Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 36 (11.5.1926)
- Date
- 1926-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Eimclnammer 0,30 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark. Vierteljährlich 5,25 Goldmark. 4 uM*nd«!a bonnement«? werden :n der Währunfi der einzelnen Länder berechnet Nummer 36 | Berlin, It. V. 1926 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b. H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. A.flz«igtnprcitt 8 getpalkNaapareiUeieile 0,50 G.-M. Stellengesuche 0,25G.־M. A.nzelgensehlnfi: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 — 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. für Oesterreich: PosUpark aasen amt Wien, Konto Nr. 156020, Für Tschechoslowakei: Postsparkassen&mt Prag, Konto Nr. 59410, Für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190708, RedaktionsschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. Der Zionismus erstrebt für das lUdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In Pallstina. ״Baseler Programm.“ Vergangenheit und Gegenwart Weizmanns Rede in Jerusalem Nachfolgend geben wir nach den palästinensischen Zeitungen den Text der von uns wiederholt erwähnten Rede, die Dr. Weizmann am 21. April in Jerusalem auf dem Scopus gehalten hat. Eine große Verantwortung lastet auf mir heute abend, eine doppelte und dreifache: Ich meine, gerade von dieser Stelle aus über die Lage unserer Bewegung zu sprechen. Ihr alle erinnert euch an das herrliche Schauspiel des vergangenen Jahres, als unser ausgezeichneter greiser Freund unter uns weilte (Balfour). Ein Jahr ist vorübergegangen, und unsere Lage hat sich vielleicht in vieler Hinsicht gewandelt. Es sind schwere Zeiten, in denen ich in das Land gekommen bin, in den Tagen, in denen im Galuth eine große Krise herrscht. Die Krise hat den großen Strom, der sich in das Land ergoß, beinahe gestaut, und da unser junges nationales Heim von den Ländern des Galuth abhängig ist, so sind wir hier eine Art Barometer, das steigt und fällt mit den Bewegungen im Galuth. Man muß zwischen denjenigen Ursachen der Krise unterscheiden, die durch das Land selbst bedingt sind, und denen, deren Ursprung im Auslande gelegen ist. Wir sind gewöhnt, viele solche Momente dem Lande zur Last zu legen, obwohl sie gar nicht mit ihm verknüpft sind. Wir, die wir auf der Wacht stehen und uns bemühen, die Lage mit offenen Augen zu sehen, so wie sie ist, wir dürfen uns nicht von übertrlebenem Optimismus fortreißen lassen, aber noch weniger dürfen wir den Mut verlieren, wenn wir einmal genötigt sind, eine schwere Epoche zu durchleben. Palästina wird nicht an einem Tage aufgebaut werden. Erez Israel wird nur unter schweren Leiden geschaffen werden, und wenn wir dem Los treu bleiben wollen, das das unsere ist, so dürfen wir uns nicht beklagen. Wir müssen das Gute hinnehmen wie das Böse. Man beklagt sich hier und auch im Auslande über unsere politische Lage, und weil ich und meine Kollegen die Verantwortung tragen, so möge es mir gestattet sein, über diese Frage einige Worte zu sagen. Ich erinnere mich, daß Lloyd George (er hat, nebenbei gesagt, versprochen, nach Palästina zu kommen, er konnte in diesem Jahre die Reise nicht aus führen, wird aber gewiß im nächsten Jahre kommen), als wir einst mit ihm über das Resultat der Balfour-Deklaration-Politik sprachen, gesagt hat: ״Die ganze Welt befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Die Reaktion ist groß. Viele Hoffnungen, die wir erträumt .Mllaiiy.-iÄn an* inii ״werdteW יי׳« sich verwirklichen und in Erfüllung gehen. Nicht umsonst sind im Kriege Millionen Menschen für diesen Traum gestorben. Mit andern Träumen wird sich auch euer Traum verwirklichen." — Manche unter uns meinen, daß wir auf unserm Wege eilig voranstürmen müßten. Andere, zu denen ich auch mich rechne, glauben, daß es besser ist, langsam vorzugehen. Die im Gebirge wandern, wissen, daß cs besser ist, nicht nach vorwärts zu blicken, sondern nach rückwärts, auf den Weg, der bereits zurückgelegt ist. Die politische Lage ist voller Schwierigkeiten. Die einz i g e Grundlage für unsere Politik ist: Vertrauen zur Mandatsregierung und umgekehrt Vertrauen der Mandatsregierung auf unsere schöpferische Kraft. Wir denken ständig ausschließlich an den Drang und Druck, der unser Lehen bewegt, und in unserer Naivität fordern war, daß die Engländer, diese gemäßigten Leute, die zu warten wissen — und vielleicht ist gerade dies das Geheimnis ihres Erfolges —, diesen Drang ebenso empfinden wie wir. Wir wollen, daß England im Verlauf von 8 Jahren all unsere Nervosität, unsern Drang, unsere Eile und unsern Eifer hätten verstehen lernen sollen. Der Tag wird kommen, an dem wir einer den andern verstehen werden. Ich rede nicht über die kleinen Beamten, die vielleicht die Frage in ihrer ganzen Tiefe nicht verstehen. Sie repräsentieren nicht das wahre England. Ich rede über das England des Parlamentes, über das England Balfours und seinesgleichen. Sie sind die Faktoren, die in der Geschichte den Ausschlag geben. Aber damit sie uns verstehen lernen, sollt ihr sie nicht durch Protestversammlungen, sondern durch Taten und durch energischste Leistung und Arbeit eines besseren überzeugen. Ich weiß, wie der Oberkommissar von Syrien, als er noch in Frankreich weilte, zum Zionismus Stellung genommen hat, und wie er ihn jetzt beurteilt, nachdem er mit eigenen Augen unsere schöpferischen Leistungen im Lande kennen gelernt hatte. Ich weiß wirklieh nicht, was für uns wichtiger ist: eine solche Tatsache, d. h. eine günstige Wandlung in den Anschauungen einer Persönlichkeit, wie des Oberkommissars von Syrien, oder die Frage, ob vier jüdische Polizisten in die Militärstreitkräfte aufgenommen werden. Wenn wir daran denken, welch Einfluß unser National Home auf die zentrale Regierung in London und auf den Völkerbund bereits gewonnen hat, so können wir feststellen, daß wir vorwärts gekommen sind. Man möge nur lesen, was man heute in Europa über Palästina schreibt, und man wird gewahr werden, um wievieles sich die allge- Der XXL Delegiertenftag Der XXI. Delegiertentag der Z VSD, der wegen der Ifar-Aktion verschoben wurde, findet nunmehr am 22.-24. August d. Js. in Erfurt statt. Die ■iehste A.*C.-Sitza1g Wie das Präsidium des A.-C. mitteilt, wird die nächste Sitzung des A.-C., die ursprünglich für August ln Palästina vorgesehen war, infolge des Einspruches der Amerikaner und aus anderen wichtigen Gründen in der zweiten Hälfte des Juli in Europa stattfinden. meine Einstellung zu unserer Sache zum Guten gewandelt hat. Im Auslande glaubt man schon, daß es möglich ist, Palästina zu einem kultivierten Lande umzuwandeln, das dereinst der Welt als Beispiel dienen wird. Ich rede nicht, um jemandem zu trösten. Ich stelle nur fest, daß man zwischen unwesentlichen, zeitweiligen Dingen und solchen unterscheiden muß, deren Wert und Bedeutung groß und unvergänglich ist. Wir werden unsere Beschwerden vor den Völkerbund bringen, und zwar mit voller Kenntnis der Regierung. Wir haben Beschwerden in der Frage des Erziehungsbudgets, in der Frage der Böden, des Sanitätswesens und anderen Fragen mehr, lieber alle diese Angelegenheiten werden wir mit der Regierung öffentlich rechten, aber vergeht niemals diese einfache Wahrheit: Greifet nicht zu den letzten Mitteln, über die wir verfügen. Denn wenn solche äußersten Anstrengungen resultatlos bleiben, so sind die Anstrengungen nutzlos vertan. Noch ist nicht die Stunde gekommen, um solche Mittel zu ergreifen, und sie wird vielleicht niemals kommen. Gesetzt, wir kommen heute mit all unsern gerechten Beschwerden vor das englische Parlament und nehmen wir an, daß unsere besten ausgewählten Repräsentanten diese Beschwerden vertreten. Wir werden vor das Parlainent kommen, wir werden alles sagen, was wir auf dem Herzen haben und auf das heftigte protestieren. Das Pariament wird die Regierung fragen und die Antwort wird klar sein: Vielleicht seid ihr itn Recht, aber auch wir haben Beschwerden. Ich weiß nicht, wer in einer solchen Lage gowinnen wird. Man hat mir erzählt, daß eine große Volksversammlang geplant ist, die ihre Beschwerden zur Kenntnis des Völkerbundes bringen will. Aber seid ihr denn so sicher, daß wir obsiegen werden, seid ihr so sicher, daß man uns verstehen wird? Wenn ihr mich aber fragen werdet, wann wird die Zeit kommen, in der sich unsere Lage zum Besseren wandeln wird, $0 ist es mir schwer, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Aber ich glaube daran, daß wir mit jedem Schritte, der uns in unserer realen Arbeit vorwärts bringt, unsere politische Lage befestigen. Wenn wir unsere roßen Pläne nicht ausführen, so mag daran in einem gewissen usmaße die Regierung die Schuld tragen, weil sie unsere Arbeit nicht fördert, aber hauptsächlich sind wir selbst schuld daran. Es gibt noch viele Böden, die des Käufers harren. Es gibt Arbeitsgelegenheiten, im Süden, im Etnek und In Judäa, Wir haben im vergangenen Jahre darauf gewarteVdaD auch die ־Welte'der viertelt’■ AHjlfl große Sünwneh für ßoaenkauf in das Land bringen wird. Unsere Hoffnung ist nicht in Erfüllung gegangen, und zwar infolge von Faktoren, deren Grund im Auslande liegt. Unsere Aufgabe ist es, was wir schon erworben haben, zu konsolidieren und zu befestigen. Von dieser Stelle aus und auf meine eigene Verantwortung spreche ich es aus, daß Palästina in diesem Jahre nicht in der Lage ist, einen solchen Einwanderungsstrom aufzu nehmen wie im vergangenen Jahre. Man hat uns die erforderlichen Mittel nicht gegeben. Es wäre eure Aufgabe, euch mit einer bitteren Klage an die Millionen Juden in Amerika zu wenden, die wohl in der Lage sind, das Land aufzubaucn, und von ihnen zu fordern, daß sie kommen und uns verstehen mögen. Ich freue mich, daß der Keren Hajessod diese Ver- Sammlung einberufen hat, und ich möchte, daß von dieser Ver- Sammlung ein Protest ausgeht, nicht gegen die Regierung, sondern gegen diejenigen, die in der Lage dazu wären, aber nicht kommen, um das Land aufzubauen. Wie kommen wir dazu, von der englischen Regierung tiefes Verständnis für uns zu verlangen, wenn unsere eigenen Brüder uns nicht verstehen! Es gibt niemanden, der uns das Land vorenthielte. Wir werden es mit unserer Kraft und unserm Vermögen erwerben, aber es ist notwendig, das Volk zu seiner Aufgabe zu erziehen. Ich wollte, ich wäre in der Lage, so hebräisch zu sprechen, wie ich in andern Sprachen rede. Zu meinem Bedauern ist mein Wortschatz ein beschränkter. Wenn ihr einen andern Weg wisset, wenn ihr daran glaubt, daß wir auf unserm Wege in Sprüngen vorwärts schreiten können, wohlan, ihr habt Stab und Ranzen, und ich würde gewiß wünschen, daß ihr Erfolg haben möchtet! Aber ich weiß, daß ihr den Stab und Ranzen nicht ergreifen werdet. Vielleicht gibt es manche, die mir auf den Weg, den ich gehe, Steine werfen werden, aber vergeßt nicht, daß wir alle den gleichen Weg wandeln, und jeder, der seine Hand erhebt, um die Arbeit noch schwerer zu machen, versündigt sich an seiner Seele. Es werden noch Tage der Freude unä auch des Schmerzes kommen, aber wer das, was schon geleistet ist, richtig würdigen will, muß zugeben, daß wir vor acht Jahren uns nicht träumen ließen, was heute bereits unser ist. [Dränget nicht die Stunde, und murret nicht über den schweren Weg. Dank und Gruß der ganzen Versammlung. Arbeitet in Treue für den Keren Hajessod. Das ist das Geheimnis unserer ganzen Politik. Weizmann wieder in London London, 8. Mai. (J.T. A.) Dr. Weizmann ist gestern von seiner Palästinareise wieder nach London zurückgekehrt. Von Dover nach London reisten Dr. Weizmann und der von seinem im Ausland verbrachten Urlaub nach England zurückkehrende frühere Oberkommissar für Palästina, Sir Herbert Samuel, in demselben Coupe eines Sonderzuges, der, ungeachtet des Generalstreiks, für besondere Zwecke verkehrte. Auf seiner Rückreise von Palästina nach London weilte Dr. Weizmann in Kairo und wurde von Lord Lloyd, dem britischen Repräsentanten in Aegypten, in längerer Audienz empfangen. Von Dr. M. D. Eder, London, Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation. Es war um die Zeit, als die barbarische Unterdrückung der Juden Osteuropas die Sympathien der Völker und Regierungen des Westens für die Verfolgten wadirief, als die Juden in den meisten Westländern fast alle Bürgerrechte errungen hatten, als die Toleranz gegenüber anderen religiösen Ucberzcugungen sieli in der christlichen Welt zu verbreiten und auf das Judentum zu erstrecken begann. Schon schien es, als ob nur noch ein Schritt nötig sei, um die Verfolgten von dem ewigen Hin- und Herwandern auf dein alten Kontinent zu befreien, als sei tatsächlich die neue Welt dazu geschaffen, das Unrecht der alten gutzumachen. In jener Stunde, als die jüdische Sehnsucht nach Rückkehr ins Land der Väter, nach nationalem Fortbestand nur noch in Gebeten und vereinzelten Dichtungen zu leben schien, als diese Sehnsucht fast schon allen Wirklichkeitswert verloren hatte, envachte sie plötzlich mit ungeahnter Energie zu bewußtem Leben, fand aufs neue machtvollen Ausdruck im Worte, schuf sich aus eigener Kraft konkrete Forderungen zu ihrer Verwirklichung. Das tief latente zionistische Streben der Judenheit der Diaspora nahm gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts bewußtes Leben an. Hatten die Verfolgungen in Spanien und Portugal die Verfolgten nur dazu getrieben, in den weiter östlich gelegenen Ländern Zuflucht zu suchen, so schufen die russischen Pogrome der achziger Jahre und die Mai-Gesetze die Auto-Emanzipation. Die Form des Angriffes zeigte keine neuen Züge, die Verteidigung aber war neu. Judenverfolgungen waren, das wußte man wohl, an keine Zeit und Grenze gebunden. Die alten Hilfsmittel — Lösegeld, Flucht, Bitten — waren, sofern sie überhaupt Erfolg hatten, nur zeitweilige .und in ihrer Wirksamkeit lokal beschränkte Methoden der Abhilfe. Daß die Behändlung der Symptome durch eine Behandlung der Krankheit ersetzt werden müsse, erkannte Pinsker, der Arzt. Im Jahre 1848 begann die Erschütterung der Judenheit Osteuropas. Ein halbes Jahrhundert später trat (1897) der erste Zionistenkongreß zusammen. Herzls Genie bezwang die nationale Zersplitterung, die isolierten jüdischen Gemeinschaften der Diaspora ein|e er zur Volksgemeinschaft. Dem1 ■erhaben«! Meal! der Propheten gab er aufs neue machtvollen Ausdruck. Was bisher parochial begrenzt war, machte Herzl universal. Aus der Flucht wurde ein Auszug. Aengstliches Suchen nach einer Zufluchtsstätte wandelte sich in hohes Streben nach Wiederaufbau der Gemeinschaff Israels. Die kleinen Gruppen mm Schutze der verfolgten Juden zwang er in eine große Körperschaft mit einem einzigen Ziel. So erstand die Zionistische Organisation. Sie war das Instrument, das Herzl schuf. Die Zionistische Organisation ist das bewußt geword e n e Judentum. Sie ist das tätige Judentum. Der Sinn ihres Strebens ist die Wiedergeburt des Judentums, ihr politisches Objekt die Rückkehr Israels in die Gemeinschaft der Völker. Die Zionistische Organisation ist Besitztum aller Juden, wenn auch nicht alle Juden Mitglieder der Organisation sind. Schekelzahler sein bedeutet, mit Geist und Herz zu diesem Ideal stehen. Das Bewußtsein der Kraft, der Wärme, der Erleuchtung, das alle die durchdringt, die sich einer Brudergemeinschaft mit großem, gemeinsamen Ziele einordnen, wiegt alle die kleinen Sorgen und Störungen auf, die sonst mit der Zugehörigkeit zu einer organisierten Körperschaft verknüpft sind. Der Schekelzahler genießt die Freude der Mitarbeit an tätigem Werk; die beiseite stehen die der Bequemiiehkeit. Bequemlichkeit aber zeugt Ueberdruß, Schaffensfreude allein bringt inneres Wachstum. Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammentritt des ersten Zionistenkongresses hatte sein Programm die offizielle Sanktion des Völkerbundes und der Vereinigten Staaten erhalten. Im Laufe einer Generation war Palästina zu einem Einwanderungsiand für jene jüdischen Massen geworden, die infolge von Massakern, Verfolgungen und wirtschaftlichem Druck gezwungen sind, einen Zufluchtsort zu suchen. Durch diesen Fortschritt von rein geistiger Bestrebung zu öffentlich rechtlicher Anerkennung und von da weiter zu unmittelbarer Aufbauarbeit haben sich aber der Zionistischen Organisation neue Ausblicke erschlossen. Die Anerkennung unseres moralischen Rechtes zur Gründüng unserer nationalen Heimstätte in Palästina durch die Völker schließt für uns eine Verpflichtung diesen Völkern gegenüber ein, die Verpflichtung zur Anerkennung des heiligen Rechtes der Nationen, die Verpflichtung, uns mit allen uns zur Verfügung stehenden seelischen und geistigen Kräften für eine Verständigung der Völker einzusetzen. Der Internationalismus, der dem Nationalismus untergeordnet ist, ihn aber nicht ersetzt, wird so zu einem Bestandteil des Zionismus, und zwar nicht bloß als ein wohlmeinende Resolutionen befürworteter frommer Wunsch, der etwa nur dem einzelnen Juden zur Verwirklichung aufgeg ■ben wäre, sondern als ein wesentlicher Bestandteil des Programms der Zionistischen Organisation. Eine zweite Erweiterung des zionistischen Programms liegt in gewissem Sinne vielleicht dem Wesen des Zionismus etwas ferner, ist dagegen mit dem Aufbauwerk in Palästina sehr eng verknüpft. Marx sagt einmal, die Lösung der Judenfrage sei au die Auflösung des Kapitalismus gebunden. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß dies eine etwas zu einfache Anschauung über die Lösung eines so komplexen Problems ist. Vor wenigen Jahren war die Judenheit in viel ernsterer Gefahr als der Kapitalismus, vielleicht haben wir das gefährliche Kap auch jetzt noch