Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 42 (1.6.1926)
- Date
- 1926-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IJ<JD Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Auslandsabottaements werden in der Währung der einzelnes Linder berechnet Anzeigen *Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H,, BeriinWlS, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392, Für Oesterreich: Postaparkassenamt Wien, Konto Nr, 156050. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190 7^8, Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 42 | Berlin, 1. VI. 1926 Anzeigenpreis: 8 gespeli-NoopareiHezetle 0,50 G.-M. Stellengesuch« 0,25 G.-M. Anzeigenschluß: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr, י״ט סידן׳ חרפ״ו | xxxi. Jatrg. Per llonliaM« erstrebt för das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•• Die Bluttat von Paris Das Attentat auf Petljura Aus Paris wird uns geschrieben: Trotz der wichtigsten politischen Fragen, die gegen- «artig Frankreich bewegen, wird dem Attentat auf Petljura große Aufmerksamkeit geschenkt. Verschiedene Gesellschaften. Organisationen, Kreise statten der Frau Schwar/bart Besuche ab. Schwar/ban selbst genießt überall große Sympathien. Die französische Presse schätzt in ihm den tapferen Soldaten, den ruhigen, gelassenen und opferwilligen Menschen. Seine Popularität ist besonders groll in den Emigrantenkreiseii, wo seine Gastfreundschaft und Güte gelobt werden. Er ist hier unter dem Namen ״der Vater der 10 0(10 Waisen“ bekannt, da er sich der Waisenhilfe gewidmet hatte. Am Tage des Attentates schrieb er an seine Frau folgenden Brief: ״Die Stunde hat geschlagen, wo ich meine Rache für inein Märtyrcrvolk ausüben kann. Petljura ist für die Pogrome in der Ukraine verantwortlich. Ich muß meine Pflicht erfüllen. Bleibe ruhig, ich bitte dich. Nur ich allein trage die Verantwortung für diese R a c h e t a t. Verbleibe gesund. Nie werde ich dich vergessen.‘‘ Trotz dieser Erklärung erörtern die hiesigen Zeitungen die Frage, ob Schwarzbart auch Komplizen gehabt hat. Selbstverständlich wird diese Frage verschieden beantwortet, entsprechend den politischen Tendenzen der Zeitungen. Dahei werden natürlich die psychologischen Motive ganz verdreht. Man versucht sogar, Fäden, die in das Bolschewistenlagcr führen, zu finden. Charakteristisch ist hierfür der Schlußsatz des offiziellen Kommuniques der ukrainischen Mission in Paris, wo cs heißt: ״Petljura ist den Kugeln eines Ausländers /um Opfer gefallen, ohne Zweifel eines Anhängers des Bolschewismus o d e r des russischen Kapitalismus, denen der Kampf des Ermordeten immer galt.“ Jedenfalls hat die bisherige Untersuchung ergeben, daß, auf Grund der beschlagnahmten Dokumente und Materialien, cs kaum anzunehmen sei, daß Schwarzbart im Aufträge einer Organisation oder einer Gruppe gehandelt hat. Die Untersuchung wird sehr streng und energisch durchgeführt. Es verlautet, daß der berühmte Advokat Henry Tor res die Verteidigung Schwarzbarts übernommen habe. S. G. ..... Dl* Pariser Preise Uber Sctmarzbart ... Die gesamte Pariser Presse, ohne Unterschied der Riehhing, widmet noch immer dem Attentat auf Petljura Artikel. Aber nicht die Gestalt des ermordeten ,.Generals“, sondern die des kleinen, bis jetzt unbeachtet gebliebenen jüdischen Uhrmachers ist die zentrale Person dieses Dramas. Im Mittelpunkte aller Erörterungen steht Samuel Schwarzbart als psvcliologisches Problem. Die Presse sucht das Menschliche, das Natürliche in diesem ״kleinen“ Juden. Es ist ja keine Frage der objektiven Justiz mehr. Es ist auch keine Angelegenheit einer abstrakten Abhandlung darüber, ob die Revolverjustiz zu rechtfertigen sei oder nicht. Die Pariser Presse sieht hier eher den Fall eines Mannes, der von einer Idee-fixe besessen « ar. seit mehreren Jahren wird .ein Mensch von den Schatten der auf den Straßen aufgehängten Juden, die er selbst gesehen hat, verfolgt. Nicht die Reminiszenzen an die ermordeten Eitern spielen hier in erster Linie eine Rolle. Weder in winem Abschiedsbriefe an seine Frau, noch in seinen Mit- Arbfitsgesetzgebmg in Palistiia Jerusalem, 24. Mai. (J. T. A.) Einer soeben erschienenen amtlichen Mitteilung zufolge wird in naher Zukunft eine Arbeitsgesetzgebung für Palästina publiziert werden. Die Regierung hat im Oktober 1024 ein ständiges Komitee zwecks Ausarbeitung eines Arbeitsgesetzes eingesetzt. Das Komitee hat seinen Bericht bereits beendet und der Regierung bestimmte Vorschläge für ein Arheitsgesetz unterbreitet, das eine Vergütung an Arbeiter bei Unglücksfällcn, eine stärkere amtliche Kontrolle über industrielle Unternehmungen, Regelung der Beschäftigung von Kindern unter 16 Jahren, Verbot von flauen- und Kinderarbeit in gewissen Industrien und Verbot yon Nachtarbeit in allen Industrien usw. vorsieht. (Seit langer '',eil erhebt die jüdische Arbeiterorganisation und auch die zionistische Exekutive die Forderung nach einer Arheitsgesetzgebüng. Während der letzten Genfer Tagung der ständigen •Mandatskommission des Völkerbundes hat auch der Vertreter Ts internationalen Arbeitsamtes, Mr. Grimsham, auf das fehlen einer Arbeitsgesetzgebung in Palästina mit Nachdruck fiingewicsen. In Palästina, sagte er, geht eine rapide industrielle Entwicklung vor sich, und es besteht in diesem Zusammeiihang die Gefahr, daß Frauen und Kinder in Wider- Spruch zu den humanitären und sozialen Erfordernissen herangezogen werden.) Iler jüdische Klub für Piljudskl W a r s c 11 a 11, 23. Mai. (J.T.A.) Der Jüdische Klub Kit heute nach längeren Beratungen den Beschluß gefaßt, in der kommenden Nationalversammlung für die Präs i d e n t s e h a ft von Marschall P i I s u cl s k i 7 u stimm cn. Der Beschluß ist verpflichtend für alle jüdischen lUputierten und Senatoren. Die gesamte polnische Linke *nid die Fraktionen der nationalen!Minderheiten haben bcteils vor einigen Tagen beschlossen, ihre Stimmen für Filsiidski ab/irgeben. Die rechten Parteien haben beschlossen, cinnr eigenen Kandidaten aiifzustclkn, es ist jedoch noch ri.bt entschieden, ob ihr Kandidat P a tl e r c w s k 1 oder ifmowski sein wird. Die Vorstandsversammlung der Warschauer Jüdischen EicmrCiißc wählte das folgende Präsidium: Pzä-idcn! Heschei Farbstein (zion.-misr. Block). 1. Vizepräs, Moses Feld- *te!n (zion.-misr. Block), 2. Vizepräs. Jesaja Rosenbaum (Agudah). teiiuiigen an die Kriminalpolizei und die Justizbehörden ist davon die Rede. Was diesen ״Besessenen“ bewegte, das waren die taust 11d jüdischen Männer, Frauen und Kinder, zwischen deren Leichnamen er einst herumgeirrt war. So erzählt ״Petit Journal“, während seiner Militärruissiou in Rußland habe Schwarzbart die jüdischen Leichen mit den an ihren Kleidern angenagclteu v 0 11 P e 11 j 11 r a e i g c nhändig Unterzeichneten Todesurteilen gesehen. ״Petit Parisicn“ widmet Schwar/bart ein freundliebes Feuilleton. ,,!,’Oeuvre“ schreibt über ״die Seltenheit eines Juden als Mörder“. Und dieser von allen seinen Bekannten geliebte ״kleine jüdische Krämer“ träumte Tag wie Nacht von ״der Synagoge, der Torah, von den kleinen jüdischen Städtchen mit der! Strohdächern, die von den Pctijura-Banden verbrannt wurden“; ebenso träumte er von den ״Juden in den langen Mänteln und Mützen, die von den Kosaken hiugcschlachtct wurden“. ״H u m a n i t c“ erzählt spaltenlang von den Schreckenstaten der Petljura-Bandcn in den jüdischen Gemeinden. ,,Volonte“ schreibt, man hätte all diese moralischen Sentenzen über Justiz und Revolver nicht dem• unglücklichen Schwar/bart, sondern eher Petljura seinerzeit vortragen müssen. Und ״Paris-Soir“ veröffentlicht einen Artikel von Victor Meric über Petljura, der ״nicht nur ein General, sondern auch ein Chef von Banden und Mörder war“. ״Er, Petljura — schreibt die Zeitung -- watete in Blut. Er ließ morden, morden . . . Frauen, Kinder, Greise“. Und der Verfasser schließt ,mit folgenden Worten: ״Dies zeigt nur, daß die Juden, deren Frauen, Kinder, Freunde ermordet werden, das Gefühl der Vendetta besitzen ... Man hätte es niemals von ihnen erwartet und die Rasse eines Jehtida Makabi schien ja für immer ausgesforben . . . Seit Wilhelm Teil hat sich die i m m a 11 e 11 t e G c r e c 111 i g k e i 1 nicht mit so viel Glanz und Logik bestätigt“. Seit dem im Jahre 1002 nach dem Pogrom in Kischineff iiiißluiigerien Attentat auf den Urheber der modernen Pogrome, Kruschewan, das von dem Kiewer Studenten Prtia Daschewski verübt wurde, kannte die jüdische Welt keinen Versuch derartiger Rache mehr. Und dabei war doch der ״Kischineffer Pogrom“, der seinerzeit durch seine Grausamkeiten die gesamte jüdische und nichtjüdischc Welt in Erregung versetzte, ein Kinderspiel im Vergleich mit .der Petljuraepachc. Utd -vö«״ Ticterifftowslds ״׳Israeli' *us“ Pato“: dieses nationalen Richers, taucht auf, wie ein mysteriöses Mene-TekeL Wie die JTA. erfährt, soll das Juridische Komitee beim Komitee der Jüdischen Delegationen daran gehen, alle auf die Mitschuld Petljuras, seiner Unterführer und der zarischcn Generale an den Pogromen in der Ukraine bezüglichen Dokumente zu sammeln. Viele dieser Schuldigen leben heute im Ausland. Die Dokumente sollen zur Entlastung Schwarzbarts dienen. Insbesondere besitzt der jetzt in Riga weilende berühmte russische Advokat Oscar Grusenberg reiches Matcriat über die direkte Schuld der genannten Führer. 1621 berichtete er in einer in Berlin abgehaltenen Konferenz jüdischer Rechtsgelehrter über diesen Gegenstand und forderte Erhebung von Anklage gegen die im Ausland lebenden Pogromführer. Die Wahlen in Rnminien Bei den Parlamentswahlen in Rumänien erhielt die Rcgierung 278 Deputierte, eine Zweidrittelmehrheit der Kammer. Die Antisemiten (Cuzisten) erhalten 9 Deputierte. Soweit bis jetzt bekannt ist, wurden auf den verschiedenen Listen fünf jüdische Deputierte gewählt, so 11. a. in der Bukowina Dr. Mayer Ebner. Die (Mische AttMomie in Sowjetraßland Moskau, 26. Mai, (J.T.A.) Die soeben geschlossene Sowjet-Konferenz des Distrikts Cherson hat den vor kurzem von den lokalen Behörden gefaßten Beschluß, im Distrikt Cherson ein autonomes jüdisches Gebiet mit einer jüdischen Regierung zu schaffen, ratifiziert. Der jüdische Distrikt wird die alten jüdischen Kolonien Ciroß- und Klein-Scdenienucha, Bobrowij Kut, alle neuen landwirtschaftlichen Siedlungen im Cherson-Distrikt und wahrschcinlich auch die Kolonie Lwowa umfassen. Am I. Gktober wird die offizielle Verkündigung der jüdischen Autonomie erfolgen. Die Joint - Kampagne In New York New York, 27. Mai. (J.T.A.) Die New Yorker Kampagne zugunsten des 25-Millionc11-Dollar-Drives des Joint Distribution Committee ist offiziell abgeschlossen worden. Statt der New York auferlegtcn Quote von sechs Millionen Dollar wurden 6 650 000 Dollar aufgebracht. 404 jüdische lebrkrllte za wenig Das Zentrumsorgan ״Germania“ weist in einem Artikel darauf hin, daß nach Untersuchungen eines paritätischen Ausschusses des preußischen Philologenverbandes im Verhältnis zu den unterrichteten Schülern 404 jüdische Lehrk r ii f t e zu wenig amtieren, in deren Stellen sich 328 Evangelische und 76 Katholiken teilen. Nur in einem einzigen Bezirk ״Schleswig-Holstein“ amtiert eine jüdische Lehrkraft zuviel und in einem zweiten, ״Grenzmark“, ist die Parität zwischen Christen und Juden gewahrt, dagegen zählt ״Niederhlcsen“ 27, Hessen-Nassau 35, Rhcinprovinz 100 und Berlin sogar 183 jüdische Lehrkräfte weniger als die Parität erforderte. Die Berliner Gemeindewahlen Wir haben bereits in der vorigen Nummer darauf hingewiesen, daß die Liberalen sofort nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses vom 16, Mai sowohl in ihrer Berichterstattung für die große Tagespresse wie auch in ihren eigenen Organen die Behauptung aufstellten, daß es ihnen gelungen wäre, ihren Besitzstand 711 wahren. Diese Darstellung ist irreführend gewesen. Bisher waren die Liberalen in der Repräsent;mtenversam11׳!t111g durch H) liberale Mandate vertreten, mit denen der angeblich neutrale Handwcrkcrvertretcr durch dick und dünn ging. Bei den Wahlen am 16. Mai kandidierte dieser Handwerkervertreter unter Verzicht auf seine angebliche Neutralität bereits offiziell auf liberaler Liste, die daher 7.111־ Wahrung i hres Besitzstandes 11 Mandate hätte erohern müssen. Da die Liberalen nur 10 Mandate eroberten, haben sie nicht nur eine Einbuße an Wählerstimmen, sondern auch an Mandaten erlitten, und die bislrerige absolute Mehrheit in der Repräscntantenveisamrnhing verloren. Das ist eine durch keinerlei verzwickte Kommentare abzuleugnende Tatsache und nicht einmal die Helferdienste in der Berichterstattung, die der fromme ״Israelit“ den Liberalen eifrig leistete, vermögen diese Sachlage zu ändern. Tatsache ist, daß die Liberalen sich ihrer erlittenen Niederlage bewußt sind und in ihrem Zentralorgan, der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“, Klagelieder wegen des Wahlausganges anstimmen. In Nr. '21 vom 21. Mai befaßt sich die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ trotz des angeblich gewahrten liberalen Besitzstandes mit dem Ergebnis der Wahlen in einem mit ״Was nun“ betitelten Leitartikel. Darin heißt es: ״Es ist also der unerhörte lind für eine Gemeinde von der kulturellen Bedeutung der Berliner beschämende Fall eingetreten, daß nicht die Träger der deutschjüdischen Kultur, sondern in hiesige Verhältnisse unkundige Elemente (für das Deutsch ist die ״Jüdischliberale Zeitung“ verantwortlich A. d. R.) bewirkt , Jiaben,. .daft Ja 4m nächsten Jahren die . Repäsintante*«., Versammlung nur ein verzerrtes Bild der Berliner Judenheit darstellen wird.“ Ferner heißt es im Aufsatz: ״Wenn 7. B. das Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Berliner Repräsentanten w ählen in einer Briefkastenuotiz erledigen zu können glaubt, und als Leitartikel in diesen Wochen Untersuchungen über das Verhältnis von Erotik und Rasse veröffentlicht, dann konnte das nach der Ansicht vieler kaum dazu beitragen, die deutsch-jüdische Wählerschaft wachzurütteln.“ Der liberale Leitartikel behauptet weiter, daß der amtliche Wahlleiter, der Zionist Kareski, seines Amtes in parteiischer Weise gewaltet hat, so daß kaum eine Vorschrift des Statutes der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht in der flagrantesten Weise verletzt worden wäre. Schließlieh trösten sich die Liberalen mit der Hoffnung, daß die bei der Aufsichtsbehörde eingelaufenen Wahl- Proteste zu einer Annullierung der Wahl führen werden und daß dann alle deutsch-jüdischen Wähler, wenn es tatsächlich zu einer nochmaligen Wahl kommen sollte, ״die Lehre des letzten Sonntags ziehen werden“. 111 derselben Nummer sind noch zwei Artikel im gleichen Stile veröffentlicht, die der geradezu verzweifelten Stirnmutig der Liberalen über den Wahlausgang Ausdruck geben, ln der folgenden Nummer der ״jüdisch-liberalen Zeitung“ vom 28. Mai 1926 wird eine ausführliche statistischc Untersuchung des Berliner Wahlergebnisses angestellt und angekiindigt, daß folgende Aufsätze u. a. die Frage des Wahlprotestes und das Verhalten einiger jüdischer Organisationen, vor allem die unverständliche Untätigkeit des Centralvereines einer eingehenden Kritik unterziehen werden. Diese Stellungnahme der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ beweist unzweideutig, daß die liberale Behauptung von der angeblichen Wahrung des liberalen Besitzstandes von den Liberalen selbst nicht geglaubt wird. Charakteristisch für die Gedankengänge und die seelische Einstellung des Liberalismus sind die Drohungen an die Adresse der Ostjtiden, denen vorgeworfen ward, daß sie sich zu 80 bis 90 Prozent an den Wahlen beteiligt und auf diese Weise zum zionistischen Erfolge bei getragen haben. Kennzeichnend sind ferner die Angriffe gegen den Wahlleiter und den Centralverein, denen die Schuld wegen des Mißerfolgcs der Liberalen aufgeladen wird. Auf den Gedanken, daß die jüdische Wählerschaft der liberalen Allein Herrschaft überdrüssig geworden sein könnte, kommt das liberale Zentralorgan nicht. Es gefällt sich vielmehr in Wutausbrüchen, und in verzweifelten Beschulgungen und tut so, als ob die Welt zugrunde ginge und als ob die liberale Niederlage eine Niederlage der gesamten Berliner Judenheit, ja der Menschheitskultur wäre. Dieses Verhalten illustriert in deutlichster Weise, wie recht die nichtliberalen Parteien im Wahlkample mit ihrer Behauptung hatten, daß die Liberalen in der Gemeinde eine Willkürherrschaft führen, an die sie sich krampfhaft klammem, Mau vergleiche mit dieser; ti I v 4: . 4 5 j} ו 1 1;