Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Kr. 29 30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 223 Das bramcnde Wanderproblem Brief aus Polen. (Von unserem Korrespondenten.) g. Warschau, 12. Apiil, Pie letzten Peßaclifoicrlagc standen in Pole« unter dem 7('irl11'i1 furchtbarster Not, Sämtliche Institutionen und die {iihremieti Männer der juilEeht'n Gesellschaft hatten vor den Feieti.T’e'ta vollauf mit rein phil.intropischcn Aktionen 7t! tun, ,Ile all ihre Energie mul Zeit in Ansprurli nahmen. Und diese Tnli',l;rit tlnucrt fort. I'b buchst ,'ibüeli einem Drittel der 'jüdische« Bevölkerung!’»lens im Woge von Ocldsamm- I״nret1 im In־ und Au ־lande das nackte Leben zu sichern. In Warschau und Lodz, Wilna und Lemberg und in vielen |lr״ winden spezielle Komitees 0r1:anisierl, ein Ranzer :Irr Apparat cingerichtei, um der Situation gC- S'J,. . , ■ , . ... croUver/weigler Apparat cmgerichtei, um ucr Mtu.uion in gewissem Maße Herr 7t1 werden. Fs ist wirklich nicht 71! verxviimlcni — angesichts der furchtbaren Lage der jüdischen ,Massen ־ ־ daß jüdische rjemcimlen und jüdische politische Parteien ihre eigentliche, sehr wichtige Tätigkeit Ranz oder teilweise vcrnach'ässigen.. Man muß mit eigenen Augen alles f-esehen haben, um dir riehtiges Bild der traurig,•11 und trost* j״wn La ׳re der polnischen Judenhcit zu ln!״ommen. Der bckannte Belicht l>r. Bcrnbanl Kahns ist ein vollständig objektiver Ausdruck der tatsächlichen Lage, Kamt aber da Philanlropic viel helfen? Die Not der Stunde wird wohl geslilit. Alter was weiter? In den letzten Wochen wird it! der jüdischen Oeffentlichkcit Polens dar. E m i g r a t i o n s pr o b 1 c tn nnrführliciier besprochen. Die am 21. und 22. v. M. in Warschau abgehaltcne jährliche Tagung der jüdischen Emigrationsgesellschaft gab der 'Piskusnon ein aktuelles Gepräge. Das Problem ist im Prinzip für uns Zionisten dasselbe geblieben, wie vor Jahren. Die Emigration als regelmäßige j’r •lei'erscheimniR. b/w. als notwendiges Resultat jikiheher Goltrno', in materieller und moralischer Beziehung und zug|(ich als systematisch organisierte und geregelte W,anderhcwegmig, die einzige Möglichkeit einer bewußten Losung der ludciifragc •— dies sind uns von jeher geläufige Wahr- Beiten. Fitd die jüdischen Massen, ohne auch all die Zusammen- I1än.;e zu verstehen, greiien immer instinktiv nach den! Wanderst,ah in Zeiten wirtschaftlicher Not oder politischer Unterdrijckung. Man braucht nie die Emigrationswcllc in Bewegnng 711 setzen, die Aufgabe ist mir die schon vorhandene Trmlen/ und den schon vor sich gehenden Prozeß zu leiten, ihn vom nationalen Standpunkte aus entsprechend zu lenken, den Wanderern mit Rat und Tat beiz.iistelteu. I):e Nachkriegsj.-dire brachten da gewisse Acndcrtmgon ״lute die Grundprinzipien der jüdischen Waudcrhcwcgtmg zu erschüttern. W'.älmuid vor dem Kriege SO ׳> der jüdischen Auswanderer nach Nordameiika Ringen, sind es hmic der festgestelhcn Quote gemäß nur zirka 6000 jährlich, dies aber mich nicht faktisch, denn infolge der Schikanen der amcrik.1nischen Konsiilarbcliördcn wird auch diese Quote nicht auscnmtrt (wie im letzten Jahre). Das Amwandcrungsbcdürfnis besteht aber in viel grüßcrem Maße als vor dem Kriege. Die Ursachen -- wirtschaftlicher und politischer Natur sind bekannt. Das soziale Bild der Auswanderermasse hat sich mich sehr gelindert. Während vor dem Kriege das Gros der jiidisclien Auswanderer städtische jüdische Arbeiter, Kleinliämücr mul kleine Handwerker waren, ist cs heute der jüdische Mittelstand, seiir oft nicht ohne Kapitalien, welcher seine Existenz durch Uebersiedlung in ein anderes Land retten will. Der Arbeiter und Kleinhändler ist in den meisten Fällen zu.arm, um. auswandern, zu können. ■Er muß weiter hier vegetieren Durchschnittlich wandern jährlich aus Polen 25 000 Juden (11 i. die f lälftc des natürlichen Zuwachses der jüdischen Bevölkerung Ihalciis, während die Zahl der polnischen Emigf,inten nur 10—15 0״ des natürlichen Zuwachses der polnischen Bevölkerung — 500 000 — austnacht), ungefähr die Hälfte der jüdischen Auswanderer nimmt Palästina auf, der Rest verteilt sich nui Südamerika (Argentinien, Brasilien), Nordamerika, Kanada, Südafrika und Frankreich. Atiswande rnrigshcreit sind natürlich viel mehr. Im laufenden Jahre waren cs allein 60 000 Juden, welche die Büros der Emi Rratioiisgcsclischaft (also Palästinaämtcr ausgenommen) gestürmt haben. Aber alle Tore sind verschlossen und niemand weit! eigentlich, wo irgendwelche Ansiedhmgsinöglichkeitcn vorhanden sind. In dieser Beziehung hat die Einigrations pescllschaft ihre Aufgaben nicht erfüllt. Sie besitzt keine sicheren Auskünfte über Emigrationsmöglichkciten und tut anch sehr wenig, um die Emigranten vorzubereiten. Dies ist nämlich von grundsätzlicher Bedeutung. Es stellt sich heraus, daß die wenigen überseeischen Staaten, wie Argen tinien, . Brasilien, Chile, Uruguay, Paraguay, Kanada um Australien, welche neue Einwanderer gerne aufnehmen, nur ßualifizierlc Arbeiter, speziell für die Landwirtschaft br,midiem Für Angehörige des Haiiddsxf,׳indes und imginlih'urte Stadtarbeiter ist mit größter Schwierigkeit bei den nctrclfcnden Konsuln ein Visum zu erlangen. Die ferner flen Juden innewohnende Tendenz zur Konzen!ratiod in grüßerm Si;i;l!1:n, wo jüdische Gemeinden bereits vorhanden sind, wird ausdrüekljch als Ursache der I1ni״ra!f<1usbe>;chfänl;11ngcn angeführt. Ls stellt sich also heraus, daß die Umschichtung und I* rod 11 k t i v i s i e r u!1 g der jüdischen Massen nicht nur vom Standpunkte der jüdischen Kolonisation Palästinas, und nicht mir ein Mittel zur wirtschaftlichen Heining der )iidifclicn Bevölkerung in ihren bMieiigcn Wohnorten von vrstdassiger Bedeutung Ext, sondern mich sofort verwirklicht werden muß für diejenigen, die answaiuieru müssen und aus rsnehem die wir hier nicht ausführlich behandeln brauchen,!״dl Palästina leider im gegenwärtigen Augenblick nicht langen können. Dieser Umst.ind, der Mangel nämlich an in den noch ntlenen Immigrationsländcrn erwünschtem Me11schcr.1natcn.11, erncr sehr knappe lind ungenaue Kenntnisse von den doch Ü״,' 1'1״Diandeiicn Ansicdlungsniöglichkcitcn und das man- - nde Verständnis in sehr vielen jüdischen Kreiser, in Polen Brie! aus iumMeu V0n unserem Korrespondenten. 111. Bukarest, Milte April. Der vergangene Monat stand unter dem Zeichen einer intensiven zionistischen Tätigkeit. Die Vorbereitungen für den ,0 r ״ a!1 i s a t i 0 n s m o n a t“ wurden mit Feuereifer betrieben und man kann kaum erwarten, «laß die Durchtiilmrng der Aktion den verdienten Erfolg zeitigen wird. Inzwischen durften die Juden Rumäniens zwei sehr bedeutende Gäste begrüßen: emi Rnibrn Brainin und den bekannten Führer der :huschen Juden li/cliak G r ü 11 b 1111111. Brainin kam um 12. März aus Palästina und übcrbraelite der rumänischen Judenlieit die Grüße und das aneifernde Wort der palästincn* .Machen Scluiflstcller und Künstler zugunsten einer verstärkten Keren K.ijeineth-Alüion am Lag Baomer-Tagc, Brainin sprach in Bukarest bei verschiedenen Anlässen, dann reiste er nach Jassv, und schließlich hielt er sich noch chic Woche in Kisehiuew auf, wo er nticli die Fiinfjahrcsfcicr des Keren Hajcssod mitmachtc und mit seinem Worte 1klebte. Am 27. März verließ er dann Bukarest, um nach Wien zu faliren, von wo er über Prag, Warschau und Berlin naeli Amerika zurückkehrt. G r ii 1111:111 m ist ein durchaus realpolitisch denkender Kopf Er behandelte darum mehr Tagesfragen, beleuchtete die Richtlinien seiner Gruppe mit scharfer Argumentation und ist im Grunde ein echter, alter Zionist aus der guten Hcrzlschule, ein energischer Kämpfer für die politischen ideale der Bewegung, die ihn über alles liclicrrscht. Es war eine puic Idee des Zentralkomitees des Keren Hajcssod, den Gast einzu'adcn, auf der Fiinfjahrfcicr in Bukarest zu sprechen. Griiiibatiin entwarf in spannender, anderthalhxtiuKliger_!Jede cm Bild der Entstehung und Feistlingen des Keren Hajcssod, das selbst für die besten Mitarbeiter des Aufbaufonds neuartig mul interessant war. Auch er wurde dann nach versclüedoncn Provinzstädten (Jassy, Galat/, Braila) _ eingeladen, um Vorträge zu hallen und erfreute sich überall eines freundliehen und warmen Empfanges. Und mm kam als dritter im Bunde der bedeutenden Gäste, die die rumänischen Juden in dieser kurzen Spanne Zeit begrüßten, am 11. April Ihr. Immanuel Olsvnnger nach Rumänien. Er kam als Spezialgesamltcr der Zionistischen Exekutive, um die Monat Ijar-Aktion anzuregen und zu einer wirklich windigen Kundgebung der hiesigen Judcnschaft für die zionistische Idee zu gestalten. Gleich nach seiner Ankunft hafte er Gelegenheit, auf dem großen Bukarcstcr Massen■ meeting, das als Auftakt der Ijar-Aktion veranstaltet wurde, zu sprechen, und mit dem ersten Vortrag flogen ihm die Herzen zu. Er hat dem Organisations-Monat einen Auftakt verliehen, der im ganzen Lände befruchtend und belebend wirken wird. Während sieh so auf zionistischem Gebiet eine rege Tätigkeit entwickelt, ist der gegenwärtige Augenblick auch in anderer Beziehung nicht weniger interessant. E>cr RegierungsWechsels in Rumänien hat eine Reihe von sehr bedeutenden Problemen auf die Tagesordnung gebracht. Die neue Regierung, deren Zusammensetzung ebenso heterogen wie zufällig ist, enthält neben einigen, den Juden weniger freundlich gesinnten Elementen, mich eine Anzahl Männer, die entschieden auf dem Boden einer loyalen und freund schnfllicben Politik gegenüber den nationalen Minderheiten, und natürlich auch den Juden, stellen. Manche Ressortminister sind schon von früher her als in der Judcnfragc vorurteilr.trci denkende Menschen bekannt, andere haben sich unmittelbar vor oder gleich nach ihrer Ernennung gelegentlich als Verfechter des Standpunktes gerechter Behandlung aller Landcslnirgcr gezeigt. Schon im Manifest des Mlnistcrpräsldeuten an die Bevölkerung, das gleich nach der Beratung des Kabinetts Avercsct! veröffentlicht wurde, wird betont, daß die Regierung eine Politik der freundlichen Zusammenarbeit mit allen nationalen Minderheiten befolgen werde; cs wird ferner hcrvorgcliobcn, daß in der Schulfrage, die bekanntlich die jüdische Bevölkerung ganz speziell interessiert, eine Acra der Freiheit und des normalen Sicli-Auslebcns beginnen werde mul daß jede Einschränkung (Anspielung auf die studentische Hetze wegen des ״Numerus Clausus“) gegenüber irgend welchen!.andesbiirgern nicht geduldet werden würden. Für Ende Mai sind die Parlainentswahien angesagt und cs ist begreiflich, daß die Juden, die Forderungen zu erlichen und Interessen zu verteidigen haben, sich an diesen Wahlen energisch beteiligen werden. Eine rege Tätigkeit entlaltcic nach dieser Richtung hin der junge national-jüdische Klub, der bereits im ganzen Lande Anhänger hat und dahin strebt, daß eine einheitliche jüdische Kandidatenliste filr ganz Rumänien aufgcstcllt werde. Andererseits bemühen sich hegrciffiehcrwcisc die bestehenden politischen Parteien um die Gewinnung der jüdischen Wählerstiinnicn und die Regierung, die bei den Wahlen eine Mehrheit erzwingen will, geht sogar so weit, daß sie die Ernennung eines Juden, des Ing. Jaroslavici, zum I'ntersinatssekretär für den Bergbau in Aus sicht stellt. Es würde somit zum erstenmal in der Geschichte Rumäniens ein Jude in die Regierung kommen. Jedenfalls ist die Lage so, daß die jüdische Wählerschaft sich ihrer Macht und * Bedeutung bewußt zu weisicn beginnt, und daß die anderen Parteien mit den Juden als mit einem wichtigen l'nktor bei der Entscheidung in der Wahlschlaclit rechnen Wie immer die Wahlen sich auch gestalten mögen, so fiihrerlos und zersplittert wie die Juden bei den ersten Wahlen zum proltruinänischen Parlament (1922) waren, werden sic diesmal nicht sein, und die Zahl der Mandate, die die jüdische Bevölkern׳!״ in den Kammern haben wird, dürfte der Stärke des jüdischen Volksteih mehr als bisher entsprechen. itir der dieses Problc . aJIS, Verzweiflung zur Emigration getriebenen, sowie der ״ptionsh*״:,™ aber noch in gewissem Sinne materiell a ßc15,‘g stärkeren Elemente trostlos ist. ס . ,Vf einigen Wochen •erhielt das Präsidium des jüdischen *rli״ ״ < a״s IVirysIaw in Galizien, dem Zentrum der polnl* .1 1 ״ woleumiiHhistrie, einen erschütternden Brief, in weitvelrt jüdischer qualifizierter Grubenarbeiter, Biu<>ICJc*z*• brotlos geworden sind, sich mit einer flehenden ... jüdische parlamentarische Vertretung wenden, wohin in ein Land — gleichgültig Ddcr 1'”" “ übersiedeln zu helfen, wo sie als Kolonisten ünden Up, jCrCr '^c‘sc c‘ne bescheidene Existenzmöglichkeit zraiiP!ttScr1^c.rnvc^I״nKsscl'rci nach irgendeinem lmmi- «in ח. ן <■ ist bezeichnend genug für die heutige Lage ״ ™Ostens, einer Million polnischer Juden, fer 11er 'l״ zusammcntretciide Emigrationskongreß er im״'1 ״*onak״ Arbeiterschaft diesen Ruf hören und wird r «ns helfen können? . . . Di Re an cjjj, c h es ihnen irgend ive All das Kartell phllsclier VerMaioiipn Die. zionistische Welt hat mit Begeisterung den Appell der Exekutive aufgenonunen, den Monat Ijar der Wcrlmnjj für die zionistische Ideo und dem Au!hau der Organisation zu widmen. Die Zionistische Organisation rüstet mit aller Kraft zu einer großen Aktion, um in einem erneuten Ansliirin jüdische Menschen zur zionistischen Entscheidung zu bringen. Niemals hat der deutsche Zionismus und das K. J. V. mit ihm den Gedanken der Zionistischen Organisation aus dein Auge verloren. Wem nueh unsere Kräfte 111 der letzten Zeit vorwiegend den konkreten Aufgaben des Palästina-Aulbaue* und der Gewinnung von Mitteln gewidmet waren, so wußten wir doch stets, daß ohne eine feben iige revolutionlcrcndc Zionistische Organisation der Auibau Palästinas nicht durchgciiilirt werden kann. Das K. J. V. hat cs immer als seine spezifische Aufgabe empfunden, sich mit unserer jüdischen Umwelt auseinanderzusetzen und der zirmi tidien Bewegung immer neue bcwußte Träger der Idee und geschulte Kämpfer zu steilen. Unsere Btindcsbrüdcr werden bei der Ijar-Aktion In den vordersten Reihen des deutschen Zionismus stehen. Aber darüber hinaus rufen wir das Kartell zu einer Ijar-AIjfion dos IL J״V. auf. Der Monat Mai soll ausschließlich der Werbearbeit für das Kartell gewidmet sein. Alle Kraft muß darauf konzentriert sverden, in diesem Monat durch eine großzügige Aktion unserem Bund neue Menschen in außerordentlichem, bisher nicht erreichtem Maße zu gewinnen. K.J. V.crl RUsfct zum Monat Ijar. Das Kartell hat jetzt zu beweisen, daß die letzten Jahre aufbauender Arbeit uns stark genug gemacht haben, um dieser Stunde gewachsen zu sein. Herbert Foerdcr. Siegfried Kanowitz. Ernst Bochm. Walter Czapskl. Fritz Engei. Paul Hirsch. Siegfried Holzer. Erich Hurvvitz. Hermann Locb. David Nachmannsohn. bringen es mit sich, daß die Lage A. I). Cortions Schrille» In Palästina erscheinen gegenwärtig, 1 iapocl 1 lazair licrmisgegcben, die von einem gesamten Komitee Schriiten des A. D. Oordons, des bekannten geistigen Führers der Arbcitcrhcsvcgung. Gordon ist nun vier Jahre tot, und immer weniger werden die Menschen, die sein Wort als lebendige Tradition weitertragen. Es gibt aber kein Werk unserer neueren zionistischen Literatur, das in dem Maße geeignet wäre, der zionistischen Jugend Wegweiser zu sein. Bis jetzt sind zwei Bände erschienen, die die wichtigsten Aufsätze und Reden öordous enthalten. Um das Erscheinen des dritten Bandes, der bisher Unveröffentlichtes, insbesonderc Briefe Gordons enthalten soll, zu ermöglichen, wird eine Subskription cingelcitet. Demgemäß kosten alle drei Bände zusammen 59 Piaster, das sind zirka 10,50 M. Gegen sofortige Bezahlung dieses Betrages (ziiziiglieh 15 Piaster Versandspesen) werden die ersten zwei Bände sofort, der drifte Band gleich nach Erscheinen geliefert. Nach Erscheinen des dritten Bandes wird sich der Preis des Werkes höher stellen. Wir empfehlen dringend unseren Freunden, die hebräisch lesen können, die Anschaffung des Werkes. Reflektanten in Deutschland wenden sich am besten an Dr. B. Arinstein, Berlin W 15, Konstanzer Straße 53. Sonst an Jchoschu» Manoach, Daganja A, ncar Scmach, Palcstinc. Jascha Oteikiz in Jerusalem Der weltberühmte Geiger Jascha Cheifetz hat am 11. April in Jerusalem das erste seiner vier in Palästina geplanten Konzerte, deren Ertrag ganz dem jüdischen Konscrvatorium zugute kommen soll, gegeben. Anwesend waren Lady Samuel, der Che!.Sekretär der Palästina-Regierung Colonel Svmcs, Dr. Weizmanu und viele andere hervorragende Personlichkcilcn. Der Künstler war Gegenstand begeisterter Ovntionen. Das Podium war mit Blumen übersät. Cheifetz. dankte gerührt und versprach, in Amerika große Beträge für das Konservatoritim zu sammeln. Oie KuHusgemcintlc Czernowitz Czernowitz, ■1. April. (J.T.A.) Der bisherige Gereut der jüdischen Kultusgemdndc von Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, Ahg. Dr. Strauch er, wurde durch LXikrct abberttfen und die Führer der Jüdischen Einheitspartei Dr. Mcvcr Ebner und Direktor Flcniingcr wurden 7.u Gcreuten bestellt. Man sieht in diesem Wechsel ein Entgegenkommen der neuen Regierung gegenüber den jüdischen Forderungen und eine vorbereitende Maßnahme für die Wiederhcrstellung der Autonomie der jüdischen Gemeinde. bie polnisch-jüdische Verständigung Warschau, 11. April. (J.T.A.) Im Präsidium des Minisfrrrats fand die bereits angekündigte Konferenz zwischen den Ministern und dem Präsidenten des Jüdischen Klubs statt. Es nahmen teil: Ministerpräsident Graf Skrzynski, Handelsmiiustcr Osiccki, Arbeitsminister Zicmcncki, Unter- Staatssekretär Sfudzynski, sowie der Präsident des Jüdischen Klubs Harfglaß und der Vizepräsident Farbstein. Laut dem offiziellen, vom Klubpräsidium hcrausgcgebcncn KommuniqtKe wurden in dieser Konferenz die dringendsten Wirtschaft- Hellen Forderungen der jüdischen Bcvölkcrung ausführlich besprochen. Die Mitglieder der Rcgifriiiig gaben zu, daß viele der vorgetragenen Forderungen und Argumente durchaus berechtigt sind und versprachen, daß die Erledigung der jüdischen Postulate binnen zwei ,Wochen konkrete Formen mmchmeu wird. Verband germanischer Israeliten So nannte Rechtsanwalt Gronemann in einer Gerichts- Verhandlung vor dem Amtsgericht Charlottcnlmrg den Ver* band uatioualdcutsdicr Juden, der, vertreten durch Dr. Naumann und Dr. Sicgmami, Klage wider den verdienten jüdischen Schulmann und Vorkämpfer seiner Standesgenossen M. Steinliardt aus Magdeburg führte. Natiinamt-Sitgmanii fühlten sich durch einige Ausdrücke (Ghetto-Gesinnung, knechtische Gesiimung, hiamuann und seiner IXmun/ianten) in einem Aufsätze des ״Hamburger Israelitischen Eamiiienblaites“ beleidigt, in welchem 1 ierr Steinhardt die jüdische Schule gegen einen Angriff in dun Organe der nationakleutsehcn Juden verteidigte. Die Verhandlung gestaltete sich zu einer moralischen Verurteilimg der Kläger. Rechtsanwalt Klee machte für Steinliardt den § 193 (Wahrung berechtigter Interessen) geltend und erklärte sich überdies zur Führung des Wahrheitsbeweise« bereit, daß der Verband der natioiialdeiitsclicn Juden fortlaufend Denunziationen verübt hätte. Zur Erhärtung dieser Behauptung machte er Abgeordnete und hohe Staatsbeamte der verschiedensten Parteiriehtiingcu als Zeugen namhaft. Dr. Klee zitierte in seinem Vortrage Abschnitte aus einem Briete des verstorbenen Gcheiinratcs Eugen Fuchs, der über Naumann in folgenden Worten urteilte: ״ich halte ihn für einen Schädling“, ״er iiat seine Ghelto-Eierschnlcn noch nicht abgestreift“, ״er schmeißt sieh den Christen an“, ״wenn ich Christ wäre, würde ich ihn auf das tiefste verachten“. Der Richter, Dr. Neiimarm, billigte Herrn Steinhardt nicht die Wahrnehmung berechtigter persönlicher Interessen zu, sondern verurteilte ihn zu 103 M. Geldstrafe und zur Tragtmg der Gcrichtskosicn. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt werden. Anzeigen als Anzeichen Im ״Hamburger Israelitischen Famiiicnblaft“ vom 7. April finden wir nachstehende Anzeige: ״Für meinen Bruder, 31־ Jahre, Süddeutscher, gute Erscheinung, nicht jüdisch au«- sehend, vornehm. Charakter, usw. , , Wir sind mit der Technik der Annonccnannnhme und Drucklegung* viel zu sehr vertraut, um dem Israelitischen Familicnblalt die Schuld an der Annahme oder Fassung der Anzeige auf/ulndcn. Wir veröffentlichen sie lediglich als Symptom einer Gesinnung, die einst in Assimiiantcnkrciscn weit verbreitet war und sich auch noch heute, wie das Beispiel zeigt, schamlos enthüllt.