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Jüdische Rundschau · 1926-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ J י ד׳ין irpp ®j ד־־ו n t—v ר 1■ * \ ] I \ Ar־ Rrfiktio״ und Verlag W 15, Mcinckestraße 10. Erscheint , , Dienstag und Freitag. Betugiprei» bei der Expedition I *onatlich 1.85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. I 190 ״d״MnMm»״l* w.rd«.1 in det '**ihtuni! dar *iojflneo Undn hcrechnfl. | **’1י" l||fl, ,!fiingMMwi'mBa»—;^xesjxszttssETaBazsjvBj^^xirsaxjz:|;,untmef 29/30 | Berlin, 16. IV. 1926 י •״. «1;.i ssssarssxss O Einzelnummer 0,t;0 Goldmark ן״י״״ין ^,**׳ «'■1•«ן ^s,*, . 1 "1J Anzeigen - V erwaltung Jüdische Uax-.dschauG.m.b.H,, Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Antrij;oupre:E.1<8־f-1p)11{.N0Bp*rfill«reil«Ot50G.-M. Stellengesuch• 0.25G.-M. An««?i^01rh!ttÖ1 Ü1en»t*ß und Freitag nachmittag 4 U h r. T^ZTT^r:T7^V3MZT- Telephon: Bismarck 7165 ״ssa■ 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. bfir Oe.tmelch. Po.trmirk.׳״n.mt Wien, Kral״ Nr 156 030. r, ‘*c"*'0°'l1.״'״t1«1: Po»t*pnrk«<«fniml Konto Nr. 59110׳. i'dr Kolon 1oitjp.rlu.iennml Woroeliou, Konto Nr. 19010a. Redaktionssehluü Sonntag und Mittwoch nachmittag. |ams®s=1amÄ:asK.״aCT^ ■■ ■ו*מ«=תמ״ק!»מד ג׳ אייר׳ חיפ״ו '^s^ssszi r* XXXI. Jahrs. tiomswu» erstrebt für das jMd’icha Volk die Schaffung einer SlrlenWch rot»»lch gesicherten itolinstaiio m Palästina. ״Baseler Programm.« er Appell der Exekutive, den Ijar zum Monat der Zionistischen Organisation zu machen, hat ' weiten und starken Widerhall gefunden. Das allein schon ist ein verheißungsvolles Zeichen, daß der Geist der Organisation gesund, daß die Sorge für ihre Wohlfahrt wach, daß der Sinn für ihre Große lebendig ist■ Die Tage sind gekommen, in denen sich diese Gesinnung in Aktionen zu bekunden haben wird, ln eines Monats Frist soll zusnmmcngetoßt und offenbar werden, was uns Tag um Tag bewegt und leitet. ״Eroberung der Geister״ nT die Losung! Das bedeutet eine Wegweisung nach innen, meint aber auch eine Kundgebung noch außen. Die Zionistische Organisation, Trägerin der jüdischen Renaissance-Bewegung, als Jewish Agency zugleich die völkerrechtliche Repräsentanz des jüdisch-nationalen Heims, ist es dieser Würde und dieser Verantwortung schuldig, das Verständnis, das Vertrauen und den Beistand der politischen Welt und der vorjjeschriiiensten Geister aller Nationen zu bewahren oder neu zu erwerben, sie zu verstärken und zu rechtfertigen. Dieser Welt, deren Kulturgefühl erregt wird, wenn verschüttete Städte bloßgelegt oder Pharaonengräber aufgedeckt werden — Totes, das tot bleiben muß — soll das grandiosere Schauspiel vermittelt werden, wie die Seele eines uralten Volkes vom Schutt der Jahrhunderte gelöst und sein Genius frei gemacht wird, um sich in neuem Leben zu entfalten. Es soll gezeigt und erneut bekräftigt werden, daß diese Renaissance eine Wiedergeburt in reinem Geiste und reinem Willen ist, daß die Gesinnung der Zionistischen Organisation, (ja& das politische Programm der Jewish Agency frei ist von chauvinistischem Ucberschwang oder engnationolen Erobcrungslisten. Die Welt soll wissen und fühlen, daß unsere Sehnsucht und unser Tun nur auf eines gerichtet sind: unser Volk mit seiner grofjcn Tradition, mit seinem Leisiungswillen und seinem Leistung*- vermögen würdig einzureihen in die Familie der freien Völker. Mehr und eindringlicher noch als an die Völker wollen wir zugleidi an diejenigen unseres Stammes appellieren, die noch nicht in unseren Reihen sind. Wir wollen ihnen die Größe dessen zeigen, was mit dem jüdischen Volk und im jüdischen Land geschieht, wir wollen nicht müde werden, sie durch Aufruf und Aufklärung zu mahnen, sich dem Werke der Befreiung anzuschließen. Aber wo sich der großen und reinen Aufgabe rückschrittliche Gesinnung, wo sich ihr Verzerrung oder Uebelwollen entgegenstellt, werden wir sie mit alter Entschiedenheit und erprobter Kraft abwehren! Auch das ist Eroberung; der Geister. Die vornehmlichen Aufgaben des Monats Ijar, um derentwillen er der Monat der Zionistischen Organisetion genannt wurde, gelten aber dieser Organisation selbst. Sie bedeuten: Festigung des Gefüges und des Einheifsgedankens der Organisation, Stärkung des Verständnisses für ihre Bedeutung, Klärung ihrer geistigen Inhalte. Die Organisation war uns von Anbeginn mehr als eine formaltcchnische Zusammenfassung Gleichpnnler. Die Zionistische Organisation ist ein Bund mit hohen Verpflichtungen des Einzelnen nicht nur gegen d/e Sache, der der Bund dient, sondern gegen den Bund selbst. Die Zionistische Organisation ist das jüdisch״ Volk unterwegs, und mit ihrer Größe, ihrer politischen Geltung, ihrer geistigen und materiellen Schlagkraft schicksalseng verbunden ist das jüdische Volk im jüdischen Lande. Von diesem Bimdesbewufjfsein mul) jeder Zionist, jede zionistische Gruppe durchdrungen sein. Mag daher auch im Monat unserer Rechenschaftsab'egung vor uns selbst ein Austausch programmatischer Meinungen unter den Gruppen sta.'ifinden, so muß doch Kritik der anderen begleitet sein von Selbstkritik und von Achtung für fremde Anschauungen, vor allem aber getragen von der alle Mcinunßsuntcrschiedc sozialer, wirtschaftlicher oder kultureller Art umschließenden und beherrschenden Einheit der Orßanisation und Einheit des Grundproörammcs. ln ernster Sdbstprüfung werden sich Sonderverbände und Fraktionen zu vergewissern haben, daß die Gruppierung nidit zum Selbstzweck wird, daß nicht Parteigeist sie vom Zweck und Geist des Ganzen entferne. Sie werden sich bemühen, die Freiheit in Denken und Handeln, die ihnen die Organisation gibt, dadurch zu entgelten, daß sie alles Verbindende und Einigende noch eindring־ lieber bekunden. Auch das ist Eroberung der Geister, unserer eigenen Geister, für die Einheit und Starke der Organisation. Keine Neuheit im Programm tragen wir in den Monat Ijar hinein. Was wir aber von allen Zionisten erwarfen, ist geistige und ocfühlsmäßige Konzentration auf die ideellen Grundlagen unseres Programms, das immer dasselbe ist: Wieder(*ebvrf von Land, Volk., Sprache und Kultur. Wie die Beziehung zur Organisation, so sei das Verhältnis zum Lande eines der lebendigen, persönlichen Verknüpfung. ״Bechol dor wador chajew adarn 'ir'ot et azmo . .״ jeder ist verpflichtet, sich für seine Person w zu verhalten, als ob er selbst an Einzug und Aufbau in Erez Israel tcilnähme. Geist der Choluziuth, Geist der Hadischarah sind die Grundelcmcntc solcher Haltung. Sie bestimmen das Höchstmaß persönlicher Rüstung und Hingabe, sie sind die Grundlage der Gesinnung, in der unsere Jugend erzogen werden *oll Sie sind der Prüfstein für jede Leistung. Die zionistische Leistung des Einzelnen ist nationale Durchbildung seiner eigenen Persönlichkeit, '*• Hingabe an Gesinnung und Hingabe an materiellen Mitteln. Das schwere und große wirtschaftliche Werk, p die Organisation mit dem Aufbau Palästinas vollbringen muß bat die materielle Leistung stärker 11) den Vordergrund zionistischer Pflichten gerückt. Er, wäre ein Unrecht gegen Wert und Würde der Materiellen Leistung, aus der die kostbaren Schöpfungen des Aufbaues erwachsen, wollten wir sie herabsetzen, *0Uten wir sagen, der Zionismus sei durch sie zu einer ״Geldsache" geworden. Geld, das den Boden erlöst ן: das Volk, ist geadelte Gabe, und in der Wiederbelebung des Maoßer als des Prinzips der persönlichen ver• Achtung hat die Organisation den sittlichen Werten des Zionismus einen neuen von hohem Range hinzugefügt A?r niemand kann sich durch Geldeswert von den geistigen und moralischen Verpflichtungen des Zionisten 10*wüten. Geld würde uns nur ärmer machen, mühte sich nicht der aufbauende Idealismus des *״*affenden Erez Israel es fruchtbar zu machen. Und dieses schöpferischen Idealismus muß sich die *?0aistisdie Diaspora mit dem vollen Ernst wahren Erneuerungswillens würdig erweisen. So soll der Monat Organisation einen Ausgleich anbahnen. Die lebenswiditige Arbeit für die Fonds darf nicht unterbrochen ,״den. Aber sie soll sich vollziehen in der zionistischen Atmosphäre gesteigerten Bewußtseins v°n der ideellen Lcistungspflicht jedes Zionisten. . Die Zeit ist zu ernst und zu weit fortgeschritten, als daß eine solche Forderung aufgestcllt werden dürfte, 1 |Je *Pit ihrem wesentlichsten konkreten Inhalt erfüllt zu werden. Das Wort von der Belebung der Organisation ״na der Vertiefung des Zionismus ist heute ohne Sinn, wenn es nicht verknüpft wird mit der strengen und 1 i 10. n Forderung der Hcbraisierung. Nichts Menschliches sei dem Zionismus fremd, aber vor ollem nichts!lasches! Wollen wir den Geist unseres Volkes wieder erwecken und zu großer menschheitlichcr Leistung |l e1 enס* ׳ müssen wir wissen, daß! . der Geist nicht wiedergeboren wird, es sei denn in der Sprache. | D|«se Wiederbelebung aber ist ebenso Werk und Aufgabe der Gesamtheit wie jedes Einzelnen, t u ®0nisten! Der Monat Ijar ist ein zeilgebundenes Symbol einer immerwährenden Pflicht. Er ist ein!1.m°n8t und e!n Lernmonat l Er ist ein Monat der Prüfung und der Zählung 1 Er ist der M^nnt der 15״ ן׳tischen Bewährung! ״ ״ ״ Die Exekutive Jerusalem / London, im Nissan 5686. der Zionistischen Organisation. Monat Ijar Der Monat Ijar hat begonnen. Die Parole der Exekntive, diesen Monat der intensiven Arbeit für die Zio* nistisclie Organisation zu widmen, hat iu allen Kreisen der zionistischen Bewegung eine starke Resonanz, gefunden. Ans der ganzen Welt kamen Aeußcrimgcn der Sympathie, und die Exekutive kann mit Genugtuung fcststcllen, daß ihre Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Für uns Zionisten, die - wie Bhimenfcld in der Sitzung des deutschen Z. K. mit Recht sagte, — jahraus jahrein für den Zionismus arbeiten, unsere Entwicklung und heutige Position ehrlich zu erkennen trachten, und die Zionistische Organisation als lebendigen ־Träger der Idee der Wiedergeburt unseres Volkes zu gestalten wünschen, ist es ein packender Gedanke, daß zu dieser Zeit auf der ganzen Welt iu eindringlicher Form unsere Idee den Massen und den Einzelnen des jüdischen Volkes verkündet wird, daß durch tausende von Sprechern die Forderung nach Selbstbesinnung und Erwachen aus jahr* lumdertelanger Apathie an alle Teile unseres zerstückelten Volkes herangetragen wird. Der Zionismus hat, so fühlt man wieder, nach jahrhundertelanger Atomisierung das jüdische Volk zu einer Einheit gemacht; zu einem einhcitlichcn Organismus, dessen Glieder einer legitimen, freiwillig anerkannten Führerschaft folgen. Durch dieses gemeinsame Wollen wurde die jüdische Einheit aufs neue erlebt. Und etwas von diesem Erlebnis empfinden wir heute bei dem Gedanken, daß das Bewußtsein von der Größe und ursprünglichen Schönheit unserer Bewegung, über alle Sorgen unserer täglichen Arbeii hinweg, in diesen Tagen erhöhter zionistischer Aktivität uns ai'e über den Erdkreis verbindet. Den Genossen in nahen und fernen Ländern, die Schulter an Schulter mit uns der gleichen Sache dienen, ihnen gilt unser Gruß am Beginne dieses Monats, der unserer Bewegung gewidmet ist. Wir glauben, daß dieser alhvcltiiche Zusammenhang auch in der heutigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ zum Ausdruck kommt. Zionistische Persönlichkeiten aus aller Welt haben sich zu der Losung der Exekutive geäußert. Sie alle erfüllt ein Gedanke. Der Monat Ijar ist schnell ein neuer zionistischer Begriff, beinahe ein 'zionistisches Symbol geworden. Der kleine Ausschnitt von Kundgebungen, die wir veröffentlichten, deutet an, wie allgemein die Zustimmung gewesen ist. Die Worte richten sich in erster Linie an die Zionisten selbst. Die Umstürzung aller hergebrachten Vorstellungen und die dadurch erzeugte Unsicherheit des Urteils hatte es mit sich gebracht, daß wir unmittelbar nach dem Kriege weiter zu sein glaubten, als wir tatsächlich waren. Viele fühlten sich bereits am Ziele und nahmen die Haltung der im sichern Hafen Gelandeten an. Viele glaubten, der entscheidende Erfolg — in der Sprache des Krieges nannte man cs ״Sieg“ — sei uns in den Schoß gefallen. Ungehörl verhallten die Stimmen, die immer wieder darauf hinwiesen, daß ein solcher Erfolg unmöglich ist, daß einem Volke nichts geschenkt werden kann, daß wir nichts besitzen werden als was wir selbst erarbeitet haben, daß nicht die Stunde c!cr Ruhe, sondern die Stunde der Prüfung und Bewährung geschlagen hat. Diese Mahnung kam von großen und kleinen Führern-, es ist eine Ehrenpflicht anzuerkennen, daß Weizinnnn, der Führer, dem selbst die Erringung der großen Erfolge zu danken ist, stets in der ersten Reihe jener stand, die vor Ucberschät/ung der äußeren Erfolge warnten und unermüdlich zur Sclbstcrmanntuig und opfcrvollcn Tat des Volkes aufriefen. Die Stimmung der Masse jedoch, wie meist die Stimmung der Masse, war solcher Rede nicht geneigt. Das durch unsägliche Leiden gepeinigte Volk wollte sich den Lichtblick eines schon errungenen, Ruhe gewährenden Sieges nicht rauben lassen, und es hörte gern auf jene, die die Größe des Erreichten übertrieben und dadurch das Selbstbewußtsein zu steigern glaubten. So wechselten die Stimmungen rauschhaftcr, sclbstzufriedener Begeisterung mit gekränkter Empfindlichkeit und Eigenliebe bei den unausbleiblichen Enttäuschungen. An die Stelle gefestigter Entschlossenheit trat die nervöse Hast des zwischen Illusionen und Unsicherheit Schwankenden. Die Worte nutzten sich ab, die Welle der blasierten Apathie, die wie ein neuer Nihilismus über die Welt ging, hat auch unsere Reihen nicht verschont Nicht die’Notwendigkeit, die Mitarbeit anderer, nicht zionistisch orientierter Kreise des Judentums für Palästina zu suchen,!tat den zionistischen Geist in unsera Reihen geschwächt, — cs wäre falsch hier ans dem post hoc ein propter hoc zu machen; sondern ganz unabhängig davon, als eine Folge der gehäufter* Erleb* nissc und der seelischen Erschöpfung, hat die Spannung nachgelassen. So kam es, daß auch die Hinweise darauf, daß gerade die Kooperation mit andern eine besonders starke und lebendige zionistische Bewegung vorz.ussetzi, sich nur sehr schwach auswirken konnteu.

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