Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 53 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ehttehmmmer 0,30 Qoldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erackeint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Gold mark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. AuslasdiaboDBesieats werden in der Wihntng der einzelnes Linder berechnet. 1 Telephon: Bismarck 7165 -70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392. * Anzeigen *״ V6rw<1mg 1 Für Oeaterreieb; Postiparkasienamt Wien, Konto Nr, 156 030. . * , * -•**-»«. .. . . , . _ ■ Für Tschechoslowakei; rostiparkaaxeatmt Prag, Konto Nr. 59 410. Jüdische RundschauG.m.b.H., Berlin W15, Metnekestr.lO | Für Polen; Paetsparkaasenaat Warschau, Konto Nr» 190 708. Telephon: Amt Bismarck 7165—70. | Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Hummer 53 | Berlin, 9. VII. 1926 An*ei|enpreU:8gcspalt.Nonpareülefe!le0,50G.-M, Stellengesuche Li.-M. ■ » B v_ ¥ 1_ [ AnreigensckluS! Dienstag und Freitag -nachmittag 4 Uhr. | 1 ' ׳ uJ iH | XXXI# «iQ.ht'g•• Der Zionismus erstrebt flr das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstötla in Palästina. ״Baseler Programm.‘• Große Einzelspende für den Keren Hajessod Allcnby-Fcicr in London Am 4. Juli fanden im Londoner East-End zu Ehren Lord Allenbys, des Befreiers Palästinas von der türkischen Herrschaft, zwei Kundgebungen statt, die einen überaus feierliehen Verlauf nahmen. An dieser Kundgebung beteiligten sich außer Lord und Lady Allenby Vertreter der zionistischen Exekutive, der englischen zionistischen Föderation, Herr Bernhard Baron und ein nach vielen Tausenden zählendes Publikum. Um 2 Uhr nachmittags fand im Saale von Mile End Empire ein Meeting statt, auf dem Lord Allenby eine Adresse der Zionistischen Organisation überreicht wurde. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Präsident der English Zionist Federation, Mr. Philip Guedalla, der das Meeting mit etner Ansprache eröffnete, in der er die Eroberung Palästinas durch Lord Allenby feierte und der Dankbarkeit für Englands Unterstützung der Zionisten Ausdruck gab. Nach Guedalla sprach Reverend Goldbloom hebräisch. Er erinnerte daran, daß wir uns gegenwärtig in den Trauerwochen wegen der Zerstörung Palästinas befinden find dankte Allenby, daß er Jerusalem befreit hat, ohne die Stadt durch Kriegsmaßnahmen zu beschädigen. Mr. Lad low, der Ehrensekretär der englischen zio* nistischen Föderation, verlas hierauf die Lord Allenby überreichte Adresse, welche in hebräischer und englischer Sprache auf Pergament kunstvoll ausgeführt ist. Die Adresse lautet: ״Namens der englischen zionistischen Föderation bcgrüßen wir Sie auf das herzlichste und drücken Ihnen unseren tiefsten Dank für den Dienst aus. den Sie unserem Lande und unserem Volke erwiesen haben. Durch ihren Sieg auf dem Boden Palästinas haben Sie uns als englische Bürger stolz und als Juden dankbar gemacht, denn die unter Ihrem Kommando stehenden Armeen haben die Verwirklichung unseres historischen Strebens durch die Balfourdeklaration und das britische Palästinamandat ermöglicht. Sie haben unserem Volke Gelegenheit gegeben, ein neues Leben im Wiederaufbau seines nationalen Heimes zu finden und wir erinnern stolz daran, daß jüdische Bataillone das ehrende Vorrecht genossen, in Ihren Kämpfen für die Befreiung des Heiligen Landes eine ehrenvolle Rolle zu spielen.“ Die Adresse trägt die Unterschriften von Dr. Weizmann, Alfred M o n d, Reverend Gold.bloom, Philip Guedallf, Dr. Daieh es, Paul Goodman, Moeris Myer, י Ar e e n b e r g, Philip»-, Benon, •Hyat, Robert Solottyans, Ladlow und Morgenstern. Allenby's Antwort Lord Allenby, durch eine minutenlange Ovation begrüßt, erwiderte: ״Ich nehme mit Dankbarkeit und Rührung die in der schmucken Schatulle verborgene Adresse entgegen. 1917 wurde ich durch die Judenschaft Jerusalems geehrt, als mir in Gegenwart Dr. Weizmanns eine Thorarollc dargereicht wurde. Und nun diese zweite große Ehrung. Der Zionismus ist für den Nichtzionisten schwer zu begreifen. Zionismus ist Synthese von Nation und Religion; so können Juden in allen Ländern unbeschadet ihres zionistisehen Ideals loyal!nitarbeiten an der Wohlfahrt ihres Heimatlandes. Nirgends in der Welt bin ich Menschen begegnet, die soviel Enthusiasmus und Glauben einer Sache dargebracht hatten, wie die Zionisten, und insbesondere Dr. Wcizmann, ihrem Ideal. Noch vor der Eroberung Palästinas sei Weizmann in seinem Hauptquartier gewesen und hätte auf einer Karte die Stelle angezeichnet, auf der sich die Hebräische Universität erheben sollte. Kurze Zeit darauf wurde der Grundstein zur Universität gelegt, und sieben Jahre später, im Jahre 1925, sei die Universität eröffnet worden. Das Werk der zionistischen Politik in Palästina ist das wunderbarste im gesamten Orient. Man warf den britischen Militärs in der Kriegszeit mangelnde Sympathie für die zionistische Sache vor. Das war ein Irrtum. Gewisse Maßnahmen, die Vorsicht geboten, wurden mißdeutet. Heute ist es erwiesen, daß es kein Mangel an Sympathie für das jüdische Werk war und ist. 1918, setzte Allenby fort, stand ich auf einer Sanddüne in T e 1 - A w i w. 1925 stand ich an derselben Stelle, sie hieß aber A i I e n by - S t r a ß e; ich überblickte von da Wohnstätten von etwa 30 01)0 Menschen. Die Fruchtbarkeit des Tales Jesreel beweist, daß die Zukunft des jüdischen Werkes in Palästina in der Landwirtschaff ruht. Palästina ist jeizt das einzige Orientland, das ein Bild der Ruhe und der Wohlfahrt bietet. Zwar äußern die Bewohner Unzufriedenheit, aber es ist eine göttliche Unzufriedenheit, die ein Streben nach Vervollkommnung erzeugt. Das zionistische Werk braucht moralische und finanzielle Unterstützung, nicht Philantropie. Keine Spenden, sondern Anleihen und Kapitalien für Eure Entwicklung! Bei genügender finanzieller Unterstützung ist die Zukunft des Zionismus ein sicherer Erfolg.“ Eine halbe Million Mark-Spende Nach Lord Allenbys großer Rede erhob sich Mr. Bernhard Baron, und zog aus der Tasche einen Scheck. Mr. Baron sagte: ...Mit einem Gefühle der Dankbarkeit und Be- Wanderung habe ich Lord Allenbys Worte vernommen. Als Ausdruck dieser Dankbarkeit überreiche ich Ihnen einen Scheck über 25 000 Pfund für die Arbeit, die in Palästina geleistet wird.“ Dr. Weizmann, vom Publikum mit stürmischen Ovationen empfangen, sagte: ״Wir haben für die Persönlichkeiten, die wir schätzen, keine Titel und Würden, aber die Dankbarkeit, die das ewige Volk der Juden im Herzen trägt für diejenigen, die ihm Gutes erwiesen haben, ist mehr wert als Titel und Würden. Ich will wiederholen, was ich schon einmal gesagt habe: Die Geschichte registriert Namen von vielen Generälen, die vergessen werden, aber der Name jenes Generals, der Palästina befreit und die Verwirklichung der Balfourdeklaration ermöglicht hat, wird ewig leben, wichtig isl, daß alle, die nach dem Eroberer kamen und kommen werden, das Werk vervollkommnen, das Allenby möglich gemacht ha(.“ Zu Mr. Baron gewendet, sagte Weizmann: ,,Sie kommen in Zeiten der Not und helfen uns in unserer Aufbauarbeit. Damit haben Sie Ihr Teil zur Befreiung beigetragen. Mein Wunsch ist, daß Sie bald Palästina besuchen und das Land und die Menschen scheu, damit Sie auf dies׳.־ Weise den Lohn für ihre Tat finden.“ Dr. Da ich cs dankte noch einmal allen Anwesenden und bezeichnete Mr. Baron als einen C h a 1 u z 11 a k c s s e f (Silber), der hoffentlich auch ein Chaluz Hasahaw (Gold) für den Aufbau des jüdischen Nation,־:!heims werden wind. Um 3 Uhr nachmittags fand in der Synagoge Stcpney Green die Enthüllung einer Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Soldaten statt, die unter Lord Allenby an den Kämpfen um Palästina teiigenommen hatten. Lord Allenby hielt hei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er die Verdienste der jüdischen Soldaten würdigte. * Die Spende des Herrn Bernhard Baron von £ 25 000 ist die größte Einzelspende, die der Keren Hajessod seit seiner Begründung erhalten hat. Mr. Baron ist ein aus Rostow am Don gebürtiger Jude, der als 16 jähriger Junge nach Amerika auswauderte und sich dann in England eine große industrielle Position als Leiter einer Zigarettenfabrik geschaffen hat. Er ist als Philantrop bekannt und hat allein im letzten Jahre 200 000 £ für wohltätige Zwecke gegeben. Mr. Baron, der jetzt 76 Jahre alt ist, steht politisch der Arbeiterpartei nahe. An jüdischen Angelegenheiten hat er wiederholt großes Interesse bewiesen und in den letzten Jahren ist es Dr. Weizmann gelungen, ihn für das Aufbauwerk in Palästina zu gewinnen. Mr, Baron hat bereits vor zwei Jahren £ 10000 für die Universität Jerusalem gespendet. Mr. Baron hat sich für den Gedanken des jüdischen Palästinawerkes, dessen einzigartige Bedeutung er mit echt jüdischem lnstinkt erfaßte, immer mehr erwärmt, und hat unter dem Eindruck der Berichte, die ihm Dr. Weizmann nach seiner Rückkehr aus Palästina über die Fortschritte, aber auch über fp g-ropA ft י׳י*־׳ יי*״■*«י Krrr g׳s;g־«Kgr; h&t, die Absicht geäußert, sich in großem Ausmaß für die Fortführung dieses Werkes zu interessieren. Er stellte in Aussicht, daß er erhebliche Teile seines Vermögens hierfür verwenden wird. Als ein erster Beitrag dieser Art ist wohl die Spende von £ 25 000 zu betrachten, die schon an und für sich einen großen Betrag darstellt. Herr Baron beabsichtigt, im nächsten Frühjahr Palästina zu besuchen. Die Nachricht von dem Interesse Barons für Palästina und von seiner Absicht, sich mit einem namhaften Beitrage zu beteiligen, ist bereits seit mehreren Wochen durchgesickert und in der ganzen zionistischen Welt besprochen worden. Auch die Presse hat natürlich davon Notiz genommen. 111sbesondere die palästinensischen Zeitungen haben schon vor einem Monat auf Grund der nach Palästina gedrungenen Gerüchte große Leitartikel publiziert, in welchen sie die bevorstehende wunderbare Rettung aus der gegenwärtigen furchtbaren Notlage ankündigten. Es ist nicht das erste Mal, daß es nicht gelingt, über im Zuge befindliche Verhandlungen 'die nötige Diskretion zu wahren und daß durch vorschnelle Preisgäbe an die Oeffentüchkeit die öffentliche Meinung verwirrt und in ein ungesundes Auf und Nieder von Stimmungen hineingerissen wird. Es ist begreiflich, wenn in der heutigen Lage eine solche Nachricht begierig aufgegriffen wird, aber umso vorsichtiger sollte man an den verantwortlichen zionistischen Stellen sein und sollte dafür sorgen, daß die Presse und die zionistischen Organe nicht Nachrichten aufgreifen, die noch nicht vollendete Tatsachen, sondern lediglich Verhandlungsgegenstand sind. Durch diese Art der Vorbereitung wurde bewirkt, daß ein großer Teil der zionistischen Welt die Spende von 25 (WO £, die eine ganz beträchtliche Summe darstellt, mit einem Gefühl der Enttäuschung zur Kenntnis nimmt. Wir hoffen, daß Mr. Baron seine Absicht, sich weiterhin der Palästinasache anzunehmen, nicht aufgegeben hat und daß seine Reuse ihn in seinem Interesse bestärken wird. Für eine Persönlichkeit seiner Art gibt es kaum ein bedeutenderes und geeigneteres Tätigkeitsfeld als Palästina. Wenn die Namen aller jüdischen Philanthropen vergessen sein werden, wird der Name des Barons Edinund Rothschild, der seine Liebe Palästina widmete, weiterleben. Palästina braucht, wenn aus der jüdischen Fleimstätte etwas werden soD, Menschen von Edmund Rothschilds Art; Menschen, die imstande sind, sich für eine . große Sache ganz zu engagieren. Im heutigen Stadium, wo große, für das Land eminent wichtige Einzel- Projekte ihrer Durchführung harren, könnte ein Eingreifen eines Mannes von der Art Barons eine außerordentliche Hilfe zur Produktiv ierung des ganzen Werkes sein. Das jüdische Volk hat in diesen letzten 30 Jahren an seinen Reichen schon viel Enttäuschungen erlebt; die Geschichte wird aber nur von denen zu berichten wissen, die in dieser entscheidenden Stunde zur Stelle waren. \ch*d la*m — Siebziger Jerusalem, 4. Juli. (J. T. A.) Der palästinensische Schriftstellerverein trifft Vorbereitungen zur Feier des 70. Geburtstags von Achad Haam, der auf den 5. August (25. Aw) Zur liberalen Weltkonferenz In einigen Tagen wird in London eine Weltkonfcrenz des liberalen Judentums eröffnet werden. Diese Konferenz ist ein Ereignis, das nicht mir wegen der Fei’.- nähme hervorragender jüdischer Persönlichkeiten, sondern auch als Symptom der Entwicklung des jüdischen Bewußtseins unser Interesse verdient. Wir als Zionisten sind in bezug auf die religiösen Differenzierungen des Judentums neutral. In unseren Reihen sind begeisterte Vorkämpfer des religiös liberalen Gedankens, ebenso wie streng geset/estreue religiöse Juden; das Ziel des Zionismus: die Wiedererweckung des jüdischen Volkes zu einem lebendigen, innerlich freien, für sich selbst vern nt wörtlicher! Organismus, ist ihnoi allen gememsam; und jeder für sich kann die Hoffnung nähien, daß in der erstrebten autonomen jüdischen Gemeinschaft ein neues geistiges Leben des Judentums, das wirklich geistiges [.eben und nicht erbärmliches Surrogat ist, ihm den Sieg bringen wird. Wäre die Konferenz des liberalen Judentums nichts anderes als eine Aussprache über relig־iöse Normen oder theologische Prinzipien, wir könnten uns damit begnügen, mit Sympathie festzustellen, daß das Interesse an jüdischen Dingen sich wieder in einer besonderen Form manifestiert, was wir vom Standpunkt einer Stärkung des Judentums immer begrüßen. Nun ist aber eine solche Konferenz stets auch ein soziales und — wenn inan den Begriff im weiteren Sinne versteht — politisches Ereignis. Und als solches bedarf es einer kurzen Analyse. Das heutige empirische liberale Judentum ist ein Resultat aus zwei Komponenten, die ganz verschiedenen seelischen Ursprung haben und ganz ungleichvvertig sind. Die eine Komponente ist die nach unmittelbarer Aus- Wirkung, nach unmittelbarer Beziehung zum Absoluten strebende Religiosität, die sich von den Fesseln des Rituals und einer erstarrten Tradition befreien muß, um die Frömmigkeit des Herzens zu bewähren. Die andere Komponente hingegen ist das Streben, jüdisches Leben möglichst unauffällig in» das weltliche Leben einer andersartigen Umwelt einzugliedern, es von allen störenden Eigentümlichkeiten zu befreien und auf einen schmalen Bezirk gelegentlicher Betätigung zu beschränken. Diese Verbindung mit der Tendenz der Assimilation hat dem Liberalismus seine große Popularität gebracht, da die Massen, sobald sie religionslos geworden waren, natürlieh Bequemlichkeit und Erleichterung des materiellen Lebens der Belastung durch die Tradition vorzogen. Die Propheten, deren Religion der Liberalismus erneuern wollte, standen allerdings stets als einzelne gegen die Mehrheit der den Zwecken ihres Wohlergehens ausschließlich hingegebenen Massen. Man kann wohl, ohne dem Liberalismus unrecht zu tun, sagen, daß — mit Ausnähme einzelner prominenter Persönlichkeiten — die opportunistische Komponente über die religiöse immer stärker das Uebergewicht erhalten hat. Nirgends zeigt sieh das deutlicher als in der Stellung zum Staate. Das liberale Judentum aller Länder war stets obenan in der Beteuerung seines unbedingten Patriotismus; so sehr, daß mau in manchen Ländern, wie in Ungarn, aber auch in Deutschland, von geradezu grotesken Entgleisungen in der Richtung eines von niemandem geforderten überbetonten Nationalismus (natürlich nicht jüdischen Nationalismus) sprechen muß. Daß zwischen wahrer Religiosität und Patriotismus ein tiefer Gegensatz besteht, da die Religiosität Gottes Forderung, der Patriotismus das Dekret irgendeines Beamten oder Generals als höchstes Gesetz anerkennt, kam nur sehr wenigen in den Sinn. Selbst so bedeutende .Menschen und Denker wie etwa Herrmann Cohen oder Claude Montefiore, deren ehrliches religiöses Gefühl nicht angezweifelt werden soll, haben mit jener merkwürdigen Selbsttäuschung, die für den liberalen Opportunismus charakteristisch isl, den Patriotismus geradezu zu einem Fetisch gemacht. Nun wollen wir absolut nicht mißverstanden sein und wollen nicht, daß jemand aus unseren Zeilen herausinterpretiert, wir seien etwa als deutsche Juden gegen deutschen Patriotismus oder gegen loyales Staatsbürgertum. Nicht darum geht es. Gerade das nationale Judentum, das in erster Linie die sozial-politische Stellung der Juden zum Gegenstand seiner öffentlichen Betätigung macht, wird selbstverständlich das größte Verständnis haben für die Notwendigkeiten des staatlichen Lebens. Wir befinden uns hier auf derselben Ebene. Ganz anders aber bei der Gegenüberstellung von Religion und Politik. Hier liegt das eigentliche Problem tiefer. Die Propheten, auf die die liberalen Juden sich berufen, hatten den Mut, nicht etwa nur gegen fremde Staaten, sondern auch gegen den eigenen Staat, gegen den jüdischen Staat, aufzutreten; was sie erregte, war die 1 nstifution des Staates, der durch seine Autorität .Menschen zwingt, Gottes Gebot zu verletzen. Gottes unbedingte Forderung stand ihnen über dem Gesetz des Staates. Dagegen war es ihnen