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Jüdische Rundschau · 1926-06-04 · Heft 43 (4.6.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 43 (4.6.1926)
Date
1926-06-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Ebtr.elnmrtmer 0,30 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraßc 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au<1 and* «bonnemeots werden ia der WIhraog der emeelaea LSnder berechnet, Nummer 43 | Berlin, 4. VI. 1926 Anzeigen «Verwaltung Jüdische Rnndschan G. m,b. H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: 8 gcspjdt.Noaptreiüczeile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25 G.-M. Anr#igenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165- 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich: Postaparkaasenamt Wien. Konto Nr, 156 030, Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410, Für Polen: Poslsparkassenamt Warschau, Konto Nr,!90 708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer bffentlich ■ rechtlich gesicherten Helmstitte ln Palistlna. ״Baseler Programm.“ Wcizmann kommt n&ch Berlin Wie wir erfahren, wird der Präsident der Zionisti-?dien Organisation, Dr. W e i z in ann, auf der Rückreise von Genf, wohin er sich anläßlich der Tagung der Mandatskommission begibt, sich einige Tage in Deutschland auf halten und Berlin besuchen. Am 6. Juni spricht Weizniann in Paris in einer großen zionistischen Kund- ״rbmig unter dem Vorsitz Leo Blums. Am 8. Juni bcpinnt bekanntlich die Sitzung der Mandatskommission. Am 13. d. M. findet in Berlin zu Ehren Wcizman 11s ein zionistisches Gartenfest statt. Der Erfolg der südafrikanischen Kampagne Johannisburg, 31. Mai. (J. T. A.) Die am 18. Mai in Südafrika cröffnetc Keren Hajessod-Kamnagne hat zu einem sehr bemerkenswerten Erfolg geführt. Es wurden in Kapstadt und Johannisburg bis heute 40000 Pfund gesammelt. Das Ziel der Kampagne iri: eine Summe von 100 000 Pfund für den Keren llajcssod aufzubringen. — Den Delegierten des Hauptbiiros des Keren Hajessod Na hum So ko 10m־ und Dr. M. Hin des wurde in Johannisburg ein ebenso begeisterter Empfang u׳ie in Kapstadt bereitet. Am Sonntag abend fanden in den beiden größten Theatern Jüliannisburgs Massenkundgebungen für den Keren Hajessod statt. Das Präsidium hatte Richter Greenberg in ne, Ansprachen hielten Naiium Sokolow und Dr.! lindes, die Gegenstand großer Ovationen waren. Eine Anzahl prominenter Personen erklärte den offiziellen Anschluß an die zionistische Bewegung, unter ihnen Richter Greenberg, der Vizepräsident des jüdischen Deputiertenrates Raphaely und der Goldminenbesitzer Sir George Albu. Hyamsou In Europa Albert Hyamson, der Leiter des Irnmigrationsdepartements der palästinensischen Regierung, kommt am 6. Juni zu einem achttägigen Aufenthalt nach Rumänien, um die englischen Konsulate zu besuchen und mit den Leitern der Alijah in Rumänien in Verbindung zu treten. Nach ,,Haarez“ wird Herr Hyamson auch die übrigen Länder, aus denen eine Aus- Wanderung von Juden nach Palästina stattfindet, besuchen, darunter auch Sowjetrußland. Wie ״Times“ melden, ist Lord Plumer während seiner Reise nach Transjordanien erkrankt. Das Staatsdiner anläßlich des Königsgeburtstags am 3. Juni mußte abgesagt werden. Dfe Jüdische Autonomie in Lüinen Brief aus Kowno. Der Sieg der demokratischen Partei bei den Wahlen zum litauischen Parlament hat zur Bildung einer neuen Regierungskoalition geführt, die sich aus den Mittelparteien, in der Hauptsache Volkssozialisten, den Sozialdemokraten und den nationalen Minderheiten zusanvmensetzt. Diese Koalition verfügt im Sejm über 50 von 85 Stimmen, ist also auf einer breiten Mehrheit aufgebaut. Staatspräsident wird wahrscheinlich Dr. Grinius werden, ein bewährter demokratischer Vorkämpfer in Litauen. Der von der neuen Koalition zu bildenden Regierung harrt eine große Aufgabe: Die Liquidation der Reaktions- und Mißwirtschaft des bisherigen Kurses in Litauen. Zu dem Programm der Koalition gehören u. a.: Abschaffung des Kriegszustandes, Freiheit der Presse, Aufhebung der adtninisirativen Willkür, Beseitigung der Protektionswirtschaft und endlich die Wiederherstellung der Autonomie der nationalen Minderheiten. Sonach wird wohl die Wiederherstellung der jüdischen Autonomie in Litauen bald Tatsache werden. In der von der litauischen Nationalversammlung geschaffenen Verfassung war für die Juden eine weitgehende sozial-kulturelle Autonomie vorgesehen, die von einem Ministci'inm für jüdische Angelegenheiten verwaltet wurde, so »■ a. Autonomie der Gemeinden, der Schulen. Der Jüdische Nationalrat war als die repräsentative Körperschaft der litauischen judenheit angesehen. Das dann ans Ruder gekommene reaktionäre Regime hat nach und nach sämtliche!Achte der Juden außer Kraft gesetzt. Zuerst wurden das jüdische Ministerium, dann der Nationalrat, dann der GemciiKicverband für die Autonomie der Gemeinden, dann die der Schulen abgebaut. Ein Gesetz verbot sogar׳ den Gehi.uich der jiddischen und hebräischen Sprache an den Gesrhäftsschilclcrn. Nach langen Kämpfen wurde dieses Gesetz ah,geschafft. Die zwischen den jüdischen Vertretern und den neuen Mclirhcitsparteien gegenwärtig gepflogenen Verhandlungen gehen darauf hinaus, daß der Jüdische Nationalrat, die Gemeinde- und Erziehungsautonomie wiederhergestellt werden; auf die Institution eines Ministeriums für jüdische Angelegenheiten wird man anscheinend verzichten. Innerh׳!!' der Jiulcuheii Litauens liegt mau die Erwartung, daß di? \\riiaiuJImigen zu einem befriedigenden Abschluß kommen werden. Allerdings sind noch keineswegs alle Schwierigkeiten Der neue Kars in Polen W a r s c h a 11 , 30. Mai. (J. T. A.) Das Kabinett Bartel hat begonnen, einen Teil der jüdischen Postulats in die Wirkliehkeit umzusetzcii. Justizininister Kakowski hat dem Präsidenten des Jüdischen Klubs, Abg. Hartglaß, mitgeteilt, daß er in den letzten Tagen weitere 12 Juden zu Richtern ernannt habe. Per Unterrichtsminister Mikulowski hat dem Lodzcr hebräischen Gymnasium ״Jabnclv‘ das Privilegium erteilt, die Examina in hebräischer Sprache abhalten ztt dürfen. Eine Prüfungskommission wurde bereits ernannt. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüd. Tcl.-Ag. äußerte sich Unterrichts minister Mikulowski- P omarski wie folgt: Die Regierung wird die den Minderheiteu von der Verfassung garantierten Rechte wahren und diesbezüglich strikte Anordnungen treffen. Wenn wir auch nur eine Uebcrgangsregierung sind, so werden doch unsere Richtlinien den kommenden Regierungen als Basis dienen.' Ein Zurück zum alten Kurs des Rechtsraubs an den Minderheiten wird es wohl nicht mehr geben. Ich unterstreiche mit aller Deutlichkeit, daß ich ein prinzipieller Gegner des Numerus clausus gegen jüdische Studierende wie überhaupt aller Beschränkungen für bildungswillige Menschen bin. Sollten Geheimzirkulare betreffend Beschränkungen gegen jüdische Professoren und Studierende bestehen, so werde ich sie annuliieren. Wir sind w׳illens, den Minderheitsschulen mit nationaler Unterrichtssprache, so auch den Schulen mit jiddischer und hebräischer Unterrichtssprache weit entgegen zu kommen und ihnen Maturitätsrechte zu geben, soweit keine technischcn Schwierigkeiten bestehen. Die Schwierigkeit bei den Juden besteht aber noch darin, daß zwischen ihnen selbst ein Sprachenkampf (jiddisch oder hebräisch) besteht und daß auch in der Auffassung der kardinalen Lebensfragen die Meinungen sehr geteilt sind. Die Zionistische OrgaiisaÜ•■ in Polen legalisiert Warschau, 31. Mai. (J.T. A.) Die polnische Regierung hat die Zionistische Organisation in P 01 Jde.:,)Qljtac§l Unterschrift &* Innenministers der provisorischen Reglerung, Mladzianowski. Innenminister Mladzianowski richtete gleichzeitig, mit der Unterzeichnung des Legalisationsdekrets ein Zirkularsehrciben an alte Wojwodsehaften, in welchem auf den Brief Skrzynskis an den Präsidenten der zionistischen Weltexekutive, Nahum Sokolow, hingewiesen wird.!11 diesem Brief hat die polnische Regierung ihre Stellung 7um zionistischen Programm gekennzeichnet. Die zionistischen Organisationen in Polen ,werden in gcscllschaftliehe und politische eingeteilt. Für die politischen Organisationen besteht keine Meldepflicht; sie sind den gleichen Regeln unterworfen, wie die anderen politischen Organisationen. Die gesellschaftlichen Organisationen jedoch müssen sich bei den Starosten registrieren. behoben, die sieh aus der Stellung der litauischen Parteien zu Einzelproblemen der Autonomie ergeben. Auch die Polen erheben Anspruch auf einen Nationalrat. Er wird wahrscheinlich ein gemeinsames Büro der Minderheiten errichtet werden, zwecks Ausarbeitung der Pläne für die Institutionen der Minderheiten. Inzwischen wurde bei der jüdischen Sejmfraktion ein Beirat geschaffen, dem je zwei Vertreter der Zionisten, Misracliisten, Hitachdut, Volkspartei. Kaufleutc, Handwerker, Landwirte angehören. Der jüdische Deputierte Einkelstein hätte als ältestes Sejmmitglied den neuen Sejm eröffnen sollen; um aber den Antisemiten keinen Anlaß zur Hetze zu geben, wird Dep. Finkelstein wahrscheinlich zugunsten eines litauischen Abgeordneten auf den Altcrsvorsifz Verzicht leisten. Delegiertentag der Z. V. f. D. (22. bis 24. August 1926.) Dem Tätigkeitsbericht des Präsidiums an den Delegiertentag, der Anfang August erscheint, wird als Anlage ein alphabetisch geordnetes Verzeichnis der Zionistensteuerzahler mit ihren Beitragsleistungen für 1925 und das erste Halbjahr 1926 beigegeben sein. Aus drucktechnischen Gründen können in diesem Verzeichnis nur Beiträge berücksichtigt werden, die bis spätestens 15. Juli bei der Z. V. f. D. cing:hen. Wir nehmen an, daß alle Gesinnungsgenossen Wert darauf legen werden, in diesem Verzeichnis mit entsprechenden Beiträgen ausgewiesen zu sein. Die Leistungen der Zionistischen Ortsgruppen im Jahre 19Z6 In der am Freitag, den 18. August, erscheinenden Nummer der ״Jüdischen Rundschau" werden wir einen Ausweis über die Zionistcnsteucrcingängc aus den einzelnen Ortsgruppen für 1926 veröffentlichen, ln diesem Ausweis können nur Beiträge berücksichtigt werden, die spätestens bis zum 16. Juni bei der Z. V. t. D. eingegangen sind. Zionistische Vereinigung für Deutschland. Vernunft und Leidenschaft Von Dr. Moritz B i I c s k i. Die Ständige Mandatkommission des Völkerbundes wird auf ihrer Juni-Tagung das Palästina-Mandat behandeln und dabei nicht nur den Jahresbericht der Regicrung, sondern auch Memoranden —- im Kurialstil des Völkerbundes ״Petitionen‘' genannt —- jüdischer und arabischer Organisationen prüfen. Durch das arabische Memorandum werden noch einmal die Grundlinien der Palästina-Politik zur Diskussion gestellt. Die Forderung nach einer gewählten Volksvertretung gibt Mieder Anlaß zur Erörterung der Frage, ob und wieweit das formale Selbstbestimnuingsrecht der Landesbevölkerung mit dem Anspruch der jüdischen Nation auf Existenz in ihrer historischen Heimat vereinigt werden kann. Bei den früheren Tagungen der Kommission haben die Vertreter der englischen Regierung, Herbert Samuel und Ormsby Gore, unzweideutig erklärt, daß dem Sinn des Mandates die Einrichtung einer Volks- Vertretung nur dann entspreche, wenn durch sie die Ausführung der Balfour-Deklaration und der übrigen im Mandat festgelegten Garantien für die Errichtung der jüdischen Heimstätte nicht gefährdet würde. Aus der Form der Erklärungen, die diesmal der Vertreter der Mandatarmacht, Colonel Svmes, zu diesem Gegenstände abgeben wird, werden Schlüsse auf die Verfassung*- politischen Pläne der Regierung gezogen werden können. Was die jüdischen Eingaben anbetrifft, so ist bisher nur der Inhalt des vom Waad Leumi überreichten Memorandums bekanntgeworden. Es ist jedoch noch nicht sicher, ob die Mandatkommission die gcschäftsordnungsmäßigen Voraussetzungen für die Bchandlung des Memorandums als gegeben ansehen wird. Das Memorandum mündet in einer Reihe für die praktische Entwicklung des Landes und der jüdischen Heimstätte bedeutsamen Forderungen, die aber — erfreu- Iichervveise —- eines politisch sensationellen Beigeschmacks entbehren, * . . :י. . ..:fJ®r fSIlislfneasische Judeutttft״VtÄtoÄ'"TfflD :iifi! diesmaligen Tagung der Mandatkommission außerordentlich große Erwartungen, die aber weniger auf die im Memorandum festgelegten konkreten Forderungen gegründet sind, als auf die Tatsache, daß zum erstenmal eine eigene Delegation des Jischuw in Genf erscheinen wird. In dieser Beziehung sind jedoch einige kritische Anmerkungen am Platze: die Bedeutung der Delegation darf nicht überschätzt, und cs muß auch gesagt werden, daß die Entsendung der Delegation unter Umständen gewisse Störungen unserer politischen Arbeit bringen kann. Zunächst einmal wird die praktische Wirkungsmögiichkeit der Delegation nicht allzu groß sein. Es ist ein Beweis für Mangel an Augenmaß, wenn im ,,Dawar“ vor kurzem die Reise der Delegation nach Genf an historischer Bedeutung mit dem Auftreten Wciztnanns und Sokolows vor der Friedenskonferenz in Versailles verglichen wurde. Die Delegation wird — wenn nicht die Mandatkommission ihre durch Beschluß festgelegte Praxis grundlegend ändert, wofür gar kein Anhaltspunkt vorhanden ist — bei den Verhandlungen der Kommission nicht gehört werden. Sic wird also eine offizielle und repräsentative Funktion vor der Kommission nicht ausüben können. Sic wird vielmehr auf einer Art Couloirtätigkeit beschränkt sein. Und wenn man darauf verweisen kann, daß auch eine solche Art der Arbeit politisch bedeutsam sein kann — siehe das Beispiel der syrischen Delegation in Rom -- so ist das zwar richtig, aber bei dem Vergleich mit der syrischen Delegation darf nicht vergessen M'crdcn, daß in Rom eine Sondertagung ausschließlich für die Behandlung der Lage in Syrien stattfand, welcher der Aufstand ein hoch gesteigerte', aktuell politisches Interesse verlieh. Aus diesem Grunde wurde der Emir Arslan von der internationalen Publizistik mit Spannung erwartet, und die Regie der italienischen Presse verstand es, im Sinne ihrer orient-politischen Tendenzen diese Spannung noch zu steigern. Die Delegation des Waad Leumi hingegen wird sich auf der ordentlichen Tagung der Mandatkommission, deren Verhandlungsthcmcn von Nauru bis Neuseeland und von Swakopmund bis Jerusalem reichen, in einem Gewimmel der verschiedensten Interessen bemerkbar machen müssen. Aber ganz abgesehen von diesen äußern Schwierigkeiten, — die Bedeutung, die der Völkerbund und insbesondere die Mandatkommission für unsere politische Arbeit hat, M־ird von vielen Anhängern des Delegation*- gedankens stark verkannt. Genf muß einer der Brennpunkte unserer politischen Arbeit sein und besonders für Unsere politische Propaganda ist der Sitz des Völkerbundes ein Arbeitsplatz erster Ordnung. Aber das ändert nichts daran, daß die politischen Entscheidungen,

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