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Jüdische Rundschau · 1926-05-04 · Heft 34 (4.5.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 34 (4.5.1926)
Date
1926-05-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnammer 0,2S Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Vr. ■i Redaktion und Verlag W 15, Meinekeatraße 10. Erfcheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1.85 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark. AusiandsaboBoemeats werden m der Währung der einiclnen Linder berechnet Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.K., BerlinW15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis! 8 gespelUNonpareillntcHe 0*50 G.-M. Stellengesache 0.25G.-M. Anzeigenichktß: Dienstag urd b r e i t a g nachmittag 4 Uhr. Telephon! Bismarck7165—70״ Postscheckkonto: Berlin Nr,17392. Für Oesterreich: Pojtsparkassenam? Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nf. 59410. Für Polen: Postsparkassenamt Warschau. Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ה אייר׳ חרפ״ו I xxxi. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fQr Das JODIsche Volk die Schaffung einer Df!entlieh - rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.•* Arbeit und Ansiedlung in Palästina Die gegenwärtige Lage stellt vor allem zwei Departements der Zionistischen Exekutive, deren Tätigkeit mit Hilfe der Mittel des Keren Hajessod durchgeführt wird, vor schwere Aufgaben, das Arbeitsdepartement und das landwirtschaftliche Departement. Die Arbeitslosigkeit, die jetzt in Palästina herrscht und deren Ursache vor allem in der wirtschaftlichen Krisis zu suchen ist, die sowohl in den umliegenden Lindern des Nahen Orients, wie Aegypten und Syrien, wie auch in den wichtigsten Herkunftsländern der Juden aus der Diaspora herrscht, zwingt das Arbeitsdepartement der Zionistischen Exekutive, stets neue Mittel und Wege zu suchen, um mit Hilfe der verhältnismäßig geringen Mittel, die der Keren Hajessod laut seinem Budget zur Verfügung stellen kann, nicht nur die Zahl der Arbeitslosen zu verringern, sondern vor allem auch die jeden Monat neu ins Land strömenden mittellosen Elemente in geeigneten Arbeits$tellen unterzubringen. Die Lage ist derzeit so beschaffen, daß größere industrielle oder andere Gründungen aus privaten Mitteln nicht bevorstehen, und daß es daher gerade dem Keren Hajessod obliegt, öffentliche Arbeiten in großerem Maßstab zu unterstützen. In diesem Monat haben die ersten Arbeiten auf dem großen Gelände begonnen, das sich zwischen Haifa und Akko entlang dem Meeresstrande erstreckt und das von der American Zion Commonwealth, dem Keren Kajemeth und anderen Institutionen erworben wurde. Dieses Land, das seit Fahrhunderten völlig brachliegende Sanddüne war, ist in der Näne Haifas nicht nur wichtig für entstehende städtische industrielle Siedlungen, sondern weiterhin bietet dieser leicht wässerbare Boden nach Durchführung der notwendigen Drainage und Affleliorationsarbeiten die Möglichkeit für intensive Kleinsiedlung. Der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth haben beschlossen, auf diesem Boden eine städtische Vorstadtsiedlung für Arbeiter, eine Schchunath Owdtm zu gründen, wo gegen 1000 Arbeiterfamilien ihr Heim und zugleich eine intensive Gartenwirtschaft aufbauen können. Diese Arbeiter werden ihre tägliche Hauptbeschäftigung in Haifa finden. Aber an den Abenden werden sie selbst und tagsüber ihre Familien den Garten bearbeiten und Oeflügel züchten können, und die Nähe der Stadt verspricht ihnen eine reichliche Absatzmöglichkeit neben all dem seelischen Gewinn, den eine enge Verbindung mit landwirtschaftlicher Arbeit gerade für den städtischen Arbeiter mit sich bringt. Die Kosten für die Vorbereitungsarbeiten, Entsumpfung, Bewissemng und Stralenbaa. werden ungefähr £ 18000׳ kosten, Word« die Hälfte die künftigen Siedler selbst tragen, die andere Hälfte der Keren Hajessod und der Keren Kajemeth zu gleichen Teilen. Rings aber um diese Schchunath Owdim werden in den nächsten drei oder vier Jahren die großen Ameliorationsarbeiten der Haifa Bay Development Co. durchgeführt werden, deren Kosten auf zirka 1 Million Pfund veranschlagt werden und die vielen Hunderten Arbcitsgelegenheit bieten werden. Der erste Beginn dieser Arbeit ist schon gemacht worden. Die Haifa Bay Development Co. hat mit dem Solei Boneh, dessen große Arbeiten bekanntlich durch die Teilnahme des Keren Hajessod ermöglicht werden, einen Vertrag abgeschlossen, wonach die Vorbereitungsarbeiten im Werte von £ 8000 zur Trockenlegung des Kison beginnen sollen. Einige hundert Arbeiter, die in Afuleh und Haifa arbeitslos waren, haben dort Arbeit gefunden. Der Keren Hajessod hat diese Arbeiten dadurch ermöglicht, daß er eine Anleihe von £ 3000 der American Zion Commonwealth gewährt hat. Eine besondere Beachtung widmet das Arbeitsäepartement dem Problem der Beschäftigung arbeitsloser Mädchen, für die es schwer ist, in Palästina passende Berufe zu finden, insbesondere mangels einer beruflichen Vorbildung. Das Arbeitsdepartement hat sich bemüht, mit Hilfe von Darlehen des Keren Hajessod teils Mädchenkooperative Weizmanns Rede In Jerusalem Wir haben bereits in der vorigen Nummer kurz über die große Weizmann-Rede 1'm Amphitheater auf dem Skopus in Jerusalem berichtet. Ueber den Inhalt dieser Rede meldete ein Reuter-T e leg ramm, Weizmann habe erklärt, daß die Mandata »macht alles getan habe, was man von ihr erwarten konnte, um dem jüdischen Volke eine nationale Heimstätte zu schaffen, aber die britische Regierung habe auch noch an andere wichtige Dinge zu denken. Die Förderung der jüdischen Ideale müsse vom jüdischen Volke selbst kommen. Das jüdische Volk dürfe das Gefühl für die riehtigen Maße nicht verlieren. ~ Laut ״Jewish Times“ hat Weizmann an die palästinensischen Juden appelliert, ihre Ruhe ni bewahren. Großbritannien könne nicht nach einigen wenigen Jahren schon den vollen Wert der Zusammenarbeit mit dem jüdischen Volk genügend einschätzen. Er bedaure, daß man Protestversammlungen gegen die Verordnung über die Schutzmacht veranstaltet hat. Es sei politisch nicht wichtig, ob es einige jüdische Gendarmen mehr oder weniger gebe, viel wichtiger für die Politik sei der Wuchs und die Entwicklung der jüdischen Kolonisation und der jüdischen Ein- Wanderung nach Palästina. Die Zionistische Exekutive, erklarte Dr. Weizmann weiter, werde die jüdischen Klagen und Forderungen vor dem Völkerbunde Vorbringen, aber es sei zweifelhaft, ob man sie dem Völkerbunde werde klarmachen können, solange noch Millionen Juden die Wichtigkeit des Aufbaus Palästinas für unser Volk nicht begreifen. Statt gegen die britische Regierung zu protestieren, sollten sich die palästinensischen Juden lieber mit ihren flammenden Forderungen an die Juden Amerikas und Europas wenden, ihnen größere Hilfe bei der Aufbauarbeit zu gewähren. Der einzige Weg zum Erfolg sei der Wuchs des Keren Hajessod. (Die telegraphischen Meldungen sind natürlich ungenau, solange nicht der volle Wortlaut vorliegt. A. d. R.) für verschiedene Arbeiten zu gründen, wie Wäschereien, Gemüsegärtnerei, Schneiderei, teils dein Solei Boneh und anderen Körperschaften Darlehen gewährt, um Mädchen bei Bau- und öffentlichen Arbeiten dort zu verwenden, wo die Art der Arbeit es zuläßt Ebenso hat das landwirtschaftliche Departement aus den Mitteln des Keren Hajessod die Gründung von neuen Mädchen-Kooperativen für Milch- und Gemüsewirfschaft unterstützt, insbesondere, da die bestehenden derartigen Gruppen sehr gute Resultate aufzuweisen hatten. So wird jetzt mit Hilfe der Mittel des Keren Hajessod eine Mädchen-Kwuzah für Milchwirtschaft, Geflügelzucht und Gemüsebau in Chedera und in Jerusalem gegründet, und eine von Misrachistinnen in Petach Tikwah. Daneben fördert das landwirtliehe Departement in Zusammenarbeit mit dem Arbeits-Departement aus den Mitteln des Keren Hajessod in diesem Jahre 26 Chaluzimgruppen, allgemeine wie misrachistische, mit über 1200 Mitgliedern, die ihre Ausbildung für die kommende landwirtschaftliche Ansiedlung erfahren. Neben dieser Vorbereitung künftiger Ansiedlung steht vor allem der Ausbau der bisherigen Siedlungen. Auf allen Gebieten, in der Erweiterung der Anbaufläche, in der Vergrößerung der Pflanzung, in der Fertigstellung der Stall- und Wohngebäude, in der Versorgung mit den notwendigen Geräten und Maschinen ist die Arbeit nach den vorgefaßten Plänen günstig vorwärts gegangen. Nur der gewünschte Ausbau der Milchwirtschaft konnte nicht erfolgen, da es infolge des Kriegszustandes in Syrien unmöglich war, die notwendigen Kühe von dort zu importieren, die sich bisher als die geeignetste Rasse erwiesen haben. Die vom Keren Hajessod für diesen Ankauf bestimmten Summen konnten daher bis jetzt nicht verwendet werden. Demgegenüber schreiten die Vorbereitungen für die Durchführung der Bewässerungsarbeiten vorwärts. Wird die Bewässerung im Emek durchgeführt werden, so wird es möglich sein, die Bearbeitung des Bodens viel intensiver zu gestalten und die Siedlerzahl in den einzelnen Siedlungen zu zu vergrößern. Ein erprobter Wasserbau-Ingenieur, der lang- }Ihrige Erfahrungen in Indien gesammelt hat und der vom Keren Hajessod im Zusammenhang mit Bewässerungsfragen nach Palästina entsandt wurde, hat die Pläne für die Trockenlegung und Bewässerung in einzelnen Teilen des Landes studiert, und ln naher Zukunft jwl«§|nft den notwendigen Arbeiten im Emek begonnen wetdÄ. Ebenso schreiten die Arbeiten für Bewässerung in der neuen Mittelstandssiedtang Magdiei vorwärts. Dagegen ist leider die Lage in den chassidisqhen Mittelstandssiedlungen weniger günstig. Es erweist sich, daß das für die einzelnen Familien erworbene Land nicht ausreicht, daß die mitgebrachten Kapitalien viel zu gering und infolge der wirtschaftlichen Krise in Polen die erwarteten Nachsendungen ausbleiben und daß die landwirtschaftliche Eignung mancher der neuen Siedler nur gering ist. Es wird sich wahrscheinlich als notwendig heraussteilen, daß der Keren Hajessod mit viel größeren Mitteln, als bisher in Aussicht genommen wurde, den chassidischen Siedlungen zu Hilfe kommt, um ihnen eine gesicherte Existenz zu schaffen. Nach dem Abschluß der Verträge der Mittelstandssied- Jungen mit dem Keren Hajessod steht nun der Abschluß der Verträge mit den Arbeitersiedlungen bevor. Ein Gegenstand der Erörterung zwischen dem landwirtschaftliehen Departement als Vertreter des Keren Hajessod und der Vertreterschaft der landwirtschaftlichen Arbeiter Ist die Frage der Verzinsung der in 50 bis 60 Jahren rückzahlbaren Darlehen. Doch wird wohl auch in dieser Frage in kürzester Zelt eine Vereinbarung erzielt und damit eine Frage, die die landwirtschaftliche Kolonisation schon seit vielen Monaten beschäftigt hat, zum Abschluß gebracht werden, (Ziko.) Der Empfang Sekolows in Südafrika Kapstadt, 29. April. (J.T.A.) Sokolow ist gestern in Kapstadt eingetroffen. Die Delegierten der zionistisehen Konferenz, der Sokolow beiwohnen wird, kamen mit Sonderzügen an den Hafen, um ihn zu begrüßen. An Bord des Schiffes fand sich u. a. der Bürgermeister von Kapstadt ein und hieß Sokolow im Namen der Stadt willkommen. Im Verlauf seiner Ansprache rühmte der Bürgermeister die jüdische Aufbauarbeit in Palästina und erklärte seine Bereitschaft, dieses Werk zu unterstützen. Es sprachen noch die Mitglieder des südafrikanischen Parlaments, Alexander und Kentridge, der Rabbiner von Kapstadt und führende Mitglieder der jüdischen Gemeinde. In seiner Erwiderung gab Sokolow der Hoffnung auf die Zukunft der jüdischen Renaissance in Palästina Ausdruck und darauf, daß die südafrikanische Judenheit einen großen Anteil an diesem Aufbau nehmen wird. Die Presse Südafrikas bringt an der Spitze Photographien Sokolows und ausführliche Artikel über Zionismus. Aus allen Teilen des Landes liefen zahlreiche Beg ri't ß u n gstel e gram me ein. Noch am Abend des Ankunftstages hielt Sokolow in der Stadthalle eine große Rede über die Lage in Palästina. Die Stadthalle war dicht gefüllt, unter den Anwesenden bemerkte man den früheren Premier General Smuts, Justizminister Tielman Roos, Landwirtschaftsminister Grobier und andere mehr. Nach Sokolow sprach der Keren Hajessod-Delegierte Dr. M. Hindes. Hierauf ergriff General Smuts das Wort und hob die großen Verdienste des verstorbenen Lord M i 11 n e r zugunsten des jüdischen Nationalheims in Palästina hervor. Im britischen Kriegskabinett waren es insbesondere Lord Balfour, der Jetzige Kolanienminister Amery und er, Smuts, die für die Politik des Jüdischen Nationalheims sich einsetzten. — Zum Schluß sprach noch Sokolow, der die Persönlichkeit von General Smuts und seine Verdienste um das Jüdische Nationalheim würdigte. Konzentration Gedanken zum Monat Ijar. Von Moses Beilinson, Tel-Awiw. Man soll die Fehler, die Unzulänglichkeit der eigenen Tätigkeit und des geistigen Spannungsvermögens anerkennen. Dann, nur dann wird es vielleicht möglich sein, zu ändern und zu bessern. Genau vor einem Jahre befanden wir uns auf dem höchsten Punkte, den wir in der Verwirklichung des Zionismus bisher erreicht haben. Heute sind wir im Lande in einer schweren ökonomischen Krise, außerhalb des Landes ratlos. Es wäre unserer Sache unwürdig, würden wir uns gegen eine klare Erkenntnis der Lage sträuben. Während der vergangenen zwei Jahre ereignete sich noch nie Dageweseues. Das jüdische Volk kam in sein Land, aber es fand dort nicht, was es gesucht hatte. Das ist das schwerste an der heutigen Krise. Jetzt heißt es zu untersuchen, weshalb es so kam, wobei als sichere Annahme bestehen bleibt, daß Palästina dennoch dem jüdischen Volke geben kann, was es nötig hat. Die politischen Verhältnisse im Lande haben ihren Anteil an unserer Enttäuschung. Diese Mängel müssen behoben werden, so weit es in den Kräften der Zionistischen Organisation steht. Aber nicht hierin liegt meiner Meinung nach der Schwerpunkt. Und abgesehen hiervon: der Zionismus kann an der gegebenen Lage wenig ändern — er ist nur einer der palästinensischen Faktoren, und nicht eben der stärkste. Die natürlichen Bedingungen des Landes haben ebenfalls zu unserer Enttäuschung beigetragen. Hier aber ist der Zionismus völlig machtlos — es wird ihm nicht gelingen, ein armes, wenig bewässertes Land mit geringen Perspektiven für kommerzielle und industrielle Entwicklung schnell in ein reiches, hochentwickeltes Wirtschaftsgebiet zu verwandeln. Was wir aber vor allem zu untersuchen haben, sind die Gründe der Enttäuschung, die in der zionistischen Bewegung selbst gelegen sind, und deren Beseitigung in unserer Macftt steht. •4 Ich glaube nicht, das organisatorische Reformen, 1 so notwendig sie vielleicht sein mögen, den Kern des , Problems berühren. Die Organisation wird, nach dem * Geist der Bew׳egung gestaltet, besser, sie bildet sich von selbst nach dem Geiste der Bewegung. Man kann nicht annehmen, daß wir eine große Schiacht nur deshalb verloren haben, weil das Aktionskomitee sich nicht oft genug versammelt. Einem veränderten Geist der Bewe-־ gung werden sich die Organisationsformen nachbilden. Ebenso glaube ich nicht, daß der Zionismus einer neuen ideologischen Fundierung bedarf. Wir mögen in die Tiefen unserer Bewegung — oder aller anderen Gegemvartsbew׳egungen — so tief hinuntersteigen, wie wir nur wollen. Wir werden auch in der Tiefe keinen Gedanken verborgen finden, der entscheidender wäre, der das Herz tiefer bewegen, der mehr zur Tat anspornen könnte, als die einfache Idee, daß die jüdische Knecht- Schaft beendet werden solle. Alles andere ist entweder eine Variation oder eine Anpassung an die letzte ideologische Mode. Unsere Ideologie hat nur zu untersuchen: wie kann es geschehen, daß Juden aufhören Sklaven zu sein. Wenn sich die zionistische Bewegung in den letzten Jahren als unzulänglich erwiesen hat, so geschah es in doppelter Hinsicht. Erstens: der Zionismus hat dem jüdischen Volke nicht ausdrücklich genug erklärt: nicht für jeden Juden ist Palästina geeignet, oder richtiger: nicht für jede jüdische Lebensform und Lebensweise ist es geeignet. Palästina ist ein hartes Land und es kann nur durch harte Arbeit erlöst werden. Wer nach Palästina kommen will, muß zu entscheidenden Veränderungen in seinem persönlichen Leben bereit und willens sein. Ein Versuch, die gewohnten jüdischen Lebensformen nach Palästina zu übertragen, bedeutet nicht nur eine Gefährdung des nationalen Ideals (darüber könnte man streiten, das Ideal könnte auch im Notfälle dem Leben nachgeben), der Versuch ist aber im vornhinein zum Mißlingen verurteilt. Das hat der Zionismus nicht oder nicht laut genug gesagt, vielleicht deshalb, weil er sich selbst der Tatsachen nicht in ihrem vollen Unfange bewußt ist, vielleicht, weil er fürchtete, sich bloßzustellen. Aber dieser Mangel hat sich schwer gerächt. Und trotz dieser Einschränkungen erhebt der Zionismus den Anspruch auf die absolute Priorität innerhalb der jüdischen Bestrebungen. Das war der zweite Fehler in den letzten Jahren, daß wir den Mut oder den Glauben nicht aufbrachten, diese Priorität, immer und überall, mit Schärfe und mit Härte, zu betonen. Immer waren wir bereit, nachzugeben und anderen Platz zu machen. Immer waren wir geneigt, bereitwillig zu konzedieren, es sei leider wirklich wahr, der Zionismus könne die jüdische Immigrationsfrage nicht lösen, und da es im Augenblick wirklich viele jüdische Flächtlinge gebe, so seien wir bereif unsere Fahne zu senken.

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