Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 50 (29.6.1926)
- Date
- 1926-06-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,35 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestr&ße 10, Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark, AtultodsabonaemeDi* werdea ia der Währung der eiazebeo Länder berechnet Nummer 50 | Berlin, 29. VI. 1926 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G, m. b. H., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anz«igenprei«;8ge*pa!tNoap&reiileze11c0,50 G,־M Stellengesuche 0,25 G.-M. Acx ei genschiaß: Dienstag and Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156 010. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag, י״ז תמוז. תרפ״ו . | xxxLJahrg. Bar Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung elnor öffentlich י rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Der irbeUer-WeUksntrct tur Wanderutgslragen London, 23. Juni (J. T. A.) Am 22. Juni begann in London die Tagung des Weltwanderung skongresses, der von dem Internationalen Gewerkschaftsbu n d und der Zweiten sozialistischen Internationale einberufen wurde. Vertreten waren 17 europäische und 6 überseeische, also insgesamt 23 Länder. Der Weltverband der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei P o a 1 e Zion war durch Berl Locker, S. Adler-Rudel und M. J a h r b 1 u m , die palästinensische Arbeiterföderation durch J. Ben Zwi, der jüdisch-sozialistische ״Bund“ aus Polen durch Professor Hersch von der Genfer Universität, der beim Internationalen Arbeitsamt als Fachmann fungiert, und das bekannte Buch ״Die jüdische Emigration“ verfaßt hat, vertreten; ferner durch Herrn Alter, Direktor der jüdischen Emigrationsgesellschaft in Polen, die eine Tochtergesellschaft des Emigdirect in Berlin ist, sowie durch Gerson Zilbert, Präsidenten des Ernigralionsbüros des jüdischen Gewerkschaftsbundes in Warschau. Endlich war das Zentralbüro der privaten Organisationen zum Schutze der Emigranten beim internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes durch Herrn S. Cohen- London vertreten. Im Auftrag der Ica wohnt Herr Lucien Wolf dem Kongreß als Gast bei. Den Vorsitz führte der Vizepräsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes Mr. Mersdcn. Der Sekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, Mr. John W. B r o w!1, hielt ein eingehendes Referat über die Wanderungsprobleme und wies auf die eigentümlichen Schwierigkeiten des jüdischen Wanderungsproblems hin. Eine Lösung der jüdischen Wanderungsfrage ist besonders wichtig. Das Wiederaufleben des Antisemitismus in gewissen Ostländern Europas verschlimmerte die Lage der jüdischen Bevölkerung in diesen Ländern sehr. Die Juden können sich den Verfolgungen nicht mehr durch Auswanderung nach Amerika entziehen, da Amerika seine Tore geschlossen hat. Es sind mir sehr schwache Ventile vorhanden, um dem Drang zur Auswanderung Genüge zu tun. Die Aufnahmefähi'gkeit Palästinas ist politisch wie wirtschaftlich begrenzt. Die hervorragenden Erfolge des j ü d i - scheu Gewerkschaftswesens in Palästina bilden einen neuen Beweis für die geradezu geniale Organisationsfähigkeit der Juden, weshalb den ArbeitergewerksclTaften aller Länder *eine jüdische Einwanderung willkommen sein obwohl nicht offen betont, der Rässenstand• punkt eine gewisse Rolle. Die Vereinigten Staaten haben ein ganz kompliziertes System der Einwanderungseinschränkung geschaffen. Die amerikanische Arbeiterföderation ist mit dieser Politik einverstanden unter Hinweis auf die hohen Löhne der Arbeiter, die sie als das Resultat der Einwanderungseinschränkung ansieht. Die Föderation übersieht hierbei andere Faktoren, die gegen eine Einschränkung sprechen. Tatsache aber bleibt, daß angesichts der übereinstimmenden Auffassung in Amerika an eine Aenderung der Verhältnisse nicht so bald gedacht werden kann. Die anderen überseeischen Länder sind noch nicht genug industrialisiert, um eine größere Zahl Einwanderer aufzunehmen. Der Berichterstatter schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß durch eine Verständigung zwischen den Arbeiterorganisationen der Ein- und Auswanderungsländer gesunde Wanderungsprinzipien in die Wirklichkeit umgesetzt werden würden. Im Verlauf der Tagung wurden Denkschriften der Poale Zion, des Bund, und des Emigdirect verlesen. In dem Memorandum der Poale Zion wird auf die besondere Struktur der jüdischen Massen hingewiesen. In den Ostländern werden jüdische Erwerbs'dassen, wie Kaufleute, Handwerker und Agenten aus ihren Positionen hcrausgedrängt. Die Folge ist eine Deklassierung breiter jüdischer Massen. Die kleine Zahl jüdischer Landarbeiter ist auf das Fehlen eines jüdischen Landes zurückzuführen. Die jüdische Wanderung kann in einem weit höheren Grade als bei jedem anderen Volke als eine permanente angesehen werden. Die Lage in den Ostländern ist gegenwärtig eine solche, daß, wenn keine Einwanderungsschränken bestünden, wohl jährlich Hunderttausende Juden zum Wanderstabe greifen würden, um Arbeits- und Existenzmöglichkeit zu suchen. Diesem enormen Auswanderungsdruck steht ein absoluter Mangel an Eiuwanderungsmöglichkciten gegenüber. Amerika hat vor dem Kriege 80 ״/« aller jüdischen Auswanderer aufgenommen. Das Schließen der amerikanischen Einwanderungspforte hat eine Stauung der jüdischen Einwanderung verursacht. Die übrigen Ueberseeländer sind für eine jüdische Einwanderung weniger geeignet, weil in diesen Ländern das gewünschte Element Landarbeiter sind, die die Juden nur zu einem ganz geringen Teile stellen können. Um aus jüdischen Händlern Bauern zu machen, bedarf es einer von idealen, moralischen und politischen Motiven geleiteten Bewegung, wie es die Bewegung für den Aufbau Palästinas ist. Es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen der Einwanderung nach Palästina und der nach anderen Ländern. In den letzteren finden die Einwanderer wirtschaftliche Bedingungen vor, denen sie sich gleich anpassen können. Nicht so in Palästina. Das primitive arabische Wirtschaftssystem ist nicht dazu angetan, Einwanderer zu absorbieren. Für die jüdische Einwanderung muß ein neues ,wirtschaftliches Leben geschaffen werden. Die Einwanderer müssen sich selbst mit Hilfe von Kapital und Arbeit alle Quellen des Wirtschaftslebens erschließen, und sic müssen sich einen inneren Markt für die eigenen Produklionen schaffen. Der Zweck dieses Berichtes ist, der internationalen Arbeiterbewegung zu zeigen, weshalb das Welt- Wanderungsproblem für die jüdischen Arbeiter von so brenne- ־fern Interesse ist und warum die jüdischen Arbeiter freie Wanderung fordern, sowie das Recht jedes einzelnen auf ־*inen Platz in der Welt, wo er leben und arbeiten kann. Gleichzeitig sollen die Blicke der internationalen Arbeiterschaft auf Jas bescheidene, aber edle Werk gelenkt werden, das in Paästina verwirklicht wird und das einen Erfolg nationaler Kraftanstrengung und gleichzeitig des Strebens nach Ver- Airklichung des sozialistischen Ideals bedeutet. Indem die nternationalen Arbeiter diese jüdische Arbeit fördern, helfen sie nicht nur, eines der tragischsten Probleme der Welt- Wanderung zu lösen, sondern sie helfen auch, ein heroisches Stück sozialistischer Wirklichkeit schaffen. Das Memorandum des Emigdirect. ln dem vom Emigdirect, Berlin, unterbreiteten Memorandum wird u. a. ausgeführt: Der Prozeß der jüdischen Wanderung ist gleichzeitig ein Prozeß der Zuführung der Massen zu produktiver Arbeit; die Juden haben deshalb ein besonderes Interesse daran, daß die Gewerkschaftsbände das Auswanderungsproblem lösen helfen. Bisher war die Einwanderungspolitik der Gewerkschaften nicht im Einklang mit den Prinzipien internationaler Arbeitersolidarität. Die amerikanischen Gewerkschaften verhalten sich der Ein- Wanderung gegenüber feindselig, das gleiche gilt von der Arbeiterschaft Australiens, die die Einwanderungspolitik dieses Landes beeinflußt. Angehörigen bestimmter Staaten, so u. a. Palästinensern, ist die Einwanderung untersagt. Auch• in Europa haben die Gewerkschaften gegen die freie Einwanderung gewirkt. Das Emigrationsdirektorium unterbreitet dem Kongreß eine Anzahl Vorschläge, von denen hervorzuheben sind: Der Kongreß möge energisch gegen alle Verfolgungen und Ausnahmegesetze auftreten, weil durch Verfolgungen und Rechtlosigkeit die Auswanderung künstlich gesteigert wird. Der Kongreß möge für absolute Freiheit der Wanderung eintreten; Beschränkungen sollen nur gemäß den Resolutionen des Berliner Kongresses der internationalen Gewerkschaften vom (ähre 1919 zulässig sein. Die Praxis einiger Emigrationsländer, wie Polen und Rumänien, die Auswanderern einer nationalen Minderheit die Bürgerrechte nehmen, sobald sie das Land verlassen haben, soll abgeschafft werden. Dem Einwanderer sollen überall leichtere Bedingungen für Naturalisation gewährt werden. Das Memorandum des ״Bund“. In dem vom polnisch-jüdischen ״Bund“ unterbreiteten Memorandum wird gesagt, die Hauptursache der jüdischen Auswanderungsbewegung ist die wirtschaftliche Depression, aber auch die politischen Verhältnisse spielen eine Rolle trotz des ungeheueren Wechsels in den politischen Bedingungen seit der Zarenzeit. In Polen haben bisher alle Regierungen einen Wirtschaftsboykott gegen die Juden betrieben. Nationale Bedrückung und antisemitische Iren Staates eines bracht, daß sich Palästina gelöst r׳T,WZ dem Memorandum werden bezüglich der Palästinaein־ Wanderung Zahlen angeführt, die im Widerspruch zu den Angaben im Poale Zion-Memorandum stehen. Aus den Zahlen wird die Schlußfolgerung gezogen, daß die Einwanderung in Palästina einen philanthropischen Charakter trägt und nicht ökonomischen Bedingungen angepaßt ist. Die Arbeit in Palästina wird von der Zionistischen Organisation alimentiert. Palästina kann ein Zentrum für eine Gruppe Juden werden, wie z. B. Argentinien. In dem Memorandum wird dann auf die Binnenwanderung der Juden in Rußland hingewiesen, wo den Wanderern, Zehntausenden von Juden, freier Boden für Landansiedlung zur Verfügung gestellt wird. Die Palästinafrage ist also nicht der ausschlaggebende Faktor für die jüdische Emigration und kann diesem Problem keineswegs eine Lösung bringen. Im Verlauf der weiteren Diskussion verteidigte Joubaux (Frankreich) die Einschränkung der Einwanderung zwecks Schutzes der authochtonen Arbeiterschaft. Knoll (Deutschland) sagte, politische und nationale Rücksichten hätten unmögliehe ökonomische Grenzen geschaffen, was mit ein Grund für die Steigerung der Auswanderungsbewegung ist. (Siehe auch im Innern des Blattes.) Die Convention in Bnffalo Am 27. Juni hat in Bufallo die Tagung der 29. Jahresver- Sammlung der Zionistischen Organisation in Amerika begonnen. Der Tagung, der ungefähr 1000 Delegierte aus allen Teilen der Vereinigten Staaten beiwohnen, liegt ein umfangreiches Beratungsprogramm vor, welches eine Ver- Stärkung und Intensivierung der Aufbauarbeit in Palästina bezweckt. Landwirtschaft und Industrie in Pafästina sollen auf eine Entwicklung gebracht werden, daß im kommenden Jahre Raum für die Neuansiedfung von weiteren 50000 Juden aus Ost- und Mitteleuropa geschaffen wird. Das Beratungsprogramm betrifft ferner die Förderung der Ruthe 11 berg-Kon Zession durch die amerikanischen Juden; es sollen fünf Millionen Dollar bereitgestdlt werden für die anfängliche Durchführung des Programms der Kon- Zessionen. Weitere fünf Millionen Dollar sollen für die Anlage neuer landwirtschaftlicher Kolonien beschafft werden. Den Investierungen von Privatkapital in Palästina soll neuer Ansporn gegeben werden, besonders durch Schaffung eines Systems von Prioritätsobligationen, aus deren Ertrag langfristige Kredite für den Bau von Häusern und für Anlage von Industrien geben werden sollen. Ein Appell zur Aufbringung weiterer 10 Millionen Dollar soll an die Judenheit Amerikas gerichtet werden, wobei alle noch nicht ausgenutzten Gebiete herangezogen werden sollen. Der diesjährige Appell erbrachte 4 250 000 Dollar, das ist die größte Summe, die je die amerikanischen Juden in einem einzigen Jahre für Palästina geleistet haben. Chaim Nachman Bialik wird der Jahresversammlung beiwohnen und wird nach Schluß derselben die Rückreise nach Palästina antreten. Die Delegation des Waad Leomi Die Mitglieder der Delegation des Waad Leumi, die in Genf geweilt haben, werden sich dieser Tage in London einfinden, Rabbi U s 1 e I ist bereits in London eingetroffen, während sich Dr. Arlosoroff über Berlin und D i z e n g o f f über Paris nach London begeben. Die Delegation wird dem Colonial Office in London die Wünsche des palästinensischen Judentums vortragen. Rundschau Hyamson In Berlin - Sokolow* Südafrikanische Aktion - Die Ohrfeige von Tel-Awfw RW., Berlin, 28. Juni Die Reise des Leiters des Immigrationsdepartments der palästinensischen Regierung, Mr. Hyamson, durch Europa ist ein Beweis dafür, daß die palästinensische Regierung sich dessen bewußt ist, daß die Aufgabe, die sie zu lösen hat, nicht lediglich eine lokal beschränkte ist, sondern daß die Verwaltung des Mandatsgebietes Palästina unmittelbar zusammen hängt mit einem Weltproblem, dessen bewegende Kräfte im Ausland liegen. Der Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina, dieses zentrale Problem der heutigen Palästinaverwaltung, ist der nach jahrhundertelangem Irren nun beschrittene Ausweg aus dem Labyrinth der Judenfrage. Die Judenfrage offenbart sich in der äußeren und inneren Lage der Juden in den meisten Ländern Europas. Es ist gar nicht nötig, an die verelendeten Massen in Rußland und Polen zu denken, es genügt auch die Erfahrung, daß in einem Lande wie Deutschland im Jahre 1926 eine regelrechte Ritualmordhetze möglich ist, ein Treiben, das die Tiefe der Abgründe zwischen den Juden und ihren Mitbürgern in erschreckender Weise enthüllt. Feindschaft gibt es auch unter anderen Völkern, aber bei welchem anderen Volke der Welt wäre es denkbar, daß plötzlich im friedlichen Zusammenleben des Alltags derartige unsinnige Beschuldigungen laut werden, die nur durch phantastische Gespensterfureht zu erklären sind?! Kein Fortschritt der Zivilisation hat an dieser Sache etwas geändert; heute wie vor 500 Jahren kann man zumindest Teilen eines Volkes wie des deutschen solche Dinge einreden. Die Lage der Juden ist äußerlich und vor allem moralisch unhaltbar. Dies ist die Judenfrage, und der Aufbau der jüdischen Heimstätte wird zwar nicht morgen oder übermorgen, aber im weiteren Verlaufe der Entgek^g,, liehen’'‘S^ion bringen. Aus der Eigenart der Judenfrage sind viele der Schwierigkeiten zu verstehen, die sich in Palästina ergeben. Es ist daher sehr erfreulich, wenn ein hoher Beamter der Palästinaregierung mit dem Judentum des Gaiuth in näheren Kontakt kommt Es ist selbstverständlieh nicht die Aufgabe von Mr. Hyamson, die Judenfrage in allen ihren Einzelheiten zu studieren, vielmehr beschäftigt er sich nur mit dem einen überaus wichtigen Ausschnitt, der zu seinem engeren Tätigkeitsgebiet gehört. Mr. Hyamson ist Leiter des Immigrationsdepartments. In den Gafuthländem stehen Tausende von Juden zur Auswanderung bereit. Eine solche Umpflanzung von Massen ist keine Kleinigkeit und keine leichte Sache, sie erfordert große Anpassungsfähigkeit, sie erfordert ein System von beratenden und helfenden Institutionen, und sie legt auf die Menschen, die leitend damit beschäftigt sind, eine außerordentliche, fast beispiellose Verantwortung. Wir wissen, daß Palästina heute nicht wahllos ein Heer von Einwanderern aufnehmen kann; weder dem Lande, noch der jüdischen Sache, noch den Einwanderern wäre geholfen, wenn die leitenden Faktoren die reale Wirklichkeit außer acht ließen. Es gibt gewisse harte Tatsachen, denen man sich beugen muß und denen wir uns anpassen müssen. Die Einwanderung nach Palästina muß bestimmt sein von der jeweiligen Entwicklungsstufe der Wirtschaft und von der natürliehen Aufnahmefähigkeit, die ohnedies durch die Tätigkeit der jüdischen Institutionen ständig künstlich vergrößert wird. Aber wenn wir diese Tatsachen anerkennen, so verpflichtet uns dies, innerhalb der gebenen Möglichkeiten das AeuBerste zu tun, um Reibungen zu vermeiden, die Arbeit fruchtbar zu gestalten, unnötige Schikanen auszuschalten und vor allem in dieser so eminent menschlichen Angelegenheit auch das höchste Maß von Menschlichkeit walten zu lassen. Diese Forderung beinhaltet Erhebliches, denn notwendigerweise wird eine solche Tätigkeit wie Regelung der Immigration, die mit unzähligen Nummern, Kartotheken, Aemtern aller Art arbeitet, den eisernen Gesetzen des Bürokratismus anheimfallen. Hier zu mildern, eine große menschliche Aufgabe menschlich zu bewältigen, die Verhältnisse in den Auswanderungsländem, die bestimmenden Faktoren der Auswanderung in Rechnung zu setzen, ist in die Hand derer gegeben, die mit dieser Sache zu tun haben. Wir wollen in diesem Augenblick, wo wir die Ehre und das Vergnügen haben, Mr. Hyamson in Berlin zu bcgrüßen, nicht mit irgendwelchen kleinlichen Beschwerden betreffend die heutige Regelung der Einwanderung kommen. Wir wissen, daß darüber Bestimmungen bestehen, die nur im Verordnungswege abgeändert werden körnten. Vielleicht wird Mr. Hyamson aus den Erfahnmgen seiner Reise manche Anregung schöpfen, die als Material für eine Umgestaltung der Bestimmungen dienen