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Jüdische Rundschau · 1926-07-13 · Heft 54 (13.7.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 54 (13.7.1926)
Date
1926-07-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 54 }UEDISCHE RUNDSCHAU Seite 309 Wahrheit und Bewegung Von Moses Beil in son, Tel-Awiw. Die Bedeutung des gegenwärtigen Momentes für die zionistische Bewegung ist derart groß, daß die Sitzung des A.-C., die in einigen Wochen in London beginnt, ihrer Wichtigkeit nach, dem Kongreß vielleicht nicht nachstcht. Als vor einem Jahre der letzte Kongreß seine Sitzungen abhielt, war die Krise, die das Land und die Bewegung heute so schmerzhaft durchmachen, in ihren ersten Anfängen. Heute ist sie in voller Entwicklung. Heute fühlen und wissen wir alle, daß die Bewegung an einem toten Punkt angelangt ist und daß eine ganz besondere Anstrengung und ganz besonderer Mut nötig sind, um auch jetzt — trotz allem — den Weg zu finden und den vollen Glauben zu bewahren. Vierzehn Punkte sind in der Tagesordnung des Aktions-Comites, eigentlich sind sie alle nur Paraphrase eines einzigen Punktes — die Lage im Lande. Wird die Bewegung die heutige Enge überwinden, überwinden im vollen Sinne, dann wird sie die Dcrech Hamelech finden. Die erste Bedingung dazu: das volle Bewußtsein des Ernstes und der Verantwortung des Augenblickes. Weniger als je ist de- Zeitpunkt für persönliche- Abrechnungen und sogar für Abrechnungen der Parteien und Klassen geeignet. In dieser Stunde wäre es einer großen Bewegung unwürdig, wenn auch die Sitzungen des A.-C. dasselbe Schauspiel darstellten, wie so oft die Kongrcßsitzungen in den letzten Jahren — Zerwürfnis zwischen Führern und Geführten, kleinliches Streiten der Prätendenten um die Führerschaft, gegenseitiges Abrechnen der Parteien, wobei man den Eindruck hatte, als ob nicht immer die Aufbauinteressen die bestimmenden waren. Und die zweite Bedingung: Wahrheit. Der Zionismus braucht keine Beschönigung, keine Verdeckung der wirklichen Lage im Lande und in der Bewegung; er darf die Wahrheit nicht fürchten, wenn sie auch sehr bitter ist. Und sie ist bitter. Es ist schon eine Reihe von Jahren, daß wir das nicht hatten, worauf unsere ganze Bewegung beruht — landwirtschaftliche Kolonisation; der Versuch der letzten Jahre, der in! Zeichen der Privatinitiative vor sich ging, ist mißlungen, und dieses Mißlingen ist durch keine Anklage der Arbeiterbewegung zu verdecken; die Perspektiven unserer Arbeit sind bis zum Ersticken eng geworden; ungefähr ein Drittel der Arbeiter ist arbeitslos und brotlos und es mehren sich die Existenzlosen aus den Kreisen des sogenannten Mittel- Standes — vor allem in einem Teile des städtischen Jischuw, Tel-Awiw. Und wenn wir mit Stolz auf das Vonvärtsschreiten unserer Landwirtschaft hinweisen können, wenn wir mit großer Genugtuung gerade in diesem Jahre die beste Ernte vorzeichnen können, so ist es unerlaubt, den schweren Preis den wir dafür bezahlen, zu verheimlichen; ist es unerlaubt, vor der Raubwirtschaft, die wir mit dem Besten, mit dem Kostspieligsten, was wir haben, mit unserer arbeitenden Jugend, treiben, die Augen zu schließen. Während dieses schweren Jahres hat das Land in dem zionistischen Auslände einen wirklichen, lebendigen, leidenschaftlichen Widerhall gesucht. Und in vollem Maße hat es ihn weder in der zionistischen Presse, noch in den zionistischen Versammlungen, noch in den Reden der Führer gefunden. Es hat wiederuth ״Abrechnungen“ und Vorwürfe — hauptsächlich mit der Arbeiterbewegung und der Arbeiterbewegung gegenüber — gehört; es hat sorgfältiges Vertuschen — hauptsächlich seitens der Offiziösen — gelesen; es hat ein übertriebenes Interesse für Vorkommnisse zweitrangiger Wichtigkeit gesehen; das L and hat zugesehen, wie die Zionisten ihre Hauptkräfte allem möglichen hergeben, nur nicht dem Aufbau des Landes. Dieses Spiel ist zu gefährlich. Keine beruhigenden Aufsätze von Offiziösen werden auf die Dauer den ״Feinden“ — für diese werden sie doch geschrieben — die wirkliche Lage im Lande verdecken. Und die Kräfte des Jischuw sind beschränkt, und es ist nicht erlaubt, ihm eine unerträgliche Last aufzulegen. Der Jischuw, und vor allem der Arbeits-Jischuw, hat seinen Glauben noch bewahrt, er ist noch zu Opfern bereit, er bleibt noch auf dem Posten. Es zeigen sich aber auch in ihm schon Zeichen der Ermüdung, der Mutlosigkeit; Risse sind schon da auch in dieser Festung des Zionismus. Und die Diaspora, vor allem die zionistische Diaspora, darf nicht zulassen, daß diese Risse tiefer und größer werden, darf nicht die Gefahr des Fallens zulasscu. Man darf nicht den Vortrupp des Eroberungsheeres ohne Kleider, ohne Schuhe, ohne Werkzeuge, ohne Brot lassen, man darf ihn des Bewußtseins der immer neuen Kräfte, die hilfsbereit hinter ihm stehen, nicht berauben. Diesem unerträglichen Zustande muß ein Ende gesetzt werden. Die Wahrheit muß dem jüdischen Volke und der zionistischen Bewegung gesagt werden und zwar nicht nur in einem vereinzelten Aufsatze. Sie muß gesagt werden durch das Organ, das jetzt — im kongreßlosen Jahre — die meiste Autorität besitzt — durch das A.-C. Sie muß gesagt werden, damit als Antwort die höchste Anstrengung aller Kräfte, zur Rettung der Lage, kommt. Worin besteht diese Rettung? Heute, sofort, besteht sie darin, daß man dem Arbeitslosen Arbeit g.ibt, den Existenzlosen ein Minimum der Existenz sichert. Wir dürfen uns aber keinen Illusionen bingeben und wir könnten uns den Luxus der Sorge nur um den heutigen Tag nicht erlauben. Die Arbeit dem Arbeitslosen — Chaussee und nochmals Chaussee — für drei Monate, für sechs Monate — ist keine Rettung, ist keine Lösung, ist kein Weg der zionistischen Kolonisation. Und trotz der schweren erstickenden Sorgen um den heutigen Tag ist das A.-C. nicht berechtigt, die Hauptsache — das Ziel — zu vergessen. Wie kommt man zum Ziel? Leicht ist demjenigen, der glaubt, es wird ein großer Wohltäter kommen und die Bewegung aus der Sackgasse herausführen; sollte er kommen, wird ihn die Bewegung sicher nicht wegstoßen, wie sie keine aufbauende Kraft wcgstoßcn wird. Leicht ist demjenigen, der glaubt, cs liege in den Absichten der Mandatarmächte, für die Juden ihre Heimat wieder aufzurichten, und der Zionismus brauchte nur einen Druck auszuüben, damit dieser Wunsch sich konkretisiere; die Bewegung muß selbstverständlich auch alles tun, um sich auch diese Hilfsquelle zu erschließen. Aber weder auf den problematischen Wohltäter noch auf die fremde Macht darf sie bauen. Wenn es im Zionismus eine feste Grundlage gibt, so besteht sie in der Bewegung selbst, in ihren inneren Kräften, ln ihrer Aktivierung, in ständigem Hervorrufen immer neuer Quellen, besteht auch heute, gerade heute, die Aufgabe, ihre Verwirklichung ist schwer und man kann die Bitterkeit derjenigen verstehen, die ihr jahraus, jahrein ihre besten Kräfte widmen, und jeden Tag sich überzeugen müssen, wie wenig die Resultate der Arbeit entsprechen. Und trotzdem — diese schwere Aufgabe muß im Zentrum der zionistischen Anstrengung stehen. Und deshalb: die Wahrheit muß gesagt werden, die Mittel zur Besserung der Lage müssen gefunden werden, aber gesagt muß es so sein und die Mittel müssen solche sein, daß die Sprungfedern der Bewegung nicht zerbrochen werden und die Ziele der Bewegung weder vergessen noch verkleinert. Der Zionismus verlangt Opfer — der Zionismus muß etwas haben, um zu dem jüdischen Volke zu gehen, er muß etwas haben, wozu er das jüdische Volk aufruft, und dieses Etwas darf nicht klein sein. Andernfalls werden wir vielleicht doch die Arbeit für drei Monate für die Arbeitslosen, die äugenblicklich in den Städten und Kolonien des Landes brotlos herumgehen, finden, aber das, was wir nötig haben, das, wozu diese Arbeitslosen hierhergekommen sind — eine große Volksbewegung, die zum Ziele nicht einen stillen Winkel für einige Zehntausende jüdischer Flüchtlinge, sondern die Wiedererrichtung der jüdischen Heimat hat — werden wir nicht schaffen. Und die Geschichte kann auch an uns Vorbeigehen, sie kann uns auch in unserem asiatischen Winkel vergessen. Wenn es eine Kunst der Führer gibt — und die Mitglieder das A.-C״ die in ein paar Wochen sich in London versammeln werden, sind doch Führer der Bewegung — so besteht sie vielleicht auch in dem Mute — wenn es unbedingt nötig ist — das Tempo des Aufbaues etwas zu verlangsamen, damit er Innerlich sich stärkt, aber auch in dem Mute voller Wahrheit, und vor allem und hauptsächlich in dem Mute der Wahrung und der ständigen Entwicklung der Bewegung und ihres Zieles — sei es in der Flut, sei es in der Ebbe. Baamwallaaban i■ Palislini? In ״Mischar Wetaassiah“ wird von fachmännischer Seile die Möglichkeit eines rentablen Baumwollanbaus durch Juden in Palästina erörtert und in bejahendem Sinne beantwortet. Es wird die Gründung einer Gesellschaft mit einer Million Pfund empfohlen. Diejenigen, die selbst arbeiten und pflanzen wollen, sollen Aktien zu 200 £ übernehmen, die anderen eine ebensolche Anzahl zu 300 Es sollen zunächst 6000 Dunam bepflanzt werden, und zwar werden 200 Familien je 30 Dunam, von denen immer ein Drittel brachliegcn muß, bearbeiten. Dies ergibt 200 Aktien zu 200 £ und 200 Aktien zu ‘300 £, zusammen für den Anfang 100000 £, womit die Kosten , für Boden, Häuser, Bewässerung, landwirtschaftliche Maschinen sowie die Karenzzeit bis zum zweiten Jahre, dem Jahre der Fruchttragung, gedeckt wären. Da starke Düngung notwendig ist, soll als Zwischenkultur Klee gepflanzt werden, der ein gutes Viehfutter ist. Dadurch wird es den Siedlern möglich sein, Kühe in ausreichender Zahl zu halten. Die Ertragsrechnung stellt sich außerordentlich günstig. Per Jahr kann mit Ausgaben von ca. 22 000 £ und mit Einnahmen von 44 000 £ gerechnet werden, so daß sich der Nettoertrag auf 22 000 £ stellt. Es ergibt sich eine Verzinsung für Betriebskredit von 10 0/0 und der Anteile von 20 °,'o. Die geringen Kosten der Ansiedlung, 500 £ pro Familie, und der hohe Ertrag vom zweiten Jahre ab lassen den Baumwollanbau als eine vorzügliche Basis für eine rasche Erweiterung der palästinensichen Kolonisation erscheinen. (Ziko.y Für Miltelstaids-KaloBiiation Der Parteirat der ostgallzischen Zionisten hat in seiner vor kurzem in Lemberg abgehaltenen Sitzung folgendes beschlossen: ״Der Parteirat verlangt von der Exekutive und von den galizischen Mitgliedern des Aktions-Comitds, daß sie Schritte unternehmen, 1. damit die gerechten Forderungen des Mittelstandes in Palästina bei der Bestimmung des Budgets für das nächste Jahr nicht übergangen werden; 2. daß Bedingungen für eine starke landwirtschaftliche Kolonisation des Mittelstandes in Palästina geschaffen werden, mit besonderer Berücksichtigung jener jüdisehen landwirtschaftlichen Gruppen in Polen und in anderen Ländern, die nach Palästina emigrieren wollen, ohne Beeinträchtigung der berechtigten Arbeiterforderungen des Jischuw-.“ Flagpost ■ach Palästina Nach einer Mitteilung der Comp. J n t. Navigation aerienne hat diese mit der türkischen Postverwaltung eine Vereinbarung getroffen, nach der mit den Flügen von Wien nach Konstantinopel auch Briefpostsendungen nach anderen türkischen Städten sowie nach Syrien, Palästina und Persien befördert werden können, wenn für diese Sendungen außer der vorgeschriebenen Postgebühr für den Bestimmungsort der Flugzeugzuschlag für die Beförderung bis Stambul (Konstantinopel) entrichtet wird. Solche Sendüngen werden von Konstantinopel als gewöhnliche Postsendungen weitergeleitet. Die ״Jadean laairavce“ Jerusalem, 30. Juni 1026. (P. C.) Die Judca Issurance Company feierte am 10. Juni den ersten Jahrestag ihrer Gründung. Diese erste jüdische Lebensversicherungsgesellschaft wurde von der Judean Industrial Corporation, einer Tochtergründung des Ordens ״Sons of Zion“, ins Leben gerufen. Im ersten Jahre ihres Bestehens gingen bei ihr 469 Anträge ein. Es wurden 403 Policen über insgesamt 245 300 £ ausgestellt; die übrigen Anträge schweben noch oder mußten abgelehnt werden. Kapital und Prämien der Gesellschaft wurden in Erez Israel eingezalilt und tragen hier zum Aufbau des Landes bei. Interessant war die Mitteilung, daß die erste Police, die die Gesellschaft ausstellte, einem Araber gehört. Die Crate ln Palistiaa Jerusalem, 22. Juni. (J. T. A.) Die diesjährige Gerstenernte erbrachte einen Rekord. Dagegen hat der Weizen unter der Hitze gelitten und erfüllte die Erwartungen nicht. Die Ernte des Sommeranbaus entwickelt sich gut. Achtung, Palistiaeaser! Das Palästinaamt Berlin teilt mit: Alle Palästinenser, die auf Grund des Einbürgerungs-Gesetzes von 1925 die palästinensische Staatsbürgerschaft erworben naben, und zwecks einer Reise ins Ausland provisorische Pässe mit Gültigkeit bis zum 5. 8• 1926 erhalten haben, können diese Pässe bei den ihnen nächstgelegenen Britischen Konsulaten verlängern lassen, falls sie nient bis zum 5. 8. 1926 nach Palästina zurückzukehren wünschen. Die Verlängerung geht jedoch nur bis zum 31. 12. 1926. Palästinenser, die noch nicht die Staatsbürgerschaft erhalten haben, aber auf Grund des Gesetzes dazu berechtigt sind, müssen raschest ihren Antrag bei den zuständigen Konsulaten stellen. Was beim C.-V. möglich Ist Vor einiger Zeit hat anläßlich der verschiedenen Kindermorde in Deutschland und im Zusammenhang mit der Ermordüng des ukrainischen Attaman Ospilko das völkische ״Deutsche Tageblatt“ in Berlin unter der sensationellen Ueberschrift ״Zionistische Mordzcntralc aufgedeckt“ eine unverschämte Pogromhetze veröffentlicht, worin nicht nur die Beschuldigung des Ritualmords, sondern einer ״zionistischmarxistischen Geheimverschwörung“ zur Beseitigung aller Antisemiten sowie einer ״Mordzentrale, deren letzte Drahtzieher in freimauerisch-zionistischen Kreisen zu suchen sind“, enthalten Ist. Der Artikel, der ein schwer zu überbietender Unsinn ist, enthält u. a. auch die Behauptung, die auffallende Mattheit der Pariser Presse bei Besprechung des Mordes an Ospilko, sei auf Einflüsse der Alliance Israelitc Universelle zurückzuführen. Was tut der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens? Er schreibt einen Brief an die Alliance und bittet sie, mitzuteilen, ״welche Grundlagen für die Verleumdung beständen“ und veröffentlicht dann in seiner Zeitung die Antwort, worin die Alliance erklärt, daß ״diese Anschuldigung, soweit sie die Alliance Isradlite Universelle betrifft, gegenstandslos und verleumderisch ist“. ״Soweit sie die A. I. U. betrifft...“. Das druckt der C.-V. ohne ein Wort der Ergänzung. Gewiß kann die A. I. U. nur antworten, soweit sie selbst betroffen ist. Aber der C.-V. hält es nicht einmal für nötig, hinzuzufügen, daß auch alle anderen viel schlimmeren Beschuldigungen als die gegen die A. I. U. erhobenen, selbstverständlich frei erfundene Verleumdung sind. Durch die Rechtfertigung der Alliance gegenüber dem relativ harmlosen Vorwurf, der i h r gemacht wurde, erregt der C.-V, den Anschein, als ob, soweit die Zionisten in Betracht kommen, die Sache offenbar ihm nicht genügend geklärt erscheint und er sich jedenfalls in dieser Frage nicht exponieren will. Kann diese Zweideutigkeit an Erbärmlichkeit überboten werden? Wir wtirden wünschen, daß Agenten durch ganz Deutschland reisen mit diesen zwei Blättern in der Hand, dem ״Deutschen Tageblatt“ vom 24. Juni und der ״C. V.-Zeituiig“ vom 9. Juli, und in jedem jüdischen Hause diese Blätter nebeneinander vorlegen. Denn endlich muß das deutsche Judentum darüber aufgeklärt werden, wozu aus Parteihaß die Organisation fähig ist, von der es annimmt, daß sie über der Rechtsstellung des deutschen Judentums wacht und unrechtmäßige Angriffe abwehrt. ... and was in Tel-Awiw ״Haarez“ und ״Dawar“ beschäftigen sich mehrfach mit der durch zwei Tel-Awiwer Bürger, Mitglieder der ״Vereinigung der Haus- und Terrainbesitzer“, gegen gewisse Ver- Ordnungen der Stadt Tel-Awiw erhobenen Anfechtungs* klage, die den obersten Gerichtshof in Jerusalem besenäftigt. In der Klage wurde die Legalität der Verordnungen unter anderem mit der Begründung angefochten, daß an den Wahlen zur Stadtverwaltung Tel-Awiws ״ausländische Staatsbürger“ teilgenommen hätten, was mit den geltenden türkischen Gesetzen nicht im Einklang stehe. (Daneben wurde insbesondere vorgebracht, daß sich an den Wahlen Nichtsteuerzahler beteiligt hätten.) Der ״Haaretz“ und ״Dawar“ protestieren in scharfen Artjkeln gegen diesen Angriff auf die kommunalen Bürgerrechte der ausländischen Staatsangehörigen. Auch in der Sitzung des Waad Leumi bildete die Angelegenheit Gegenstand erregter Erörtertfngfcn in deren Verlauf unter anderem Colonel Kisch gegen das Vorgehen der betreffenden Tel-Awiwer Bürger protestierte. Ueber den Ausgang der Rechtsstreitigkeit ist zurzeit noch nichts bekannt. Die Krisis im Jüdische■ Klab beendet. Warschau, 7. Juli. (J. T. A.). Die Krisis im Jüdischen Parlamentsklub Polens ist erledigt; Abg. Hartglas hat nach einer befriedigend verlaufenen Aussprache zwischen den Klubmitgliedern über die Disziplinfragen erklärt, daß er das Amt des Präsidenten des Klubs b e i b e h ä 11. Der Sitzung wohnte der bekannte hebräische Dichter Dr. Saul 1 scher nichowsky bei. Er wurde vom Präsidenten und von Mitgliedern des Klubs warm begrüßt und durch eine hebräische Ansprache des Abg. Grünbaum geehrt Die Schlcklfrage ia Bayer■ München, S. Juli. (J. T. A.) Das Plenum des Bayerischen Landtages hatte heute über den von der völkischen Fraktion eingereicht^n und vom Verfassungsausschuß bereits angenommenen Antrag zu entscheiden, wonach vor Beginn der Blutentziehung die Schächttiere mechanisch betäubt werden müssen. Mit den Stimmen der Völkischen, Deutschnationalen, Sozialdemokraten und einem kleinen Teil der Bayerischen Volkspartei wurde der völkische Antrag vom Plenum zum Beschlüsse erhoben. Gegen den Antrag stimmten der überwiegende Teil der Bayerischen Volkspartei, die linke Vereinigung (Zentrum und Demokraten), sowie die Kommunisten. Aller Voraussicht nach wird aber dieser Beschluß nicht Gesetz werden können, weil die Angelegenheit der Reichszuständlgkeit unterliegt. Kleine Nachrichten Als Abschluß der Aktion zur Aufbringung von 50 000 £ für das jüdische Krankenhaus und das Waisenasyl in Norwood wurde in London ein Bankett abgehalten, welchem Marquis v. Reading, der frühere Vizekönig von Indien, präsidierte. Herr Bernhard Baron hatte 11000 £ beigetragen. Namens der Regierung sprachen Lord Birkenhead und Nev. Chamberlain. Am 13. Juni wurde in Tel-Awiw in Gegenwart von Frau und Fräulein Nordau und der Vertreter des Magistrats der Grundstein zu einem Säuglingsheim gelegt, das den Na* men von Dr. Max Nordau tragen soll. Das Säuglingsheim wird 50 Säuglinge aufnehmen können. (Ziko.) In den ersten sechs Tagen nach der Veröffentlichung des Prospektes der Gesellschaft zur Anlage von Kleinsiedlungen nach den Plänen Dr. Soskins sind in Warschau mehr als 50 Eintragungen von Mitgliedern der Gesellschaft erfolgt. Der zweite europäische Nationalitätenkongreß soll am 25. August in Genf stattfinden. Man erwartet die Teilnahme von etwa 40 Minoritätengruppen mit einer Bevölkerungszahl von 40 Millionen Menschen. Der rumänische Senat hat das Mandat des von der Handelskammer in Jassy und Czernowitz gewählten Ehe Mendelsohn annulliert.

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