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Jüdische Rundschau · 1926-04-27 · Heft 32 (27.4.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 32 (27.4.1926)
Date
1926-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. \u!n*fKt8aboanetnent* werden m der Währung der eiaielneo Linder berechnet Nummer 32 | Berlin, 27. IV. 1926 Anzeigen -V erwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin Wl5, Meinckestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—TO. Aj1zeiß*npr«1!: 8 getp&lLNonpnreiUezeUe 0,50 G.*M Stellengesuche 0.25G.-M. Anzetß«nich!afl: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70. Postscheckkonto; Berlin Nr. 17392. Mir Österreich Post«park»,ten»1n1 Wien, Konto Nr. 13*030. Für 1 achechoilowakrit PofUperkasreaemt Prag, Konto Nr. 594J01 Für Polen Po$t5parka««enamt Warichau. Konto Nr. 19070*. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. ־יז״ו אייו י״ר XXXI. Jahrs. Oer Honiimm *ntrebi fflr da» ilidlathe Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Weizmanns Botschaft zum Monat der Organisation Von Zion her sende ich den zionistischen Verbänden in der | ganzen Welt meine Innigsten Wünsche für tlen Erfolg der Ijar- | Campagne. Es ist der Sinn des ״Monats der Organisation“,! den zionistischen Glauben noch fester in allen Merzen zu verankern, unsere kämpfenden Reihen mit Mut und Entschlossen-! heit zu erfüllen und gleichzeitig unsere!lielitzioiiistisehcn Brüder anzuspornen, in die Reihen derer zu treten, deren Wirken der Zukunft unseres Volkes und unseres Landes ge- | widmet ist. Mein jetziger Besuch in Palästina hat in mir meine schon früher gehegte Ueberzeugung bekräftigt, daß Palästina vor allem eine starke Zionistische Organisation braucht, um dem wachsenden Jischuw Richtung, Führung und | Halt zu gewähren, um eine moralische Instanz zu schaffen für jüdische Anfbautaten, gleichviel von wem immer sie begonnen oder durchgeführt werden. Stärkung der Zionistischen Orga- [ nisation bedeutet Stärkung des jüdischen Palästina. Größere Ergebenheit gegenüber der Zionisti ׳■1' >־• : ä״>anisat׳on bedeutet zugleich Hingabe an das Wohl des jüdischen Volkes, welches als Ganz.es für die Durchführung dr Aufgabe verantwörtlich ist. Es ist nicht der Wunsch unserer Organisation, alle jüdische Arbeit zu beherrschen, und es ist gewiß nicht unsere Absicht, sie zu monopolisieren. Aber wäre nicht unsere Organisation, die wie ein Leuchtfeuer den Weg nach Palästina | wiese, so würden uns alle diese Bestrebungen in ernste Be- , drängnis bringen, gerade in einer Zeit, wenn Herz und Sinn j jedes Juden tief durch die unermeßliche Not unseres Märtyrerj Volkes berührt sein sollten. Für die Mehrheit unseres Volkes [ bleibt keine andere Hoffnung als unser altes Heimatland. Hier werden die unsteten Massen unseres Volkes Ruhe finden, hier [ werden sie sich in einer großen Anstrengung zu gemeinsamer 1 Arbeit mit allen Nachbarvölkern vereinigen, die nicht unser friedliches Bemühen tun die Wiederaufrichtung eines verödeten!nach Berührung mit neuem Leben rufenden Landes zurück-!weisen. Und dieses neue Leben zu schaffen, sind allein wir!berufen. Jerusalem, am 1. Ijar 5686. Dt. C h a i m Wciuna 11 n. Die ersten Tage der Ijar-Aktion Das Londoner Büro der Exekutive teilt mit: Die Ijar-Aktion ist im vollen Gange. Die Landesverbände wetteitern in dem Bestreben, den ״Monat der Organisation“ sinngemäß für Außenpropaganda und hinenarbrit, für die Schekelaktion und für Mitgliederwerbung auszunützen. Von den grollen zionistischen Blättern ״The New Palestine“, ..Das Jiddische Volk“, ״Haint“, ״Moment“, ״LLijom“, ״Chwiita“. ״Nowy Dzenik“, ״Jüdische Rundschau“, ״Wiener Morgen- Zeitung“, ״Zidow“, ״Selbstwehr“ haben die meisten Spezialnummern zur Einleitung der Aktion bereits herausgebracht, die übrigen erscheinen in diesen Tagen. Die meisten Landesverbände und auch Sonderverbände haben umfangreiche, teilweise das kleinste Detail regelnde Instruktionen für die Durchfiihrung der Campagne erlassen. Besonders zu nennen sind hier der amerikanische, tschechoslowakische, polnische und ostgali zische Verband sowie die Hitachduth-Partei für Ostgalizien — aber auch die übrigen Verbände haben die zentrale Leitung straff in die Hand genommen. Bemerkenswert ist, daß in verschiedenen Ländern, wo die Landesorganisation bisher eines zuverlässigen Unterbaues an organisierten, zu regelmäßigen Beiträgen verpflichteten Mitgliedern entbehrt hatte, der Versuch gemacht wird, im Monat der Organisation solche Kerngebilde fest organisierter Zionisten zu schaffen. Das geschieht vor allem in Polen, wo die Schekelkampagne ähnlich wie in Amerika verknüpft ist mit einer Mitgliederwcrhung und der geforderte Mitgliederbeitrag ein Mehrfaches des Schekels beträgt. ln Amerika zeichnet sich die Aktion durch sorgfältige organisatorische * Vorbereitung und breiteste Anlage sowie durch ihre Vci kniipfung mit der ״L d 11 c a t i o 11 M o v e - 1111111 ׳“, der Bewegung für Schaffung eines nationalen Lszielumgswerkcs ans, in der Bialik und Schmarja Levin mitwirken. Am 12. April sprach Louis Lipskv auf einer der Ijai-Kampagne gewidmeten großen zionistischen Konfcrenz im Hotel ״Pennsylvania“ in New York. Auf der Konfemiz wurden gemischte Komitees der zionistischen Distrikte und der Hadassaligruppen gebildet, die die Mitgiieilerwerhung durchzutührcn haben. Im ganzen Lande sind Massenveisammhingen, Mitgliederversammlungen, wissenschaftliche Vorlesungen, Schul- und Gemeindefeien! cingclcitet. In Polen hat nach der schon gemeldeten Warschauer Kundgebung die Arbeit auch in den Provinzstädten eingesetzt. Neben großen Volksversammlungen wird in Synagogen mul in Versammlungen der verschiedenen Berufsvereitiiguiigen für die zionistische Idee und für den Anschluß an die Organisation geworben. Es sind Vorkehrungen getroffen, um in den einzelnen Städten Werbelokale einzurichten, in denen die jüdische Bevölkerung Deklarationen für den Anschluß an die Zionistische Organisation unterzeichnen kann. Am 21. April sollen im ganzen Lande Veranstaltungen literarischen und künstlerischen Charakters stattfinden, verbunden mit Ansprachen über den Zionismus. Die Versammlung in Krakau, mit welcher die Aktion in Westgalizien eröffnet wurde, gestaltete sich zu einer grollen zionistischen Manifestation. Dr. Osias Thon, dem Hauptredner des Abends, wurden grolle Ovationen bereitet. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: ״Die in einer öffentlichen Versammlung im 30. Jahre des Bestchens der Zionistischen Organisation vereinigten Juden Krakaus geloben der Zionistischen Organisation Treue und erklären, daß sie in dem zionistischen Ideal den einzigen Weg für die kulturelle und ökonomischen Wiedergeburt des jftdisehen Volkes und den Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina sehen.“ Den ersten Berichten zufolge laufen die in etwa hundert Ortschaften Westgaliziens cingeleiteten öffentliehen Versammlungen planmäßig ab. , Von besonderer Wichtigkeit für den Verlauf der Aktion ist die Tatsache, daß am 18. und 19. April in Krakau die erste allgemeine Konferenz der zionistischen Studentenschaft Polens stattgefunden hat. Der M 1 s r a c h i in W e s t g a 1 i 1 i e n hat einen Aufruf erlassen, der die alle Fraktionen einigenden Grundgedanken betont und die Notwendigkeit aktiver Anteilnahme an der ApfiMwf in verschiedenen Städten Westgaliziens durch den Misrachi 19 Versammlungen abgehalten werden. ln Lettland ist die Aktion am 19. April begonnen worden. Sic wird gemeinsam von dem Landesverband mit den Organisationen der Zrire Zion und des Misrachi durchgeführt. In Frankreich wurde im Rahmen *der Ijar-Aktion aus zwölf Pariser zionistischen Gruppen einschließlich des Misrachi und der Hitachduth ein Reorgani.sationsbüro gegründet, das zugleich als ״Kommission für die Kampagne des Monats der Organisation“ fungiert. In der Tschechoslowakei erhält die Aktion durch Mitwirkung von Prof. Cliajes und Anitta Müller-Cohen wertvolle Förderung. Prof. Chajes hat in Prag und Brünn in Massenversammlungen gesprochen, ferner in Prag in einer Versammlung der zionistischen Vertrauensmänner über ״Die?ituatien im Zionismus“. Das Exekutivkomitee hat für die Dauer der Aktion besondere Gesinnungsgenossen zu den ein- /einen Kreisleitungen delegiert, die am 1. Ijar ihre Posten bezogen haben. Fast sämtliche jüdische Gemeinden werden von der Aktion erfaßt werden. Wie die deutsche hat auch die tschechoslowakische Verbandsleitung eine eigene Broschüre herausgegeben. Auch der jugoslawische Landesverband entfaltet eine rege organisatorische und propagandistische Tätigkeit. In Zagreb, in Belgrad, in Sarajevo und Novysad sowie in anderen kleinen Ortsgruppen finden Kundgebungen, Diskitssionsabende, Jugendversammlungen u.-av. in großem Ausmaße statt. (Auch über Deutschland enthält das Bulletin der Exekutive Berichte, die wir jedoch, als unsern Lesern bekannt, weggclassen haben. — Red. ״J. R.“.) Die Jaden in der palästinensischen Polizei Jerusalem, 20. April. (J. T. A.) Colonel Bewshcr. der bisherige Kommandant der soeben demobilisierten palästineiisischen Gendarmerie, wurde zum Kommandeur des neuen Grenzschutzkorps ernannt. Der Direktor der palästinensischen P oli 7. e i t r u p p e A. S. Mavrogardato sprach sich gegenüber einem Vertreter der palästinensischen Telegraphen-Agentur über die jüdischen Beschwerden wegen des Ausschlusses von Juden aus der neuen Grenzschutzmacht in folgender Weise aus: Die Juden haben reinen Grund zur Klage. Die Grenzmacht wird von Transiordanien organisiert, darum passen Juden nicht recht imein. Wollen die Juden ihrem Lande Palästina dienen, so nietet ihnen die palästinensische Polizeitruppe Gelegenheit hierzu. 110 Juden, die der demobilisierten Gendariicrie angehörl haben, sind bereits voti der Polizeitruppe übertommen worden. Unter den jetzt 1000 Mitgliedern der Polizein!ppe sind 200 Juden. Ich bin bereit, noch viel mehr luden, soweit sie sich für den Dienst eignen, aufzunehmen. 0er jüdische Schutzmann ist im allgemeinen fähiger als der araäsche. —■ Das neue Grenzschutzkorps •״ird insgesamt 750 'Oipfe zählen. 200 werden in Palästina mitergebracht sein. t)ie ganze Truppe L •in jederzeit auch in Palästina verwendet werden, im Zu mg mit vier .an kamen mannigfache Und , en im Polizeikorps vor. Der Pallstina-Drive in Amerika New York, 23. April, (J. T. A.) Das Komitee für den 5 Millionen Dollar-Drive zugunsten der zionistischen Institutioneu hat bekanntlich für New York eine Beisteuer von 1 500000 Dollar festgesetzt. Bis heute haben die Juden New Yorks auf das Konto dieser Summe bereits 1 400000 Dollar aufgebracht. Die Kampagne begann am 17. Januar und sollte das ganze Jahr dauern. Am 20. April fand im Hotel Astor ein Bankett statt, welches von Louis L i p s k y geleitet wurde. Ansprachen hielten Nathan Strauß, Ch. N. Bialik, Dr. Schmarja Levin, Rabbi Stephen S. W i s e , Benjamin Winter und der Leiter des Zionisten-Drive's, Emanuel Neumann. Morris A. Z e Id i n, der die Kampagne in New York leitet, führte aus, das Resultat der New-Yorker Karrjpagm׳, die in drei Monaten 1400000 Dollar einschließlich 250000 Dollar für spezielle Fonds erbracht hat, bedeute einen ungeheueren Fortschritt; die Summe übersteigt die Eingänge des ganz.cn Jahres um 75 1״. Emanuel Neumann teilte mit, die aus allen Teilen Amerikas einlaufenden Berichte erweisen, daß überall die Fortschritte denen New Yorks verhältnismäßig gleichkommen. Chicago, 12. April. (J.T. A.) Zu Ehren Bialiks fand ein Diner statt, dem etwa 400 prominente Juden Chicagos beiwohnten. Nach einer Ansprache Bialiks wurden 80 000 Dollar zugunsten des Palästina-Drive’s gespendet. Bisher haben die Juden Chicagos 200 000 Dollar beigetragen. Die Quote für Chicago betrifft 500 000 Dollar. Rundschau Nordaus letzte Fahrt - Wahlkampf in Berlin - Liberalismus und Zionismus 111 diesen Tagen treten die Gebeine Max Nordaus die Reise in das Land der Väter an. Ein altjüdischer Brauch, Jahrtausende ungeübt, wird im Zionismus wieder lebendig. In unserer täglichen 1 leberbürdung mit praktischen (iescliät'ten, dürfen wir es uns doch nicht versagen, einen Augenblick feierlichen Gedenkens dieser Zeremonie zu widmen, die so ganz außerhalb des Rahmens unserer Tagesarbeit fällt. Sie ist ein Symbol dafür, daß Erez-lsraei schon die Heimat des jüdischen Volkes geworden ist, die ihm nicht mehr geraubt werden kann. Nordaus Wunsch war es, in dem Lande begraben zu sein, dem der beste Teil seines Lebens gewidmet war. Seine Asche wird in ein jüdisches Pantheon gebracht, zu ewigem Andenken an die bewegte Zeit, da der moderne Zionsgedanke entstand. Man wird nicht mit allen Einzelheiten der Nordauschen Anschauungen und der Nordauschen zionistischen Politik einverstanden sein müssen, um doch zu empfinden, welche große Bedeutung es hatte, daß dieser Schriftsteller von Weltruf in entscheidender Stunde sich für den Zionismus entschied. Als Herzl von allen seinen Freunden verlassen und für einen Narren erklärt wurde, fand er allein bei Nordau Verständnis und Hilfe. Wer Nordaus publizistische Tätigkeit verfolgt hat, wird es geradezu als ein Wunder empfinden, daß dieser Skeptiker, der so vieles Große kritisch zerfetzte, von der zionistischen Idee überwältigt wurde. Der nüchterne Rationalist, der Entschlcierer aller Romantik, geriet hier selbst in den Bann eines übermächtigen Ideals. Vielleicht — so könnte man meinen — war sein herber Skeptizismus nur eine Maske, die er aufsetzen mußte, um sich in dieser Welt zu behaupten; im tiefsten des Herzens aber schlummerte verschüttet die Sehnsucht nach Gläubigkeit und Größe. Es ist kein Zufall, das Nordaus Rede auf dem ersten Kongreß auf *dWH&'sö 'begönnerten ZffSörer wie Ach«! Haan' einen überwältigenden, fast prophetischen Eindruck machte. Und auf seinem Sterbebette ist Nordau bekanntlich sogar zu dem Rituale der jüdischen Religion zurückgekehrt. Dieser Mann war nicht von der Art, über die man leichthin ein Urteil sprechen könnte. In seiner Seele kämpften verschiedene Ströme, und in seiner Entscheidung für sein Volk und für den Zionismus ist sein Bestes erlöst worden. Ein schmaler Rand ״Zionistische Schriften“, die der Jüdische Verlag herausgegeben hat, sind ein Denkmal der ersten Zeit des Zionismus, auch wenn manche Gedanken, an die Nordau seine glänzende Dialektik wandte, heut״ fast selbstverständlich geworden sind. Nordaus Gestalt jedoch wird stets symbolhafte Bedeutung für das jüdische Volk haben. Dem großen Juden, dem toten Führer, der heute die letzte Reise in der Reihe seine: vielen Wanderungen antrift, gilt unser Ehrengruß Das jüdische Berlin wird in einigen Wochen eine neue Repräsentanz zu wählen haben. Der Wahlkampf hat bereits begonnen, fünf Parteien stehen einander gegenüber: Liberale, Mittelpartei, Konservative, Jüdische Volkspartei und Poale Zion. Die Liberalen haben bekanntlich jahrzehntelang die unbestrittene Herrschaft in der jüdischen Gemeinde innegehabt. Unter ihrer Aegide wurde jener bedauerliche Zustand der Atomisierung und des Verfalls erreicht, wo Gemeindeangelegenheiten lediglieh ein kurioses Betätigungsfeld für eine Reihe von Notabein wurden, jeder lebendige Impuls jüdischer Gemeinschaft verschwand und die Anteilnahme der jüdisehen Öffentlichkeit auf ein .Minimum herabsank. Durch den Zionismus erst ist auch in das Gemeindeleben ein frischer Zug gekommen. Die neuen Ideen von Demokratie, von öffentlicher Kontrolle, von Stärkung des Judentu ms, jüdischer Stolz und Verantwortungsgefühl für die Zukunft, haben einen Hauch neuen Lebens in die vermodernde Gemeindestube gebracht. Unter dem Einfluß dieser Tendenzen ist in den letzten Jahren eine Wendung eingetreten; alle Gruppen b־׳.h־׳n sich genötigt gesehen, ihre jüdischen Anschauungen zu revidieren, die Zerfallserscheinungen haben eine Hemmung erfahren. Aber noch lange ist eine wirkliche Neugestaltung der Jüdischen Gemeinde nicht erreicht. Noch immer sind die Tendenzen zur Auflösung des Judentums am Werke. Noch immer verstehen weite Kreise des deutschen Judentums nicht, wie sehr die Abschnürung vom lebendigen Judentum sie zu allmählicher Erstarrung und Leere verurteilt. Die Zionisten, die als Vertreter der Jüdischen Volkspartei bisher in der Gemeinde waren, hatten schwere Arbeit zu leisten. Nun beginnt der Kampf von neuem. Der Kampf geht um Verlebendigung des Judentums, um die Erhaltung und Betätigung jüdischer Zusammenhänge, um die jüdische Schule, in welcher unsere Kinder die Kulturwelt und die geistigen Schätze des Judentums

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