionistischen Lager mit großer Erbitterung geführt wurden, sind nur dadurch zu erklären, daß ein Teil der Zionistei; es für notwendig hält, ohne Rücksicht auf die Wirklich keit eine möglichst reine Konzeption des zionistischen Zieles zu erhalten, ja bewußt sich Illusionen hinzugeben Wenn etwa gegenüber dem Bestreben, die politische Form unseres werdenden Gemeinwesens mit den realen Tatsachen des vorderen Orients in Einklang zu bringen, immer wieder das Wort ״Judenstaat“, das jedem Zionisten seit Herzls so benannter Schrift teuer ist, verwand;